Es gibt immer genug! - Rolland Baker - E-Book

Es gibt immer genug! E-Book

Rolland Baker

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Beschreibung

Innerhalb von ca. sechs Jahren haben Heidi und Rolland über 6000 Gemeinden im ganzen Land (Mosambik) gegründet. Grund dafür war und ist das starke Wirken des Heiligen Geistes unter der Bevölkerung. Zeichen und Wunder sind dort sozusagen an der Tagesordnung. Jährlich bilden sie ca. 1000 Pastoren aus. Viele von ihnen besitzen nur ein T-Shirt und eine Hose und haben sonst nichts als Jesus allein! Doch genau das reicht aus, um die Kranken zu heilen, Dämonisierte zu befreien, Tote aufzuerwecken und die Armen zu speisen. Dieses Buch rüttelt auf und zeigt uns ganz neu, was das Evangelium sehr praktisch meint, HEUTE in der ganz normalen Dimension des Heiligen Geistes zu leben. (Walter Heidenreich)

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Seitenzahl: 265

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Rolland & Heidi Baker

Es gibt immer genug

Rolland und Heidi Bakers Dienst unter den Armen

© Copyright 2003 by Rolland & Heidi Baker

Die englische Originalausgabe erschien 2003 unter dem Titel: There Is Always Enough bei Sovereign World Ltd., PO Box 777, Tonbridge, Kent, TN11 0ZS, England.

Alle Rechte vorbehalten.

© Copyright der deutschen Ausgabe 2003 by ASAPH Verlag

5. Auflage 2018

Aus dem Englischen übersetzt von Stefanie Pippert.

Bibelstellen wurden nach „Die Schlachter-Bibel 2000“ zitiert.

Satz/DTP: Jens Wirth

Umschlag: CCD

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2019

Best.-Nr. 148601

ISBN 978-3-954596-01-0

Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an:

Fontis Media GmbH, Postfach 2889, D-58478 Lü[email protected] – www.fontis-shop.de

Widmung

Wir widmen unsere Geschichte unseren vielen Freunden, die so hart mit uns gearbeitet haben.

Selbstlos kamen sie aus der ganzen Welt, um für Jesus zu arbeiten, ohne Bezahlung oder Anerkennung, doch sie waren Gottes Gabe an uns und an die Armen, die um uns herum zu ihm schreien. Ihnen schulden wir viel Liebe, im Wissen, dass ihr Glaube und ihre Mühe nicht umsonst waren. Insbesondere widmen wir dieses Buch unseren zwei leiblichen Kindern, Elisha und Crystalyn, die voller Freude mit uns durchgehalten haben und uns oft ermutigten, unseren Kurs zu halten, allen Härten und Frustrationen zum Trotz. Sie sind für uns eine Freude, und auch für Jesus.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Vorwort von Walter Heidenreich

Einführung

Kapitel 1

Kinder, die keiner haben wollte

Kapitel 2

Die Berufung

Kapitel 3

Chihango

Kapitel 4

Seht jeden Einzelnen

Kapitel 5

Explosion!

Kapitel 6

Überschwemmung

Kapitel 7

Fluten der Erweckung

Kapitel 8

Bleibt stehen für die Sterbenden

Kapitel 9

Alle Frucht kommt aus der innigen Beziehung

Kapitel 10

Nachwort: Irdene Gefäße

Kontaktadressen

Vorwort

Als ich im Frühjahr 2003 auf Einladung von Heidi und Rolland Baker für zehn Tage nach Mosambik reiste, wusste ich nicht, was mich dort erwarten würde. Noch heute bin ich Gott für dieses Vorrecht dankbar, Erweckung in einem Land so hautnah mitbekommen zu haben, die so stark ist, dass es alles übertrifft, was ich bis dahin gesehen und erlebt hatte.

Innerhalb von ca. sechs Jahren haben Heidi und Rolland über 6000 Gemeinden im ganzen Land gegründet. Grund dafür war und ist das starke Wirken des Heiligen Geistes unter der Bevölkerung. Zeichen und Wunder sind dort sozusagen an der Tagesordnung. Jährlich trainieren sie ca. 1000 Pastoren. Viele von ihnen besitzen nur ein T-Shirt und eine Hose und haben sonst nichts als Jesus allein! Doch genau das reicht aus, um die Kranken zu heilen, Dämonisierte zu befreien, Tote aufzuerwecken und die Armen zu speisen. Was ich bis zum Frühjahr 2003 über die Bakers und die Erweckung in Mosambik gehört hatte, war weit untertrieben, verglichen mit der Realität, die sich mir dort bot. Die zehn Tage Mosambik haben mir gezeigt und mich gelehrt, was das normale Leben mit Gott in seiner Tiefe bedeutet. Die Kraft der Liebe Gottes und das gelebte Evangelium haben ein total verarmtes, durch Kriege, Korruption und Katastrophen geschütteltes Land transformiert. Diese Erweckung ist von Gott! Keine auf Veranstaltungen und Bühnen konzentrierte Versammlungen, sondern 24-stündiges Leben und Lieben durch die Kraft des Heiligen Geistes. Da ist immer genug für jeden!

Dieses Buch rüttelt auf und zeigt uns ganz neu, was das Evangelium sehr praktisch meint, heute in der ganz normalen Dimension des Heiligen Geistes zu leben.

