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Zwischen Herz und Krone.
Prinzessin Sarani Rao besitzt alles, wovon andere nur träumen: Schönheit, Reichtum und eine Krone. Doch als Tochter eines indischen Maharadschas und einer britischen Adligen gehört sie in keiner der beiden Welten wirklich dazu. Als ihr Vater ermordet wird, bleibt ihr nur die Flucht. Ausgerechnet auf einem Schiff, das von dem Mann geführt wird, den sie einst geliebt und zurückgewiesen hat …
Kapitän Rhystan Huntley steht vor seiner letzten Reise, bevor ihn die Pflicht nach England zurückruft. Nur ungern nimmt er seine Rolle als Herzog von Embry wieder ein. Doch das Schicksal hat andere Pläne: Die Frau, die er nie vergessen konnte, befindet sich an Bord, und mit ihr eine Gefahr, die nicht nur ihr Leben, sondern auch sein Herz bedroht …
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Seitenzahl: 513
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Zwischen Herz und Krone.
Prinzessin Sarani Rao besitzt alles, wovon andere nur träumen: Schönheit, Reichtum und eine Krone. Doch als Tochter eines indischen Maharadschas und einer britischen Adligen gehört sie in keiner der beiden Welten wirklich dazu. Als ihr Vater ermordet wird, bleibt ihr nur die Flucht. Ausgerechnet auf einem Schiff, das von dem Mann geführt wird, den sie einst geliebt und zurückgewiesen hat …
Kapitän Rhystan Huntley steht vor seiner letzten Reise, bevor ihn die Pflicht nach England zurückruft. Nur ungern nimmt er seine Rolle als Herzog von Embry wieder ein. Doch das Schicksal hat andere Pläne: Die Frau, die er nie vergessen konnte, befindet sich an Bord, und mit ihr eine Gefahr, die nicht nur ihr Leben, sondern auch sein Herz bedroht …
Amalie Howard ist USA Today- und Publishers Weekly Bestsellerautorin. Ihre Wurzeln liegen in Westindien und ihre Artikel über multikulturelle Belletristik sind in The Portland Book Review und auf Diversity in YA erschienen. Derzeit lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Colorado.
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Amalie Howard
Eine Prinzessin für den Duke
Aus dem Amerikanischen von Firouzeh Akhavan-Zandjani
Cover
Titel
Inhaltsverzeichnis
Impressum
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Widmung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Epilog
Anmerkungen der Autorin
Danksagung
Impressum
Lust auf more?
Für meine Mutter, die mich lehrte, nachsichtig zu sein, meinen Kopf zu benutzen und mich nicht unterkriegen zu lassen.
Indien, 1861
Der metallische Geruch von vergossenem Blut stieg Prinzessin Sarani Rao in die Nase, während sie den Flur entlang Richtung Hof flüchtete und dabei so leise auftrat, dass ihre Schritte auf dem polierten Marmorboden nicht zu hören waren. Sie zerrte ihre Dienerin und Zofe am Arm hinter sich her, während die schwere Reisetasche, die sie mit Juwelen, Waffen und Kleidung vollgestopft hatte, über ihrer Schulter hing. Bombay. Sie mussten nach Bombay und dort ein Schiff finden. Irgendein Schiff.
Ihr Magen zog sich vor Übelkeit und Nervosität zusammen.
»Beeil dich, Asha«, zischte sie leise. »Tej wartet auf uns.«
»Wo gehen wir hin, Prinzessin?«, fragte die Zofe weinend, als sie stehen blieben, um zu schauen, ob der zweite, weniger oft benutzte Hof leer war. Der meiste Lärm kam von der Vorderseite des Palastes, was ihnen ein paar kostbare Minuten verschaffte, und Sarani hatte Tej, ihren kleinen Diener mit einem eilig gepackten Koffer vorgeschickt, um irgendein Transportmittel aufzutreiben. Ihr war wohl bewusst, dass ihr Leben jeden Moment zu Ende gehen könnte – wie das ihres Vaters. Er war das Opfer eines Staatsstreiches geworden.
Sarani holte erstickt Luft. »Überall hin, nur nicht hier.«
Sie hatte gerade ihren Vater – den Maharadscha von Joor – mit aufgeschlitzter Kehle auf seinem Bett liegen sehen. Bittere Galle stieg in ihr hoch, und sie musste sich zur Seite beugen, um sich zu übergeben, während Tränen in ihren Augen brannten. In der Ferne hörte sie Schreie und das Klirren von Säbeln. Stechender Rauch erfüllte die Luft.
Mit so einem Angriff hatte sie nicht gerechnet. Keiner hatte das – nicht einmal ihr Vater oder seine Ratgeber, obwohl in Indien und vor allem im Fürstentum Joor seit Jahren Unruhen herrschten. Die Lage war immer bedenklicher geworden. Der Adel und feindselige Arbeiter lehnten sich gegen die britischen Gesetze, die Annexion und kulturelle Praktiken auf, und die Sepoys in der britischen Armee hatten angefangen unruhig zu werden.
Aber Saranis Instinkt sagte ihr, dass dieser Angriff von innen heraus erfolgt war. Außer Familienmitgliedern hatte niemand Zutritt zu den Privatgemächern ihres Vaters. Ihr Cousin Vikram hätte am meisten zu gewinnen, wenn der Maharadscha ausgeschaltet wurde. Und wenn Vikram an die Macht käme, würde er sie – die Kronprinzessin – immer als Bedrohung betrachten.
In dem Moment, als sie ihren Vater gefunden hatte, war Sarani klargewesen, dass sie fliehen musste, wenn sie das hier lebendig überstehen wollte. Sie hatte sich nur deshalb nicht in ihren eigenen Gemächern aufgehalten, weil sie sich mit Tej aus dem Palast geschlichen hatte, um zu ihrer Lieblingsstelle am Fluss zu gehen. Ein letztes Mal hatte sie in Kindheitserinnerungen schwelgen und etwas Normales tun wollen, ehe sie am nächsten Tag wie eine bewegliche Habe mit Lord Talbot verheiratet werden sollte. Sie hatte den alten englischen Grafen, der der Regent der Gegend war, ganze fünf Jahre hinhalten können … doch am Ende sollte die Verlobung nun endlich in einer Heirat münden.
Dieser Moment, in dem sie sich einer Laune hingegeben hatte, war ihre Rettung gewesen.
Sarani hatte gleich bei ihrer Rückkehr gespürt, dass irgendetwas nicht stimmte. Als sie am Gitter, das die Weinranken hielt, zu ihren Räumen hochgeklettert war, hatte sie auf dem Balkon ihres Vaters Glasscherben bemerkt. Und dann hatte sie ihn entdeckt. Nur das jahrelange Training mit ihrem Waffenmeister hatte sie davon abgehalten, zu schreien oder beim Anblick von so viel Blut in Ohnmacht zu fallen.
Auch in ihren Räumlichkeiten herrschte ein heilloses Durcheinander – das Bett zerwühlt, Türen, die offen standen – als wären sie in aller Eile durchsucht worden. Erneut hatte Sarani den Eindruck, als hätte der Mörder genau gewusst, wo er hinwollte und welches die Zimmer von ihr und ihrem Vater waren.
Sie hatte rasch gepackt und ihre Zofe geweckt, die nebenan schlief und der glücklicherweise nichts passiert war. »Der Maharadscha ist ermordet worden«, hatte sie zu Asha gesagt. »Wir müssen weg.«
Tej war ihre einzige Hoffnung auf eine gelungene Flucht. Sarani unterdrückte Trauer und Entsetzen, während sie im Dämmerlicht nach ihrem treu ergebenen Diener Ausschau hielt. Vor Angst war ihr ganz kalt, bis sie ihn endlich mit einer der kleineren Kutschen ein Stück die Auffahrt runter im Schatten einiger Feigenbäume erspähte.
Der Junge, der mit weit aufgerissenen Augen auf dem Kutschbock saß, winkte ihnen zu. »Steigen Sie ein! Schnell! Sie kommen.«
Sie und Asha rannten die Auffahrt runter und kletterten ins Gefährt. Es fuhr bereits an, ehe sie überhaupt saßen. Sarani hörte Asha leise weinen, während sie vor Angst wie erstarrt die eigenen Tränen zurückdrängte und die Kutsche dahinrollte.
Würde man ihnen folgen? Waren sie schnell genug geflüchtet? Würden sie in Sicherheit sein? Falls Vikram der Mörder war – oder den Mord in Auftrag gegeben hatte, wie sie vermutete – was würde er dann als Nächstes tun? Bestimmt würde er sie nicht am Leben lassen. Er mochte zwar ein absoluter Feigling sein, aber dumm war er nicht.
Die erste Etappe, die sie zurücklegten, währte mehrere Stunden. Als sie anhielten, um die Pferde zu wechseln, merkte Sarani, dass ihre Angst etwas nachgelassen hatte und sie nicht mehr so häufig nach hinten schaute. Niemand verfolgte sie, und sie waren schnell vorangekommen. Als sie die Fahrt fortsetzten, begannen bei ihr die Tränen, die sie so lange zurückgehalten hatte, wie ein Monsunregen zu strömen. Heiß und ununterbrochen liefen sie ihr über die Wangen, und in der Abgeschiedenheit der Kutsche gab sie sich ihrem Kummer ungehemmt hin.
