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Dieser Roman ist ein Action-Thriller der besonderen Art. Zwei Brüder geraten mitten durch einen Datenskandal in die Fänge einer Mafiabande. Und der Informant kommt aus den eigenen Reihen. Dieser Roman soll nur darstellen, dass man oft seine eigenen Freunde nicht kennt.
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Seitenzahl: 426
Veröffentlichungsjahr: 2025
Lewis Cowley
Maxi und Floh
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Inhaltsverzeichnis
Titel
KAPITEL 2: Mysteriöse Todesfälle
KAPITEL 3: Neue Erkenntnisse
KAPITEL 4: Der Glatzköpfige
KAPITEL 5: Die seltsame Halle
KAPITEL 6: Maxi´s Freundin
KAPITEL 7: „Du kannst heim!“
KAPITEL 8: Allessicher.
KAPITEL 9: Pfadfinderleben
KAPITEL 10: Der Abschied
Impressum neobooks
Die Story:
Maximilian und Florian Percher sind zweieiige Zwillingsbrüder. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich völlig verschieden. Der stark gebaute Maxi ist wahrlich ein Waffen- und Kampfsportexperte, sein zierlicher Bruder dagegen ein Technik- und Computergenie. Als Maxi eine SD-Fotokarte findet und seinen Bruder benachrichtigt, ahnen beide nicht, dass sie in einem Datenskandal verwickelt werden. Ehe sich die Brüder versehen, stehen sie schon bei der Mafia auf der Abschussliste.
Sie werden durch ganz Schleswig-Holstein gejagt. Zwar können sie die zunächst Verfolger immer wieder abschütteln, doch die tauchen stets wieder auf. Anfangs sind die Brüder auf sich selbst gestellt, doch dann bekommen sie Unterstützung von dem Polizisten Olaf Seidl und dem Sprengstoffexperten Karl Brenner, der von allen nur Charlie genannt wird. Seidl hatte vor kurzem Selbstjustiz an den Mörder seiner geliebten Frau Sabrina begangen und vermutet die Drahtzieher in diesem Fall. Auch bekommen die Brüder Unterstützung von der geheimnisvollen Geschäftsfrau Liana.
Als Florian von unbekannten Männern entführt wird, liegt es bei Maxi, ihn zu befreien. Doch er weiß, dass er unter diesen Umständen mit seinen körperlichen Fähigkeiten nicht weit kommt. Er muss anwenden, was er von Florian gelernt hat. Kann er es schaffen? Dabei entdeckt er, dass er und Floh die Verlierer sein sollen, denn sie haben der falschen Person vertraut…
„Achtung! Der Inter-City-Express Würzburg nach Hamburg-Altona fährt auf Gleis 12 ein. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt.“
Es war um die Mittagszeit eines sehr heißen Augusttages, als der ICE Würzburg, einer der modernsten Züge seiner Art, über das Spezialgleis durch Deutschland rauschte. Er hatte am frühen Morgen München verlassen und fuhr nun nach Norden in Richtung Hamburg.
Unter den in Hannover zugestiegenen Fahrgästen zog ein unscheinbar wirkender Mann mit rotem Rollkoffer nicht gerade eine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Es war Florian Percher, der gerade unterwegs zu seinem Zwillingsbruder Maximilian nach Hamburg fuhr, weil dieser ihm ein Fax geschickt hatte, dass er baldmöglichst kommen sollte.
Als der ICE noch eine Stunde nach Hamburg brauchte, saß Florian auf seinem Platz und dachte nach:
„Ich heiße Florian Percher, und will heute meinen Zwillingsbruder Maximilian in Hamburg besuchen. Eigentlich stammten wir beide aus Hannover, doch er war von dort weggezogen. Der Typ mit dem roten Koffer, das bin ich.“
Florian setzte sich an einen freien Platz und fuhr seine Gedanken fort:
„Ich weiß nicht, wo ich eigentlich anfangen soll. Maxi hat mir gefaxt, dass ich möglichst schnell zu ihm kommen soll. Eigentlich haben wir kaum Kontakt, seit er nach Hamburg gezogen war. Ich hatte ihn gewarnt, doch er wollte nicht hören. Ich lebe immer noch in unserer Geburtsstadt, aber bestimmt nicht wegen der Rockband Scorpions. Ich bin ihnen nie begegnet, außerdem halte ich Hannover für sicherer und ruhiger. Maxi wollte sich in Hamburg eine neue Existenz aufbauen, hatte er damals gesagt. Aber ich glaube, dass er Ruhe vor den zahllosen eifersüchtigen Männern haben wollte, deren Frauen er vernascht hatte. Das war typisch für ihn. Vor ihm war wirklich keine Frau sicher. Wo er ging oder stand, ständig baggerte er Frauen an. Und er machte keinen Unterschied daraus, ob sie Singles waren oder nicht. Hast du dir selber zuzuschreiben, Maxi. Dein Umzug wird nicht sehr viel helfen. Die stöbern dich doch auf.
Ich hatte Maxi immer gewarnt, doch er hatte es selbst herausgefordert. Er hätte wissen müssen, dass es längst fällig war. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sein Leben, oder besser gesagt, sein Liebesleben, ändern wird. Dazu kenne ich ihn zu gut. Frauen aufreißen war schon sein Hobby, kaum dass er in die Pubertät kam.
Jetzt soll ich zu ihm. Aber was will Maxi von mir?
Wir sind wohl die unterschiedlichsten Zwillinge Deutschlands. Maxi wirkt älter als ich, ist aber 12 Minuten jünger. In unsere Kinderzeit hat er mich immer aufgezogen, weil er angeblich der bessere sei. Und dennoch: Einen richtig heftigen Krach gab es nie zwischen uns. Meinungsverschiedenheiten und kleine Neckereien gab es dagegen fast täglich, wie es halt bei Geschwistern üblich ist.
Komisch ist schon die Tatsache, dass Maxi und ich völlig verschieden sind. Ich erinnere mich noch genau: schon als Kleinkind hatte er immer mit dem Gewehr unseres Vaters gespielt. Vati war damals Forstjäger. Das Gewehr ließ er gerne wo liegen, doch er achtete immer sorgfältig darauf, dass es nie geladen war. So war das Gewehr frei zugänglich.
Aber die Munition hatte er in seinem Tresor verstaut und nur er kannte den Code. Nicht einmal Mama kam da ran. Dafür war Papa viel zu vorsichtig. Der Tresor war in der Wand im Schlafzimmer unserer Eltern eingebaut. Vati hatte auch dafür gesorgt, dass die Schlafzimmertür aus Edelstahl bestand. Selbst das Schloss war damals ein sündhaft teures Magnetzylinderschloss. Deshalb konnten wir nicht hinein.
Als Maxi und ich 14 Jahre alt waren, gelang es mir irgendwie, das Schloss zu knacken. Bis heute habe ich dieses Geheimnis für mich behalten. Aber ich hatte meine Fähigkeiten weiter ausgebaut, so dass ich sogar den Tresor öffnen konnte. Natürlich war ich vorsichtig genug, fuselfreie Handschuhe und Kleidung zu tragen. Schließlich hatte ich damals alle Krimis genau studiert. Das half mir auch, mich weiterzuentwickeln.
Ich erinnere mich an einen Fall, als ich heimlich Vatis Brille aus dem Schlafzimmer nahm und unten auf den Esstisch legte. Als er sie suchte, zeigte ich ihm, wo sie war. Natürlich hatte ich keine Spuren hinterlassen, doch Vati war misstrauisch.
Übrigens war er zwar nicht gerade glücklich darüber, dass sein jüngerer Sohn mit dem Gewehr spielte, aber er achtete immer darauf, dass der Lauf leer war. So konnte Maxi mit der Waffe spielen.
Bereits mit 15 Jahren konnte Maxi Vati´s Gewehr so gut handhaben, dass er den Lauf im Drehen laden konnte, wie es später Arnold Schwarzenegger im Film „Terminator 2“ auf dem Motorrad demonstrierte.
Mir dagegen war das Ding schwergefallen. Ich konnte kaum den Abzug drücken, schon fiel mir das Gewehr aus der Hand oder ich kippte um. Aber egal, ich hatte schon damals andere Fähigkeiten aufgebaut, die ich brauchen konnte. Maxi wusste das. Nur die Sache mit dem Schloss hat er bis heute nie erfahren. Wir waren schon ein komisches Gespann. Kaum jemand in der Schule wusste, dass wir Brüder waren, denn wir hatten kaum Kontakt.
