Fangirl Down - Tessa Bailey - E-Book

Fangirl Down E-Book

Tessa Bailey

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wells Whitaker war einst der heißeste, aufsteigende Stern am Golfhimmel, aber in letzter Zeit hat er nichts von seiner »vielversprechenden« Karriere vorzuweisen. Doch als Wells am Höhepunkt seiner Karriere aufhört, weiß er, dass er den größten Fehler seines Lebens gemacht hat. Josephine Doyle glaubte an den hinreißenden, mürrischen Golfer, selbst als er nicht mehr an sich glaubte. Plötzlich steht ein entschlossener Wells vor ihrer Tür und macht ihr einen verrückten Vorschlag: Sie soll sein neuer Caddie werden, ihm helfen, sein Spiel zu verbessern, und sich das Preisgeld teilen. Auf ihrer gemeinsamen Reise, bei der sie die Tage auf dem Golfplatz und die Nächte in benachbarten Hotelzimmern verbringen, sprühen die Funken. Aber Wells ist ja eigentlich ihr Chef, und ein Sportler, der sich in sein Fangirl verliebt, wäre doch lächerlich … oder?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 529

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Fangirl Down
Fangirl Down
Für Mac

Tessa Bailey

Fangirl Down

Übersetzt von Lara Gathmann und Lisa Schönfeld

Tessa Bailey

Fangirl Down

FANGIRL DOWN copyright © 2024 Tessa Bailey

All rights reserved

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Agence Hoffman GmbH, Hohenstaufenstraße 1, 80801 München, Germany

Copyright der deutschen Ausgabe © 2026 Fangirl Down

by VAJOSH Verlag GmbH

Druck und Verarbeitung:

FINIDR, s.r.o.

Lípová 1965  

737 01 Český Těšín

Czech republic

Übersetzung: Lara Gathmann und Lisa Schönfeld

Korrektorat: Angela Dobbelstein und Dejana Fulurija

Umschlaggestaltung: Diana Gus

Satz: VAJOSH Verlag GmbH, Oelsnitz

VAJOSH Verlag GmbH

Carl-Wilhelm-Koch-Str. 3

08606 Oelsnitz

Teil der SCHÖCHE Verlagsgruppe GmbH

Für Mac

Ich bin das Number-One-Wells-Whitaker-Fangirl.

Sicher, der Bad Boy des Golfsports hatte schon bessere Tage gesehen, aber so war das nun mal, wenn man ein Fangirl war.

Bleib ein Leben lang dabei oder zieh weiter, Sportsfreund.

Es gab drei Qualitäten, die man besitzen musste, um als Fangirl etwas zu bewirken.

Nummer eins: Enthusiasmus. Lass sie wissen, dass du da bist, Baby, oder du gehst unter den ganzen Poloshirts und Khakis unter.

Nummer zwei: Durchhaltevermögen. Turniere in seinem eigenen Bundesstaat auszulassen, ist keine Option. Fangirls tauchen auf und liefern ab.

Nummer drei: Bring Snacks mit. Das Essen auf einem Golfplatz ist teuer, und niemand ist gut gelaunt, wenn er vierzehn Dollar für einen Hotdog ausgeben muss.

Um ehrlich zu sein, tat es heutzutage schon weh, fünf Dollar für ein Mittagessen auszugeben. Aber daran dachte Josephine Doyle jetzt nicht, denn Wells Whitaker höchstpersönlich machte sich gerade auf den Weg zum Abschlag des neunten Lochs. Und oh, er war heute in einer Form, wie man ihn selten sah. Giftig wie eine Schlange und unrasiert, ignorierte er die ausgestreckten Hände der Zuschauer, die auf ein High Five von dem einst so vielversprechenden Golfer hofften. Er strich sich mit der Hand über sein hübsches Gesicht, schüttelte einen tätowierten Unterarm aus und holte den Driver mit einer Feierlichkeit aus seiner Golftasche, als würde er einen Fussel wegschnippen.

Ganz und gar majestätisch.

Josephine steckte sich einen ihrer AirPods ins Ohr und tippte auf den Livestream des Turniers. Ihr Gehörgang wurde von den scherzhaften Tönen der Kommentatoren Skip und Connie geflutet.

Skip:Nun, es ist ein wunderschöner Tag hier in Palm Beach Gardens, Florida. Es sei denn, natürlich, man ist Wells Whitaker. In diesem Fall reizt das Sonnenlicht wahrscheinlich den Kater.

Connie:Die diesjährige Tour war eine ziemliche Herausforderung für den Golfer, der mit seinen neunundzwanzig Jahren schon bessere Tage gesehen hat. Vor fünf Jahren ist er in die Tour eingeschlagen wie eine Abrissbirne und hat drei Majors gewonnen. Und jetzt? Jetzt hat er in den meisten Wochen Glück, wenn er die erste Runde übersteht.

Skip:Heute … na ja, sind wir mal ehrlich, besteht nicht die geringste Chance, dass Wells den morgigen Tag übersteht. Und offen gesagt, Connie, glaube ich nicht, dass es ihn interessiert.

Connie:Nicht, wenn seine nächtlichen Eskapaden einen Hinweis darauf geben, Skip. Im Internet findet man haufenweise Beweise dafür, dass Golf für Whitaker das Letzte ist, woran er gerade denkt. Noch vor sechs Stunden wurde er nach einer Schlägerei in einer Bar in Miami von der Polizei verhört.

Josephine zog ihren AirPod wieder heraus und steckte ihn in die Tasche ihrer Hose aus der offiziellen Bekleidungslinie von Wells Whitaker. Es war noch gar nicht so lange her, dass Skip und Connie Wells verehrt hatten. In der Fangirl-Gemeinschaft nannte man sie Schönwetterfans. Sie waren nur dann für einen Spieler da, wenn er seinen besten Tag hatte. Wenn das Fenster zum Erfolg nicht einmal ein kleines bisschen schmutzig war.

Das war okay. Josephine würde diese verräterischen Judasse mehr als ausgleichen.

Und heute?

Heute würde sie endlich die Chance bekommen, Wells zu sagen, dass sie ihn nie abgeschrieben hatte. War er am Boden? Sicher. Aber niemals besiegt. Sie würde ihm direkt in die blutunterlaufenen Augen schauen und ihn daran erinnern, dass sein Talent nichts war, das verschwinden konnte. Es hatte sich nur hinter Selbstzweifeln, Alkohol und einem Stirnrunzeln versteckt, das selbst einem Löwen Angst einjagen könnte.

Josephine konnte immer noch nicht glauben, dass sie das Gewinnspiel gewonnen hatte. Auch wenn sie einundsechzig Mal teilgenommen hatte.

Lunch und Lehrstunde mit Wells Whitaker. Ein glücklicher Fan würde mit dem einst großen und bald wieder großen Wells zu Mittag essen, gefolgt von einer Putting-Lehrstunde. Eigentlich brauchte Josephine die Lehrstunde nicht, denn sie war auf einem Golfplatz aufgewachsen, arbeitete in einem Pro Shop und verbrachte ihre Tage damit, den Kunden die richtigen Techniken beizubringen.

Golf war ihr Leben. Sie freute sich vielmehr auf die Chance, diesen besiegten Athleten zur Vernunft zu bringen. Niemand sonst schien bereit zu sein, diese Aufgabe zu übernehmen. Vor allem nicht sein Caddie, der anscheinend lieber Vanderpump Rules auf seinem Handy schaute.

