Fahrt zur Hölle - Daniela Hochstein - E-Book

Fahrt zur Hölle E-Book

Daniela Hochstein

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Beschreibung

Nach einer scheinbar gelungenen Flucht, sitzt Marius in einem Zug, der ihn einem ungewissen Ziel entgegenbringt. Immer mysteriöser wird seine Reise. Die Realität verschwimmt, der Albtraum beginnt. Doch was steckt dahinter?

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Seitenzahl: 37

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Daniela Hochstein

Fahrt zur Hölle

Eine Kurzgeschichte zu Halloween

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Prolog

Kapitel 1

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Impressum neobooks

Kapitel 1

Fahrt zur Hölle

Eine Halloween-Geschichte

von

Daniela Hochstein

Prolog

„Hurtig Kinder, hurtig! Heut ist Halloween. Die Grenzen verschwimmen und ihr seid frei. Hinaus, hinaus! Öffnet das Fenster, öffnet das Tor! Der Tag ist euer. Er gehört euch.“

Kapitel 1

Marius hatte es tatsächlich geschafft! So viele Jahre hatte er von der Flucht geträumt und nun war sie plötzlich so einfach gewesen...

Das Fenster hatte überraschender Weise offen gestanden und ihn förmlich eingeladen, zu springen. Natürlich, er hatte gewusst, dass ein Sprung aus dem vierten Stock ein waghalsiges Unterfangen war. Ja, er hatte nicht wirklich daran geglaubt, dass er heil da unten ankommen würde. Aber es war eine einmalige Chance gewesen. Seine einzige Chance seit nunmehr fünf Jahren. Und, mein Gott, was hatte er denn zu verlieren? Alles war besser, als eine lebenslängliche Gefangenschaft, in der er jeglicher Willkür ausgesetzt war. Ob es seine skrupellosen Mitgefangenen waren oder aber die Aufseher, die für jeden von ihnen bloß Verachtung übrig hatten, keiner von ihnen hatte die Möglichkeiten ausgelassen, ihn, Marius, zu demütigen und ihrem Hass auf ihn freien Lauf zu lassen.

Ein Schrei war dem Aufseher an seiner Seite entfahren, als Marius sich plötzlich dem Fenster zuwandte, losrannte und sprang. Er hatte einfach nicht damit gerechnet. Aber Marius hatte es getan. Er war gesprungen und ins Ungewisse geflogen. Erschreckend schnell war der Erdboden näher gekommen und Marius hatte sich bereits auf Schmerzen eingestellt. Ein metallischer Geschmack hatte sich auf seiner Zunge ausgebreitet. Mit rudernden Armen hatte er versucht, seine Beine dem Boden entgegenzustrecken. Dann war er aufgeprallt.

Für einen kurzen Moment war ihm schwarz vor Augen geworden. Ein scharfer Schmerz war durch seine Beine geschossen, seinen Rücken hinauf, bis in seinen Schädel. Dann war es vorbei gewesen.

Der Schmerz war wie weggeblasen. Erstaunt schaute Marius an sich herunter und fand sich bei bester Gesundheit. Nun jedoch galt es, zu fliehen. Marius hörte schon die eiligen Tritte schwerer Stiefel hinter den Mauern. Gleich würden sie durch die Tür brechen. Hinaus auf den Hof, wo er jetzt noch unschlüssig stand und sich hastig umsah.

Das Tor. Der einzige Ausweg, seine einzige, fade Hoffnung. Er rannte darauf zu und als er es erreicht hatte, stoppte er abrupt. Konnte das sein? Eigentlich hätte es verschlossen sein müssen, doch diesmal, dieses eine Mal stand es einen schmalen Spalt breit offen. Marius stürmte darauf zu, warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen den riesigen Torflügel, der darunter zaghaft nachgab, und als der Spalt gerade groß genug für ihn war, schlüpfte er hindurch.

Er war frei.

Er war frei und lief um sein Leben. Er lief, gefolgt von den Wachmännern, deren schnelle Schritte hinter ihm bedrohlich näher rückten. Sie hatten einfach die bessere Kondition. Aber Marius besaß noch immer einen Vorsprung. Einen Vorsprung, der ausreichte, um in den angrenzenden Wald einzutauchen und ihrem Zugriff letztendlich knapp zu entgehen.

Nun saß er in einem Zug. Unerkannt, einer von vielen. Sein Ziel? Unbekannt. Er hatte nicht auf die Anzeige geachtet, war bloß noch gerade eben hineingesprungen, als die Türen sich bereits schlossen. Das schrille Pfeifen, das sie dabei begleitete, klingelte noch in seinen Ohren, als ein Ruck durch den Zug ging und er schließlich anfuhr. Träge schob er sich aus dem Bahnhof hinaus und nahm langsam Fahrt auf.

Ratternd rauschte er schließlich an Mauern, Hinterhöfen und Straßen vorbei. Das rote Zwielicht der Abenddämmerung legte sich wie ein feiner Film aus Blut über die Stadt und ließ sie seltsam unwirklich erscheinen. Marius atmete erleichtert auf und doch hatte er den Eindruck, nicht genügend Luft zu bekommen. Ein unbestimmtes Gefühl lag behäbig auf seinem Brustkorb, brütend und giftig, troff durch seine Haut, seine Muskeln, seine Rippen und übergoss sein Herz, das verzweifelt dagegen ankämpfte.

Warum nur konnte Marius sich nicht über seine gelungene Flucht freuen? Warum fühlte er sich nicht frei, so wie er erwartet hatte? Stattdessen war da nur Verlorenheit, Einsamkeit, Leere ... und etwas anderes; etwas, das er nicht benennen wollte, das sich aber wie eine drohende Faust in seinem Magen zusammenballte.

Sollten sie ihn nun doch einholen, die Schatten, entsprungen aus den stummen Nächten, die er dem Wesen ausgeliefert gewesen war, das sich Vater nannte? Oder waren es vielmehr jene, die dafür büßen mussten?