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Jenny Taylor träumt von einer Safari in Afrika - ein Abenteuer, das ihre Ehe mit Antony retten und neue Leidenschaft entfachen soll. Doch was als romantische Reise beginnt, entwickelt sich zu einem Albtraum voller Intrigen, Verrat und tödlicher Gefahren. Ein mysteriöser Fremder, gestohlene Diamanten und skrupellose Verbrecher ziehen das Paar in ein Netz aus Lügen und Gewalt. Als Antony entführt wird, muss Jenny all ihren Mut aufbringen, um ihn zu retten und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Unterstützt von einem mutigen Guide und einem entschlossenen Inspektor, kämpft sie gegen die Zeit und die dunklen Mächte, die sie verfolgen. "Eine verhängnisvolle Safari" ist ein packender Roman über Liebe, Verrat und den unerschütterlichen Willen, für das zu kämpfen, was wirklich zählt. Ein mitreißender Thriller, der die Leser in die ungezähmte Wildnis Afrikas entführt und bis zur letzten Seite in Atem hält.
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Seitenzahl: 277
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Alles begann in Padstow
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Alles begann in Padstow
An einem frischen Frühsommertag wehte eine sanfte Brise durch die engen Gassen von Padstow, einem kleinen Ort in der Grafschaft Cornwall. Die ersten Sonnenstrahlen malten goldene Muster auf das Kopfsteinpflaster, und die salzige Meeresluft mischte sich mit dem verführerischen Duft frisch gebackenen Brotes. Jenny Taylor atmete intensiv ein – dieser Morgen fühlte sich nach Heimat an.
Ihr Vorrat war aufgebraucht, und die Sehnsucht nach etwas Süßem für den Nachmittag zog sie wie magisch zur kleinen Bäckerei an der Ecke. Als sie eintrat, wurde sie sofort von der wohligen Wärme und dem vertrauten, herzlichen Lächeln von Kim empfangen. Es war, als hätte sich nichts verändert.
„Was darf es heute sein, Jenny? Das Übliche oder etwas Besonderes?“, fragte Kim. Ihre Stimme klang wie eine warme Umarmung. Jenny kannte dieses Spiel, kannte die gewohnheitsmäßige Neugier, die jeden ihrer Besuche begleitete. Sie gab ihre Bestellung schnell auf, in der Hoffnung, sich der unvermeidlichen Plauderei zu entziehen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne – Padstow ließ einen nicht so einfach entkommen.
„Jenny, wie sieht es mit euren Urlaubsplänen aus? Habt ihr euch endlich geeinigt, wohin es auf die verspätete Hochzeitsreise gehen soll?“, hakte Kim hartnäckig nach.
Doch kaum war die Frage ausgesprochen, verdüsterte sich Jennys Gesicht wie eine aufziehende Gewitterfront. IhreLippen pressten sich zusammen, bevor sie ein knappes, beinahe tonloses „Nein!“ herausbrachte. Es war offensichtlich, dass sie das Thema lieber meiden würde, aber Kim ließ nicht locker. „Du wolltest doch schon jahrelang auf eine Safari nach Afrika. Was sagt Antony dazu?“
Jennys Blick verdunkelte sich, als sie den Namen ihres Mannes hörte. Seit zehn Jahren waren sie verheiratet, und andauernd war etwas dazwischengekommen – Arbeit, Familie, das Leben. Die Hochzeitsreise blieb ein Traum, der langsam zu verblassen drohte.
Antony, ein groß gewachsener, schlanker Mann, Leiter der örtlichen Bibliothek, konnte sich nicht vorstellen, ein Abenteuer in Afrika einzugehen. Er wäre viel lieber an die Strände der Nord- oder Ostsee gefahren, um in vertrauter Umgebung den Urlaub zu verbringen. Er war nicht unbedingt der Typ Mensch, der sich im Urlaub sportlichen Herausforderungen stellen wollte. Viel lieber saß er bei einem Glas Rotwein auf der Veranda eines gemieteten Ferienhauses, um sich in eines seiner vielen Bücher, die ihn ständig umgaben, zu vertiefen. Bloß kein Stress oder unvorhergesehene Ereignisse – Expeditionen waren einfach nicht sein Ding. Hauptsache, er hatte seine Ruhe.
Jenny musste unbedingt aus ihrem eintönigen Alltagstrott ausbrechen. Auch wenn sie nicht sonderlich sportlich war und das eine oder andere Kilo zu viel auf den Hüften trug, war sie dennoch unternehmungslustig und sehr kontaktfreudig, insbesondere wenn es um Männer ging. Einige Kolleginnen in dem Callcenter, in dem sie arbeitete, zogen sie häufig damit auf, sie sei männergeil und müsste weggesperrt werden, um der Untreue zu entgehen. Antony merkte davon nichts. Er lebte in seiner Bibliotheksblase und konnte sich in seiner Naivität niemals vorstellen, dass seine Ehefrau ihm einmal untreu werden könnte.
Kims Frage riss alte Wunden in Jenny auf. Natürlich wusste Kim nicht, was sie gerade angerichtet hatte. Ihre Wissbegier war unersättlich. „Jetzt rück endlich raus mit der Sprache – wohin soll es gehen?“ Jenny versuchte sich zu entkrampfen und zischte heraus: „Ich habe ihn fast so weit, dass wir nach Botswana auf Safari gehen. Es fehlt nur noch die Buchung.“
Mit verbissenem Ausdruck zog Jenny ihr Portemonnaie hervor, bezahlte hastig und verließ die Bäckerei beinahe fluchtartig. Ihr Herz pochte in ihrer Brust – bloß weg von hier, nur keine endlosen Fragen zu ihren Reiseplänen.
