Elementare Christologie - Heinrich Assel - E-Book

Elementare Christologie E-Book

Heinrich Assel

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Beschreibung

Die Wirklichkeit und Wahrheit Jesu

Was heißt: Sich im Namen Jesus Christus orientieren? Die Praxis der Versöhnung heute eröffnet den Zugang zu Jesus Christus als Versöhner. Heinrich Assel entfaltet Versöhnung und Neuschöpfung in drei Horizonten: Jesu Tod als Ereignis der Liebe Gottes - Jesu Kreuz als Versöhnung der Welt und der Menschheit - Jesu Auferweckung und Auferstehung als verborgenes Leben der neuen Schöpfung.
Versöhnung und neue Schöpfung orientiert als Lehrbuch elementar und provoziert als innovativer Entwurf – gegenwartsbezogen und religionsdialogisch.

  • Heinrich Assels Lehrbuch der Christologie
  • Umfassend, weit, aktuell
  • Elementare Wahrheiten modern formuliert

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Heinrich Assel

Elementare Christologie

Erster Band:

Versöhnung und neue Schöpfung

Zweiter Band:

Der gegenwärtig erinnerte Jesus

Dritter Band:

Inkarnation des Menschen und Menschwerdung Gottes

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar.

Copyright © 2020 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

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Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

Umschlaggestaltung unter Verwendung eines Faksimiles aus dem Briefwechsel Friedrich, Caspar David (1774-1840) Seidler, Louise Caroline Sophie (1786-1866), ULB Bonn, hier: Archivnummer 14: »Friedrich an Seidler, Dresden 9. Mai 1815.« Signatur: Autograph Nr. 14, http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/urn/urn:nbn:de:hbz:5:1-59121 / http://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/urn/urn:nbn:de:hbz:5:1-59116

ISBN 978-3-641-12612-4V001

www.gtvh.de

Inhaltsübersicht Erster, zweiter und dritter Band

Einführung

§ 1 Was heißt: Sich im Namen ›Jesus Christus‹ orientieren?

Erster Band: Versöhnung und neue Schöpfung

1. Kapitel: Die Lehre von Versöhnung und Neuschöpfung Dimensionen und Grundentscheidungen

§ 2 Versöhnung und Aussöhnung heuteDas Beispiel Polen und Deutsche

§ 3 Dimensionen moderner Versöhnungslehre

§ 4 Versöhnung als Symbol: Zweiter Korinther 5

§ 5 Grundentscheidungen: Kreuz und Auferweckung Jesu

2. Kapitel: Jesu Tod als Ereignis der Liebe Gottes

§ 6 Opfer – Sühne – Gabe? Symbolik und Dialektik des Todes Jesu

§ 7 Theologia crucis und theologia trinitatis

§ 8 Gebet als Gabe und Gabe als Gebet: Johannes 17

3. Kapitel: Jesu Kreuz im Horizont von OsternVersöhnung der Welt und der Menschheit

§ 9 Jesu Leben und Tod als versöhnende Stellvertretung?

§ 10 Peccatum magnificatum, peccatum metaphoricum, malum horrendumLehnsätze über Sünde und Böses

§ 11 Gabe der Versöhnung – Freiheit von der Todesmacht: Römer 4 und 5

§ 12 Gabe des Todes – Preis der Verantwortung

4. Kapitel: Auferweckung und Auferstehung Jesu im Horizont des KreuzesDas verborgene Leben und die neue Schöpfung

§ 13 Das Urteil des VatersRechtfertigung des Schöpfers und Schöpfungsfriede

§ 14 Der neue MenschVerborgenes Leben und schwache Macht Christi

§ 15 Der imaginäre Leib Kirche kraft des Geistes und Welt-Herrschaft Gottes

Zweiter Band: Der gegenwärtig erinnerte Jesus

5. Kapitel: Unterwegs zur christologischen Frage nach dem irdischen Jesus

§ 16 »Wer sagt ihr, dass ich sei?« Kategorien der Frage nach dem irdischen Jesus

§ 17 Christologie als Implikat von Erzählstruktur und Textwirkung

6. Kapitel: Namen, Beinamen und Titel: Jesus – Christus

§ 18 Metaphorische Beinamen Jesu

§ 19 Jesus als Christus – Kritik und Funktion des Messianischen

7. Kapitel: Der Anfang des Evangeliums: Wort – Kraft – Leib Jesu

§ 20 Ankunft von Gottes Reich und Verkehrung der Welt

§ 21 Erwählung, Taufe, Versuchung Jesu – Geistbegabung und Menschwerdung

8. Kapitel: Gleichnisse und Bergpredigt

§ 22 Gleichnisse Jesu – Parabeln des Reiches, Sprache der Liebe

§ 23 Der irdische Jesus in Gleichnissen – Beispiele christologischer Interpretation

§ 24 Das konkrete Gebieten des irdischen Jesus – Christologisch erlernte Urteilskraft

§ 25 Der Lehrer der besseren Gerechtigkeit – Beispiel und Bild Jesu

9. Kapitel: Gebet und Mahl

§ 26 Das Vaterunser – Das Gebet, das Jesus lehrt

§ 27 Mahl Jesu, Danksagung an den Vater, Institution des Geistes

10. Kapitel: Das Bild des Menschen – Menschwerdung Gottes?

§ 28 Das Bild Jesu als Bild des Armen

Dritter Band:Inkarnation des Menschen und Menschwerdung Gottes

11. Kapitel: Die Lehre von Inkarnation und MenschwerdungDimensionen und Grundentscheidungen

§ 29 Dogma, Kerygma, BildProbleme und Modelle ökumenischer Inkarnationsdiskurse

§ 30 Gott und Mensch jenseits des SeinsDer vor-chalcedonensische Inkarnationsdiskurs

§ 31 Die gott-menschliche Person Jesu und ihre ExistenzDer nach-chalcedonensische Inkarnationsdiskurs

§ 32 ›Gott ist Mensch‹ Reformatorische Inkarnationsdiskurse

§ 33 Moderne Inkarnationschristologien angesichts christlicher Skepsis

12. Kapitel: Inkarnation des Menschen und Menschwerdung Gottes

§ 34 Fleisch wird Wort – Wort ward FleischInkarnation im Gespräch mit jüdisch-philosophischer Skepsis

§ 35 Logos und Schöpfung Sprachskepsis und Sprachgewissheit

§ 36 Anders gesagt: Der Prolog als Zeuge der Inkarnation

Dank

Literatur

Register

Namen

Bibelstellen

Begriffe

Heinrich Assel

1

ELEMENTARE CHRISTOLOGIE

Erster Band: Versöhnung und neue Schöpfung

Inhalt Erster Band

Einführung

§ 1 Was heißt: Sich im Namen ›Jesus Christus‹ orientieren?