Allerdings: So richtig gekracht hat es zwischen uns nie. Wir konnten nur nichts miteinander anfangen, obwohl wir Brüder waren. Es gab auch keinerlei Eifersüchteleien zwischen uns.“
Am Hamburger Hauptbahnhof angekommen, stieg Florian aus. Er wusste, dass sein Bruder ihn nicht erwarten würde, denn dazu war er viel zu vorsichtig. Florian kannte ihn genau. Nachdem er den Hauptbahnhof verlassen hatte, wollte er in ein Taxi steigen, doch dann ahnte er, dass es nicht so einfach gehen würde, denn Maxi hatte ihm eine codierte Meldung übermittelt. Das hieß für Florian, vorsichtig zu sein.
Gleich darauf hatte er bemerkt, dass sich verschiedene Männer und Frauen an ihn geheftet hatten. Deshalb blieb er an einem Schaufenster stehen und schaute sich heimlich um, indem er die Spiegelungen der Fensterscheibe benutzte.
Tatsächlich. Oder bildete es sich nur ein? Eine Frau beobachtete ihn genau. Da Florian wusste, dass Frauen an ihm kein Interesse hatten, war er besonders vorsichtig. Jetzt wandte er sich um und schaute die junge Frau eisern an. Sofort drehte sie sich um und ging weg.
Florian ahnte, was los war. Irgendjemand musste das Fax seines Bruders abgefangen haben. Ob so etwas überhaupt möglich war? Jetzt hieß es für ihn, heimlich zu verschwinden, doch das war nicht so einfach. Also ging er zum Hauptbahnhof zurück und löste sich eine Fahrkarte, um später in der U-Bahn der Linie 2 zu verschwinden. Wieder schaute er sich heimlich um. Litt er an Verfolgungswahn oder hatte er Recht?
Wenige Stationen später stieg er aus. Doch diesmal blickte er sich nicht um. Er stellte sich an den Umgebungsplan und bemerkte, dass sich ein Mann neben ihn stellte. Geistesgegenwärtig sprach Florian ihn an.
„Entschuldigen Sie, wo ist denn die Jutastraße?“
Florian kannte die Jutastraße von einem Besuch in München. Der fremde Mann fiel darauf rein.
„Sie müssen noch eine Station weiterfahren, dann sind Sie da.“
Es gab in Hamburg keine Jutastraße, Florian wusste das.
„Danke.“ sagte er und ging zur U-Bahn. Dabei beobachtete er an den Spiegeln an der Decke, dass der Mann ihm folgte. Oder folgte er ihm doch nicht?
Unten angekommen, schaute er sich heimlich um. Zwar hielten sich viele Menschen am Bahnhof auf, doch er war sehr vorsichtig. Als die U-Bahn eintraf, stieg er ein. Doch als sich die Tür zum Abfahren schloss, sprang er mit seinem Koffer heraus. Schon konnte er hören, wie einige Leute gewaltsam an Tür und Fenster klopften. Das war für ihn der Beweis, dass es sich um Gangster handeln musste.
Gleich darauf erschien die andere U-Bahn. Er stieg ein, blieb aber dennoch vorsichtig. Doch niemand schien sich für ihn zu interessieren.
Zwei Stationen später stieg er aus. Er wusste, wo Maxi wohnte, immerhin hatte er ihn bereits zweimal besucht. Nachdem er dreimal im Kreis gegangen war und sich vorsichtig wie ein Tourist umgeschaut hatte, bemerkte er immer wieder Leute, die sich in seiner Nähe aufhielten. Da Maxi im Hinterhof einer etwas abgelegenen Gasse wohnte, die kaum durchschritten wurde, war es ungewöhnlich, dass sich Leute dort aufhielten.
Florian benutzte einen Trick: Ein altes unbewohntes Haus, in das er verschwand, und den Hinterausgang, den sonst niemand kannte. Maxi hatte es ihm gezeigt. Eine alt wirkende Tür, die zur einzigen Tiefgarage dieser Straße führte. Von dort aus konnte er in 12 verschiedenen Richtungen flüchten. Aber um alle Ausgänge von vier Blockhäusern und Garagenausgängen überwachen zu könnten, brauchte man mindestens 12 Mann.
Florian schlich sich aus einem Hausausgang. Niemand war zu sehen. So schnell er konnte, rannte er mit seinem Koffer in Richtung der Straße, in der Maxi wohnte. Hastig läutete er an der Klingel. Die Tür ging auf und er ging zum 2. Stock. Dort wurde er bereits erwartet.
Im Gegensatz zu dem unscheinbaren Florian sah Maxi blendend aus, was er natürlich nutzte. Wie viele Frauen er schon hatte, wusste auch er nicht, dennoch achtete er immer auf Safer. Früher hatte Florian ihn deswegen beneidet, doch seit er mit Gerlinde zusammen war, wusste er, dass er es besser hatte. Maxi dagegen musste sich allein durchschlagen, doch das klappte recht gut.
Jetzt standen sie sich gegenüber. Fast ein halbes Jahr hatten sie sich nicht mehr gesehen.
„Servus.“ sagte Maxi ernst reichte ihm die Hand.
„Maxi oder Mini?“ fragte sein Bruder.
Beide grinsten, als Florian eintrat und die Wohnung seines Bruders begutachtete.
„Hübsch hässlich hast du´s hier.“ sagte er. „Die Küchenzeile kenn ich noch nicht.“
„Die hab´ ich erst vor zwei Monaten eingebaut.“ erklärte Maxi.
„Warum hast du mir das Fax geschickt?“ erkundigte sich Florian.
Diese direkte Frage war typisch für ihn. Er kam immer gleich zur Sache, ohne dabei auf andere Umstände zu achten.
Sein Bruder griff nach einer Fotokarte.
„Deshalb.“ erklärte er. „Ich habe sie da vorne am Markt gefunden, aber was drauf ist, kann ich nicht öffnen.“
„Dann probier´ ich es.“ sagte Florian bestimmt, holte sein Laptop aus der Tasche und schloss ein mobiles Kartenlaufwerk an. Dann zog er das Netzteil heraus und sagte:
„Steck ein, der Akku reicht nicht aus.“
„Stromdieb.“ meinte Maxi grinsend. Aber er wusste, war sein Bruder meinte. Florian hatte es ihm einmal erklärt: Wenn man Daten überträgt, fordert das so viel Strom, dass der Akku nach drei Minuten leer ist. Obwohl Maxi von Computern nicht viel wusste, einiges hatte er von Florian gelernt.
„Ich würde so gern die Straße mit Bewegungsmeldern ausstatten.“ gestand er. „Aber da kennst du dich besser aus. Vielleicht könnte man Bewegungsmelder installieren, die sofort losheulen, wenn jemand an meine Bude kommt.“
„Du hast dich echt nicht geändert.“ sagte Florian.
„Wer würde denn schon bei mir einbrechen wollen?“ fragte Maxi.
„Eifersüchtige Ehemänner, müde Chefs, verzweifelte Autobauer, die Liste ist endlos.“ erklärte Florian. „Besonders, was diese eifersüchtigen Ehemänner betrifft.“ Dabei öffnete er die Karte.
Das Wort war schwer auszusprechen, außerdem hatte es hinten drei Buchstaben, die Florian nicht zuordnen konnte. Gbl, hieß es.
„Fehlanzeige.“ sagte er. „Offensichtlich stammt diese Datei von einer Software, die auf dem freien Markt nicht erhältlich ist. Also ein Spezialprogramm, das nur für einen bestimmten Zweck dient und der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Wo, sagtest du, hast du sie gefunden?“
„Drüben auf dem Markt.“ erklärte Maxi. „Es herrschte reger Betrieb, so dass die Karte wohl jemandem verlorengegangen ist. Ich hab´ sie nur zufällig gesehen und gleich mitgenommen. Aber du hast doch diesen Freund in Hannover, diesen Matthias, der sich mit solchen Daten auskennt.“
„Ich glaube nicht, dass er mir da helfen kann.“ meinte Florian. „Aber ich werde die Datei übersenden. Dein Bekannter, dieser Tobias, hat doch Internet, soviel ich weiß. Von dort aus kann ich Matthias Bescheid geben.“
„Ich kann mich ja bei ihm melden.“ sagte Maxi. „Er hat ja auch Fax.“
Gleich darauf hatte er ein Blatt vollgekritzelt und wählte eine Nummer. Schon war das Fax durch.