Asha, die ebenfalls leise weinte, reichte ihr ein mit Spitze gesäumtes Taschentuch. »Was werden wir tun?«
»Wir werden irgendwo hingehen, wo man uns nicht findet.« Sarani griff nach der Hand ihrer Dienerin. »Asha, willst du mit mir mitkommen oder bleiben? Tej hat keine Familie, aber du schon. Wir können in Bombay eine Unterkunft für dich suchen, bis du unbeschadet nach Joor zurückkehren kannst.«
»Nein, Prinzessin, mein Platz ist bei Ihnen.«
Sarani nickte traurig, trocknete ihre Tränen und straffte die Schultern. Sie waren jetzt auf sich allein gestellt, und es ging ums nackte Überleben. Geld war kein Problem – sie hatte ein Vermögen an Juwelen und unbezahlbare Familienerbstücke in Koffer und Reisetasche – aber sie würde Indien vorerst verlassen müssen, ehe sie gefahrlos zurückkehren konnten. Eine leise Stimme in ihrem Innern deutete an, dass das vielleicht nie der Fall sein würde.
Angesichts der politischen Unruhen und der unsicheren Lage wäre sie außerhalb dieses Landes besser aufgehoben – und zwar so weit wie möglich entfernt. Das hieß, dass sie nur eine Wahl hatte.
Das Geburtsland ihrer Mutter.
Der Gedanke an das weit entfernte London, das sie nur aus Erzählungen kannte, zog ihr den Magen vor Angst zusammen, aber die Alternative war deutlich schlimmer. Wenn sie hierbliebe, würde sie das gleiche Schicksal ereilen wie ihr Vater. Nein, sie würde nach England gehen und den Mädchennamen ihrer Mutter annehmen – Lockhart.
Es gab Schlimmeres als vorzugeben, eine englische Gräfin zu sein. Ihr Vermögen war so groß, dass es bis an ihr Lebensende reichen würde. Außerdem hatte sie noch ihren Verstand, ihre sorgfältige Erziehung und blaues Blut – zumindest eine Menge.
Sie könnte es schaffen … als Engländerin durchzugehen.
Sarani erhaschte einen Blick auf ihr Spiegelbild in der Scheibe der Kutsche. Eine Frau mit gehetztem Blick, dunkel umrandeten Augen und zerzaustem schwarzen Haar, die wohl eher einem verlotterten Mädchen denn einer hochwohlgeborenen Dame ähnelte, blickte ihr entgegen. Sie unterdrückte ein ersticktes Lachen. Ihre alte französische Gouvernante würde sich aufregen, wenn sie sie in diesem Zustand sähe. Nicht einmal nach einem Bad und frisch gekämmten Haaren würde sie deren kritischer Musterung standhalten. Aufgrund ihrer äußerlich sehr unterschiedlichen Eltern hatte sich ihr Aussehen im Laufe ihres Lebens verändert, und im Moment hatte ihr Teint einen hellbraunen Schimmer, weil sie die letzten Tage so viel draußen verbracht hatte. Ihr mochte das vielleicht gefallen, aber englische Aristokraten waren da kritischer.
Darauf konnte man sich verlassen …
Im Laufe der Jahre hatte sie am eigenen Hofe viele neugierige und verächtliche Blicke von englischen Lords und Ladys bemerkt, die sie angegafft hatten, als wäre sie ein kurioses Wesen. Eine Prinzessin gemischter Herkunft zog besonders genaue Blicke auf sich, die nicht immer freundlich waren. Die Leute sahen, was sie sehen wollten. Einmal – sie war zwölf gewesen und der neugierigen Blicke überdrüssig – hatte sie laut Buh gerufen, und alle drei Damen, die zu Besuch gewesen waren, hatten sich von oben bis unten mit Madeira bekleckert, an dem sie gerade geziert hatten nippen wollen. Der Moment war urkomisch und äußerst befriedigend gewesen, was man über ihre Strafe nicht hatte sagen können – einen Monat lang hatte sie nicht ausreiten dürfen.
Sarani seufzte leise. Viele Europäer hatten dunklere, gebräunte Haut. Darauf würde sie einfach hinweisen, wenn man das Thema anspräche. Davon abgesehen war Lockhart ein ganz gewöhnlicher englischer Name, und man hatte Sarani eine exklusive Erziehung angedeihen lassen, sodass ihr Benehmen keiner englischen Lady nachstand. Mit einem englischen Grafen als Urgroßvater durfte sie sich durchaus in gewisser Weise als Engländerin sehen, auch wenn ihre halb schottische, halb englische Mutter, Lady Lisbeth Lockhart, sich in einen indischen Prinzen verliebt und alle Bindungen zu ihrem Geburtsland abgebrochen hatte.
Der Gedanke an England war beängstigend, aber ihr fiel kein anderer Ort ein, an den sie hätte flüchten können, und in Joor würde sie auf keinen Fall Unterschlupf finden. Die Verwandten ihres Vaters akzeptierten sie nicht wirklich, und sie durfte ihre Dienerin nicht in noch größere Gefahr bringen. Davon abgesehen hatte sie auch keine Ahnung, wer ihre Feinde waren oder wer ihren Cousin unterstützte. Obwohl es ihr zuwider war, dass die Briten wie Eroberer in ihre Heimat eingefallen waren, musste sie jetzt der Tatsache ins Auge sehen, dass England ironischerweise ihre einzige Hoffnung war, einem Mörder zu entkommen.
Sarani atmete zitternd tief durch und legte die Hände in den Schoß. Sie war dazu in der Lage. Sie würde sie alle drei in Sicherheit bringen.
Das Einzige, was sie dafür tun musste, war, Prinzessin Sarani Rao verschwinden zu lassen.
Und die empfindsamen englischen Ladys nicht mit einem »Buh« zu erschrecken.
»Euer Gnaden!«
Rhystan schaute vom Segel auf, das er gerade an Bord der Belonging untersuchte, und strich sich das schweißnasse Haar aus der Stirn, während er in die heiße indische Sonne blinzelte. Er verzog das Gesicht. Seine Verärgerung richtete sich nicht gegen den Mann, der ihn angesprochen hatte, sondern rührte von der Verwendung seines Titels her. Nach zwei Jahren hatte er sich immer noch nicht an ihn gewöhnt. Man sollte meinen, dass ihm als dem jüngsten von drei Söhnen dieses Ungetüm einer Anrede eigentlich hätte erspart werden müssen, doch das verdammte Schicksal hatte andere Pläne gehabt. Als er erkannte, wer sich ihm genähert hatte, wurde seine Miene noch finsterer. Der Hafenmeister.
»Thornton«, sagte er und wischte sich die feuchten Hände an der Hose ab, während seine Finger sich auf die Steinschlosspistole legten, die in seinem Hosenbund steckte. Er trat an den Rand der Reling und stellte einen Fuß auf die Takelage. »Was kann ich für Sie tun?«
Der Mann hatte ein rotes Gesicht und schwitzte stark, als er auf dem Steg stehen blieb. Rhystan bemerkte einen kleinen schlanken Einheimischen, der hinter Thorntons massiger Gestalt fast verschwand. Er kannte den Jungen nicht. »Es handelt sich um eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit, Herzog.«
»Captain«, verbesserte Rhystan ihn mit zusammengebissenen Zähnen und musste an sich halten, um die Lippen nicht höhnisch zu verziehen. Der Mann quoll beinahe von seiner eigenen Wichtigkeit über, obwohl er sich nicht zu schade war, gelegentlich mehr Geld zu verlangen, um seine Taschen zu füllen. »Dann spucken Sie schon aus, was so wichtig ist.«
»Es geht um eine sofortige Überfahrt«, sagte er. »Nach England.«
»Wir werden Sie dafür gut entlohnen, Sir«, meldete sich der Junge, der hinter Thornton stand, zu Wort.
Rhystan runzelte die Stirn, während er weiter den Hafenmeister ansah. »Die Belonging ist kein Passagierschiff. Und darf ich Sie daran erinnern, dass Sie im Besitz eines Dampfschiffes sind, Mr Thornton, das wohl deutlich mehr Bequemlichkeit bietet als dieses Schiff hier.«
»Es geht nicht um mich, Euer Gnaden«, stotterte Thornton und wischte sich mit einem Taschentuch den Schweiß von den Wangen. »Sondern um Lady Lockhart.«
»Lady wer?«
»Lady Lockhart, Captain«, erwiderte der kleine Diener. »Sie muss nach England und ist bereit, gut zu bezahlen.«
Rhystan runzelte die Stirn und durchforstete seine Erinnerung nach einem Gesicht, das zu dem Namen gehörte, aber ihm fiel keines ein. Aber davon abgesehen war die Belonging kein Ort für eine Dame. Das Schiff war schon durch mehrere Hände gegangen und umgerüstet worden, nachdem es früher als Kriegsschiff gedient und später einem zwielichtigen amerikanischen Freibeuter gehört hatte. Eine Unterbringung an Bord konnte noch nicht einmal annähernd als nobel oder auch nur komfortabel bezeichnet werden. Ihm reichte das natürlich, aber es war nicht mit dem zu vergleichen, was Gäste auf den anderen Schiffen seiner Flotte erwarten durften.
