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Die neue Praxis Dr. Norden - So war es nicht geplant, doch Dr. Danny Norden betrachtet es als Chance. Äußere Umstände zwingen ihn zu einem Neustart. Und diesen nimmt Danny tatkräftig in Angriff, auch, wenn er mit Abschied, Trennung, Wehmut verbunden ist. Dr. Danny Norden praktiziert jetzt in seiner neuen, modernen, bestens ausgestatteten Praxis. Mit Kompetenz, Feingefühl und Empathie geht er auf seine Patienten zu und schafft ein Klima, das die Genesung fördert: eben Dr. Danny Norden, wie er leibt und lebt, und er wird immer besser! Der Wettbewerb im Walken fand wie immer an einem Sonntag im März statt. Dieses Mal lag das Ziel in der Fußgängerzone direkt vor dem Schaufenster der Bäckerei Listner. Zahlreiche Zuschauer hatten sich an der Strecke eingefunden. Auch Daniel, Olivia und Ophelia standen nicht weit von der Ziellinie entfernt. Olivia hatte Oda auf ihren Armen und Daniel Vincent. Ihnen gegenüber auf der anderen Seite der Laufstrecke standen Lydia, Sophia, Markus und Thomas. Sie alle warteten auf Maritta Drexler, eine Patientin der Praxis Norden, die hoffte, an diesem Tag den Sieg in der Altersklasse der 70 – 80-Jährigen zu erringen. »Nur noch ein paar Schritte, Frau Drexler! Sie schaffen es!«, feuerten Lydia und Sophia Maritta begeistert an, die sich auf der Zielgerade aus dem Pulk ihrer Altersgenossinnen löste und ihnen plötzlich ein paar Schritte voraus war. »Durchhalten, Frau Drexler!«, rief Ophelia und reckte ihre Daumen in die Höhe. »Ja, durchhalten!«, riefen Vincent und Oda und winkten Frau Drexler, die davon natürlich nichts mitbekam, da ihr Blick auf das gelbe Band gerichtet war, das die Ziellinie markierte. »Das harte Training hat sich ganz offensichtlich ausgezahlt«, stellte Olivia fest, als Frau Drexler den anderen nun mindestens fünf Schritte voraus war. »Sie hatte auch eine spezielle Unterstützung«, entgegnete Daniel lächelnd und nickte dem jungen Mann in dem eleganten hellen Mantel zu, der an der Ziellinie stand. »Ja, das ist richtig, Herr Weigel hat sie in den letzten Wochen zu jedem Training begleitet«, stimmte Olivia ihm zu.
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Der Wettbewerb im Walken fand wie immer an einem Sonntag im März statt. Dieses Mal lag das Ziel in der Fußgängerzone direkt vor dem Schaufenster der Bäckerei Listner. Zahlreiche Zuschauer hatten sich an der Strecke eingefunden. Auch Daniel, Olivia und Ophelia standen nicht weit von der Ziellinie entfernt. Olivia hatte Oda auf ihren Armen und Daniel Vincent. Ihnen gegenüber auf der anderen Seite der Laufstrecke standen Lydia, Sophia, Markus und Thomas. Sie alle warteten auf Maritta Drexler, eine Patientin der Praxis Norden, die hoffte, an diesem Tag den Sieg in der Altersklasse der 70 – 80-Jährigen zu erringen.
»Nur noch ein paar Schritte, Frau Drexler! Sie schaffen es!«, feuerten Lydia und Sophia Maritta begeistert an, die sich auf der Zielgerade aus dem Pulk ihrer Altersgenossinnen löste und ihnen plötzlich ein paar Schritte voraus war.
»Durchhalten, Frau Drexler!«, rief Ophelia und reckte ihre Daumen in die Höhe.
»Ja, durchhalten!«, riefen Vincent und Oda und winkten Frau Drexler, die davon natürlich nichts mitbekam, da ihr Blick auf das gelbe Band gerichtet war, das die Ziellinie markierte.
»Das harte Training hat sich ganz offensichtlich ausgezahlt«, stellte Olivia fest, als Frau Drexler den anderen nun mindestens fünf Schritte voraus war.
»Sie hatte auch eine spezielle Unterstützung«, entgegnete Daniel lächelnd und nickte dem jungen Mann in dem eleganten hellen Mantel zu, der an der Ziellinie stand.
»Ja, das ist richtig, Herr Weigel hat sie in den letzten Wochen zu jedem Training begleitet«, stimmte Olivia ihm zu.
