Eine Handvoll Augenblicke - Jan Janssen - E-Book

Eine Handvoll Augenblicke E-Book

Jan Janssen

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Beschreibung

Biblische Miniaturen für Urlaubsgefühle im Alltag

Jan Janssen ist nahe der See aufgewachsen, war Seemannspastor und ist jetzt Inselpastor auf Wangerooge. Er kennt den Klang von Wellen und Wind und weiß: Die Weite des Horizonts öffnet auch den Blick nach innen. Hier bietet er für sieben Urlaubswochen Denkanstöße, die diesen Blick vertiefen. Kurze Meditationen über Sehnsucht und Hafen, Entdeckungen am Strand und über das, was das Meer an Mehr für Menschen bereithält.

Erlebnismomente und biblische Impulse werden ergänzt durch eigene Zeichnungen des Autors zur Wegbegleitung für erholsame Tage unter einem weiten Himmel an der See und anderswo.

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Jan Janssen ist nahe der See aufgewachsen, war Seemannspastor und ist jetzt Inselpastor auf Wangerooge.

Er kennt den Klang von Wellen und Wind und weiß: Die Weite des Horizonts öffnet auch den Blick nach innen. Hier bietet er für sieben Urlaubswochen Denkanstöße, die diesen Blick vertiefen.

Kurze Meditationen über Sehnsucht und Hafen, Entdeckungen am Strand und über das, was das Meer an Mehr für Menschen bereithält.

Erlebnismomente und biblische Impulse werden ergänzt durch eigene Zeichnungen des Autors zur Wegbegleitung für erholsame Tage unter einem weiten Himmel an der See und anderswo.

Jan Janssen, geboren 1963, ist evangelischer Theologe. Berufsstationen hatte er als Pastor in Wiefelstede, beim Kirchentag in Leipzig und an der Christuskirche in Wilhelmshaven, verantwortlich auch für die Kirche am Meer zu Expo 2000. Als Kirchentagspastor gehörte er zur Leitung der Kirchentage in Berlin 2003, Hannover 2005 und Köln 2007. Von 2008 bis Ende 2017 war er Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, ab 2018 Seemannspastor der Deutschen Seemannsmission in Rotterdam. Seit September 2021 ist er Inselpastor der Kirchengemeinde Wangerooge und Beauftragter für Kirche und Tourismus an der Küste.

Jan Janssen

EINE HANDVOLL AUGENBLICKE

Biblische Miniaturen für den Sommer an der See

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Copyright © 2025 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich

Pflichtinformationen nach GPSR)

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

Umschlagzeichnung und alle Zeichnungen im Buch: © Jan Janssen

ISBN 978-3-641-33034-7V003

www.gtvh.de

für meinen Vater, voller Dank

INHALT

REISEPROVIANT

SEHNSUCHT NACH DER SEE

Zwischen den Wassern

Was die Meere durchzieht

Da wimmelt es

Ein wenig vom Land weg

Das Meer nicht mehr

WIND UND WETTER

Ein Regenbogen

Ein Sausen

Eine Wolke

Ein Haschen

Ein Brausen

SAND UND STRAND

Meer und mehr

Werweißwieviel

Sitzen oder Liegen

Verwehtes Kritzeln

Rettendes Ufer

HOFFEN IM HAFEN

Großzügige Gastlichkeit

Fleißiges Arbeiten

Geschäftiges Treiben

Handfeste Begegnungen

Wehmütiger Abschied

WASSER UND WELLEN

Schwebende Brise

Lebendige Basis

Donnerndes Brüllen

Friedliche Brandung

Brausender Beifall

SPÜREN UND STAUNEN

Schöner Glanz

Kühle Brise

Bloße Füße

Klangvolle Ruhe

Frisches Wasser

INSELIMPRESSIONEN

Lobende Worte

Staubiger Grund

Verlockende Klänge

Angekommene Hoffnung

Ziele für Fernweh

Verzeichnis der Bibeltexte und Liedvorschläge

Textquellen

REISEPROVIANT

Das Erleben von Inseln und Küsten entführt uns in ungewohntes Gelände. Wir balancieren dort irgendwo auf der Grenze zwischen festem Boden unter den Füßen an Land und schwankenden Planken auf See.