Er machte eine weit ausholende Bewegung und deutete auf die anderen Schiffe, die im Hafen lagen. »Und wenn sie die Königin selbst wäre, würde mir das gleichgültig sein. Ich nehme keine Passagiere an Bord. Finden Sie jemand anderen.«
Thornton schüttelte den Kopf. »Keins der anderen Schiffe läuft heute in Richtung England aus. Ihres ist das einzige. Ihre Abreise duldet keinen Aufschub.«
Er sah den Houseboy an, der hinter Thornton stand. »Warum kann sie nicht morgen oder übermorgen abreisen?«
»Es handelt sich um eine Frage der Umstände, Sahib, Sir«, stammelte der Junge, und Rhystan runzelte die Stirn, als er in dieser Form angeredet wurde. Er hatte es häufig gehört, als er noch als Offizier stationiert gewesen war.
»Wer ist deine Herrin? Lady Lockton, sagtest du?«
»Lady Lockhart, Captain.«
Der Name klang irgendwie vertraut, aber er konnte ihn nicht einordnen. Allerdings war er auch schon lange nicht mehr in England gewesen. Die Namen der Angehörigen des Adels hörten sich für ihn alle gleich an. »Sag deiner Herrin, sie soll mit Captain Brooks sprechen. Er sticht übermorgen in See.«
»Das ist zu spät.«
»Warum will sie denn unbedingt abreisen?«
»Es hat einen Todesfall in der Familie gegeben. Und Ihr Schiff ist das nächste, das ausläuft.«
Dieser Grund löste unerwarteterweise Verständnis und Mitgefühl bei ihm aus. Der Tod hatte es so an sich, alles durcheinanderzubringen. Die unbekannte Dame lieferte sich ein Wettrennen gegen die Zeit. Er tat das Gleiche, wollte aber noch rechtzeitig zu seiner angeblich dahinsiechenden Mutter zurück. Rhystan konnte also mehr als jeder andere nachempfinden, was sie wohl bewegen musste.
Der Junge hatte sein Zögern wohl bemerkt, denn er trat vor und verbeugte sich tief. »Ich flehe Sie an, Sahib. Bitte, denken Sie noch einmal darüber nach.«
»Wo kommst du her?«, fragte Rhystan neugierig.
»Joor«, erwiderte der Junge, um gleich darauf die Lippen fest aufeinanderzupressen, als hätte er etwas gesagt, was er eigentlich nicht preisgeben durfte.
Aber Rhystan war zu verblüfft, um sich Gedanken über dieses Verhalten zu machen. Joor. Was für ein Zufall.
Unerwünschte und unwillkommene Erinnerungen an seine Jugend kamen plötzlich in Rhystan hoch. Er rief sich zur Räson und biss die Zähne zusammen. Das war Vergangenheit. Er hatte seit Jahren nicht mehr an Joor – oder was dort passiert war – gedacht. Und zwar aus gutem Grund.
Eine sanfte Frauenstimme ertönte in seinem Kopf: Ich gehöre dir, Rhystan.
Er verdrängte die Erinnerungen mit aller Kraft. Sarani Rao hatte ihm nie gehört, sondern hatte ihm wegen eines Grafen den Laufpass gegeben. Rhystan war sich sehr wohl der Ironie des Schicksals bewusst, wenn man bedachte, dass er jetzt Träger des am meisten geachteten Titels der englischen Aristokratie war. Doch er hatte den Titel fünf Jahre zu spät geerbt. Joor und die treulose Prinzessin gehörten seiner Vergangenheit an, die tot und begraben war.
»Captain Brooks von der Voyager«, sagte er zu dem Diener und machte auf dem Absatz kehrt. »Sag ihm, dass ich dich zu ihm geschickt habe.«
Sich mitten in der Nacht an Bord eines Schiffes zu schleichen, war nicht optimal … oder damenhaft … oder klug.
Und dies galt im besonderen Maße für eine gerade erst zum Leben erwachte Lady Sara Lockhart. Aber Sarani war verzweifelt, und da die Belonging offenbar das einzige Schiff war, das innerhalb kürzester Zeit nach England auslaufen würde, blieb ihr kaum eine andere Wahl.
Tej hatte erzählt, dass der Kapitän sich nicht von seiner ablehnenden Haltung hatte abbringen lassen. Sarani hätte ihn unter Umständen selbst aufgesucht, um ihn mit Bitten oder Argumenten umzustimmen, doch ihr standen im Grunde keine anderen Möglichkeiten zur Verfügung, dazu lief ihr die Zeit davon. Außerdem wurde sie das Gefühl nicht los, dass einer von Vikrams Männern ihnen aus Joor gefolgt war.
»Wo ist der Kapitän jetzt?«, fragte sie Tej leise.
»In der Taverne … mit seinen Männern.«
»Bist du dir sicher, dass das Schiff nicht bewacht wird?«
Tej zuckte die Achseln. »Er ist ein Herzog. Keiner wäre so dumm, einfach an Bord seines Schiffes zu gehen.«
Außer ihnen … offensichtlich.
Ein leicht hysterisches Kichern wollte in ihr austeigen. Sie hatte Tej gründlich ins Gebet genommen, doch der Junge hatte darauf beharrt, dass dies die einzige Möglichkeit wäre, wenn sie Indien schnell verlassen wollte.
»Werden die Männer, die noch an Bord sind, uns nicht aufhalten?«, fragte sie, während sie die Laufplanke hochgingen, an deren Ende zwei Männer von der Mannschaft warteten.
Tejs Zähne blitzten in der Dunkelheit auf. »Ich habe ihnen gesagt, dass alles mit dem Herzog abgesprochen wäre und er den Befehl gegeben hätte, Sie an Bord unterzubringen, während er unterwegs ist. Ich habe außerdem erfahren, dass sie hier für die Fahrt angeheuert worden sind, und habe sie dazu überredet, ihren Platz abzugeben.«
Sarani nagte an ihrer Unterlippe. »Und sie sind darauf eingegangen?«
»Sie werden wie die Könige von dem leben, was Sie mir als Bezahlung für die beiden gegeben haben«, raunte Tej ihr zu, als die beiden Männer, um die es ging, nach ihrem Gepäck griffen.
Sarani zuckte zusammen. Wenn dieser störrische Kapitän und Herzog herausfand, dass sich neu angeheuerte Mitglieder seiner Mannschaft aufgrund eines besseren Angebots verdrückt hatten, würde er wütend sein. Er würde sogar noch wütender werden, wenn er seine neuen, unerwünschten Passagiere entdeckte. Aber Sarani hoffte, dass das Schiff längst auf hoher See wäre, ehe das passierte. Auf jeden Fall würde das Geld, dass sie ihm geben wollte, reichen, um ihn davon zu überzeugen, sie nicht über Bord zu werfen.
Das hoffte sie zumindest.
Sarani holte tief Luft und atmete den leicht nach Salz riechenden Duft des Windes ein, der im Hafen wehte. Es roch nach Regen, obwohl es noch knapp zwei Monate bis zum Beginn der Regenzeit mit den starken Monsunwinden war. Wenn sich erst ein Zyklon bildete, würden sie für wer weiß wie lange feststecken und der Gnade desjenigen ausgeliefert sein, der ihren Vater umgebracht hatte. Sie zitterte. Nein, sie hatten tatsächlich keine andere Wahl.
Andererseits würde sie vielleicht auch der Herzog töten, wenn er ihr Vergehen bemerkte.
Sarani schluckte ihre Angst herunter und raffte die Röcke. Lieber bat sie um Vergebung als um Erlaubnis.
Die beiden abgerissen aussehenden Männer führten die drei unter Deck und brachten sie in einer Kajüte unter, die kaum größer als ein Schrank war. Auf der einen Seite befand sich eine Koje mit einer klumpigen Matratze und auf der anderen eine kleine Truhe mit einem Stuhl daneben. Nun, die Unterbringung spielte keine Rolle. Sie und Asha konnten zusammen in der Koje schlafen, und sie hoffte, dass Tej einen Platz in einer Hängematte beim Rest der Mannschaft finden würde.
Leichter Zweifel befiel sie, als sie an die Waffen dachte, die sie ganz unten in ihrer Tasche dabeihatte: ein Paar Pistolen, mehrere Messer, zwei Säbel mit glänzend polierten Klingen und ihre wertvollen Dolche. Es waren alles gefährliche Waffen, sollte sie sie benutzen müssen. Und das konnte sehr wohl der Fall sein, wenn man bedachte, dass sie vier Monate auf einem Schiff verbringen würde, auf dem sie nicht das Recht hatte zu sein, und dessen Kapitän jetzt schon so klang, als wäre er ein unversöhnlicher Zeitgenosse.
Grundgütiger, tue ich auch das Richtige?
England lag fast am anderen Ende der Welt, und es würde nicht leicht sein, sich dort einzuleben. Aber sie hatte keine andere Wahl.
Es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder das oder der Tod.
»Ein Sturm kommt auf, Captain!«
»Umso mehr Grund, ihm davonzulaufen, Gideon«, sagte Rhystan zu seinem Quartiermeister, während er ans Steuer trat, um das Schiff aus dem Hafen zu lenken. »Und es soll so wenig Kohle verbraucht werden wie möglich, bis wir St. Helena anlaufen. Leinen los!«
Brüllend gab Gideon den Befehl, die Masten zu setzen und die Segel zu hissen.