Nach 5 Minuten ging das Fax auf Empfang. Matthias hatte zurückgeschrieben, dass er zuhause war. Er war über alles informiert und wartete bereits auf die Brüder.
Keine 30 Minuten später saßen sie in Matthias´ Wohnzimmer. Der setzte sich gleich an den Rechner und lud die Datei ein. Dann schrieb er auf Florian´s Weisung die Mail und schickte sie ab. Sollte Tobias wirklich erreichbar sein, würde er bald reagieren.
„Der Vorteil ist, dass Charlie ein mobiles Internet hat.“ erklärte Florian seinem Bruder. „Damit kann er von allen Flecken der Welt ins Netz, und unter anderem auch Daten an seinen Drucker schicken.“
Nun hieß es Warten. Nicht nur für Maxi, sondern auch für Florian schienen es die längsten Minuten zu sein. Es wurde eine halbe Stunde daraus. Keiner sagte etwas. Alle waren gespannt auf die Antwort.
Schließlich meinte Florian:
„Offenbar hat er sein Laptop ausgeschaltet.“
„Es ist möglich, dass du recht hast.“ bestätigte Maxi.
Er hatte noch gar nicht ausgesprochen, da ertönte endlich das bekannte Signal, das die Ankunft einer E-Mail ankündigte. Wie auf Kommando stürmten die drei zum Rechner. Tobias öffnete die Mail und las:
„Hi, Floh, eine Software dieser Art gibt es auf dem freien Markt nicht. Gbl ist ein Icon, das auch mir nicht bekannt ist. Vielleicht ist es eine Spionagesoftware, denn auch Firmen, die etwas zur Berechnung brauchen, haben diesen Endpunkt nicht. Passt gut auf euch auf.“
Einige Sekunden herrschte lautlose Stille. Dann sagte Florian:
„Maxi, nichts wie zurück zu deiner Bude. Ich fürchte, es ist schon zu spät.“
Sofort stürmten die Brüder aus der Wohnung von Matthias. Ein flüchtiges Tschau war alles, was sie zu ihm sagten, als sie die Treppe hinunterliefen. Sofort sprangen sie in Maxis Wagen. Dieser wollte gerade starten, als Florian rief:
„Warte!“
Er stieg aus dem Wagen und befahl:
„Mach die Motorhaube auf!“
Maxi folgte der Aufforderung seines Bruders und betätigte den Hebel, der unten im Verdeck war. Florian öffnete die Motorhaube und schaute hinein.
„Hab ich´s mir doch gedacht.“ flüsterte er. An seinen Bruder gewandt, fragte er:
„Kennst du zufällig einen Sprengstoffexperten?“
Maxi stieg aus und wollte wissen:
„Was ist denn los?“
„Das hier.“ Florian zeigte seinem Bruder in der Nähe des Kühlertanks einen kleinen Kasten, der garantiert nicht zum Wagen gehören konnte. Es war ein kleines, elektronisches Teil.
„Eine Art Wärmezünderbombe.“ vermutete Florian. „Ein Kabel führt zu den Zündkerzen. Ein Funke genügt und der Wagen geht hoch.“
„Das muss passiert sein, als wir bei Matthias waren.“ sagte Maxi. „Aber wer hat das gemacht, und wie hat er das geschafft, ohne Schaden?“
„Von unten, nehme ich an.“ glaubte Florian. „Während wir bei Matthias waren, hat er sich an die Sache gemacht. Die Frage ist nur, wer und warum.“
Kaum hatte er ausgesprochen, hörte er hinter sich laufende Schritte, doch auch Maxi hatte es gehört und drehte sich blitzschnell um. Ein asiatisch aussehender Mann rannte auf die Brüder zu. Noch ehe Florian begriffen hatte, was geschehen war, lag der Fremde mit zertrümmertem Schädel am Boden. Maxi hatte ausgeholt und seine Fäuste so fest an den Kopf des Fremden gedonnert, dass dieser bereits tot war, als er zu Boden fiel.
Florian brauchte eine Weile, bis er sich von dem Schreck erholt hatte.
„Ist schon vorbei, Floh.“ sagte Maxi. „Der tut nichts mehr. Aber warum ist er auf uns los?“
„Na, vielleicht haben ihm unsere Nasen nicht gefallen.“ scherzte Florian, noch völlig unter seinem Schreck stehend. „Aber was ist, wenn noch so einer kommt?“
„Dann werde ich mich auch um ihn kümmern, bevor er sich in dieselben Schwierigkeiten bringt.“ beruhigte ihn Maxi. „Aber jetzt holen wir die Bullen und auch Charlie. Der soll sich die Bombe anschauen.“
Etwa eine halbe Stunde später hatte ein Mann Maxi´s Wagen unter die Lupe genommen. Es war der schon erwähnte Charlie von der Polizei, während die anderen Beamten die Leiche des Asiaten untersuchte.
„Ganz schön raffiniert.“ stellte der Bombenexperte fest. „Eine Nitroglyzerinbombe an Zündkerzen anschließen ist mir neu. Ein Funke genügt, und schon geht der Wagen hoch. Gut angebaut, obwohl es eigentlich einfach ist, zumal es von unten eingebaut wurde. Aber ich kriege das raus. Vielleicht kann ich auch etwaige Spuren feststellen. Zwar glaube ich nicht daran, aber wer weiß.“
Florian wandte sich an die Polizei.
„Was Neues über den Toten?“ fragte er.
„Er konnte noch nicht identifiziert werden.“ sagte ein Beamter, als Maxi hinzukam. „Aus Hamburg stammt er offenbar nicht.“
„Egal, woher dieser Bursche kommt.“ sagte Florian in einem bestimmten Ton. „Meine Ankunft hat sich schnell rumgesprochen. Die Frage ist nur, wer wusste davon und warum.“
„Und die Frage ist, wer will uns ans Leder?“ wollte Maxi wissen.
„Leider eine sehr gute Frage.“ entgegnete sein Bruder.
„Ich glaube, ich habe eine Antwort darauf.“ sagte ein anderer Polizist. „Das erinnert mich an den Mordanschlag, der damals nie geklärt wurde. Ein türkischer Dönerverkäufer wurde auf diese Art ermordet. Ob dieser Tote hier seine Finger im Spiel hatte, weiß niemand, aber er war damals in der Nähe des Tatortes. Ich hatte den Fall bearbeitet.“
„Moment.“ überlegte Maxi. „Hieß der Mann Öktür oder so ähnlich? Bei dem habe ich manchmal Hähnchen gekauft. Er stand an der Hubertusstraße.“
„Ja, das war er.“ bestätigte der Polizist. „Übrigens hieß er Ötkür Durmaz. Er ist bei dem Anschlag draufgegangen. Ob dieser Anschlag hier im Zusammenhang steht, das werde ich herausfinden. Übrigens, sagt Ihnen der Name Ingolf von Verne etwas?“
Die Brüder blickten sich an und schüttelten leicht ihre Köpfe, als der Polizist fortfuhr:
„Das war einmal ein Bombenleger. Angeblich arbeitete er früher mit einer Organisation zusammen, deren Hintergrund wir nie aufgedeckt haben. Er soll sich im letzten Jahr eine neue Identität zugelegt und sich im Ausland abgesetzt haben. Aber ich glaube nicht daran.“
„Kontakte zu Banden, neuer Pass, plastische Chirurgie, und schon bist du ein anderer Mensch.“ sagte Florian. „Aber nur äußerlich.“
„Und Sie glauben, dass der hier von Verne ist.“ fragte der Polizist.
„So, wie Sie das schildern, ist es durchaus möglich.“ meinte Florian. „Am besten, Sie lassen ihn einer Autopsie durchziehen.“
„Wird gleich erledigt, wenn das hier vorbei ist.“ versprach der Polizist. „Übrigens, ich heiße Mark.“
Wenige Stunden später waren die Brüder bei Dr. Keller im Autopsieraum. Der Mann, der etwa um die 50 Jahre alt sein mochte, erweckte zunächst nicht das Vertrauen der Brüder, doch Florian schob es auf die berufliche Routine des Mannes.
„Was haben Sie herausgefunden?“ fragte Maxi.
„Ihr Bruder hatte recht.“ bestätigte Dr. Keller. „Er ist plastisch verändert worden. Der Tote, meine ich. Außerdem sind einige seiner inneren Organe neu verpflanzt worden. Wahrscheinlich wollte entweder er oder ein anderer seine Identität vertuschen.“
„Und warum?“ fragte Maxi.
