Es geht um ein Menschenleben! - Patricia Vandenberg - E-Book

Es geht um ein Menschenleben! E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. »Du bist schwanger?«, fragte Noah, Rettungsassistent in Ausbildung. Der junge Mann stand im hellen Sonnenlicht neben dem Rettungswagen, in dem er vor einer halben Stunde ausgerechnet eine schwangere Frau in die Klinik gebracht hatte, und starrte seine Freundin Anneka Norden fassungslos an. »Aber wie kann das sein?« Er konnte und wollte nicht glauben, was sie ihm da eben erzählt hatte. »Ich weiß es doch auch nicht«, erwiderte Anneka kläglich. Wie ein Häuflein Elend stand sie vor ihrem Freund und wagte es kaum, ihn anzusehen. »Fakt ist, dass mir seit ein paar Tagen morgens immer schlecht ist. Ich habe Rückenschmerzen und bin ständig müde«, zählte sie die Symptome auf, die ihr das Leben schwer machten. »Hast du schon einen Test gemacht?« In seinen Taschen hatte Noah nach einem Kaugummi gesucht und war fündig geworden. Er bot Anneka einen an. Als sie den Kopf schüttelte, wickelte er den Streifen aus dem silbern glänzenden Papier, rollte ihn auf und steckte ihn in den Mund. »Nein, ist noch zu früh, um aussagekräftig zu sein«, seufzte sie. In diesem Augenblick leuchtete Noahs Gesicht auf. »Von wegen. Im Blut kann man das Schwangerschaftshormon schon kurz nach der Empfängnis nachweisen«

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Bestseller – 406 –Es geht um ein Menschenleben!

Patricia Vandenberg

»Du bist schwanger?«, fragte Noah, Rettungsassistent in Ausbildung.

Der junge Mann stand im hellen Sonnenlicht neben dem Rettungswagen, in dem er vor einer halben Stunde ausgerechnet eine schwangere Frau in die Klinik gebracht hatte, und starrte seine Freundin Anneka Norden fassungslos an.

»Aber wie kann das sein?« Er konnte und wollte nicht glauben, was sie ihm da eben erzählt hatte.

»Ich weiß es doch auch nicht«, erwiderte Anneka kläglich. Wie ein Häuflein Elend stand sie vor ihrem Freund und wagte es kaum, ihn anzusehen. »Fakt ist, dass mir seit ein paar Tagen morgens immer schlecht ist. Ich habe Rückenschmerzen und bin ständig müde«, zählte sie die Symptome auf, die ihr das Leben schwer machten.

»Hast du schon einen Test gemacht?« In seinen Taschen hatte Noah nach einem Kaugummi gesucht und war fündig geworden. Er bot Anneka einen an. Als sie den Kopf schüttelte, wickelte er den Streifen aus dem silbern glänzenden Papier, rollte ihn auf und steckte ihn in den Mund.

»Nein, ist noch zu früh, um aussagekräftig zu sein«, seufzte sie.

In diesem Augenblick leuchtete Noahs Gesicht auf.

»Von wegen. Im Blut kann man das Schwangerschaftshormon schon kurz nach der Empfängnis nachweisen«, trumpfte er mit seinem kürzlich erworbenen Ausbildungswissen auf und nahm Anneka an der Hand. »Komm, wir gehen in den Wagen. Da nehm ich dir Blut ab und bring es gleich ins Labor. In einer halben Stunde sind wir schlauer.« Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er Anneka mit sich und half ihr ins Innere des Krankenwagens, der im Hof der Behnisch-Klinik geparkt war. Beiden stand die Sorge ins Gesicht geschrieben. Trotzdem lächelte Noah seiner Freundin aufmunternd zu, als sie auf der Liege Platz genommen und er die Manschette um ihren Arm gelegt hatte. »Hast du schon jemandem von deinem Verdacht erzählt?«, fragte er, während er prüfend auf die Vene klopfte, in der sich das Blut staute. Behutsam versenkte er die Nadel unter der Haut und entnahm Anneka ein Röhrchen des kostbaren Lebenssaftes, ohne dass sie überhaupt etwas davon bemerkte.

»Nur Tatjana. Aber keine Angst, sie schweigt wie ein Grab«, antwortete sie und war erstaunt, als Noah sie bat, einen Tupfer auf die Einstichstelle zu drücken. »Schon fertig? Ich hab gar nichts gemerkt.«

Trotz seiner Sorge lächelte der junge Mann geschmeichelt.

»Dann hab ich meine Arbeit gut gemacht.«

»Wenn jetzt auch noch das richtige Ergebnis rauskommt, bin ich zufrieden«, tat Anneka ihre Hoffnung kund und knibbelte nervös an ihrem Daumennagel.