Tatsächlich schien die spärliche Menge, die Wells zu diesem Loch gefolgt war, eher dazu geneigt zu sein, früher Feierabend zu machen oder sich einen beliebteren Spieler zu suchen, dem sie zusehen konnten. Denn, noch bevor Wells seinen Schlag machte, lösten sich ein paar von ihnen bereits von der Gruppe und wanderten in Richtung Clubhaus. Das perfekte Beispiel für Schönwetterfans.

Leider sah Wells ebenfalls so aus, als würde er erwägen, aus dem Turnier auszusteigen. Einerseits würde das bedeuten, dass Josephine früher zu Mittag essen können würde. Ihr niedriger Blutzuckerspiegel könnte den Schub gut gebrauchen.

Andererseits wäre es ihr lieber, wenn er den Tag mit einem guten Ergebnis beenden würde.

Zeit, etwas zu bewirken.

Josephine griff tief in die Trickkiste und stieß einen Schrei aus, der so manchen Khakihosen tragenden Mann aufschrecken ließ. »Los geht’s, Wells. Schieb ihn ins Loch!«

Der Golfer warf ihr einen steinernen Blick über seine sehr muskulöse Schulter zu, der ihr einen Blick auf seine hellbraunen Augen und sein kantiges Kinn freigab. »Oh. Du bist es. Schon wieder.«

Josephine schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln und hielt ihr Schild hoch, auf dem Wells’ Belle stand. »Gern geschehen.«

Eine Linie trat auf seiner stoppeligen Wange hervor.

»Du schaffst das«, formte sie mit ihren Lippen. Dann konnte sie sich nicht verkneifen, hinzuzufügen: »Ich freue mich schon auf unser heutiges Mittagessen. Du weißt doch, dass ich das Gewinnspiel gewonnen habe, oder?«

Sein Seufzen hätte ein kleines Kind umpusten können. »Ich habe versucht, es zu vergessen, aber du hast mich in deiner Instagram-Story markiert. Acht Mal.«

Waren es acht Mal gewesen? Sie hätte schwören können, dass sie sich auf sechs beschränkt hatte. »Du weißt doch, wie die wichtigen Dinge in dieser App untergehen.«

»Tja, es ist nicht untergegangen.« Er tippte sich einmal an die Lippe, die aussah, als sei sie aufgeplatzt. »Macht es dir was aus, wenn ich mich jetzt auf diesen Schlag konzentriere? Oder willst du die Spezialitätenkarte mit mir durchgehen?«

»Nein, alles gut. Großartig sogar.« Josephine presste ihre Lippen zusammen, um zu verhindern, dass ihr das Lächeln aus dem Gesicht sprang, und hielt ihr Schild mit neuer Entschlossenheit hoch. Jeder in der Menge starrte sie an – etwas, das viel einfacher war, wenn sie ihre Komplizin dabei hatte. Ihre beste Freundin, Tallulah, begleitete Josephine normalerweise bei diesen Fanausflügen, um sie moralisch zu unterstützen. Nur leider befand sie sich im Moment auf einer Forschungsreise außerhalb des Landes, weshalb Josephine allein an der Seitenlinie stehen musste. Doch das war in Ordnung für Josephine. Sie freute sich riesig, dass ihre Freundin diese einmalige Chance bekommen hatte. Das hieß aber nicht, dass sie sie nicht schrecklich vermisste.

Josephine schluckte den Kloß in ihrer Kehle hinunter und ignorierte den Mann, der ihr wütend ein Paddel entgegenstreckte, auf dem Ruhe bitte stand, und rief: »Bleib auf dem kurzen Gras, Wells, du absolute Legende!«

»Ma’am«, schnauzte der Paddelmann.

Josephine zwinkerte ihm zu. »Ich bin schon fertig.«

»Gut.«

»Fürs Erste.«

Wells beobachtete den Schlagabtausch kopfschüttelnd, dann drehte er sich wieder um, brachte sich in Position und … das Benzin im Tank dieses Mannes war einfach nicht zu übersehen. Die Gesäßmuskulatur verlieh einem Golfer Antriebskraft, und Wells’ Hintern war der einzige Teil seiner Karriere, der weiterhin ein Champion blieb. Man könnte nicht nur eine Münze von dem Ding abprallen lassen – versuch’s mal mit zwei Silberdollars. Die würden von seinem perfekt gerundeten Hintern abprallen und ein Fangirl glatt ausknocken. Und sie würde mit einem Lächeln zu Boden gehen.

»Es gab eine Zeit, da hätte Whitaker an diesem Loch im Schlaf einen Birdie gemacht«, flüsterte ein Mann, der hinter Josephine stand, seinem Sohn zu. »Eine Schande, dass er alles den Bach runtergehen ließ. Sie sollten ihm die Turnierkarte wegnehmen, bevor er sich noch mehr blamiert, als er es ohnehin schon getan hat.«

Josephine warf einen Blick über ihre Schulter zurück und dem Zuschauer den verächtlichsten Blick zu, den sie zustande bringen konnte. »Er steht kurz vor einem Comeback. Eine Schande, dass Sie das nicht sehen können.«

Der Mann und sein Sohn schnaubten gleichzeitig. »Dazu bräuchte ich ein Mikroskop, Honey.«

»Für Menschen mit einem ungeschulten Auge, vielleicht.« Sie rümpfte die Nase. »Ich wette, Sie geben vierzehn Dollar für Hotdogs aus.«

»Ma’am«, flehte der Paddeltyp wieder. »Bitte.«

»Tut mir leid.«

Wells verfestigte seinen Griff um den Schläger, schielte aufs Fairway hinaus und holte aus. Seinem einst berühmten Drive fehlte es jetzt an seiner früheren Finesse.

Der Ball segelte direkt in die Bäume.

Enttäuschung machte sich in Josephines ganzem Körper, bis hinunter in ihre Zehen, breit. Nicht für sie selbst, weil sie nicht das Privileg hatte, Zeuge von etwas Großem zu werden, sondern für Wells. Sie beobachtete, wie sich seine Schultern anspannten und sein Kopf nach vorn sank. Das gedämpfte Gemurmel der Menge hätte genauso gut das Klirren von Zimbeln sein können. Die letzten verbliebenen Zuschauer entfernten sich, um grünere Gräser an anderen Stellen zu finden.

Aber Josephine blieb. So machten es Fangirls.

Wie ging der Spruch noch gleich?

Man war zu denen am härtesten, die einen am meisten liebten?

Anscheinend war es wahr. Denn Wells hatte nur noch einen Fan – einen einzigen, übereifrigen und nervtötend süßen Fan – und sein erster Instinkt war es, ihr die Schuld an seinem verpatzten Schlag zu geben. Das war nicht fair; er hatte in letzter Zeit schon viele Schläge verpatzt, ohne dass sie am Rand gestanden hatte. Vielleicht hatte er endlich seine volle Fähigkeit zur Selbstabscheu entwickelt. Oder vielleicht war er einfach nur der Mistkerl, als den ihn so viele Freunde und Bewunderer während seines zweijährigen Niedergangs beschrieben hatten.