»Hilf beim Anker einholen, Abe«, rief Rhystan einem Matrosen zu, der nickte und sofort ans andere Ende des Decks rannte.
»Aye, Captain!«
Es dauerte nicht lange, bis das Schiff Fahrt aufnahm und unter dem aufkommenden Sturm noch schneller wurde, nachdem die Segel gehisst waren. Rhystan blieb an Deck und behielt den dunklen Horizont fest im Auge. Nachts war es schwieriger, den Hafen zu verlassen, aber es störte ihn nicht, im Dunkeln zu segeln.
Mit dem Wind im Rücken würden sie viel Zeit gewinnen. Bei einer Flaute und wenn sie in Schwierigkeiten gerieten, würde er die Schiffsschraube anwerfen lassen. Das Schiff war ein technisches Wunderwerk, das mit Segeln fuhr, aber auch über einen Dampfmotor verfügte, der über Kohle betrieben wurde. Dadurch war es das schnellste und technisch am besten ausgestattete Schiff auf der ganzen Welt.
Der gerade erst ansetzende Sonnenaufgang war bereits zu erkennen und machte den Sturm sichtbar, der ihnen auf den Fersen war. Zyklone waren selten, aber gefährlicher als Glücksspiel. Mit ein bisschen Glück würde die Unwetterfront an ihnen vorbeiziehen. Stürme und eine unruhige See waren das notwendige Übel, wenn man das Meer bereiste, und Rhystans Schiff war zwar so konstruiert, dass es allem standhielt, aber Zyklone waren trotzdem eine unangenehme Sache. Selbst für die hartgesottensten Seemänner. Er würde es vorziehen, es nicht schon zu Beginn der Reise mit einem solchen Sturm zu tun zu bekommen.
Sie befanden sich bereits mehrere Stunden auf dem Arabischen Meer, als er ein beständiges Magenknurren verspürte. Rhystan rieb sich die müden Augen. Der Besuch der Hafenkneipe am gestrigen Abend war nicht seine schlaueste Idee gewesen, doch die Mannschaft hatte es verdient, noch ein paar Runden zu trinken und weibliche Gesellschaft zu genießen, ehe es auf große Fahrt ging. Er hatte sich auch ein paar Whiskys genehmigt, aber auf weibliche Gesellschaft hatte er verzichtet.
In jüngeren Jahren hatte er Zeit mit älteren unverheirateten Frauen und Witwen verbracht, aber seit er Herzog geworden war, hatte das Befriedigen seiner Bedürfnisse stark an Reiz verloren, weil er immer befürchten musste, plötzlich in einer Ehe gefangen zu sein – vor allem, wenn die Frauen herausfanden, wer er war und zu planen begannen, die nächste Herzogin von Embry zu werden. Dieser Falle wollte er um jeden Preis entgehen. Wenn er dafür allen Frauen aus dem Weg ging, schien ihm das am besten zu gelingen.
Rhystan musterte den Horizont. »Gut, Gideon, übernimm du das Steuer. Ich gehe nach unten.«
Sein Quartiermeister, der nie viele Worte machte und auch selten die Miene verzog, gab nur ein zustimmendes Brummen von sich. Sie hatten beide der ursprünglichen Mannschaft angehört, und als Rhystan die Belonging dem früheren Captain abgekauft hatte, womit es zum ersten Schiff seiner Flotte geworden war, hatte Gideon beschlossen, bei ihm zu bleiben. Der Bär von einem Mann mit türkischen Wurzeln blieb meist für sich. Er war ein fähiger Seemann, ein noch besserer Kämpfer, und er war loyal. Aber abgesehen davon, dass er keine Eltern mehr hatte und sein Leben auf hoher See verbrachte, wusste Rhystan nichts über ihn, da er nie über seine Vergangenheit sprach.
Damit waren sie schon zwei. Bevor ihm überraschend die Herzogskrone in den Schoß gefallen war, hatte Rhystan auch nicht viel von seiner Vergangenheit erzählt. Wo sie herkamen, sagte nichts darüber aus, wer sie waren. Und wenn doch, wäre er ein armseliges Exemplar von einem Mann.
Alles nur wegen einer Frau, die ihm den Laufpass gegeben hatte.
Rhystan verzog das Gesicht, als er übers Deck marschierte. Vor ein paar Stunden war er an Joor und Sarani erinnert worden und konnte jetzt beides nicht mehr aus seinen Gedanken verdrängen. Seit damals schien ihm ein ganzes Leben vergangen zu sein. Er war noch ein Grünschnabel gewesen. Der drittgeborene, arrogante, neunzehnjährige Sohn eines Herzogs, entschlossen, sich einen Namen zu machen und seinen eigenen Weg zu finden.
»Die Armee oder die Kirche«, hatte sein Vater, der Herzog, an seinem siebzehnten Geburtstag zu ihm gesagt. »Entscheide dich.«
Mit dem kleinen Erbe, das ihm zustand, hatte Rhystan sich dem Geheiß seines Vaters widersetzend bei der Royal Navy eingekauft. Nach der königlichen Marine hatte er sich der britischen Ostindien-Kompanie angeschlossen, weil er wusste, dass es seinem Vater missfallen würde, wenn er sich mit der Arbeiterklasse abgab. Die Kaufmannsgesellschaft unterstand zwar der britischen Krone, war aber mit vielfältigen Rechten ausgestattet – die skrupellos ausgenutzt wurden, wie Rhystan schon bald feststellte – und war für den Sohn eines Herzogs bald zu langweilig. Er war so lange aus der Reihe getanzt, dass sein Vater ihn schließlich verstieß und seine Existenz praktisch nicht mehr zur Kenntnis nahm.
Bei einem Feuer, das durch einen verstopften Schornstein ausgelöst worden war, brannte die Jagdhütte nieder, in der seine Brüder und sein Vater dessen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatten. Alle starben, und so waren alle Güter und der Titel des Herzogs an Rhystan gefallen – und er trug plötzlich die Verantwortung für die restliche Familie: eine Mutter, die ihm grollte, eine fast erwachsene Schwester, die er kaum kannte, eine Schwägerin und zwei Nichten, die er nur kurz bei der Beerdigung gesehen hatte. Und so war er zu seiner neuen Position und Aufgabe gekommen.
Damit gingen Druck und Verantwortung einher – Dinge, vor denen er immer davongelaufen war.
Du hättest da sein sollen, stichelte eine Stimme in seinem Kopf.
Rhystan rieb sich die Schläfen, und es stiegen überraschend starke Schuldgefühle und Bitterkeit in ihm auf. Seit Jahren hatten ihn nicht mehr so viele Gedanken gequält. Erst seine erbärmliche erste Liebe und dann der Tod seines Vaters und seiner Brüder. Der Titel war verflucht. Er war verflucht. Verflucht in der Liebe, verflucht im Leben. Nur beim Anhäufen eines Vermögens lastete kein Fluch auf ihm.
Er begab sich zur Kombüse, schlang seine Essensration herunter und begab sich dann mit einer Flasche Whisky in der Hand auf den Weg in sein Bett. Traumloser Schlaf, dachte er. Das brauchte er jetzt. Nicht schwere Gedanken über seine Freiheit, die ihm entglitt, oder heiße, duftende Nächte voller Lachen und jugendlicher Schwüre.
Sarani.
Die schöne, eigenwillige Tochter des Maharadschas von Joor. Seine erste Liebe. Seine einzige Liebe. Er hatte schnell aus dieser katastrophalen Verquickung der Umstände gelernt.
Seit Jahren hatte er nicht mehr an sie gedacht. Eigentlich hatte Rhystan angenommen, dass der Schmerz im Laufe der Zeit weniger werden würde. Aber er hatte sich geirrt. Seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Sie war sechzehn gewesen und absolut atemberaubend. Er hatte sich Hals über Kopf in sie verliebt und gedacht, dass sie das Gleiche empfinden würde, bis er erkannt hatte, dass dies nicht der Fall war.
Rhystan blieb abrupt vor der Tür zu seiner Kabine stehen, als ihm der Duft von Jasmin in die Nase stieg. Bestimmt war er völlig übermüdet. Der Duft von Jasmin hatte auf so einem Schiff nichts zu suchen. Das war ihr Duft gewesen, den die weiche Haut an ihrem Hals und ihre zarten Handgelenke verströmt hatten. Er hatte sie an diesen Stellen häufig genug geküsst, um es zu wissen. Er hatte sein Gesicht in ihrem schimmernden Haar vergraben, das ihr bis zur Taille reichte. Immer wieder hatte er ihr Küsse gestohlen. Er war wie berauscht gewesen. Und zwar so sehr, dass ihn der Duft von Jasmin bis zum heutigen Tag verfolgte.
Er warf die Tür hinter sich zu, legte die Flasche mit dem bitteren Whisky an die Lippen und trank gierig. Er würde den Gedanken an sie aus seinem Kopf verbannen, und wenn er die ganze Flasche dafür leeren müsste.
