Ende einer Karriere? - Patricia Vandenberg - E-Book

Ende einer Karriere? E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Die schönsten Dr. Norden Romane in einer Serie zusammengefasst. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Er sucht nach Hintergründen, nach der Ursache, warum dem Patienten nicht zu helfen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Die Stimmung in dem kleinen Club war angeheizt. Rhythmische, mitreißende Musik spielte. Über den Köpfen der Tanzenden drehte sich eine große Discokugel, und die Spiegel warfen Lichtreflexe auf die erhitzten Gesichter der ausgelassenen Menschen. Es war Abschlussabend des Rock'n-Roll-Tanzkurses, zu dem Tatjana ihren Freund förmlich verdonnert hatte. Alle Teilnehmer tanzten ausgelassen. Nur Danny Norden saß müde an einem Tisch neben der Tanzfläche und beobachtete seine Freundin dabei, wie sie von einem anderen Tanzpartner übers Parkett gewirbelt wurde. »Hey, warum muss ich eigentlich immer mit anderen Männern tanzen?«, fragte sie, als das Stück zu Ende war und sie mit glühenden Wangen an den Tisch zurückkehrte. Vergnügt ließ sie sich auf den Stuhl neben Danny fallen und trank einen großen Schluck aus ihrem Wasserglas. »Tut mir leid. Ich bin heute einfach nicht in Stimmung«, versuchte Danny ein weiteres Mal, sich herauszureden. »Das hast du mir jetzt schon vier Mal erzählt«, gab Tatjana zurück und sah ihn herausfordernd an. »Wenn du aber nur rumsitzt und ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter ziehst, wird es auch nicht besser. Man könnte denken, dass du gar keine Lust hast, dich aufmuntern zu lassen.« Wie so oft wunderte sich Danny auch dieses Mal über seine quirlige, aber sehbehinderte Freundin. Obwohl Tatjana nicht richtig sehen konnte und die Lichtverhältnisse alles andere als gut waren, wusste sie um seine verdrießliche Miene. Manchmal freute er sich über ihre ungewöhnliche Sensibilität. Manchmal war sie ihm unheimlich.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Liebhaber Edition – 29 –Ende einer Karriere?

Leon ist doch noch so jung

Patricia Vandenberg

Die Stimmung in dem kleinen Club war angeheizt. Rhythmische, mitreißende Musik spielte. Über den Köpfen der Tanzenden drehte sich eine große Discokugel, und die Spiegel warfen Lichtreflexe auf die erhitzten Gesichter der ausgelassenen Menschen. Es war Abschlussabend des Rock‘n-Roll-Tanzkurses, zu dem Tatjana ihren Freund förmlich verdonnert hatte. Alle Teilnehmer tanzten ausgelassen. Nur Danny Norden saß müde an einem Tisch neben der Tanzfläche und beobachtete seine Freundin dabei, wie sie von einem anderen Tanzpartner übers Parkett gewirbelt wurde.

»Hey, warum muss ich eigentlich immer mit anderen Männern tanzen?«, fragte sie, als das Stück zu Ende war und sie mit glühenden Wangen an den Tisch zurückkehrte. Vergnügt ließ sie sich auf den Stuhl neben Danny fallen und trank einen großen Schluck aus ihrem Wasserglas.

»Tut mir leid. Ich bin heute einfach nicht in Stimmung«, versuchte Danny ein weiteres Mal, sich herauszureden.

»Das hast du mir jetzt schon vier Mal erzählt«, gab Tatjana zurück und sah ihn herausfordernd an. »Wenn du aber nur rumsitzt und ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter ziehst, wird es auch nicht besser. Man könnte denken, dass du gar keine Lust hast, dich aufmuntern zu lassen.«

Wie so oft wunderte sich Danny auch dieses Mal über seine quirlige, aber sehbehinderte Freundin. Obwohl Tatjana nicht richtig sehen konnte und die Lichtverhältnisse alles andere als gut waren, wusste sie um seine verdrießliche Miene. Manchmal freute er sich über ihre ungewöhnliche Sensibilität. Manchmal war sie ihm unheimlich. Und manchmal, so wie jetzt, ging sie ihm ein bisschen auf die Nerven.

»Weißt du eigentlich, dass du dich ab und zu aufführst wie ein kleines Mädchen?«, fragte er sie ungeduldig.

Seit der Winter und damit die Grippe und schwere Erkältungskrankheiten Einzug gehalten hatten, war die Praxis noch besser besucht als ohnehin schon, und die beiden Ärzte konnten den Ansturm nur mit vereinten Kräften bewältigen. Deshalb war Danny abends rechtschaffen müde. In den allermeisten Fällen hatte seine Freundin Tatjana Verständnis dafür. Doch manchmal wollte sie einfach nur ihren Spaß haben.