1. Der Name ›Jesus Christus‹ als Anfang – Elementare Orientierung

2. Gemeinplätze von Christologie

3. Themaregel und Themabezug von Christologie

4. Themaregel und Vorbegriff der Christologie – Ein Vorschlag

5. Orientierungshermeneutik der Bibel als Evangelium: Das Elementare (1)

6. Orientierungshermeneutik der Bibel als Zeugnis: Das Elementare (2)

7. Wirksame Abwesenheit Jesu: Christologie-Skepsis und ihre Typen

Erster Band: Versöhnung und neue Schöpfung

1. Kapitel: Die Lehre von Versöhnung und Neuschöpfung Dimensionen und Grundentscheidungen

§ 2 Versöhnung und Aussöhnung heuteDas Beispiel Polen und Deutsche

1. Drei Dimensionen der Versöhnung

2. Universalität der Versöhnung und Ökumene westlicher Versöhnungslehren

3. Die Lehre von Versöhnung und ihre Unterscheidungskraft

4. Ideologiekritik und Utopiekritik

5. Interessierte Erkenntnis und Gemeinplatz

§ 3 Dimensionen moderner Versöhnungslehre

1. Versöhnung und Neuschöpfung – Umriss in Thesen

2. Moderne Versöhnungslehren und Symbolik des Todes Jesu

3. Konnotationen von ›Versöhnung‹ und Dimensionen der ›Versöhnerlehre‹

4. Doktrinale Dimension

4.1 Symbolik, Semiotik, Lehre

4.2 Vier Ausgangsalternativen der Architektonik

4.3 Zweifaches oder dreifaches Versöhneramt?

5. Religionshermeneutische und ideologiekritische Dimensionen

§ 4 Versöhnung als Symbol: Zweiter Korinther 5

1. Die Struktur des Textes und das Kriterium seiner Interpretation

2. Gott war in Christus – Gerechtigkeit Gottes

3. ›Christus factus est peccatum metaphorice‹ – Symbolische Dynamik

4. ›Welt‹ in der Versöhnung – Wort und Dienst der Versöhnung

5. Bitte an Christi statt

§ 5 Grundentscheidungen: Kreuz und Auferweckung Jesu

1. Konstitutionsgeschichte der Identität Jesu: Kategorien

2. Metaphorik des Zeugnisses, Realität der Auferweckung als Handeln und Ereignis Gottes

3. Rechtsfrage und Sinnfrage – Das Rätsel und Geheimnis des Todes Jesu

3.1 Kreuz und Auferweckung als Gefüge von Aufgaben

3.2 Der Realitätsanspruch des Auferweckungszeugnisses

2. Kapitel: Jesu Tod als Ereignis der Liebe Gottes

§ 6 Opfer – Sühne – Gabe?Symbolik und Dialektik des Todes Jesu

1. Symbolik des Todes Jesu

2. Symbole des Todes Jesu und Sinn-Inversion

2.1 Symbolik A: ›Opfer‹ und Sühne

2.2 Symbolik B: Gabe

3. Symbole des Alten Testaments als Horizont

4. Prägnanz und Dialektik: Proto-Theologie des Kreuzes

5. Medialität und Gebet: Selbst-Opfer im Geist

§ 7 Theologia crucis und theologia trinitatis

1. Jesu Selbsthingabe als ›Sohn‹ und Gottes Versöhnung (M. Kähler)

2. Zwischenbetrachtung: »Als Sünde sich restlos in Schuld verwandelte, ging etwas verloren« (J. Habermas)

2.1 Gerechtigkeit Gottes als Weltordnung: Strafleiden Jesu?

2.2 Gottes Strafe? Seitenblick auf Straftheorien

3. Tod des Sohnes und Ereignis der Liebe Gottes (H.-G. Geyer)

3.1 Theologia crucis als Kapitel und Kompendium der theologia trinitatis

3.2 ›Einziggeboren‹ und ›Erstgeboren‹: Gott als Ereignis der Liebe

3.3 Hingabe und Stellvertretung: Jesu Tod als Risiko Gottes

3.4 Jesu Tod als Gabe der Versöhnung

§ 8 Gebet als Gabe und Gabe als Gebet: Johannes 17

1. Gebet und Gabe: Kritik des Hohepriesterlichen

2. Textsemiotische Signale: Text und Schwelle

3. Christologische Interpretation

3.1 Bitte um Verherrlichung und Offenbarung des Namens (Joh 17,1-8)

3.2 Imaginäre Herrlichkeit Jesu: Wort und Bild (Joh 17,24)

3.3 Selbst-Gabe: Bitte um Bewahrung der Jünger (Joh 17,9-19)

3.4 Fürbitte um Einheit (Joh 17,20-25)

3.5 Göttlicher Name als Spur

4. Text und Diskurs: theologia crucisundtheologia trinitatis

3. Kapitel: Jesu Kreuz im Horizont von OsternVersöhnung der Welt und der Menschheit

§ 9 Jesu Leben und Tod als versöhnende Stellvertretung?