Sarani erwachte mit einem Ruck und umklammerte ihre Pistole mit zitternder Hand. Das Geräusch hatte sich allzu sehr wie ein Schuss angehört. Hatte der Mörder sie gefunden? War sie verfolgt worden? Hatte man sie entdeckt?
Nein, nein.
Sie befand sich auf einem Schiff … sicher untergebracht in einer winzigen Kabine, deren Tür zugesperrt war. Sie schüttelte den Rest von Schlaf ab und zwang sich, den krampfhaften Griff um die Pistole zu lockern. Sie waren vorsichtig gewesen. Sie waren in Sicherheit. Und angesichts des sanften Schaukelns ging sie davon aus, dass sie sich bereits auf dem offenen Meer befanden. Dem Himmel sei Dank. Ihr Blick ging kurz zu Ashas regungsloser Gestalt. Der laute Knall, den Sarani gehört hatte, war von ihrer Dienerin gar nicht wahrgenommen worden.
Ihre volle Blase meldete sich, als sie sich bewegte. Sie schaute sich auf der Suche nach einem Nachttopf im Raum um, fand aber nichts, was auch nur entfernt an einen Behälter für die Notdurft erinnerte. Es gab noch nicht einmal einen Eimer. Offensichtlich war die Kabine nicht auf Gäste eingestellt, aber darüber durfte sie sich nicht beklagen. Tej hatte das bereits angekündigt.
Der Druck wurde noch stärker, als sie aufstand, und Sarani fand sich damit ab, einen Eimer auftreiben zu müssen. Oder sie suchte das Achterkastell auf, wie es die Matrosen in den Büchern nannten, die sie gelesen hatte. Sich vor versammelter Mannschaft zu erleichtern, war wohl etwas abenteuerlich, aber für Frauen aufgrund des anatomischen Unterschieds auch deutlich schwieriger. Sarani gelangte zu der Überzeugung, dass sich wohl der Teufel die voluminösen Unterröcke hatte einfallen lassen, die Frauen trugen.
Ach, wäre ich doch nur als Junge geboren worden …
Dieser Wunsch hatte sie ständig während ihrer Kindheit verfolgt, und obwohl sie vieles genauso gut gekonnt hatte wie Jungs – auf Bäume klettern, schießen, fechten mit Degen und Schwert –, war sie immer noch eine Frau in einer Welt, die von Männern beherrscht wurde. Auf dem Schiff eines Mannes. Ohne Nachttopf.
Sarani öffnete die Tür einen Spalt und blickte in den dunklen Gang. Niemand war zu sehen. Leise trat sie aus der Kabine und schlich den Gang entlang. Sie erstarrte, als sie plötzlich leise Stimmen hörte, aber nach einer Minute war wieder alles still. Ihr war bewusst, dass man sie jeden Moment entdecken könnte, dennoch setzte sie ihre Suche fort. Als sie einen Eimer mit einem Wischlappen erspähte, hätte sie vor Erleichterung beinahe angefangen zu weinen. Nachdem sie sich den Eimer gegriffen hatte, kehrte sie um und stellte bestürzt fest, dass alle vor ihr liegenden Türen völlig gleich aussahen.
Ihre Kabine lag auf der rechten Seite, aber sie konnte sich nicht mehr erinnern, welche es war. Auf Zehenspitzen trat sie an die erste heran, drückte das Ohr ans Holz und hörte ein lautes Schnarchen. Das war sie also nicht, es sei denn, ihre Dienerin hätte sich plötzlich in eine Dampflokomotive verwandelt. Bei der zweiten Tür hörte sie nichts, ebenso wenig bei der dritten. Ihr blieb also nichts anderes übrig, als beide zu öffnen.
Vorsichtig öffnete Sarani die zweite Tür, als sie plötzlich wieder Stimmen hörte. Sie wurden lauter und kamen in ihre Richtung! Sie stellte den schwer erkämpften Eimer ab, öffnete die Tür und schloss sie im rechten Moment, als drei Männer um die Ecke kamen.
Gütiger Himmel! Das war knapp gewesen. Doch ihre Erleichterung währte nur kurz, als sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnten und sie erkannte, dass es sich bei der großen Kabine eindeutig nicht um ihre handelte. Diese war mit Samtvorhängen ausgestattet, dazu mit einem großen Schreibtisch, der mit Seekarten bedeckt war, einem vollgepackten Bücherregal und einem Bett, dass mindestens doppelt so breit war wie ihres … und von einem Mann eingenommen wurde, der bäuchlings auf der Matratze lag.
Groß, schlank und wohlgeformt.
Und schockierenderweise nahezu nackt.
Sarani schlug das Herz bis zum Hals. Einen atemlosen Moment lang war sie sprachlos vor Bewunderung angesichts der gebräunten, breiten Schultern und des muskulösen Rückens, der in schmale Hüften überging, die von engen Hosen umschlossen wurden. Sie überließen nur wenig der Fantasie. Ohne sich von ihrer nachlassenden Moral beirren zu lassen, glitt ihr neugieriger Blick über den straffen Hintern und die sehnigen, gespreizten Schenkel, die in schwarzen Stoff gehüllt waren. Sie bekam einen trockenen Mund, während andere Stellen ihres Körpers beschämend feucht wurden.
Allmächtiger! So instinktiv hingezogen zu einem Vertreter des anderen Geschlechts gefühlt hatte sie sich noch nie. Nun ja, nicht mehr seit …
Nein. Sie würde nicht an ihn denken.
Ein Junge aus ihrer Jugend konnte da natürlich nicht mithalten. Das hier war ein Mann. Ein sehr großer, sehr muskulöser und eindeutig sehr kräftiger Mann. Sein Gesicht konnte sie nicht sehen, aber das zu lange Haar war hellbraun mit von der Sonne ausgebleichten Strähnen. Sarani kam kurz der müßige Gedanke, wie er wohl aussah und ob er von vorn ebenso ansprechend wirkte wie von hinten. Vielleicht war er ja alt und sein Gesicht verwittert. Der gebräunte Rücken ließ keine Rückschlüsse auf sein Alter zu, aber am Gesicht würde man es erkennen.
Plötzlich war sie von dem unbeschreiblichen Verlangen erfüllt, es zu sehen.
Als das Schiff sich zu Seite neigte, kam eine Flasche unter dem Bett herausgerollt. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit schwappte ihm Innern. Der auf dem Bett liegende Mann stöhnte und streckte einen Arm über den Kopf aus. Sarani wagte nicht einmal mehr zu atmen, als ihr in ihrem benebelten Zustand die Situation plötzlich klar wurde. Sie hätte versuchen müssen, sich zu verstecken, statt wegen eines halbnackten – selbst einen Adonis in den Schatten stellenden halbnackten – Seemanns alle Vernunft zu verlieren.
»Captain, sind Sie wach?«, fragte eine Stimme, nachdem jemand direkt vor der Tür stehen geblieben war. Sarani sackte das Herz bis in die Kniekehlen, als sie dem Schlafenden einen schnellen Blick zuwarf. Sie unterdrückte ein Stöhnen. Natürlich war das der Kapitän … der Herzog, ausgerechnet. Es war wahrscheinlich zu viel verlangt, es stattdessen nur mit dem Koch, dem Schiffsarzt oder jemandem zu tun zu haben, der nicht die Macht besaß, sie über Bord zu werfen.
»Sollen wir ihn wecken?«, fragte die gleiche Stimme.
Nein, nein, um Himmels willen, weckt ihn nicht. Er schläft tief und fest, und ich möchte, dass das so bleibt.
»Wir müssen es tun, weil Crawley einen blinden Passagier entdeckt hat«, sagte eine leise Stimme.
Einen blinden Passagier? Erschreckt legte Sarani eine Hand über ihren Mund. Hatte man Tej gefunden? Das war wohl nur eine Frage der Zeit gewesen, und angesichts ihres Auftretens war anzunehmen, dass man sie als Nächstes entdecken würde … im Quartier des Captains. Als die Stimmen lauter wurden, und die Männer anfingen zu streiten, was getan werden sollte, sah sie sich nach einem Versteck um.
Aber so groß die Kabine auch sein mochte, gab es auf den ersten Blick keine Möglichkeit, sich der Entdeckung zu entziehen. Unter dem Schreibtisch war kein Platz, aber auf der anderen Seite vom Bett stand ein Kleiderschrank, und daneben war eine Tür, die wohl zu einem Abort führte. Wahrscheinlich konnte sie sich darin verstecken.
Das einzige Problem war, dass sie über den schlafenden Mann steigen müsste, um da hinzugelangen. Es war zwar nicht unmöglich, aber auch nicht einfach. Er war so groß, dass die Füße aus der Koje herausragten und auf ein paar Kisten lagen, die den Weg versperrten und zu hoch gestapelt waren, als dass sie hätte darüberklettern können. Ihr blieb keine Wahl. Sie würde über ihn hinwegsteigen müssen und hoffen, dass er betrunken genug war, um einfach weiterzuschlafen.
»Verdammter Mist, ich tu’s«, sagte einer der Männer und kratzte an der Tür. »Captain?«
Sarani schlug das Herz bis zum Hals, als sie sich zum Bett stürzte, die Röcke raffte und auf die hölzerne Bettkante hüpfte. Ein Knarren ertönte. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, als der Captain schnarchte, sich aber nicht bewegte. Er war riesig, wie er da so auf dem Bett lag. Vorsichtig bewegte sie sich auf die Bettkante am Fußende zu und hob ein Bein, um über ihn hinwegzusteigen. Dabei stieß sie fast einen ganzen Stapel Bücher um. Doch glücklicherweise fiel nur das oberste herunter. Es landete mit einem dumpfen Knall auf dem Boden – aber der Captain regte sich nicht.
