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Elternsein als Team
»Vereinbarkeit – so schwer kann das doch nicht sein! Das dachte ich jedenfalls, bevor ich Vater wurde.« Birk Grüling
Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, bleibt ein Dauerthema für Eltern. Dabei spielen nicht nur Arbeitsmodelle und die Aufgabenverteilung im Alltag eine Rolle. Auch gesellschaftliche Voraussetzungen, das Engagement der Väter und ganz individuelle Vorstellungen von Partnerschaft und Familie prägen, wie wir unser Leben mit Job und Kindern gestalten.
In diesem Ratgeber zeigt Bildungsjournalist Birk Grüling, wie Vereinbarkeit zeitgemäß gestaltet und zur Zufriedenheit aller gelebt werden kann: mit Impulsen für neue Werte, Tipps von Experten und Erfahrungen von Paaren, die schon heute neue Wege gehen.
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Seitenzahl: 246
Veröffentlichungsjahr: 2021
Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, bleibt ein Dauerthema für Eltern. Dabei spielen nicht nur Arbeitsmodelle und die Aufgabenverteilung im Alltag eine Rolle. Auch gesellschaftliche Voraussetzungen, das Engagement der Väter und ganz individuelle Vorstellungen von Partnerschaft und Familie prägen, wie wir unser Leben mit Job und Kindern gestalten.
In diesem Ratgeber zeigt Bildungsjournalist Birk Grüling, wie Vereinbarkeit zeitgemäß gestaltet und zur Zufriedenheit aller gelebt werden kann: mit Impulsen für neue Werte, Tipps von Experten und Erfahrungen von Paaren, die schon heute neue Wege gehen.
Birk Grüling
Eltern als Team
Ideen eines Vaters für gelebte Vereinbarkeit
Kösel
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Copyright © 2021 Kösel-Verlag, München,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München
Umschlag: Weiss Werkstatt München
Umschlagmotive: © Huza Studio/shutterstock.com
Illustration: © stock.adobe.com/Fotoschlick
Redaktion: Dr. Daniela Gasteiger
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-27256-2V001
www.koesel.de
Dank geht an meine wunderbare Frau und meinen Sohn – ohne ihre Unterstützung hätte ich nie das Buch schreiben können, ohne sie hätte ich nie über das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachgedacht.
Einleitung: Wie steht es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
Vereinbarkeit braucht Vorbereitung
Warum wir eine Familienvision haben sollten
Ich als Mutter, ich als Vater
Das gemeinsame Gespräch
Was ist eigentlich Elternzeit?
Was ist eigentlich Elterngeld?
Was ist eigentlich ElterngeldPlus?
Wie ist es, sich die Elternzeit zu teilen?
Bitte, liebe Väter, geht in Elternzeit!
Das erste Jahr mit Baby
Wie wir unseren Alltag mit Baby finden
Fokus auf die wichtigen Dinge
Gemeinsam und für sich
Gerechte Aufteilung der Care-Arbeit
Schritt 1: Karten auf den Tisch
Schritt 2: Verteilung der Aufgaben
Schritt 3: Aufgaben sichtbar machen
Schritt 4: Volle Verantwortung
Schritt 5: Abstriche machen
Schritt 6: Reflexion
Warum wir uns schleunigst vom Bild der perfekten Mutter trennen müssen
Warum Selfcare so wichtig ist: Für uns sind vor allem wir selbst verantwortlich
Selbstfürsorge ist auch Selbstliebe
Paar bleiben im ersten Jahr: Pragmatisch wird zum neuen Romantisch
Wie sorgen wir für Entlastung im Alltag?
Wer kann uns helfen?
Kurse und Austausch mit anderen Eltern
Ohne Kita ist Vereinbarkeit kaum möglich
Woran erkennt man eigentlich eine gute Kita?
Wiedereinstieg in den Beruf
Wiedereinstieg vorbereiten
Warum Elternsein eine wertvolle Schlüsselkompetenz ist
Elternzeit als Anstoß zu beruflicher Veränderung
Wie erleben Eltern ihren Wiedereinstieg? Drei Erfahrungsberichte
Vereinbarkeit auf Dauer
Eine Bestandsaufnahme: Was muss sich verbessern?
Erste Säule der Vereinbarkeit: Die Familie
Die Morgenroutine
Routinen schaden auch am Rest des Tages nicht
Alltag entrümpeln: Weniger ist mehr
Gemeinsam ist es leichter
Im Alltag darf es ruhig pragmatisch sein
Wir sollten unser Hilfesystem weiter ausbauen
Kinderbetreuung ist keine Privatsache
Zweite Säule der Vereinbarkeit: Der Beruf
Wie gelingt eigentlich berufliche Gleichberechtigung?
