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Nun gibt es eine exklusive Sonderausgabe – Dr. Norden – Unveröffentlichte Romane Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Vital und mit üppiger Substanz strahlt Romana Morettis Stimme hinauf bis in den letzten Winkel des Saals, getragen von schier endlosem Atem. Dennoch gelingt es ihr, als zarte zerbrechliche Violetta Valery, die Kurtisane mit Herz in der Oper ›La Traviata‹, zu überzeugen, unterstützt von dem Wissen, dass sie jeden Ton an sein Ziel bringen kann. Jederzeit. Die Moretti beherrscht das kunstvolle Verschatten ihrer Stimme perfekt, sie wirkt völlig organisch und bezaubert damit weltweit ihr Publikum.« Während sie aus dem Programmheft vorlas, wurde Andrea Horst in ihrem Sitz immer kleiner, ihre Stimme immer leiser. »Und diese Frau hast du verlassen?« Sie klappte das Programmheft zu und wandte sich an den Mann, der neben ihr auf dem dunkelroten Samtpolster saß. Markus Timm zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. »Ist das so wichtig? Ich liebe dich. Das ist die Hauptsache. Mach dir keine Gedanken über die Vergangenheit, und genieße einfach die Musik!« Tröstend drückte er die Hand seiner Gefährtin. Andrea schnaubte ärgerlich. »Das ist leichter gesagt als getan. Wie soll ich mich entspannen angesichts so einer Konkurrentin? Wie kannst du mich überhaupt lieben? Neben Ramona fühle ich mich wie eine graue Maus.« Zumindest was das Äußere anging, lag Andrea mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch. Ihre glatten, scheinbar farblosen Haare umrahmten schlaff das rundliche Gesicht, die ungeschminkten Augen wirkten riesenhaft hinter den dicken Brillengläsern.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Vital und mit üppiger Substanz strahlt Romana Morettis Stimme hinauf bis in den letzten Winkel des Saals, getragen von schier endlosem Atem. Dennoch gelingt es ihr, als zarte zerbrechliche Violetta Valery, die Kurtisane mit Herz in der Oper ›La Traviata‹, zu überzeugen, unterstützt von dem Wissen, dass sie jeden Ton an sein Ziel bringen kann. Jederzeit. Die Moretti beherrscht das kunstvolle Verschatten ihrer Stimme perfekt, sie wirkt völlig organisch und bezaubert damit weltweit ihr Publikum.«
Während sie aus dem Programmheft vorlas, wurde Andrea Horst in ihrem Sitz immer kleiner, ihre Stimme immer leiser. »Und diese Frau hast du verlassen?« Sie klappte das Programmheft zu und wandte sich an den Mann, der neben ihr auf dem dunkelroten Samtpolster saß.
Markus Timm zuckte unbeeindruckt mit den Schultern.
»Ist das so wichtig? Ich liebe dich. Das ist die Hauptsache. Mach dir keine Gedanken über die Vergangenheit, und genieße einfach die Musik!« Tröstend drückte er die Hand seiner Gefährtin.
Andrea schnaubte ärgerlich.
»Das ist leichter gesagt als getan. Wie soll ich mich entspannen angesichts so einer Konkurrentin? Wie kannst du mich überhaupt lieben? Neben Ramona fühle ich mich wie eine graue Maus.«
Zumindest was das Äußere anging, lag Andrea mit dieser Einschätzung nicht ganz falsch. Ihre glatten, scheinbar farblosen Haare umrahmten schlaff das rundliche Gesicht, die ungeschminkten Augen wirkten riesenhaft hinter den dicken Brillengläsern.
Trotzdem ließ sich Markus nicht aus der Ruhe bringen.
»Starke erfolgreiche Frauen wie Ramona sind eher abschreckend für Männer, das kannst du mir glauben. Wie soll sich ein Mann neben so einer Konkurrenz noch als das starke Geschlecht fühlen?« Allein bei dem Gedanken schüttelte er sich.