»Was ist so schlimm daran, sich manchmal wieder wie ein Kind zu fühlen?«, fragte sie provokant. »Das ist übrigens eine sehr gesunde Haltung, die du auch ab und zu mal üben solltest.« Sie lehnte sich zurück und musterte Danny aus großen, irritierend dunkelblauen Augen.

Ihr Blick forderte ihn fast noch mehr heraus als ihre Worte.

Einen Moment lang verharrte Danny stocksteif am Tisch. Dann sprang er plötzlich auf und griff nach Tatjanas Hand.

»Was ist denn jetzt los?«, rief sie überrascht und stolperte hinter ihrem Freund her auf die Tanzfläche.

Ein neues Lied hatte begonnen, und die Paare drehten sich ausgelassen im Kreis.

»Jetzt lasse ich mal den Tiger in mir aus dem Käfig«, erklärte Danny grimmig lächelnd und zog seine Freundin mit einer schwungvollen Bewegung an sich. Einen Moment lang versanken ihre Blicke ineinander. »Das wolltest du doch!«

»Na, da bin ich ja mal gespannt«, lachte sie und nahm eine perfekte Tanzhaltung ein.

Nur wenige Augenblicke später waren die beiden der Mittelpunkt auf der Tanzfläche und wurden von den anderen Tänzern umringt. Bewundernde Blicke hingen an dem auffallend schönen Paar, das in schlafwandlerischer Sicherheit die schwierigsten Figuren tanzte.

»Wie wär’s mit ein bisschen Akrobatik?«, rief Tatjana ihrem Liebsten übermütig ins Ohr, als er sie wieder einmal schwungvoll an sich zog, um sie einen Augenblick später ebenso temperamentvoll wieder von sich zu stoßen.

»Also gut. Pass auf, wir machen den Schwan«, beschloss Danny spontan, die einfache Hebefigur zu wiederholen, die sie im Tanzkursus gelernt hatten. »Eins, zwei, drei«, zählte er. Gleichzeitig fasste er Tatjana kraftvoll um die schmale Hüfte und hob sie hoch. Einen Moment lang ging alles gut. Doch plötzlich geriet er aus dem Gleichgewicht. Mit Tatjana in den Armen wankte und schwankte Danny wie eine Fahne im Wind und sah dabei so komisch aus, dass sich die Zuschauer am Rand der Tanzfläche bogen vor Lachen. Schließlich rettete sich seine Freundin mit einem beherzten Sprung vor dem drohenden Sturz. Im selben Moment stöhnte Danny gequält auf. Er fasste sich mit der rechten Hand an die linke Schulter. Nebenbei stellte er mit Genugtuung fest, dass auf diese Weise wenigstens das Gelächter verstummte.

Auch Tatjana ahnte sofort, dass etwas passiert sein musste.

»Was ist los? Hast du dir weh getan?«, erkundigte sie sich besorgt bei ihrem Freund.

»So ein Mist. Ich hab mir irgendwas gesperrt«, stöhnte Danny unter den besorgten Blicken der anderen Tänzer auf.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht kehrte er auf seinen Platz zurück, gefolgt von Tatjana, die sich bittere Vorwürfe machte.

»Ich hab total vergessen, dass du nicht aufgewärmt warst. Du hättest mich nie und nimmer heben dürfen«, tadelte sie sich selbst.

Dummerweise bekam Danny diese Bemerkung in den völlig falschen Hals.

»Super! Nicht nur, dass ich mich zum Gespött aller Leute gemacht habe. Jetzt machst du mir auch noch Vorwürfe, weil ich versuche, dir jeden Wunsch zu erfüllen.«

»Aber das war doch kein Vorwurf an dich«, setzte sich Tatjana überrascht zur Wehr. »Ganz im Gegenteil. Und es tut mir leid, dass die Leute gelacht haben.« Sie meinte es ernst. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass auch um ihre Lippen ein belustigtes Lächeln spielte, wenn sie an die Wackelpartie dachte. »Obwohl wir sicher ein lustiges Bild abgegeben haben.«

Das ärgerte Danny nur noch mehr.

»Siehst du, jetzt lachst du mich auch noch aus«, schimpfte er schlecht gelaunt und rieb sich die immer noch die schmerzende Schulter. »Dabei hätte sonstwas passieren können.«

Tatjana war nicht auf den Mund gefallen und hätte ohne Weiteres eine schlagfertige Antwort parat gehabt. Doch sie wusste genau, wann sie lieber schweigen sollte.

»Komm, wir gehen nach Hause«, sagte sie sanft zu Danny und stand auf.