»Dabei gibt es wirklich Schlimmeres, als ein Kind von einer schönen Frau wie dir zu bekommen«, entfuhr es Noah, und er zauberte mit dieser ehrlichen Bemerkung ein überraschtes Lächeln auf die Lippen seiner Freundin.

»Wirklich?«, fragte sie verblüfft. »Ist das dein Ernst?«

»Na ja." Er räusperte sich ein bisschen verlegen. »Natürlich sind wir beide noch ziemlich jung, und die Umstände könnten besser sein. Außerdem müssten sich deine Eltern wahrscheinlich ziemlich viele dumme Sprüche anhören, von wegen, ob eine Arzttochter noch nichts von Verhütung gehört hat und so«, grinste er schief. »Aber wenn es so sein soll, dann lass ich dich nicht im Stich.« Noahs Stimme war feierlich, als er dieses Versprechen gab, und um ein Haar wäre Anneka in Tränen ausgebrochen.

»Ich reiß mich zwar nicht drum, Mutter zu werden. Aber jetzt geht’s mir schon viel besser als vorhin«, seufzte sie.

Sie ließ sich an beiden Händen von Noah hochziehen und küsste ihn innig auf den Mund, ehe es Zeit wurde, die Blutprobe ins Labor der Behnisch-Klinik zu bringen.

Obwohl die Arzttochter Gefahr lief, einem Elternteil über den Weg zu laufen, machte sie sich darüber keine Sorgen. Schließlich war ihre Beziehung zu Noah Erklärung genug für einen Besuch in der Klinik. Wie verwundert war Anneka aber, als sie nicht etwa Daniel oder Fee, sondern ihrer Schulfreundin Elena begegnete.

Seit Monaten machte der zweitälteste Sohn der Familie, Felix Norden, der Mitschülerin den Hof. Bisher ohne nennenswerten Erfolg, wie Anneka einfiel, als sie Elena in sich zusammengesunken auf dem Klinikflur sitzen sah. In diesem Moment fiel ihr auf, dass sie die Mitschülerin aus der Parallelklasse eine Weile nicht gesehen hatte.

»Elena, was machst du denn hier?«

Elena hob den Kopf und sah Anneka und Noah fragend an. Es dauerte einen Moment, bis sie erkannte, wen sie vor sich hatte.

»Ach, Anneka, du bist es«, erwiderte sie matt und zwang sich ein Lächeln auf die blassen Lippen. »Dein Vater hat mich zur Untersuchung hergeschickt.«

»Du bist bei meinem Dad in Behandlung?«, fragte Anneka überrascht und gab Noah ein Zeichen, dass er allein weitergehen sollte.

Er verstand und machte sich auf den Weg ins Labor, während sich seine Freundin auf den freien Stuhl neben Elena setzte und sie besorgt musterte.

»Das wusste ich ja gar nicht. Was fehlt dir denn?«

Elena antwortete nicht sofort, und mit wachsender Sorge sah Anneka, dass auf einmal Tränen in den Augen der Freundin glitzerten.

»Ach, Anneka«, schluchzte Elena plötzlich auf und lehnte ihren Kopf an die Schulter der Mitschülerin. »Ich hab solche Angst.«

Mitfühlend, wie sie war, hatte die Arzttochter den Arm um Elenas Schultern gelegt und drückte sie tröstend an sich.

»Aber was ist denn los mit dir?«, fragte sie mit bangem Herzen.

Einen Moment lang kämpfte Elena noch mit sich. Doch dann siegte die Angst über ihre Selbstbeherrschung.

»Meine Leukämie ist wahrscheinlich zurückgekommen.«

Anneka schnappte nach Luft.

»Was hast du da gesagt?« Ihre Stimme war nicht mehr als ein tonloses Flüstern. »Du hast Leukämie?«

Eine stille Träne rann über Elenas Wange, als sie nickte. »Vor ein paar Jahren ist sie zum ersten Mal ausgebrochen. Damals hat man dieses Biest mit einer Chemotherapie verjagt.« Dankbar nahm sie das saubere, wenn auch zerknitterte Taschentuch, das Anneka aus ihrer Jackentasche gekramt hatte. »Aber in letzter Zeit ist es mir wieder schlechter gegangen. Zuerst wollte ich es nicht wahrhaben und hab es ignoriert. Deshalb wollte ich übrigens auch nichts mit deinem Bruder zu tun haben. Nicht, dass mir Felix nicht gefallen würde. Ganz im Gegenteil. Noch nie hat sich so ein toller Typ so nett um mich bemüht.« Elena lächelte unter Tränen, aber dieses Lächeln war alles andere als glücklich. »Aber diesen Wahnsinn kann ich ihm einfach nicht zumuten.«

»O Mann, Elena. Das ist ja furchtbar!« Anneka wusste nicht, wie sie ihrer Erschütterung Ausdruck verleihen sollte.