»Aber als ihr Agent bist du doch maßgeblich verantwortlich für ihren Erfolg. Oder sehe ich das falsch?«, wagte Andrea einen schüchternen Einwurf.
Markus lachte bitter.
»Wer interessiert sich auf den Konzerten für den Agenten? Wer fragt schon nach all seiner Last und Mühe, wenn sie den Durchbruch erst geschafft hat? Jahrelang habe ich versucht, mit diesem Stigma zurechtzukommen. Vergeblich. Ich bin viel glücklicher mit einer ebenbürtigen Partnerin. Das kannst du mir glauben.«
Beruhigend tätschelte er And-reas Hand. Die lächelte unsicher, als die umsitzenden Gäste zu applaudieren begannen. Unbemerkt von dem Paar hatte sich der Dirigent vor dem Publikum verbeugt und die ersten Töne der Oper »La Traviata« angestimmt. Der Vorhang hob sich und gab den Blick frei auf die Kulissen.
Der erste Akt des Schauspiels begann, und schon bald hatte die wunderbare Hauptdarstellerin Ramona Moretti ihr Publikum in ihren Bann gezogen, darunter auch das Arztehepaar Daniel und Felicitas Norden.
»Was für eine tragische Geschichte«, murmelte Fee in der Pause ergriffen und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Die Darstellung von Ramona war mehr als überzeugend.
Lächelnd streichelte Daniel seiner Frau über die Wange und betrachtete sie mit zärtlichem Blick.
»Wusstest du, dass diese Oper bei ihrer Uraufführung in Venedig Mitte des neunzehnten Jahrhunderts beim Publikum durchgefallen ist?«
»Tatsächlich? Wie ist das möglich? Ich finde das Schicksal der Violetta wirklich herzergreifend. Man muss ein Herz aus Stein haben, um sich nicht davon berühren zu lassen.«
»Das lag wohl an den Zeiten und der Gesellschaft damals. Verdi hat es gewagt, eine Mätresse in den Mittelpunkt seiner Handlung zu stellen. Mit solchen Frauen hatte man früher kein Mitleid.«
»Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert.« Fee nippte an ihrem Champagner, den Daniel, ganz Gentleman, für sie geholt hatte.
»Das sehe ich genauso«, gab er seiner Frau Recht. »Schon allein der hygienischen Zustände wegen. Und aus medizinischer Sicht sowieso.«
Fee lachte amüsiert.
»Womit mal wieder bewiesen wäre, dass Männer Pragmatiker sind. Während ich vor Mitgefühl mit dieser armen Frau vergehe, machst du dir Gedanken über Hygiene und Medizin.«
»Das ist schließlich mein Beruf«, verteidigte sich Daniel gut gelaunt.
»Vielmehr deine Berufung«, gab Felicitas weich zurück. »Dafür hast du meine grenzenlose Bewunderung.« Ihre Stimme war voller Liebe zu diesem Mann.
»Dann verzeihst du mir also meinen Pragmatismus?«, fragte er augenzwinkernd.
Lächelnd legte Felicitas den hellblonden Kopf schief und betrachtete ihren Mann eindringlich aus den ungewöhnlich violetten Augen.
»Nur wenn du mich später dieser wunderbaren Sängerin vorstellst.«
Wider Erwarten verzog Daniel in gespielter Enttäuschung das Gesicht.
»Warum ist es nur so weit mit uns gekommen?«
Fee sah ihn erschrocken an.
»Was ist passiert? Habe ich was falsch gemacht?«
»Allerdings. Du kannst alle meine Gedanken lesen. Wie soll ich dich denn da noch überraschen?«, fragte Daniel scheinbar verzweifelt. »Als Ramona Moretti mir die Karten nach der Abschluss-Untersuchung schenkte, bestand sie darauf, dass wir sie nach der Aufführung zum Essen begleiten. Das sollte die Krönung für diesen Abend sein.«
Beinahe augenblicklich verengten sich Fees Augen.
»Moment mal. Bist du sicher, sie hat mich mit eingeladen?« Ein Funke Eifersucht auf diese charismatische, überaus schöne und erfolgreiche Sängerin entzündete sich in ihrem Herzen.
