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Kommissar Franz-Josef Grillmayr und sein Assistent José Esparagio haben alle Hände voll zu tun. Eine Serie von Gewalttaten verbreitet Angst und Schrecken unter den Touristen auf Fuerteventura. Fieberhaft ermitteln Grillmayr und José, sind sich bei der Prioritätensetzung aber nicht immer einig. Zusätzlich wird ihre Arbeit durch andere, rätselhafte Vorkommnisse erschwert. Als endlich Hoffnung aufkeimt, der Pathologe Georg Sanchez könnte mittels DNA-Analysen Licht in das Dunkel bringen, gerät dieser wegen der teuren Geräte-Anschaffung selber unter Druck. Den Problemen mit seinem Vorgesetzten begegnet er dabei auf die ihm eigene Art und Weise. Josés Freundin Arantxa will unterdessen unbedingt Karriere bei einer Filmproduktion machen. Dabei ist ihr offensichtlich jedes Mittel recht und sie scheint nicht einmal die 'Besetzungs-Couch' zu scheuen. Ärger mit José ist programmiert.
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Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Das Buch
Kommissar Franz-Josef Grillmayr und sein Assistent José Esparagio haben alle Hände voll zu tun, denn eine Serie von Gewalttaten verbreitet Angst und Schrecken unter den Touristen auf Fuerteventura. Fieberhaft ermitteln Grillmayr und José, sind sich bei der Prioritätensetzung aber nicht immer einig. Als Hoffnung aufkeimt, der Pathologe Georg Sanchez könnte mittels DNA-Analysen Licht in das Dunkel bringen, gerät dieser wegen der teuren Geräte-Anschaffung selber unter Druck. José wird von dem Karriere-Fieber seiner Freundin Arantxa ebenso überrascht wie von der Nachricht, dass er versetzt werden soll.
Der Autor
Oliver Hamann lernte Fuerteventura im Jahr 2004 kennen und lieben. Der gebürtige Münchner hat auch für Fuerte-Krimi No 2, ›Eiskalter Sommerwind‹, wieder gemeinsam mit seiner schwedischen Frau auf der Insel recherchiert und sich dabei auch mit ›Eliza‹, einer Karettschildkröte in der Auffangstation für Meeresschildkröten in Morro Jable, angefreundet.
Oliver Hamann
Eiskalter Sommerwind
Fuerte-Krimi No 2
Copyright © 2019 Oliver Hamann
Billy-Wilder-Promenade 43, 14167 Berlin
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Lektorat: Désirée Reng, www.custo-verba.de
Umschlaggestaltung: Designerei an der Seeve
Art-Direktion: Nicola Dittmann
Umschlagabbildungen: Oliver Hamann
Abbildung ›Camino‹ mit freundlicher Genehmigung
von Lisbet Fernández Ramos, Fuerteventura
Buchsatz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering
Bestellung und Vertrieb:
Nova MD GmbH, Vachendorf
Druck:
Sowa Sp. z o.o.
ul. Raszynska 13
05-500 Piaseczno, Polska
ISBN 978-3-96610-341-1
Inhalt
Dienstag, 23. Juli
Mittwoch, 24. Juli
Donnerstag, 25. Juli
Freitag, 26. Juli
Dienstag, 23. Juli
Ein Schatten fiel unvermittelt auf den Kopf von Ansgar Hessler; abrupt wurde sein Dösen unterbrochen. Er hatte seine Liege extra in die Sonne an den Rand des geschwungenen Hotel-Pools geschoben, um Wärme und Licht zu tanken, und jetzt das. Blinzelnd suchte er nach dem Grund der Störung. Eine Frau stand neben seiner Liege und beschattete nicht nur seinen Kopf. Die noch tief stehende Morgensonne warf das Ganzkörperprofil der Frau bis weit in das glitzernde Wasser des Pools.
»Sie! Hallo, das ist meine Liege!«
Hessler hasste es, wenn er aus seinen Träumereien gerissen wurde. Er stellte sich schlafend, musterte aber zwischen leicht geöffneten Augenlidern die Person, die ihn so barsch angesprochen hatte. Dabei registrierte er weiße Socken an ihren Füßen, die in billigen, mit rotem Schlangenhautmuster versehenen Pantoffeln steckten. Darüber nahm er von Sonnenbrand gerötete Schienbeine wahr. Hesslers Nackenhaare sträubten sich. Sein Blick wanderte weiter nach oben und blieb an einem braunen Badeanzug mit großflächigem weißen Blumenmuster hängen. Eine der Blumen spannte sich über den sehr üppigen Busen der Frau und bekam dadurch das Aussehen eines aufgeblasenen Luftballons. Gänsehaut breitete sich bis zu Hesslers Rücken aus. Er verzichtete auf weitere Entdeckungen, drehte der Frau wortlos den Rücken zu und versuchte, sie zu ignorieren.