Was auch immer der Grund sein mochte, die Tatsache, dass sie auch jetzt noch da war, standhaft und aufmunternd lächelnd, nachdem er direkt in die verdammten Bäume geschlagen hatte, konnte Wells nicht ertragen. Sie musste gehen, wie der Rest von ihnen auch. Verschwinden. Diese Seitenlinien-Kriegerin mit den kupferfarbenen Haaren und seinem Merch war das Einzige, was ihn heute Morgen aus dem Bett gebracht hatte – denn sie war bei seinen Turnierstopps in Florida immer dabei. Immer. Ohne Ausnahme. Wusste sie denn nicht, dass seine Bekleidungslinie letztes Jahr eingestellt worden war? Nike hatte ihn ebenfalls fallen gelassen. Im Moment wäre er froh, wenn er von einem Anti-Schuppen-Shampoo gesponsert werden würde.

Sein Mentor, der legendäre Buck Lee, antwortete nicht einmal mehr auf seine SMS.

Die Welt hatte ihn schon lange abgeschrieben.

Und doch stand sie da und hielt das Schild in der Hand.

Wells’ Belle.

Mein Gott. Er musste dieses Mädchen von ihrem Elend befreien.

Der einzige Weg, das zu tun, war, sich selbst zuerst zu befreien. Sonst würde sie nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr wieder auftauchen. Frisch, unermüdlich und standhaft unterstützend, ganz gleich, wie weit unten er am Ende des Tages auf der Rangliste stand. Sie kam immer wieder zurück.

Deshalb kam Wells immer wieder, weil er sie nicht enttäuschen wollte.

Sein letzter verbliebener Fan. Sein letzter verbliebener … überhaupt irgendwas.

Josephine.

Aber er wollte nicht mehr. Er wollte nicht mehr auftauchen und vergeblich versuchen, seine glorreichen Tage zurückzubekommen. Er hatte seine Magie verloren und würde sie nie wieder finden. Sie war irgendwo da draußen in den Bäumen mit seinem Ball. Sie musste gehen, damit er die Reißleine ziehen konnte. Damit er nicht mehr jeden Morgen versuchen musste, seinen fehlenden Optimismus zu finden. Er könnte sich endlich in Ruhe zu Tode trinken und für den Rest seines Lebens das Green meiden.

Nichts von alledem würde passieren, wenn er dieses lächerliche Gewinnspiel durchziehen würde.

»Geh.« Er drehte sich auf dem Absatz um, zog seinen Handschuh aus und wedelte mit der Hand in die Richtung, in der die Fans zum Clubhaus strömten. Es fiel ihm schwer, ihr in die Augen zu sehen, was lächerlich war, weil er sie nicht einmal kannte. Nicht persönlich. Und das würde er auch nie. Sie hatten sich auf dem Platz mehrfach kurz ausgetauscht, aber ihre Gespräche drehten sich immer um Golf. Kurz, wenn auch irgendwie … bedeutungsvoll. Wichtiger als die normalen Interaktionen mit einem der Zuschauer. Aber er konnte sich nicht daran aufhängen. Es war vorbei. »Geh. Ich steige aus.« Endlich fand er den Mut, sich über das Begrenzungsseil zu lehnen und ihren sich weitenden grünen Augen zu begegnen. »Es ist vorbei, Belle. Geh nach Hause.«

»Nein.«

Humorlos lachend schmiss er seinen Handschuh auf das Fairway. Wenn er seinen Ball nur ebenso gerade spielen könnte. »Nun, dann wirst du ab jetzt einem Geist zujubeln, denn ich bin fertig.«

Langsam ließ sie ihr Schild sinken.

Bei dem Anblick zog sich etwas in seiner Brust zusammen, doch er ließ es sich nicht anmerken.

»Du liegst am Boden, aber du bist nicht draußen, Wells Whitaker.«

»Hör mir zu. Ich bin raus. Ich steige aus dem Turnier aus. Es gibt keinen Grund mehr für dich, hierherzukommen, Josephine.«

Mit einem Mal wurde ihr Lächeln noch strahlender, und, Gott steh ihm bei, sie verwandelte sich von niedlich zu umwerfend – eine Feststellung, die absolut nichts bedeutete, da sich ihre Wege hier und jetzt trennen würden.

»Du hast mich mit meinem Vornamen angesprochen. Das hast du noch nie gemacht.«

Das wusste er nur allzu gut. Er hatte es vermieden, sie mit etwas anderem als ihrem selbstgewählten Spitznamen anzusprechen, weil ihm alles andere zu persönlich vorkam. Und an dieser Sache gab es nichts Persönliches. Sie waren ein Sportler und sein größter Fan – und das musste endlich aufhören. Vorbei sein. Er musste dieses verbliebene Band zum Golf durchtrennen, sonst würde er nie mit seinem Leben als gescheiterter Ex-Star weitermachen können. Mit neunundzwanzig.

Verflucht sei dieser Sport.

Und verflucht sei sie, dass sie ihn dazu gebracht hatte, aufzutauchen und es trotzdem zu versuchen.

Eigentlich lächerlich, wenn man bedachte, dass Wells sie gerade zum ersten Mal in den ganzen fünf Jahren, in denen sie ihn von den Zuschauerplätzen hinter dem Seil aus angefeuert hatte, mit ihrem Namen angesprochen hatte.

»Was ist mit dem Gewinnspiel?«, fragte sie, faltete ihr Schild zusammen und hielt es vor ihrer Brust fest. »Lunch und Lehrstunde mit Wells Whitaker. Ich habe gewonnen.«

Er deutete zu den Bäumen. »Offensichtlich bin ich nicht in der Position, dir irgendetwas beizubringen.«

Sie starrte einen Moment lang das Fairway hinunter. Dann sagte sie: »Ich bin selbst Trainerin. Vielleicht könnte ich dir etwas beibringen.«

Wells stockte. »Wie bitte?«

»Ich sagte, vielleicht könnte ich dir etwas beibringen.« Sie zuckte zusammen, als hätte sie die Anmaßung ihres Angebots jetzt endlich auch begriffen und es durch einen Filter laufen lassen. »Meine Familie besitzt einen kleinen Pro Shop in der Nähe und ich weiß alles, was es über Golf zu wissen gibt. Mein erstes Paar Babyschuhe hatte Spikes an der Sohle.« Sie nahm ihre Schirmmütze ab, und jetzt … sahen ihre Augen noch größer aus. Noch fesselnder. Und er wusste nicht, warum, aber es gefiel ihm nicht, dieses treue Mädchen im Stich zu lassen. »Du liebst den Sport nicht mehr. Vielleicht kann ich dir helfen, ihn wieder lieben zu lernen. Das meinte ich damit, dir etwas beizubringen …«

»Josephine, hör mir zu. Ich will ihn nicht mehr lieben. Ich habe meine Seele an dieses Spiel verloren und es hat mir nichts zurückgegeben.«

Sie schnappte nach Luft. »Nichts außer drei Major-Titeln.«

»Du verstehst das nicht. Die Titel verlieren an Bedeutung, wenn du nicht in der Lage bist, es zu wiederholen.« Er schloss die Augen und ließ die Wahrheit dieser Worte auf sich wirken. Es war das erste Mal, dass er sie laut aussprach. »Das Beste, was du für mich tun kannst, ist, zu gehen. Such dir einen anderen Golfer zum Belästigen, okay?«

Sein einziger verbliebener Fan versuchte stoisch, nicht die Gesichtszüge entgleiten zu lassen, doch er hatte ihr mit dieser Andeutung wehgetan. Mach weiter. Bring es hinter dich. Auch wenn die Vorstellung, dass sie einen anderen Spieler anfeuerte, das Gefühl in ihm hervorrief, sich auf seinen Wedge aufspießen zu wollen.