1. Versöhnung als Stellvertretung – Perspektiven einer Problemgeschichte

2. Herrschaftsbezogene Stellvertretungen und originäre Stellvertretung

3. Stellvertretung schrifthermeneutisch: Der Gottesknecht

4. Originäre Stellvertretung und Inkarnation

4.1 Hermeneutik des leiblich-geschichtlichen Daseins des Ebed JHWH

4.2 Nähe und Verantwortung: Das nahe Gebot

4.3 Verantwortung und Verfolgung: Leibbürgschaft

4.4 Leiden am Leiden: Spur des Mitleidens Gottes

5. ›Abraham‹ und ›Christus‹ als Orte von Kappara und Versöhnung: Diskursüberschreitung und verunmöglichte Identitäten

6. Soterologische und religionsphilosophische Fallbeispiele

6.1 Christi Tod als freiwilliges Strafexempel? (H. Grotius)

6.2 Zwischen satisfatio vicaria und intercessio Christi (J. Gerhard)

6.3 Spannung zwischen Symbol und Begriff: ›Stellvertretung‹ (S.J. Baumgarten)

6.4 Stellvertretung in der Kritik: Intersubjektivität und Alterität (I. Kant)

6.5 Stellvertretung, Kirche und Reich Gottes (J.H. Tieftrunk, A. Ritschl)

6.6 Die emanzipatorische Kraft stellvertretenden Leidens (M.L. King Jr.)

§ 10 Peccatum magnificatum, peccatum metaphoricum, malum horrendum – Lehnsätze über Sünde und Böses

1. Erkenntnis und Bekenntnis der Sünde

2. Erkenntnis des Bösen als Sünde ›vor Gott‹?

2.1 Symbolik des Bösen und Dialektik des ›unfreien Willens‹

2.2 Ärgernis und Lüge – Erkenntnis der Sünde durch das Gesetz

2.3 Ohnmacht des Gesetzes, List des Evangeliums: peccatum metaphoricum

3. Peccatum radicale?

4. Malum horrendum – Sünde und Nichtiges

§ 11Gabe der Versöhnung – Freiheit von der Todesmacht:Römer 4 und 5

1. Christus und Adam: Voranzeige

2. Zeitlichkeit der Versöhnung: Originäre und herrschaftsbezogene Stellvertretung

3. Leitthesen zum Argument Röm 4,1-5,21 und seinen Prämissen

4. Zeitdimensionen der Versöhnung: Schöpfung und Neuschöpfung

5. Dimensionierte Zeit oder Zeitekstasen der Versöhnung

6. Gabe der Liebe, Ankunft des Geistes, kontrafaktisches Rühmen

7. Gabe des Todes befreit von Todesmacht

8. Zeitekstasen geschichtlicher, apokalyptischer, messianischer Versöhnung?

§ 12 Gabe des Todes: Preis der Verantwortung

1. Mythische, proto-geschichtliche und geschichtliche Verantwortung

2. Die Struktur der Gabe als Gebung

2.1 Zeitekstasen der Gabe

2.2 Passivität der Verantwortung am Ort des Leibes

2.3 Den Tod geben – Gabe und originäre Stellvertretung

4. Kapitel: Auferweckung und Auferstehung Jesu im Horizont des KreuzesDas verborgene Leben und die neue Schöpfung

§ 13 Das Urteil des VatersRechtfertigung des Schöpfers und Schöpfungsfriede

1. Osterereignis und Welt-Horizont: Neue Schöpfung

2. Bild des unsichtbaren Gottes, Haupt von All und Kirche: Kol 1,12-20

3. Urteil Gottes am Ort des Vaters und Erwählung des Sohnes

4. Fülle des Auferweckten und interessierte Erkenntnis: Drei Parusien?

5. Gottes absoluter Geist?

6. Urteil und Nichtiges: Neue Schöpfung und Erlösung

6.1 Neuschöpfung statt Versöhnung?

6.2 Überwindung des Bösen am Ort sinnzerstörender Erfahrung

§ 14 Der neue MenschVerborgenes Leben und schwache Macht Christi

1. ›Neuer Mensch‹ und ›verborgenes Leben‹ – Beschreibung des Menschen

2. Schwache Macht des Herrn und Hoffnung des Namens: Phil 2,6-11

3. Zentralindividuum: Repräsentant der Menschheit und progressive Inkarnation (I.A. Dorner)

4. Gegenprobe: Jesus als Jude und Jesus als Mann

5. Menschensohn: Erkenntnisse und Probleme (K. Barth)

5.1 Königlicher Mensch als Gottesphänomen?

5.2 Inkarnation und Inspiration

5.3 Communicatio gratiarum: Geist und Leben/Leib Jesu

5.4 Menschgewordenes Gesetz

5.5 Der Inkarnierte und der Auferstandene – Aporien

5.6 Königlicher Mensch – Vorblick auf den irdischen Jesus

5.7 Kritik der Human-Christologie Barths

6. Das verborgene Leben des Auferstandenen und die schwache Macht Christi

6.1 Liebe Gottes als Liebe des Bruders

6.2 Verborgenheit Christi und Verborgenheit Gottes

§ 15 Der imaginäre LeibKirche kraft des Geistes und Welt-Herrschaft Gottes

1. Geist-Leib Christi: Kirche und versöhnte Menschheit

1.1 Kirche christologisch und pneumatologisch beschreiben

1.2 Kirche christologisch und religionssoziologisch beschreiben

1.3 Kirche entdecken: Das verborgene Leben Christi und die wirkliche Kirche

1.4 Orientierende Unterscheidungen: Kirche und Welt, Israel, Religionen

1.5 Sozialimaginäre Bilder Christi und imaginäre Institutionen

1.6 Zusammenfassung

2. Leib und Braut, Stadt und Tempel, Volk und Haus: Eph 1,3-14

2.1 Einzigkeit Gottes und Christus-Frieden der Nahen und Fernen

2.2 Ekklesia: Leib Christi und Volk Gottes

3. Christus-Realität und Geist-Aktualität: Heiligkeit?

3.1 Kirche und Abendmahl: Fortwirken Christi und Geistes-Institutionalität

3.2 Kirche und Welt

3.3 ›Gesamtperson‹ Kirche, nicht ›Gesamtwille‹

4. Christologische Thesen: Apostolizität?

5. Einzelheit und Geist-Vielheit: Einheit?

5.1 Geist-Gemeinschaft und instituierte Stellvertretung

5.2 Glaubens-Einheit

5.3 Empirische Sozialität der Kirche und Leib Christi?

6. Reich Christi und Herrschaft Gottes, Kirche und Israel, Fülle und Rest: Katholizität?

Hinweise zu Zitation und Literaturverzeichnis

Grundlegende Literatur für alle drei Bände (A):

Vollständig verzeichnet im Literaturverzeichnis in Bd. 3. Zitiert: Name, Kurztitel.

Thematische Literatur zum jeweiligen Paragraphen (B):

Vollständig verzeichnet am Ende des jeweiligen Paragraphen. Zitiert: Name Erscheinungsjahr.

Einmalig zitierte Literatur (C):

Vollständig verzeichnet in der Fußnote je zur Stelle.

Einführung

§ 1 Was heißt: Sich im Namen ›Jesus Christus‹ orientieren?