Daniel beobachtete es mit Entzücken. Er legte den Arm um die schmalen Schultern seiner Frau und zog sie sanft an sich. Durch den dünnen Stoff ihres Abendkleides hindurch konnte er spüren, wie ihr Herz vor Aufregung schneller schlug. Ihre verführerische Brust hob und senkte sich, und einen Augenblick wünschte er sich, mit ihr allein zu sein.
»Mein Liebling, du bist für mich die schönste und begehrenswertes-te Frau unter Gottes Sonne. Das war schon immer so. Das wird immer so bleiben.« Verlangend streifte Daniels Blick ihr schönes Dekolletee, ein Stück Spitze lugte hervor und ließ seine Fantasie Kapriolen schlagen.
Felicias kicherte leise. Wie leicht gelang es ihm doch immer wieder, sie zu beruhigen!
»Dann werde ich dafür sorgen, dass das auch so bleibt und den Jäger in dir noch ein wenig zappeln lassen«, lächelte sie aufreizend. Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und drehte sich um. Ein Klingelton rief die Gäste zurück in den Saal. Mit wiegenden Hüften ging Felicitas voraus. Der weich fallende Stoff ihres schwarzen bodenlangen Abendkleides umfloss ihre schlanke Figur. Der tiefe raffinierte Ausschnitt gab den Blick frei auf ein hübsches Stück ihres geschmeidigen Rückens. Es war Daniel Norden unmöglich, den Blick von seiner Frau zu lösen. Ein tiefer Stolz erfüllte ihn, als er bemerkte, dass er nicht der Einzige war, dessen Blicke ihr folgten. Denn auch er wusste, dass er ihre große Liebe war. Die Liebe eines Lebens, die kein noch so attraktiver Mann, keine noch so schöne erfolgreiche Frau je gefährden konnte. Das, was Daniel und Felicitas Norden miteinander teilten, war über die Jahre zu einer unbezwingbaren Fes-tung der Liebe gewachsen, die jeder Sturm nur noch mehr gefestigt hatte.
Die Aufführung war ein voller Erfolg gewesen, und Ramona Moretti hatte weidlich in ihrem Triumph gebadet, hatte mit strahlendem Lächeln die stehenden Ovationen ihres Publikums entgegengenommen, ehe sie in die Garderobe verschwunden war, um sich auf die anschließende Feier vorzubereiten.
Daniel und Felicitas Norden waren nicht ihre einzigen Gäste an diesem Abend. Als aufgeschlossene moderne Frau hatte sie neben zahlreichen anderen Freunden auch ihren Exmann und Agenten Markus Timm mit seiner neuen Partnerin eingeladen.
»Wie schön, dass ich dich endlich kennenlerne!« Die Begrüßung fiel ein wenig exaltiert aus, und in einem Anflug von Menschenliebe breitete Ramona die Arme aus, um die unscheinbare, etwas füllige und nicht gerade vorteilhaft gekleidete Andrea zu umarmen. Die wich erschrocken ein paar Schritte zurück. Ramona sah sie verwundert an.
»Oh, entschuldige, ich darf doch ›Du‹ sagen, nicht wahr? Schließlich sind Mark und ich nach der Scheidung Freunde geblieben. Ehrlich gesagt habe ich mir große Sorgen um ihn gemacht. Nach der Trennung hat er sich zurückgezogen, um seine Wunden zu lecken. Das hat ihm nicht gutgetan. Er ist kein Mann, der lange allein sein sollte«, erklärte Ramona, um klarzustellen, wie gut sie Markus kannte. Dabei glitt ihr prüfender Blick über Andreas Gestalt. In Sekundenschnelle registrierte sie die schlichte schwarze Bluse und den altmodischen langen Rock, der Andreas Bäuchlein nicht gerade kaschierte und mit Sicherheit viele Jahre hinter verschlossenen Schranktüren verbracht hatte.