»Er hatte wohl das Gefühl, etwas gutmachen zu müssen.«
»Oder er ist einfach nur ein sehr lieber Nachbar.«
»Das ist er ohne Zweifel«, stimmte Daniel ihr zu. Falls Arnold Weigel glaubte, etwas gutmachen zu müssen, dann dachte er das zu Unrecht. Er war nicht verantwortlich dafür, dass Maritta vor einigen Wochen von dem Vitaminsaft getrunken hatte, den er ihr anbot. Er konnte doch nicht ahnen, dass seine damalige Freundin jeden Morgen Beruhigungstabletten in den Saft rührte, um ihn davon abzuhalten, das Haus zu verlassen. Dass sie krankhaft eifersüchtig war und nicht davor zurückschreckte, ihn mit Medikamenten ruhigzustellen, hatte er erst herausfinden müssen.
»Ja, sie hat es!«, rief Ophelia, als Maritta in diesem Moment das Zielband zerriss und unter großem Applaus der Zuschauer als erste über die Ziellinie lief.
Ihre Freundinnen Else und Zenzi folgten ihr und kamen als zweite und dritte ins Ziel. Mit einigen Metern Abstand erreichten auch die anderen Teilnehmerinnen das Ende der Laufstrecke. Der Vorsitzende des Sportvereins und die Sponsoren des Wettbewerbs gratulierten Maritta zu ihrem Sieg. Maritta war überglücklich und jubelte dem Publikum zu, indem sie ihre Laufstöcke in die Höhe hob.
Das Treppchen für die Siegerehrung stand vor dem Schaufenster der Bäckerei Listner. Als Maritta, Else und Zenzi ein paar Minuten später auf dieses Treppchen stiegen, hatte das Publikum auch einen guten Blick auf die Kuchen und Torten der Listners, die zu den Unterstützern des örtlichen Sportvereins gehörten.
Daniel und seine Familie blieben noch, bis Maritta den Pokal aus Glas in Form eines Wanderstocks entgegengenommen hatte, danach machte er sich mit Olivia und den Kindern auf den Heimweg.
Kurz darauf verließen auch Lydia, Sophia, Thomas und Markus die Fußgängerzone. Sie waren zu einem Probeessen eingeladen. Susanne und Christoph Jäger, ein junges Ehepaar, das zu ihrem Freundeskreis gehörte, hatte das Waldrestaurant am Stadtrand gekauft und es mit viel Einsatz renoviert. Die beiden wollten nun mit den Freunden einige der Gerichte ausprobieren, die sie später ihren Gästen servieren würden. Nach einem gemütlichen Spaziergang trafen die vier eine halbe Stunde später am Waldrestaurant ein.
»Es ist wirklich schön geworden«, stellte Lydia fest und schaute auf das weiß verputzte Haus mit den roten Dachziegeln und den großen Fenstern mit ihren dunkelbraunen Holzrahmen.
»Ich bin gespannt, wie der Gastraum geworden ist. Das endgültige Ergebnis haben wir ja noch nicht gesehen«, entgegnete Sophia. »An den Wänden gibt es aber sicher nichts auszusetzen.«
»Klar, weil wir vier sie gestrichen haben«, sagte Lydia lächelnd und klopfte Sophia freundschaftlich auf die Schulter. »Ich hoffe nur, dass die Leute das Restaurant schnell annehmen, damit die beiden diesen Riesenkredit bald wieder loswerden.«
»Zuerst muss sich herumsprechen, dass aus dem Restaurant mit der gutbürgerlichen Küche ein modernes Grillrestaurant geworden ist.«
»Mädels, ihr macht euch zu viele Gedanken. Susanne und Christoph sind hervorragende Köche, das wird sich schnell herumsprechen«, sagte Markus und nahm Sophia an die Hand. Christoph und Susanne hatten einige Jahre in einem angesagten Restaurant in der Münchner Innenstadt gearbeitet, danach waren sie für zwei Jahre durch die Welt gereist, um andere Küchen kennenzulernen. Sie besaßen genug Fantasie, um neue Gerichte zu kreieren.
»Der Artikel, den Karina über die beiden ambitionierten jungen Köche veröffentlicht hat, wird mit Sicherheit dazu beitragen, Gäste anzulocken«, sagte Thomas.
»Und zur Eröffnung schreibt sie sicher wieder einen Artikel. Karina ist dafür bekannt, die einheimischen Unternehmen zu unterstützen«, entgegnete Lydia und hakte sich bei ihm unter. Karina Kronau schrieb für die örtliche Tageszeitung und hatte ihnen schon häufiger einen Gefallen getan, wenn es darum ging, die Dinge in der Nachbarschaft wieder ins Lot zu bringen.