Wo nimmt Christologie ihren Anfang? Beim Namen ›Jesus Christus‹. Bei exemplarischen Verwendungen des Namens ›Jesus Christus‹. Sofern überhaupt vom Christentum und von Religion geredet und nicht geschwiegen wird, ist dieser Name nicht zu vermeiden. Die Lebenssituationen, in denen die Namen ›Jesus von Nazareth‹ oder ›Jesus Christus‹ genannt und gebraucht werden, sind unübersehbar vielfältig. Das Nennen ist in der Regel selbstverständlich – wie das Außergebrauchkommen des Namens ›Jesus Christus‹. Bisweilen aber ist es angebracht, vielleicht notwendig und dann auch möglich, die selbstverständlichen Gebrauchsweisen und das selbstverständliche Ungebräuchlichwerden dieses Namens zu überdenken.

Was heißt eigentlich: Sich im Namen JESUS CHRISTUS orientieren? Und was meint: Sich im Namen JESUS CHRISTUS orientieren, wenn damit die elementare Orientierung des christlichen Glaubens, der christlichen Hoffnung und der christlichen Liebe benannt ist? So elementar wie die Orientierung im Körper nach links und rechts, linker Hand, rechter Hand, nach oben und unten. So elementar wie die Orientierung im Denken durch das Unterscheiden von vernünftig, die Vernunft durch sich selbst erhaltend, und unvernünftig, die Vernunft durch sich selbst schwächend bis zur selbstverschuldeten Unmündigkeit.

Wer anfängt, christologisch darüber nachzudenken, wird die unübersehbar vielfältigen Gebrauchsweisen auf elementare Einführungssituationen des Namens JESUS CHRISTUS zurückführen müssen, in denen sich das elementar Orientierende dieses Namens für den Vollzug und Bezug des Glaubens, für die Praxis und Ethik der Nächstenschaft und für das Imaginäre der Hoffnung übersichtlich beschreiben lässt.1

Die Verwendung des Namens JESUS CHRISTUS in christlichen Gottesdiensten, in christlichen Initiativen der Versöhnung und Aussöhnung und in den großen musikalischen Passionen sind solche Beispiele. Sie werden in dieser Einführung zur Vor-Verständigung als Weisen beschrieben, sich im Namen JESUS CHRISTUS zu orientieren: Anfänge von Christologie.

Christologische Beschreibungen verbinden sich mit orientierungs-hermeneutischen und schrift-hermeneutischen Rechenschaftsweisen. Die Schritte von den exemplarischen Orientierungen im Namen JESUS CHRISTUS zum Thema und vom Thema zum Vorbegriff (›Ansatz‹) von Christologie werden vorgezeichnet. Auch der Einspruch gegen Christologie überhaupt wird thematisiert. Aktuelle Typen der Skepsis gegenüber Christologie kommen zur Sprache, sofern sie Gründe nennen, warum die Orientierung im Namen JESUS CHRISTUS außer Gebrauch kommen kann oder sogar soll. Oder warum die Orientierung im Namen JESUS CHRISTUS Unbestimmtheiten und Unsicherheiten, Sinn-Ambiguitäten und Sinn-Zerstörendes ertragen muss. Eine prominente Stellung werden Formen jüdischer Christologie-Skepsis erhalten. Es wird sich aber auch zeigen, dass in manchen Typen dieser Skepsis der Name JESUS CHRISTUS eine christologisch noch unvermessene Offenheit ermöglicht, angesiedelt »zwischen Wahrheit und Ideologie«2.

Christologie-Skepsis ist Kennzeichen moderner Christologien. Weil die Auseinandersetzung mit dieser Skepsis, die ihre vielleicht scharfsinnigste Ausprägung in der jüdisch-philosophischen Skepsis findet, zur Orientierungsaufgabe der Christologie selbst gehört, ist Christologie auf die religionsdialogischen Situationen der unübersehbar reichhaltigen Nennung-en sowie der faktischen Amnesien und präzisen Vermeidungen dieses Namens nicht unvorbereitet.

1. Der Name ›Jesus Christus‹ als Anfang – Elementare Orientierung

(1) Christologie fängt mit dem Elementaren an: Mit dem Namen JESUS CHRISTUS, mit bestimmten Verwendungen des Namens JESUS CHRISTUS. Sie fragt nach dem Orientierungssinn von Glaubens-Praktiken, die den Namen JESUS CHRISTUS nennen, und von Praktiken, die, wie immer indirekt und anonym, im Namen JESU CHRISTI initiativ werden.3

Der Name JESUS CHRISTUS wird selbstverständlich genannt. Er lässt sich nicht verschweigen. Christinnen und Christen reden von JESUS CHRISTUS, sie verwenden den Namen. Wer sich scheut, ihn selbst auszusprechen, kennt doch JESUS CHRISTUS als Namen, weil andere ihn verwenden und nennen. Dies soll als ›selbstverständlich‹ vorausgesetzt sein.

Gottesdienste werden ›im Namen Jesu‹ und ›im Namen Gottes‹ eröffnet. Sie bekennen sich zum Namen JESUS CHRISTUS, in Bekenntnissen und anderen liturgischen Zeichen, wobei schon das Aufstehen oder das Zum-Abendmahl-Gehen in bestimmten Situationen, ob in multireligiösen Diaspora-Situationen oder in nachchristlichen Diaspora-Situationen, den Namen JESUS CHRISTUS indirekt bezeichnet, vielleicht sogar bekennt. Der Sinnhorizont, der durch das Ausdrückliche ›im Namen‹ eröffnet ist, interpretiert Verhalten, Reden oder Urteilen als Zeichen und beansprucht auf genuine Weise Öffentlichkeit.4

Schon ein erster Seitenblick auf den jüdischen Synagogal-Gottesdienst zeigt, dass ein anderes Anfangen möglich ist. Dort beginnt es mit Sequenzen von Morgenberachot, Psalmen, Kaddisch einer sich während dieser Sequenzen versammelnden Gemeinde, bevor irgendwann mit dem Ruf zum Gebet des Kantors das ›Wir‹ öffentlich da ist. Oder war es schon ›öffentlich‹ da in den nur vermeintlich ›privaten‹ Gebeten der Einzelnen? Jedenfalls beginnt es dort nicht mit der Formel: ›Im Namen JHWH‹ oder ›im Namen des EWIGEN‹; als ob sich DER NAME unversehens unter die Gebete der Gemeinde mischte, gleichsam anonym schon mit dabei, ohne je im ausdrücklichen Nennen zu erscheinen. Hier also ein ›im Namen ohne Nennung des Namens‹, anonymes Anfangen. Dort die ›im Namen Jesu versammelte Gemeinde‹, akronymes Akklamieren und Proklamieren des Namens JESUS CHRISTUS.

