Einmalige Liebe - Patricia Vandenberg - E-Book

Einmalige Liebe E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »Hoppla, das ist ja eine Stufe!« Isabella Ehlers kicherte und streckte instinktiv die Hand nach ihrem Gastgeber Dr. Daniel Norden aus. Der hielt sie in letzter Sekunde fest und vermied damit einen möglicherweise folgenschweren Sturz. »Bist du sicher, dass du nicht doch hier übernachten möchtest?«, wiederholte er besorgt das Angebot, das seine Frau Felicitas ihrem Gast schon vor einer ganzen Weile gemacht hatte. Doch Isabella blieb bei ihrer Entscheidung. »Ich hab morgen jede Menge zu tun und muss früh raus«, erklärte sie, um Haltung und eine feste Stimme bemüht. »Ich hab doch erzählt, dass ich ab Montag umziehe …« »Ausführlich«, bestätigte Daniel lächelnd. Mit jedem Glas Wein, das Isabella getrunken hatte, war ihr Mitteilungsbedürfnis gestiegen. Dabei war die sonst so ruhige Lehrerin nicht unangenehm aufgefallen, sondern hatte sich als überraschend witzige, humorvolle Unterhalterin präsentiert. »Du hast wirklich Talent, vor Leuten zu sprechen. Alle haben sich prächtig über deine Anekdoten amüsiert.« Vorsichtshalber nahm Dr. Norden Isabellas Arm, um sie unfallfrei zum wartenden Taxi zu führen. Diese Entscheidung erwies sich als sehr weise. Der Gartenweg war ein wenig holprig und – obwohl beleuchtet – ein Hindernislauf für Isabellas unsichere Füße.

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Dr. Norden – 119 –Einmalige Liebe

Unveröffentlichter Roman

Patricia Vandenberg

»Hoppla, das ist ja eine Stufe!« Isabella Ehlers kicherte und streckte instinktiv die Hand nach ihrem Gastgeber Dr. Daniel Norden aus.

Der hielt sie in letzter Sekunde fest und vermied damit einen möglicherweise folgenschweren Sturz.

»Bist du sicher, dass du nicht doch hier übernachten möchtest?«, wiederholte er besorgt das Angebot, das seine Frau Felicitas ihrem Gast schon vor einer ganzen Weile gemacht hatte.

Doch Isabella blieb bei ihrer Entscheidung.

»Ich hab morgen jede Menge zu tun und muss früh raus«, erklärte sie, um Haltung und eine feste Stimme bemüht. »Ich hab doch erzählt, dass ich ab Montag umziehe …«

»Ausführlich«, bestätigte Daniel lächelnd.

Mit jedem Glas Wein, das Isabella getrunken hatte, war ihr Mitteilungsbedürfnis gestiegen. Dabei war die sonst so ruhige Lehrerin nicht unangenehm aufgefallen, sondern hatte sich als überraschend witzige, humorvolle Unterhalterin präsentiert. »Du hast wirklich Talent, vor Leuten zu sprechen. Alle haben sich prächtig über deine Anekdoten amüsiert.« Vorsichtshalber nahm Dr. Norden Isabellas Arm, um sie unfallfrei zum wartenden Taxi zu führen.

Diese Entscheidung erwies sich als sehr weise. Der Gartenweg war ein wenig holprig und – obwohl beleuchtet – ein Hindernislauf für Isabellas unsichere Füße. Sie seufzte erleichtert, als Daniel ihr die Tür des Taxis aufhielt.

»Hoffentlich habe ich mich nicht zu sehr blamiert.« Die frische Luft hatte die Wirkung des Alkohols etwas gedämpft.

Es kam höchst selten vor, dass Isabella zu viel trank und ein wenig die Kontrolle über ihre Worte verlor. Doch jedes Mal machte sie sich sofort unbegründete Sorgen, was die Leute wohl über sie denken mochten. »Ich schäme mich jetzt schon.« Sie schickte Daniel einen kläglichen Blick.