Walter HeidenreichPräsident von FCJG Lüdenscheid & HELP International e.V.

Einführung

Ich – Rolland – wollte schon immer die Bergpredigt ausleben und glauben, aber gewöhnlich wurde mir gesagt, sie bedeute nicht all das, von dem ich glaubte, dass sie es bedeutet, und ich müsse pragmatisch sein. Voller Sehnsucht las ich die Schrift und versuchte mir vorzustellen, wie wunderbar es wäre, sich um nichts sorgen zu müssen, sicher und geborgen in der Gegenwart Jesu zu sein. Wunder wären normal und Liebe natürlich. Wir könnten immer etwas geben und würden nie etwas verlieren. Man könnte uns belügen, betrügen und bestehlen, und selbst daraus würden wir immer siegreich hervorgehen. Niemals müssten wir jemanden ausnutzen oder ein anderes Motiv hegen als andere segnen zu wollen. Anstatt für den Fall, dass Jesus nichts tun könnte, immer noch einen Reserveplan in der Tasche zu haben, würden wir uns jederzeit auf ihn verlassen. Weder unser Leben noch wir selbst noch alles, was wir predigen und tun, würde jemals zu zum Verkauf stehen, stattdessen würden wir es umsonst geben, so, wie wir es umsonst empfangen haben. Unsere Herzen wären sorgenfrei in der Liebe unseres Vaters im Himmel, der immer weiß, was wir brauchen, und wir könnten uns ganz der herrlichen Aufgabe widmen, zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit zu suchen. Es gäbe immer genug!

Mit der Zeit stellte ich fest, dass es das Schlimmste sein würde, all das zu verpassen. Und so begann ich, jedes Buch zu lesen und von jedem geistlichen Dienst zu lernen, der mir helfen würde, das Verlangen meines Herzens auszuleben. Der Umstand, dass ich in einer pfingstlichen Missionarsfamilie aufgewachsen bin, gab mir einen riesigen Vorsprung. Ein sehr stark prägender Antrieb kam von meinem Großvater, der mir endlose Geschichten von Erweckungen, Offenbarungen und übernatürlichen Krafterfahrungen aus seinen vielen Jahren unter den Armen im abgelegenen China erzählte. Sein Buch Visionen jenseits des Horizonts hat mein ganzes Leben beeinflusst. Als ich heranwuchs, wurde ich mit den Missionsklassikern vertraut, den Biografien früher Pioniere mit großem Glauben. Ich las die Predigten von Charles Spurgeon, Mein Äußerstes für sein Höchstes von Oswald Chambers und die wunderbare Geschichte von Gottes Versorgung, die im Waisenhaus von George Müller in England passierte. David Wilkersons Das Kreuz und die Messerhelden eröffnete mir mehr von dem, was möglich war. Hungrig las ich neuere Berichte von Erweckungen wie Mel Taris Wie ein Sturmwind.

Ich gab mein Stipendium und eine naturwissenschaftliche Laufbahn auf und machte auf einem christlichen College meinen BA und MA im Bereich Bibellehre – ein wertvolles Fundament. Doch mit Gottes Gnade und Erbarmen erhielt ich von meinem Freund Bob Zuver, Manager eines Fitness-Studios, genauso viel Ermutigung im Glauben, wie ich es durch akademische Kurse oder Bücher bekam. Bob war ein Prophet, der drei Tage lang geblendet am Boden lag, als er vom Heiligen Geist durch eine „Damaskus-Erfahrung“ berufen wurde. Er hielt sich von einem öffentlichen geistlichen Dienst fern, betrieb sein Fitness-Studio und verkaufte Gewichtheberausrüstungen, bis er sich der vollzeitlichen Seelsorge widmete. Sein ganzes Leben war ein Beispiel dafür, wie der Glaube durch die Liebe wirkt. Für Bob war Gott souverän und stark, seine Wege ohne Offenbarung unergründlich. Er hatte keine Verwendung für ein langweiliges Gemeindeleben. Durch Gnade konnte man Gott kennen, vertrauen und nachfolgen, und mächtige Wunder waren normal und alltäglich. Er nutzte seinen Beruf, um das Leben aus Gott zu veranschaulichen. Regelmäßig, fast täglich, sah ich große körperliche und finanzielle Wunder in seinem Leben geschehen. Außerdem hatte Gott in vielen Jahren sein Herz weich und seinen Geist ruhig gemacht, bis er in all seiner Stärke sanft und freundlich wurde und schrecklichen Angriffen und Ungerechtigkeit gegen ihn entwaffnend begegnen konnte. Er ist ein weiteres Vorbild für das, was mit Gott möglich ist, eine lebende Verkörperung der Bergpredigt.

Ich begann, den Glauben anzuwenden; Fehler und wunderbare Siege gingen Hand in Hand. Es gehört zum Glauben, dass man Gott gut genug kennt, um zu wissen, was er will, und dazu benötigt man Gnade, Offenbarung und Erfahrung sowie die Kenntnis seines Wortes. Doch ich war gespannt und es gab kein Zurück. Dabei war ich nicht so sehr darum besorgt, welche Arbeit zu tun war, sondern, ob mir genügend Zeit zur Verfügung stände, um Gott zu suchen und um zu beten. Ich musste einfach aus dem Glauben leben. Auf keinen Fall durfte ich von ihm getrennt werden. Alles, was ich wollte, war, ihn zu lieben und seine Liebe zu spüren. Er konnte mit mir tun, was ihm gefiel, mich senden, wohin er wollte.