Die endlosen Diskussionen zu Hause hatten sich längst in erbitterte Wortgefechte verwandelt. Schwelende Konflikte, die mit jedem Gespräch erneut aufflammten. Sie spürte die Anspannung bis in ihre Fingerspitzen, während sie die Tür der Bäckerei hinter sich zuzog. Das war keine Debatte, die sie mit einer Bäckerei-Verkäuferin fortführen wollte. Nicht jetzt. Nicht hier.
Mit prall gefüllter Einkaufstasche hastete Jenny mit schnellen, kurzen Schritten die Treverbyn Rd. entlang in Richtung ihrer kleinen, gemütlichen Doppelhaushälfte. Obwohl siesich nie über die Größe ihres Hauses beschwerte, träumte sie insgeheim von etwas Extravagantem.
„Für zwei Personen sollten 145 m2 verdammt noch mal ausreichen“, dachte sie oft genug, doch der nagende Zweifel ließ sie nicht los. Das zweistöckige Haus, elegant und großzügig, thronte mit seiner luxuriösen Ausstattung über der Mündung des Camel Rivers. Nach außen hin schien es perfekt, ein Zuhause, das Ruhe und Wohlstand ausstrahlte.
Aber für Jenny war es nur eine schöne Hülle. Ihr Herz sehnte sich nach etwas Echtem, nach einem alleinstehenden Cottage, umgeben von ausgedehnten Grünflächen, in denen sie ihre Liebe zur Natur entfalten konnte. Sie wollte morgens barfuß durch taufrisches Gras streifen, mit den Händen in der Erde wühlen, das Summen der Bienen und das Rascheln der Blätter als ihre tägliche Melodie genießen. Hier, in diesem makellosen Haus, fühlte sie sich wie in einem ausgestellten Kunstwerk – bewundert, aber niemals wirklich lebendig.
Vielleicht wäre dort die Haltung von ein oder zwei Pferden möglich. Liebte sie es doch, über die Wiesen und durch die Wälder von Cornwall zu reiten. Abseits des Pferderückens war sie zwar eher unsportlich und unbeweglich, aber sobald sie auf dem Sattel saß – wenn auch mit fremder Hilfe – fühlte sie sich frei und genoss den Wind, der bei vollem Galopp durch ihr Haar strich.
Ihr Ehemann, der mitunter sagenhaft langweilig wirkte und keinerlei sportlichen Interessen nachging – sein Kopf stecktestets in den Büchern – ließ ihr bequemes, festgefahrenes Leben Tag für Tag vor sich hindümpeln. Gerade deshalb spürte sie in letzter Zeit regelmäßig das brennende Verlangen nach Abwechslung und spannenden Erlebnissen. Sie musste es unbedingt schaffen, Antony davon zu überzeugen, mit ihr nach Afrika zu reisen. Ihr kleines Geheimnis, das sie mit diesem Kontinent verband, durfte er natürlich niemals erfahren.
Jenny schloss die Augen und ließ sich von ihrer Fantasie forttragen. Mit heftigem Herzklopfen sah sie sich selbst neben einem atemberaubend gut aussehenden Guide im offenen Jeep sitzen, während sie durch die endlose Savanne jagten. Die Luft vibrierte vor Spannung, das Motorengeräusch vermischte sich mit dem dumpfen Donnern unzähliger Hufe.
Rundherum brach Chaos aus – Elefanten, Büffel und Antilopen stoben panisch auseinander, ihre mächtigen Körper wirbelten Staub auf, der in der glühenden Sonne tanzte. Der Wind riss an Jennys Haar, peitschte es wild nach hinten, während sie sich mit jeder Sekunde freier fühlte.
Es war nicht nur eine Reise – es war ein Rausch, ein ungezähmtes Wagnis, das sie mit jeder Faser ihres Seins spüren wollte. So wie bei ihren Ausritten, wenn sie mit ihrem Pferd durch grüne Felder galoppierte, doch hier, in Afrika, wäre es anders. Hier wäre es echt. Die pure Essenz von Freiheit.
„Wie um alles in der Welt kann ich Antony nur dazu bringen, seine Meinung zu ändern?“ Jennys Gedanken rasten, während sie sich verzweifelt eine Strategie zurechtlegte. Siemusste sich etwas einfallen lassen – etwas, das ihn nicht nur überzeugte, sondern ihn regelrecht verzauberte.
Vielleicht war es an der Zeit, ihre weiblichen Reize gezielt einzusetzen. Ein Candle-Light-Dinner, mit flackernden Kerzen, sanfter Musik und einem Hauch von Magie in der Luft. Sie würde ihn mit jedem Blick, jedem Lachen, jeder Berührung in ihre Welt ziehen – in die Welt der ungezähmten Natur, der Freiheit.
Es war einen Versuch wert. Und wenn sie es richtig anstellte, würde Antony vielleicht nicht nur Afrika mit anderen Augen sehen, sondern auch sie.
Jenny plante bereits für das nächste Wochenende einen heimtückischen Vorstoß auf ihren Gatten. Es sollte doch möglich sein, mit weiblicher List den eigenen Ehemann zu überzeugen. Und wenn sie ihn dazu verführen müsste. Ihr wäre jedes Mittel recht. Sie sind beide zwar erst Mitte vierzig, doch beim Sex sieht es seit Längerem ziemlich dürftig aus. Krampfhaft versuchten sie bereits über mehrere Jahre, ein Kind zustande zu bringen. Leider vergebens. Ein aufregender Urlaub in der Hitze afrikanischer Nächte würde vielleicht den Knoten lösen und endlich zu einem Babybauch führen. Schon allein deshalb wünschte sie sich so sehr diese Reise.