Wir müssen über Geld reden
Warum die Corona-Pandemie neue Chancen für Vereinbarkeit bietet
Wie wir unser eigenes Arbeitsmodell finden
Drei Arbeitsmodelle für eine bessere Vereinbarkeit
Warum Familienfreundlichkeit auch eine Aufgabe von Unternehmen ist
Dritte Säule der Vereinbarkeit: Das Ich und das Wir
Meine Routinen: Ein Coach erzählt
Warum die Familie nicht immer vorgeht
Vier Tipps für mehr Selbstfürsorge im Familienalltag
Partnerschaft: Im Gespräch und Gefühl bleiben
Mein Fazit: Wir Eltern als Team
Danksagung
Anhang
Anmerkungen/Endnoten
Ich beginne dieses Buch mit einem Versprechen. Es soll ein konstruktives Buch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Ich möchte Möglichkeiten aufzeigen, wie wir als Eltern unseren Alltag und unsere Termine etwas leichter bewältigen können, wie wir uns selbst und als Paar in dem ganzen Familientrubel nicht vollends verlieren, wie wir uns beruflich verwirklichen können, ohne die Kinder vollends zu vernachlässigen. Wer jetzt allerdings auf ein Patentrezept für gelungene Vereinbarkeit hofft, den muss ich leider enttäuschen. Denn wie gut sie gelingt, hängt von unzähligen, ganz individuellen Faktoren ab. Ich habe mir aber große Mühe gegeben, spannende Ideen und Konzepte zu sammeln, und dafür mit sehr vielen klugen Köpfen gesprochen. Bevor wir zu diesen Anregungen und Impulsen kommen, beginne ich mit einer vielleicht manchmal etwas deprimierenden Bestandsaufnahme und mit der ganz grundsätzlichen Frage:
Wie gut sind eigentlich Familie und Beruf vereinbar?
So schwer kann das doch nicht sein! Das dachte ich jedenfalls, bevor ich Vater wurde. Denn mal ehrlich: Kinderlos ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für die meisten von uns noch keine große Herausforderung. Viele Paare leben in einer gleichberechtigten Beziehung. Jeder verfolgt seine Karriere, jeder räumt mal die Spülmaschine aus, jeder geht mal einkaufen. Nebenbei bleibt noch genug Zeit für Sport, Hobbys und Freund*innen. Doch nach dem Verlassen des Kreißsaals verändert sich alles. Plötzlich sind wir Eltern, plötzlich verschieben sich unsere Prioritäten. Schlafen und Duschen wird zum Luxus, von Sport oder zeitaufwendigen Hobbys können wir nur träumen. Kinderlose Kontakte und Freuden rücken in den Hintergrund, am liebsten verbringen wir ohnehin Zeit mit der Familie und dem Nachwuchs. In der anfänglichen Babyblase ist auch Vereinbarkeit noch kein größeres Problem. Die Rollen sind ja relativ klar verteilt – einer ist in Elternzeit und kümmert sich um das Kind, und der andere geht halt arbeiten. Trotzdem macht es Sinn, auch schon hier über Vereinbarkeit und eine gleichberechtigte Arbeitsteilung zu sprechen. Einerseits, damit auch die Väter schon früh viel Zeit mit dem Kind verbringen, und andererseits, um eine Schieflage in der Verteilung der Care-Arbeit so früh wie möglich zu verhindern. Mal ehrlich: Kompliziert wird es doch erst, wenn beide an den Arbeitsplatz zurückkehren. Dann müssen wir Familie, Beruf, Freund*innen, Partnerschaft und unsere eigenen Bedürfnisse unter einen Hut bringen, und das mit einem Tag, der »nur« 24 Stunden hat. Wenn wir uns dann schon an eine partnerschaftliche Routine gewöhnt haben, ist es deutlich einfacher. Denn sonst endet es schnell so, wie es Familienministerin Renate Schmidt in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen einmal beschrieb: »Ich kann nicht zu 100 Prozent Berufsfrau, zu 100 Prozent Mutter und Hausfrau und zu 100 Prozent Partnerin sein. Das ist nie und nimmer zu schaffen. Denn dann bin ich innerhalb kürzester Zeit ein 300-prozentiges Wrack.«1 Gleiches gilt natürlich auch für engagierte Väter.