»Aber das musst du wirklich nicht«, versicherte er eindringlich und nannte dem Fahrer die Adresse, wohin er seine kostbare Fracht bringen sollte. »Du warst wirklich zauberhaft.«

»Das sagst du jetzt bestimmt nur so«, behauptete Isabella und drückte sich schutzsuchend in eine Ecke der Rückbank.

Sie war kein besonders mutiger Mensch und fürchtete sich ein bisschen vor der Fahrt mit dem fremden Chauffeur. Noch dazu mitten in der Nacht. Doch sie wagte nicht, ihrem Gastgeber das zu gestehen. Was sollte er von ihr denken?

Daniel hingegen lächelte beruhigend. »Hast du die bewundernden Blicke der Männer nicht bemerkt? Ganz besonders die von Luis. Er scheint völlig vernarrt in dich zu sein«, erklärte er und bemerkte die Ungeduld des Fahrers, der endlich aufbrechen wollte. »Fee meldet sich morgen bei dir. Gute Heimfahrt! Und pass auf dich auf beim Treppensteigen. Am besten, du nimmst den Aufzug«, empfahl Dr. Norden der Lehrerin fürsorglich, bevor er ihr noch einmal freundlich zunickte und die Autotür zuwarf.

Er steckte die Hände in die Hosentaschen und sah den Rücklichtern des Wagens nach, bis sie um die Ecke verschwunden waren. In Gedanken versunken kehrte er ins Haus zu den anderen Gästen zurück.

Anlässlich ihres Geburtstags hatte seine Frau Felicitas eine kleine Feier ausgerichtet, auf die sie die alleinstehende, sympathische Lehrerin eingeladen hatte, deren Bekanntschaft sie einer geschäftlichen Verbindung zu verdanken hatte. Die Einladung zu ihrer Geburtstagsfeier war eine willkommene Gelegenheit für Felicitas gewesen, sich einmal privat mit Isabella zu unterhalten. Und auch Daniel Norden teilte die Begeisterung seiner Frau für diesen feinen Menschen und hoffte, Isabella noch öfter in ihrem Haus begrüßen zu dürfen.

Die Taxifahrt verlief schweigend, und Isabella Ehlers war heilfroh, als der Wagen endlich vor dem wenig einladenden Wohnblock hielt, in dem ihre Wohnung im vierzehnten Stockwerk lag.

Stumm beglich sie die Rechnung und gab dem Fahrer viel zu viel Trinkgeld, um möglichst schnell aussteigen zu können.

»Kommen Sie allein zurecht oder soll ich Ihnen helfen?«, rief ihr der Chauffeur nach und sah ihr besorgt dabei zu, wie sie leicht schwankend auf die Haustür zuging.

Vor Schreck blieb Isabella fast das Herz stehen.

»Danke, es geht schon«, rief sie hastig, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Mit fliegenden Fingern nestelte sie den Schlüssel aus ihrer Handtasche.

Sie brauchte mehrere Versuche, ehe sie das Schloss fand und atmete erleichtert auf, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Doch schon sah sie sich mit dem nächsten Problem konfrontiert.

»In diesem Zustand schaffe ich die vierzehn Stockwerke auf keinen Fall zu Fuß«, murmelte sie und starrte ängstlich die schwarzen Aufzugtüren an. Fast erschienen sie ihr wie ein großes Maul, das nur darauf wartete, sich aufzureißen und sie zu verschlingen. »Ich hasse Aufzugfahren«, sagte sie zu sich selbst.

»Das ist die falsche Einstellung.«

Eine belustigte Stimme in ihrem Rücken ließ sie zusammenzucken. Ruckartig fuhr sie herum und starrte den Mann an, der nach ihr ins Haus gekommen sein musste. Derart in Gedanken versunken hatte sie nicht gehört, wie er hinter sie getreten war.

»Was fällt Ihnen ein, mich so zu erschrecken?«, fuhr sie ihn an und wuchs in ihrem Schreck über sich selbst hinaus.