Bis ich Heidi kennenlernte, hatte ich keinen engen Partner im geistlichen Dienst, mit dem ich das Wagnis des Glaubensleben teilen konnte. Ich gehört zu der Jesus-Bewegung der 70er-Jahre in Kalifornien und war in Gemeinden stark eingebunden. Doch schließlich verlor ich das Interesse an großen Versammlungen, riesigen Konzerten und dem dauernden „Geselligsein“, ich war bereit, zu den kleinsten und unbedeutendsten Versammlungen zu gehen, wenn nur der Heilige Geist da wäre und mich immer stärker auf kraftvolle Weise berühren würde. Ich fing an, die Dana Point Community Chapel zu besuchen, eine Gemeinde mit 200 Leuten in Süd-Kalifornien, in der Nähe des Strandes.

Auf einem Gemeindeausflug in die Hochsierra ergab es sich, dass ich neben einer kleinen, sehr niedlichen blonden jungen Frau saß und sie näher kennenlernte. Ich hatte sie schon oft in unserer Gemeinde gesehen und war von ihrer Gabe der Prophetie beeindruckt gewesen. Sie lebte offensichtlich schon als Teenager in einer sehr engen Beziehung mit Jesus, und ich konnte erkennen, dass sie feurig entschlossen war, Gott zu dienen. Jedes Wochenende und in den Ferien war sie draußen auf den Straßen um zu predigen, begleitete Teams auf Missionseinsätzen und vertraute in jeder Hinsicht auf Gottes Versorgung. In der Gemeinde gab sie kraftvolle Zeugnisse. Nun hatte mich Gott direkt neben sie gestellt und wir unterhielten uns stundenlang über Gott und die Welt. Später besuchte ich sie auf ihrem College und dann in ihrem Zuhause in Laguna Beach.

Ich dachte kaum daran, sie zum Essen oder ins Kino auszuführen. In ihrer Gegenwart war ich vollkommen von der Sache Gottes vereinnahmt, und das war alles, worüber wir sprachen. Einmal begleitete ich sie auf eine Oster-Missionsreise in eine arme Gemeinde von Hawaiianern im Norden der Insel Oahu. Dabei fiel mir ihre Gabe der Leiterschaft auf. Am meisten bewegte mich ihre kindliche Liebe zu Gott, eine reine, gefühlvolle Kraft, die alle anderen Leidenschaften in ihrem Leben beherrschte. Sie konnte singen, und bei jeder Gelegenheit stimmte sie einen Lobpreis an. Wenn ich mich ihrem Haus näherte, um sie wiederzusehen, hörte ich Liebeslieder aus ihrem Schlafzimmerfenster erklingen, wo sie dann mit erhobenen Händen vor ihrem Jesus kniete.

Die Stimme Gottes war ihr vertraut, und meistens sprach er im Lobpreis zu ihr. Sie war mit ihm auf eine seltene und schöne Weise verbunden. Ich begann dieses Mädchen zu lieben, dessen Herz all die Dinge so schätzte, die auch mir wichtig waren. Ich wusste, dass ich mit ihr zusammen dienen konnte, mit ihr reisen und mich mit ihr in allen Dingen auf Gott verlassen konnte. Doch war ich zwölf Jahre älter als sie, zudem ein Freund ihres Ex-Verlobten, von dem sie sich auf Weisung des Herrn hin getrennt hatte, weil er nicht denselben Ruf auf seinem Leben verspürte. Dennoch brachte Jesus Heidi und mich näher und näher zusammen, bis ich sicher war: Gott wollte, dass wir unser Leben teilten und ihm mit einem Herzen und einem Geist dienten. Ich wusste nicht, dass er ihr schon lange vorher gezeigt hatte, was kommen würde, bis ich Heidi bat, mich zu heiraten. Tatsächlich hatte er zu ihr, während sie auf einer Missionsreise in Mexiko-Stadt war, mit hörbarer Stimme gesprochen; damals war sie sich noch nicht einmal sicher, wie ich mit Nachnamen hieß!

Zwei Wochen nach unserer Hochzeit, es war 1980, gingen Heidi und ich als Missionare nach Indonesien, mit einem einfachen Ticket und ein paar Dollars in der Tasche. Unsere Flitterwochen waren ein Versorgungswunder in letzter Minute. Jedes Detail unserer Vorbereitungen war ebenfalls ein Wunder. Wir waren naiv und hatten noch viel zu lernen, doch indem wir uns allein auf unseren Gott verließen, spürten wir eine große Freude, die wir in all den Jahren nie verloren haben. Außer auf Gott versuchten wir niemals auf jemanden Druck auszuüben, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Den Armen wollten wir in der Kraft Gottes dienen und fähig sein, ihnen Befreiung von ihren Ängsten zu bringen. Jetzt, viele Jahre später und mit viel mehr Verantwortung, gefällt es uns immer noch, unsere Last auf ihn zu werfen. Wir beten von ganzem Herzen, dass unser Leben und unsere Arbeit unseren Freunden und Unterstützern nicht als eine Last erscheint, sondern dass sie gemeinsam mit uns von der Güte Gottes begeistert und ermutigt sind. Mögen wir im Glauben einander ermutigen, bis wir alle lernen, unserem großartigen Gott in jeder Hinsicht zu vertrauen. Ihn wollen wir mit all unserem Denken, Fühlen und Tun lieben.