Deshalb lautet meine erste ernüchternde Antwort: Vereinbarkeit ist nicht möglich – jedenfalls nicht, wenn wir alles gleichzeitig wollen und im Alltag nach der vollen Perfektion streben. Doch bevor ihr mein Buch jetzt enttäuscht weglegt: Vereinbarkeit ist nicht unmöglich. Sie kostet aber Kraft, viele Gespräche und den einen oder anderen Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen und alten Rollenbildern. Sie erfordert, die eigenen Ansprüche herunterzufahren. Wir können nicht dauerhaft Spitzenmutter des Jahres, beste Hausfrau des Landes und Mitarbeiter*in des Monats sein. Sich von den oft viel zu hohen Erwartungen an uns selbst zu verabschieden, ist gar nicht leicht – gerade für Mütter. Natürlich ist auch das möglich. Zum praktischen Teil komme ich später – an dieser Stelle möchte ich erstmal ein paar Worte zum Status quo sagen. Ja, Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in den letzten zehn Jahren leichter geworden. Ein Beispiel: Seit der Einführung des Elterngeldes 2007 kehren immer mehr Mütter schneller und mit mehr Stunden in den Beruf zurück.2 Über die Hälfte aller Frauen beginnen inzwischen nach dem ersten Geburtstag des Kindes wieder zu arbeiten. Das ist eine gute Nachricht: Denn damit verliert das traditionelle Ernährermodell, bei dem der Mann in Vollzeit erwerbstätig ist, das Haushaltseinkommen ganz allein sichert und die Frau sich um Familien- und Hausarbeit kümmert, endlich an Bedeutung. In immer mehr Familien müssen oder wollen beide Elternteile arbeiten. Das ist gut für die Rente und für das Konto. Und natürlich bedeutet die Rückkehr ins Berufsleben auch soziale Teilhabe und Selbstverwirklichung. Im besten Fall erhöhen diese gelebten Werte auch die Zufriedenheit. Umso wichtiger wäre es, also einen Weg zu finden, um Familie, Beruf und Partnerschaft gut und angemessen miteinander zu kombinieren. Doch das ist im Alltag leichter gesagt als getan. Natürlich haben Frauen heute mehr berufliche Chancen als noch ihre eigenen Mütter. Ein Mädchen kann heute theoretisch alles werden – von Unternehmenslenkerin über Impfstofferfinderin bis zur Astronautin. Gleichzeitig sind wir in den Sechzigerjahren steckengeblieben. Immer noch tragen die Frauen die Hauptverantwortung für die Familie und übernehmen den Großteil der Care-Arbeit3 – Einkaufen, Wäsche waschen, kochen, beim kranken Kind bleiben, für Klassenarbeiten lernen oder einen Kuchen für das Kita-Sommerfest zaubern. Dazu kommt der enorme gesellschaftliche Druck auf die moderne Mutter – im Ideal liebende Partnerin mit einem strahlenden Haushalt, im Beruf erfolgreich und mit hochbegabten und gut erzogenen Kindern, die nicht zu streng, sondern auf Augenhöhe erzogen werden.
Das Problem: Egal was die Mutter tut, sie macht es falsch. Bleibt sie zu Hause, ist sie die rückständige Hausfrau. Geht sie in Vollzeit arbeiten, ist sie karrieregeil und eine Rabenmutter. Hat sie einen Teilzeit-Job, kümmert sich um Haushalt und Kinder, will sie eine perfekte Ehefrau sein, dann ist sie bald ausgebrannt.
Eine sehr schmerzliche Erkenntnis während der Recherche für dieses Buch war für mich, dass Vereinbarkeit nicht nur an strukturellen Rahmenbedingungen beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt scheitert, sondern in den meisten Fällen an mangelnder Gleichberechtigung in der Familie und am Arbeitsplatz. Jennifer Yohannes, Geschäftsführerin der Kartenmacherei, hat im Interview mit dem Frauenkarriere-Portal hercareer.de dazu etwas sehr Kluges gesagt: »Das Problem für die eine Hälfte der arbeitenden Eltern (Mütter) entsteht nur deshalb, weil man der anderen Hälfte der arbeitenden Eltern (Väter) ihren Eltern-Status im Arbeitsleben so gut wie nie anmerkt.« Wenn alle Eltern gleichermaßen involviert wären, gäbe es keine Diskriminierung von Müttern mehr (und generell Frauen als potenziellen Müttern), und Arbeitgeber*innen wären viel stärker gezwungen, sich auf die Bedürfnisse von Familien einzustellen.4
Doch was ist die Konsequenz, was der Ausweg?Wir Eltern brauchen dringend mehr Mut, um neue Wege zu gehen. So muss es zum Beispiel mehr Männer geben, die im Leben ihrer Kinder eine präsente Rolle übernehmen, die den Haushalt schmeißen, ihrer Frau den Rücken freihalten und auch in Teilzeit arbeiten, für die Familie. Natürlich will ich an dieser Stelle die Schuld an fehlender Vereinbarkeit nicht vollständig in die Schuhe von uns Männern schieben, auch wenn unser Anteil an dem Problem ziemlich groß ist –in Politik und Wirtschaft und als Väter, die nicht bereit sind, für ihre Familie im Beruf kürzerzutreten. Gleichzeitig gibt es genug Väter, die unter diesem Ideal des hart arbeitenden und die Familie versorgenden Mannes leiden, aber sich vielleicht nicht trauen, ganz mit gesellschaftlichen Konventionen zu brechen. Auch viele Frauen fühlen sich immer noch kompetenter in Sachen Haushalt und Kindererziehung als ihre Partner. Und während die Mütter dem Ideal der Super-Mama nacheifern, gehen wir Männer immer noch selbstverständlich davon aus, dass wir die Familie ernähren müssen und die Partnerin schon voll in der Mutterrolle aufgehen wird.