Ihre braunen Augen funkelten wütend, ihre Wangen leuchteten in gesundem Rot, und ihre braunen halblangen Haare waren zerzaust. Fasziniert betrachtete Steffen Holst die temperamentvolle Frau vor sich und stellte sich einen kurzen Moment lang vor, wie es wohl wäre, diese Wildkatze zu küssen.

»Tut mir leid, das wollte ich nicht. Ganz im Gegenteil wollte ich Ihnen Mut machen. Wenn Sie sich einreden, dass Sie sich vor Aufzügen fürchten, wird Ihre Angst nur noch schlimmer«, besann er sich dann aber. »Darf ich?« Er machte einen Schritt an ihr vorbei und drückte auf den Knopf, um den Fahrstuhl zu rufen.

Irgendwo in den Tiefen des Hauses setzte sich das Gefährt rumpelnd in Bewegung. Allein dieses Geräusch ließ Isabellas Herz stocken. Sie biss die Zähne aufeinander und wartete, den Blick starr geradeaus gerichtet, darauf, dass der Aufzug im Erdgeschoss anhielt.

Als sich die Türen knirschend öffneten, machte Steffen eine galante Verbeugung.

»Ladies first!«, wollte er ihr den Vortritt lassen.

»Sehr witzig«, fuhr Isabella ihn an und starrte ängstlich in das unfreundliche, neonlichtbeschienene Innere des Fahrstuhls. Ein Glück, dass sie endlich eine schicke, kleine und bezahlbare Wohnung in einem Vier-Familien-Haus gefunden hatte und dieser Bruchbude schon kommende Woche den Rücken kehren konnte. Vorsichtig betrat sie den Aufzug und drückte sich in die rechte hintere Ecke. Sie wusste nicht, wovor sie mehr Angst hatte, vor dem Fremden oder der Fahrt mit dem altersschwachen Fahrstuhl. Oder vor beidem.

»In welches Stockwerk müssen Sie?«, fragte Steffen zuvorkommend.

»Wieso wollen Sie das wissen?«

Steffen zuckte verdutzt zurück und starrte Isabella verwirrt an. Doch als er die leichte Unsicherheit in ihren Augen entdeckte, lächelte er.

»Damit ich den entsprechenden Knopf drücken kann«, erklärte er geduldig und sah amüsiert dabei zu, wie sich Isabellas Gesichtsausdruck ein wenig entspannte.

»Wie dumm von mir.« Verlegen senkte sie den Kopf. Der ungewohnte Alkohol in Kombination mit ihrer Angst hatte eine seltsame Wirkung. »Tut mir leid. Sie müssen mich für völlig hysterisch halten.« Und recht haben Sie!, fügte sie im Geiste hinzu.

»Nein, natürlich nicht«, versicherte Steffen ernsthaft, drückte den Knopf mit der Nummer 14 und den mit der Nummer 17 und stellte sich neben Isabella in die andere Ecke des schmalen Aufzugs. »Wohnen Sie schon lange hier?«, versuchte er sie von ihrer Angst abzulenken, als sich das Gefährt rumpelnd in Bewegung setzte.

»Etwas über ein Jahr«, erwiderte Isabella stockend. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, ihr Atem ging stoßweise. »Und Sie?«, fragte sie anstandshalber.

»Ich habe hier nur für eine Woche gewohnt und reise morgen wieder ab.«

»Eine Woche nur?«, hakte Isabella verdutzt nach und vergaß ihre Angst für einen Augenblick. »So schrecklich ist es nun auch wieder nicht.«

Steffen lachte.

»Ich hab schon Schlimmeres gesehen, und besser als ein Hotel ist es allemal. Ich bin nämlich so viel unterwegs, dass mir Hotels jeglicher Art inzwischen ein Gräuel sind. Ein Glück, dass es Wohnungsbesitzer gibt, die ihre Wohnungen an Geschäftsleute wie mich vermieten. Haben Sie das nicht gewusst?«, fragte er in munterem Plauderton.