Am kommenden Freitag wollte sie nichts dem Zufall überlassen. Jedes Detail musste perfekt sein – die sanfte Melodie, die sich wie eine zärtliche Berührung durch den Raum schlängelte, das warme, flackernde Licht der Kerzen, das ihre Schatten auf den Wänden tanzen ließ.
Mit jeder Bewegung in der Küche plante sie, ihre ganze Leidenschaft in das Essen zu legen, als wäre es ein Liebesbrief, den sie mit Aromen schrieb. Der dunkelrote Wein würde seine Lippen benetzen, ihn sanft umhüllen und seine Gedanken lockern. Und dann – der Duft seines Lieblingsgerichts. Zartes Lamm, begleitet von Bohnen und goldbraunen Ofenkartoffeln, die ihre Wärme wie eine lautlose Einladung verströmten.
Sie wollte ihn nicht nur mit Geschmack verführen, sondern mit Atmosphäre, mit Gefühl, mit dem unausgesprochenen Versprechen, dass dieser Abend mehr sein würde als nur ein Essen. Es sollte ein Moment werden, der ihn berührte – ein Höhepunkt, der vielleicht alles verändern könnte.
Sie konnte es kaum erwarten, ihn am selben Abend mit ihrer Idee zu überraschen. Dann, endlich – das vertraute Geräusch der Haustür. Ein sanftes Knarren, gefolgt von Schritten, die sich durch die Wohnung bewegten. Vor Aufregung zitterte sie am ganzen Körper, so sehr freute sie sich darauf, ihm ihren Vorschlag zu dem geplanten Candle-Light-Dinner zu unterbreiten.
„Warum kommt er nie in die Pötte?“ Jennys Gedanken überschlugen sich vor Ungeduld. Ihr Blick huschte zur Tür, ihre Finger trommelten nervös auf der Tischplatte. „Kann er seinen Mantel nicht einfach aufhängen und direkt zu mir kommen?“, schoss ihr ruhelos durch den Kopf.
Die Spannung in ihr wuchs ins Unermessliche. Sie hielt es nicht länger aus. Ihr Herz pochte wild, ihre Stimme bebte vor Erwartung, als sie schließlich die Worte herausstieß – beinahe flehend, beinahe fordernd: „Schatz, was hältst du von einem schönen, romantischen Dinner am nächsten Freitag?“
Antony hielt mitten in der Bewegung inne, sein Mantel rutschte ihm beinahe aus seinen Händen, während er – wie so oft – unbeholfen versuchte, ihn akkurat auf den Garderobenhaken zu platzieren. Ein Stirnrunzeln huschte über sein Gesicht, als er Jennys Worte verarbeitete.
„Gibt es einen besonderen Anlass?“, fragte er zögernd, während ein leiser Zweifel in seiner Stimme mitschwang. „Habe ich unseren Hochzeitstag vergessen?“ Ein kurzer Augenblick der Panik blitzte in seinen Augen auf, doch dann schüttelte er den Kopf. „Nein, das kann nicht sein, der ist doch erst in zwei Monaten.“
Jenny bebte vor Aufregung – ihr Herz pochte wild, während sie fieberhaft nach einem überzeugenden Grund für das Dinner suchte. Innerhalb von Sekunden musste sie ihn überzeugen, ohne dabei den wahren Grund preiszugeben. Denn wenn sie sich verriet, wäre alles zunichte.
„Ich finde, nach all der harten Arbeit haben wir es verdient, uns endlich mal wieder einen romantischen Abend zu gönnen. Wir sehen uns ständig seltener. Unsere Arbeit droht uns eines Tages völlig zu verschlingen. Ich möchte uns einen wunderschönen Abend bereiten. Zuerst koche ich uns etwasKöstliches, danach genießen wir den Sonnenuntergang mit einem Glas Champagner auf unserem Balkon. Was hältst du davon?“
Antony wusste zwar nach wie vor nicht, womit er dieses besondere Abendessen verdient hatte, aber er war keineswegs abgeneigt. Der Gedanke an gutes Essen und edlen Rotwein klang verlockend. Ein wenig Genuss hatte noch niemandem geschadet. „Na gut, ich bin dabei. Der Sommer ist ohnehin zu heiß, um früh schlafen zu gehen.“
Jenny spürte, wie ein warmes Gefühl der Erleichterung sie durchströmte, fast so, als hätte sie gerade eine große Prüfung bestanden. Der erste Schritt war getan – jetzt durfte sie nur nicht an ihren Kochkünsten scheitern. Alles musste perfekt werden.
Der Freitag näherte sich in einem Tempo, das ihr schier den Atem raubte. Alles war akribisch vorbereitet für das Candle-Light-Dinner, nur das passende Outfit fehlte noch. Jenny stand unentschlossen vor ihrem prall gefüllten Kleiderschrank und überlegte verzweifelt: „Was soll ich bloß anziehen?“ Auf dem Bett lagen dutzende Kleider und T-Shirts ausgebreitet – jedes Kleidungsstück hatte sie geprüft und doch schien keins passend genug für ihre geplante Verführung.