So wundert es kaum, dass auch viele Unternehmen immer noch glauben, dass Männer eine Sechzig-Stunden-Woche schieben und gleichzeitig aktive Väter sein können. Wenn der Vater um 15 Uhr das Büro verlässt, um bei seinem Kind zu sein, wird das nicht unbedingt wertgeschätzt, sondern viel zu oft belächelt. Das kann natürlich keine Generalentschuldigung sein. Wer wirklich für seine Familie da sein will, steht auch über dem vermeintlichen Spott der Kolleg*innen oder wechselt – in Zeiten des Fachkräftemangels – die Abteilung oder sogar das Unternehmen. Auf dem Weg zu mehr Normalität und Vereinbarkeit brauchen wir aber nicht nur mutige Vorreiter, sondern nicht weniger als einen Kulturwandel in der Arbeitswelt abseits von Dauer-Präsenz und Vierzig-Stunden-Woche. Es braucht eine bewusste Karriereförderung für Mütter und männliche Führungskräfte, die auch mit dem kranken Kind zu Hause bleiben und selbst dreißig Stunden arbeiten. Meetings sollten vor 15 Uhr stattfinden, damit es keine Konflikte zwischen Kita-Abholzeit und Kollegenaustausch mehr gibt. Flexiblere Arbeitsmodelle lassen mehr Spielraum zwischen Homeoffice und Büro-Präsenz. Vielleicht ist irgendwann eine Dreißig-Stunden-Teilzeit die neue Vollzeitarbeit, fachlich attraktiv, für die Karriere keine Sackgasse und so gut bezahlt, dass davon der Lebensunterhalt bestritten werden kann.
Das Problem: Abseits von wirklich tollen und engagierten Führungskräften und Unternehmen fehlt es in viel zu vielen Betrieben an dem Willen zum Wandel. Die Folge: Wer als Arbeitnehmer*in heute in Gleichberechtigung leben und damit eine wichtige Voraussetzung für mehr Vereinbarkeit schaffen möchte, muss dafür einen anstrengenden und langen Weg gehen und bekommt nicht selten noch Steine in denselbigen gelegt. Nicht nur vom Arbeitgeber oder gesellschaftlichen Konventionen, sondern auch von der Politik. Nehmen wir die staatlichen Anreize für eine traditionelle Rollenverteilung. Das Ehegattensplitting zum Beispiel bestraft Eltern, die ähnlich viel arbeiten und verdienen. Eine kurze Erklärung: Bei Ehegatten – egal ob mit oder ohne Kinder – werden beide Einkommen addiert und dann durch zwei geteilt. Für Männer, die häufig mehr verdienen als ihre Partnerin, bedeutet das oft einen geringeren Steuersatz, für Frauen dagegen eine höhere Steuerbelastung.5 Sie überlegen sich also zweimal, ob sie jetzt mehr verdienen und eigentlich eher für den Staat arbeiten als für die eigene Familie. Dazu kommt, dass das Ehegattensplitting Alleinerziehende und Verwitwete durch höhere Steuersätze benachteiligt. Die beitragsfreie Mitversicherung macht es zusätzlich unattraktiv, etwas anderes als das Zuverdiener- oder Alleinernährermodell zu wählen. Doch das ist aus vielen Gründen nicht mehr zeitgemäß. An dieser Stelle möchte ich nur zwei nennen: Die Frauen von heute sind so gut ausgebildet wie niemals zuvor. Dieses Potenzial in Zeiten des massiven Fachkräftemangels ungenutzt zu lassen, ist grob fahrlässig und gefährlich für unseren Wirtschaftsstandort. Dazu kommt, dass es für Frauen riskant ist, sich bei der Altersvorsorge nur auf den Mann zu verlassen – verstirbt der Partner früh oder geht die Ehe in die Brüche, wird das Geld knapp. Umso wichtiger ist es, das eigene Glück in die Hand zu nehmen und selbst vorzusorgen. Und das geht am besten in Gleichberechtigung, und zwar auf allen Ebenen – Beruf, Kinderbetreuung, Familienleben und Care-Arbeit. Tatsächlich wächst der Wunsch danach. So wollen laut einer Deutschland-Studie des ZDF zwei Drittel aller Männer mehr Väter-Zeit.6 Auch die Karriere bewerten nur drei Prozent der Befragten als besonders wichtig, für 56 Prozent kommt die Familie an erster Stelle. Das Problem: Nur wenige Väter trauen sich, die Ernährerrolle abzustreifen. Lediglich vier von zehn Vätern nehmen überhaupt Elternzeit, und wenn, dann kaum mehr als zwei Monate. Ganze sechs Prozent aller Väter mit kleinen Kindern arbeiten in Teilzeit, unter Frauen liegt der Anteil dagegen bei 69 Prozent.7
Was hindert die jungen Familien daran, mehr Gleichberechtigung zu wagen und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern?