Im Namen JESUS CHRISTUS, in der Regel ohne ausdrückliche Nennung des Namens, verstehen sich politische Initiativen der Versöhnung und Aussöhnung: Sühnezeichen-Aktionen christlicher und kirchlicher Gruppen, politische Aussöhnungsinitiativen in frozen conflicts (s. § 2), deren Anspruch es ist, die Weltlichkeit der Welt zu respektieren und gerade so, Freiheit in der Gemeinschaft aus Glauben an den Versöhner zu ermöglichen und Zukunftsfähigkeit aus Glauben an den Erlöser zu gewährleisten. Orientierung ›im Namen‹ beschreibt also den unterscheidungsfähigen Glauben primär als Vollzug und Bezug und insofern als Gehalt von Bekenntnis, Homologie und Akklamation, von Argument und Lehre, in denen diese Unterscheidungen (z.B. von Schöpfung, Versöhnung, Erlösung, von Kirche und Welt, von christlich-akronym und jüdisch-anonym) allerdings auszuarbeiten und rechenschaftsfähig zu begründen sind. Sie werden dann auf ihre christologischen Orientierungskategorien hin reflektiert, wenn es Anlässe gibt, in denen Selbstverständliches ausdrücklich werden muss. Die elementaren Einführungssituationen des Namens JESUS CHRISTUS werden auf solche Gemeinplätze hin reflektiert. Daraus werden Themaregeln und Vorbegriffe von ›Christologie‹ aufgebaut.5

(2) Angesichts solcher und absehbar vieler Folgefragen sollen am Anfang drei elementare Gemeinplätze stehen:

1. Christologie setzt die Urteils-Praxis und Poetik des christlichen Glaubens voraus.6Der christliche Glaube bekennt sich zum Namen JESUS CHRISTUS (Gehalt), bezieht sich auf den Namen JESUS CHRISTUS alsName GOTTES (Bezug) und existiert im Namen JESUS CHRISTUS als Name GOTTES (Vollzug).7

2. Christologie ist ein Gefüge von orientierenden Antworten und Unterscheidungen auf die dreifach elementare Frage, warum der christliche Glaube im Namen JESUS CHRISTUS alsNAME GOTTES bekennt und glaubt, wenn er glaubt, was er glaubt und bekennt: den Namen JESUS CHRISTUS.

3. Christologie gibt Rechenschaft von Bestimmungshinsichten der Orientierung, von Umständen und Gründen des christlichen Bekenntnisses zum Namen JESUS CHRISTUS und von christlichen Zeugnissen im Namen JESUS CHRISTUS, die mimetische Lebensakte und kerygmatische Sprechakte,8sakramentale Riten und künstlerische Spielakte9umfassen.

Christliche Verwendungen des Namens JESUS CHRISTUS erläutern sich selbst bisweilen ausdrücklich dadurch, dass sie ›im Namen Jesu Christi‹ beginnen. Sie sprechen ihren mitwandernden Sinnhorizont wirksam öffentlich aus.10

Wo Glaube als Vollzug in seinem Bezug und Gehalt unvermittelt mit dem Nennen des Namens anfängt, z.B. im Gebet Jesu mit dem unvermittelten: VATER! oder in der Johannespassion mit dem unvermittelten »HERR! HERR! HERR!« (Eingangschor), kommt er sich auch selbst zuvor und thematisiert im Vollzug sofort den Bezug, wie in den beiden Beispielen, die fortsetzen: »Geheiligt werde dein Name!« und: »Zeig uns durch deine Passion, dass du der wahre Gottessohn verherrlicht bist!«11

Wie verhält sich dieser unvermittelte Vollzug des Glaubens zum Bezug des Glaubens zu JESUS CHRISTUS und zum Gehalt des Bekenntnisses? Inwiefern verdoppelt sich der Name JESUS sofort zu JESUS (ist)CHRISTUS, CHRISTUS (ist)JESUS, HERR (istJESUS)? Inwiefern enthält der verdoppelte Name JESUS CHRISTUS die Homologie Jesus (ist) Christus? Wie kommt es vom homologischen Nennen ›Christus ist Jesus!‹, ›Herr ist Jesus‹!12zum Namen VATER (z.B. Phil 2,6-11) und dessen Beinamen: ›der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckte‹ (Röm 4,24, vgl. Röm 10,8-10)? Und wie zur Identifikation von KYRIOS und GEIST (Röm 10,9; 2Kor 3,17-4,6; 1Kor 12,3)?

(3) In ›Christo-logie‹ ist das erste Wort-Element der Name JESUS CHRISTUS, seine Verwendungsweisen und die mit ihm gesetzten weiteren Namen. Das andere Wort-Element ist das Tätigkeitsspektrum: logon didonai, d.h. von bestimmten Orten und Gemeinplätzen aus nicht-aussageförmiges Reden (z.B. Beten und Loben, Homologie und Akklamation) und andere Akte in Aussagen und Aussagezusammenhänge bringen, sie als Urteile (z.B. Jesus ist Christus) auf ihre Geltungsbedingungen hin befragen und mit Unterscheidungen (z.B. Christos ist Beiname und Hoheitstitel des toten, am Kreuz hingerichteten Jesus) Rechenschaft geben über Gründe und Sinndynamiken dieser besonderen Verwendung, sei es beschreibend, sei es kritisch normierend (z.B. hinsichtlich des messianologischen Sinns und Nicht-Sinns von Christus).