Seufzend schob sie die Bügel ihrer Favoriten hin und her, suchte nach dem perfekten Kleid, das ihre Absichten elegant und unwiderstehlich unterstreichen würde. Doch bevor sie eine Entscheidung fällen konnte, durchbrach unvermitteltein betörender Duft aus der Küche ihre Gedanken. Ihr Herz machte einen erschrockenen Satz, und reflexartig flog ihr Blick zur Uhr. Panik durchzuckte sie – war es wirklich schon so spät?
Keine Zeit für sinnlose Zweifel. Antony würde gleich vor der Tür stehen, und ihre Überraschung durfte nicht scheitern! Hastig griff sie nach einem schlichten, aber hinreißend eleganten schwarzen Kleid, hielt es sich prüfend vor den Körper und drehte sich einmal um die eigene Achse. Ihr Spiegelbild schien ihr zuzuzwinkern, als sie sich entschlossen zunickte. „Darin gefalle ich ihm garantiert. Und nach einem Glas Champagner gehört er ganz mir und verspricht mir alles.“
Kaum hatte sie den Tisch festlich und zugleich romantisch gedeckt, hörte sie das vertraute Klappern an der Haustür. Es war so weit. Das Spiel konnte beginnen. Jetzt darf nur nichts mehr schiefgehen.
Wie jeden Abend kam Antony pünktlich gegen 18: 00 Uhr aus der Bibliothek nach Hause, nichts ahnend und gänzlich unbedarft. Doch dieses Mal lag etwas Unaussprechliches in der Luft. Der verführerische Duft aus der Küche zog ihn magisch an, ließ ihn vergessen, dass dieses Dinner mehr als ein gemütlicher Abend zu zweit sein würde.
„Schatz, ich bin zu Hause. Ich hoffe, das Essen ist fertig!“, rief er ihr gut gelaunt aus dem Hausflur entgegen, ohne zu ahnen, was ihn noch alles erwarten würde. Naiv, wie so oft, hegte er keinerlei Verdacht, dass sich hinter dem Dinner etwas äußerst Arglistiges verbergen könnte.
Jenny hatte sich mittlerweile bühnenreif in Szene gesetzt – elegant, sinnlich, eine perfekte Verführerin. Die zwei großen, weißen Kerzen auf dem Tisch flackerten sanft und tauchten den Raum in warmes, goldenes Licht, das sich in ihren funkelnden Augen spiegelte.
Mit wenigen, gezielten Schritten trat sie auf ihn zu, zog ihn mit festem Griff an sich heran und berührte seine Lippen sanft mit den ihren – ein Kuss, intensiv, verlangend, voller Versprechen. Als sie sich langsam von ihm löste, rang Antony nach Luft, seine Augen groß, seine Haltung für eine Sekunde unsicher.
Er sah sie jetzt erst richtig. Die Eleganz, die verführerische Schönheit, das Glühen in ihrem Blick. „Wow, du siehst einfach atemberaubend aus“, flüsterte er, noch beständig gefangen in ihrem Glanz.
Fast schon hektisch streifte Antony seine Jacke ab und warf sie, ganz entgegen seiner sonst so geordneten Gewohnheit, achtlos über die Lehne des Sofas. Die Vorfreude auf das Essen ließ ihn alles andere vergessen. Mit einem hungrigen Blick ließ er sich in den Stuhl sinken, bereit, den romantischen Abend in vollen Zügen zu genießen. Unvermindert kreisten seine Gedanken um das köstliche Mahl – ahnte er doch nicht, dass dieser Abend mehr für ihn bereithielt.
Jenny trat mit anmutiger Eleganz an den Tisch, ihre Bewegungen fließend, fast wie eine perfekt einstudierte Choreografie. Der betörende Duft der dampfenden Lammkeule erfüllte den Raum, während sie dunkelroten Rioja in die Gläsergoss – großzügig, denn heute sollte es an nichts fehlen. Eine Flasche Champagner wartete bereits im Kühlschrank, bereit, im richtigen Moment geköpft zu werden.
Antony rieb sich voller Vorfreude die Hände, seine Augen leuchteten erwartungsvoll. „Lass uns endlich essen. Es duftet himmlisch. Guten Appetit“, sagte er voller Begeisterung, bevor er sich mit Genuss dem ersten Bissen widmete.
Nach dem ersten Glas Wein wagte es Jenny endlich, das Thema Urlaub anzusprechen. Ihre Stimme war sanft, doch in ihren Augen funkelte die Hoffnung. „Schatz, wir wollten doch unsere Hochzeitsreise dieses Jahr nachholen. Was hältst du davon, wenn wir etwas ganz Verrücktes machen und nach Afrika reisen?“
Antony spürte, wie sich seine Schultern unmerklich anspannten. Er hatte nicht vor, beim Essen eine Diskussion zu führen – schon gar nicht über Afrika. Alles, was er wollte, war, sich auf sein perfekt gegartes Lamm zu konzentrieren, den kraftvollen Geschmack des Rotweins zu genießen und einen friedlichen Abend zu verbringen.
Er seufzte leise, legte das Besteck beiseite und sah Jenny mit einem müden Blick an. „Jenny, ich dachte, wir wollten einen ruhigen Abend bei einem guten Essen verbringen und nicht streiten.“
Ihm wurde schlagartig klar, worum es bei diesem Dinner wirklich ging. Es wäre zu schön gewesen, einfach einen entspannten Abend zu genießen – ohne Diskussionen, ohnedieses ewige Thema. Aber nein, es musste natürlich um Afrika gehen.