Die Augen bekommen einen Weitblick, dem nicht ein einziger Berg, geschweige denn irgendein Hochhaus die Sicht versperrt. Die Nase reckt sich in die Seeluft. Sie schnuppert Salz und Schlick, registriert Heckenrosen und Fisch. Da ist gut sein, wo sich sengende Sonne, wehender Wind und rauschender Regen nach Hautkontakt sehnen.

Zu diesem Erleben gesellen sich in diesem Buch einige Erfahrungen biblischen Glaubens. Sie bilden Berührungspunkte mit dem Sommer an der See, mit der Schönheit der Schöpfung, dem Alltag an der Küste, dem Leben auf einer Insel. Sie tragen Sehnsucht in sich und manche Sorge mit. Und sie sprechen immer von der Hoffnung, dass Gottes weiter Horizont bis an die Enden der Erde reicht. Besonders spürbar wird diese Zuversicht fern vom vertrauten Gelände und im Übergang zwischen Land und See.

Im ruhigen Rhythmus des Sommers kommt die Schöpfungswoche wieder in den Sinn – zwischen Licht und Meer am Anfang und Mensch und Ruhe am Schluss. Eine Urlaubswoche überbrückt fünf Werktage und bietet sich für je ein Thema mit fünf Facetten an. In der Wahrnehmung dieser besonderen und doch gleichmäßigen Gezeiten ist »Eine Handvoll Augenblicke« als Andachtsreihe auf der Nordseeinsel Wangerooge entstanden. Doch weit über die zweitkleinste der ostfriesischen Inseln hinaus lassen sich diese biblischen Miniaturen als Reiseproviant einpacken und mit an die See nehmen – nach Lust und Laune aufgeteilt in Rationen Tag für Tag oder aufgereiht als Reigen im größeren Zusammenhang.

Wer »Eine Handvoll Augenblicke« allein oder in Gemeinschaft für Andachten nutzen will, findet dazu im Anhang ein Verzeichnis der Bibelstellen und dazugehörigen Liedvorschläge. Für die weitere Ausgestaltung entscheidend sind der Augenblick, die Kürze, der Überraschungsmoment. Denn in einer Kirche auf Zeit wird jede noch so kurzweilige Begegnung sehr kostbar sein.

SEHNSUCHT NACH DER SEE

Zwischen den Wassern

1. Mose 1,9-10

Was die Meere durchzieht

Psalm 8,9-10

Da wimmelt es

Psalm 104,24-26

Ein wenig vom Land weg

Lukas 5,1-3

Das Meer nicht mehr

Offenbarung 21,1

ZWISCHEN DEN WASSERN

Und Gott sprach: »Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort, dass man das Trockene sehe.« Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.

1. Mose 1,9-10

Es ist eine große Sehnsucht, die uns ans Wasser, an die Küste, auf die Insel lockt. Und wo wir auch hinsehen – nur Wasser!

Die Schöpfungsgeschichte erzählt Tag für Tag vom Wachsenlassen Gottes. An diesem dritten Tag ist Gottes Tun nicht nur ein Ins-Leben-Rufen – wie noch am ersten Tag, als das Licht durchbrach: Gott sprach, es werde.Und es ward. Oder wie am zweiten, als sich das Firmament wölbte, dieses eigenartige, zugleich feste und durchlässige Gebilde, dem Gott den Namen Himmel gab.

Heute, am dritten Tag, ist die Arbeit Gottes an der Schöpfung mehr ein Sortieren. Ja, Gott macht hier den Unterschied. Gibt jedem Element den ihm zustehenden Platz und die anstehenden Aufgaben. Am Anfang der Ruf nach Licht. Dann teilt Gott die Zeiten ein: Tag und Nacht. Inzwischen teilt Gott die Räume auf, zeigt damit auch den Elementen Grenzen an. Das Wasser unter dem Himmel soll sich sammeln. Es soll so zusammenfließen, dass trockenes Land sichtbar wird.