Wells biss sich fest auf die Zunge, um seine Worte nicht zurückzunehmen.

»Das ist einfach nur ein schlechter Tag. Schüttle es ab und versuch es morgen noch mal.« Ihr Lachen war ungläubig. »Du kannst doch nicht einfach mit dem Golfen aufhören.«

Er lachte ebenfalls auf, während er sich umdrehte und nach seiner Tasche griff. Sein Caddie war nirgendwo in Sicht. »Das Golfen hat mit mir aufgehört. Geh nach Hause, Belle.« Zwischen seinen Schlägern steckte ein Zettel. Stirnrunzelnd zupfte er ihn zwischen zwei Fingern hervor und entdeckte ein Kündigungsschreiben von seinem Caddie. Wenn man eine gekritzelte Nachricht auf einer Bar-Serviette ein Kündigungsschreiben nennen konnte. Statt Wut empfand Wells nichts als Erleichterung.

Hervorragendes Timing.

So musste er den Mistkerl nicht feuern.

»Wells, warte.«

Beim Anblick von Josephine, die sich unter dem Seil hindurchduckte und in seine Richtung joggte, wobei ihr tiefer, kupferfarbener Pferdeschwanz hin und her schwang, spannten sich seine Rückenmuskeln an. Das war absolut regelwidrig, aber es gab niemanden mehr, den das interessierte. Er würde den Club verlassen und niemand würde es bemerken, oder? Außer ihr.

»Es gibt Leute, die noch an dich glauben«, sagte sie.

»Wirklich? Wo?« Er hievte die Tasche auf seine Schulter. »Ich sehe nur dich.«

Wieder sickerte Schmerz in ihren Blick und er ignorierte den Impuls, seine Tasche fallen zu lassen und ihr alles zu erzählen. Wie sein Mentor ihn nach einer schlechten Saison im Stich gelassen hatte und ihm klar geworden war, dass sein Supportsystem nur Schall und Rauch war. Am Ende des Tages war er allein, so wie er es seit seinem zwölften Lebensjahr war. Jeder interessierte sich nur noch dafür, wie gut er diesen kleinen weißen Ball schlug, und Gott, er hasste es. Er ärgerte sich über das Spiel und über alles, was damit zusammenhing.

»Ich bleibe genau hier, bis alle zurückkommen«, sagte sie.

Frustration kratzte an seinem Inneren wie ein paar Fingernägel. Er wollte das Handtuch werfen, und sie war die Einzige, die ihn davon abhielt.

Wells kämpfte gegen den Drang an, seine Tasche abzustellen und erneut einen Schläger zu wählen – alles für diese Person, die unklugerweise weiter an ihn glaubte. Stattdessen griff er nach ihrem Schild und beschimpfte sich innerlich selbst als Bastard, als er es in der Mitte durchriss. Er warf die beiden Seiten auf das Gras und zwang sich, ihr in die Augen zu sehen, denn er konnte nicht gleichzeitig ein Bastard und ein Feigling sein. »Zum allerletzten Mal, ich will dich hier nicht haben.«

Dann geschah es endlich.

Sie sah ihn nicht mehr an, als wäre er ein Held.

Und das war eine Million Mal schlimmer, als in die Bäume zu schlagen.

»Tut mir leid wegen des Mittagessens«, sagte er mit einem Kloß im Hals und ging um sie herum. »Es tut mir alles leid.«

»Was ist mit deiner grünen Jacke?«

Wells blieb stehen, drehte sich aber nicht zu ihr um. Er konnte nicht zulassen, dass irgendjemand sah, was diese zwei Worte – grüne Jacke – in ihm auslösten. Insbesondere sie nicht. Das Turnier, das jedes Jahr in Georgia stattfand, galt weithin als Königsmacher. Du gewinnst das Masters Tournament? Dann bist du automatisch eine Ikone. Der Sieger erhielt traditionell eine ganz besondere grüne Jacke und stand über allen, die keine hatten. Auch bekannt als der Traum. »Was?«

»Du hast einmal gesagt, dass deine Karriere erst dann vollkommen wäre, wenn du in Augusta die grüne Jacke gewinnen würdest. Das hast du noch nicht geschafft.«

Ein Eissplitter grub sich in seine Eingeweide. »Ja, dessen bin ich mir bewusst, Josephine. Ich danke dir.«

»Ziele hören nicht einfach auf, Ziele zu sein«, sagte sie unerbittlich. »Man kann nicht einfach aufhören, etwas zu wollen, nachdem man so hart dafür gearbeitet hat.«

»Ich kann. Und ich habe es getan.«

»Das ist doch Schwachsinn, Wells Whitaker.«

»Nenn es Schwachsinn so viel du willst. Ich werde dann nicht mehr hier sein, um es zu hören.«

Damit verließ er zum letzten Mal den Platz – und er hatte recht gehabt, niemand bemerkte es.

Keiner außer Josephine. Die letzte Person auf dem Planeten Erde, die ihn anfeuerte. Er würde sie höchstwahrscheinlich nie wiedersehen. Nie wieder hören, wie sie ihn in der Menge verteidigte. Nie wieder sehen, wie ihre Schilder beruhigend zwischen den Baseballcaps auftauchten, ihr Haar mit dieser ungewöhnlichen Farbe eine perfekte Ergänzung zu dem Grün um sie herum.

Sich das einzugestehen, fiel ihm schwerer, als er erwartet hatte, aber er ging weiter. Auf halbem Weg zum Parkplatz ließ er seine Golftasche fallen und die Schläger rutschten heraus. Es interessierte ihn nicht, was mit ihnen geschah. Durch das fehlende Gewicht hätte er sich leichter fühlen müssen.

Das Gefühl der Freiheit würde irgendwann kommen. Oder?

Jeden Moment.

Doch als er zum Platz zurückblickte und Josephine immer noch an derselben Stelle stehen sah, mit dem Gesicht von ihm abgewandt, wurde die Schwere so schnell noch intensiver, dass sein Gang ins Stocken geriet. Trotzdem befahl er sich, in seinen Ferrari zu steigen, und zeigte dem efeubewachsenen Etablissement den Mittelfinger, als er den Parkplatz verließ.

Wells Whitaker war fertig mit Golf und allem, was dazugehörte.

Einschließlich grünäugiger Optimistinnen, die ihn dazu brachten, sich zu wünschen, er würde noch einmal gewinnen.

Drei Wochen nach seinem Ausstieg aus dem Turnier riss Wells ein stechendes Auge auf. Er wusste nicht, welcher Tag heute war. Es hätte Juni oder Dezember sein können. Nach allem, was er wusste, war er in der Zeit zurückgereist. Er hatte sich von der Realität abgekoppelt, sobald er den Golfplatz in Palm Beach Gardens verlassen hatte und in seine Wohnung in Miami zurückgekehrt war. Er trank. Herrgott, er hatte so viel getrunken, dass sich seine Lunge und seine Eingeweide anfühlten, als wären sie mit frischem Teer überzogen.