»Hören Sie mal, das ist meine Liege!«
»Die gehören allen hier, nicht nur Ihnen«, brummte er gereizt.
Mit dem Fuß trat die Frau jetzt mehrmals kräftig an das Gestell der Liege. Hessler drehte sich zu ihr. Wenn er etwas nicht ausstehen konnte, waren es rechthaberische Frauen.
»Ich hab die heute Früh mit meinem Handtuch reserviert. Deswegen bin ich extra um sechs Uhr aufgestanden, und jetzt liegen Sie da drauf. Entweder Sie verschwinden jetzt oder…«
»Oder was?«, fragte Hessler herausfordernd. Er stützte seinen Oberkörper auf die Unterarme. Mit stechendem Blick sah er die Kontrahentin streng an.
»Oder was?«, wiederholte er fordernd.
Die Frau starrte Hessler mit hochrotem Kopf an.
»Oder, oder … passen Sie nur auf. Ich kann auch ganzanders!«
Das Wort ›ganz‹ betonte sie drohend und zog es dabei in die Länge. Mit verächtlichem Blick pustete sie empört schnaubend Luft durch die Nase, drehte sich um und ging mit stampfenden Schritten davon. Hessler musterte die Frau von hinten. Er hatte Lust, ihr etwas Boshaftes hinterherzurufen. Aber es fiel ihm nichts ein, was ihm gemein genug erschien. Wieder einmal fehlte es ihm an Schlagfertigkeit und darüber ärgerte er sich. So blieb es nur bei dem Gedanken: Typisch deutsch.
Kopfschüttelnd legte er sich wieder hin, versuchte, das Erlebte abzustreifen und zurück in seinen Tagtraum-Modus zu finden. Schließlich war es sein erster Urlaub seit mehr als einem Jahr und den hatte er dringend nötig. Als Entwicklungs-Spezialist einer Software-Firma hatte er über 15 Monate ein umfangreiches Großprojekt geleitet und es endlich erfolgreich abgeschlossen. Vor zwei Tagen war die Übergabe an den Kunden erfolgt und nur drei Stunden später saß Hessler im Flugzeug nach Fuerteventura. Er hatte kein Handy dabei und hatte nicht einmal etwas zu Lesen mitgenommen. Er war mit der Idee auf die Insel gekommen, 14 Tage nichts, wirklich gar nichts, zu tun; einfach nur Wärme tanken und die salzige Luft schnuppern, denn das liebte er über alles. Er genoss die warmen Sonnenstrahlen, fühlte den kräftigen Wind auf seiner Haut, hörte das Wasser im Pool gluckern und spürte, wie ihn langsam die wohligen Schauer eines gedankenleeren Dämmerzustands überkamen.
Kommissar Grillmayr hatte unruhig geträumt. Als er endlich aus seinem chaotischen Traum aufwachte, war er erleichtert, dass die Wirklichkeit erfreulich anders aussah – er lag in den Armen seiner Freundin Inez. Eng aneinander geschmiegt lagen sie im Bett. Vorsichtig streckte er sich ein wenig, um Inez nicht zu wecken. Sie schien noch tief zu schlafen. Liebevoll betrachtete er sie, nahm ihre ebenmäßige Haut und die pechschwarzen Haare wahr. Er hätte eine Ewigkeit so liegen und sie anschauen können, wenn ihn nicht schon die Gedanken an seinen heutigen Arbeitstag in Unruhe versetzt hätten. Er musste ein Beurteilungsgespräch mit seinem Assistenten José führen. Grillmayr hatte sich lange um die Schaffung dieser Assistentenstelle bemüht, zunächst aber erfolglos. Als er die Hoffnung schon aufgegeben hatte, hatte man ihm überraschend José geschickt, der direkt von der Polizeischule aus Madrid kam. In den Augen des Kommissars hatte sich José schnell unentbehrlich gemacht, auch wenn die deutsche und die spanische Mentalität ein ums andere Mal aufeinander prallten. So sagte Grillmayer grundsätzlich Schoßé, statt Chosé, wobei die Begründung typisch für den geradlinigen Kommissar war:
»Dieses ständige ch, ch, ch. Da kriege ich jedes Mal ’nen Knoten im Hals, das ist mir zu verkrampft.«
Der erste gemeinsam gelöste Fall hatte gezeigt, dass die beiden gut harmonierten. José war zwar noch etwas unerfahren, hatte aber mit Geschick, Fleiß und Intuition erheblich zur Aufklärung des kniffeligen Gewirrs aus Habgier, Betrug, Korruption und Eifersucht beigetragen. Und nun das: Vor kurzem war ein Schreiben mit der Versetzungsanweisung für den Jung-Kommissar auf Grillmayrs Tisch gelandet.
Er seufzte laut und erschrak, als er merkte, dass Inez ihn aus ihren großen dunkelbraunen Augen ansah.