Ein wichtiger Grund ist sicher das Geld. Neben dem Ehegattensplitting gibt es noch den leidigen Gender Pay Gap. Männer verdienen immer noch oft deutlich mehr als ihre Frauen. Gleichberechtigung muss man sich also leisten können und wollen. Umso wichtiger ist es, auch als Mann gegen den Gender Pay Gap anzukämpfen, für unsere Partnerinnen und für unsere eigene Wahlfreiheit. Wenn wir Väter nicht mehr in die Ernährer-Rolle gedrängt werden wollen, müssen die Frauen mehr Geld verdienen. Ganz einfach. Natürlich sind nicht nur das liebe Geld und falsche Anreize schuld. Doch es geht auch anders, wie der Blick zu den europäischen Nachbarn zeigt. Gerade Länder wie Schweden oder Frankreich scheinen uns in Sachen Kinderbetreuung oder staatlich geförderte Gleichberechtigung meilenweit voraus zu sein. Vielleicht hat man hier schon länger erkannt, dass eine familienfreundliche Politik nicht nur den Eltern und den Kindern hilft, sondern auch die Geburtenrate erhöht und die Wirtschaft stärkt. Dementsprechend ist es auch kaum verwunderlich, dass auch die deutsche Bundesregierung in den letzten Jahren einige gute Schritte in die richtige Richtung getan hat – Stichwort: Elterngeld und Ausbau der Kita-Plätze. Seit dem 1. August 2013 besteht ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder über einem Jahr – entweder in einer Kindertagesstätte oder in der Kindertagespflege.8 Das Problem: Laut Institut der Deutschen Wirtschaft fehlten 2020 knapp 342.000 Krippenplätze in Deutschland.9 Dazu kommt ein großer Erzieher*innen-Mangel und eine fehlende Ausstattung der Kindertagesstätten. Gleiches gilt für Ganztagsschulen. Ab 2025 sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder bekommen.10 Bisher gab es diesen Anspruch nur vom ersten Lebensjahr bis zur Einschulung. Auf den ersten Blick ein längst überfälliger Schritt und eine große Entlastung für alle berufstätigen Eltern. Schließlich endet an vielen Schulen schon am Nachmittag der Unterricht, und die Kinder kommen wieder nach Hause. Doch auch hier braucht es große Investitionen in die Infrastruktur der Schulen und in pädagogisches Personal für die Ganztagsbetreuung. Es ist also kein Geheimnis, wenn wir feststellen, dass ein Mangel an guten Kinderbetreuungsplätzen ein wichtiges Erwerbshindernis ist – vor allem für Frauen und Alleinerziehende. Bessere Kinderbetreuung ist natürlich nur eine von vielen Möglichkeiten der Politik, um uns die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern. Sie muss auch endlich damit beginnen, eine moderne Rollenverteilung zwischen Mann und Frau zu fördern – durch die Abschaffung des Ehegattensplittings, durch stärkere Begünstigung von Familien und gleichberechtigt arbeitenden Paaren und mit mehr Anreizen für längere Elternzeit von Vätern.
Doch genug der Klage: Ich werde mit diesem Buch kaum die Wirtschaft und Politik aufrütteln und große Veränderungen hin zu mehr Familienfreundlichkeit anstoßen. Das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich möchte dazu anregen, selbst Lösungen für den Familienalltag und nach Modellen zu suchen, die zu eurem Alltag mit Kind passen. Wir Eltern sind dann am glücklichsten, wenn wir das Leben führen können, das wir uns wünschen. Wenn also jene Mütter und Väter, die viel arbeiten wollen, auch entsprechende Jobs finden, und die anderen, die lieber zu Hause bei den Kindern bleiben, das tun können, wäre schon viel getan. Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden, und genau dabei möchte ich mit meinem Buch helfen. Besonders gut gestalten lassen sich Vereinbarkeit und die Suche nach dem passenden Familienmodell übrigens an Übergängen – vom Paar zum Elternpaar oder vom Familienmodus zur »richtigen« Vereinbarkeits-Challenge mit zwei arbeitenden Partnern. Genau deshalb widmet sich mein erstes Kapitel einer gemeinsamen Familienvision. Am besten schon in der Schwangerschaft entwickelt, wird sie im besten Fall zu einer Art Orientierung für euer Leben mit Kindern. Natürlich ist diese Vision nicht starr wie ein Korsett, sondern muss jeden Tag ein bisschen angepasst werden – schließlich ist das Leben als Eltern alles andere als plan- oder gar berechenbar.