Trotz der bösen Stiefmutter namens Kopfschmerzen, die gerade seinen Schädel unter ihrer Stiefelspitze zermalmte … waren seine Glieder irgendwie zittrig. Eine undeutliche Erinnerung stach in seinem Nacken wie ein knochiger Finger. Er musste aus dem Bett aufstehen und etwas tun. Aber was? Es gab keine Abschlagzeit, keine Übungsrunde, keine Pressekonferenz. Es gab nichts zu tun, außer sich wieder zu betrinken.

Hurrikan Jake.

»Fuck.«

Sein Arm schoss hervor, um nach der Fernbedienung zu greifen, sein Körper drehte sich in den Laken herum, um sich aufzusetzen. Letzte Nacht hatte es einen Hurrikan gegeben. Abgesehen von einigen starken Winden und peitschendem Regen hatte er die Auswirkungen in seinem Hochhausapartment nicht wirklich gespürt. Das Letzte, woran er sich erinnerte, war, dass der Sturm durch Palm Beach gezogen war, und – fuck – er an sie gedacht hatte. An Josephine. Dort wohnte sie doch, oder? Meine Familie besitzt einen kleinen Pro Shop in der Nähe. Er erinnerte sich, dass sie das gesagt hatte. Wenn sie also nicht in Palm Beach wohnte, dann in der Nähe. Nahe genug, um von dem Hurrikan getroffen worden zu sein.

Und er musste ziemlich betrunken gewesen sein, denn er hatte die irrationale Angst gehabt, dass sie immer noch auf dem Golfplatz gestanden und ihm beim Weggehen zugesehen haben könnte, als der Hurrikan gekommen war. Ein lächerlicher Gedanke, der ihn bei Tageslicht allerdings nicht weniger stresste.

Er war dieser Frau gegenüber zu nichts verpflichtet.

Es war ja nicht so, dass er sie eingeladen hatte, sein größter Fan zu sein.

Sein einziger Fan.

Mittlerweile feuerte sie wahrscheinlich bereits jemand anderen an. Das war gut.

Mit einem säuerlichen Gurgeln im Magen schaltete Wells den siebzig Zoll großen Flachbildschirm gegenüber von seinem Bett ein und zappte zu den Nachrichten. Sein Herz sank wie ein Anker, als die Bilder der Zerstörung erschienen. Die Küste war von Stürmen mit einer Geschwindigkeit von zweihundertfünfzig Kilometern pro Stunde und sintflutartigen Regenfällen heimgesucht worden. Stromausfälle und Überschwemmungen. Auf den Kopf geschleuderte Autos. Ganze Wände von Gebäuden waren weggerissen worden.

War sie betroffen?

Wells schaltete den Fernseher stumm und lehnte sich gegen das Kopfende seines Bettes, sein Finger tippte unruhig auf die Fernbedienung. Das war nicht sein Problem. Es gab Notdienste, die Menschen nach Wetterkatastrophen halfen. Ganz zu schweigen davon, dass er nicht in der Lage war, jemandem zu helfen.

Er brauchte die Hilfe.

Vorsichtig drehte er seinen sich drehenden Kopf und schaute sich im Raum um. Hingeworfene Kleidung, Flaschen, Gläser und Teller mit halb gegessenem Essen. Er war völlig ausgeartet und hatte seine Proteindiät und sein Trainingsprogramm aufgegeben. Auch das Rasieren und Duschen und die Produktivität. Vor ein paar Nächten hatte er sich gezwungen, nach draußen zu gehen, doch diese Entscheidung hatte zu einer weiteren Kneipenschlägerei mit einem Clown geführt, der dank Wells’ schlechter Leistung Geld beim Wetten auf Fantasie-Sportarten verloren hatte. Deshalb war sein rechtes Auge lila und geschwollen. Es war ein schwacher Trost, dass der andere Kerl noch schlimmer aussah.

Es tat höllisch weh, einen Faustschlag abzubekommen, aber die Schlägerei selbst war eine Erleichterung gewesen. Er war mit Kämpfen aufgewachsen. In der Schule hatte er mehr Zeit im Büro der Schulleitung verbracht als die Rektorin selbst. Ein wütendes Kind – das war er gewesen. Verbittert darüber, von seinen Eltern verlassen worden zu sein. Stürmisch und heißblütig.

Dann hatte Buck Lee ihn in die Finger bekommen.

In dem Sommer, in dem Wells sechzehn geworden war, hatte er einen Job als Balljunge auf dem örtlichen Golfplatz bekommen und sich vor allem auf die Gelegenheit gefreut, sich über die reichen Kinder lustig zu machen, während er ein paar Dollar verdiente. Wo wäre er jetzt, wenn er nie den Driver in die Hand genommen und einen Ball dreihundert Meter weit geschlagen hätte, während Buck vom Clubhaus aus zugesehen hatte?

Wahrscheinlich nicht in einer Fünf-Millionen-Dollar-Eigentumswohnung. Gestresst wegen eines Mädchens, das er kaum kannte.

Wells’ Belle.

Ein erdrückendes Gefühl der Verantwortung ließ ihn knurren und nach seinem Telefon greifen. Sein Manager hatte vor Wochen gekündigt und sie standen nicht mehr in Kontakt, doch er würde in den sauren Apfel beißen, um sich zu informieren. Sonst würde er sich für immer fragen, ob ihr etwas Schlimmes zugestoßen war unter seiner Aufsicht –

Unter seiner Aufsicht?

»Hör auf, so zu tun, als sei sie deine Freundin. Sie ist ein Fan.«

Große, optimistische, grüne Augen leuchten ihm entgegen.

Ich bleibe genau hier, bis alle zurückkommen.

»Verdammt.« Pochte sein Kopf wegen seines Katers oder war es etwas anderes? Wells wusste es nicht, und er wollte auch nicht herausfinden, warum er sich einer gewissen Frau mit kupferfarbenen Haaren gegenüber verpflichtet fühlte. Also wählte er einfach.

Sein Ex-Manager Nate meldete sich nach dem dritten Klingeln, er klang grummelig. »Du rufst mich besser nicht an, um deine Kaution zu bezahlen.«

»Tue ich nicht.« Auf seinem Fernseher liefen die Nachrichten über eine Notunterkunft voller Menschen, die von dem Hurrikan vertrieben worden waren. Er suchte die Gesichter wütend nach einem voller Hoffnung und Humor ab. »Hör mal, erinnerst du dich an dieses Gewinnspiel? Die Leute haben sich beworben, um mit mir zu Mittag zu essen und eine Puttingstunde zu bekommen.«

»An das Gewinnspiel, an dem nur einundachtzig Leute teilgenommen haben?«

Wells zuckte zusammen. »Ich denke, es war nicht nötig, mir diese Zahl zu nennen.«

Er konnte beinahe sehen, wie sein alter Manager nachlässig mit den Schultern zuckte. »Warum machst du dir plötzlich Gedanken um dieses Gewinnspiel? Das Restaurant im Clubhaus hat mich angerufen, um mir mitzuteilen, dass du die Reservierung storniert hast. Ich sag’s dir, ich war schockiert.«

»Das solltest du nicht sein. Das Essen ist scheiße.« Er stellte sich vor, wie er Josephine in dem hell erleuchteten Clubhausrestaurant gegenübersaß, und spürte, wie sein dummes Herz ein wenig schneller schlug. »Mein Gott. Ich hätte sie in ein schöneres Restaurant bringen sollen.«

»Die Qualität ihres Salats Niçoise spielt keine Rolle, denn du hast deinen Teil der Abmachung nicht eingehalten, mein Freund.«

»Daran musst du mich nicht erinnern«, schnauzte Wells und löste damit einen stechenden Schmerz hinter seinem Auge aus.

