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Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. Fee Norden konnte sich eine Verschnaufpause gönnen, als Ruhe im Haus eingekehrt war. Es war an diesem Morgen besonders turbulent zugegangen. Danny hatte mal wieder sein Deutschheft nicht gefunden, in dem Fee noch die letzte Schulaufgabe unterschreiben sollte. Fee hatte so eine leise Ahnung, daß die nicht gerade gut ausgefallen war und er ihr das Heft auf den letzten Drücker bringen würde. So war es auch, aber er brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, denn er hatte eine Drei bekommen. »Ist doch in Ordnung« sie. »Ist nicht in Ordnung«, widersprach er. »Es stinkt mir, es stinkt mir ganz gewaltig, Frau Neunmalklug meint, ein Exempel statuieren zu müssen, indem sie überstrenge Noten verteilt. Sie kann einem alles verleiden.« »Darüber können wir ein andermal reden, wenn mehr Zeit ist, Danny. Du mußt dich sputen.« Felix und Anneka waren schon aus dem Haus, und Daniel kam jetzt die Treppe herunter. Er hatte noch mal nach den Zwillingen geschaut, die quengelig waren, was bei ihnen sehr selten vorkam und meist nur dann, wenn ihnen etwas fehlte. »Tschüs, Papi«, rief Danny, und schon flitzte er davon. »Ist mit ihm auch was?« fragte Daniel. »Nichts Besonderes.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Fee Norden konnte sich eine Verschnaufpause gönnen, als Ruhe im Haus eingekehrt war. Es war an diesem Morgen besonders turbulent zugegangen. Danny hatte mal wieder sein Deutschheft nicht gefunden, in dem Fee noch die letzte Schulaufgabe unterschreiben sollte. Fee hatte so eine leise Ahnung, daß die nicht gerade gut ausgefallen war und er ihr das Heft auf den letzten Drücker bringen würde. So war es auch, aber er brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben, denn er hatte eine Drei bekommen.
»Ist doch in Ordnung«, sagte
sie.
»Ist nicht in Ordnung«, widersprach er. »Es stinkt mir, es stinkt mir ganz gewaltig, Frau Neunmalklug meint, ein Exempel statuieren zu müssen, indem sie überstrenge Noten verteilt. Sie kann einem alles verleiden.«
»Darüber können wir ein andermal reden, wenn mehr Zeit ist, Danny. Du mußt dich sputen.«
Felix und Anneka waren schon aus dem Haus, und Daniel kam jetzt die Treppe herunter. Er hatte noch mal nach den Zwillingen geschaut, die quengelig waren, was bei ihnen sehr selten vorkam und meist nur dann, wenn ihnen etwas fehlte.
»Tschüs, Papi«, rief Danny, und schon flitzte er davon.
»Ist mit ihm auch was?« fragte Daniel.
»Nichts Besonderes. Er ärgert sich mal wieder über seine Deutschlehrerin. Ich werde mich doch mal mit ihr unterhalten müssen. Ist etwas mit den Zwillingen?«
»Fieber haben sie nicht, aber ganz okay sind sie auch nicht. Paß ein bißchen auf, ob sich was anbahnt.«
»Das mache ich doch sowieso. Gestern waren sie ganz mobil. Vielleicht haben sie ein bißchen zu lange draußen getobt und sind einfach nur müde.«
Sie begleitete Daniel zum Wagen. »Ist etwa wieder eine Grippewelle im Anzug?« fragte sie.
»Diesmal häufen sich Mandelentzündungen. Weiß der Himmel, warum alles gleich epidemisch um sich greift. Die Menschheit ist doch anfälliger geworden. Aber wir haben ja wenigstens bei uns alles im Griff.« Er gab ihr einen Kuß, setzte sich in seinen Wagen und fuhr davon.
Da kam der Postbote angeradelt, der Peppi, wie er von allen genannt wurde, einer von den Älteren, und er war besonders zuverlässig. Er war verwitwet und ein stiller Verehrer von Lenni. Er hielt auch nach ihr Ausschau, während er Fee die Briefe aushändigte.