Über die Jahre hat Jesus unseren Dienst auf viele Länder und Situationen ausgeweitet. Heute gibt er uns die Aufsicht über fünftausend Gemeinden in einer der ärmsten Gegenden der Welt. Wir leben in Mosambik, in der südöstlichen Ecke Afrikas, einem Land, das über Jahrzehnte furchtbar unter Bürgerkrieg und Naturkatastrophen gelitten hat. Endlich sehnen sich die Menschen verzweifelt nach Jesus – nach niemand anderem. Erweckung breitet sich aus. In großen Teilen Zentralmosambiks und Südmalawis haben wir in buchstäblich jedem Dorf Gemeinden in einfachen Lehmhütten. Sie wachsen, bis so viele Leute kommen, dass sie kaum noch die Stimme ihres Predigers hören können. Ständig kommen mehr dazu, und nun bitten auch andere Länder um uns herum um geistlichen Dienst und Hilfe, sie wollen unbedingt ein Teil dieses Feuers sein. Das Evangelium von Jesus Christus reicht für sie alle. Er ist gütig und treu, der König der Liebe. Sie wollen nur ihn. Wenn sie auch arm und elend waren, in ihm besitzen sie nun alles. Wir wagen es, ihnen nahe zu kommen, wir wagen es, ihnen zu predigen, wir wagen es, die Hilflosen, Aufgegebenen und Sterbenden aufzuheben, weil er um unsertwillen gestorben und auferstanden ist. Von seinem Fleisch und Blut essen und trinken wir. Es wird immer genug geben.

Kapitel 1

Kinder, die keiner haben wollte

„Heidi!“, fragte ich. „Suchst du ein Missionsfeld? Hör dir das an: In Mosambik sprengen sie Rot-Kreuz-LKW in die Luft!“ Ich las den Bericht des „Time“-Magazins über den dortigen Bürgerkrieg und konnte es kaum glauben. „Ja“, rief sie zurück. „Lass uns gehen! Die brauchen Hilfe.“

So begann unsere Geschichte im ärmsten Land der Welt, einem Land, das bei dem Versuch, sich mit Gewalt zu holen, was es wollte, alles verlor. In den späten 80er-Jahren waren wir in Hongkong und predigten dort in den Hinterhöfen den Armen und Obdachlosen. Danach gingen wir nach London, um Theologie zu studieren und um eine weitere Gemeinde unter Obdachlosen zu gründen. Aber Mosambik blieb weiter auf unserem Herzen. Es war ohne Hoffnung, blutend und in sich zusammengesackt lag es am Boden.

Wir hatten in den großen Städten Asiens gearbeitet, Orte mit florierender Wirtschaft und einer funktionierenden Infrastruktur. Doch wir waren rastlos. Wir wussten, dass es noch ärmere Gegenden gab, Gegenden mit noch weniger Hoffnung. „Jesus!“, beteten wir. „Sende uns so weit weg, wie du willst! Egal wohin! Aber wir wollen zu den Ärmsten der Armen gehen, zu den ‚Geringsten‘. Wir wollen dein Evangelium dort geprüft und bewiesen sehen, wo nichts anderes mehr geht!“

Was wir auch taten, in den nächsten paar Jahren hielten wir unsere Augen auf Mosambik gerichtet und beobachteten dieses Land sowie ganz Afrika. Wir studierten Statistiken und lasen seine Geschichte. Mosambik befand sich im Krieg und wir konnten nicht ins Land, gingen aber so nah wie nur möglich heran. Während unseres Studiums in England flogen wir nach Tansania, um einen ersten Eindruck von Afrika zu bekommen. Doch Mosambik blieb für uns das ultimative Ziel – das Missionsfeld unserer Träume. Würden wir jemals dorthin gelangen? Was könnten wir dort tun? Gäbe es genug von allem, was man brauchte, um Gottes verlängerter Arm und seine Füße in diesem Land zu sein? Reichte Jesus aus?

Mosambik erlangte 1975 die Unabhängigkeit von Portugal, nachdem die Kolonialherrschaft in einem Guerillakrieg niedergerungen worden war. Nach dem Vorbild Russlands und Chinas wurde ein streng marxistisches Regime errichtet und auch von diesen Ländern unterstützt. Dagegen formierte sich eine Widerstandsbewegung, die Renamo, die fast zwei Jahrzehnte für Demokratie gegen die kommunistische Regierung, die Frelimo, kämpfte. Mosambiks von den Portugiesen erbaute Infrastruktur, für afrikanische Verhältnisse ungewöhnlich gut, wurde fast gänzlich zerstört. Straßen, Brücken, Dörfer, Schulen und Krankenhäuser wurden in die Luft gesprengt. Grausame Folter und Mord waren an der Tagesordnung. Millionen flohen aus dem Land. Über eine Million Landminen wurden verlegt mit dem Resultat, dass Mosambik den weltweit höchsten Prozentsatz von Verstümmelten und Invaliden hat. In manchen Gebieten starb die Hälfte der Bevölkerung an unbehandelten Infektionen, nachdem die Menschen durch Explosionen verletzt worden waren.