War Josephine wirklich enttäuscht gewesen, dass er sie nicht zum Mittagessen eingeladen hatte?

Natürlich war sie das. Er tat nichts anderes, als sie im Stich zu lassen. Seit Jahren.

»Gib mir einfach die Nummer der Gewinnerin, dann lasse ich dich in Ruhe«, sagte Wells und räusperte sich.

»Was?« Nate lachte. »Das kann ich nicht tun. Schon mal was von Datenschutz gehört?«

Der Anflug von Panik, den er verspürte, passte ihm gar nicht. »Ich gehe mit ihr zu dem verdammten Mittagessen, klar? Ich mag keine unfertigen Geschichten.«

»Sie will nicht mit dir essen gehen. Sie will überhaupt nichts von dir.«

Wells’ Hand umklammerte die Fernbedienung fester, die Stimme des Reporters klang dumpf in seinen Ohren. »Was zum Teufel soll das bedeuten?«

»Es bedeutet …« Nate stöhnte, gefolgt von dem Knarzen von Bettfedern im Hintergrund. »Ich mag auch keine unfertigen Geschichten. Nachdem ich herausgefunden hatte, dass du die Reservierung storniert hast, habe ich die Gewinnerin angerufen und ihr angeboten, denselben Gewinn – Mittagessen und eine Runde Golf – mit einem anderen, weniger mürrischen Golfer einzulösen.«

»Du hast was?« Sein Kater sickerte aus seinen Ohren und ließ ihn so schmerzhaft scharf und klar im Kopf zurück, dass es fast verwirrend war. »Sie ist mein Fan.«

»Nicht mehr. Ich habe ihr angeboten, ihr ein paar Wells-Whitaker-Fanartikel zu schicken, doch das hat sie auch abgelehnt. Deine Bierhalter haben hier keinen Einfluss mehr.«

Wells war aus dem Bett aufgestanden und lief auf und ab, nur dass er sich nicht daran erinnern konnte, aufgestanden zu sein. Kippte der Boden, oder war er immer noch betrunken? »Ich gebe einen Scheiß auf Datenschutz. Gib mir einfach ihre Nummer.«

»Auf gar keinen Fall. Ich bin dem Job bei dir entkommen, ohne verklagt zu werden, und ich habe nicht vor, mich jetzt rechtlichen Konsequenzen auszusetzen, vor allem dann nicht, wenn ich nicht mehr auf deiner Gehaltsliste stehe.«

»Das ist verrückt«, rief Wells ins Telefon. »Ich versuche, das Richtige zu tun.«

»Es ist zu spät, Mann«, erwiderte Nate, dessen Stimme sich Wells’ Lautstärke angepasst hatte. »Du hast zwei Jahre lang deine Verpflichtungen ignoriert und dich wie ein königliches Arschloch benommen. Du warst schon immer ein königliches Arschloch, aber jetzt, wo du den Golfsport nicht mehr hast, der das stützen könnte, muss sich niemand mehr mit dir abgeben. Vor allem ich nicht. Auf Wiedersehen, Wells.«

Stille dröhnte in seinem Ohr.

Gott, er brauchte einen Drink. Ganz dringend.

Aber er konnte sich nicht dazu durchringen, in die Küche zu gehen, um eine frische Flasche Scotch zu holen. Alles, was Nate gesagt hatte, stimmte – er hatte sich während seiner gesamten Karriere wie ein schonungsloses Arschloch benommen. Er hatte über die anderen Profis gelästert, anstatt Freundschaften zu schließen. Er war den Fans gegenüber gleichgültig gewesen. Er hatte die Presse entweder völlig ignoriert oder ihr Antworten gegeben, die sie nicht im Fernsehen hatten ausstrahlen können.

Er wollte der Welt mehr als alles andere den Mittelfinger zeigen und zurück ins Bett gehen. Keiner erwartete etwas von ihm. Er hatte keine Familie, die er im Stich lassen konnte. Keine echten Freunde, die er verärgern konnte. Keinen Mentor, den er enttäuschen konnte.

Aber so laut wie das Vergessen auch nach ihm rief, umso lauter sang die kristallklare Erinnerung an sie.

Gott, war das nervig.

»Wir werden zusammen Mittagessen gehen, Josephine«, rief Wells auf dem Weg zur Dusche. »Verdammt, wir gehen zusammen Mittagessen.«

Josephine legte mit zitternder Hand den Hörer auf, und ein verletzter Laut entrang sich ihrer Kehle, als sie den ehemaligen Pro Shop ihrer Familie betrachtete. Als die Polizei die Straßen offiziell für sicher erklärt hatte, war sie sofort in ihren alten Camry gesprungen und hatte sich die ganze Fahrt über auf das Schlimmste gefasst gemacht. Hierauf war sie trotzdem nicht vorbereitet gewesen.

Die Hälfte ihres Inventars war verschwunden. In den Fluten weggeschwemmt oder möglicherweise geplündert. Die Kasse lag auf der Seite in einer Schlammpfütze. Die Auslage von Ferngläsern mit integriertem Entfernungsmesser, die sie erst letzte Woche arrangiert hatte, ragte aus dem zerbrochenen hinteren Fenster hinaus.

Sie konnte nur noch auf das Chaos starren. Sie hatte keine Ahnung, wo sie mit dem Aufräumen anfangen sollte. Wenn es einen Platz zum Hinsetzen gäbe, würde sie es jetzt tun. In ihrer Eile, aus der Wohnung zu kommen, hatte sie das Frühstück vergessen, und das Piepen ihres Telefons erinnerte sie jetzt daran. Ihr Blutzuckeralarm ertönte.

Lethargisch kramte Josephine in ihrer Handtasche nach ihrer Rolle mit Traubenzucker und steckte sich ein paar davon in den Mund, kaute und hoffte, dass der Zucker sie schnell wieder auf die Beine brachte, obwohl sich die Bewegungen ihres Kiefers unnatürlich anfühlten. Zumindest hatte das ohrenbetäubende Summen in ihrem Kopf einen Vorteil – es übertönte das Gespräch, das sie gerade mit der Versicherungsgesellschaft geführt hatte. Die Gesellschaft, die sie nicht länger versicherte.

Mit einem tiefen Atemzug zwang sie sich zur Konzentration und rief ihre Eltern an.

»Wie schlimm ist es, Kleines?«, fragte ihr Vater sofort.

»Es ist schlimm, Dad.«

Ihre Eltern stießen beide angehaltene Atemzüge aus, die auf ihrem Trommelfell dröhnten. Sie konnte sich vorstellen, wie sie nebeneinander in der Küche standen und sich das einzige Telefon teilten, das sie besaßen. Ihre Mutter hatte von ihrer Dusche noch immer einen rosa Handtuchturban auf dem Kopf und ihr Vater hatte keine Hose an.

»Das ist okay, ihr zwei. Wir wussten, dass es eine Herausforderung werden würde, aber die Doyles sind darauf vorbereitet«, sagte ihre stets optimistische Mutter. Sie sah immer das Positive in allem. »Wir haben eine Überschwemmungsversicherung für den Laden. Es wird eine Weile dauern, bis das Geld kommt, aber das gibt uns Zeit, unsere große Wiedereröffnung zu planen.«

Josephines Beine wurden so gummiartig, dass sie sich fast in das knöcheltiefe Wasser setzte.