Er überlegte fieberhaft, wie er aus dieser Zwickmühle herauskommen konnte. Wollte er sich den Abend wirklich mit diesem Thema verderben lassen? Was sollte er auf einer Safari schon tun? Sich bei brütender Hitze und umschwirrt von Moskitos in einem alten Jeep durch die Wildnis schaukeln lassen? Wozu sollte das gut sein? Doch Jenny ließ nicht locker. Ihre Augen leuchteten, ihre Stimme wurde eindringlicher. Sie war fest entschlossen, ihn zu überzeugen, und hakte unbeirrt nach.
„Es ist einfach wunderbar, die fantastische Tierwelt aus direkter Nähe zu beobachten. Diese Freiheit, sich durch die unberührte Natur zu bewegen, die stolzen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten – das war schon seit meiner Kindheit mein Traum.“ Jennys Augen leuchteten, ihre Stimme vibrierte vor Begeisterung.
Antony spürte, wie sich ein innerer Widerstand in ihm regte. Er konnte sich nicht länger davor drücken – sie wollte eine Antwort. Doch statt sich von ihrer Euphorie mitreißen zu lassen, versuchte er, ihren Plan mit vermeintlich vernünftigen Argumenten zu entkräften.
„Jenny, was willst du bloß in einem Land, in dem die Sonne gnadenlos brennt und Moskitos dich zerstechen? Außerdem sind die politischen Verhältnisse in Simbabwe oder Botswana alles andere als stabil. Wer weiß, ob wir nicht mitten in einenBürgerkrieg geraten oder – schlimmer noch – verschleppt und ausgeraubt werden?“
Jenny merkte, dass eine gewisse Gegenwehr bei Antony einsetzte. Doch sie war klug genug, ihn nicht direkt in die Enge zu drängen. Stattdessen setzte sie zu einem taktischen Rückzug an – fürs Erste. Sie würde ihre nächste Attacke nach dem Champagnergenuss starten, wenn er entspannter war und seine Abwehr bröckelte.
„Na gut, lassen wir das Thema fürs Erste. Erzähl mir lieber von deinem Tag in der Bibliothek. Hat deine Mitarbeiterin – wie heißt sie noch gleich? – endlich die antiken Bücher, die du ersteigert hast, datiert und einsortiert?“
Antony atmete erleichtert auf. Endlich ein Thema, das ihm nicht die Nerven raubte. „Die Kollegin heißt übrigens Evelyn. Das hättest du dir eigentlich gemerkt haben müssen, so häufig ich ihren Namen schon erwähnt habe. Und ja, sie hat ihre Arbeit erledigt – sie ist schließlich meine beste Mitarbeiterin.“
Unvermindert lag eine gewisse Gereiztheit in seiner Stimme, hatte er die Attacke auf ihn bis jetzt nicht ganz verdaut. In seiner Naivität glaubte er jetzt, dass sich das Thema Urlaub für den heutigen Abend erledigt hätte.
Antony sollte bald erkennen, dass er sich gewaltig täuschte. Jenny ließ das Dinner sanft und liebevoll ausklingen, ihre Bewegungen bedacht, ihre Worte weich – alles darauf ausgerichtet, ihn in eine entspannte Stimmung zu versetzen. Siebeobachtete ihn genau, achtete darauf, wann sich sein Weinglas leerte, und schenkte nach, ohne dass er es bemerkte.
Nichts ahnend genoss Antony die aufmerksame Geste seiner Frau und nahm gerne einen kräftigen Schluck aus seinem Glas. Nachdem er sein Dessert genüsslich verzehrt hatte, spürte er langsam die Wirkung des Rotweins, die sich allmählich entfaltete. Seine Gedanken wurden schwerer, seine Bewegungen langsamer.
Als Jenny schließlich mit einer Flasche eiskaltem Champagner aus der Küche zurückkehrte, regte sich bei Antony ein leichter Protest. „Ich hatte eigentlich genug Alkohol für heute. Lass uns den Champagner ein anderes Mal trinken.“ Seine Stimme klang müde, fast wehrlos.
Doch für Jenny kam das natürlich nicht infrage. Der Champagner war Teil ihres Plans, ein entscheidender Schritt in ihrer Strategie. Mit einem sanften Gekicher und einem verführerischen Funkeln in den Augen öffnete sie die Flasche, das leise Knallen des Korkens durchbrach die Stille.
„Schatz, dieser Abend wäre unvollkommen, wenn wir ihn nicht gemeinsam auf dem Balkon ausklingen ließen – mit einem Glas Champagner in der Hand und der sanften Abendluft auf unserer Haut. Sei nicht so unromantisch und komm mit nach draußen. Bei dieser angenehmen Temperatur wäre es beinahe eine Sünde, den Abend drinnen zu verbringen und womöglich vor dem Fernseher zu hocken. Also los, komm jetzt!“
Er wollte widersprechen, doch mit einem gehörigen Alkoholpegel im Blut war sein Widerstand längst geschmolzen und er folgte ihr auf den Balkon. Er ließ sich auf die Liege sinken, seine Glieder schwer von der Wärme und der sanften Betäubung des Rotweins. Der Blick auf den Camel River war wie gemalt, sein silbriges Band zog sich bis zur Mündung, wo sich die Dunkelheit des Wassers mit der des Himmels vereinte.