„Das kann ich jetzt noch nicht sagen.“ erklärte Dr. Keller. „Aber vielleicht kann ich anhand der Autopsie und mit Hilfe von Mark herausfinden, was hinter der Sache steckt.“
„Mark?“ fragte Florian. „Das ist doch der Polizist von vorhin. Kennen Sie den?“
„Seit fast 10 Jahren.“ bestätigte Dr. Keller. „Nüchtern ausgedrückt: er gibt mir die Fälle und ich bearbeite sie. Aber das hier muss ich herausfinden. Es ist wirklich ungewöhnlich.“
„Wann können Sie uns etwas Genaues sagen?“ erkundigte sich Maxi.
„Vielleicht schon morgen.“ sagte Dr. Keller.
„Hier ist meine Faxnummer.“ Maxi gab dem Gerichtsmediziner seine Karte. „Schicken sie mir sofort Ihr Ergebnis schriftlich zu, sobald Sie es haben.“
„Wäre eine Handynummer nicht besser?“ fragte Dr. Keller.
„Das glaube ich nicht.“ erwiderte Maxi. „Wenn schon so eine Art Mafia hinter mir her ist, will ich wenigstens alles per Fax machen. Das kann man nicht abfangen.“
„Es wäre besser, Sie sagen das der Polizei.“ meinte Dr. Keller. „Die können Ihnen weiterhelfen.“
Bald darauf waren die Brüder unten in der U-Bahn. Der Vorfall mit Maxi´s Wagen hatte sie vorsichtig werden lassen. Sie scherzten nur scheinbar, denn sie wollten wissen, wer ihnen ans Leben wollte.
Doch noch bevor sie die Straße erreicht hatten, erblicken sie in nicht allzu weiter Ferne eine Rauchsäule aufsteigen. Sofort, ohne zu überlegen, rannten die Brüder dorthin. Kaum dort angekommen, sahen sie schon, was geschehen war. Das Haus, in dem Maxi wohnte, stand in Flammen. Doch eigenartigerweise nicht in Maxi´s Wohnung, sondern die Bude darüber brannte. Der Straßenteil war abgesperrt und die Polizei riegelte alles ab.
„Mein Gott!“ stieß Maxi hervor. „Da wohnt doch Herr Mertens, der alte Mann!“ Schon hasteten die Brüder weiter, doch sie wurden von einem Polizeibeamten zurückgehalten.
„Halt. Sie können hier nicht durch.“ sagte er bestimmt.
„Aber ich wohne darunter.“ rief Maxi. „Außerdem ist der Mann alt. Wir müssen ihn…“
„Schon erledigt.“ beruhigte ihn der Polizist. „Ihm ist nichts passiert. Aber seine Wohnung dürfte sich aufgelöst haben.“
„Was ist denn passiert?“ erkundigte sich Florian.
„Eine Explosion.“ erklärte der Polizist. „Jemand muss durch das Fenster eine Art Molotow-Cocktail geworfen haben. Zum Glück war der alte Mann nicht in seiner Bude, doch der Sachschaden dürfte größer werden, als wir angenommen haben.“
„Was sind denn schon Sachschäden?“ bemerkte Florian. „Sowas kann man ersetzen. Aber es ist gut, dass der Mann noch lebt.“
„Er kam gerade aus dem Haus, als es passierte.“ berichtete der Polizist. „Glück gehabt, aber von seinem Hab und Gut wird wohl nichts mehr übrigbleiben.“
Zwei Stunden später, nachdem der Brand gelöscht war, fand man die Vermutung des Polizisten bestätigt. Denn nachdem die Brüder Maxis völlig unversehrte Wohnung begutachtet hatten, stießen sie darüber nur noch auf verrußte und verbrannte Einrichtungsgegenstände. Die Flammen hatten alles zerstört. Auch die Wohnung darüber war am Balkon leicht angekokelt. Allerdings war dieser Schaden sehr gering. Neu weißeln oder tapezieren würde genügen.
„Wer trachtet dem alten Mann nach seinem Leben?“ fragte Maxi.
„Ich glaube eher, dass der Typ, der den Anschlag verübt hat, es nicht auf den alten Mann abgesehen hat.“ meinte Florian.
„Was willst du damit sagen?“ wollte sein Bruder wissen.
„Um es kurz und direkt zu formulieren.“ begann Florian. „Der Typ hat zwar geliefert, aber an die falsche Adresse.“
„Du meinst doch nicht etwa, dass der Anschlag mir galt.“ erkannte Maxi.
„Jetzt denk doch mal nach.“ stellte Florian fest. „Erst der Anschlag auf deinen Wagen, dann der Typ, der auf uns los ist und jetzt dieser Brandanschlag. Der muss dir gelten. Wenn man eins und eins addiert, kommt das Ergebnis, das man in der Mathematik zwei nennt.“
„Ich weiß, was du meinst.“ bemerkte sein Bruder. „Und ich kann dir wohl sagen, dass mir das nicht gefällt.“
„Mir ebenso wenig.“ gestand Florian.
Unterdessen kam es in einem unterirdischen Bau zu einer heftigen Diskussion. Etwa 10 Männer stritten untereinander.
„Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ brüllte einer. „Erst die Karte verschmeißen und dann auch noch Anschläge machen, die danebengehen. Das hätte nie passieren dürfen. Wenn der Boss kommt, holt uns der Teufel.“
„Bin schon da.“ erschallte es aus verschiedenen Lautsprechern. Die Stimme war elektronisch verfremdet und klang zudem sehr metallisch. Außerdem wurde die Stimme vervielfacht, so dass man nicht einmal erkennen konnte, ob es ein Mann oder eine Frau war.
„Nr. 12, treten Sie vor.“ rief die Stimme. „Wie war das möglich, dass irgendein Typ die Karte hat?“
„Das war ein Versehen.“ rief Nr. 12.
„Was heisst hier Versehen?“ brüllte die Stimme. „Nr. 2, kommen Sie sofort zu mir. Ich habe mit Ihnen zu reden. Aber zuerst will ich wissen, wie es überhaupt zu dem Verlust kommen konnte.“
„Dieser Idiot von Ignaz hatte die Anweisung, die Karte zur Zentrale zu bringen. Doch der hat sie irgendwie verschmissen. Aber wir haben noch erfahren, wer sie hat, weil er dabei beobachtet wurde. Seine Personalien haben wir schnell rausgefunden.“
„Und warum diese Anschläge?“ kam es aus den Lautsprechern. „Der Typ kann doch mit der Datei nichts anfangen und die Karte kostet doch kein Vermögen, dass man gleich mit schwerem Geschütz auffahren muss.“
„Aber wenn er es doch herausfindet, dass es eine Liste ist?“ fragte Nr. 2. „Ich komme rüber und erkläre alles.“ An die anderen gewandt, befahl er:
„Wartet hier, bis ich zurückkomme.“
Etwa zwei Minuten später war er in der Zentrale angekommen. Sie bestand aus lauter Geräten wie Überwachungskameras, Computern, die Filme und Ton rund um die Uhr aufzeichneten und einem Steuerpult, mit dem man verschiedene Mechanismen auslösen konnten.
Hinter einem Vorhang konnte man den verschwommenen schattigen Umriss eines Menschen erkennen, mehr war nicht zu sehen. Es war der Boss persönlich. Niemand von seiner Bande wusste, wer er war, denn er zeigte sich nur hinter diesem Vorhang. Lediglich Nr. 2, sein Stellvertreter, durfte sich ihm nähern, doch auch er wusste nicht, wer der Boss war.
„Das hätte nicht passieren dürfen, Nr. 2.“ erklang die metallische Stimme. „Eigentlich wäre es doch so einfach gewesen, ihm mit einem kleinen Trick die Karte wieder abzuluchsen. Es war ein Fehler von Ihnen, auf diesen Typen Anschläge zu machen.“
„Das war auch gar nicht von mir vorgesehen.“ erklärte Nr. 2. „Da hat irgendeiner falsch geschaltet.“
„Wie dem auch sei.“ sagte die Stimme. „Ich hätte es ohne Gewalt geschafft, aber einer Ihrer Leute musste ja auf eigene Faust handeln. Jetzt ist er gewarnt. Übrigens, wer ist der Typ, der jetzt bei ihm ist? Den habe ich noch nie gesehen.“
„Das wissen wir auch nicht.“ gestand Nr. 2. „Aber die scheinen sich gut zu kennen. Ich habe ihn analysiert. Vielleicht bekommen wir Klarheit.“
„Das will ich auch hoffen.“ kam es zurück.