Angesichts dieser schrecklichen Krankheit verlor selbst ihr Problem jeden Schrecken. Immerhin war eine Schwangerschaft keine lebensbedrohliche Krankheit. Ganz im Gegenteil.

»Na ja, irgendwann konnte ich die Anzeichen nicht mehr ignorieren. Meine Eltern haben es gemerkt und mich zum Arzt geschickt«, fuhr die unglückliche junge Frau inzwischen fort.

»Und mein Dad hat dich hierher verfrachtet«, schloss Anneka den Bericht, als sie von Weitem Noah sah, der freudestrahlend und im Laufschritt auf sie zukam.

»Alles in Ordnung!«, rief er schon von Weitem und wedelte mit einem Blatt Papier in der Luft herum. »Du musst dir keine Sorgen mehr machen.«

Eigentlich hätte Anneka vor Erleichterung ein ganzes Gebirge vom Herzen fallen müssen. Doch in diesem Moment konnte sie sich nicht freuen. Nicht, solange Elenas Schicksal in den Sternen stand.

*

»Die Idee mit den Hasen-Ostereiern ist wirklich süß!«, bemerkte Heike Amtmann und deutete lächelnd auf die ausgeblasenen Eier, die Dési – jüngste Tochter der Familie Norden – mit Hasenohren aus Buntpapier beklebt hatte. An bunten Bändern hingen sie nun an den Weidenzweigen, die Fee extra für den Schreibtisch ihres Mannes besorgt hatte. »Das würde meinem Sohn auch gefallen.«

Als sie Dr. Norden anlächelte, fiel ihm wieder einmal auf, wie attraktiv die Mittdreißigerin eigentlich war, wenn sie nicht so blass gewesen wäre.

»Wie alt ist Steffen jetzt eigentlich?«, erkundigte er sich.

»Er ist drei und geht schon in den Kindergarten. Kinder, wie die Zeit vergeht.«

Daniel erinnerte sich noch genau an Heike Amtmanns Schwangerschaft. Sie und ihr Mann hatten sich so sehnlich ein Kind gewünscht und nichts unversucht gelassen. Als sich der Nachwuchs trotz aller Bemühungen nicht einstellen wollte, hatten die beiden ein Fitness-Studio eröffnet. Kurz danach war Heike doch noch schwanger geworden, und die Doppelbelastung mit Arbeit und Familie verlangte der jungen Familie einiges ab.

»Zum Glück fühlt sich Steffen sehr wohl im Kindergarten. Das macht unser Leben viel leichter«, erklärte sie in Daniels Gedanken hinein.

»So sehen Sie im Augenblick leider gar nicht aus«, kam der Arzt auf den Grund ihres Besuchs in der Praxis zu sprechen. »Welche Beschwerden führen Sie zu mir?«

»Seit einiger Zeit habe ich so komische Rückenschmerzen, dass ich kaum schlafen kann«, berichtete Heike bereitwillig. »Außerdem bin ich ständig müde und leide unter Schwindel. Gestern Abend bin ich bei einem Kursus sogar umgekippt und musste mich übergeben. Deshalb bin ich hier. Eine Krankheit kann ich mir im Augenblick überhaupt nicht leisten.«

Zuerst war Dr. Norden versucht, die Beschwerden seiner Patientin auf die Doppelbelastung zu schieben. Doch als er sie so ansah, kam ihm ein Verdacht.

»Frau Amtmann, ist es möglich, dass Sie schwanger sind?«, fragte er gerade heraus.

Spontan brach Heike in schallendes Gelächter aus.

»Eine Kuh lernt eher fliegen, bevor ich ohne Nachhilfe schwanger werde. Das wissen Sie doch vom letzten Mal. Außerdem trage ich eine Spirale.«

»Ich würde zur Sicherheit trotzdem gern einen Ultraschall machen«, beharrte Daniel und stand nach einem kurzen Telefonat mit seiner Assistentin Wendy auf, um seine Patientin in das entsprechende Behandlungszimmer zu bringen.

Dort bat er sie, sich auf die Liege zu legen und den Bauchbereich frei zu machen. Inzwischen war der Sportlerin das Lachen vergangen, und ängstlich starrte sie auf den Monitor.

»Hier sehen Sie die Spirale. Sie liegt sehr nahe an der Fruchthöhle.« Mit dem Zeigefinger umkreiste Dr. Norden den entsprechenden Bereich.

»Fruchthöhle?«, fragte Heike matt.