»Hallo, schön, dass ihr da seid«, wurden die vier von Susanne begrüßt, als sie gleich darauf das Restaurant betraten. Die große schlanke Frau mit dem schulterlangen dunklen Haar stand hinter der Bar, hielt eine Flasche Weißwein in der Hand und füllte zwei Weingläser. »Wie gefällt es euch?«, fragte Susanne die Freunde, die sich in dem Gastraum mit den weißen Wänden und dem hellen Dielenboden umschauten.
Die Tische aus rustikaler Eiche boten alle Platz für sechs Personen. Die Sitze und Rückenlehnen der Stühle waren gepolstert und mit gelbem gut zu reinigendem Kunstleder bezogen. Auf den Tischen standen Windlichter mit gelben Kerzen und an den Wänden hingen gerahmte Fotografien der Alpen.
Für diesen Abend mit den Freunden hatten Susanne und Christoph drei Tische zu einer langen Tafel aneinandergestellt. Isa und Jonas, ein junges Paar, das vor einiger Zeit ein Geschäft für Sportbekleidung eröffnet hatte, war bereits da und hatte an der Tafel Platz genommen. Genau wie Lydia, Sophia, Markus und Thomas trugen auch die beiden bequeme Freizeitkleidung, Jeans und Pullover.
»Was wollt ihr trinken?«, fragte Susanne.
»Habt ihr Malzbier?«, wollte Sophia wissen.
»Ja, haben wir«, sagte Susanne und sah Sophia verwundert an.
»Nein, ich bin nicht schwanger, ich mag nur gern Malzbier«, antwortete Sophia lächelnd, weil ihr sofort klar war, was Susanne gerade durch den Kopf ging.
»Ich nehme ein Glas Weizenbier«, sagte Lydia, als Susanne sie anschaute, und auch Thomas und Markus entschieden sich für ein Weizenbier.
»Ich bringe die Getränke gleich an den Tisch, setzt euch schon mal«, bat Susanne ihre Gäste.
»Kommt her zu uns«, sagte Isa und deutete auf die freien Stühle an ihrem Tisch.
»Ihr habt doch die Stirnbänder für die Walker gesponsert. Ich habe euch aber gar nicht an der offiziellen Laufstrecke gesehen«, stellte Lydia fest, als sie und die anderen sich zu Isa und Jonas an den Tisch setzten.
»Wir standen an der Startlinie an der Isar. Sie hatten dort einen Monitor platziert, über den wir den Einlauf an der Ziellinie verfolgen konnten«, sagte Isa.
»Dann habt ihr gesehen, dass Frau Drexler ihre Ansage, in diesem Jahr wieder zu gewinnen, in die Tat umgesetzt hat.«
»Ja, allerdings. Eure Patienten gehören ganz offensichtlich zu den gesündesten und fittesten der ganzen Stadt«, entgegnete Jonas lächelnd.
»Wir legen Wert darauf, unsere Patienten zu heilen, nicht mit Tabletten zu verwalten«, sagte Sophia.
»Das klingt nach einer anstrengenden Mission«, stellte Isa fest.
»Nein, gar nicht, unsere Patienten und wir geben einfach nur unser Bestes und vertrauen einander. Was erwartet uns denn heute?«, wechselte Lydia das Thema und schaute auf die handgeschriebene Speisekarte, die in der Mitte des Tisches lag.
»Gebackener Schafskäse mit Tomaten, Grillsteak mit Backkartoffeln und Salat, Johannisbeerpudding«, las Sophia, die die Karte in die Hand genommen hatte, laut vor.
»Sobald alle da sind, gehen die Steaks auf den Grill, Kartoffeln und Schafskäse in den Backofen. Für den kleinen Appetit vor dem Essen bringe ich euch gleich etwas«, sagte Susanne, als sie das Malzbier und die Weizenbiere an den Tisch brachte. »Die nächsten Gäste«, stellte sie fest, als die Tür des Restaurants aufgezogen wurde und zwei weitere junge Paare aus ihrem Freundeskreis eintrafen.
Eine halbe Stunde später waren bis auf zwei Plätze, die für Susanne und Christoph reserviert waren, alle Stühle an der großen Tafel besetzt. Da sich die Gäste gut kannten, mangelte es nicht an Gesprächsstoff und alle schienen sich ganz offensichtlich wohlzufühlen. Bevor das Essen serviert wurde, kam Christoph aus der Küche, um seine Gäste zu begrüßen.
»Es freut mich, dass ihr alle gekommen seid, es geht dann auch gleich los«, sagte der schlanke junge Mann, der eine weiße Kochjacke zu seiner Jeans trug. Eine blonde Haarsträhne lugte unter seiner Kochmütze hervor und seine hellen Augen sahen ein bisschen müde aus, was nach den wochenlangen Renovierungsarbeiten nicht wirklich überraschend war.
»Die Arbeit hat sich gelohnt, euren zukünftigen Gästen wird es hier gefallen«, sagte Markus.