Isabella schüttelte den Kopf.

»Das Haus ist sehr groß und anonym. Ich kenne hier kaum jeman…«, gab sie zurück, als der Aufzug plötzlich ruckte und rumpelte und das Licht zu flackern begann.

Entsetzt schrie sie auf. In ihrer Panik griff sie nach dem Erstbesten, was ihre Hände zu fassen bekamen. Es war Steffens Arm, den sie bebend umklammerte.

»Na, na, keine Angst! Das passiert öfter mal in diesen alten Dingern«, sprach er beruhigend auf sie ein und blickte auf das bebende Bündel Mensch neben sich hinab. Er überlegte nur kurz. Dann legte er den Arm um Isabellas schmale Schultern.

Zuerst fuhr sie unter seiner beschützenden Berührung zusammen und wäre ihm sicherlich ausgewichen, wenn Platz gewesen wäre. So aber standen sie umarmt wie ein Liebespaar in dem engen Aufzug, bis er schließlich rumpelnd auf dem 14. Stockwerk Halt machte.

»Geschafft!«, verkündete Steffen freundlich und deutete auf die sich öffnenden Türen. »Sie sind erlöst.«

Zu seiner Überraschung bewegte sich Isabella nicht, sondern zitterte weiter wie Espenlaub in seinen Armen.

Isabella hatte sich gezwungen, Haltung zu bewahren. Doch nun, wo die drohende Gefahr vorüber war, gingen ihr bei dem Gedanken an das, was alles hätte passieren können, die Nerven durch. Daran war der gute Wein der Familie Norden nicht ganz unschuldig.

Statt sich für die Fürsorge ihres Begleiters zu bedanken und sich zu verabschieden, sackte sie kraftlos gegen Steffens Brust und begann haltlos zu schluchzen.

»Oh, mein Gott …, ich weiß

nicht …, ich kann nicht …, es ist alles so …«, stammelte sie verzweifelt. Sie bemerkte nicht, dass sich der Aufzug längst wieder in Bewegung gesetzt hatte und kurz darauf drei Stockwerke höher erneut hielt.

»Psst, ganz ruhig. Es ist alles in Ordnung«, redete Steffen mit Engelszungen auf die verzweifelte Frau in seinen Armen ein.

So etwas war ihm vorher noch nie passiert, und ratlos sah er dabei zu, wie sich die Aufzugtüren wieder schlossen. Allein lassen konnte er sie in diesem Zustand auf keinen Fall, das war klar. »Soll ich Sie in Ihre Wohnung bringen?«, fragte er Isabella auf der Suche nach einer Lösung.

Doch die Vorstellung, allein zu sein, noch dazu im Chaos ihrer Wohnung, stürzte Isabella in noch tiefere Verzweiflung. Statt eine Antwort zu geben, klammerte sie sich noch fester an ihren Begleiter.

»Gut.« Ergeben nickte Steffen und drückte auf den Türöffner. »Dann gehen wir erst mal zu mir«, beschloss er und bugsierte Isabella aus dem Fahrstuhl. »Wenn Sie sich beruhigt haben, bringe ich Sie nach unten. Einverstanden?«

Diesmal nickte Isabella wenigstens, und erleichtert schob er sie vor sich durch den düsteren Flur. Mehr als einmal musste er sie stützen, weil sie stolperte. Er schob es auf ihre Angst und hatte keine Ahnung, dass der Alkohol an ihrem desolaten Zustand schuld war. Steffen wusste nur, dass ihn diese schöne Unbekannte mit dem rätselhaften Wesen faszinierte wie keine Frau zuvor.

»Da wären wir.« Steffen nestelte den Schlüssel aus der Hosentasche und schloss auf. »Hereinspaziert in die gute Stube.« Als sich Isabella nicht rührte, nahm er sie behutsam an den Schultern und führte sie in das nüchterne Apartment, das nur aus einem Zimmer mit Küchenzeile und einem winzigen Bad bestand. Er sah sich kurz um und drückte sie dann kurz entschlossen auf das Schlafsofa.