Zwei Drittel der Mosambikaner sind Analphabeten. Viele Teenager haben nie etwas anderes gelernt, als mit einer AK-47 herumzuballern. 85 Prozent der Menschen leben in Hütten, nur fünf Prozent verfügen über Elektrizität. Weniger als zehn Prozent haben fließendes Wasser, der Rest benutzt Quellen, Flüsse und Seen. Zwei Drittel der mosambikanischen Häuser haben nicht einmal Latrinen. Es gibt nur einen Arzt auf 40000 Einwohner, die meisten haben noch nicht einmal Zugang zu Aspirin. Die Hälfte aller Kinder stirbt bis zum fünften Lebensjahr. Tausende sterben jedes Jahr an Malaria, und ohne Schutzimpfungen, die in den meisten Teilen der Erde als selbstverständlich gelten, werden sie auch von gewöhnlichen Kinderkrankheiten hingerafft.

Der Krieg ruinierte die ohnehin schon nicht lebensfähige sozialistische Wirtschaft, die nach dem Kalten Krieg nicht länger von China und Russland unterstützt wurde. Jahre der Dürre fügten dem Kriegselend noch eine Hungersnot hinzu. In den Provinzen des großen Landes, zweimal so groß wie Kalifornien, irrten Kinder und Erwachsene in rußgeschwärzten, ausgebrannten Dörfern umher, ohne Kleidung oder Essen. Ohne internationale Hilfe wäre die Hälfte der Einwohner gestorben.

In den frühen 90er-Jahren waren die Menschen völlig erschöpft. Die Kriegsparteien hatten kein Geld mehr. 1992 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet und 1994 unter UN-Aufsicht eine neue demokratische Regierung eingesetzt. Ein Drittel der fast zwei Millionen Mosambikaner, die vor Krieg, Dürre und Banditen geflüchtet waren, kehrten zurück.

Im Januar 1995 bekamen wir plötzlich unsere Chance. Kurzfristig wurde ich über einen gemeinsamen Freund von einem südafrikanischen Evangelisten eingeladen, auf einer Pastorenkonferenz in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, zu sprechen. Innerhalb weniger Tage fuhr ich mit meinem Freund in einem roten Nissan-Pritschenwagen durch Südafrika, hin zur Grenze. Darauf hatte ich jahrelang gewartet. Wie würde Mosambik wohl sein?

Wir mussten über die Grenze, bevor sie um fünf Uhr schloss, um rechtzeitig zu unserem ersten Konferenzmeeting zu kommen. Es sah nicht so aus, als ob wir es schaffen würden. Als wir fast am Ziel waren, fing der Motor an zu stottern. Das Gaspedal war voll durchgetreten, unsere Spannung stieg, aber der Motor setzte immer öfter aus. „Gott“, riefen wir, „mach, dass dieses Ding fährt! Wir müssen doch heute Abend predigen!“ Der Wagen ruckelte nur noch dahin, ganz so, als ob Wasser in der Benzinleitung wäre. Wir ließen uns in die Grenzstation rollen, wo der Motor vollends den Geist aufgab. Nun fuhren wir nirgends mehr hin. Doch der Ort war in heller Aufregung. Wächter rannten zum Grenztor. Alle riefen durcheinander. Über uns schwebte ein Hubschrauber. „Das Auto vor euch wurde von Banditen beschossen! Wir holen die Verwundeten!“, schrie uns ein Beamter zu. Wäre unser Motor gelaufen, dann wären wir ebenfalls kurz hinter der Grenze angegriffen worden. Gott beschützte uns von Anfang an auf wunderbare Weise.

Wir wendeten den Wagen, und plötzlich lief der Motor wieder wie geschmiert. In zwei Minuten würde die Grenze schließen. Sollten wir fahren? „Nein, wir warten und fahren im Konvoi“, entschieden wir. Mosambiks Guerillakämpfer im Busch waren unglaublich arm und überlebten nur, indem sie vereinzelten ausländischen Wagen auflauerten und sie ausplünderten. Am nächsten Morgen hatten wir genügend Gesellschaft und keinen Ärger, aber die Straße nach Maputo veränderte sich völlig. Nun hatten wir es die ganze Zeit mit riesigen Schlaglöchern und Bombenkratern zu tun. Ausgebrannte und umgekippte Bus- und Lastwagenchassis säumten den Straßenrand. Dies war ein stark umkämpftes Kriegsgebiet gewesen, und wie wir am Abend zuvor festgestellt hatten, war noch lange nicht alles wieder friedlich.