Enttäuschung und Verwirrung machte sich in Ramona breit. Was fand ihr Exmann an dieser Frau? Welche Qualitäten verbarg sie, die sie, die Diva, nicht hatte? Noch immer schwieg sich Andrea beharrlich aus. Obwohl Ramona keine Gefühle mehr für Markus hegte, regte sich plötzlich ein gewisser Besitzer-Instinkt in ihr, den sie mit einem strahlenden Lächeln kaschierte.
»Du scheinst älter zu sein als ich. Darf ich fragen, was du beruflich machst?«
»Hallo«, antwortete Andrea endlich, wenig begeistert über diese überheblichen Worte. »Ich bin Kinderpflegerin in einer Kinderkrippe«, erklärte sie zurückhaltend.
»Na, nicht so schlimm. Solche Leute muss es auch geben. Nur Markus wird nicht viel Freude an dir haben, wenn er dich nicht vermitteln kann.« Ramona lachte perlend, als hätte sie einen guten Witz gemacht. »Was möchtest du trinken? Bellini? Oder lieber Champagner pur?« Freundschaftlich legte sie einen Arm um Andreas etwas füllige Schultern und wollte sie mit sich an die Bar ziehen.
»Mineralwasser. Danke.« Hilfesuchend sah sich Andrea nach ih-rem Freund um. Doch Markus unterhielt sich angeregt mit einem Mann, den Ramona der Gruppe vorhin offiziell als ihren Freund Simon Raeter vorgestellt hatte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als dieses Spiel mitzuspielen. Schließlich wollte sie keine Spielverderberin sein und die Stimmung zwischen den ehemaligen Ehepartnern trüben.
Ramona plauderte in der Zwischenzeit munter weiter.
»Wahrscheinlich musst du fahren. Entschuldige, ich habe vergessen, dass sich nicht jeder ein Taxi leisten kann. Markus schon gar nicht, nachdem er ein paar Mal mit seinen angeblichen Talenten daneben gelegen und Unsummen umsonst investiert hat.«
»Wir sind mit der S-Bahn hier.« Andrea wurde immer kleinlauter.
»Aber das macht doch nichts!« versicherte Ramona ernsthaft. »Kein Grund, sich zu schämen.«
Sie bestellte ein Glas Mineralwasser und eine Runde Champagner für sich und ihre Gäste.
Andrea nippte an ihrem Wasser, um ihre vor Aufregung trockene Kehle zu befeuchten. Nie in ihrem Leben hatte sie sich deplatzierter gefühlt als hier, in diesem noblen Restaurant, an der Seite der unverbindlich plaudernden Operndiva.
»Ich schäme mich ja gar nicht. Das mache ich aus Überzeugung.«
Ramona starrte die Frau vor sich einen Moment lang fassungslos an. Sie fragte sich, wie um alles in der Welt ihr Mark an so eine Person geraten war. Trennte sie doch mehr als ein paar Unstimmigkeiten? Oder war es ein Akt der Verzweiflung gewesen, als sich ihr Exmann diese graue Maus als Partnerin gewählt hatte? Sie entschied sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und lächelte süß.
»Das ist vielleicht gar nicht so dumm. Immerhin spart man auf diese Weise ein bisschen Geld.«
Obwohl es ihr schwer fiel, entschied sich Andrea dafür, standhaft zu bleiben und die Wahrheit zu sagen.
»Es geht mir nicht ums Geld. Ich tue das für die Umwelt.«
»Für die Umwelt?« Ramona schnappte nach Luft. »Was sagt denn Markus dazu? Als wir noch zusammen waren, konnten seine Autos gar nicht groß genug sein.«
An dieser Stelle lächelte Andrea zum ersten Mal, wenn auch nur verhalten.
»Das hat er doch nur wegen dir getan.«
»Wegen mir?«
»Er hatte das dringende Bedürfnis, dir zu imponieren. Schließlich warst du in allen Bereichen besser als er. Erfolgreicher im Beruf, bekannter, schöner, reicher. Das wollte er wohl irgendwie ausgleichen, wenigstens ein bisschen auffallen neben der Diva«, erklärte Andrea mitfühlend. »Zumindest ist es das, was er mir erzählt hat.«
Einen Moment lang starrte Ramona ihre Nachfolgerin sprachlos an.