Während das Baby im Bauch heranwächst, gibt es für uns als werdende Eltern viel zu tun. Gerade beim ersten Kind, wenn auf dem Dachboden und im Keller noch nicht kistenweise Kleidung und Spielzeug der älteren Geschwister lagern, verbringen wir viel Zeit in Babyfachgeschäften und mit Internetrecherche: Strampler kaufen, das Kinderzimmer einrichten, den richtigen Kinderwagen auswählen, Geburtsvorbereitungskurs besuchen, die Wohnung kindersicher machen, die Anträge für Elternzeit und Elterngeld verstehen und dann auch noch korrekt stellen und irgendwann die Kliniktasche packen.
Inmitten dieser emotional aufregenden Phase innezuhalten, uns zu fragen, wie wir uns eigentlich Elternsein vorstellen und wie wir unser neues Leben und unsere neuen Aufgaben mit Baby gestalten wollen, ist zugegeben ziemlich schwer. Einerseits, weil wir so viele andere Dinge im Kopf haben (müssen), andererseits, weil wir uns das Leben mit Kind nur schemenhaft vorstellen können. Trotzdem lautet mein Appell: Nehmt euch bitte Zeit für die Entwicklung einer eigenen Familienvision – alleine und als Paar, gerne schon in der Schwangerschaft, vielleicht sogar bereits bei den ersten Gesprächen über einen gemeinsamen oder weiteren Kinderwunsch. Dieser Ratschlag stammt natürlich nicht allein von mir. Bei der Recherche für dieses Buch stieß ich an ganz vielen Stellen auf die Idee einer Familienvision – wenn auch oft unter anderem Namen. Besonders die Gespräche mit Hanna Drechsler, Coachin für Frauen und Mütter, und Work-&-Family-Coachin Stephanie Poggemöller haben mich dazu inspiriert, diesen Ansatz mit aufzunehmen. Doch warum sollten wir gleich eine ganze Familienvision entwickeln, reicht nicht ein kurzes Gespräch? Das mag sich der eine oder die andere von euch nun fragen. Immerhin ist die Zeit mit Baby ohnehin erstens anders und zweitens als man denkt. Das stimmt. Den Austausch über die Frage, wie ihr als Familie leben wollt, könnt ihr trotzdem mit gutem Gewissen als sinnvolle Investition in die Paarbeziehung verbuchen. Wie zufrieden ihr als Familie seid, hat natürlich auch Auswirkungen auf euch als Paar und auf euer persönliches Wohlbefinden. Ohne diesen Austausch über eure Ideen, Vorstellungen und Wünsche droht schnell die Ernüchterung. An dieser Stelle möchte ich etwas aus meinem eigenen Elternzeit-Nähkästchen plaudern: Viele Mütter im Baby-Kurs beklagten sich darüber, dass ihre Männer sich zu wenig engagierten und doch nicht so präsente und aktive Papas waren, wie es einer neuen Väter-Generation gemeinhin nachgesagt wird. Die Männer hingegen berichteten beim einzigen »Papa-Termin« im Kurs über den Druck, nun eine Familie ernähren zu müssen, und von ihrer Überforderung, die Zeit mit dem Baby sinnvoll zu gestalten. Ein wunderbarer, wirklich so gesagter Satz von einem Teilnehmer: »Ich bin gewöhnt, als Unternehmensberater meine Stakeholder zu orchestrieren. Bei meiner Tochter stoße ich aber regelmäßig an meine Grenze.« Mal ganz abgesehen davon, dass sich Babys schlecht orchestrieren lassen, geht aus diesen Äußerungen vor allem eins hervor: Offenbar sprachen alle gerne übereinander, aber als Paar und Eltern viel zu wenig miteinander. Stattdessen wuchs der Frust – jedenfalls den von mir interessiert verfolgten Chat-Verläufen der Whatsapp-Mama-Gruppe nach zu urteilen. Die gute Nachricht: Alle Beziehungen halten bis heute, einige kleine Brüder und Schwestern kamen dazu. Trotzdem ließen sich mit einer Verständigung über eine klare Familienvision viele Konflikte der ersten Baby-Monate vermeiden oder wenigstens abschwächen – denn Meinungsverschiedenheiten über die elterliche Arbeitsteilung aus dem Weg zu räumen, ist mit kleinem Baby an der Brust, völlig übermüdet und inmitten der Herausforderungen der ersten Wochen und Monate deutlich schwieriger als noch in der Schwangerschaft oder der Zeit davor.