Schon ging Nr. 2 zum Besprechungsraum zurück.
„Kriegt raus, wer der Typ ist, der an diesem Percher klebt.“ befahl die Stimme. „Aber nur das. Auf keinen Fall darf etwas passieren. Niemand unternimmt jetzt etwas selbständig. Ich hoffe, das ist angekommen. Die Daten auf der Karte müssen gelöscht werden, bevor die beiden Typen etwas herausfinden.“
„Ich fürchte, es ist zu spät, Boss.“ entgegnete Nr. 2. „Wahrscheinlich hat der andere Typ die Karte längst analysiert und den Inhalt entdeckt. Bestimmt weiß er, was drauf ist, obwohl ich das für unwahrscheinlich halte.“
„Dann hättet ihr die Karte eben vorher holen sollen, als ihn zu attackieren.“ gab die Stimme zurück. „Jetzt ist er gewarnt. Aber die Frage ist: Wer ist der Typ bei ihm? Und warum weiß ich nichts über ihn?“
„Das kriegen wir schon raus.“ sagte Nr. 2. „Ich kümmere mich persönlich drum. Nicht umsonst werde ich die Schlange genannt.“
„Das haben Sie in den früheren Aufträgen schon bewiesen.“ entgegnete die Stimme. „Aber jetzt kommt´s darauf an, dass die nichts erfahren. Denn sollte es so sein…“
„…legen wir sie flach!“ vollendete Nr. 2.
Alle lachten.
„Nein!“ rief die Stimme und alle verstummten. Die Stimme fuhr fort:
„Der überwacht sie und gibt mir Meldung. Klar?“
Inzwischen hatte die Feuerwehr die ausgebrannte Wohnung des alten Mannes durchsucht. Doch was sollten sie suchen? Es gab keinen Hinweis dafür, dass die Wohnung angezündet worden war. Doch Florian, der mit seinem Bruder zugegen war, roch etwas.
„Das ist Petroleum!“ erklärte er. „Die Wohnung ist tatsächlich angezündet worden.“
„Aber wer sollte das gemacht haben?“ wollte der Polizist wissen, der neben ihm stand.
„Eins ist jedenfalls sicher:“ sagte Florian. „Der Brandanschlag galt meinem Bruder. Und das Feuer wurde nur gelegt, damit Spuren verschwinden. Hier werden wir jedenfalls nichts Brauchbares finden. Es sei denn, wir suchen bei Maxi´s Bude nach.“
„Wozu die Zeit verschwenden?“ fragte sein Bruder. „Finden werden wir sowieso nichts. Und die Karte habe ich bei mir. Denen geht es doch nur darum oder besser gesagt, was auf der Karte drauf ist.“
„Ich habe den Eindruck, dass du Leibwächter brauchst.“ meinte Florian grinsend.
„Ich weiß nicht, was an der Tatsache, dass Killer hinter uns her sind, amüsant ist.“ entgegnete Maxi. „Wer weiß, wann sie uns aufspüren.“
„Immerhin haben sie aus der Luft Feuer speien lassen, obwohl es keine Drachen gibt.“ sagte Florian. „Sie mussten für die Wohnungstür einen Nachschlüssel gehabt haben.“
„Eine Bande, die hinter mir her ist, soll so dämlich sein, und sich im Stockwerk irren?“ gab sein Bruder zurück. „Das ist doch völlig abwegig. Ich glaube eher, dass das Ganze mit uns nichts zu tun hat.“
„Es ist möglich, dass du recht hast.“ gab Florian zu.
„Ich glaube nicht, dass es ratsam ist, wenn wir noch länger hier herumstehen.“ meinte der Polizist. „Schließlich soll die Spusi noch etwas finden.“
„Fragt sich nur, was sie finden sollen.“ entgegnete der Feuerwehrmann, der dazugekommen war. „Das Feuer ist gelöscht, hier muss mal aufgeräumt werden. Hoffentlich ist der alte Mann versichert. Haben Sie eben nicht gesagt, es riecht hier nach Petroleum. Normalerweise nimmt man Benzin, um eine Wohnung anzustecken. Ich glaube eher, dass eine Lampe umgefallen ist und dadurch den Brand ausgelöst hat.“
„Siehst du hier eine Petroleumlampe?“ fragte der Polizist. „Ich glaube, wir müssen noch darauf achten, dass sich kein Glimmer weiterfrisst und ein neues Feuer entfacht.“
„Deswegen sind wir auch hier.“ sagte der Feuerwehrmann.
In diesem Moment tauchten einige Männer in sterilen Anzügen auf. Es waren Beamte der Spurensicherung.
„Können wir jetzt anfangen?“ fragte einer von ihnen.
„Geht in Ordnung, wir gehen raus.“ entgegnete der Polizist.
Schon entfernten sich alle und gingen nach unten. Den Lift zu benutzen war ihnen zu riskant. Auf dem Hof trafen sie wieder zusammen.
„Die Kripo ist auch oben.“ sagte der eine Polizist. „Das ist jetzt deren Sache.“
„Interessieren würde es mich schon, wer dahintersteckt.“ meinte Maxi.
„Ich fürchte, das kriegen wir schneller raus, als uns lieb ist.“ vermutete Florian. „Am besten, wir gehen jetzt zu deiner Bude, die ist nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.“
„Einen Moment.“ sagte er Polizist. „Es ist möglich, dass bei Ihrer Wohnung vielleicht auch eingebrochen worden ist.“
Kaum darauf waren sie oben bei Maxi´s Wohnung angekommen, doch das Schloss war unversehrt.
„Ich habe abgesperrt.“ erklärte Maxi. „Und es sind keine Einbruchspuren zu sehen.“
„Vielleicht sollte die Wohnung darüber nur zum Schein brennen, damit die anderen in der Dunkelheit und allgemeinen Verwirrungen bei Maxi einsteigen können.“ glaubte Florian.
„Sie meinen über das Fenster?“ frage der Polizist.
„Ich habe die Balkontür offengelassen.“ stellte Maxi fest. „Vielleicht sind sie doch da rein.“
„Das können wir nur feststellen, wenn wir Ihre Wohnung untersuchen.“ meinte der Polizist. „Die Spusi soll das erledigen, bevor Sie reingehen. Das wird das Beste sein.“
„Nun, ich habe nichts dagegen.“ sagte Maxi. „Aber sie werden einen Haufen anderer Fingerabdrücke und Spuren finden, die nicht von mir sind.“
„Du meinst deinen Harem.“ lachte Florian. „Na, hoffentlich zieht die Spurensicherung keine falschen Schlüsse daraus.“
„Könnte schon sein.“ erwiderte der Polizist. An Maxi gewandt fragte er:
„Sagten Sie vorhin nicht, dass Sie mit einem Polizisten befreundet sind? Vielleicht kann der Ihnen besser helfen.“
„Daran habe ich auch schon gedacht.“ sagte Maxi. „Also, wenn die Spurensicherung oben fertig ist, kann sie ja hier suchen.“
„Die Frage ist nur, was sie suchen sollen.“ erwiderte Florian. „Ich könnte mir denken, die wissen, dass du die Karte bei dir hast.“
„So sicher sind die sich nicht.“ meinte Maxi. „Aber das ist jetzt egal.“
„So egal ist das nicht, mein Lieber.“ entgegnete sein Bruder. „Denk doch nach, da werden wir mir nichts dir nichts einfach überfallen, danach stecken sie die Wohnung deines Nachbarn in Brand. Ich weiß nicht, was die vorhaben, aber wir haben es hier mit routinierten Killern zu tun, die uns ausschalten wollen.“
„Woher willst du das wissen?“ sagte Maxi. „Es ist noch nicht bewiesen, dass der Überfall im Zusammenhang mit der ausgebrannten Wohnung steht. Das soll die Spurensicherung herausfinden. Inzwischen gehen wir etwas essen. Weiter drüben ist ein Restaurant. Wie lange brauchen Sie noch?“
„Mindestens eine halbe Stunde.“ antwortete der Polizist.
„Wir sind in einer Stunde wieder zurück.“ entgegnete Maxi. Dann schritt er mit seinem Zwillingsbruder in Richtung Restaurant.
„Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn wir ihm vom Inhalt der Karte erzählen.“ meinte Florian.
„Wieso nicht?“ gab Maxi zurück. „Dass du immer so misstrauisch sein musst.“
„Ich weiß nicht,“ erwiderte sein Bruder. „aber ich habe so ein blödes Gefühl in der Magengegend, das hat was zu bedeuten.“
„Jetzt mach dir bloß nicht in die Hosen.“ grinste Maxi. „Na, wir werden sehen.“
Im Restaurant schauten sie sich um und wählten einen Vierertisch. Gleich darauf bestellten sie sich ihr Essen. Danach unterhielten sie sich.
„Ich glaube nicht, dass es klug ist, wenn wir die Polizei hinzuziehen.“ sagte Florian.
„Wie stellst du dir das vor?“ wollte sein Bruder wissen. „Wir brauchen doch Informationen und die Hilfe anderer.“
„Ich glaube, ich komme schon selbst dahinter.“ erwiderte Florian. „Ich müsste den Text, oder was das auch immer auf der Karte ist, dekodieren können. Vielleicht mit einer speziellen Software. Auch wenn es vielleicht nicht hundertprozentig genau ist.“
„Es könnte auch ein Film- oder Tondokument sein.“ lenkte sein Bruder ein.
„Das ist gar nicht so dumm.“ sagte Florian. „Aber ich zweifle daran, dazu ist die Datei zu klein. Es würde höchstens eine Sekunde lang ein, der Dateigröße nach zu urteilen.“
„Ein Bild vielleicht?“ wollte Maxi wissen.
„Das kommt vielleicht eher hin.“ bestätigte sein Bruder. „Oder doch ein Schriftstück.“
„Ich glaube, das Raten hat keinen Sinn.“ gab Maxi zurück. „Am besten, wir geben der Polizei diese Datei. Vielleicht erfahren wir dann Näheres.“
„Maxi, so viel Zeit haben wir nicht.“ wehrte Florian ab. „Denk doch man nach: Wenn diese Datei für die anderen sehr wichtig sind, dann werden sie alles daran setzten uns abzumurksen.“
„Und woher willst du das eigentlich wissen?“ fragte Maxi. „Ich meine, wenn es so sein sollte, hätten sie es schon getan.“
„Vielleicht kommen sie nicht an uns ran, weil wir etwas zu schnell sind.“ vermutete Florian.
„Hast du eigentlich schon herausgefunden, was es mit dieser Datei auf sich hat?“ wollte Maxi wissen. „Angenommen, es ist etwas Militärisches, dass kann es uns schlecht gehen.“
„Dazu muss ich noch Zeit haben, die Datei auf Karte zu untersuchen.“ meinte Florian. „Ich habe da eine Idee.“
„Und welche?“ wollte Maxi wissen.
„Das weiß ich noch nicht so genau, ist nur eine Theorie.“ gestand sein Bruder. „Ich halte es für das Beste, wir gehen zurück. Sicher ist die Polizei mit der Spusi noch da. Vielleicht erfahren wir da etwas Neues.“
„Sobald ich den Braten heruntergeschlungen habe.“ ergänzte Maxi.
Etwa 10 Minuten später waren die Brüder wieder auf den Weg zu Maxi´s Wohnung. Und tatsächlich: Polizei und die Spurensicherung waren noch anwesend.
„Na, was ist?“ fragte Florian. „Irgendetwas gefunden?“
„Wir konnten nur Fingerabdrücke sicherstellen, die wahrscheinlich von Frauen stammen. Eine unbekannte DNS haben wir nicht finden können, aber wir sind noch nicht ganz fertig.“
„Muss die Wohnung versiegelt werden?“ fragte Maxi.
„So weit kommt es nicht.“ beruhigte ihn der Beamte. „Sie können gleich rein.“
Und wirklich: Keine 20 Minuten später war Maxi´s Wohnung freigegeben und die Brüder konnten weiter forschen. Florian legte die Karte ein und öffnete die Datei.
„Vielleicht kann ich mit Hilfe eines Textprogramms Einsicht in diese Datei kriegen.“ meinte Florian.
„Und woran denkst du als Erstes?“ wollte sein Bruder wissen.
„Mit einem Umwandlungsprogramm könnte ich eine Textdatei machen, die zwar von Word nicht gelesen werden kann, aber im Text-Editor sichtbar wird. Vielleicht kriegen wir dann Klarheit, wenn es eine Textdatei ist.“
Inzwischen hatte Florian sein Laptop gestartet. Dann suchte er die Datei und ließ sie über einen Formatwandler laufen, das war gleich erledigt, da die Datei winzig klein war.
Nach einer Minute war das Programm fertig. Florian öffnete den Text-Editor und lud die Datei ein.
Schon wurden neben Zeichendurcheinander Namen und Adressen sichtbar.
„Na, da haben wir´s ja.“ Florian war mit seinem Ergebnis zufrieden. „Hier sind Namen und Adressen gespeichert. Was die bedeuten, müssen wir noch herauskriegen. Aber als erstes lösch´ ich diesen Wirrwarr, dann sehen wir vielleicht klarer.“
Es dauerte nur 5 Minuten, dann rief Florian:
„Fertig!“
Maxi wandte sich seinem Bruder zu und fragte:
„Was hast Du entdeckt?“
„Das ist wirklich interessant.“ sagte dieser. „Sieh´ dir das an, Maxi: Es handelt sich tatsächlich um eine Liste mit Namen und Adressen. Aber wozu sie dient, keine Ahnung.“
„Auf jeden Fall sind da Leute aufgelistet, egal aus welchem Grund.“ stellte Maxi fest.
„Den Grund müssen wir aber herausfinden.“ meinte Florian.
„Wieso denn das?“ fragte Maxi.
„Sieh dir den letzten Namen an.“ forderte er seinen Bruder auf.
Als Maxi die Aufforderungen folgte, erstarrte ihm das Blut in den Adern. Da standen tatsächlich sein Name und seine Adresse da. Etwas ängstlich schauten sich die Brüder an. Was hatte es mit der Liste auf sich?
„Ich schlage vor, wir warten das Ergebnis von Dr. Keller ab.“ meinte Maxi. „Vielleicht wissen wir dann etwas.“
„Gute Idee.“ kam es von seinem Bruder.
Am nächsten Vormittag tutete das Faxgerät. Sofort stürmten die Brüder hin. Maxi holte das Blatt hervor und las es. Anschließend sagte er:
„Hör dir das an. `Sehr geehrter Herr Percher. Jetzt habe ich die Ergebnisse den Toten. Es handelt sich um einen russischen Staatsbürger. Sein Name wird Ihnen nichts sagen. Er heißt Igor Ponkanov. Offensichtlich war sein asiatisches Aussehen nur eine Tarnung, ich meine damit, dass er sich offensichtlich einer Gesichtsoperation unterzogen hat. Aber wo das war, kann ich nicht sagen. wahrscheinlich irgendwo in Russland. Die Verbrecher dort sind kaltblütiger und besser organisiert als andere Gangster. Das ist vorläufig alles, was ich Ihnen mitteilen kann. Vielleicht weiß ich später mehr. Mit freundlichen Grüßen. Dr, Keller´“
„Tja,“ begann Mai. „Dann sind wir also nicht weiter als vorher.“
„Aber Maxi.“ entgegnete sein Bruder. „Sicher ist nur, dass man uns ausschalten will. Die Frage ist nur, wer und warum. Und wieso steht dein Name auf dieser Liste?“
„Am besten, wir drucken die Liste aus und besuchen die betroffenen Personen.“ schlug Maxi vor.
„Gute Idee.“ entgegnete Florian. „Vielleicht bekommen wir dann etwas Licht ins Dunkle.“
Er öffnete die Datei und druckte die Liste aus, denn Maxi´s Drucker war an Florian´s Laptop gekoppelt.
„Okay.“ meinte Maxi. „Besuchen wir den ersten Kandidaten. Frank Bergmann. Er wohnt in der Sophienstraße 17. Am besten, wir fahren gleich los. Wenn die nur normale oder keine Auskunft geben können, vergessen wir´s. Wenn mehr dahintersteckt, geben wir die Liste der Polizei.“
„Schon, aber wenn nun wirklich was dahintersteckt,“ sagte Florian. „dann sitzen wir beide mit aufgeheizten Hintern auf einem Pulverfass.“
„Egal.“ widersprach Maxi. „Wir fangen jetzt mit Frank Bergmann an.“
Schon saßen die Brüder in Maxi´s Auto und unterhielten sich über die Liste.
