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Eine leise Geschichte über Heilung, Bewusstsein und die Kraft der Stille. Aureliaos ist ein Dorf, in dem das Lachen verstummt ist. Erst mit dem Auftauchen einer geheimnisvollen weißen Katze beginnt sich etwas zu verändern. Elyra erscheint nicht zufällig. Mit ihrem Schnurren berührt sie verborgene Wunden, weckt Erinnerungen und öffnet Räume, die lange verschlossen waren. Wer ihr begegnet, steht unweigerlich vor sich selbst. Marta, die sich aus der Welt zurückgezogen hat, und Jorin, ein rastloser Suchender, folgen auf unterschiedliche Weise dem stillen Ruf, den Elyra in ihnen auslöst. Zwischen Wald, Erinnerung und leiser Erkenntnis lernen sie, was es heißt, loszulassen, zu vertrauen und neu zu beginnen. Diese poetische Erzählung entfaltet ihre Wirkung nicht durch Lautstärke, sondern durch Tiefe. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, hinzusehen und sich wieder mit dem Wesentlichen zu verbinden. Ein Roman für Leser*innen, die spüren, dass wahre Heilung in den stillen Momenten geschieht.
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Wie eine Katze ein ganzes Dorf verändert hat
Elyra ist all jenen Menschen gewidmet, die mich unterstützt und inspiriert haben, meine kreative Seite auszuleben.
Besonderer Dank gilt meiner Mutter und meiner Großmutter, die mir schon als Kind den Raum gaben, mich frei zu entfalten.
Mein ganz besonderer Dank gilt zudem meiner Herzensfreundin Polina – einem Menschen, der mich in all meinen Vorhaben stärkt, motiviert und an mich glaubt.
Martina Dude ist Natur- und Spirituelle Coacherin, Pädagogin, Autorin, Body-Mind- sowie Shinrin-Yoku-Trainerin.
Mit großem Einfühlungsvermögen begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu innerer Balance, Bewusstheit und seelischkörperlicher Harmonie. In ihrer Arbeit vereint sie pädagogische Erfahrung mit spiritueller Tiefe und der heilenden Kraft der Natur.
https://forestdream.jimdofree.com/
Einleitung
Kapitel 1: Marta
Kapitel 2: Marta und der erste Hauch von Heilung
Kapitel 3: Das flüsternde Herz des Waldes
Kapitel 4: Jorin, der Suchende im Schatten der Zeit
Kapitel 5: Die Schule der Stille
Kapitel 6: Die Stimmen der Herzen – Ein Dorf erwacht
Kapitel 7: Wenn Nähe heilt – Elyra und das Licht in Leon
Kapitel 8: Elyra, die Main-Coon-Katze mit heilender Kraft
Kapitel 9: Die Wiederkehr der Verbundenheit
Kapitel 10: Der Beginn eines neuen Kreislaufs
Kapitel 11: Die Rückkehr Elyras
Kapitel 12: Der Baum der Erkenntnis
Kapitel 13: Das Dorf im Einklang des heilenden Schnurrens
Kapitel 14: Elyra und die Stimme des Waldes
Kapitel 15: Elyra und die Begegnung mit der fruchtbaren Einsamkeit
Inmitten Wäldern und sanftgeschwungener Hügeln lag das kleine Dorf Aureliaos, von dem die Welt kaum Notiz nahm. Ein Ort, an dem die Zeit still zu stehen schien.
Die Dorfbewohner waren hartherzig und verbittert. Sie hatten ein schweres Leben. Von früh bis spät bestellten sie das Feld, um die Familie zu ernähren, doch etwas fehlte. Ein „Etwas“ das man gar nicht so richtig in Worte fassen konnte. Klar war nur: Ein unsichtbarer Schatten verfolgte und bedrückte sie.
Es hieß, das Dorf sei einst ein fröhlicher Ort gewesen. Niemand wusste genau, wann das Lächeln aus den Gesichtern verschwunden war.
Es war als hätten sich die Sorgen wie dichter Nebel über die Bewohner gelegt – schwer und undurchdringlich. Bis zu jenem besonderen Tag, an dem die Katze Elyra ins Dorf kam.