Und vielleicht noch wichtiger: Wenn ihr euch früh mit den eigenen Vorstellungen über das Vater- oder Muttersein auseinandersetzt, verhindert ihr, dass einer von euch sich durch eine zu schnelle und ungefragte Rollenverteilung übergangen fühlt. Vielleicht willst du als Mutter gar nicht zwei Jahre lang in Elternzeit gehen, sondern dich lieber beruflich weiterentwickeln. Vielleicht nervt es dich als Vater, dass du beim ersten Kind zu viel verpasst hast, und möchtest nun mehr Zeit mit dem Baby verbringen. Um solche Wünsche und Vorstellungen frühzeitig herauszufinden und abzugleichen, solltet ihr euch als Paar unbedingt darüber austauschen, wie ihr euch das zukünftige Familienleben vorstellt. Ganz wichtig ist es dabei, sich von den Erwartungen der Gesellschaft oder des näheren Umfelds loszusagen. Ihr müsst ein Modell finden, mit dem ihr euch wohlfühlt und das zu eurem Leben passt, und ihr müsst bereit sein, dieses Modell immer wieder anzupassen – ob es zeitweise eher klassisch oder ganz ungewöhnlich ausfällt, ist völlig egal, solange ihr euch als Paar bewusst dafür entscheidet und bereit seid, immer wieder nachzujustieren. Einfach die Rollen Ernährer und Vollzeit-Mutter für die ersten drei oder mehr Lebensjahre zu übernehmen, weil es alle so machen, erscheint mir falsch. Natürlich sind alle gemeinsamen Entscheidungen über ein neues Familien- oder Betreuungsmodell alles andere als endgültig – wenn ihr regelmäßig im Gespräch bleibt und immer wieder hinterfragt, ob die getroffenen Vereinbarungen noch zum Familienalltag passen, ist Nachjustieren ohne größere Probleme möglich, ja vielleicht sogar immer wieder nötig. Doch nun genug der Theorie – wie entwickelt ihr eigentlich eine Familienvision?
Im ersten Schritt solltest du für dich selbst eine Vorstellung über deine zukünftige Rolle als Mutter oder Vater entwickeln. Dabei ist es ganz egal, ob das dein erstes Kind ist oder nicht. Deine Rolle wird sich in beiden Fällen verändern. Nimm dir dafür ruhig ein paar Stunden Zeit – mit Stift und Papier, einem Kaffee oder Tee, ganz ohne Ablenkung. Musik ist erlaubt, aber kein Smartphone oder Fernseher. Gerne kannst du dich natürlich auch mit Freunden oder Bekannten besprechen, die du für dich als Role Models wahrnimmst – vielleicht kennst du einen Vater, der lange in Elternzeit war, oder eine Mutter, die früh an den Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, oder junge Eltern aus deinem Umfeld, die ein interessantes Familienmodell leben. Mir persönlich haben Bücher oder Zeitschriften-Artikel über das Vatersein sehr geholfen. Besonders das Bild der neuen Väter – engagiert, mit Kind in der Babytrage – gefiel mir gut. Mit dieser Art von Vaterschaft konnte ich mich identifizieren. Daran hat sich übrigens bis heute wenig geändert.
Meine erste Frage für dich wäre also: Welches Bild von mir als Vater oder Mutter habe ich selbst?
Denk dabei ruhig in Bildern oder Situationen, gerne weit in der Zukunft. Auch der Blick auf die eigene Kindheit und die Rollenverteilung in deinem Elternhaus kann in diesem Zusammenhang sinnvoll sein. Immerhin beeinflusst unsere soziale Prägung sehr stark, in welchen Rollenbildern wir als Eltern denken und oft auch leben. Die meisten jungen, modernen Eltern kommen aus Elternhäusern mit traditioneller Aufteilung. Also macht es Sinn, sich außerdem zu fragen: Was hat mir bei meinen Eltern gefallen, was möchte ich anders machen?
Natürlich solltest du dir auch konkrete Fragen stellen:
Wie lange möchte ich in Elternzeit gehen?Wie viel Zeit möchte ich im Alltag mit der Familie verbringen? Reicht es für mich aus, am Abend und am Wochenende da zu sein, oder möchte ich noch an mehreren Nachmittagen unter der Woche präsent sein?Wie viel Zeit möchte ich in meinen Beruf investieren? Welche beruflichen Ziele habe ich für die nächsten Jahre?Wie wichtig sind mir Hobbys? Gibt es Dinge, die ich auch mit Kind weiterverfolgen möchte, oder bin ich bereit, bestimmte Hobbys für die Familie aufzugeben?Wie schaffe ich mir Auszeiten für mich selbst?Welche Rolle sollen die eigenen Eltern bei der Betreuung und Familienunterstützung spielen?Ab wann soll unser Kind in die Betreuung gehen? Wie stelle ich mir langfristig unser Familienmodell vor?Natürlich lassen sich nicht all diese Fragen exakt beantworten. Darum geht es auch gar nicht, sondern eher um ein Nachdenken über die Zukunft. Die meisten werdenden Eltern machen genau das viel zu selten und viel zu wenig. Sie wählen den einfachsten statt den eigenen Weg. Das ist eine verpasste Chance. Und ja, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der eigene Weg anstrengender und komplizierter sein kann, etwa wenn sich beide Eltern darauf einigen, auf Dauer die Arbeitszeit zu reduzieren und sich die Care-Arbeit aufzuteilen. Aber das Ergebnis ist am Ende alle Mühen wert.