Die Landschaft war weithin ausgetrocknet. In Südmosambik fallen normalerweise jährlich etwa achtzig Zentimeter Regen, doch seit drei Jahren herrschte Dürre. Der Mais vertrocknete am Halm im sandigen Feld. Schließlich kamen wir in Maputo an, welches vor dem Krieg eine schöne, erholsame, kleine Kolonialstadt gewesen war, von schattigen weiten Straßen gesäumt, auf einem Steilufer gelegen, von dem aus man den Ozean überblicken konnte. Doch als wir näher hinsahen, bemerkten wir, dass Maputo nur noch ein Schatten seines einstigen Selbst war. In zwei Jahrzehnten hatte man nur wenig gebaut oder erhalten. Die Gebäude waren heruntergekommen und ausgeplündert. Überall sah man Beweise einer fehlgeschlagenen Wirtschaftspolitik und eines verzweifelten, leidenden Volkes. Eine Million Flüchtlinge lagerten in Hütten um die Stadt herum, von heftigen Kämpfen in ihren Heimatprovinzen und Städten vertrieben. Zehntausende waren Waisen oder ausgestoßene Kinder, deren Eltern nicht mehr für sie sorgen konnten oder wollten.

Wir hielten unsere Konferenz in der größten Kirche der Stadt ab, eine kahle, heiße, dunkle Konstruktion mit Zementboden und Blechdach, ungefähr so groß wie zwei größere Turnhallen, in die neuntausend Leute ohne Stühle und oft Schulter an Schulter hineingepfercht werden konnten. Draußen auf den Straßen spielten Kinder im Staub und im Sand. Die Flüchtlinge stellten überall entlang der Straße Marktstände auf, um die paar Waren, die sie zusammenbekommen konnten, anzubieten. Die Pastoren kamen aus ganz Mosambik, viele waren zu arm, um eine eigene Bibel zu besitzen, aber sie trugen stolz ihr weißes Hemd und ihre beste Hose. Sie sind starke Christen, die jahrelanger Härte und Verfolgung widerstanden haben, und ich fragte mich, wer hier wen lehren sollte. Doch sie waren von der Außenwelt isoliert gewesen und hatten nur sehr wenig biblische Unterweisung erhalten. Noch immer müssen sie sich gegen den sehr starken okkulten Einfluss der traditionellen afrikanischen Religion behaupten, außerdem gegen eine starke und wachsende Präsenz des Islam. Ich traf auf einen Pastor, der während des Kriegs von einem Engel heimgesucht wurde, der ihn aus dem kommunistischen Gefängnis befreite. Viele solcher Zeugnisse bewegten und demütigten mich.

Ich war hier, um zu lehren, aber auch um die Möglichkeit zu untersuchen, ob wir Land für ein Missionsquartier bekommen könnten. Wir wollten nur einen Stützpunkt im Land, vielleicht ein kleines Gebäude, in das wir ein paar Waisen von der Straße bringen und anfangen konnten, so wie meine Großeltern es in China getan hatten. Nach nur zwei Tagen kam ein Südafrikaner auf mich zu, ein Unternehmer, der in Maputo für seine Elektroartikel-Firma Geschäfte tätigte. Er war als „Zeltmacher“ in Mosambik, um den ortsansässigen Menschen zu dienen. Ohne Umschweife fragte er mich: „Willst du ein Waisenhaus?“ Seiner Gemeindeorganisation war gerade eins von der Regierung angeboten worden, aber sie hatten nicht die Mittel, es zu betreiben. Ob ich interessiert wäre? Aber sicher!

Zu meinem Erstaunen fand ich ein Auto, das ich mieten konnte, und am nächsten Morgen wurde es gründlich von mir getestet. Maputo war voller Schlaglöcher, aber die Straße stadtauswärts zum Kinderzentrum in Chihango war ein Hindernislauf mit tiefem Schlamm, Sand, Wasser und krümeligem Teer, durch ein Fischerdorf hindurch am Ozean entlang. Ich hatte geglaubt, dass dieses Heim in Chihango nur ein unbedeutendes Beispiel von Notstands-Kinderzentren unter vielen in einem Land mit so vielen Kriegswaisen wäre. Doch schon bald war ich überrascht und zutiefst erschüttert, als ich herausfand, dass Chihango der beste Versuch der Regierung war, sich um die verwaisten und ausgesetzten Kinder zu kümmern. Es war das größte derartige Zentrum in ganz Mosambik.

Mein Freund, der Pastor, und ich fuhren meilenweit um Schlammlöcher herum und hindurch, bis wir ankamen. Es gab dort einen Stromanschluss, doch die Kabel hingen lose herum. Die unter Spannung stehenden Teile funkten verhängnisvoll. Telefonmasten standen kahl da, die Leitungen waren wegen des Kupfers schon lange gestohlen worden. Wir fuhren auf das umzäunte Grundstück und auf das zu, was die Verwaltung sein mochte. Kinder saßen verdrossen herum und starrten uns an. Wir fanden zwei Erwachsene, die uns in knappen Worten die Situation erläuterten.

Chihango war mehr eine Art Gefängnis für Kriminelle: wilde, ausgestoßene, obdachlose Kinder, Diebe und Straßenkämpfer, die keiner haben wollte, nicht einmal die Polizei. Es waren ungefähr achtzig, die wie Tiere lebten. Sie verrichteten ihre Notdurft auf dem nackten Boden, saßen da und erwärmten Blechdosen auf Holzfeuern. Es gab keine Betten, keine Matratzen, keine Decken, keine Kopfkissen. Jede Nacht wurde auf nacktem Zement geschlafen. Die Kinder waren aufgedunsen und mit Wundmalen bedeckt. Sie schrien, traten und kämpften. Die Regierung konnte nur in drei Monaten des Jahres ein bisschen Nahrung aufbringen. Noch immer mussten die Kinder stehlen und betteln.

