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"Fabelhafte Welten - Fabeln für große und kleine Menschen aus Überall" ist die Weiterführung unserer Vision einer multikulturellen friedvollen Welt, in der wir voneinander in Ebenbürtigkeit lernen, auf Augen- und Herzhöhe: Verschiedene Kulturen und Religionen werden sichtbar und leben miteinander. Nun können Eltern, Großeltern, Tanten, Erzieher*innen, Lehrer*innen und Pädagog*innen mit Vier- bis Elfjährigen die Kompetenzen des kognitiven, sozialen und emotionalen Lernens in vielfältiger Art ausprobieren und erleben: über das Lesen, das Zuhören, das Denken und das gemeinsame Erarbeiten in Gruppen - dank eines Buches mit Zugang zum eigenen Medium: - Der 1. Band ist ein Buch mit 9 Fabeln und Bildern, kindgerecht gestaltet, zum Selberlesen und Zuhören - erwerbbar als E-Book, Soft- oder Hardcover. - Im Anhang stehen Arbeitsbögen für jeweils kleine (4-6 Jahre) und größere Kinder (7-11 Jahre) zur Verfügung, die als Frage- und Antwortspiel die emotionale Kernkompetenz, mentale Kompetenzen und soziale Erkenntnisbildung fördern. - Zu jeder Fabel gibt es einen ethischen Lehrteil, der unterstreicht, was in jeder Geschichte spielerisch erlernt werden kann: vom Umweltbewusstsein bis zum Umgang mit Traurigkeit oder Angst. Die pädagogische Arbeit wird somit unterstützt, weil beim Spielen mit Erwachsenen oder in Gruppen die Auswahl der Fabel erleichtert wird: Welcher Entwicklungsschritt darf jetzt unterstützt werden? - Im Buch ist außerdem ein Zahlencode enthalten, der Zugang zu einer Website mit allen Fabeln als Audioversion in Hörspielqualität liefert, die das Kind entweder mit männlicher oder weiblicher Sprechstimme auswählen kann, im Studio aufgenommen mit dem Schauspieler Stephan Schill und mit mir. - Somit wird ein kontrollierter digitaler Zugang erschaffen: Der QR-Code ermöglicht den Zugang zu 90 Minuten Fabeln als Hörspielaktivität. - Das Buch mit all seinen unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten wird in meinem Verlag édition Welten veröffentlicht.
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Seitenzahl: 75
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Clara Welten
Fabelhafte Welten
Fabeln für große und kleine Menschen aus ÜBERALL
édition Welten
Für meine Tochter Laila
und für alle Kinder, auf dass ihre unterschiedliche Herkunft, Tradition, Sprache und Kultur die Fülle und Reichheit in unserer Gesellschaft sei …
Clara Welten
Fabelhafte Welten
Fabeln für große und kleine Menschen aus ÜBERALL
Band I
édition Welten
© 2020 Clara Welten
Bilder: Zohreh Mohsenipour
Verlag: édition Welten, Berlin
Druck und Vertrieb: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-9817957-5-2
Hardcover:
978-3-9817957-6-9
e-Book:
978-3-9817957-7-6
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhalt
Einleitung
Die Stille (Welten, inspiriert von F. Nietzsche)
Wahrer Reichtum (angelehnt an eine indische Geschichte, frei übersetzt aus Philo-Fables)
Traurigkeit (Welten)
Freundschaft - Das Auge des Nashorns (angelehnt an eine afrikanische Geschichte, frei übersetzt aus Philo-Fables)
Der Engel (Welten, inspiriert von Hildegard von Bingen)
Sehnsucht (Welten, inspiriert von S. Kierkegaard)
Am Himmelstor (angelehnt an die sufistische Tradition, frei übersetzt aus Philo-Fables)
Schönheit – Das Licht (Welten, inspiriert von Abu Tajib Ahmad ibn al-Husain)
Liebe macht mutig! (Welten, inspiriert von Laotse)
Anhang
Ethische Lehrteile
Arbeitsbögen 4–6 Jahre
Arbeitsbögen 7–11 Jahre
Antwortbögen
Literaturhinweis
Einleitung
Seit mehreren Jahren unterrichte ich „Bewusstseinsförderung für Kinder“ an der Hochschule für Sozialarbeit in Genf. Die theoretischen Studien aus dem Bereich der Philosophie und Psychoanalyse wurden von meiner praktischen Arbeit mit Kindern inspiriert, den Philo-Ateliers, in denen ich in französischer oder deutscher Sprache Fabeln „aus aller Welt“ erzähle, mit den Kindern male und meditiere, um die Bewusstwerdung der eigenen Gefühle spielerisch zu vertiefen. Denn es ist die (immer bessere) Kenntnis unserer Gefühlswelt, die uns zu bewussten Menschen macht. Wer seine Emotionen einschätzen und also mit ihnen umgehen kann, hat es nicht nötig, „den anderen zum Feind zu degradieren oder ihm die Rübe einzuschlagen“. Bewusste große und kleine Menschen können über ihre Gefühle sprechen. Die Fabeln vermitteln nachhaltig Bilder mit Symbolcharakter, die zum Verarbeiten der Gefühle und deren Anerkennung beitragen.