»Wie fühlen Sie sich?« Steffen setzte sich neben Isabella und sah sie besorgt an.

Sie hatte aufgehört zu zittern und erwiderte seinen Blick. Eine einzelne Träne rann aus ihrem Augenwinkel. Ein weiterer, furchtbarer Gedanke war ihr gekommen.

»Sie müssen mich für völlig hysterisch halten. Dabei bin ich normalerweise gar nicht so …«, begann sie. Gleichzeitig fiel ihr wieder der Abend bei den Nordens ein, ihre mangelnde Zurückhaltung, die Witze, die sie ganz gegen ihre sonstige, schüchterne Art erzählt hatte. »Ich schäme mich so sehr.«

Hilflos sah Steffen dabei zu, wie ihr die Tränen über die Wangen rannen. Die letzte weinende Frau, die er gesehen hatte, war seine Freundin gewesen. Unter Tränen hatte sie ihm gestanden, ihn mit seinem besten Freund betrogen zu haben, und schließlich hatte sich Steffen gezwungen gesehen, sie auch noch zu trösten, so sehr hatte sie geschluchzt und geweint. Nicht nur wegen dieser Erinnerung versetzte ihn dieser Anblick in ein entsetzliches Gefühl der Machtlosigkeit. Deshalb traf er schnell eine Entscheidung.

»Ich glaub, ich brauch jetzt einen Drink. Und Sie auch!«, befahl er in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Er stand auf und ging hinüber zur Küchenzeile. Dort öffnete er einen der Schränke, in dem er bei seinem Einzug eine halb geleerte Flasche Hochprozentiges entdeckt hatte. Mit zwei Gläsern und dem Schnaps kehrte er zurück zu Isabella.

»Hier, trinken Sie das! Das wird Ihnen guttun!« Er setzte sich wieder neben sie und schenkte zwei Gläser voll.

»Aber ich bin doch schon …«, wollte Isabella widersprechen.

Doch davon wollte Steffen nichts wissen.

»Nichts da! Irgendwie muss ich Sie ruhig stellen. Und was anderes fällt mir im Augenblick nicht ein.« Er prostete ihr zu und achtete peinlich genau darauf, dass Isabella ihr Glas in einem Zug leerte. Dann erst hob er seines an die Lippen. »Gar nicht schlecht, das Zeug!«, bemerkte er mit einem anerkennenden Blick auf die Flasche. »Da nehmen wir doch gleich noch einen, oder?« Ohne eine Antwort abzuwarten, schenkte er zuerst Isabella und dann sich nach.

Nachdem sie das Glas zum zweiten Mal geleert hatten, stellte Steffen zufrieden fest, dass seine Therapie erste Erfolge zeigte. Das Gesicht seines Gastes entspannte sich nach und nach, und Isabella streckte sogar die Hand aus, um ihr Glas noch einmal füllen zu lassen.

»Jetzt geht es mir schon viel besser«, nickte sie zufrieden nach dem dritten Schnaps. Entschieden stellte sie das Glas auf den Tisch. »Ich glaub, ich geh jetzt heim.« Sie machte Anstalten aufzustehen. Doch der Versuch misslang gründlich, und kichernd fiel sie zurück aufs Sofa und direkt in Steffens Arme.

Er hatte keine Ahnung, dass sie vorher schon getrunken hatte und ahnte auch jetzt nicht, dass Isabella – nicht gewöhnt an Alkohol und schon gar nicht an starken – vollkommen betrunken war. Völlig fasziniert stellte Steffen nur fest, dass sie ihre zwischenzeitliche Zurückhaltung vollkommen abgelegt hatte und sich vertrauensvoll an ihn schmiegte.

»Hmmm, das fühlt sich gut an«, raunte sie dicht an seinem Ohr und schlang die Arme um seinen Hals.