Die Praxis der ›Christo-logie‹ konnte und kann anders heißen: z.B. Christo-sophia, doctrina de Christo. Älter und konstant ist der erste Bestandteil, der Name und das Gefüge der Christo-Onomatologie. Dies ist zwar nur der äußere Anlass, mit dem Namen JESUS CHRISTUS zu beginnen. Es signalisiert aber, dass der Charakter der wissenschaftlichen und dogmatischen Rechenschaftsweisen der eigenen Thematisierung bedarf, weil er nicht selbstverständlich ist, wie schon neuere Variationen wie Christo-poetik oder Christo-praxis andeuten.13Das historisch Gewordene und Problematische des zweiten Elements -logie ergibt sich nicht nur aus den wissenschaftstheoretischen, hermeneutikgeschichtlichen und methodisch-dogmatischen Aspekten des barocktheologischen Neologismus Christo-logie.14

Wo Christo-logie im Titel erhalten bleibt, wie in der vorliegenden Christologie, ist das zweite Element erläuterungsbedürftig. Die Alternativtitel und die seit einigen Jahrzehnten formulierte feministisch-theologische Skepsis gegenüber Christologie15problematisieren dieses Element. In anderer Weise ist Christologie von philosophischer und jüdisch-religionsphilosophischer Skepsis begleitet. Dies sollte die Verwunderung und die Skepsis wachhalten, was wir überhaupt tun, wenn wir beanspruchen, ›eine Wissenschaft‹ oder ein Bündel wissenschaftlicher Arbeitsweisen von einem Einzigen namens JESUS VON NAZARETH aufzubauen. Von diesem Einzigen wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt, streng genommen, noch nicht einmal, was wir behaupten, wenn wir es Person nennen und es dem Existenz- und Gegenständlichkeitsbereich des mit Eigennamen und singulären Termini (Pronomina wie ›er‹, ›sie‹, ›es‹; Index-Worte, wie ›damals, dort‹, ›heute, hier‹) Benennbaren, Individuellen oder Personalen zuordnen. Würden wir es tun, müssten wir im selben Zug versichern, ›Jesus von Nazareth‹ sei zwar Person, aber in analogieloser Weise Person, z.B. gott-menschliche Person;16er sei zwar Individuum, aber in analogieloser Weise Individuum, nämlich das Zentralindividuum.17Die Sache würde nicht einfacher, sondern schwieriger, wenn wir ›Jesus Christus‹ eine historische Person nennten. Eine Wissenschaft von einer singulären historischen Person (als Gegenständlichkeit) ist unbekannt (›Cäsarologie‹, ›Kleopatralogie‹, ›Jesulogie‹); bekannt sind nur historische Forschungen eines bestimmten methodischen, z.B. biographischen oder gesellschaftsgeschichtlichen Zuschnitts. Wenn wir nicht mit Jesus Christus als Person einsetzen, sondern elementarer mit JESUS CHRISTUS als Name, obgleich wir vom Namen zur Person, von der Person zur Einzelheit, aber auch zur ›geschichtlichen‹ Person und ›historischen‹ Figur, zum ›anthropologischen Zentralindividuum‹ oder zur ›korporativen Person‹ (Christus als Kirche existierend) kommen werden, so verdankt sich dies selbst schon der wissenschaftstheoretischen Reflexion auf Christo-logie:

»Das biblische Zeugnis bringt eine Geschichte zur Sprache, und zwar durchaus in dem doppelten Sinne von ›Geschichte‹ und ›Geschichten‹. Die Geschichten oder stories wachsen zu einer einzigartigen Geschichte zusammen. Daher sind Eigennamen zunächst wichtiger als Begriffe. [...] Was ›Person‹ nun bedeutet, lässt sich nicht klarer nachzeichnen als in diesem Netz von nuancierten Variationen. Die Bedeutung wird schärfer ohne vorgängige Definition. ›Person‹ kann nicht im Voraus definiert werden. Dafür bräuchten wir ein philosophisches Raster oder auch eine andere wissenschaftliche Theorie, die uns den Begriff vorgibt. Dann wäre aber die einzigartige Geschichte, von der wir ausgehen, ein Fall unter anderen, vielleicht ein sehr besonderer, aber eben nicht eine ganz einzigartige Geschichte.«18

2. Gemeinplätze von Christologie

(1) Zwischen dem Namen JESUS CHRISTUS als Thema des Glaubens, als Gegenstand des Glaubens und als Grund des Glaubens ist zu unterscheiden. Die Unterscheidung von ›Jesus Christus‹ als Glaubensgegenstand und Glaubensgrund verbindet sich schon vormodern mit notwendigen Grenzziehungen, weil nicht alles, was sich zum Namen JESUS CHRISTUS an gegenständlichen Sätzen und Satzzusammenhängen versammeln lässt (z.B. in der Form einer Christologie), Gegenstand des Glaubens sein kann und soll. Schon das christologische Dogma von Chalcedon galt, anders als das bis heute gottesdienstlich verwendete ›Nicänische Glaubensbekenntnis‹, nicht mehr als Gegenstand des konfessorischen Glaubens aller Christinnen und Christen. In der Moderne verbindet sich diese Grenzziehung mit dem historisch-hypothetischen Charakter der Sätze, die man in einem Lehrbuch Der historische Jesus versammeln kann, und die nicht Grund des Glaubens an Jesus Christus sind, sondern diskurskritische Funktionen haben. Die in der Christologie (z.B. bei Wilhelm Herrmann und Martin Kähler) verwendete Unterscheidung von ›Gegenstand‹ und ›Grund‹19ist aber zu befragen, ob sie nicht zu reduktiv auf eine duale Unterscheidung bringt, was differenzierter zu beschreiben und zu bestimmen wäre.

Die elementare Frage nach dem ›warum wir glauben‹ (Grund) und nach dem ›was wir glauben‹ (Gegenstand) erweitert sich um das ›wenn wir glauben‹ und stellt damit die Frage nach ›der Zeit und dem Ort‹, nach der ›wirksamen Gegenwart und Abwesenheit Jesu‹ und nach den hermeneutischen Orten, an denen sich der Bezug zum Namen JESUS CHRISTUS öffnet – oder nicht öffnet.20Die wirksame Gegenwart (Synchronie) und Abwesenheit (Diachronie) Jesu ist für den Glauben in gewisser Weise erlernbar.21Sie orientiert das Nennen und die Nennenden elementar, so dass sich jeweils am hermeneutischen Ort symbolische Orientierungswelten nach bestimmbaren und variierbaren Regeln eröffnen.22