Für Fee war das ein Grund, Lenni ein bißchen zu necken. »Der Peppi war schwer enttäuscht, weil ich gerade draußen war«, sagte sie.
»Das wird gut gewesen sein«, seufzte Lenni. »Er ist ja ein guter Kerl, und ich mag ihn nicht verletzen, aber ein bißchen geht er mir schon auf die Nerven, weil er mich immer wieder einladen will, seit ich ihn zufällig im Park getroffen habe, als ich mit den Kindern spazierenging.«
»Sie sollen aber nicht denken, daß es uns nicht recht wäre, Lenni. Sie können in Ihrer Freizeit machen, was Sie wollen.«
»Ich will mich aber nicht mit ihm treffen oder mit einem andern Mann. Das ist doch für mich längst vorbei. Ich habe alles, was mich glücklich macht, und das ist viel mehr wert, als wenn so ein Mann um mich herumscharwenzelt. Ich bringe Ihnen noch einen frischen Kaffee. Lesen Sie in Ruhe Ihre Post und die Zeitung, um die Kleinen kümmere ich mich schon, wenn sie rufen.«
Fee hatte es ganz gern, wenn sie noch eine Stunde für sich hatte, und so widmete sie sich der Post.
»Na, das ist aber eine Überraschung«, sagte Fee vor sich hin, als sie den dritten Brief betrachtete.
»Hoffentlich eine angenehme«, sagte Lenni, die gerade den Kaffee brachte.
»Das hoffe ich auch. Wir haben lange nichts von Sabine Seidel gehört. In Kiel wohnt sie jetzt«, fuhr Fee sinnend fort. »Aber was soll ich nachdenken, Lenni, ich brauche ja den Brief bloß zu lesen.«
Liebe Frau Norden, ich wage es, Ihnen zu schreiben, obwohl ich mich schämen müßte für mein langes Schweigen. Aber die Zeit im Auslandseinsatz war recht hart, und es war zeitweise auch keine Gelegenheit, eine Nachricht zu geben. Doch davon will ich jetzt nicht erzählen. Vielleicht ergibt sich in absehbarer Zeit eine Gelegenheit zu einem Wiedersehen, falls Sie mir mein langes Schweigen nicht nachtragen.
Das wäre ja wohl kindisch, dachte Fee und las weiter.
Jetzt wage ich sogar, mit einer Bitte an Sie heranzutreten. Ich möchte aus ganz persönlichen Gründen meine Stellung wechseln. Zur Zeit bin ich hier als Assistenzärztin für Pädiatrie tätig, würde aber sehr gern nach Süddeutschland wechseln, jedenfalls möglichst weit weg von hier, weil ich mit einer sehr privaten Enttäuschung hier nicht fertig werden kann. Ich weiß, wieviel menschliches Verständnis Sie haben, und wenn ich persönlich mit Ihnen sprechen kann, werde ich mich Ihnen gern anvertrauen, aber momentan sitzt der Schock noch zu tief. Ich füge Ihnen Ablichtungen von meinen Zeugnissen bei, und wenn Sie etwas hören sollten, wäre ich Ihnen für eine kurze Nachricht sehr dankbar. Sie und Ihr Mann sind die einzigen Menschen, denen ich jetzt noch vertrauen kann, und ich hoffe von Herzen, daß in Ihrer Familie alles in bester Ordnung ist, wie früher. Mit dankbaren Grüßen
Ihre Sabine Seidel.