Fabelhafte Welten – Fabeln für große und kleine Menschen aus Überall ist die Weiterführung unserer Vision einer multikulturellen Welt, in der wir voneinander in Ebenbürtigkeit lernen, auf Augen- und Herzhöhe: Verschiedene Kulturen und Religionen werden sichtbar. Nun können Eltern, Erzieher und Pädagogen mit Vier- bis Elfjährigen die Kompetenzen des kognitiven, sozialen und emotionalen Lernens in vielfältiger Art erleben – über das Lesen, das Zuhören, das Denken und über das gemeinsame Erarbeiten von Arbeitsbögen:
• Dieser 1. Band ist ein Buch mit 9 Fabeln und Bildern, kindgerecht gestaltet, zum selber Lesen und Zuhören – erwerbbar als E-Book, in Soft- oder Hardcover.
• Im Anhang gibt es zu jeder Fabel einen ethischen Lehrteil, der unterstreicht, was in jeder Geschichte spielerisch erlernt werden kann; die Nummerierungen in der Fabel sind Hinweise auf den jeweiligen Lerninhalt: vom Umweltbewusstsein bis zum Umgang mit Traurigkeit oder Angst. Die pädagogische Arbeit wird somit erleichtert: Welcher Entwicklungsschritt darf jetzt unterstützt werden?
• Im Anhang stehen Arbeits- und Antwortbögen für jüngere (4–6 Jahre) und ältere Kinder (7–11 Jahre) zur Verfügung, die als Frage- und Antwortspiel die sozialen Kernkompetenzen fördern. Das Ziel hierbei ist kein „Richtig oder Falsch“, sondern das Beschäftigen mit dem Inhalt der Fabel, um ihn als Erfahrungswert im Inneren verankern zu können.
• Im Buch ist außerdem ein Zahlencode enthalten, der Zugang zur Homepage mit allen Fabeln als Audioversion in Hörspielqualität liefert, Fabeln, die das Kind entweder mit männlicher oder weiblicher Sprechstimme auswählen kann, im Studio aufgenommen mit dem Schauspieler Stephan Schill und mit mir.
• Somit wird ein kontrollierter Zugang zu digitalen Medien geschaffen: Der Code ermöglicht den Zugang zu 80 Minuten Fabeln in Hörspielaktivität.
Die Folge dieser Vielseitigkeit: Sie halten ein Buch mit Medienzugang in den Händen, ein abwechslungsreiches universelles Lehr-, Bildungs- und Spielmaterial zum Thema „Vielfalt respektieren“!
Ich habe mich für die Fabeln von Denkern und Denkerinnen aus Vergangenheit und Gegenwart, aber auch multikulturell inspirieren lassen – von der arabischen Dichtung, von afrikanischen und indischen Geschichten oder auch aus der Antike: eben Fabeln aus aller Welt für große und kleine Menschen aus aller Welt!1 Themen wie Stille, Mitgefühl und Traurigkeit, Freundschaft und Sehnsucht, Licht und Schatten werden aufgenommen, auf dass unsere Kinder Bewusstheit aufbauen – in einer Welt, die immer komplexer, globaler, unruhiger und schnelllebiger wird … Mit Fabelhafte Welten tritt ein Moment der Ruhe und der Tiefe ein, eine besinnliche Zeit, in der Denken, Fühlen, Schauen, Hören und das Verarbeiten von unbewussten Gefühlen einen eigenen Raum bekommen. Wir Erwachsenen können „den Kindern aus Überall“ beistehen und sie darin begleiten, was genau eine Welt im Inneren zusammenhalten wird: Frieden und die Fähigkeit zu lieben – mit allen Differenzen, die das Koexistieren verschiedener Kulturen so interessant machen können.
Die Kinder spüren, dass sie wachsen, dass sie mehr verstehen möchten, dass sie zu verstehen versuchen, „was die Welt im Inneren zusammen hält“ – und nicht immer ist dieses Wachstum mit Freude verbunden: Wer mehr sieht, dessen Radius an Welt erweitert sich, auch um die Gefühle, die zu verarbeiten wir lernen dürfen. Unsere Hoffnung: die Vision einer besseren, gewaltfreien Welt, in der wir aktiv belichten, was im Schatten lag. Wir setzen sie gemeinsam, Hand in Hand, mit Ihnen und Euch um.