Der Name JESUS CHRISTUS hat in seinen Verwendungen für den Glauben nominale und symbolische Prägnanz (Textwirkungen der gelesenen oder öffentlich verlesenen Evangelien Jesu, Wirkungen gehörter Passionen bringen z.B. ihre impliziten Leser und Hörer hervor).Die ›wirksame Gegenwart‹ Jesu verortet und orientiert in gewisser Weise die impliziten Leser und Hörer in der Welt des Erzählten und ›vergegenwärtigt‹ sie in dieser Welt, an deren Konfiguration sie glaubend und mimetisch handelnd, feiernd und spielend mitwirken. Die ›wirksame Gegenwart Jesu‹ setzt die ›wirksame Abwesenheit‹ Jesu in der diachronen Erinnerung und Erwartung der Leser voraus, für die Jesus historisch vergangen und anamnetisch gewesen ist, die ihn zukünftig erwarten und für die er schon jetzt ankommend ist. Das kommunitäre Gedächtnis eines christlichen Gottesdienstes23orientiert sich in der Vergegenwärtigung in der Gegenwart Jesu (z.B. im Mahl, zu dem ›Jesus selbst‹ versammelt), im Zuvor des Gedächtnisses (›in der Nacht des Verrats‹). Dieses Gedächtnis vollzieht sich aber auch im ›Nach-Vorne-Erinnern‹ (›verkünden wir den Tod des HERRN, bis er kommt‹). Kierkegaard bringt dieses Nach-Vorne-Erinnern als Wiederholung auf den Begriff: »Wiederholung und Erinnerung sind die gleiche Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung, denn wessen man sich erinnert, das ist gewesen, wird rücklings wiederholt; wohingegen die eigentliche Wiederholung sich der Sache vorlings erinnert.«24

Christliche und jüdische Religionshermeneutiken konstituieren am jeweiligen Ort symbolische Zeitdimensionen von Offenbarung, Schöpfung und messianischer Erlösung, die eine Prägnanz erzeugen, nach der z.B. christlicher Festkalender und jüdischer Festkalender variieren. Franz Rosenzweig, der deutsch-jüdische Sprachdenker, hielt Christologie für die Theorieform christlicher Glaubenspraxis und setzte ihr seine Theorieform jüdischer Hoffnungspraxis dialogisch gegenüber:

»So drängt sich das christliche Bewusstsein, ganz versenkt in Glauben, hin zum Anfang des Wegs, zum ersten Christen, zum Gekreuzigten, wie das jüdische, ganz versammelt in Hoffnung, hin [...] zu Davids königlichem Sproß. Der Glaube kann ewig sich an seinem Anfang erneuern [...]; die Hoffnung vereint sich [...] ewig in dem einen fern und nahen Augenblick des Endes, gleich wie der Stern auf Davids Schild die Strahlen alle in den Feuerkern versammelt.«25

Christologie sei die Theorie der christlichen Glaubenspraxis des Nach-Vorne-Erinnerns, Bewusstsein des mitwandernden Anfangs, der das Christentum zur Religion der intensiven und extensiven Ausbreitung in alle Welt mache. Der mitwandernde Sinnhorizont von Kreuz und Auferweckung Jesu öffne sich an jedem Ort der globalisierten Welt. Eschatologie hingegen sei die Theorie der jüdischen Hoffnungspraxis und ihrer intensiven und extensiven Konzentration im Stern Davids, so dass dieser Stern das titelgebende Emblem von RosenzweigsStern der Erlösung wird. Schon Rosenzweig selbst überwindet allerdings später diese (hegelianisierenden) Identitätskonstruktionen des Christlichen und Jüdischen. Die Theorien zur Praxis von Glauben und Hoffnung seien Ausdruck geteilter Probleme und der Wahrheitsverwandtschaft christlicher und jüdischer Gottesrede in ihren konkurrierenden Geltungssphären und Darstellungsweisen.

(2) Angesichts der Pluralität der symbolischen Orientierungen kraft der nominalen und symbolischen Prägnanz des Namens JESUS CHRISTUS hat Christologie eine wie auch immer geartete Prinzip-Stellung in der Dogmatik und Religionsphilosophie zur Konstruktion von Identität und Absolutheit des Christentums als vollendete Religion verloren. Schon bei Karl Barth und erst recht ›nach Barth‹ war Christologie nicht mehr das Prinzip.26Dogmatik orientierte sich im trinitarischen und christologischen Namen. Im Namen Jesus Christus sollte die basale Homologie und das grundlegende kerygmatische Urteil enthalten sein: ›Jesus ist Christus‹. Aus diesem Grund-Satz sollte sich Christologie aufbauen, die nach wie vor als zentrales Thema evangelischer Dogmatik galt und als hermeneutische Ortsanweisung fungierte (›Theologie des Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und Atheismus‹27). Von dieser Homologie oder diesem kerygmatischen Urteil aus sollte argumentativ die gesamte Christologie begründet werden, wie es vor fünf Dekaden E. Jüngel und H.G. Geyer beanspruchten.28Sie setzten dieHomologie29des Namens Jesus Christus oder das kerygmatische Urteil ›Jesus ist Christus‹ als Obersatz einer dialektischen Argumentation und versammelten unter dem Zwang des Arguments alles notwendigerweise am Ort dieser Homologie. Das war christologisch überbestimmt.

(3) Es ist ein Ergebnis der kommunikationspragmatischen und orientierungshermeneutischen Theologie, wenn die vorliegende Christologie bei der christlichen Glaubenspraxis des Namens JESUS CHRISTUS ansetzt und dies als einen ihrer Gemeinplätze versteht. Der methodische Griff besteht darin, die unübersehbar vielen tatsächlichen Verwendungen des Namens auf exemplarische Einführungssituationen zu bringen und diese an den Anfang zu stellen – z.B. den christlichen Gottesdienst. Die Verwendung des Namens JESUS CHRISTUS in der elementaren Einführungssituation wird dogmatisch beschrieben. Die Beschreibung exponiert Bekenntnisgehalt, Themaformel und Themaregel der Homologie. So entsteht ein christologischer Vorbegriff, der den Anfang und weiteren Aufbau vorstrukturiert, wie in dieser Christologie mit ihren drei Teilen und zwölf Kapitelfolgen.