Sie konnte den Bescheid in ihrer Hand sehen und erinnerte sich, dass sie den Verlängerungsantrag vor vier Monaten gelesen hatte. Wo hatte sie ihn hingesteckt? War er irgendwo in den Trümmern gelandet?

O Gott! O Gott, o Gott.

Josephine sah sich um und schluckte beim Anblick der Schwarz-Weiß-Bilder, die im Schlamm steckten, schwer. Ihre Rahmen waren zerbrochen, ebenso wie der, in dem der erste Dollarschein steckte, der jemals in diesen Wänden verdient worden war. Ihr Großvater hatte den Golden Tee Pro Shop Mitte der sechziger Jahre eröffnet. Er gehörte zu Rolling Greens, einem bedeutenden Golfplatz in West Palm Beach, der auch für die Öffentlichkeit zugänglich war. Der kleine Laden, in dem die Kunden Schläger mieten, Waren kaufen und sich über Golf austauschen konnten, hatte schon bessere Tage gesehen, bevor die schicken Privatclubs in ganz Südflorida aus dem Boden geschossen waren. Aber Josephine hatte den Ehrgeiz, das in den nächsten Jahren zu ändern.

Ein Putting Green vor der Tür, trendigeres Merchandise, eine Getränkebar.

In letzter Zeit hatte sie zusätzliche Golfstunden gegeben, um das Geld für die Verwirklichung dieser Träume zu sparen, doch Mutter Natur hatte diese Möglichkeiten mit einem Schlag zunichte gemacht.

Das Golden Tee gehörte ihrer Familie, auch wenn sie es inzwischen weitgehend allein führte. Ihre Eltern hatten sie spät bekommen und sich vor ein paar Jahren zur Ruhe gesetzt. Aber der Laden war immer noch ihr Herz und ihre Seele. Wie würden sie reagieren, wenn sie wüssten, dass sich das Geschäft so drastisch verschlechtert hatte, dass sie das Geld von der Versicherung stattdessen für Insulin ausgegeben hatte?

Das konnte sie ihren Eltern auf keinen Fall sagen. Sie waren schon immer überfürsorglich gewesen. Hinzu kam, dass bei ihr im Alter von sechs Jahren Diabetes Typ 1 diagnostiziert worden und sie mit zwei menschlichen Helikoptern aufgewachsen war, die jeden ihrer Schritte überwachten. In ihren späten Teenagerjahren hatte sie es geschafft, sie davon zu überzeugen, dass sie auf sich selbst aufpassen konnte. Sie hatten aufgehört, sie über die App zu verfolgen, mit der sie ihre Blutzuckerwerte einsehen konnten. Sie hatten ihr vertraut, dass sie gute Entscheidungen treffen würde.

In Florida eine Überschwemmungsversicherung nicht zu erneuern, war sowas von keine gute Entscheidung.

Ebenso wenig wie der Verzicht auf eine eigene private Krankenversicherung im Alter von sechsundzwanzig Jahren, damit sie sich die monatliche Miete für das Golden Tee leisten konnte. Insulin aus eigener Tasche zu bezahlen, fiel nicht in die Kategorie der klugen Entscheidungen. Sicher, einige Pharmafirmen hatten vor Kurzem den Preis für Insulin auf fünfunddreißig Dollar gesenkt, was eine enorme Hilfe war, aber die Fläschchen waren klein und die Kosten summierten sich. Und im Zeitalter der intelligenten Technologie war Insulin nur eine Komponente des Lebens mit Diabetes. Medizinische Geräte, wie ihr Blutzuckermessgerät, hatten einen astronomischen Preis, den sie selbst tragen musste. Auch die notwendigen Besuche beim Diabetologen waren ohne die kleine weiße Karte mit den Zahlen darauf nicht billig.

Sie hatte gehofft, für eine kurze Zeit ohne Versicherung auszukommen, indem sie sich, wenn möglich, die Medikamente vom Arzt auslieh, aber sie hatte sich zu lange darauf verlassen … und jetzt musste sie die Suppe auslöffeln.

»Joey?«

Sie schluckte, als sie die Stimme ihrer Mutter hörte. »Ja, ich bin hier.«

»Willst du, dass wir runterkommen?«, fragte ihr Vater.

»Nein.« Sie presste ihre Handfläche an ihre Stirn.

»Ihr wollt das nicht sehen. Ich werde, ähm …« Sie drehte sich im Kreis und befahl dem Kribbeln hinter ihren Augen, aufzuhören. »Lasst mich ein wenig aufräumen, bevor ihr vorbeikommt. Vielleicht in ein paar Tagen?«

»Joey, du musst das nicht allein machen«, sagte ihr Vater streng.

»Ich weiß.«

Das ist das, was sie laut sagte. Die Wahrheit war jedoch, dass sie alles allein machte. Sie kannte keinen anderen Weg, um sich als erwachsene Frau zu fühlen. Als Diabetikerin aufzuwachsen bedeutete, dass viele Leute annahmen, sie sei zu bestimmten Dingen nicht fähig. Geht es dir gut? Brauchst du eine Pause? Solltest du das essen? Diese ständige Besorgnis der anderen hatte dazu geführt, dass Josephine unbedingt beweisen wollte, dass sie alles ohne Probleme oder Hilfe tun konnte. Und sie konnte auch fast alles – außer dem Militär beizutreten oder ein Flugzeug zu fliegen.

Leider fühlte sie sich zu gar nichts in der Lage, wenn sie auf das Chaos im Laden ihrer Familie starrte und keine Ahnung hatte, ob sie ihn retten konnte.

»Ich rufe euch bald wieder an, okay?«, sagte sie fröhlich. »Ich liebe euch.«

»Wir lieben dich auch, Joey-Roo.«

Das Kribbeln hinter ihren Augen wurde stärker und sie legte auf, wobei sie einen angehaltenen Atemzug ausstieß. Sie würde sich fünf Minuten Zeit nehmen, um neuen Mut zu schöpfen, dann würde sie sich einen Plan machen. Sicherlich stellte die Regierung Mittel für Katastrophenopfer zur Verfügung, oder? Obwohl sie aus früherer Erfahrung mit Hurrikans wusste, dass es Jahre dauern konnte, bis man das Geld sah.

»Hallo?«

Josephine erstarrte beim Klang der Stimme, die von außerhalb des Ladens kam.

Sie würde diesen rauen Bariton selbst inmitten eines Monsuns erkennen.

Es klang wie Wells Whitaker, doch sie musste sich irren. Bei niedrigem Blutzucker wurde ihr leicht schwindlig, und ihre Gedanken wurden zu Watte. Der Mann, der vor drei Wochen wie vom Erdboden verschwunden war, klopfte nicht an das letzte noch intakte Fenster des Golden Tee Pro Shops.

»Belle, bist du da drin?« Belle.

Niemand außer Wells nannte sie so.

Nein. Niemals.

Nein.