»Das hätten wir schon vor einer halben Stunde tun sollen«, murrte er und bahnte sich einen Weg durch die Menschenmenge in Richtung Ausgang. Seine Freundin folgte ihm.

Als sie nacheinander hinaus in den kühlen Abend traten, schlug ihnen die Kälte entgegen. Ihr Atem stand in kleinen Wölkchen vor ihrem Mund. Tatjana stand vor Danny und legte die Arme um seinen Nacken. Dabei sah sie ihm tief in die Augen.

»Mein Süßer, entspann dich. Es gibt kein Problem, das nicht mit Schokocroissants, Pizza, einem leckeren Nudelgericht oder einer einfachen Tafel Schokolade gelöst werden könnte«, erklärte sie in Dannys ernstes Gesicht. Dabei sah sie so süß aus mit ihrer roten Nasenspitze unter den raspelkurz geschnittenen Haaren, dass ihm seine unwirsche Reaktion und seine schlechte Laune schon wieder leid taten. So gut es mit seiner schmerzenden Schulter möglich war, zog er sie an sich.

»Und mir tut es leid, dass ich dir den Abend verdorben habe!«

Mit dieser Entschuldigung hatte Tatjana nicht gerechnet.

»Im Ernst?« Hoffnung blitzte in ihren Augen auf.

»Klar«, versicherte Danny und küsste sanft ihre kalte Nasenspitze. »Schläfst du heute Nacht bei mir?«

Über diese Frage dachte Tatjana kurz nach. Dann schüttelte sie den Kopf und löste sich sanft aus der Umarmung.

»Nein, ich glaube, es ist besser, wenn wir uns mal ein bisschen Abstand gönnen. In letzter Zeit waren wir ziemlich oft zusammen. Vielleicht liegt deine schlechte Laune daran, dass ich dir auf die Nerven gehe.«

»Wie kommst du denn auf so eine Idee?«, fragte Danny entrüstet und sichtlich enttäuscht.

Tatjana legte den Kopf schief und musterte ihn eingehend. Im Dunkel der Nacht und nur beschienen vom matten Licht einer Straßenlaterne konnte sie nicht viel von seinem Gesicht erkennen.

»Wann hast du mich zum letzten Mal vermisst? Ich meine, so richtig. Dass du Sehnsucht nach mir hattest?«, fragte sie forschend.

»Vor zehn Minuten, als ich die Mäntel geholt habe«, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen und Tatjana musste lachen. Seine Worte gaben den Ausschlag und sie nahm seine Hand, ehe sie sich umdrehte und ihn zu einer der Taxis zog, die am Straßenrand auf Kundschaft warteten.

*

Fee Norden erwachte mitten in der Nacht von einem Geräusch, das sie zunächst nicht einordnen konnte. Eine Weile lag sie wach im Bett, während ihre Mann Daniel neben ihr den Schlaf des Gerechten schlief. Sein leiser Atem beruhigte sie. Doch das wummernde Geräusch irgendwo im Haus hielt sie wach. Endlich beschloss sie, der Ursache auf den Grund zu gehen, und schlug die Bettdecke zurück. Kaum hatte sie die Schlafzimmertür geöffnet, wusste sie, was los war. Sie machte Licht und huschte auf bloßen Füßen über den Flur zum Zimmer ihres zweitältesten Sohnes.

»Felix, bist du verrückt geworden?« Fee bückte sich und zog mit einer resoluten Handbewegung kurzerhand den Stecker der Stereoanlage aus der Dose.

Erschrocken fuhr der junge Mann vom Bett hoch und starrte seine Mutter an, die, umgeben von einer Aureole von Licht, in der Tür stand.

»Mum, was machst du denn hier? Hab ich dich geweckt?«, fragte er schuldbewusst.

»Nein, es ist ganz normal, dass ich um diese Uhrzeit durchs Haus schleiche und meine Kinder erschrecke«, konnte sich Fee einen ironischen Kommentar nicht verkneifen. »Was glaubst du wohl, warum Nathaniel Baldwin im Jahr 1910 die ersten Kopfhörer erfunden hat?«

»Damit eine arme, geplagte Mutter im einundzwanzigsten Jahrhundert in Ruhe schlafen kann«, erwiderte Felix zerknirscht und wollte aufstehen und seine Mutter umarmen, als er stöhnend auf die Matratze zurücksank.

Fee erschrak.