»Lasst uns auf den Erfolg der beiden anstoßen«, bat Thomas die anderen und nahm sein Glas in die Hand.
»Auf euch beide«, sagte Lydia, als sie alle Thomas` Aufforderung folgten.
»Und wir danken euch. Ohne eure tatkräftige Hilfe wären wir nie so schnell fertig geworden«, entgegnete Christoph, und dann stießen sie alle miteinander an.
Ein paar Minuten später servierten Christoph und Susanne die Vorspeise, den gebackenen Schafskäse mit Tomaten. Hatte den Gästen schon die Vorspeise ausgesprochen gut geschmeckt, waren sie von der Hauptspeise, die danach gereicht wurde, erst recht begeistert. Das Steak war wundervoll zart, die Kartoffeln schmeckten würzig, der Salat duftete nach frischen Gewürzen und Thymian.
Während des Essens erzählten Susanne und Christoph von Tennessee, ihrem letzten Aufenthaltsort auf ihrer langen Reise. Den Abend vor ihrer Abreise verbrachten sie in Nashville in einem kleinen Barbecue Restaurant mit Blick auf den Cumberland River. Zum Gegrillten gab es Maisbrot, und zum Nachtisch aßen sie Bananenpudding, während eine Band Country-Music spielte und die Gäste in vergangene Zeiten versetzte. Alle schienen glücklich und zufrieden zu sein. Das war der Moment, in dem sie beschlossen, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, in dem auch ihre Gäste glückliche und zufriedene Stunden verbringen konnten. Als sie dann hörten, dass das Waldrestaurant zum Kauf stand, hatten sie nicht mehr lange überlegt.
Auch das Dessert kam an diesem Tag bei den Gästen ausgesprochen gut an, und es war genauso, wie Susanne und Christoph es sich vorgestellt hatten, ihre Gäste waren glücklich und zufrieden. Erst gegen sieben brachen die Ersten auf. Lydia, Sophia, Thomas und Markus blieben bis zuletzt und halfen den Gastgebern noch beim Aufräumen.
»Ihr seid unsere Gäste, ihr müsst nicht schon wieder mit anpacken«, sagte Susanne, als Lydia und Thomas die Gläser einsammelten und zur Theke brachten, während Sophia und Markus die Tische und Stühle wieder an ihre Plätze zurückstellten.
»Alles gut, Süße, wir helfen gern«, entgegnete Lydia und klopfte Susanne lächelnd auf die Schulter.
»Ich sehe mal nach Christoph. Er kommt ja gar nicht mehr aus der Küche heraus«, stellte Thomas fest und machte sich auf die Suche nach dem Freund.
Die große geräumige Küche mit den Edelstahlmöbeln war bereits aufgeräumt und der Geschirrspüler lief. Christoph aber war nirgendwo zu sehen. Als Thomas sah, dass die Tür der Küche, die zum Wald hinausging, einen Spalt offenstand, nahm er an, dass er nach draußen gegangen war. »Was ist los?«, fragte er erschrocken, als er Christoph zusammengekrümmt auf einem abgesägten Baumstamm, der vor dem Haus aus dem Boden herausragte, sitzen sah.
»Ich habe Kopfschmerzen, vermutlich eine Migräne. Ich brauche nur ein bisschen Ruhe. Tut mir leid, dass ich mich einfach so davongeschlichen habe«, entschuldigte sich Christoph bei Thomas.
»Du musst dich nicht entschuldigen. Ist dir auch übel?«, fragte Thomas.
»Nur ein bisschen, aber das geht gleich wieder vorbei. Ich bleibe einfach noch ein paar Minuten hier sitzen. Ich danke euch, dass ihr alle hier wart.«
»Sehr gern, mein Freund, auf bald«, verabschiedete sich Thomas von Christoph. »Du weißt, dass wir hier inzwischen einen wirklich guten Arzt haben. Falls du irgendwann mal einen ärztlichen Rat brauchst«, wandte er sich ihm noch einmal zu, als er schon in der Tür stand.
»Ich weiß«, antwortete Christoph und versuchte zu lächeln. Nicht nur Lydia und Sophia hatten ihm von ihrem Chef vorgeschwärmt. Er hatte auch schon von anderen Leuten aus seinem Umfeld gehört, dass Doktor Norden ein wirklich guter Arzt war. Im Moment brauche ich aber noch keinen Arzt, dachte er, als die Tür hinter Thomas ins Schloss fiel.
»Christoph geht es nicht gut, er brauchte wohl ein bisschen frische Luft«, ließ Thomas die anderen wissen, als er wieder in den Gastraum kam.
»Ich sehe nach ihm«, sagte Susanne.