Wenn du nun eine Vorstellung über die eigene Mutter- oder Vater-Rolle im Kopf hast, kannst du in den Austausch mit deinem Partner beziehungsweise deiner Partnerin gehen. Für dieses Gespräch solltet ihr euch mindestens genauso viel Zeit nehmen wie für das eigene Nachdenken. Wie die folgende Liste mit möglichen Fragen zeigt, braucht die Entwicklung einer Familienvision und damit auch das Abgleichen der eigenen Vorstellungen Zeit. Deshalb macht es Sinn, sich schon in der Schwangerschaft regelmäßig zusammenzusetzen und über die Fragen zu sprechen – vielleicht auch mit kleineren Denk-Hausaufgaben füreinander. Wahrscheinlich stellt ihr dabei hin und wieder fest, dass eure Vorstellungen nicht ganz deckungsgleich sind. Das ist völlig in Ordnung, Kontroversen bieten sogar Chancen. Immerhin könnt ihr nun Dinge aushandeln und Zuständigkeiten klären, noch bevor sie zu einem handfesten Konflikt werden. Schlägt erst der babybedingte Schlafmangel zu, fällt es deutlich schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen, und eure Laune gleicht vermutlich oft eher einem Pulverfass. Solltet ihr auf Differenzen stoßen, ist es wichtig, einerseits wertschätzend und offen zu bleiben – Vorwürfe sind immer Kommunikationssperren –, und andererseits nicht auf einen schnellen Kompromiss zu drängen. Lasst euch ruhig Bedenkzeit zwischen den Gesprächen und überlegt zunächst für euch selbst, wie eine mögliche Lösung aussehen kann. Mit dieser Idee könnt ihr dann wieder in den Austausch gehen und gemeinsam nach neuen Wegen suchen. Auch in dieser Phase macht es durchaus Sinn, sich Rat von außen zu holen. Damit meine ich nicht unbedingt gleich teure Coaches oder Eltern-Seminare, sondern Gespräche mit Menschen, die schon in der Baby- und Kleinkindzeit drinstecken oder diese Lebensphase hinter sich haben. Eine tolle Möglichkeit sind auch Podcasts – es gibt inzwischen unzählige davon, in denen auch über Familienmodelle gesprochen wird. All diese Antworten auf die Frage »Wie macht ihr das eigentlich?« können für eure Familienvision sehr aufschlussreich sein. Nun kommen wir endlich zu den versprochenen Fragen für gemeinsame Gespräche:
Grundsätzliche Familienrollen
Wie wollen wir unsere Rolle als Mutter und Vater leben? Wie präsent wollen wir beide sein? Möchte ich ein aktiver Vater sein, meine Arbeitszeit wenigstens kurzfristig reduzieren und so eine wichtige Rolle im Alltag des Kindes spielen?Möchte ich als Mutter bewusst viel Zeit mit dem Kind verbringen und kann mir auch eine längere Auszeit vom Beruf vorstellen? Oder möchte ich zeitnah wieder arbeiten? Welche Momente in meiner Kindheit empfand ich als besonders schön und würde sie gerne auch mit meinen Kindern erleben? Und welche Dinge möchte ich ganz anders machen als meine Eltern?Kleine Anmerkung: Daraus müssen nicht unbedingt konkrete Planungen entstehen, aber der Austausch darüber kann sehr schön sein, um sich gegenseitig besser zu verstehen.
Erste Zeit mit Baby/Wochenbett
Wie stellt ihr euch die Geburt vor? Soll euer Kind im Geburtshaus, zu Hause oder doch im Kreißsaal zur Welt kommen?Wie organisiert ihr die Zeit im Wochenbett? Bleibst du als Papa zu Hause und wenn ja, wie lange? Wer kann euch in den ersten Wochen unterstützen – beim Einkaufen, Kochen, Putzen oder bei der Betreuung der größeren Geschwister?Erlauben wir Besuch? Ab wann? Wer sollte kommen? Wer nicht?Elternzeit
Wie lange gehen wir in Elternzeit und wie teilen wir sie auf?Gehen wir gleichzeitig oder nacheinander in Elternzeit?