Fee Nordens Gedanken wanderten Jahre zurück, als die junge Medizinstudentin Sabine Seidel in der Nachbarschaft wohnte, bei der alten Frau Springer, die überglücklich gewesen war, eine so liebe, hilfsbereite Untermieterin zu bekommen. Sie war eine einsame, menschenscheue alte Dame gewesen, die oft enttäuscht worden war, eine Patientin von Daniel Norden, der ihr dann auch diese Untermieterin vermittelte, nachdem er sich bei Professor Dankwart umgehört hatte, ob er eine besonders zuverlässige Studentin empfehlen könne. Er hatte gleich eine gewußt, nämlich Sabine Seidel, die er als seinen besonderen Schützling bezeichnete, und er hatte nicht zuviel versprochen. Sabine, deren Eltern sich früh getrennt hatten, und die nie die Wärme eines harmonischen Elternhauses kennenlernte, sorgte rührend für die alte Dame, die noch erlebte, daß Sabine ein glänzendes Examen gemacht hatte. Alles, was sie besessen hatte, hatte Frau Springer Sabine hinterlassen, es war ein kleines Vermögen, nicht mehr als eine Starthilfe für Sabine, aber die Mietwohnung mußte sie räumen. Sabine hatte jedoch inzwischen schon eine Entscheidung für die Zukunft getroffen. Sie hatte sich für den Einsatz in Südamerika entschieden, wie manche junge Ärzte, die nach dem Studium keine Aussicht auf eine baldige feste Anstellung sahen. Das kleine Vermögen von Frau Springer hätte sie sicher angelegt, hatte Sabine noch zu den Nordens gesagt, und sie wolle nach ihrer Rückkehr eine eigene Praxis gründen. Die Nordens hatten es ihr zugetraut, daß sie das schaffen würde. Sie war willensstark und mutig. Doch dieser Brief drückte Resignation aus, wenn auch gleichzeitig ein Auflehnen, nicht klein beizugeben.
So zögerte Fee nicht lange, nachdem sie selbst einen Entschluß gefaßt hatte. Sie kleidete sich rasch an und schaute noch mal nach den Zwillingen. Die schliefen, und es machten sich keine Anzeichen für eine Erkrankung bemerkbar. Wahrscheinlich waren sie tatsächlich nur müde.
»Mir ist etwas eingefallen, Lenni, was ich gleich erledigen möchte«, sagte Fee. »Die Kleinen schlafen. Ich bringe dann Hähnchenkeulen mit, dann haben Sie nicht so viel Arbeit, Lenni.«
»Es gibt aber eine Grießnockerlsuppe auf jeden Fall. Wir haben noch die gute Brühe da. Das macht auch keine Arbeit.«
Lenni konnte so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Nur, wenn mit den Kindern etwas war, konnte sie sich aufregen. Aber das ließ sie die andern auch nicht spüren. Sie wäre auch nicht auf den Gedanken gekommen, Fee zu fragen, wohin sie denn plötzlich fahren wolle, und erst recht auf den, in der Post herumzuschnüffeln, obgleich sie ahnte, daß es mit diesem einen Brief zusammenhing.
Fee fuhr zur Leitner-Klinik. Sie wollte, sofern es möglich war, gleich persönlich mit Dr. Hans-Georg Leitner sprechen, mit dem sie befreundet waren, und sie nannten ihn Schorsch.
Es war keine große Frauenklinik, aber sie hatte einen sehr guten Namen, und Dr. Leitner war ein sehr guter Gynäkologe. Er war nicht der Strahlemann-Typ wie Daniel Norden, aber das hatte auch den Vorteil, daß die Patientinnen ihn nicht so anhimmelten und doch großes Vertrauen zu ihm hatten.
Zufällig kam er aus seinem Zimmer, als Fee kam, aber sie deutete das als gutes Omen.