»Ein Topos ist ein empfehlenswerter, hilfreicher, brauchbarer ›Gesichtspunkt‹; ein Ort, an dem man sich diskursiv treffen und versammeln kann, um von ihm aus eine Perspektive und einen Horizont gemeinsamer Verständigung zu gewinnen. Der Topos fungiert als Vordersatz einer rhetorischen Argumentation. Seine Geltung ist nicht notwendig, sondern möglich und, wenn’s gut geht, von Konsens getragen. Topoi sind Plausibilitäten oder Wahrscheinlichkeiten (endoxa). [...] Denn was ist ein Bekenntnis [...] wie ›Jesus Christus‹ anders als ein, wenn nicht der Gemeinplatz, aus dem alles weitere folgt? Aber er ist auch nicht mehr als ein Gemeinplatz, nicht ein Ort, an dem sich unter dem Zwang des Arguments alle notwendigerweise zu versammeln hätten.«30

Der Name JESUS CHRISTUS erweist an diesem Ort seine nominale Prägnanz, ohne schon als kerygmatisches Basis-Urteil überbestimmt zu werden.31

(4) Einen markanten Gemeinplatz und möglichen Vorbegriff formuliert Chr. Schwöbel, indem er den Gottesdienst methodisch als Einführungssituation setzt:

»Christologie der Reflexion setzt die expliziten und impliziten Antworten voraus, die in der Feier des Gottesdienstes gegeben und in Anspruch genommen werden:

in der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus als dem Heil Gottes für die Welt;in der Antwort des Bekenntnisses des Glaubens auf diese Zusage;in der Anrede Jesu im Gebet oder der Anrede Gottes des Vaters im Geist durch Jesus Christus; [...]in der Feier der Sakramente der Taufe und des Abendmahls, die in spezifischer Weise als Feier in der Gegenwart Christi, nämlich als Feier der sich uns in Christus schenkenden Gnade Gottes, vollzogen werden.

[...] Der Ansatz beim Christus praesens in der Feier des Gottesdienstes macht nicht den Versuch, den ›garstigen breiten Graben‹, der die Vergangenheit Jesu von Nazareth von unserer Gegenwart trennt, durch die Anstrengung einer hermeneutischen oder christologischen Theorie zu überspringen, sondern nimmt ihre Überbrückung im gegenwärtigen christlichen Glauben in Anspruch.«32

Die Zeichen des Gottesdienstes sprechen den Grund der Gegenwart Christi selbst homologisch und doxologisch aus. Die christologische Explikation führt dies aus: Begründet sei die Gegenwart Christi »kraft der Selbstvergegenwärtigung des dreieinigen Gottes als der Gegenwart von Gottes schöpferischer, versöhnender und vollendender Liebe.«33Das Selbstverständliche, mit dem der Name JESUS CHRISTUS den ›irgendwie Anwesenden‹ nennt, differenziert sich in ein kommunikatives Gefüge von Gegenwarts- und Vergegenwärtigungsweisen aus. Es wird ausdrücklich hinsichtlich seiner inneren Gründe: Die Gemeinde, die homologisch bekennend, oratorisch anredend, doxologisch lobpreisend, verkündigend und sakramental feiernd Jesus Christus als Anwesenden nennt und begeht, bekennt sich selbst als ›vergegenwärtigt‹ in der ›Gegenwart‹ des Auferstandenen und darin in der ›Selbstvergegenwärtigung Gottes‹. Zweifellos ist der Einsatz beim Christus praesens des Gottesdienstes ein dogmatisch fruchtbarer Gemeinplatz. Schwöbel baut von ihm aus eine Lehre von der Person Christi auf. Diese Lehre pointiert die Differenz und Beziehung zwischen der Person Christi und den Christpersonen, zwischen extra nos und pro nobis, zwischen der Einzigkeit Christi in Bezug zum Vater und Erstheit Christi in Bezug zu ›den Seinen‹:

»Jesus Christus ist von uns unterschieden durch seine Beziehung zu Gott dem Vater, kraft derer er Gnade und Wahrheit Gottes in Person für uns ist; Jesus Christus ist von Gott dem Vater unterschieden durch seine Beziehung zu uns, kraft derer er vor Gott dem Vater für uns eintritt: Mit dieser doppelten Unterscheidung führt das Kommunikationsgeschehen des Gottesdienstes [...] an die Schnittstelle von Trinitätslehre und Christologie.«34

Man sieht, wie vom Gemeinplatz der Weg zum christologischen Vorbegriff führt.

(5) Eine Alternative wäre, mit dem Gemeinplatz von methodischen Krisen des christlich Selbstverständlichen und also der Christologie zu beginnen. Schwöbels Gemeinplatz beim methodisch Selbstverständlichen des gegenwärtigen, versöhnenden Christus im Gottesdienst als Anfang unterscheidet sich markant von Ch. Danz. In seiner Einführung in die Christologie konstruiert Danz das Problem, »vom historischen Jesus zum Christus des Glaubens« zu kommen:

»Die Differenz zwischen dem historischen Jesus und dem dogmatischen Christus markiert den spezifisch modernen Problemhorizont der Christologie [...] Wie lässt sich aber die Bedeutung eines Individuums, das vor 2000 Jahren in einem fernen Winkel dieser Erde lebte, für uns heute gedanklich begründen? Hierin liegt das Kernproblem der Christologie, und es lässt sich nicht so lösen, dass man den Stachel der historischen Erkenntnis sistiert.«35

Von diesem Gemeinplatz aus wird Christologie zur »Selbstbeschreibung der reflexiven Aktstruktur des Glaubens«, die an die Stelle der »überlieferten Person- und Werkchristologie« treten soll.36

Die methodischen Probleme der historischen Jesus-Forschung und Christologie werden in dieser elementaren Christologie gebührende Beachtung finden. Sie bestimmen aber nicht den Anfang, sondern vom anders gewählten Anfang aus werden sie christologisch thematisiert. Die methodische Wahl des Anfangs beim Selbstverständlichen ›sistiert also nicht den Stachel der historischen Erkenntnis‹. Gerade sachlich unvermeidbare Grundfragen und Probleme legen nahe, anders zu beginnen, beim Selbstverständlichen der Glaubenspraxis des Namens JESUS CHRISTUS. Entscheidend für den kritischen Charakter des elementaren Anfangs ist, wie in der Verknüpfung von christologischer und religionshermeneutischer, von dogmatischer und historischer Perspektive, von Selbstauslegung und Fremdauslegung, von gegenwärtig erinnertem irdischen Jesus Christus und historischen Bildern des erinnerten Jesus das Selbstverständliche mit dem Nichtselbstverständlichen und der historischen Kritik konfrontiert wird.

...Ende der Leseprobe