„Eigentlich sollte mein Wagen wieder unter Sprengstoff stehen wie vorgestern.“ meinte Maxi. „Aber ich glaube nicht, dass die zweimal mit denselben Mitteln arbeiten.“
„Das glaube ich auch nicht.“ bestätigte Florian. „Die werden es mit einer anderen Methode versuchen.“
„Na, du machst mir schöne Aussichten.“ meinte Maxi. „Wahrscheinlich schmeißen sie eine Bombe auf uns.“
Kaum hatte er das gesagt, hörten beide Reifenquietschen. Ein dunkelroter Sportwagen fuhr an ihnen vorbei. Etwas wurde durch das offene Fenster geworfen. Danach fuhr der Wagen abermals mit quietschenden Reifen davon.
„Eine Handgranate!“ schrie Florian. Blitzschnell hatte er die Bombe gepackt und auf der anderen Seite durch das Fenster geworfen. Keine Sekunde zu früh, denn kaum war sie draußen, detonierte sie. Zum Glück waren keine Leute in der Nähe. Der fremde Wagen war verschwunden.
Florian holte tief Luft.
„Die haben es wohl eilig gehabt.“ vermutete sein Bruder. „Naja, fahren wir weiter.“
Etwa 20 Minuten später waren sie bei der erwähnten Adresse angekommen. Doch kaum waren sie vor Ort, sahen sie mehrere Polizeibeamte, die aus dem Hausgang kamen. Was da wohl passiert war? Die Brüder stiegen aus und gingen zur Haustür. Es war die besagte Hausnummer. Maxi ging auf einen Beamten zu und sagte:
„Ach bitte, wir wollen zu Herrn Bergmann.“
„Da kommen Sie leider zu spät.“ sagte der Polizist. „Der ist in seiner Badewanne gestorben.“
Maxi und Florian schauten sich etwas überrascht an.
„Und die Todesursache?“ wollte Florian wissen.
„Wahrscheinlich hatte er einen Herzinfarkt und ist dabei ertrunken.“ sagte der Beamte. „Aber genau wird es die Autopsie klären. Warum, was wollten Sie von dem Mann?“
„Ach, nichts Besonderes, nur ein Privatbesuch.“ sagte Florian.
„Sei scheinen ihn nicht gekannt zu haben.“ bemerkte der Beamte. „Sie wirken eher gleichgültig.“
„Na, gleichgültig ist es uns nicht, dass er tot ist.“ meinte Maxi. „Aber ich glaube nicht, dass wir hier etwas erfahren werden.“
Kurz darauf waren sie auf der Straße und unterhielten sich.
„Ich glaube nicht, dass der Mann zufällig gestorben ist.“ vermutete Florian.
„Woraus schließt du das?“ fragte Maxi.
„Na, ich meine, wegen der Liste.“ erklärte sein Bruder. „Könnte sein, das die anderen auch sterben. Schließlich haben wir schon zwei Mordanschläge auf dich vereitelt. Das heißt, dass sie nicht nach der Reihenfolge der Liste sterben sollen. Oder die Opfer sind zeitlich gesehen eher zufällig ausgewählt.“
„Aber warum?“ wollte Maxi wissen. „Ich meine, da kann doch kein Zufall dahinterstecken.“
„Das nehme ich auch an.“ bestätigte Florian.
„Wie dem auch sein, wir müssen jetzt höllisch aufpassen.“ sagte Maxi.
Kaum hatte er das gesagt, packte er seinen Bruder und zog ihn zur Seite. Und jetzt sah auch Florian, warum. Dicht vor ihnen war ein Messer vorbeigeflogen, das im Holzpfeiler neben ihnen steckenblieb. Maxi holte sein Taschentuch hervor und zog das Messer heraus.
„Das war für mich bestimmt.“ sagte er. „Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Es sind spezielle Wurfmesser, wie sie von Artisten im Zirkus benutzt werden.“
„Gastiert hier irgendwo ein Zirkus?“ wollte Florian wissen.
„Ja, drüben auf dem Volksfestplatz.“ antwortete Maxi. „Aber ich glaube nicht, das einer von ihnen der Werfer ist.“
„Trotzdem gehen wir hin.“ meinte Florian. „Vielleicht ist das Messer geklaut worden.“
Etwa eine halbe Stunde später waren sie beim Zirkus Barelli angekommen. Dort ließen sie sich beim Direktor melden. Dieser kam gleich und sagte:
„Ich bin Franz Barelli. Womit darf ich Ihnen dienen?“
Maxi holte das Messer hervor und fragte:
„Kennen sie das hier?“
„Es hat Ähnlichkeit mit den Messern unseres Werfers.“ erklärte der Direktor. „Wir haben aber andere. Warum?“
Maxi erzählte, was sich zugetragen hatte, und fuhr fort:
„Wir haben geglaubt, das Messer gehört hierher. Aber jetzt wissen wir, dass es nicht so ist.“
„Von meinen Leuten könnte auch keiner der Täter sein.“ sagte Barelli. „Das wäre auch völlig abwegig.“
„Wir hatten nur vermutet, aber jetzt wissen wir ja, dass es nicht der Fall sein kann.“
„Wenn ich mich nicht irre,“ begann der Direktor. „gibt es einen Zirkus, der solche Messer hat. Aber der gastiert derzeit nicht in Hamburg. Soviel ich weiß, kommt er aus Frankfurt. Aber genau weiß ich das auch nicht. Ich habe auch keine Adresse oder Telefonnummer oder Ähnliches.“
„Wissen Sie, wie der Zirkus heißt?“ fragte Maxi.
„So viel ich noch weiß, hieß der Zirkus Becker.“ meinte Barelli.
„Zirkus Becker.“ murmelte Florian. „Wenigstens ein Hinweis.“
„Oder auch keiner.“ ergänzte Maxi. „Es kann nämlich sein, dass es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Manege handelt, der die Messer, aus welchen Gründen auch immer, mitgenommen hat.“
„Du bist gar nicht so dumm wie ich nicht aussehe.“ grinste Florian. „Du könntest tatsächlich recht haben.“
„Du meinst, wir sollen jetzt nach Frankfurt fahren und uns dort erkundigen.“ vermutete Maxi.
„Soweit würde ich nicht gehen.“ entgegnete Florian. „Es reicht, wenn wir eine Telefonnummer im Internet herausbekommen. Bei Schaustellern ist das ein bisschen schwieriger, aber es geht auch so. Wir fahren erst einmal heim und machen uns an die Arbeit.“
Die Brüder verabschiedeten sich vom Direktor und gingen auf die Straße zurück.
„Was willst du?“ fragte Florian. „Die Messer gehören nun mal nicht zu diesem Zirkus.“
„Ja, das sollte man annehmen.“ meinte Maxi.
„Ich versteh dich wirklich nicht.“ entgegnete Florian. „Sonst bist du dir immer so sicher, aber jetzt…“
„Irgendetwas nagt in meinem Bauch.“ sagte Maxi. „Mehr kann ich dir nicht sagen, jedenfalls vorläufig nicht.“
Wortlos gingen sie nebeneinander her. Da zeigte es sich, dass sie plötzlich in der Dunkelheit Schritte hörten. Ohne etwas zu sagen, schauten sie sich an.
„Okay.“ flüsterte Maxi. Dann drehte er sich blitzschnell um und rief:
„Hab ich dich, du hinterlistige Ratte!“ Dabei sprang er den Mann hinter ihnen an.
„Diesmal entwischst du uns nicht!“ sagte der andere und zückte ein Messer. Es war das gleiche Model, wie das andere, doch Maxi kümmerte sich zunächst nicht darum. Der Fremde versuchte, immer wieder auf Maxi einzustechen, doch der wich jedes Mal aus. Florian hielt sich etwas auf Abstand. Er wusste, dass sein Bruder keine Hilfe benötigte. Jetzt hatte Maxi das Messer. Er würgte den Fremden und rammte ihm das Messer in den Leib. Doch der Schurke zeigte nicht die geringste Reaktion. Er machte sich frei und ergriff die Flucht. Maxi konnte ihn nicht einholen.
„Vergiss es!“ sagte er zu einem Bruder, der dem Fremden nachlaufen wollte. „Der ist einfach zu schnell.“
„Aber anhand der Blutspur muss man ihm doch folgen können.“ meinte Florian.