Sie erschien in einer mondhellen Nacht, ihr Fell war weiß wie Schnee und ihre Augen leuchteten wie geschmolzenes Gold. Niemand wusste, woher sie kam. Doch die Katze wiederum schien alles über die Dorfbewohner zu wissen. Über ihre Ängste, ihre Trauer. Offenbar wusste sie auch von all den Geheimnissen, die im Inneren der Bewohner schlummerten.
Man hatte vieles in die Tiefen des Unterbewusstseins verdrängt, denn auf diese Weise war das Leben einigermaßen erträglich. Nur nicht zu viel hinterfragen! Es könnte tiefen Schmerz mit sich bringen und einem die Tatsache, dass man an diesem Leben etwas ändern müsse, verbunden mit der Frage: „Was brauche ich, was wünsche ich und was erträgt meine Seele überhaupt?“ erbarmungslos vor Augen führen.
Es war nicht nur das Aussehen, das die Menschen an der Katze faszinierte: Vielmehr war es der ungewöhnliche Klang ihres Schnurrens. Dabei handelte es sich nicht um ein gewöhnliches Schnurren, wie man es von anderen Katzen kennt. Es klang eher wie ein sanftes Lied, das die Luft erfüllte, warm und beruhigend, als würde er direkt in die Herzen der Menschen dringen.
Manche sagten, es klang wie das Flüstern des Windes in den Bäumen, andere wiederum meinten, Musik aus diesem Schnurren herauszuhören. Musik aus einem lang vergessenen Traum.
Elyra ließ sich bei einer alten Frau namens Marta nieder, die seit vielen Jahren allein, aber bewusst und zufrieden lebte.
Marta war eine stille Frau; das Herz von Verlust und Einsamkeit beschwert, aber offen für unvorhersehbare Ereignisse und Wunder. Sie war sich sicher, dass durch die Kraft des Glaubens Wunder geschehen können. In jener Nacht, als Elyra zu ihr kam, änderte sich etwas. Als Marta Elyra streichelte und ihr goldenes Schnurren hörte, spürte sie, wie sanfte Wärme durch ihren Körper floss. Zum ersten Mal seit Jahren konnte sie tief und ruhig schlafen.
Am nächsten Morgen hatte sie das Gefühl, dass ihre Sorgen nicht mehr so schwer wogen wie zuvor.
Bald sprach sich im Dorf herum, dass die Katze Elyra etwas Besonderes sei. Die Menschen besuchten Marta in der Hoffnung, dass die Katze auch ihnen helfen würde.
Doch Elyra war wählerisch. Sie ließ nicht alle Menschen an sich heran, sondern nur diejenigen, die bereit waren, ihr Herz zu öffnen und sich ihren Ängsten zu stellen.
So begann eine außergewöhnliche Geschichte - eine Geschichte der Heilung, der Hoffnung und der tiefen Verbundenheit zwischen Mensch und Tier. Elyra mit dem goldenen Schnurren wurde zur Legende, nicht nur in diesem kleinen Dorf, sondern weit über seine Grenzen hinaus.
Marta
E ingebettet in ein malerisches Tal lag das Dorf Aureliaos. Umgeben von mächtigen, uralten Wäldern, die einerseits seit Jahrhunderten Schutz boten, denen aber andererseits etwas Okkultes, Geheimnisvolles anhaftete. Seit jeher schien es, als sei der Wald, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit, von magischer Kraft umhüllt.
Marta, deren Vorfahren seit Generationen im Dorf gelebt hatten, war den Bewohnern in all den Jahren fremd geblieben. Sie lebte ganz allein und begründete dies mit ihrer Selbstgenügsamkeit und der Tatsache, niemanden gefunden zu haben, der zu ihr passte.
Sie empfand den Durchschnittsmenschen als zu profan und liebte es, sich Dingen zu widmen, zu denen die meisten Menschen infolge fehlender empfänglicher Antennen keinen Zugang fanden.
Die Zeit hatte an Marta genagt. Sie war nun weit über 60 Jahre alt und hatte das Dorf kaum jemals verlassen. Warum auch? Sie hatte nie so recht verstehen können, weshalb so viele Menschen in die Ferne zogen. Es lag aber wohl daran, dass sich viele verloren und von ihrer eigenen Mitte entfernt hatten, so dass sie das Glück an anderer Stelle zu finden hofften.