»Hast du Hunger oder Sorgen?«
»Ich wollte dich nicht wecken.«
»Hast du auch nicht, ich bin schon lange wach. Es ist die Sache mit José, stimmt’s?«
»Hm.«
Inez besaß ein untrügliches Gespür, wenn ihr Freund Probleme wälzte.
»Kannst du Gedanken lesen?«
»Gar nicht notwendig, Grillo, du bist wirklich wie ein offenes Buch.«
Der Kommissar hatte seinem Assistenten noch nicht eröffnet, um was es bei dem Gespräch gehen sollte. War er sonst für seine direkte Art bekannt, manchmal auch gefürchtet, tat er sich in diesem Fall wirklich schwer. José war ihm in der kurzen Zeit ans Herz gewachsen und er hatte nicht die geringste Ahnung, wie er die passenden Worte finden und erklären sollte, dass er seine Stelle auf Fuerteventura schon wieder verlassen musste.
»Ich mache uns jetzt erst einmal ein gutes Frühstück, dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Und – ich habe eine Überraschung für dich!«
Inez lächelte vergnügt. Sie wusste, dass ihr Freund Überraschungen über alles liebte.
»Bleib noch einen Moment liegen. Ich rufe dich, wenn es so weit ist.«
Obwohl er heute für ein ausgiebiges Frühstück eigentlich keinen Nerv hatte, nickte Grillmayr. Scheinbar hatte Inez Spätdienst und musste erst gegen Mittag nach Costa Calma in das Hotel Playa Baja, in dem sie als Chefin des Room-Service arbeitete. Sie verschwand nach unten in die Küche, während sich Grillmayr auf die Seite drehte. Durch die Balkontür sah er eine kräftig leuchtende Sonne, die noch ein wenig von Morgendunst umrahmt war. Wie fast immer hier auf der Insel würde in ein, zwei Stunden der Himmel strahlend blau leuchten. Wir könnten mal wieder einen ausgiebigen Tag am Strand einlegen, überlegte er. An Inez’ nächstem freien Tag würde er sich mit ihr in die Dünen von Costa Calma legen, im salzigen – für eine Erfrischung fast zu warmen – Wasser des Atlantiks baden, und mittags in das kleine Pizzalokal an der Calle Punta de los Molinillos gehen. Bei dem Gedanken daran spürte er ein Kribbeln, das ihm gute Laune machte. In der Küche hörte er Inez hantieren und es roch schon herrlich nach frischem Kaffee.
»Du kannst kommen, alles fertig!«
Grillmayr streckte sich ausgiebig und tapste dann zu der steilen Treppe, die in den unteren Teil der kleinen Wohnung führte. In der Küche angekommen, gab ihm Inez einen Kuss auf die Wange und zeigte auf den kleinen Tisch.
»Obstsalat!«
»Na, das ist ja ein toller Start in diesen Tag. Besser kann es nicht mehr werden.«
Grillmayr liebte frischen Obstsalat.
»Ich sagte ja, dass ich deine Welt anders aussehen lassen würde.«
Sie setzten sich und während Grillmayr anfing zu essen, erzählte ihm Inez in ihrer munteren Art von ihrem gestrigen Arbeitstag. Der Kommissar liebte es, ihr zuzuhören, wie sie in ihrem putzigen Deutsch-Spanisch-Gemisch so lebhaft erzählte, dass sein Gehirn mit dem Zusammenfügen bildhafter Vorstellungen gar nicht mehr nachkam. Und Inez hatte viele Geschichten erlebt, die nur das Leben und ihr Job schreiben konnten. Angefangen bei dem englischen Talkshow-Moderator, der sein Zimmer jeden Tag hinterließ, als hätte eine ganze Kompanie Orgien gefeiert, über den deutschen Rechtsanwalt, der seit 15 Jahren in das Hotel kam und nach seiner Ankunft immer drei Matratzen für sein Zimmer orderte. In kurzen Nickerchen probierte er jede Matratze, um dann zu entscheiden, welche ihm am angenehmsten schien. Oder der österreichische Arzt – Inez bekam bei dieser Geschichte immer einen Lachanfall – der seiner Frau zum Hochzeitstag 40 große Sonnenblumen ans Bett bestellt hatte. Für das Besorgen und die Schlepperei der Sonnenblumen sowie der riesigen Vase aufs Zimmer wollte er dem jungen Mann vom Room-Service großzügig 50 Cent Trinkgeld geben, was dieser höflich, aber bestimmt ablehnte.
Inez schmückte ihre Erzählungen so bunt aus, dass Grillmayr oft meinte, er wäre in einem Theaterstück. Dagegen kam er sich mit seinen trocken vorgetragenen Berichten seiner Fälle und Ermittlungen wie ein richtiger Langeweiler vor. Aber Inez hing ihm dabei immer an den Lippen und bewunderte ihren Frantsch, wie sie ihn nannte, maßlos.