Die Gebäude waren nur noch ein Schatten von dem, was die portugiesische Regierung vor Jahrzehnten zur Verfügung gestellt hatte. Alles war dem Vandalismus zum Opfer gefallen, Türen und Fenstersimse als Feuerholz herausgehauen worden, die Verkabelung aus den Wänden gerissen. Fensterglas gab es schon lange nicht mehr, die Dächer waren voller Löcher. Die Toiletten und Überlaufbehälter waren verstopft und übergelaufen. Tote Ratten verstopften die leckenden Wasserleitungen. Die Wasserpumpen und Windmühlen zur Wasserförderung waren verrostet, überall fehlten die Glühbirnen.

Gangs und Banditen durchstreiften die Gegend und schossen nachts auf die Gebäude. In den umliegenden Dörfern schlugen Medizinmänner ihre Trommeln und leierten ihre Gesänge herunter. Wir fanden später heraus, dass Dämonen in die Räume der Kinder kamen, um sie zu würgen und zu verängstigen. Keiner konnte lesen oder schreiben. Da war keine Liebe, keine Fürsorge, keine Hoffnung.

Für diese mosambikanischen Kinder gab es keine Perspektive. Vor zehn Jahren hatten russische und deutsche Gruppen Hilfe versprochen, aber sie waren nie wiedergekommen. Ich hatte die „Geringsten“ gefunden, den Abschaum der Erde, Kinder, um die sich keiner scherte, Leben, das anscheinend niemandem etwas wert war.

Sogar die Leiter der Gemeinden der Stadt sagten mir, dass es reine Zeitverschwendung wäre, diesen Kindern Aufmerksamkeit zu schenken. „Es sind schlechte Kinder! Du wirst sie niemals verändern. Sie werden niemals jemanden beeinflussen. Du solltest in der Stadt mit anständigen Kindern arbeiten, die in die Kirche und zur Schule gehen. Und du solltest die meiste Zeit mit Pastoren und Leitern verbringen, die das Land verändern können!“

Ich überlegte, wo ich solche Worte schon einmal gehört hatte. Es war genau die gleiche Argumentation, die sich zwei Generationen zuvor schon mein Großvater von den anderen Missionaren und den lokalen Pastoren im chinesischen Kunming anhören musste. Er und meine Großmutter waren in einem abgelegenen Winkel Südwestchinas angekommen, ebenfalls entschlossen, zu den Enden der Erde zu gehen, um verlorene Schafe zu finden. Doch während mein Großvater eine „richtige“ Missionsarbeit aufzubauen versuchte, begann meine Großmutter, zerlumpte Bettelkinder aufzunehmen, die sie sterbend in der Gosse fand, außerhalb ihres kleinen, im chinesischen Stil gehaltenen Anwesens in der Stadt Kunming. Sie reinigte ihre Wunden, gab ihnen saubere Kleidung und zu essen. Zwei von drei Kindern starben dennoch innerhalb weniger Tage. Doch schon bald hatten meine Großeltern ein Waisenhaus mit ungefähr fünfzig Kindern, welches sie „Adullam“ nannten, nach der Höhle aus dem Alten Testament, in der sich David vor den Drohungen König Sauls versteckte.

Die Kinder waren zuerst nicht besonders dankbar oder aufgeschlossen, wollten meistens spielen und einfach Kinder sein. Es wurde von ihnen erwartet, dass sie zum Gottesdienst erschienen, aber sie begriffen nur wenig. Doch eines Tages fiel der Heilige Geist auf die Kinder und überwältigte sie mit Sündenerkenntnis. Auf einmal verloren sie den Wunsch nur zu spielen. Stattdessen fielen sie zu Boden, versteckten sich hinter den Möbeln und klagten bis spät in die Nacht wegen ihrer Sünden. Noch Tage ging das so weiter. Sie hatten Visionen, in denen sie von geifernden Dämonen, die sie in ihrer Verzweiflung verspotteten, in die Hölle verschleppt wurden. Andere, die sie gekannt hatten, sahen sie in der Hölle brennen. Und als es an ihnen selbst war, in die feurige Grube geworfen zu werden, wurden sie von Engeln gerettet, die sie in den Himmel mitnahmen und ihnen die Herrlichkeit des Evangeliums von Jesus erklärten.

So begann eine eindrucksvolle Zeit der Offenbarung, Schönheit, Kraft und Liebe. Wochen- und monatelang hatten die Kinder Visionen und verbrachten so wenig Zeit wie nur möglich mit Essen und Schlafen. Sie kannten nichts aus der Bibel, aber aus ihren Visionen konnten sie genauestens Geschichten aus dem Alten Testament beschreiben, Jesus am Kreuz, die große Drangsal, die endgültige Auferstehung, das Hochzeitsmahl des Lammes, unsere Heimstätte im Himmel und viele andere vergangene, gegenwärtige und zukünftige Szenen.