Marta hingegen hatte immer gespürt, dass dieser Ort genau der richtige für sie war. Den innewohnenden Zauber konnten wohl nur Menschen spüren, die einen Sensor für die Wunder besaßen, die das Leben für sie bereitgestellt hatte.
Aureliaos war für Marta ein Ort, worin die Zeit stillzustehen schien – weit weg von der Hektik der Großstädte. Der Name bedeutete so viel wie: „Ein alter, mystischer Ort“, abgeleitet von "Aurelia" (die Goldene) und "Oos"; ein Fleckchen Erde, auf dem die Menschen von goldenem, heilenden Licht umfangen werden.
So hatte Marta es immer empfunden. Aureliaos war ihre geistige Wiege. Auf diesen Ort war sie stolz. Sie war glücklich, dort leben zu dürfen. Hier war sie innerlich mit sich im Einklang und wusste genau, was in ihrem Leben wichtig und was nicht unbedingt erstrebenswert war. Nie hatte sie das Gefühl, am falschen Ort zu sein.
Sie lebte gesund und im Einklang mit der Natur im hier und jetzt; ja, sie war allein, aber dieser Einsamkeit wohnte kaum Schmerz inne. Sie hatte die Einsamkeit gesucht und gefunden. Ein erfüllender Weg mit vielen Stationen, Erleuchtung und Erkenntnissen.
Beispielsweise jener, dass die Einsamkeit und das Zwiegespräch mit sich selber uns den Weg weist, den zu beschreiten wir bestimmt sind.
In jungen Jahren war der Gleichklang zweier Herzen sehr erfüllend, aber ihre Seele fand darin keine dauerhafte Befriedigung. Dualität kann etwas Wunderbares sein und war es zeitweise auch, aber tiefe Erkenntnis erlangte sie immer nur, wenn sie eins mit sich selber war.
Keine Ablenkungen, keine unnötigen Diskussionen, keine ständigen Rechtfertigungen. Das Eins sein zweier Herzen war ein leuchtendes Versprechen, ein warmer Strom, der sie trug, doch nie ganz erfüllte, denn ihre Seele sehnte sich nach mehr als Harmonie.
Dualität - ein Tanz aus Licht und Schatten - schenkte ihr ein flüchtiges Wunder, doch wahre Tiefe fand sie nur in der Stille des Alleinseins.
Die Erkenntnis kam, wenn sie eins war mit sich; wenn kein Lärm der Welt sie berührte. Keine Ablenkung, kein Ringen nach Worten, kein Zwang zur Erklärung, nur das reine Sein und manchmal Zärtlichkeit wie ein Hauch, der nicht festgehalten werden wollte.
Für sie war das Wort des Lebens „Urvertrauen“; in sich und die Welt.
Wie konnten Menschen anderen Menschen vertrauen, wenn sie sich selber wenig zutrauten, zudem keinen Mut hatten, und ihre Existenzberechtigung infrage stellten?
Zweifel und Ängste, da war sich Marta ganz sicher, halten uns davon ab, das Lebendige in uns zu entdecken, und schränken uns in unserem Handeln ein. Wir haben „Angst vor der Angst“, so dass wir uns nicht mehr lebendig und dynamisch fühlen, sondern eher bedrückt und desinteressiert an der Welt.
Hierbei musste sie immer an ihre geliebte Großmutter denken: einen Menschen von seltener Feinheit, aufrichtig und von edlem Charakter, zu weich für die Welt, an der sie schließlich zerbrach. Aber in Martas Herz war sie immer präsent, und oft führte sie gedankliche Gespräche mit ihr wie früher, als sie noch über Gott und die Welt philosophierten.
Die Großmutter hatte an übersinnliche Kräfte und an ein Leben nach dem Tod geglaubt. Für viele Menschen eine Erlösung, da sie im irdischen Leben nur Leid erfahren und ihre Seele noch nicht bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Jede Seele hat ihre Zeit und somit auch das Recht, Abschied zu nehmen, wenn die Zeit gekommen ist.
Für Marta waren die Dorfbewohner, die ihr stets unergründlich und introvertiert schienen, Menschen, die ihre eigene Seele nicht kannten, denen es nicht möglich schien, ihr Herz zu öffnen und die daher nur schwer Kontakt zu ihrem Körperbewusstsein aufnehmen konnten.