„Ist das Leben nicht einfach wunderschön? Ein traumhaftes Dinner, göttlicher Wein, dieser unbeschreibliche Ausblick. Was könnte man sich mehr wünschen?“
Jenny reichte ihm sein Glas und stieß mit ihm an, ihre Augen funkelten im sanften Licht der Balkonlaternen. Nach dem zweiten Glas rutschte sie langsam zu ihm auf die Liege, schmiegte sich eng an seinen warmen Körper und legte ihre Lippen dicht an sein Ohr. Ihre Stimme war ein gehauchtes Versprechen, ein sanftes Feuer, das in seiner Brust aufflammte.
„Ich liebe dich, mein Schatz. Ich möchte dich heute Nacht mit Haut und Haar verspeisen. Lass dein Glas stehen und komm mit mir ins Bett. Wir haben schon so lange keinen Sex mehr gehabt. Heute möchte ich dich ganz eng an mir spüren.“
Sie zog ihn hinter sich her, bis beide im Schlafzimmer ins Bett strauchelten und gierig übereinander herfielen. Zuerst küsste sie ihn viele Male auf Körper und Mund, dann begann Jenny, seine Kleidung auszuziehen. Bereits vollkommen willenlos ließ Antony alles geschehen, unabhängig davon, was sie mitihm vorhatte, und begab sich ohne jegliche Gegenwehr in ihre Fänge.
Diese Sternstunde gehörte nur ihnen – voller Leidenschaft, Hingabe und zärtlicher Ekstase verloren sie sich ineinander, bis ihre Körper erschöpft und ihre Herzen erfüllt waren. Atemlos lagen sie nebeneinander, spürten die sanfte Wärme des anderen, während die Welt um sie herum zu verschwimmen schien. Antony wollte diesen Augenblick dauerhaft bewahren, jeden Hauch, jede Berührung, jede Sekunde puren Glücks in sich aufsaugen. Doch dann, sanft und doch bestimmt, riss Jennys Stimme ihn aus seinem Rausch und zog ihn zurück in die Wirklichkeit.
„Mein Liebster, bitte erfülle mir meinen Herzenswunsch – meinen Traum von Afrika. Lass uns gemeinsam dieses Abenteuer wagen und die unberührte Landschaft Botswanas entdecken. Ich sehne mich danach, mit dir unter dem endlosen Sternenhimmel zu schlafen, die wild lebenden Tiere in ihrer natürlichen Schönheit zu bestaunen und Momente zu erleben, die uns ewig verbinden. Wenn du mich wirklich liebst, dann gib deinem Herzen einen Ruck und komm mit mir auf diese Reise. Bitte, tu es nicht nur mir zuliebe, sondern uns zuliebe.“
Nach diesen zauberhaften Stunden war Antony Jenny hoffnungslos verfallen – ihrem Charme, ihrer Leidenschaft und ihrem unerschütterlichen Wunsch, Afrika zu erleben. Mit leiser, warmer Stimme hauchte er: „Wenn es dir so viel bedeutet, kann ich dir diesen Wunsch nicht abschlagen. Montaggehen wir ins Reisebüro und lassen uns beraten. Ich hoffe, das macht dich glücklich.“
Jenny spürte, wie sich ihr Herz vor Freude überschlug. Ihre List war aufgegangen! Ein Triumph, süß wie der Duft von Wildblumen nach einem warmen Sommerregen. Zufrieden schmiegte sie sich in ihr Kissen, während ihre Gedanken bereits über endlose Savannen flogen – golden flimmernd unter der sengenden Sonne, durchzogen von gefährlichen Streifzügen und ungeahnter Freiheit. Sie sah sich selbst, begleitet von einem starken, erfahrenen Ranger, umgeben von wilden Löwen und erhabenen Elefanten. Ihr ganzer Körper vibrierte vor Aufregung.
Es sollte die Reise ihres Lebens werden! Und Antony? Würde er sich der Herausforderung stellen? Würde er über seinen eigenen Schatten springen und der Magie Afrikas erliegen? Er war nie ein Draufgänger, zog die Ruhe seiner Bibliothek der rauen Weite der Steppe vor. Doch das musste sich ändern. Jenny war entschlossen – dieses Abenteuer würden sie gemeinsam erleben.
*****
Jenny konnte es kaum erwarten, endlich das Reisebüro zu betreten. Ihr Herz pochte vor Anspannung, und ihre Gedanken überschlugen sich vor Vorfreude – bald würde ihr Traum von Afrika Wirklichkeit werden! Sie hatte jede Phase dieser Reise in ihrer Vorstellung schon unzählige Male durchlebt: die tosenden Victoriafälle, deren Wasser donnernd in die Tiefe stürzt, die endlose Weite des Chobe-Nationalparks, wo Elefantenherden eindrucksvoll durch die Savanne ziehen, und das geheimnisvolle Okavango-Delta, ein Paradies voller Leben und atemberaubender Schönheit.
„Hoffentlich lässt sich das alles so umsetzen“, dachte sie, während sie fieberhaft ihre Reisepläne schmiedete. Als die überaus charmante und offensichtlich Afrikabegeisterte Reiseberaterin ihnen den maßgeschneiderten Reiseverlauf präsentierte, stockte Jenny der Atem. Das war perfekt! Erstklassige Lodges mit Blick in die unbändige Natur, traumhafte Transfers mit Kleinflugzeugen über die unberührte Landschaft – und das Beste: täglich aufregende Safaris zu Land und zu Wasser!