Clara Welten, Saman Fallahi & Team
Berlin, April 2020
1 z. B. Hildegard von Bingen, Laotse, den Griots, Abu Tajib Ahmad ibn al-Husain, Søren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche
Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.
Friedrich Nietzsche
Die Stille
Der Kobold Ramazan war gerne allein. Er lebte am Wasser, in einer winzig kleinen Sandburg am Fluss. Ramazan liebte es, am Strand zu sitzen, auf die sanften Wellen des Wassers zu schauen. Er liebte es, mit kleinen Kieselsteinchen die Wasseroberfläche zu bewerfen und Ringe entstehen zu lassen. Ramazan liebte die Weite und die Stille, wenn er allein mit sich war. (1)
Somit unterschied er sich gewaltig von allen anderen Kobolden, denn Kobolde waren tummelige springende laute kleine Wesen, die gerne Krach und im Übrigen auch Ärger machten. Das meinten sie nicht böse, aber ihrer Natur nach besaßen sie so viel Energie, dass sie manches Mal nicht wussten, wohin mit dieser Kraft. Aus Spaß trieben sie dann ihren Schabernack – mit anderen Elfen, Geistern oder auch Tieren und Menschen. (2)
Ramazans Bekannte und Freunde wohnten ebenfalls in Sandburgen am Wasser; sie waren aber praktisch nie zu Hause. So sprangen sie den lieben langen Tag umher, durch Wald und Ebenen, übers Tal, hinauf und hinab. Ramazan konnte sie aus weiter Ferne hören, denn sie redeten alle auf einmal und lachten viel. Alle Kobolde waren Naturgeister und trieben sich deshalb auch am liebsten draußen herum. Spielen, necken, erschrecken, sich stupsen und schubsen – dies zählte zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. (3)
Eines Morgens entschied Ramazan, sich auf die Wanderung zu machen. In all den stillen Stunden, die er am Wasser verbrachte, war ihm in den Sinn gekommen, dass er Lust hatte, Neues zu sehen, andere Orte kennen zu lernen und Unbekanntes zu erforschen. (4) Außerdem war es ihm am Fluss in seiner Sandburg nicht mehr ruhig genug.
Ramazan wanderte sieben Tage und sieben Nächte. Unterwegs ernährte er sich von allem, was er an Essbarem zwischen seine Finger bekam. Auch seine Geschwister, die Elfen, halfen ihm auf seinen Wegen. Sie mochten diesen kleinen Kerl, der so anders war als all die anderen. Sie beobachteten ihn schon seit langer Zeit, weil er sanft, still und ruhig seiner Eigenart frönte – ohne jedes Aufheben. So wachten sie über ihn in der dunklen Waldesnacht und ließen ihn am Tage die Sträucher finden, deren Beeren er essen konnte. (5)
Am siebten Tag sah Ramazan in weiter Ferne ein Haus. Es schien sehr alt zu sein und aus dem Schornstein rauchte es Wolken. Eine alte Frau saß davor. Ramazan hatte noch nie ein Haus oder einen Menschen gesehen! Er war ganz aufgeregt und eilte sich, den Hügel hinab zu kullern, um noch schneller beim Haus zu sein. In seinen Augen war die Frau sehr groß, viel größer als er selbst. Ramazan reichte ihr gerade bis zum Schuh. Und er verstand sofort, dass sie ihn nicht sehen konnte. Also schlüpfte er durch das Schlüsselloch ins Innere des Hauses.
Welch eine Ruhe! Ein alter Mann saß am Feuer und hielt etwas in der Hand, in dem er blätterte. Ganz versunken war er mit diesem Gegenstand. Eine tiefe Gelassenheit ging von ihm aus. (6) Und überhaupt hatte alles in diesem Haus seinen Platz: das Feuer im Kamin, der Topf auf dem Herd, das kleine Licht über dem Esstisch … Ramazan wünschte sich nur eines: „Geist in diesem Hause zu sein! Hier leben zu dürfen und sich in das zu versinken, was der alte Mann da in seinen Händen hielt!“
So wurde aus dem Kobold Ramazan, dem Naturgeist, ein Hausgeist. (7) Und weil er als Geist sehr schnell lernen konnte, dauerte es nicht lange und er hatte seinen Lieblingsplatz gefunden: im Schneidersitz auf der Hand des alten Mannes sitzend. Seitdem lesen sie, versunken in Gedanken, ein Buch zu zweit.