»Fee, welche Überraschung!« rief er aus. »Was treibt dich her?«
»Hast du fünf Minuten Zeit, Schorsch?«
Er blickte auf die Uhr. »Könnte gerade hinkommen. Eine Geburt ist eingeleitet.«
»Ich fasse mich kurz. Ich wollte nur fragen, ob du dich bereits für einen Arzt entschieden hast?«
»Ist sehr schwierig, man stellt gleich zu hohe Forderungen.«
»Wie wäre es mit einer Kinderärztin, die aber auch sonst Erfahrung hat?«
Er sah sie erstaunt an. »Du wüßtest jemand?«
»Du kannst dich vielleicht auch an Sabine Seidel erinnern, die bei Frau Springer gewohnt hat. Ich habe einen Brief von ihr bekommen, und sie hat mir Ablichtungen von ihren Zeugnissen geschickt. Die kannst du anschauen. Sie will sich aus persönlichen Gründen verändern, Enttäuschungen bewältigen. Sie war in Südamerika tätig und hat wohl allerhand mitgemacht.«
»Kann man sie mal persönlich sprechen?«
»Sie wird sicher kommen, wenn eine Aussicht besteht, eine Stellung zu bekommen.«
»Kommt auch darauf an, ob sie mit diesen Voraussetzungen, die hier geboten sind, einverstanden wäre.«
»Schau dir die Zeugnisse an und ruf mich dann an. Ich habe nur gedacht, ich frage dich gleich persönlich.«
»Du bist ja die beste Referenz, und wer könnte dir widerstehen«, sagte er. »Ich wäre ja froh, wenn wir noch Verstärkung hätten.«
»Dann kann sie kommen?«
»Wenn es ihr bald möglich wäre? Auf die lange Bank kann ich nichts mehr schieben, sonst wird es für Dornach einfach zuviel, nachdem Dr. Mittler nicht mehr hier ist.«
»Sie ist ein liebenswerter Mensch, Schorsch, und dazu eine Ärztin, wie wir sie uns vorstellen. Ich glaube nicht, daß sie sich geändert hat. Ihr Brief läßt daraus schließen, daß sie in einer seelischen Krise steckt.«
»Ich hätte aber gern fröhliche Gesichter um mich«, sagte er.
»Sie wird dir schon gefallen.«
»Dunkel kann ich mich noch erinnern, war sie nicht sehr hübsch?«
»Hübsch eigentlich nicht, aber apart. Aber du magst ja auch mehr die stillen Schönheiten.«
Er lächelte flüchtig. »Ich darf mich dazu gar nicht äußern. Claudia hat mal wieder ein eifersüchtiges Stadium. Komischerweise immer zur Faschingszeit.«
Fee lachte leise auf. »Vielleicht versteht sie die sehr wörtlich und leidet Hunger. Da sind Frauen manchmal auch unausstehlich.«
»Du weißt immer die richtige Erklärung. Bist du eigentlich nie eifersüchtig?«
»Mittlerweile bin ich darüber hinweg, aber früher habe ich manchmal auch gelitten. Das ist nun mal so, und es ist ein Schmarrn, wenn so ein paar Besserwisser sagen, wahre Liebe kenne keine Eifersucht.«
Dann aber mußte sich Schorsch beeilen, denn er wurde zum Kreißsaal gerufen. »Sag ihr Bescheid, daß sie kommen soll«, rief er Fee noch zu, und sie konnte zufrieden die Leitner-Klinik verlassen.
Sie machte ihre Besorgungen und fuhr dann heim. Die Zwillinge waren schon wieder mopsfidel, und Lenni wußte auch eine Erklärung für ihr Schlafbedürfnis.
Verlegen erzählte sie es Fee, daß die beiden Racker eine ganz besondere Limo verlangt hätten, nachdem sie munter waren, und es hatte sich herausgestellt, daß sie sich den Rest aus der Portweinflasche genehmigt hatten, die sie im Schränkchen in der Küche gefunden hätten.
»Und wahrscheinlich ist es meine Schuld«, sagte Lenni. »Ich dachte, es wäre nichts mehr drin und wollte sie gestern wegbringen zum Container, aber dann merkte ich, daß wohl doch noch ein Gläschen drin sein mußte, da hab’ ich die Flasche in den Schrank gestellt.«
»Ich werde die beiden mal ins Gebet nehmen«, sagte Fee.
»Sie haben doch gedacht, es wäre Limo, weil es so süß schmeckte!«
»Saft, hab’ ich gesagt«, rief Désirée von der Wohnzimmertür her, und energisch klang ihr Stimmchen. Der zweite Dreikäsehoch erschien dann auch.