Jenny war überglücklich, sie konnte es kaum fassen. Genauso hatte sie sich diese Reise vorgestellt – voller Magie und Erlebnisse, die ihr beständig in Erinnerung bleiben würden. Doch dann fiel ihr Blick auf Antony, dessen Begeisterung sich mit einem mulmigen Gefühl mischte. 10.000 £ für beide? Sein Gesichtsausdruck sprach Bände – mit dieser Summe hatte er nicht gerechnet. Eine Reise, die kostspieliger war als alle bisherigen. Doch würde er diesen Traum mit ihr teilen? Würdeer über seine Zweifel hinwegsehen? Jenny hoffte es – denn dies war die Reise ihres Lebens.
„Versprochen ist versprochen“, dachte Antony und spürte das Gewicht dieser Worte schwer auf seinen Schultern lasten. Mit einem unguten Gefühl betrachtete er den Buchungsbeleg, der für Jenny ein Traum und für ihn ein Sprung ins Ungewisse war. Würde sich all das wirklich lohnen? Der hohe Preis, die wochenlange Planung, der Abschied von seiner gewohnten Welt?
Er konnte sich diese Reise einfach nicht vorstellen – die flirrende Hitze Afrikas, die ungezähmte Wildnis, die unbekannten Geräusche in der Finsternis. Nichts davon passte zu ihm, nichts davon entsprach seiner Natur. Er war ein Mann der Gewohnheit, jemand, der sich an Routinen klammerte und Überraschungen so sehr liebte wie Fußpilz. Was suchte er – das genaue Gegenteil eines Abenteurers auf diesem fernen Kontinent?
Doch es war entschieden. Die Reise war jetzt gebucht, und es gab keinen Weg mehr zurück. Antony atmete tief durch und schloss die Augen. Vielleicht, ganz vielleicht, könnte er sich einfach darauf einlassen. Vielleicht wartete dort draußen eine Welt, die ihn trotz aller Skepsis in ihren Bann ziehen würde. Er musste es nur zulassen.
„Lass uns diesen wunderbaren Tag feiern – mit einem prickelnden Prosecco im Shipwrights!“, rief Jenny voller überschäumender Freude und zog Antony mit sich, der noch unter dem Schock der Reisebuchung stand.
Der kleine, charmante Backstein-Pub, einst Zufluchtsort für Fischer und Händler, strahlte eine warme, einladende Atmosphäre aus. Sein preisgekröntes Bier, die köstlichen, traditionell zubereiteten Speisen und vor allem der malerische Blick auf den Hafen machten ihn zu einem Ort, an dem man alles um sich herum vergessen konnte. Direkt an der Uferpromenade gelegen, bot er den perfekten Platz, um das geschäftige Treiben der Besucher zu beobachten – erwartungsvolle Entdecker, die durch die Pubs und Geschäfte schlenderten, während leuchtende Segelboote sanft auf den Wellen tanzten.
Jenny sog die frische Meeresbrise kraftvoll ein, lauschte dem Kreischen der Möwen und dem beruhigenden Glucksen der Boote. Ihre Gedanken drifteten ab, weit fort, in die ungezähmten Landschaften Afrikas. Sie versank immer tiefer in ihrem Korbsessel, während die Vorfreude sie mit einem wohligen Kribbeln erfüllte. Bald würde ihr Traum Wirklichkeit werden.
„Komm, bestell endlich. Meine Kehle ist vollkommen ausgetrocknet“, drängte sie Antony. Gehorsam ging er ihrer Bitte nach, obwohl seine Gedanken nach wie vor um den bevorstehenden Afrikaurlaub kreisten. Jenny hingegen konnte sich kaum zurückhalten. Sie rutschte rastlos auf ihrem Sessel hin und her. Dann endlich erschien die junge Kellnerin und stellte mit einem leichten Strahlen den lang ersehnten Prosecco vor ihnen ab.
„Prost! Lass uns auf unseren Urlaub anstoßen!“, rief Jenny, ihre Stimme vibrierte vor Euphorie. Sie hob das Glas mitglänzenden Augen, ein Bild purer Lebenslust. Antony hingegen saß zusammengesunken in seinem Korbsessel, sein Blick nachdenklich, fast widerspenstig. Doch er wollte kein Spielverderber sein – also erwiderte er die Geste, wenn auch mit zurückhaltender Miene. Nun war es besiegelt.
Die Atmosphäre am Hafen von Padstow hatte ihren eigenen Reiz. Trotz der vielen Touristen, die unablässig den Weg kreuzten, konnte man sich hier wohlfühlen. Ein Halt in Padstow gehörte zu jeder Cornwall-Tour, nicht zuletzt wegen Prideaux Place – diesem prachtvollen Herrenhaus, das wie eine lebendig gewordene Filmkulisse wirkte. Mehr als zehn Rosamunde-Pilcher-Filme hatten diesem Ort filmische Unsterblichkeit verliehen, und kaum ein deutscher Reisebus ließ es aus.
Padstow – ein idyllisches Kleinod, geschützt an der malerischen Flussmündung des Camel Rivers. Die sanften Wellen des Wassers schienen das ruhige Wesen dieser Stadt zu spiegeln, die mit ihrem Charme ein Gefühl von Geborgenheit und Gelassenheit vermittelte. Jenny liebte es, durch das verschlungene Labyrinth der engen Gassen zu schlendern, jede Ecke ein kleines Abenteuer, jede Biegung eine erneute Entdeckung. Hier fühlte sie sich lebendig, als wäre sie Teil eines verträumten Küstenzaubers.