In Ansgar Hesslers Traum drehte sich alles um eine wilde Party mit aufreizenden Frauen, die exaltiert lachten, durchgeknallte Geschichten erzählten und vor Vergnügen spitze Schreie ausstießen. Einerseits gefiel es Hessler, mitten unter den Schönen zu sein, andererseits ging ihm das Gekreische ziemlich auf die Nerven. Plötzlich schreckte er auf. Die Schreie waren nicht in seinem Traum, sondern real. Benommen versuchte er, seinen Blick zu fokussieren und ihn suchend seinem Gehör folgen zu lassen. Mit etwas Mühe lokalisierte er die Schreie in einem Zimmer im Hauptgebäude auf der anderen Seite des Pools. Eine Terrassentür stand dort offen und dahinter war eine junge blonde Frau offensichtlich in einen Kampf verwickelt. Mit den Fäusten schlug sie auf jemanden ein und schrie dabei.
Ehestreit, dachte Hessler und wollte sich gerade wieder hinlegen, als er aus den Augenwinkeln wahrnahm, dass die Frau zusammenfiel und kraftlos zu Boden sank. Hessler wusste nicht, ob das ein Albtraum oder Wirklichkeit war. Verstohlen schaute er sich um, um zu sehen, ob die anderen Gäste am Pool eine Reaktion zeigten. Aber scheinbar war er im Moment der einzige Mensch hier, der keine Kopfhörer aufhatte und sich von Musik berieseln ließ. Er blickte noch einmal zu dem Zimmer. Es war Ruhe, nur das Brummen der Umwälzpumpe und das Rauschen der Wasserdüsen im Pool waren zu hören. Hesslers Gedanken überschlugen sich. Er stand auf, es war ihm etwas schwindelig. Mit unsicheren Schritten ging er um den Pool herum in Richtung des Zimmers und überquerte den kleinen Grünstreifen vor der Terrasse. Mit klopfendem Herzen näherte er sich der Terrassentür. Zuerst nahm er die seltsam verdrehten Beine der Frau wahr. Sie lag auf dem Rücken, ihre Augen starrten leblos zur Decke. Er stürzte ins Zimmer und fing instinktiv an zu handeln. Während seines Zivildienstes war er als Rettungssanitäter im Notarztwagen gefahren und wusste, was zu tun war. Er kniete sich neben die Frau und suchte am Hals mit Daumen und Zeigefinger nach ihrem Puls. Eine innere Stimme sagte ihm, dass er kein Lebenszeichen mehr finden würde. Nichts! Die Frau war tot. Nach kurzem Zögern entschloss er sich, trotzdem Wiederbelebungsmaßnahmen zu starten und beugte sich über sie. Plötzlich fiel ein Schatten über ihn. Im nächsten Augenblick spürte er ein Knie in seinem Rücken und jemand drückte ihn mit voller Wucht auf den Boden, begleitet von lautem spanischen Geschrei. Hessler sah vor Schmerz nur noch Sterne. Er wollte sich wehren, aber der Angreifer hatte ihm einen Arm auf den Rücken gedreht und fixierte ihn so, dass er sich nicht mehr rühren konnte.
»Asesino, Asesino.«
»Mörder, Mörder!«, schrie der Mann, der über Hessler kniete. Dann rief er immer lauter werdend um Hilfe. Hessler versuchte, etwas zu sagen, aber er wurde so fest zu Boden gedrückt, dass er nur noch röchelnd nach Luft japsen konnte.
Endlich! Endlich hatte José sich durchgerungen. Nach langer Zeit ging er das erste Mal wieder Joggen. Seine Freundin Arantxa war ihm immer wieder in den Ohren gelegen, etwas für seine Gesundheit zu tun. Denn schließlich wollte sie gemeinsam mit ihm steinalt werden. Obwohl ihm die Entscheidung wie zähflüssiger Gummi im Kopf umher schwappte und es ihm vor der körperlichen Anstrengung grauste, hatte er sich nach mehreren Wochen Bedenkzeit endlich dazu entschlossen, heute mit der Umsetzung anzufangen. Aus einem Umzugskarton hatte er die Sportschuhe aus seiner Zeit bei der Polizeischule herausgefischt, eine Shorts und ein altes T-Shirt angezogen und sich auf den Weg gemacht. An seinem Smartphone hatte er den Stoppuhr-Modus gewählt und er begann, locker loszulaufen. Nach einigen hundert Metern ging er in Gedanken eine Checkliste durch.
Atmung – ist regelmäßig!
Füße ok – keine Schmerzen!
Knie ok – keine Schmerzen!
Oberschenkel – na ja – schon ein leichtes Ziehen!