Ein Stapel, der nach Übersetzungen der Royal Asiatic Society aussah, zog ihren Blick auf sich. Sie hatte den Eindruck, dass es sich um Poesie handelte. Andere Bände in dem Stapel fielen ihr ins Auge; darunter Jahrmarkt der Eitelkeiten von Thackeray. Das Buch hatte einmal viele leidenschaftliche Diskussionen mit besagtem Jungen aus ihrer Vergangenheit entfacht.
»Die Sedleys sind selbstsüchtige Frömmler«, erinnerte sie sich, zu ihm gesagt zu haben. »Es ist ihnen egal, ob ihr Sohn glücklich ist; er soll nur jemanden mit dem richtigen Stammbaum heiraten.«
Er hatte genickt. »So ist das in Adelskreisen.«
»Das mag sein, aber meine Eltern haben aus Liebe geheiratet. Und was ist mit der armen Miss Swartz? So viel Heuchelei ist empörend. Ihr Geld sind sie bereit anzunehmen, aber sie nicht, und zwar nur wegen ihrer jamaikanischen Herkunft. Das ist doch nicht fair!«
»Ist es nicht. Und deine Eltern bilden da eine seltene Ausnahme von der Regel.«
»Ich will, dass es diese Regel nicht mehr gibt!«, hatte sie geknurrt.
Er hatte sie mit einem Ausdruck ehrfürchtiger Bewunderung angesehen. »Wenn jemand das schafft, dann du.«
Sarani tauchte aus der Erinnerung auf. Wie groß war die Chance?
Und warum dachte sie jetzt ausgerechnet an ihn?
Beweg dich, Sarani. Jetzt ist ja wohl kaum der Moment, in Erinnerungen zu schwelgen.
Frustriert schüttelte sie den Kopf, und gerade, als sie auf der anderen Seite vom Bett gelandet war, hörte das Klopfen auf, und der Türknauf wurde gedreht. Mit laut schlagendem Herzen huschte Sarani hinter die Tür des Aborts, ehe ein Rotschopf den Kopf zur Tür hereinsteckte.
»Captain?«, flüsterte der Rotschopf und schlich auf Zehenspitzen zum Bett. »Er schläft tief und fest, Leute«, sagte er und ging leise zu den beiden anderen zurück, die im Gang standen.
Nachdem sich die drei noch einmal kurz beraten hatten, schlossen sie die Tür wieder.
Sarani blieb, wo sie war, und beäugte das kleine Klosett und den leeren Nachttopf. Sie war kurz davor zu platzen. Es würde doch nichts schaden, wenn sie sich jetzt erleichterte, oder? Der Captain würde es gar nicht mitbekommen, und sie würde sich nicht schmutzig machen. Kurz entschlossen raffte sie ihre Röcke und erledigte ihr Geschäft mit nicht geringer Erleichterung, ehe sie die Tür einen Spalt öffnete und nach draußen schaute.
Ihr stockte der Atem. Der Herzog schlief immer noch wie ein Toter, aber er hatte sich umgedreht und lag jetzt auf dem Rücken. Der Arm, den er nach oben ausgestreckt hatte, lag über seinem Gesicht. Die breite, wie gemeißelt wirkende Brust, die mit Haar bedeckt war, hob und senkte sich während der regelmäßigen Atemzüge. Ihre Furcht ließ es nicht zu, seine Vorderansicht zu bewundern – ihr einziger Gedanke galt der Flucht. Sarani stieß einen unterdrückten Fluch aus und holte tief Luft.
Ganz vorsichtig, sagte sie sich.
Mit gerafften Röcken setzte sie zum Rückweg an, kletterte auf die Bettkante am Fußende und streckte das linke Bein nach der anderen Kante aus. Doch dann machte sie den Fehler, in ihrer heiklen und zugebenermaßen unzüchtigen Position nach unten zu schauen – um Himmels willen! Sie stand rittlings über dem Mann – und wäre beinahe gestürzt. Wohin ihr Blick auch fiel, sah sie weit und breit nur männliche Vollkommenheit. Wenn schon sein Rücken köstlich ausgesehen hatte, dann war seine Brust das reine Festmahl. Ein süßer Schmerz erfasste ihren Schoß und breitete sich wie heißes Öl in ihren Gliedern aus.
Sie mochte es eilig haben, aber sie war nicht tot!
Dieser Mann sah nicht so aus, als hätte er ein Gramm Fett zu viel am Leib – im Gegensatz zu den meist trägen Aristokraten, die sie in Indien kennengelernt hatte. Die ausgebleichten Härchen auf seiner breiten Brust verjüngten sich über den ausgeprägten Muskeln auf seinem Bauch zu den schmalen Hüften hin. Nein, dieser Mann frönte nicht der Völlerei. Sarani schluckte und unterdrückte ein Zittern, das der unter ihr schlafende Jäger in ihr auslöste. Wenn er erwachte, wäre sie erledigt.
Dann hör um Himmels willen auf, so zu glotzen, du Spatzenhirn.
Sarani hatte gerade ihr Gewicht verlagert, um auf der anderen Seite vom Bett zu klettern, als sie merkte, dass keine leisen Atemzüge mehr zu hören waren. In der Kabine war überhaupt nichts mehr zu hören. Sie bekam eine Gänsehaut, und das Gefühl, in Gefahr zu sein, überwältigte sie beinahe. Sie warf einen Blick nach unten und hätte beinahe aufgeschrien, als der Mann den Arm von seinem Gesicht nahm und nach ihrem Knöchel griff, sodass sie nicht mehr weiter konnte.
Saranis Blick glitt wieder nach oben, und plötzlich konnte sie sich nicht mehr bewegen. Das lag jedoch nicht an seinem lockeren Griff um ihren Knöchel, sondern daran, dass ihr ganzer Körper vor Entsetzen erstarrt war. Ihr Blick klebte an seinem Gesicht – der stolzen Stirn, der edlen Nase und dem kantigen Kiefer, dessen Bart sinnliche Lippen umrahmte. Lippen, die sich in ihre Erinnerung eingebrannt hatten.
Das sollte der Herzog sein?
Nein, das war unmöglich. Das konnte nicht sein. Nicht er.
Sie hatte bestimmt Halluzinationen.
Doch die geschwungenen Augenbrauen und die kühnen Wangenknochen waren unverkennbar. Das alles zusammen ließ ihr Herz einen Satz machen und gleichzeitig vor Angst zittern. Es schlug so fest gegen die Rippen, dass sie davon bestimmt innerlich blaue Flecken davontrüge. Ihre Lunge zog sich schmerzhaft zusammen, aber sie bekam trotzdem keine Luft.
»Welch ein Traum …«, murmelte er und atmete tief ein. »Himmel … Jasmin.«
Seine raue Stimme riss sie aus ihrer Erstarrung. Sie keuchte und schaffte es beinahe, ihren Fuß seinem lockeren Griff zu entziehen, als sich seine Finger fester um ihren Knöchel schlossen. Sarani blieb die Luft weg, und ihr Überlebensinstinkt erwachte. Flieh. Flieh. Flieh. Sie musste hier raus, ehe er erwachte.
Zu spät! Ein Paar verheerend vertrauter graublauer Augen öffnete sich und richtete sich auf sie. Sie sahen sie sehr wach und mit sehr klarem Blick an.
Seine Finger klammerten sich plötzlich um ihren Knöchel. »Sarani?«
Der raue Klang seiner Stimme, als er ihren Namen aussprach, war kaum zu ertragen. Erschüttert und voller Verblüffung erkannte er, wer über ihm stand, ehe sich sein Gesicht vor Hass verzerrte und sie unter der Wucht dieses Gefühls förmlich zurückwich. Schließlich hatte er jedes Recht, sie zu verabscheuen.
Doch dann löste sich ihre entsetzte Erstarrung, Sarani entwand ihm ihren Knöchel und machte einen Satz über ihn hinweg. Sie stürzte zur Tür und riss sie auf. Doch er war schneller und bewegte sich für einen Mann seiner Größe wie ein Blitz. Die Tür knallte zu, und sie war zwischen seinen Armen gefangen. Er sprühte Gift und Galle.
Zitternd drehte Sarani sich zu ihm um und schluckte. »Hallo Rhystan.«
Als er sie zum ersten Mal sah, bekam Rhystan keine Luft mehr.
Wie eine Nixe tauchte sie an der Biegung des Flusses aus den Fluten auf. Sie war das schönste Mädchen, das er je in seinem Leben erblickt hatte. Und er hatte schon einige gesehen. Aufgrund seiner Herkunft und seines Aussehens hatte es ihm nie an weiblicher Gesellschaft gemangelt – weder in Eton noch in Cambridge oder als Marineoffizier. Aber kein Mädchen hatte je das Gefühl in ihm ausgelöst, mit voller Wucht gegen eine Mauer geprallt zu sein.