»Hat besser schmeckt als Limo«, sagte er. Schuldbewußtsein war ihnen nicht anzumerken.
»Habe ich euch nicht hundertmal gesagt, ihr sollt nie etwas aus einer Flasche trinken, wenn wir es nicht erlaubt haben?« sagte Fee mit strengem Ton, und gleich schaute Jan weinerlich drein, während es Désirée mit einem schelmischen Blick schräg von unten herauf probierte, gute Stimmung zu erzeugen. Sie hatte es bald herausgehabt, wie sie es anfangen mußte, um die Erwachsenen zu betören. Sie war eine richtige kleine Evastochter.
»Ihr könnt sehr krank werden«, sagte Fee energisch, denn diesmal wollte sie sich nicht erweichen lassen. Sie wußte, daß die beiden es schon verstanden.
»Hat aber gut schmeckt«, sagte Jan, »war ganz klein bißchen nur, Mami.«
»Es tut mir wirklich sehr leid«, sagte Lenni beklommen. »Anscheinend werde ich auch vergeßlich. Ich weiß selber nicht, warum ich die Flasche in den Schrank gestellt habe.«
»Wahrscheinlich deshalb, weil noch geschlossene Flaschen darin stehen, Lenni«, sagte Fee nachsichtig, »und es ist ja nichts weiter passiert, davon werden sie nicht gleich zu Alkoholikern werden«, fügte sie lächelnd hinzu.
»Bist böse, Mami?« schmeichelte Désirée, nachdem sie ein paar Minuten geschmollt hatte, was aber weder bei ihrer Mami, noch bei Lenni Wirkung gezeigt hatte.
»Ich werde sehr böse, wenn so was noch mal passiert«, sagte Fee.
»Sind ganz brav«, erklärte Jan.
Lange würde das doch nicht vorhalten. Sie waren jetzt in einem Alter, in dem sie alles erforschen wollten, was immer möglich war, und da blieb auch das Telefon nicht verschont.
»Was macht ihr denn jetzt schon wieder«, rief Fee, als sie zu streiten anfingen.
»Papi rufen«, schrie Désirée.
»Papi arbeitet«, sagte Jan.
»Und du machst das Telefon kaputt«, sagte Fee zu der Kleinen.
»Nicht putt, tutet«, kam die Antwort.
Fee seufzte. Sie nahm ihr den Hörer weg und legte ihn auf.
»Lenni, Lenni«, rief Désirée, und als Lenni gleich in der Küchentür erschien, stürmte sie auf sie los und klammerte sich an sie.
»Mami schimpft, liebe Lenni.«
»Mami wird schon Grund haben, wenn sie schimpft, und dann ist Lenni auch nicht lieb«, sagte sie mit Selbstüberwindung.
»Ihr werdet jetzt ganz schön spielen«, sagte Fee und bugsierte die beiden mit sanfter Gewalt in das Kinderzimmer. »Jetzt muß nämlich ich telefonieren.«
*
Sabines Telefonnummer war auch auf dem Briefkopf vermerkt, und Fee hatte sich entschlossen, gar nicht erst zu schreiben, sondern gleich anzurufen. Sie wartete bis zum Abend, da es ja ein Ferngespräch war und Fee meinte, daß die Telefongebühren hoch genug wären.
Die Verbindung war hergestellt, aber es meldete sich eine Stimme, die ganz fremd klang.
»Norden, ich möchte Frau Dr. Seidel sprechen«, sagte sie.
»Sie ist momentan nicht da. Ich bin ihre Freundin Maja Preiß, kann ich etwas ausrichten?«
Die Stimme gefiel Fee nicht, aber sie war in bezug auf Stimmen sowieso empfindlich, aber es konnte auch sein, daß sie durch die Entfernung und den Hall verzerrt wurde.
»Sie möchte mich bitte anrufen, wenn möglich noch heute«, sagte Fee. »Es ist dringend.«
»Darf ich fragen, worum es sich handelt?« fragte die andere.
»Frau Seidel weiß schon, worum es geht. Besten Dank.«