»Was ist los?«

»Sport ist wirklich Mord. Ich schwöre, dass ich nie wieder Hallenfußball spiele. Ich muss mir einen Muskel im Oberschenkel gezerrt haben. Wegen diesen Schmerzen kann ich auch nicht schlafen.«

»Du Armer!« Sofort verflog Fees Ärger auf die Rücksichtslosigkeit ihres Sohnes, und sie setzte sich auf die Bettkante. »Warum hast du beim Abendessen nichts davon gesagt? Dein Vater hätte dir ein Schmerzmittel gegeben.«

»Ich wollte nicht jammern«, gestand Felix, dem der mütterliche Zuspruch sichtlich gut tat. Wie ein kleiner Junge lehnte er den Kopf an Fees Schulter und ließ es sich gefallen, dass sie ihm sanft den Rücken streichelte. »Außerdem sind Tabletten nicht gut für die Nieren.«

»Oh, mein kluger Sohn. Aber Schlaflosigkeit wegen Schmerzen ist sicher auch nicht angenehm.«

»Ich glaube, jetzt ist es schon viel besser«, seufzte Felix zufrieden. Er kuschelte sich noch enger an seine Mutter und schloss die Augen. »Wenn ich ein Kater wäre, würde ich jetzt anfangen zu schnurren.«

Felicitas lachte belustigt auf.

»Bist du zum Glück aber nicht, so dass jetzt hoffentlich Ruhe im Haus ist und wir beide schlafen können.« Auch sie war müde und sehnte sich nach ihrem wohlverdienten Schlaf.

Sie drückte Felix einen sanften Kuss auf die Stirn, wartete, bis er sich hingelegt hatte, und zog ihm – ganz wie in alten Zeiten – die Bettdecke bis hinauf zum Kinn. »Gute Nacht, mein Schatz«, flüsterte sie. Sein regelmäßiger Atem war Antwort genug, und so kehrte sie glücklich in ihr Bett zurück.

Als Fee sich hingelegt hatte, spürte sie, wie sie zwei Arme von hinten umschlangen.

»Wo warst du denn, mein Liebling?«, murmelte Daniel verschlafen und drückte sein Gesicht in ihr duftendes Haar. »Ich hab dich vermisst.«

»Felix hat Schmerzen und konnte nicht schlafen. Da war ich kurz bei ihm«, erwiderte sie und zog die Arme ihres Mannes noch enger um sich. Daniels Nähe tat ihr gut, beruhigte sie, und sie liebte es, in seinen Armen zu liegen.

»Was hat er denn?«

»Offenbar hat er sich beim Hallenfußball einen Muskel gezerrt.«

»Sport ist Mord.« Daniel unterdrückte ein Gähnen, und Fee lachte leise.

»Man merkt, dass ihr verwandt seid. Felix hat vorhin dasselbe gesagt. Aber vielleicht müsstet ihr einfach nur vernünftig sein und euch ordentlich aufwärmen. Dann passiert sowas nicht.«

»Meine kluge Fee. Was täte ich nur ohne dich und deine weisen Ratschläge?«, raunte Daniel ihr ins Ohr und küsste zärtlich ihren Hals.

»Schlafen«, murmelte sie, schon halb im Reich der Träume, bevor sie sich endgültig von seiner zärtlichen Umarmung gefangen nehmen ließ.

*

Es war kurz nach sechs Uhr, als der Wecker klingelte. Zuerst wusste Danny Norden nicht, wo er war. Seine schmerzende Schulter hatte ihn die halbe Nacht wach gehalten. Erst im Morgengrauen war er in einen unruhigen Schlaf gefallen und fühlte sich dementsprechend gerädert. Doch seine Freundin Tatjana kannte keine Gnade.

»Ich hab soooo schrecklich Hunger!«, seufzte sie und schob die Hand unter der Bettdecke hervor, um den Wecker auszuschalten.

Danny wusste, was diese Bemerkung bedeutete.

»Nein, vergiss es. Bei dieser Kälte gehe ich auf keinen Fall raus und schon gar nicht zum Bäcker.« Er schlug die Bettdecke zurück und setzte sich auf. Dabei rieb er sich die schmerzende Schulter. »Mal abgesehen davon, dass ich schwer verletzt bin.«

»Bewegung ist gut für verspannte Muskeln«, erwiderte Tatjana erbarmungslos. »Außerdem willst du doch sicher nicht, dass ich einen grausamen Hungertod sterbe.«

»Und was ist mit meinem Kältetod?«, hielt Danny dagegen. Inzwischen war er aufgestanden und lugte vorsichtig durch den Spalt zwischen den Gardinen hinaus in den unfreundlichen Wintermorgen. Dicke Schneeflocken fielen von einem eisgrauen Himmel, und schon jetzt wusste er, dass die Fahrt zur Praxis eine einzige Rutschpartie werden würde.

»So schnell stirbt es sich nicht«, gluckste Tatjana vergnügt. »Das sagst du doch selbst immer.«