»Wer ist das?«, fragte er und fiel fast vom Pferd, als er versuchte, sie nicht aus den Augen zu verlieren.
Der frühere Flottillenadmiral seines Schiffes, Sir Edward Blankley, warf ihm einen scharfen Blick zu. »Die ist nicht für Ihresgleichen, Huntley«, sagte Edward. »Der Vater des Mädchens ist, wenn ich mich recht entsinne, der Maharadscha von Joor.«
Rhystan blinzelte, aber das Wissen, dass sie von königlichem Blut war und er noch nicht einmal davon träumen durfte, sie für sich zu gewinnen, konnte sein Interesse kaum mindern oder die Hitze vertreiben, die plötzlich in ihm aufstieg. Das lag aber unter Umständen auch daran, weil er seit Monaten mit keiner Frau mehr zusammen gewesen war. Er und Edward waren von der Königlichen Marine beurlaubt worden, nachdem sie die letzten elf Monate damit verbracht hatten, in der Ostsee und im Schwarzen Meer Schmuggler aufzuspüren, um sie dann nach St. Helena zu überführen, wo ihnen der Prozess gemacht wurde. Eigentlich hätte er nach England zurückkehren sollen, aber er wollte noch mehr von der Welt sehen.
Oder eher seinem tyrannischen Vater aus dem Weg gehen.
Kurz bekam er Gewissensbisse, als er an das Päckchen Briefe in seiner Satteltasche dachte. Sein ältester Bruder und Erbe des Herzogs, Roland, hatte ihm in seinem letzten Brief von der Geburt seiner Tochter geschrieben. Trotzdem hatte Rhystan nicht die Absicht, nach England zurückzukehren. Es hatte zwei Jahre gedauert, bis er sich seinen Rang als Offizier erarbeitet hatte und nun seinen eigenen Weg ging, ohne dass der Name Huntley über seinem Kopf schwebte. Zurückzukehren käme dem Geständnis gleich, dass sein Vater gewonnen hätte. Und Rhystan wollte lieber bis in alle Zeiten verdammt sein, als dem Herzog diese Genugtuung zu bereiten.
Perlendes Gelächter drang an sein Ohr, als die jetzt tief verschleierte junge Frau umgeben von einer Schar Dienerinnen und Wächtern den Hügel hochkam. Vorhin hatte er gesehen, dass das Mädchen tiefschwarzes Haar hatte, das ihr in einem dicken, geflochtenen Zopf bis zur Taille reichte. Ihre Haut, die jetzt bedeckt war, hatte rosig goldfarben vom Schwimmen geschimmert. Aus der Ferne konnte er die Farbe ihrer Augen nicht erkennen, doch er nahm an, dass sie so dunkel waren wie der Zopf, bei dem es ihm in den Fingern juckte, ihn zu lösen. Er fragte sich, wie sie wohl mit offenem Haar aussehen würde.
»Sie ist wunderschön«, sagte er leise.
»Wie ich schon sagte – sie ist nichts für Ihresgleichen.«
Der Ton ließ Rhystan das Gesicht verziehen, aber er war viel zu gebannt, um sich darum zu scheren. »Warum nicht? Ist sie zu gut für mich?«
»Im Gegenteil. Sie sind der Sohn eines Herzogs«, erwiderte Edward. »Man erwartet von Ihnen, dass Sie eine standesgemäße Heirat eingehen. Das bedeutet: eine Engländerin mit einem englischen Stammbaum. Ihr feinen Leute müsst die nächste Generation von Blaublütern in die Welt setzen.«
»Glauben Sie mir – der Herzog von Embry hat noch zwei weitere Söhne, die ihn mit den blaublütigsten kleinen Nachfolgern versorgen werden. Roland ist schon dabei.«
Edward sah ihn mit einem schiefen Blick an. »Ich bin mir sicher, dass es den Herzog gewaltig stören würde, wenn sich einer von Embrys Söhnen mit so einem jungen Ding einlassen und in den Schoß der Familie bringen würde.«
»Mit so einem Ding? Was genau meinen Sie damit? Reden Sie über alle Frauen so?«
»Ich bin nur ehrlich.«
»Nein, Sie sind einfach nur ein Mistkerl.«
»Hören Sie auf mich, und wenden Sie Ihren Blick in eine andere Richtung, Junge«, sagte Edward, der sein Pferd auf der Hinterhand kehrtmachen ließ und es Richtung Dorf lenkte. »Nach allem, was man so hört, ist Prinzessin Sarani sehr schwierig, und ihr Vater steckt gerade tief in Verhandlungen mit der Britischen Ostindien-Kompanie. Suchen Sie sich einen anderen Zeitvertreib.«
Rhystan holte tief Luft. Sarani. Selbst der melodische Klang ihres Namens löste Empfindungen in ihm aus. Er würde sie kennenlernen, schwor er sich, egal, was er dafür tun musste.
Zufälligerweise sah Rhystan nur ein paar Wochen später die Gelegenheit dazu, als Edward die laufenden Vertragsverhandlungen mit dem hiesigen Maharadscha erwähnte. Er würde anbieten, den Transport unter Vize-Admiral Markham zu übernehmen, der der Vertreter der Krone war und die Verhandlungen leitete.
»Benutzen Sie doch Ihren Kopf, Huntley«, hatte Edward ihn gewarnt. »Und davon abgesehen hat die Ostindien-Kompanie keinen guten Ruf. Sie ist durch und durch korrupt.«
Rhystan hatte nur mit den Achseln gezuckt. »Mit der Kompanie komme ich schon klar.«
»Tun Sie das nicht. Sie vergessen, wer Ihr Vater ist.«
»Ich vergesse nie, wer er ist.«
Voller Missbilligung hatte Edward, der das Land wieder verließ, hinnehmen müssen, dass Rhystan blieb. Im Rahmen des nächsten Staatsdinners und des Balls, mit dem das Ende der Verhandlungen gefeiert wurde, hatte er ihr dann endlich von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden.
Einer Göttin in schimmernder Seide.
Nicht einmal seine wildesten Fantasien hätten ihn auf die reale Frau vorbereiten können.
Wie die meisten anwesenden Adligen trug auch die Prinzessin europäische Kleidung – in ihrem Fall ein vorteilhaft geschnittenes Kleid, das ihre leicht gebräunte Haut von innen heraus leuchten ließ. Sie strahlte förmlich. Rhystan hielt den Atem an, als er ihr vorgestellt wurde. Durch ihre Nähe hatte er das Gefühl, dass der Boden unter seinen Füßen schwankte.
»Commander Rhystan Huntley«, verkündete sein Vorgesetzter, der Vize-Admiral Markham. »Der Maharadscha Devindar Rao und seine Tochter Prinzessin Sarani.«
Aus der Ferne war sie schön gewesen, doch aus der Nähe betrachtet raubte sie Rhystan die Stimme. Gewiss wurden noch weitere Namen genannt, aber er hörte nichts. Irgendwie gelang es ihm, sich zu verbeugen und eine leise Begrüßung hervorzustoßen. Trotzdem spürte er, wie sein Hals vor Verlegenheit heiß wurde.
Ein schalkhafter Zug spielte kurz um die Lippen der Prinzessin, doch er war verschwunden, ehe er sich dessen sicher sein konnte. Sie nickte hoheitsvoll, und dann war der Moment glücklicherweise vorbei.
Empört von sich selbst stand Rhystan nach dem Dinner, als der Ball begann, neben einer Säule. Die Prinzessin wirbelte mit sich bauschenden Röcken an ihm vorbei, und ihr Blick, der sich fast wie eine Liebkosung anfühlte, ruhte kurz auf ihm.
Himmel! Diese Augen!
Er konnte von Glück sagen, dass er sie nicht schon vorher gesehen hatte. Rein äußerlich mochte sie das Abbild einer vollkommenen Prinzessin sein – edle Umgangsformen, elegante Züge, anmutige Bewegungen. Aber ihre ausdrucksvollen Augen erzählten etwas ganz anderes. Etwas Wildes, Ungezügeltes meinte er in den Tiefen ihrer braunen, grün gesprenkelten Augen zu sehen, was an einen freien, ungestümen Geist erinnerte, der sich nicht um das prunkvolle Gehabe des Adels scherte. Das sprach eine Seite in ihm an, die genauso ungezähmt war.
»Warum haben Sie mich nicht zum Tanzen aufgefordert?«, fragte eine Stimme, die wie kühler Samt auf heißer Haut klang.
Rhystan wirbelte herum, als der Duft von Jasmin seine bereits überhitzten Sinne umhüllte und die Prinzessin zu ihm trat. Mehrere Wächter waren um sie herum. Er sah sie mit offenem Mund an, als sie sich leise lachend über seinen Gesichtsausdruck amüsierte. Der honigsüße Klang ihrer Stimme nahm ihn völlig gefangen, und ihr melodiöses Lachen raubte ihm den Atem. »Verzeihung, ich nahm an, Ihre Tanzkarte würde voll sein.«
»Das ist sie«, erwiderte sie. »Aber ich tanze, mit wem ich will.«
Wieder lachte sie auf, sodass sich sein Blick auf ihre Lippen heftete. Sie waren vollkommen. Rosig und voll verzogen sie sich gerade vor Erheiterung. Er musste schlucken und betrachtete dann auch ihr restliches Gesicht: die hinreißenden Augen und die schmale Nase bis hin zu den goldenen Sommersprossen, die auf den hohen Wangenknochen tanzten. Himmel, sie war wohl eine der atemberaubendsten Frauen, die er je gesehen hatte. Er konnte seine Zunge kaum bewegen, und sein Herz raste.