Marta war sich sicher, dass solch ängstliche Herzen sich vermutlich vor Enttäuschung, Zurückweisung und Verletzung schützen wollten; nur, dass durch den Widerstand bestimmter emotionaler Bindungen die Angst potenziert wird und die „Angst vor der Angst“ entsteht, war vielen Menschen nicht bewusst.
Die meisten Dorfbewohner lebten in gebundener Zweisamkeit; ohne den nötigen Respekt vor sich selber und damit auch vor ihrem Partner. Diese Menschen waren in eine Rolle geschlüpft, – so zumindest schien es Marta bei näherer Betrachtung – um die fehlenden Bedürfnisse oder die innere Leere des Anderen auszufüllen.
Viele der Dorfbewohner kannten ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse gar nicht und lebten die ihrer Eltern; erwarteten aber von ihrem Partner, dass er ihre Wünsche und Bedürfnisse erfüllte. So war es für Marta nicht verwunderlich, dass die Aura und Körperhaltung dieser Menschen für sie kaum zu ertragen war.
Sie las Unzufriedenheit und Langeweile aus den Gesichtern, die Trostlosigkeit der Seelen, die in ihrem unerfüllten Dasein andere Menschen zu ihren Dienern machten, um ihre eigenen Schwächen zu umgehen. Ihr war bewusst, dass viele Menschen im hohen Alter immer noch nicht in der Lage waren, ihr Handeln und Sein auf Erden zu verantworten.
Schon in jungen Jahren, zur Schulzeit, pflegte Marta eine starke Introspektion, schien sich selber von außen streng zu beobachten und das eigene Verhalten allzu gründlich zu reflektieren.
Diese Disziplin wurde durch die schwarze Pädagogik einer Lehrerin geweckt. Jedes Kind, das nicht in ihr Schubladendenken passte, nicht dem entsprach, was als Norm galt, sondern vielleicht gerade deshalb, weil es seinem inneren Ruf, seiner Überzeugung, der entgegengesetzten Richtung der Herde folgte, wurde stigmatisiert und als abnorm bezeichnet. Was normal ist, bestimmt die Masse.
Mitläufer sind steuer- und damit in ihrem Tun und Handeln berechen- und vorhersehbar. Sie zeigen wenig Widerstand und lassen sich von außen leicht manipulieren.
Die Natur hingegen hatte Marta gelehrt, authentisch zu sein. In der Natur hat alles seinen Platz. Es herrscht eine göttliche Ordnung.
Kontrolle ist für Marta etwas falsches. Sie zeigt keine Lebendigkeit und hat absolut nichts mit Dynamik zu tun, sondern mit menschlicher Schwäche – einer übertriebenen Form des Sicherheitsdenkens.
Es erfordert keine besondere Anstrengung, sich rigide und unnachgiebig zu präsentieren, sofern dies nicht aus Überzeugung, sondern um des Frieden Willens geschieht.
Zugegeben: Manchmal hätte ein gewisses Maß an Rigidität auch Martas Leben erleichtert. Doch wäre es dadurch aufregender oder einfach nur bequemer gewesen?
Aus purer Bequemlichkeit beschreiten viele Menschen den einfacheren Weg. Unreflektiert übernehmen sie vorgestanzte Normen und Werte, folgen auf rigide Weise den Traditionen und lassen die Stimme ihres Herzens außer acht, um den Erwartungen der Familie und der Gesellschaft gerecht zu werden. Bloß nicht auffallen! Alles muss kontrolliert werden; nichts wird dem Zufall überlassen.
An Wunder glaubten die Dorfbewohner nicht.
Alles musste seinen gewohnten Ablauf haben: Aufstehen, wenn der Wecker klingelte, ins Bett gehen, wenn es dunkel wurde, egal ob wach oder müde.
Diese Menschen lebten nicht im Biorhythmus und deshalb so weit von ihrer Mitte entfernt.
Sie waren der Hektik des Alltags ausgeliefert und ließen fast alles über sich ergehen – bis hin zum vorhersehbaren Zusammenbruch oder, schlimmer noch, bis zum Herzinfarkt.