Gott zeigt sich als Wasserbauer, beinahe als Küstenschützer, wenn nicht gar als Deichgraf. Als stünde Gott in Gummistiefeln mittendrin.

Tussenwater – so heißt eine U-Bahn-Station in Rotterdam. Selbst solch ein Name lässt an die Schöpfung denken: Im niedrig gelegenen Land – auf Augenhöhe mit dem Meeresspiegel – liegt da ein kleiner Streifen Land zwischen den Wassern. Hier das Trockene – dort das Wasser. Damit man weiß, wo man stehen und gehen kann. Inmitten der endlosen Fluten braucht es ein Stück festen Boden unter den Füßen. So wie uns die Sandbank bei Ebbe trägt. So wie uns die Düne vor den Fluten schützt.

Und ich stelle mir vor, wie da an diesem Dienstag der Schöpfungsgeschichte zuerst mal eine Insel mitten in der Weite der See hervorschaut. Sie wird allmählich größer, je mehr sich drum herum die Wasser sammeln. Jedes Element im Schöpfungssortiment wird beim Namen gerufen. Das Trockene heißt von nun an Erde. Das versammelte Wasser heißt von nun an Meer. So werden selbst die gewaltigen Elemente der Schöpfung benennbar, ansprechbar; sind weniger eine Natur-Gewalt als ein Natur-Gegenüber.

Bemerkenswert, dass Gott im Sortieren und Aufräumen der Schöpfung auch am Abend des dritten Tages nicht gleich wieder nach der nächsten To-do-Liste Ausschau hält. Erst mal schaut er auf das jeweilige Tagewerk. Da gönnt sich jemand ein Innehalten und einen Blick zurück. Verschafft dem, was geschaffen und geschafft ist, eine Wahrnehmung, ein Ansehen. Gottes Augen sehnen das Licht herbei und die Nacht und den Tag. Und Gott sah, dass es gut war. Gottes Augen sehnen den Himmel herbei, den Regen und das Wasser. Und Gott sah, dass es gut war.

Und Gottes Augen sehnen nun auch das Land und die See herbei. Lassen den Blick über diese wunderbare Schöpfung schweifen, schauen hin, schätzen sie ein als kostbar. Als stünde hier Gott selbst auf der Strandpromenade und vergäbe ein Prädikat: Und Gott sah, dass es gut war.

Zufrieden, dankbar – eine Würdigung in Zuneigung. Als hätte auch Gott ein bisschen Sehnsucht nach der See. Ihr Menschen, nun seht ihr euch das an – das Land und die See. Würdigt sie beide – je an ihrem Platz und in ihren Aufgaben. So wird der dritte Tag auch für uns ein guter sein.

WAS DIE MEERE DURCHZIEHT

Die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht – Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

Psalm 8,9-10

Was die Meere durchzieht, das ist den Menschen der Bibel im Grunde ihres Denkens – so stark von Wüstenerfahrungen geprägt – ziemlich suspekt. Die Vögel unter dem Himmel sind mit bloßem Auge sichtbar. Ziehen über Israels fruchtbaren Küstenstreifen hinweg wie übers Wattenmeer. Und mit offenen Ohren sind sie sogar hörbar. Stimmen ihr Lob auf den Schöpfer an. Aber die Fische im Meer stehen für eine unerhörte Welt: lautlos, dunkel, schwer erreichbar, fast gespenstisch.

Seien wir ehrlich: Es geht uns nicht so viel anders als dem Volk Israel. Denn was die Meere so durchzieht, das sind Quallen und Krebse, Schnecken und Würmer. Allesamt nicht gerade Sympathieträger. Wären wir wohl von deren Anblick begeistert, sollte das Wasser der Nordsee aufklaren und all das Getier darin sichtbar werden? Beim Strandspaziergang nennen wir schon das Muscheln, was doch nur die übriggebliebenen Schalenreste dieser Weichtiere sind. Hübsch! Doch ihre Mantellappen oder Sipho-Schläuche finden wir eklig. Und dann scheint fast alles, was die Meere durchzieht, auch noch stumm zu sein – wohl kaum fähig zu einem Loblied Gottes.