Alles in allem war er zufrieden, wie problemlos sein Körper die ungewohnte Belastung nach so langer Pause mitmachte. José hatte im Internet eine kostenfreie Website für die Erstellung eines Trainingsplans gefunden und sich am Computer ein Lauf-Programm zusammengestellt. Innerhalb von zwei Monaten wollte er sich von zwei auf acht Kilometer Distanz steigern und dann daran arbeiten, die Zeit pro Kilometer auf fünf Minuten herunterzuschrauben. Für dieses ambitionierte Ziel musste er zwar jeden zweiten Tag trainieren, aber das würde er schon hinbekommen. Er lief am Oasis Park von La Lajita vorbei und bog dann links ab, Richtung Küste. Sein Blick schweifte über den breiten Sandstrand und das blau leuchtende Meer, als sein Handy läutete.
»Mist, ausgerechnet jetzt«, fluchte er laut.
Mit dem T-Shirt wischte er sich den Schweiß von Stirn und Wangen, bevor er schwer atmend das Gespräch annahm. Es war Estragon Salazar, der Reviervorstand.
»Junge, du schnaufst ja wie eine Dampflok.«
Obwohl Salazar José bei seinem ersten Fall auf Fuerteventura mehr oder weniger das Leben gerettet hatte, waren sich die beiden immer noch nicht ganz grün. José war zwar direkt Kommissar Grillmayr unterstellt, aber da der Reviervorstand meinte, dass José die Stelle nur auf Grund von Beziehungen bekommen hätte, setzte sich Salazar bewusst immer wieder über die Hierarchie hinweg. Er ließ José spüren, dass er sich bei ihm beweisen musste und so kommandierte er ihn oft herum. José ließ sich das nicht gefallen und so gab es öfters Spannungen zwischen den beiden.
»Was ist?«, forderte er Salazar knapp auf.
»Wo bist du eigentlich? Ich hoffe ich störe nicht bei sexuellen Handlungen?«
José hatte gute Lust, sofort wieder aufzulegen.
»Estragon, ich bin beim Joggen! Sag schon, was ist los.«
»Na dann, nimm mal die Beine unter die Arme und renn ins Hotel Arosa. Da gibt es eine Tote. Und vergiss deine Handschellen nicht. Den Täter haben wir schon!«
José pustete immer noch schwer.
»Eine Tote? Und ihr habt den Täter schon?«
»Jaja, aber das ist ein Tedesco, den solltet lieber ihr grillen, du und dein Chef. Verstehst du, Grillmayr … grillen.«
Aus dem Hörer kam dröhnendes Lachen. José legte einfach auf, drehte um und lief zurück zu seiner Wohnung. Er verzichtete darauf zu duschen, zog lediglich ein frisches Polohemd und andere Schuhe an, schwang sich auf sein Moped und machte sich auf den Weg zum Hotel Arosa. Der Fahrtwind würde den Schweiß schon trocknen. Am Hotel angekommen schien auf den ersten Blick alles normal zu sein. Kaum war er aber in der Lobby, lag eine fast greifbare Spannung in der Luft. José ging zur Rezeption, an der zwei Empfangsdamen hektisch telefonierten. Kaum hatte eine der Rezeptionistinnen den Hörer aufgelegt, klingelte das Telefon erneut. Eine der Frauen wandte sich José zu und ließ es einfach läuten.
»Was kann ich für Sie tun?«
»Ganz schön was los hier.«
»Bedauern können Sie mich später, ich habe keine Zeit für Small Talk, also, worum geht es?«
José schluckte kurz.
»José Esparagio, Mordkommission.«
»Na endlich! Wurde ja auch langsam Zeit, dass Sie kommen. Hier ist die Hölle los! Die Gäste rufen am laufenden Band an, viele wollen abreisen, sie fühlen sich nicht mehr sicher. Nur Sie können jetzt noch helfen, damit die Gäste sehen, dass wir etwas unternehmen.«
José bezweifelte, dass er zu einer schnellen Änderung der Situation beitragen würde, aber das sagte er ihr nicht. Siedend heiß fiel ihm ein, dass er seinen Chef informieren musste, bevor er sich zum Tatort begeben konnte. In der Hektik, schnell wieder nach Hause zu laufen und dann ins Hotel zu fahren, hatte er das im wahrsten Sinne des Wortes verschwitzt. Verärgert stellte er fest, dass er zu allem Überfluss auch noch sein Handy zu Hause vergessen hatte. Er bat die Empfangsdame, telefonieren zu dürfen. Sie schickte ihn in eine kleine Telefonkabine hinter der Rezeption. José wählte; es läutete lange. Gerade als er auflegen wollte, nahm der Kommissar endlich ab.
»Hallo Chef, José hier.«
»Schoßé, guten Morgen. Die Nummer kenne ich gar nicht. Wo bist du denn?«
»Im Hotel Arosa Chef, waren Sie da schon mal? Egal, Sie werden es jedenfalls gleich kennenlernen, hier gibt es nämlich eine Tote. Und angeblich ist der Täter schon gestellt!«
Grillmayr verschluckte sich an einem Stück Ananas, das Inez ihm gerade in den Mund geschoben hatte. Explosionsartig hustete er in den Hörer, so dass José vor Schreck auflegte. Nachdem er sich kurz gesammelt hatte, wählte er die Nummer erneut. Diesmal meldete sich Inez. Im Hintergrund hörte er den Kommissar immer noch schwer husten.