Warum, so fragte sich Marta oft, leben die Menschen dieses wunderbare Leben nicht nach ihren Werten und Normen und ergeben sich stattdessen so leichtfertig ihrem Schicksal?
Ist es nicht so, dass sich der wahre Sinn des Lebens erst in der Einsamkeit, in Zwiesprache mit sich selber, offenbart?
Inneres Wachstum kann nur durch Hingabe an sich selber und vor allem durch die Wertschätzung seiner selbst entstehen. Alles ist vergänglich, auch die schönen Momente, auch die Momente der Qual und des Verlustes.
Gibt es etwas Schlimmeres, als sich selbst zu verlieren? Eine äußere Hülle aus Gleichmut, sich und anderen gegenüber, wird keine tiefe Befriedigung hervorrufen.
Marta war von bescheidenem und genügsamen Wesen.
Schon als Kind war ihr klar, dass es keine Freude ohne Leid, keine Hoffnung ohne Enttäuschung und keine Liebe ohne Verletzung geben kann.
So betrieb sie Psychohygiene, indem sie auf ihre Gedanken und Worte achtete und sich mit positiven Affirmationen stärkte.
Sie verstand aber auch die Sprache der Tränen, sich durch Weinen zu beruhigen, wenn das Herz wieder einmal über etwas Schmerzliches oder Betrübliches stolperte.
Im Hier und Jetzt zu leben bedeutete für Marta, sich nicht nur den positiven, sondern auch den negativen Gefühlen hinzugeben; sich in den Ozean der Gefühle fallen zu lassen.
Mächtig war das! Sie fühlte sich dann ganz intensiv, kostete alle Emotionen und Gefühle aus und ordnete dem Ganzen Farben zu, denn in den Sinnen von Synästhetikern haben Emotionen, wie beispielsweise Aggression und Wut, je eine Farbe. Der Wut gab sie die Farbe Grün, weil sie beruhigt.
Emotionen aller Art waren ihr nur allzu vertraut. Marta verdrängte sie nicht.
Sie gehören zu unserem Leben wie das Salz in die Suppe.
Auch Begegnungen werden von Emotionen beeinflusst. Manch eine berührt uns im Inneren, andere lassen uns kalt.
In ihrer Jugend erschien Marta das Gefühl der Liebe fast unwirklich. Kaum war sie von der Liebe auf Wolken getragen, wurde ihr das zerbrechliche Glück der Leidenschaft wieder entrissen und stürzte sie in eine unsägliche Leere. Diese Leere – in jungen Jahren als unerträglich empfunden – erschien ihr in der Retrospektive als jene faszinierende Stille, die Suchende in fernöstlichen Klöstern zu finden hoffen und viel Geld dafür bezahlen.
Gerade in Momenten der Stille und der Erregung konnte sie ihren pochenden Herzschlag wahrnehmen und sich dadurch in eine tiefe Trance versetzen.
Damals kam ihr der Spruch in den Sinn: "Die Liebe ist ein Trauerspiel. Wer zu viel trauert, spielt zu viel“.
Auch heute noch feiert sie ihr inneres Kind, und taucht mit ihm, ihrem besten Begleiter, ab und zu in das Meer der Ungezwungenheit und Leichtigkeit. Verspielt und verträumt.
In dieser Leere schien ihr das Herz entrissen. Sie hielt an einem Gefühl fest, dessen Lebensuhr abgelaufen war.
Gefühle und Emotionen entstehen in der Gegenwart und können in der Erinnerung als gut oder schlecht eingestuft werden.
Was aber wenig ratsam anmutete – dies hatte Marta die in den Jahren gewachsene Weisheit gelehrt – wäre, Gefühle und Emotionen festzuhalten und jedes weitere Erlebnis damit zu verknüpfen.
Das hätte sie nur unglücklich gemacht.
Aus heutiger Sicht war ihre große Liebe ein wahres Geschenk. Nachdem die Trennung Martas Herz hatte erstarren lassen, gesellte sich mit der Zeit die Erkenntnis hinzu, Enttäuschungen nicht als ewige Wunden zu sehen, sondern Dankbarkeit für die emotionale Erfahrung zu fühlen.
Marta empfand die Idylle im Dorf als trügerisch.