»Das ist Ihr Kind«, nickte Daniel Norden. Wie jedes Mal war dieser Anblick ein ergreifendes Wunder für ihn, der Beginn eines neuen Lebens. »Das kleine Herzchen schlägt schon kräftig. Im Übrigen müssen Sie sich keine Sorgen wegen der Spirale machen. Das Risiko, dass sie die Entwicklung des Kindes stört, ist gering.«

»Ein Baby?« Es war offensichtlich, dass die werdende Mutter diese Nachricht erst einmal verdauen musste. »Das ist … ja … was soll ich sagen?« Während Daniel den Fötus vermaß und fotografierte, sprangen Heikes Gedanken hierhin und dorthin. »Steffen ist wirklich süß, aber sehr anstrengend. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich ihn unbedingt haben wollte«, gestand sie in diesem schwachen Moment.

Daniel hatte seine Untersuchung beendet und wischte das durchsichtige Gel von Heikes Bauch.

»Wer weiß, vielleicht wird das neue Kind ein Engel!«, gab er lächelnd zu bedenken und half ihr, sich aufzusetzen.

Langsam fasste sich die Mittdreißigerin. »Als fünffacher Vater müssen Sie es ja wissen«, lächelte sie und betrachtete sinnend die Ultraschallaufnahmen, die Daniel ihr reichte.

Zufrieden registrierte er einen Anflug von Verliebtheit und wusste in diesem Augenblick, dass alles gut werden würde.

»Hier. Bringen Sie Ihrem Mann diese hier mit.« Als sie ins Sprechzimmer zurückgekehrt waren, nahm er zwei Osterhasen-Eier vom Strauß und reichte sie Heike über den Tisch.

»Wird gemacht. Aber vorher muss ich einen perfekten Plan haben, den ich ihm präsentieren kann«, dachte sie nach, während sie die niedlichen Eier vorsichtig in ihrer Tasche verstaute. »Das Studio läuft so gut, dass wir jetzt schon kaum mit der Arbeit nachkommen.«

»Dieser Markt boomt wie kaum ein anderer zur Zeit«, erinnerte sich Daniel an einen Artikel, den er kürzlich in einer Fachzeitschrift gelesen hatte. »Fitness steht zum Glück hoch im Kurs, und viele junge Leute lassen sich zu Gesundheits- und Fitnesstrainern ausbilden.«

»Das schon. Aber wir haben uns ja auf das Aufbautraining von zukünftigen Spitzen-Sportlern spezialisiert. Zu uns kommen junge Fußballer, Tennisspieler, Handballspieler, Schwimmer … alles, was man sich vorstellen kann«, erläuterte Heike. »Deshalb brauchen wir auch Profis, die wissen, worum es geht. Und die sind nicht gerade leicht zu bekommen.«

Unwillkürlich musste Daniel an den Lebensgefährten seiner Assistentin Janine Merck denken. Der Tennisprofi Johannes Keppler war zum Opfer seiner Trainer geworden. Sie hatten ihm heimlich Dopingmittel verabreicht und ihn damit um ein Haar umgebracht. Durch die Aufgabe des Profisports war sein Leben zwar gerettet worden. Doch seither war er verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Aufgabe.

»Vielleicht kann ich Ihnen helfen!«, versprach Dr. Norden und lächelte Heike ermutigend zu. »Ein bisschen Zeit haben Sie ja noch.«

»Um genau zu sein, sieben Monate!« Heike Amtmann ging neben ihrem Arzt den Flur hinunter und reichte ihm am Tresen die Hand. »Die vergehen mit Sicherheit schneller, als mir lieb ist.«

»Haben Sie Vertrauen!«, bat Dr. Norden seine Patientin vielsagend lächelnd. »Alles wird gut.«

Heike lachte.

»Wissen Sie was: Sie sind der einzige Mensch, dem ich das sogar abnehme. Schließlich sprechen Sie aus Erfahrung.«

Ein größeres Kompliment konnte sie ihrem Arzt gar nicht machen, und Daniel nickte zufrieden.

»Wir sehen uns in vier Wochen!« Er wartete, bis seine Patientin einen Termin mit Wendy vereinbart und die Praxis verlassen hatte.

Dann wandte er sich an seine beiden Assistentinnen, die einträchtig nebeneinander an ihren Schreibtischen saßen.

»Sagen Sie, Janine, hat Ihr Lebensgefährte eigentlich inzwischen eine neue Aufgabe gefunden?«, erkundigte er sich bei der ehemaligen Krankenschwester, die das Praxisteam seit einiger Zeit mit ihrer fröhlichen, kompetenten Art bereicherte.

Doch irgendetwas hatte sich seit ihrem Unfall verändert. Nach dem Zusammenstoß mit einem Baum war sie in der Notaufnahme der Behnisch-Klinik gelandet. Allmählich verheilten zwar die Verletzungen. Seither wirkte sie jedoch oft geistesabwesend und war äußerst schreckhaft, wie nicht nur Daniel Norden festgestellt hatte.

Bei der Frage ihres Chefs zuckte Janine zusammen und sah schnell hoch. Mit dem Blick eines gejagten Tieres blickte sie zur Tür. Erst dann entspannte sie sich.