»Und? Teilst du seine Meinung? Stimmt der Eindruck, den er dir vermittelt hat?«
Andrea zuckte mit den Schultern.
»Keine Ahnung. Ich kenne dich ja nicht.«
»Aber offenbar hat er von mir gesprochen. Du wirst dir doch ein paar Gedanken über mich gemacht haben.«
»Warum?«, fragte Andrea zurück. Um keinen Preis hätte sie vor Ramona eine Blöße preisgegeben.
Die Sängerin zog missbilligend eine Augenbraue nach oben.
»Immerhin bin ich deine Vorgängerin.«
»Na und? Eure Zeit ist vorbei. Ihr habt nicht zusammengepasst, euch in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Markus ist nicht mehr der Mann, der mit dir verheiratet war. Warum sollte ich mir also Gedanken machen?«, fragte And-rea leise, während sie sich an Markus’ Worte erinnerte.
Von dieser plausiblen Antwort war Ramona einigermaßen verwirrt. Sie hatte erwartet, dass And-rea wie viele andere Menschen auch vor Ehrfurcht erstarren würde. Doch diesen Gefallen tat ihr diese Frau nicht, auch wenn sie nur Kinderpflegerin in einer Kinderkrippe war. Damit war das Gespräch für Ramona langweilig geworden. Sie griff nach dem Glas Champagner, das ihr der Kellner eben mit huldvollem Blick reichte und stieß mit Andrea an.
»Na, dann Prost. Und viel Glück mit meinem Markus!«, presste sie eine Spur verbittert durch die Zähne.
»Und? Hast du heute festgestellt, dass du deinen Markus doch noch vermisst?«, fragte der Unternehmensberater Simon Raeter, seit einiger Zeit neuer Mann an der Seite der Operndiva, misstrauisch.
Es war spät geworden. Fast alle Gäste waren inzwischen gegangen. Nun sah man Ramona die Anstrengung der Aufführung nach eben überstandener Krankheit deutlich an. Sie seufzte erschöpft und leerte ihr Champagnerglas.
»Wie kommst du auf diese seltsame Idee? Jetzt, wo ich erfahren habe, dass Markus im Grunde seines Herzens ein müsliessender Umweltfanatiker ist, ist er weiter entfernt von mir denn je. Nein, er ist mein Agent, nicht mehr und nicht weniger. Es ist alles gut, wie es ist.« Ramona schenkte ihrem beunruhigten Freund einen zärtlichen Blick.
»Aber die schicken Autos, von denen du mir erzählt hast? Das noble Haus? Die protzige Büroeinrichtung? Wie passt das mit dem plötzlichen Richtungswechsel zusammen?« Simon hatte beobachtet, wie gut sich Ramona mit Markus unterhalten hatte und konnte ihr nicht recht glauben. Eifersucht lag in seinem Blick.
Ramona lachte leise und nippte an ihrem Champagner.
»Stell dir vor, seine neue Freundin, die mausgraue Andrea, hat mir erzählt, das hätte er alles nur getan, um mir zu imponieren. Im Grunde seines Herzens ist er ein einfacher Mann mit einfachen Bedürfnissen.«
Über das Attribut, das Ramona ihrer Nachfolgerin verpasste, lachte der smarte Simon laut auf.
»Wie immer triffst du den Nagel auf den Kopf, mein Liebling. Für diese Frau hätte ich keine bessere Bezeichnung gefunden. Es ist und bleibt mir ein Rätsel, wie dein Mann dich verlassen konnte, und sich dann auch noch mit so einer Person zu umgeben. Das muss für dich ein Schlag ins Gesicht sein.«
Er hielt Ramonas Hand in seinen Händen und streichelte zärtlich über die langen seidenweichen, wohlgepflegten Finger. Die perfekt manikürten Nägel waren Ramonas ganzer Stolz.