„Floh!“ Maxi hielt ihn zurück. „Lass es. Der verreckt sowieso. Das waren nur noch seine Lebensgeister. Außerdem hat er die Verletzung bestimmt im Eifer des Gefechtes nicht bemerkt. Glaub mir, der klappt gleich zusammen.“
„Aber es ist doch wichtig, ihm zu folgen und zu verhören.“ meinte Florian.
„Im Moment ist nur das Messer wichtig. Sie dir das an.“
Dabei holte er das andere Messer heraus. Florian betrachtete sich die Messer.
„Die sehen ja völlig gleich aus.“ stellte er fest.
„Das habe ich auch gemerkt.“ sagte Maxi. „Zwar sind sie vom Typ her Messer, wie man sie im Zirkus benutzt, aber von unserem Zirkus stammen sie nicht.“
„Ist schon irgendwie eigenartig.“ überlegte Florian. „Ob wir uns doch irgendwie bei dem anderen Zirkus informieren sollten?“
„Der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen.“ gab ihm sein Bruder recht. „Also erst einmal heimwärts. Vielleicht bekommen wir einen guten Hinweis.“
„Mit anderen Worten, das ist der einzige Anhaltspunkt, den wir haben.“ sagte Florian.
„Völlig richtig, Floh.“ bestätigte Maxi. „Na, warten wir ab, was daheim auf uns wartet.“
„Du hast vergessen, dass wir noch die beiden anderen Männer besuchen wollten.“ erinnerte ihn Florian. „Aber heute ist es zu spät. Morgen werden wir mit der Suche weitermachen.“
„Moment mal.“ stutzte Florian. „Hast du auch gehört, was er gesagt hat?“
„Ja.“ bemerkte sein Bruder. „Er sagte: Diesmal entkommt ihr uns nicht.“
„Mir ist das „uns“ auch aufgefallen.“ bestätigte Maxi. „Also steckt eine ganze Bande dahinter. Bestimmt auch dieselbe, die auch die Herren auf der Liste unschädlich machen will, inklusive mir.“
„Interessant.“ meinte Florian. „Sehr interessant. Jetzt müssen wir noch die anderen in die Finger kriegen. Fragt sie nur, wo sie ihre Zentrale haben.“
„Leider eine sehr gute Frage.“ bestätigte Maxi.
Am nächsten Morgen erwachten die Brüder nicht von selbst. Das Telefon schellte sie wach. Die Schlafzimmertür öffnete sich und Maxi wankte noch schlaftrunken ins Wohnzimmer.
„Warte!“ sagte er gähnend zu seinem Bruder. „Ich geh schon ran.“
Er meldete sich und sagte dann:
„Es ist für dich. Ein gewisser Charlie.“
„Das ist doch der Polizist, der uns vorgestern diesen Tipp gab.“ Florian nahm den Hörer ab und meldete sich:
„Was gibt´s, Charlie?“
„Ich habe den Autopsiebericht von diesem Bergmann vorliegen.“ sagte Charlie. „Der Mann hatte keinen Herzinfarkt. Er starb an einer Überdosis Strom. Jemand musste die Badewanne mit ihm unter Strom gesetzt haben. Das war einwandfrei Mord.“
„Davon bin ich auch überzeugt.“ sagte Florian. „Und wie ist das passiert? Hat man ein Fön oder sowas in die Wanne geschmissen?“
„Das können wir nicht genau sagen.“ erwiderte Charlie. „Wir haben sowohl in der Wanne weder ein Gerät gefunden, noch sehen wir eine andere Möglichkeit. Was uns ein Rätsel ist, dass die Badeschutzsicherung nicht herausgeflogen ist.“
„Und was schließt du daraus?“ wollte Florian wissen.
„Entweder hat jemand zwei Hochspanungsleitungen ins Wasser getaucht oder ein Gerät, und es dann entfernt.“
„Kann man das genau sagen?“ fragte Florian.
„Leider noch nicht.“ erwiderte Charlie. „Vielleicht können wir später etwas sagen. Aber vorläufig müssen wir uns damit begnügen. Sicher ist nur eins: Die Stromquelle ist nicht zu finden, also war es Mord.“
„Danke Charlie!“ sagte Florian. „Ich sag´s meinem Bruder. Tschau!“
Er legte auf.
„Was sollst du mir sagen?“ wollte Maxi wissen.
Florian berichtete und erwähnte auch, dass die Stromquelle nicht aufzufinden war.
„Also Mord, wie er sagt.“ meinte Maxi. „Der Meinung bin ich auch.“
„Weißt du, was ich glaube?“ fragte Florian.
„Raus damit.“ erwiderte sein Bruder.
„Der Mord war bestimmt kein Zufall.“ meinte Florian.
„Woraus schließt du das?“ wollte Maxi wissen.
„Charlie hat gesagt, dass Bergmann an einer Überdosis Strom gestorben ist.“ erklärte sein Bruder. „Aber es wurde kein Gerät gefunden, das dafür in Frage gekommen sein könnte.“
„Also rein ins Internet und nachgeforscht über den anderen Zirkus.“ sagte Maxi. „Vielleicht erfahren wir dort etwas.“
Schon startete Florian sein Laptop. Nachdem sich das Google-Bild zeigte, tippte Florian den Namen des anderen Zirkus ein. Gleich darauf tauchte eine Web-Site auf.
„Hier haben wir´s. Zirkus Becker. Gastiert in ganz Deutschland, war zuletzt in München im berühmten Zirkus-Krone-Bau.“
„Moment mal.“ unterbrach ihn Maxi. „München ist doch gut 1000 Kilometer von hier weg, wenn man die Straßenentfernung misst.“
„Das stimmt allerdings.“ bestätigte sein Bruder.
„Weiter.“ drängte Maxi.
„Hier sind Fotos von ihrem Gastspiel in Hamburg.“ las Florian weiter. „Die waren also doch hier.“
„Wann war das?“ wollte Maxi wissen.
„Letztes Jahr von April bis Juni.“ antwortete Florian. „Jetzt müssen wir nur noch nachforschen, ob da etwa 2 Messer fehlen.“
„Es könnten auch mehr fehlen.“ erwiderte sein Bruder. „Hier ist die Telefonnummer. Das übernehme ich. Schließlich kann ich besser reden.“
Florian sagt nichts darauf. Tatsächlich war Maxi der bessere Redner von den beiden und Florian wusste das.
Maxi tippte die Nummer auf seinem Telefon. Danach meldete er sich:
„Guten Tag, Percher aus Hamburg am Telefon. Ich wollte Sie nur fragen, ob bei Ihrem Gastspiel voriges Jahr etwa Wurfmesser fehlen.“
„Da haben Sie recht.“ sagte die männliche Stimme. Es wurden drei Messer entwendet, und zwar von unserem früheren Messerwerfer Manuel Krenn. Den habe ich rausgeworfen, weil er Geld aus der Kasse stahl. Sie können ihm ausrichten, der braucht sich hier nicht mehr blicken zu lassen.“
„Das wird er auch so wissen.“ meinte Maxi. „Jedenfalls besten Dank. In Ordnung.“
Maxi legte auf.
„Jetzt haben wir die Daten.“ stellte er fest. „Aber ob er auch geworfen hat?“
„Du vergisst, dass du ihn wie ein Wildschwein abgestochen hast.“ grinste Florian. „Wenn er es war. Aber das kann meine Software bestimmt herausfiltern. Aber im Ernst, ich hätte es auch gemacht.“
„Allerdings mit dem Unterschied, dass du körperlich nicht dazu imstande bist.“ entgegnete Maxi. „Hier braucht´s Erfahrung.“
„Nun, jeder kämpft mit den Mitteln, mit denen er am besten umgehen kann.“ erwiderte sein Bruder.
„Du glaubst doch nicht, dass du mit deinem Wissen über Technik und Computer aus einer Falle entkommen kannst.“ lachte Maxi.
„Wieso nicht?“ gab sein Bruder zurück. „Das kann unter Umständen sogar besser sein, als deine körperlichen Fähigkeiten.“
„Daran glaube ich nicht.“ meinte Maxi überzeugt. „Ach so, da wir gerade vom Glauben sprechen. Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns um den nächsten Klienten kümmern. Vielleicht treffen wir ihn noch lebend an. „Er heißt Max Grundner. Den kenn´ ich übrigens.“
„Echt?“ fragte Florian.