»Hola Inez! Sag ihm bitte, dass ich schon mal mit der Arbeit anfange und am Tatort auf ihn warte. Und vielleicht solltest du ihn an den Beinen nehmen und kopfüber hängen lassen, das hilft meistens.«
»Keine Sorge, er scheint das schon selber hinzubekommen. Seine Gesichtsfarbe wird jedenfalls langsam wieder normal«, lachte Inez.
José suchte sich durch die verschlungenen Gänge der Hotelanlage. Als er das Zimmer betrat, fiel sein Blick als erstes auf die offen stehende Terrassentür. Das Opfer lag direkt davor. Links davon stand eine Couch, in der ein Mittvierziger in Handschellen saß und daneben ein verschwitzter Streifen-Polizist, der sich mit seiner Dienstmütze Luft zufächelte. Gegenüber, auf zwei Stühlen, saßen zwei Männer in Arbeitskleidung, die den Mann in Handschellen feindselig taxierten. Von dem uniformierten Kollegen ließ sich José die Faktenlage erklären. Dann wandte er sich an Hessler, der erleichtert reagierte.
»Gott sei Dank! Endlich jemand, der Deutsch spricht! Ich habe es schon auf Englisch versucht, aber entweder wollen oder können die nicht.«
José reagierte kühl.
»Und wie ist Ihr Name?«
»Ich bin unschuldig, Herr Kommissar. Können Sie mir nicht erst einmal die Handschellen abnehmen?«
Hessler wollte aufstehen, aber der Polizist zog ihn wieder zurück in die Couch.
»So funktioniert das nicht. Sie sind des Mordes verdächtig und ich bestimme, was hier wann passiert! Also, Ihr Name?«
Erstaunt sah Hessler José an.
»Ich bin wirklich unschuldig.«
»Ihr Name!«
»Na gut, ich heiße Ansgar Hessler.«
José drehte sich um und biss die Zähne zusammen. Er musste lachen.
»Machen Sie mir jetzt die Handschellen ab?«
José atmete tief ein und drehte sich wieder zu Hessler.
»Wir warten erst einmal auf Kommissar Grillmayr. Ich bin sein Assistent, José Esparagio, und wenn mein Chef hier ist, werden wir uns in aller Ruhe mit Ihnen beschäftigen. Aber zuerst werde ich einige Zeugen befragen, …«
Hessler unterbrach ihn.
»Señor Esparagio, ich wollte nur helfen, wirklich. Als ich ins Zimmer kam, hatte die Frau keinen Puls mehr und gerade als ich Beatmungsmaßnahmen einleiten wollte, kam er hier«, Hessler deutete auf einen der Männer gegenüber, »und hat mich durch körperliche Gewalt davon abgehalten.«
Kommissar Grillmayr hatte sich einigermaßen von seinem Hustenanfall erholt. Nachdem er sich angezogen hatte, fuhr er die wenigen Meter von Inez’ kleinem Häuschen, das neben dem Café Berlin in der Calle Sicasombre in Costa Calma lag, zum Hotel Arosa. An der Rezeption läuteten immer noch ununterbrochen die Telefone, aber inzwischen nahmen die Empfangsdamen nicht mehr ab.
Der Kommissar ließ in dem Zimmer anrufen und José in die Lobby beordern. Während er auf seinen Assistenten wartete, ging er an die Panoramascheibe der Lobby und schaute über die Hotel-Anlage. Etwa 200 Meter weiter, am Ende der Bungalow-Anlage, begann ein kleines Dünenfeld, hinter dem der Strand lag. Es war gerade Ebbe und der breite feuchte Sandstreifen, den die Flut hinterlassen hatte, lag gleißend in der Sonne. Grillmayr freute sich, dass er so privilegiert war, dauerhaft hier zu leben und die Mainmetropole Frankfurt mit Fuerteventura als Arbeits- und Lebensmittelpunkt hatte tauschen können. Dass das ein besonderer Glücksfall war, dem er im Übrigen kräftig nachgeholfen hatte, war ihm bewusst. Allerdings plagte ihn gelegentlich Heimweh nach seiner Heimatstadt München. Dann vermisste er seine Freunde, die Berge und vor allem die richtig guten Brezen.
Grillmayr drehte sich um und stand unvermittelt einem jungen Mann in ausgebleichten Shorts und ungebügeltem Polohemd gegenüber.
»Guten Morgen, Chef.«
Erstaunt nahm der Kommissar zur Kenntnis, dass es sich bei dem scheinbaren Urlauber um seinen Assistenten José handelte.
»Was ist das denn für eine seltsame Dienstkleidung?«
»Oh Entschuldigung, Chef, aber ich war gerade beim Sport, als Salazar anrief.«
»Soso, Sport. Das sind ja ganz neue Töne!«
José war sein Outfit sichtlich peinlich. Schnell wechselte er das Thema und leitete zu der Toten und dem Verdächtigen über.