All diese Jahre hatte ich mich nach einer Fortsetzung von Visionen jenseits des Horizonts gesehnt, dem Buch, das mein Großvater über diese Ausgießung geschrieben hatte. Aber ich glaubte, dass ich, falls ich jemals solch wundervolle Dinge sehen sollte, dazu Gottes Wertesystem brauchen würde. Er liebt es, sein Herz zu zeigen. Er liebt es, sich der Dinge zu bedienen, die nichts sind, und sie dabei zu gebrauchen, Dinge zunichte zu machen, die etwas sind. Er rastet nicht, bis er die Verlorensten und Einsamsten erreicht hat. Das Schlimmste, das Satan tun kann, stürzt er um und verherrlicht sich selbst.

An all das erinnerte ich mich, als ich an jenem Tag in Chihango stand, und mit dem erbärmlichsten Versuch, Kindern zu helfen, konfrontiert war, den ich je erlebt hatte. Waren sie die Werkzeuge, die Jesus benutzen würde, um ein ganzes Land zu verändern? Würden diese leeren, betäubten Herzen Gefäße des höchsten Gottes sein? Würden Generäle, Präsidenten, Minister und Geschäftsleute durch die Zeugnisse dieser scheinbar nutzlosen Kinder ihr Leben verändern, Kinder, die bislang ohne jede Ausbildung, ohne Charakter und Tugend waren?

Und wie wollten Heidi und ich für sie sorgen? Fünfzehn Jahre lang hatten Heidi und ich nur für unsere kleine Familie im Glauben gelebt. Wie konnten wir eine so große Einrichtung reparieren und erhalten und sie zu einem Beispiel machen, welches die ganze Nation inspiriert? Woher würden wir die Liebe, den Glauben und die Ausdauer bekommen um durchzuhalten? Außerdem gab es noch Tausende weiterer Kinder in ganz Mosambik, deren Lage genauso verzweifelt war.

Doch ich war gespannt. Dies war ein wunderbarer Test des Evangeliums. Ich wollte etwas, was ich überall und jedem predigen konnte, und war überzeugt, dass Jesus genug für diesen Ort war – und für ganz Mosambik. So beschloss ich, bei den Untersten der Gesellschaft anzufangen und mich hochzuarbeiten, wie es mein Großvater getan hatte. Chihango war genau richtig. Ich würde die Herausforderung annehmen.

Aber ich würde solch ein Abenteuer nur mit meiner Frau Heidi angehen, die sich mit ihrem Glauben und ihrem Herzen für die Armen ihr ganzes Leben lang auf Mosambik vorbereitet hatte. Ihre Geschichte beginnt im nächsten Kapitel.

Kapitel 2

Die Berufung

Ich – Heidi – wollte schon immer wissen, wie es im Innern der Menschen aussieht. Wie waren sie wirklich unter ihrem vornehmen Getue und sorgfältig Zurechtgemachtsein oder unter ihren Lumpen und Falten?

Wie konnte ich sie aufrichtig und ohne Heuchelei lieben, wie konnte ich hinter die Fassade der Teenager und deren gesellschaftliches Getue kommen, das ich in dem privilegierten Wohnort am Strand von Südkalifornien sah, wo ich aufwuchs?

Ich fühlte mich zu den weniger Beliebten hingezogen, den weniger Schönen, die übergegangen und ignoriert wurden. Gerne saß ich bei den Einsamen und Vergessenen und hörte ihren Geschichten zu. Ich war rastlos, immer an anderen Kulturen und Sprachen interessiert und vor allem an den Armen. Ich konnte einfach nicht nur zu Hause herumsitzen, mit mir selbst und meiner eigenen Welt beschäftigt.

Meine Eltern fuhren mit mir oft zum Zelten nach Mexiko, sie besaßen eine außergewöhnliche Sensibilität den Armen gegenüber. Unsere Familie hielt in Tijuana und anderen Plätzen an, wo wir die Müllhalden und Barackenstädte besuchten und Kleidung verteilten. Ich wurde auch von meiner Lehrerin aus der sechsten Klasse geprägt, die Missionarin in China gewesen war. Sie war gerade aus Asien zurückgekehrt und zeigte unserer Klasse einprägsame Bilder aus den Slums von Hongkong. Ich weinte vor Verzweiflung für die Menschen, die dort lebten, und schon damals sagte ich Gott, dass ich gehen und ihnen helfen wolle.

Die ganze Zeit über habe ich mich nach Gott gesehnt. „Wo bist du, Gott?“, fragte ich nachts auf meinem Bett. Ich betete jedes Gebet, das mir in der Episkopalkirche meiner Mutter beigebracht wurde. Fortwährend betete ich. Der Heilige Geist berührte mich kraftvoll, als ich das Abendmahl nahm. Ich wurde vorbereitet und berufen.

Mit dreizehn flog ich als Austauschschülerin für ein Jahr in die Schweiz. Ich lernte Deutsch, fuhr Ski, ging zum Tanzunterricht und hatte eine wunderbare Zeit, aber Entbehrungen musste ich keine hinnehmen. Mit sechzehn kam ich als Schüler des „American Field Service“ in ein Choctaw-Indianer-Reservat in Mississippi, bereit, ein weiteres kulturelles Abenteuer zu bestehen, nur diesmal in einem Umfeld der Armut, die ich in diesem Ausmaß in Amerika noch nicht gesehen hatte.

Während der Ferien im Frühling war ich in meinem Choctaw