Doch all diese Augenscheinlichkeiten, Geschmacksfragen, Berührungsängste kümmern diesen Gesang im Psalm gar nicht. Herr, wie herrlich ist dein Name! Für ihn buchstabiert die ganze Schöpfung den Namen Gottes. Und alles, was die Meere durchzieht, bildet für ihn gar den Schlussakkord, wenn nicht den Höhepunkt seines begeisterten Liedes.

Begonnen hat er mit den Kindern und Säuglingen. Ihr undeutliches Gebrabbel und anfängliches Erkunden der Sprache und ihrer Worte sind dem Psalmisten das schönste Lob Gottes. Die angeblich Kleinen sind im Lob Gottes das Großartigste, was die Schöpfung zu bieten hat. Seht die Kinder, hört ihr Lied!

Da muss jeder Feind des Lebens verstummen. Dagegen haben kein Machthaber und kein Gewaltherrscher eine Chance. Dann schwärmt der Psalm weiter über Himmel, Mond und Sterne – sie seien eine filigrane Arbeit der Finger Gottes. Nutztiere und Wildtiere machen die Handwerkskunst Gottes sichtbar. Vögel und Fische ebenso, eben gerade in ihrer Unerreichbarkeit.

Was die Bibel hier besingt, das erahnen wir oft erst, wenn wir uns in Augenblicken der Ruhe oder in Tagen der Erholung einmal wieder erlauben, hinzusehen und hinzuhören. Wenn wir im Urlaub unserer Sehnsucht nach der See ihren Raum geben und uns die Zeit dazu gönnen. Wenn wir Gottes Schöpfung mit all ihren wunderbaren Geschöpfen wahrnehmen und uns hineinbegeben als Teil des Ganzen. Dann geht mancher Blick nach oben, aber manches Horchen auch in die Tiefe. Und man macht sich endlich mal wieder Gedanken.

Was ist doch der Mensch, dass du seiner gedenkst? So wird uns dieses zentrale Staunen des Psalmengesangs zu einer Horizonterweiterung, zu einer Berührung zwischen Himmel und Erde. Zum Aha-Erlebnis in größtmöglicher Weite zwischen den Vögeln des Himmels und den Fischen des Meeres. Und eben allem anderen auch, was da sonst noch die Meere durchzieht.

Es könnte sein, dass wir uns dann ein wenig klein vorkommen. Angesichts all des menschlichen Größenwahns, meine ich: Macht nichts. Jeder ferne Vogel, jeder stumme Fisch, jede welke Blume lebt unter dem weiten Himmelszelt Gottes und vervielfacht sein Lob. Stimmen wir doch in diesen herrlichen Gesang mit ein!

DA WIMMELT ES

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Da ist das Meer, das so groß und weit ist; da wimmelt es ohne Zahl, große und kleine Tiere. Dort ziehen Schiffe dahin.

Psalm 104,24-26

Da wimmelt es – das könnte eine unmittelbare Fortsetzung der Gedanken zum vorigen Augenblick sein. Denn nun lenkt auch dieser Psalm den Blick derer, die hinschauen, auf die See: Da ist das Meer! Auch dieses Loblied auf Gottes Schöpfung gerät ins Schwärmen über Licht, Himmel und Wasser. Über Tiere, Vögel, Früchte und Gras fürs Vieh. Über Brot, Wein und Öl für Menschen. Über Mond und Sonne, Tag und Nacht für alle zusammen. Ein Wimmelbild der guten Gaben Gottes, das hier lang, breit und bunt ausgemalt wird.

Doch nach allen Augenweiden und Gaumenfreuden an Land kommt dann ein besonderer Augenblick. Da geht der Psalm gewissermaßen selbst über die Düne. Da öffnet sich endlich die Sicht auf die See. Wir fanden schon als Kinder, dass dies der besonders begeisternde Moment im Glück eines Urlaubs ist: Da ist das Meer! Unten vor der Düne losgerannt und oben ganz aus der Puste angekommen: Wer hat es zuerst gesehen? Ich! Nein ich …!