»Also, wir müssen in’s Zimmer 1361, dort ist die Tote. Es handelt sich um Nelly van der Saar, eine Holljanderin, die hier als Zimmermädchen arbeitet, also arbeitete.«
»Holländerin.«
»Wie bitte?«
»Holländerin, Schoßé, es heißt Holländerin.«
»Ah ja, ok. Und der Verdächtige ist ein Deutscher. Er wohnt im Bungalow 1255 und heißt …«
José fing an zu lachen.
»Das glauben Sie jetzt nicht, wie der heißt! Hihi, also sein Name …«
José versuchte, sich zusammenzureißen, um nicht vollends loszuprusten.
»Also der arme Mann, heißt Gansgar!«
Grillmayr zog die Stirn in krause Falten und schaute José tadelnd an.
Im Krankenhaus von Morro Jable, im Süden der Insel, arbeitete der Pathologe Georg Sanchez gerade an einigen Gewebeproben. Gut gelaunt summte er das Lied ›I Love my Life‹ von Robbie Williams mit. Den Video-Clip zu diesem Song hatte sich Georg auf YouTube bestimmt hundertmal angesehen. Er war zwar kein Internet-Freak, aber er hatte ein Faible für exzentrische Künstler. Und dass dieser flippige Engländer aus dem Rahmen fiel, machte Georg einfach Spaß. Sein größtes Idol aber war der früh verstorbene Sänger der Rock-Gruppe Queen, Freddie Mercury. Zu gerne hätte er einmal einen Live-Auftritt des gebürtigen Kubaners miterlebt. Aber ein Konzertbesuch lag außerhalb jeglicher finanzieller Möglichkeiten für den jungen Georg, der als Sohn eines Aushilfsarbeiters in Gelsenkirchen aufgewachsen war. Deswegen war er nahezu high, als er von seinem Freund Franz-Josef Grillmayr erfuhr, dass Mercury zu Lebzeiten im Münchner Gärtnerplatz-Viertel in einer Kneipe verkehrt hatte, in der auch Grillmayr während seiner Münchner Kripo-Zeit ab und zu gewesen war. So fühlte sich Georg seinem Idol wenigstens ein klein wenig nah. Gerade schob er die nächste Gewebeprobe unter das Mikroskop, als sein Telefon läutete. Er wartete einen Augenblick bevor er abhob.
»Pathologie, einen Moment bitte.«
Georg legte den Hörer neben das Telefon, räumte geschäftig und laut raschelnd Papiere von links nach rechts, öffnete und schloss geräuschvoll die Schreibtischschublade, bevor er den Hörer wieder in die Hand nahm.
»Sanchez, wer spricht bitte?«
»Lass den Schmarrn, Schorsch!«, kam es vom anderen Ende.
»Hallo Grillo! Was heißt hier Schmarrn, ich bin heute total im Stress.«
»Schon gut, Georg. Es ist mir klar, dass du nach dem letzten Fall ein paar Star-Allüren entwickeln musstest. Aber findest du nicht, dass du es mit der Wichtigtuerei etwas übertreibst?«
»Grillo! Ich könnte dir jetzt erzählen, wie weit du ohne meine Hilfe letztes Mal gekommen wärst. Nämlich höchstens von deiner Wohnungstür bis zur nächsten Mülltonne. Aber ich lasse das, denn ich gehe davon aus, dass irgendwann die Vernunft wieder Besitz von dir ergreifen wird.«
»Hat sie schon, Georg, sei beruhigt, hat sie schon. Du musst bitte kommen – in’s Hotel Arosa. Ich brauche deine Expertise, wieder einmal.«
»Was ist das denn für ein Schuppen? Kenne ich gar nicht.«
Knapp eine Stunde später lernte Georg Sanchez das Hotel Arosa kennen. Grillmayr wartete schon ungeduldig auf ihn. Hessler war inzwischen von dem Streifenpolizisten in die Polizeistation nach Antigua gebracht worden. Auf die Spurensicherung mussten sie verzichten, da von der auf Gran Canaria sitzenden Abteilung niemand abkömmlich war. Also waren nicht nur Georgs medizinische Fähigkeiten, sondern auch die Beobachtungsgabe aller gefragt. José hatte sich schnell festgelegt. Er war überzeugt, mit Hessler den Täter bereits zu haben. Grillmayr dagegen fand die Gelassenheit des Deutschen bemerkenswert und war skeptisch, ob die Sachlage wirklich so eindeutig war. Unschuldsbeteuerungen kannte der Kommissar zur Genüge. Aber dass ein Mörder so stoisch und gefasst war, hatte er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt. Es würde noch viel Arbeit benötigen, Hessler zu überführen.