»Sind Sie immer so still?«, fragte sie, nachdem er sie zur Tanzfläche geführt und sie die erste Figur getanzt hatten. »Oder einfach nur schüchtern?«
»Ich bin ob Ihrer Schönheit voll Ehrfurcht verstummt.«
Sie rümpfte die Nase und warf den Kopf in den Nacken. »Der Wert einer Frau besteht nicht nur in ihrem Aussehen, Sir.«
Rhystan vergaß alles um sich herum und wollte plötzlich diesen frechen Mund küssen, um festzustellen, ob er so herb schmeckte, wie er klang. »Nach welchen Eigenschaften sollte ich denn Ausschau halten?«
»Nach Intelligenz, Mitgefühl, Wissen, Esprit, Kraft.«
»Ich kann auch in der Hinsicht keinen Mangel feststellen. Andererseits haben wir uns gerade erst kennengelernt. Sie könnten auch eine kaltherzige, Bücher verabscheuende, humorlose Schreckschraube sein«, neckte er sie, und sein Herz machte einen Satz, als sich ihre Lippen vor Erheiterung verzogen.
Theatralisch legte sie eine Hand auf ihr Herz und seufzte laut. »Nehmen Sie das zurück, Sie Lump! Ich liebe Bücher – sogar mehr als Menschen.«
Rhystan grinste, und nachdem er kurz zwei schelmische Grübchen auf ihren Wangen gesehen hatte, wollte er die wieder hervorlocken. Mit wirbelnden Röcken wurden sie durch die nächste Tanzfigur getrennt und wieder zusammengeführt. »Was gefällt Ihnen noch außer Lesen, Prinzessin?«
»Mir gefallen schlichte Freuden, Commander Huntley.«
»Rhystan.« Es war das Einzige, was er über die Lippen bringen konnte, nachdem sie das Wort Freuden ausgesprochen hatte. Sofort war sein Kopf mit verruchten Dingen gefüllt – wie zum Beispiel küssen. Er wollte sie am liebsten bis zur Besinnungslosigkeit küssen. Unter dem Kragen seiner Uniform brach er in Schweiß aus. Das Mädchen konnte sein Ende bedeuten. »Ich wollte sagen, dass ich Rhystan heiße.«
»Sie in der Öffentlichkeit mit Ihrem Vornamen anzusprechen, ziemt sich nicht, Commander.«
Er senkte die Stimme. »Dann, wenn wir unter uns sind.«
Er rechnete damit, dass sie ihn ohrfeigte … ihre ausladenden Seidenröcke raffte und empört davonstolzierte. Doch dann hoben sich ihre dichten, schwarzen Wimpern, und ein schelmischer Blick traf ihn, während sie genauso leise sagte: »In dem Fall dürfen Sie mich Sarani nennen … wenn wir unter uns sind.«
In dem Augenblick war es um Rhystan geschehen.
Vom nächsten Tag an verbrachte er möglichst jeden Moment in ihrer Gegenwart. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, die Prinzessin zu begleiten, stellte er sich freiwillig dafür zur Verfügung. Rhystan war es egal, ob sein Vorgesetzter merkte, wie besessen er von ihr war, oder ob er es missbilligte. Ihre Intelligenz war genauso berauschend wie ihre Schönheit. Er war ihr vollständig verfallen.
Trotzdem hätte er wissen müssen, dass es nicht ewig so weitergehen konnte. Und nach ein paar Monaten war es dann so weit … Vize-Admiral Markham beorderte ihn zu sich.
»Beenden Sie es«, erklärte er ohne lange Vorrede.
»Was soll ich beenden, Sir?«, fragte Rhystan.
Markham schaute noch nicht einmal von den Papieren auf, die auf seinem Schreibtisch lagen. »Diese widerwärtige Liaison zwischen Ihnen und Raos Tochter.«
Rhystan erstarrte. »Widerwärtig?«
»Wir müssen die Spannungen mit den Einheimischen reduzieren, und sie ist eine von ihnen.«
Rhystan unterdrückte ein wütendes Knurren, denn er wusste, dass es ein klares Fehlverhalten wäre, würde er sich mit dem Mann auf eine Diskussion einlassen. Er hatte etwas Derartiges von Markham schon erwartet, denn dessen Vorurteile gegenüber den Einheimischen waren offensichtlich. Doch in den letzten Wochen war Rhystan die Scheinheiligkeit der anderen Offiziere der britischen Armee und insbesondere der Ostindischen Kompanie immer deutlicher aufgefallen – man nahm sich einfach das, was man wollte, ohne dass es Folgen hatte, und trampelte ungestraft auf den Rechten der Einheimischen herum. Man wollte das Land und seine Reichtümer, verachtete aber die Menschen, die dort lebten. Und dazu gehörten auch der Maharadscha und seine Tochter.
Nachdem er so viel Zeit mit Sarani verbracht und Dinge mit ihren Augen gesehen hatte, versetzte ihm die Falschheit der Briten einen Stich. Er erkannte, was es mit den hinterhältigen Abkommen auf sich hatte – man entmachtete die vormaligen Herrscher, brachte sie um ihre Autonomie und plünderte das Land aus. Rhystan hatte sogar seinen Stolz beiseitegeschoben und seinem Vater in der Hoffnung geschrieben, dass seine und Saranis Sorgen zu Gehör gebracht wurden, aber er hätte mehr sagen sollen … mehr tun sollen. Er sah den Vize-Admiral durchdringend an und runzelte die Stirn. Waren seine Briefe überhaupt verschickt worden?
»Darf ich fragen, auf wessen Geheiß hin Sie mir das sagen, Vize-Admiral?«
Ein kalter Blick traf ihn. »Auf Geheiß des Grafen von Embry.«
Den Namen seines Vaters zu hören, war wie ein Schlag. Rhystans Gedanken begannen zu rasen. Wie hatte der Herzog von seiner Beziehung zur Prinzessin erfahren? Edward war der Einzige, der von seinem Interesse an dem Mädchen wusste, aber der Herzog hatte viele Verbindungen nach Indien, und der Vize-Admiral gehörte dazu.
»So einfach ist das Ganze nicht«, gestand er. »Sie liegt mir am Herzen.«
So etwas wie ein Ausdruck des Ekels huschte über das Gesicht des Offiziers, als der den Mund höhnisch verzog. »Sie ist ein Mischling.«
Die beabsichtigte Verunglimpfung ließ Rhystan rot sehen, aber ehe er sich über den Tisch werfen und den Kerl an der Gurgel packen konnte, traten zwei Soldaten vor und hielten ihn zurück.
»Sie ist von königlichem Geblüt«, knurrte Rhystan und machte seiner Gereiztheit Luft.
»Sie vergessen Ihre Stellung, Junge.« Der Vize-Admiral erhob sich, und sein Abscheu war jetzt deutlich zu erkennen. »Ich beobachte schon seit Monaten, wie Sie Perlen vor die Säue werfen. Sie bringen Schande über die gesamte britische Armee.« Er nickte seinen Männern zu und verzog angeekelt den Mund. »Schaffen Sie diesen Dreckskerl raus, und sorgen Sie dafür, dass er mit dem nächsten Schiffsverband nach London ausläuft. Soll sein Vater sich mit ihm befassen.«
Sarani kam aus der Badewanne hoch, und das mit Jasmin parfümierte Wasser tropfte von ihrem Körper, als ihre Dienerinnen herbeieilten und sie in warme Tücher hüllten. Ihre Gedanken drehten sich wie immer um Rhystan … den gut aussehenden jungen Commander, der ihr Herz gestohlen hatte.
Wenn sie ehrlich war, musste sie allerdings zugeben, dass sie es ihm in den letzten Wochen förmlich zugeworfen hatte. Sie wollte ihm noch mehr geben – auch ihren Körper. Die Liebe machte Menschen offensichtlich dumm.
Ist es Liebe?
Sie hatte genug altindische Mythologie verschlungen, um zu wissen, dass dieser Verdacht sehr berechtigt war. Das Mahabharata, das Ramayana. Ihr Volk liebte diese Epen, und ihre Götter und Göttinnen waren dafür bekannt, dass sie das Leben, die Hingabe und die Fruchtbarkeit feierten. Der letzte Gedanke ließ sie rot werden, und sie biss sich auf die Unterlippe. Ihre Wangen waren heiß, als die Dienerinnen ihr in ein zartes Nachtgewand halfen.
Sie wünschte sich, sie hätte jemanden, mit dem sie reden, dem sie sich anvertrauen könnte, doch ihre Mutter war vor ein paar Jahren an einer mysteriösen Magenerkrankung gestorben. Der Arzt hatte gesagt, sie wäre durch verunreinigtes Wasser ausgelöst worden, doch Sarani misstraute dieser Erklärung. Ein völlig gesunder Mensch wurde nicht innerhalb eines Tages todkrank, außer er war vergiftet worden.
Jemand hatte ihren Tod gewollt.