Der geschäftige Hafen bildete das pulsierende Herz von Padstow, einem Ort, an dem Fischer mit wettergegerbten Gesichtern ihren Fang an die zahlreichen Restaurants weitergaben. Es war ein Schauspiel des Meeres – frischer Fisch, leuchtende Schalen von Krabben und die salzige Brise, die das Treiben begleitete. Padstow war nicht nur ein Hafen, sondern eine Bühne für die Kunst der Kulinarik, ein Paradies für Genießer.
Besonders das berühmte Seafood-Restaurant von Rick Stein galt als Pilgerstätte für Feinschmecker. Hier wurden Klassiker der Meeresküche mit meisterhafter Präzision zelebriert – der Hummer-Thermidor, feurigaromatische Chili-Krabbe, zart schmelzender Steinbutt mit Hollandaise. Küchenchef Pete Murt und sein Team arbeiteten mit unerschütterlicher Leidenschaft, ihr Ruf für exquisite Kreationen aus den feinsten Zutaten Cornwalls reichte weit über die Grenzen hinaus. Jedes Gericht war nicht nur ein Geschmackserlebnis, sondern eine Hommage an das Meer selbst.
Hummer-Thermidor – mehr als nur ein Gericht, für Jenny war es pures Glück auf einem Teller. Die französische Delikatesse betörte sie jedes Mal aufs Neue: Das saftige Hummerfleisch, gekocht in einer reichhaltigen Weinsauce und im Ofen mit einer Käsekruste aus Gruyère überbacken, verströmte jedes Mal bereits vor dem Verzehr einen fantastischen Duft. Noch bevor die Gabel das erste Stück berührte, entfaltete sich das betörende Aroma der Soße – eine warme, samtige Mischung aus Eigelb und Brandy, ein Versprechen an den Gaumen, das nie enttäuschte.
Während der Tag sich langsam dem Abend überließ, tauchte die Sonne den Hafen in ein Farbspiel aus leuchtendem Rot und warmem Gold. Ihre letzten Strahlen tanzten über die sanften Wellen, als wollten sie sich würdevoll verabschieden.Jenny spürte die sanfte Schwere des Proseccos, die sie in eine beschwingte Leichtigkeit hüllte. Mit einem glücklichen Seufzen hakte sie sich bei Antony ein. Ihr Gleichgewicht war nicht perfekt, doch ihr Herz klopfte voller Vorfreude.
„Afrika, wir kommen!“, dachte sie, während die Visionen ihres Traumurlaubs bereits Gestalt annahmen. Die Savanne, die endlosen Horizonte, die Entdeckungsreise, die sie erwartete – es war zum Greifen nah. Unvermindert spürte sie den Geschmack des Hummers auf ihrer Zunge, eine Erinnerung, die wie eine kostbare Essenz ihrer Träume verblieb.
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„Es ist kaum zu fassen. Wir sitzen tatsächlich im Flugzeug nach Johannesburg!“ Jenny vibrierte vor Aufregung, während sie sich in ihren Fensterplatz sinken ließ. Bis zur letzten Sekunde hatte sie gezweifelt, ob ihr Traum tatsächlich Wirklichkeit werden würde. Doch nun war es so weit – die Reise ihres Lebens begann!
Neben ihr fiel Antony mit einem unzufriedenen Seufzen in seinen Sitz, sein Gesicht mürrisch, seine Gedanken offensichtlich meilenweit entfernt von ihrer Euphorie. Seit Wochen hatte er über diese Reise ständig herumgemeckert, jede Gelegenheit genutzt, um seinen Unmut kundzutun. Jenny schüttelte kaum merklich den Kopf. Was hinderte ihn daran, alte Muster zu durchbrechen und dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen? Mehr als alles andere wollte sie einmal die Schönheit Afrikas hautnah bei einer Safari spüren.
Die Maschine der British Airways beschleunigte mit unbändiger Kraft und drückte sie beide fest in ihre Sitze. Für einen Augenblick waren alle Streitigkeiten vergessen, verschluckt vom tosenden Aufbruch in die Lüfte. Jenny schloss die Augen, ließ sich treiben – doch kaum, dass das Flugzeug seine stabile Flughöhe erreichte, holten sie ihre trüben Gedanken wieder ein.
Die Leere zwischen ihr und Antony war nicht neu. Seit Monaten fühlte sie sich vernachlässigt, wie eine Randnotiz in seiner Geschichte. Theaterbesuche, gemeinsame Erlebnisse, spontane Umarmungen – all das gehörte längst der Vergangenheit an. Seine verfluchte Bibliothek nahm ihn völlig ein, ließ keinen Raum mehr für sie, für ihre Liebe. Ständig war siees, die Nähe suchte, die Zärtlichkeit einforderte – doch von ihm kam absolut nichts.
Mit einem langen Atemzug blickte sie hinaus auf die grauen Wolkenfelder unter ihnen. Jetzt war nicht die Zeit, sich Sorgen zu machen. Jetzt war die Zeit für Träume. „Afrika, wir kommen“, flüsterte sie leise, und für ein kurzes Weilchen war alles andere bedeutungslos.
Als sie sich kennenlernten, war er ihr strahlender Held. Mit unermüdlicher Hingabe bemühte er sich um sie und überschüttete sie mit liebevollen Komplimenten, die ihr Herz erwärmten. Kinoabende, Theaterbesuche, besinnliche Stunden bei Rick Steins Food Restaurant – er schien jede Minute mit ihr zu feiern, als wäre sie das kostbarste Geschenk seines Lebens. Jedes Lächeln, das er ihr entlockte, war wie ein Sonnenstrahl an einem grauen Tag, und seine Stimme – warm, sanft, verführerisch – fühlte sich an wie Balsam für ihre Seele.