»Servus Georg, was macht die Kunst?«
»Herr Kommissar.«
Georg tippte zum Gruß kurz mit zwei Fingern an seine Schläfe und ging schnurstracks in Richtung Terrassentür.
»Danke für die herzliche Begrüßung«, brummte Grillmayr.
»Sie ist tot, das kann ich mit Sicherheit sagen. Wann wurde sie gefunden?«
»Um 10:20 Uhr.«
»Ich denke, der Todeszeitpunkt war 10:15 Uhr!«
»Georg!«
»Guten Morgen Grillo. Ach, es ist doch schön, wenn ich dich mit kleinen Albereien so einfach hochnehmen kann«, lachte der Pathologe.
Die beiden umarmten sich herzlich und der Kommissar klopfte seinem Freund dabei kräftig auf die Schulter.
»Ach ja Grillo, was ich noch sagen wollte: Schalke hat gewonnen!«
»Ja, hab’s gehört. Das haben sie dem Deutschen zu verdanken!«
»Äh, welchem Deutschen? Die haben ja fast nur noch Ausländer im Kader.«
»Na, dem Tedesco halt.«
Grillmayr schaute Georg prüfend an, um zu sehen, ob der seinen Wortwitz verstanden hatte.
»Ach, du meinst den Trainer, Domenico Tedesco, diese Nudel-Spätzle-Mischung. In Italien geboren und im Schwabenländle groß geworden. Spricht aber auch ein sehr gutes Spanisch. Vielleicht sollten sich deine Löwen mal nach so einem Trainer-Talent umsehen.«
»Meine Löwen«, sagte Grillmayr nachdenklich.
»Die hatten ja einen Lauf, haben jeden Gegner weggeputzt«, insistierte Georg weiter.
»Aber leider, leider eben nur in der Regionalliga! Da spielen so weltbekannte Clubs wie Garching, Unterföhring und …«, Georg machte eine Pause und prustete dann los: »Pipinsried.«
Er kam aus seinem meckernden Lachen gar nicht mehr heraus. Als er sich endlich gefangen hatte, war Grillmayr verschwunden. Verwundert sah sich Georg um, zuckte mit den Schultern und wandte sich der Toten zu.
José war ärgerlich. Seit zweieinhalb Stunden saß er nun schon mit Hessler im Verhör und war keinen Schritt weitergekommen.
»Die Zeugenaussage kann eindeutiger nicht sein, Herr Hessler. Sie wurden auf frischer Tat ertappt, als Sie über der Frau knieten und sie erdrosselt haben. Geben Sie es doch endlich zu, dann können wir uns beide noch einen schönen Nachmittag machen. Naja, ich schon, Sie nicht!«
»Herr Kommissar, zum tausendsten Mal. Ich bin zu der Terrasse gelaufen, weil ich Schreie gehört und gesehen habe, wie die Frau im Kampf zu Boden ging. Als ich dann bei ihr war, war sie schon tot.«
»Soso, Sie bringen also den großen Unbekannten ins Spiel. Wie soll der denn bitte ausgesehen haben?«
»Das kann ich nicht sagen. Vielleicht war es ein Spanier, oder so, was weiß denn ich.«
»Na hervorragend, da müssen Sie schon etwas genauer werden.«
Hessler winkte genervt ab.
»Holen Sie Ihren Chef, ich rede nur noch mit dem.«
»In Ordnung«, sagte José knapp und verließ den Raum, nicht ohne vorher die Klimaanlage ausgeschaltet zu haben. Wie hatte der Reviervorstand doch gesagt: ›grillen‹? Und José dachte im Traum nicht daran, seinen Chef anzurufen und ihm zu sagen, dass der Verdächtige nach ihm verlangt hatte. Er ging zu seinem Schreibtisch, nahm sein Smartphone und schrieb eine Nachricht an seine Freundin Arantxa.
›Heute 1,8 km geschafft, dann Mordfall. Morgen neuer Versuch. Kuss José.‹
Grillmayr war mit dem Dienstwagen auf dem Weg ins Büro. Während er über die kurvige Landstraße nach Antigua fuhr, ließ er Georgs Ergebnisse Revue passieren. Das Zimmermädchen wies mehrere Hämatome an den Armen und an einer Wange auf. Der Täter hatte wohl kräftig hingelangt und zugeschlagen. Am Hals zeichneten sich deutliche Würgemale ab. Georg vermutete, dass das den Tod verursacht hatte. Sonst hatte er nichts Auffälliges feststellen können und Näheres könnte er sowieso erst nach der Obduktion sagen. Der Kommissar hatte anschließend den Hotelangestellten, der Hessler von der Frau weggezogen und festgehalten hatte, befragt. Es war der Gärtner der Hotelanlage, ein Mittfünfziger, wie der Kommissar schätzte, mit einer dunklen, fast lederartigen Haut im Gesicht und an den Armen. Er hatte dem Kommissar die Situation beschrieben, als er zu Hilfe kam.