Sie drehte sich um und stieß die Tür mit dem Zeh auf, was nicht gerade schwierig war, da sie nur noch an einem einzigen Scharnier hing. »Äh … hallo? Wer auch immer Sie sind?«

Ein ausgestoßener Atemzug. »Josephine.«

Niemand anderes als Wells Whitakers Gesicht erschien im Türrahmen. Und sein Körper. Er war da. Alles von ihm war da. Er war nicht fürs Golfspielen gekleidet, wie sie es gewohnt war. Stattdessen trug er einen schwarzen Hoodie, Jeans und seine charakteristische umgedrehte Cap, unter der sein dunkles Haar zu allen Seiten abstand. Seine Koteletten waren gewachsen und hatten sich mit seinem Bart verbunden, der die Seiten seines definierten Gesichts einnahm. Seine Augen waren blutunterlaufen und der Geruch von Alkohol war im Grunde die dritte Person in diesem Raum.

Doch trotz der Tatsache, dass er momentan wie ein menschlicher Kadaver aussah, behielt er irgendwie seine Mystik. Seine Wells-igkeit. Er war die Art Typ, die in einem dystopischen Universum die zusammengewürfelte Gruppe von Fremden anführen würde. Jeder würde ihm einfach folgen, ohne Fragen zu stellen. Keiner würde etwas dagegen tun können, denn er hatte diese Art, sich zu bewegen und zu beobachten, die sagte: Ja, okay, die Zivilisation ist tot, na und?

Und er war hier.

»Was … ist los?«

Seine Augen wanderten scharf über ihren Körper, als würde er sie auf Verletzungen untersuchen. »Du bist okay.« Es dauerte einen Moment, bis sein Blick ihren traf und festhielt. »Oder?«

Körperlich ging es ihr gut.

Sie war nur etwas besorgt über ihre offensichtlichen Halluzinationen.

»Ja. Ich bin …« Sie blinzelte mehrmals in dem Versuch, ihre Augen dazu zu bringen, aufzuhören, ihr Streiche zu spielen. »Was tust du hier?«

Er rollte eine seiner Schultern. »Ich habe zufällig bei einem Freund übernachtet, nicht allzu weit weg. Ich habe mich daran erinnert, dass du mal gesagt hast, deiner Familie gehöre ein … Pro Shop? Und als ich herumgelaufen bin und mir die Schäden angesehen habe, bin ich zufällig über diesen Laden hier gestolpert.«

Josephine ließ das alles einen Moment auf sich wirken. Nichts davon ergab auch nur den Hauch eines Sinns. »Aber … echt? Du hast bei einem Freund übernachtet, der direkt in der Schneise eines Hurrikans wohnt? Und … dieser Platz ist zwei Meilen von jeder Wohngegend entfernt. Du müsstest zu Fuß –«

»Josephine, du weißt eine Menge über mich, oder? Wahrscheinlich viel zu viel.«

»Du bist Schütze, aufgewachsen im Süden von Georgia, und wurdest von einem der legendärsten Golfmeister, Buck Lee, entdeckt, als –«

»Dann weißt du auch, dass ich es hasse, Fragen zu beantworten.«

Das war die Untertreibung des Jahrhunderts. Wells hatte einmal während einer Pressekonferenz nach einem Turnier ganze dreißig Minuten lang auf seinem Handy gescrollt und dabei die schnell aufeinanderfolgenden Fragen zu einem Wortgefecht mit seinem Caddie am sechzehnten Loch völlig ignoriert. Als seine Zeit um gewesen war, war er ruhig aufgestanden und aus dem Pressezelt stolziert, was ihm den Spitznamen »Media unDarling« eingebracht hatte.

»Ja, das weiß ich.«

»Gut.«

Während er dieses eine Wort in der Luft hängen ließ, watete Wells in das Wasser, das immer noch im Laden stand, und betrachtete den Schaden mit gerunzelter Stirn. Josephine war dankbar für die Gesprächspause, denn jetzt, wo ihr anfänglicher Schock über das plötzliche Auftauchen von Wells Whitaker abgeklungen war, erinnerte sie sich an all die Gründe, warum sie die schmerzliche Entscheidung getroffen hatte, ihren Fangirl-Status aufzugeben.

Es stimmte, Fangirls gaben nicht auf. Sie waren loyal bis zum Ende. Aber an jenem Tag auf dem Golfplatz, als er ihr Schild in zwei Hälften gerissen hatte, hatte er auch etwas in ihr zerrissen.

Offenbar gab es einen Punkt, an dem ein Fangirl sich selbst gegenüber loyaler sein musste.

Und sie hatte es nicht verdient, wie der Müll von gestern behandelt zu werden.

Im Angesicht eines möglichen Verlusts von etwas, das ihr wirklich wichtig war – das Erbe und die Existenz ihrer Familie –, war ihr Glaube an diese Entscheidung an diesem Morgen stärker als je zuvor.

»Hast du schon die Versicherung angerufen?«, fragte Wells, die Hände in die Hüften gestemmt, und richtete seine Aufmerksamkeit langsam wieder auf sie. »Konnten sie dir einen ungefähren zeitlichen Ablauf nennen?«

»Ähm.« Oh nein, ihre Stimme zitterte. Sie schluckte das dicke Gefühl in ihrer Kehle herunter und sah auf ihre Hände. »Ähm …«

»Hey.« Er stach mit einem Finger in die Luft. »Weinst du etwa?«

»Ich würde sagen, die Chance liegt bei sechzig Prozent«, sagte sie mit angehaltenem Atem und blinzelte schnell zur Decke hoch. »Kannst du bitte gehen?«

»Gehen?« Sie hörte, wie er sich im Wasser bewegte. »Ich verstehe, was du hier tust. Diesmal sagst du mir, dass ich gehen soll. Gut, dann bist du es jetzt losgeworden. Wir sind quitt.«

»Es geht mir nicht darum, quitt zu sein. Ich habe einfach eine Menge wichtiger Dinge im Kopf und du gehörst nicht dazu.«

Bei dieser Aussage spannte sich sein Kiefer an. »Erzähl mir, was du im Kopf hast«, sagte er in einem leiseren Ton.

»Warum sollte ich das tun?«

»Weil ich dich darum bitte.«

»Erinnerst du dich überhaupt daran, was das letzte Mal passiert ist, als wir uns gesehen haben?« Ihre Neugier war echt. Glaubte er wirklich, er könne einfach in ihren Laden spazieren und von ihr verlangen, dass sie detailliert erzählt, wie ihr Leben eine katastrophale Wendung genommen hatte? Sie konnte es nicht einmal ihren eigenen Eltern erzählen. »Erinnerst du dich?«

Kurz flackerte sein Blick zum Wasser hinunter. »Ja, ich erinnere mich.«

»Dann sollte es dich nicht überraschen, dass ich dich rausschmeiße.« Wie passend, dass ihre Aufmerksamkeit auf ein gerahmtes Poster von Wells auf der anderen Seite des Ladens fiel. Sein Bild war durch das Wasser so stark beschädigt worden, dass es komplett deformiert war. »Ich bin nicht mehr dein Fan.«

Wells starrte auf das grünäugige Mädchen hinunter, das – sehr unangenehm – noch hübscher war, als er es in Erinnerung hatte, und sein Brustkorb verdrehte sich wie ein Korkenzieher. Sein Kiefer war angespannt, den Blick hielt er unbesorgt, aber wenn man ehrlich war, war er langsam ernsthaft besorgt.

Ungewöhnlich für ihn. Um es gelinde auszudrücken.

Wells Whitaker brauchte niemanden. Nachdem seine Eltern einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff angenommen hatten und neun Monate im Jahr segelten, war er bei seinem Onkel, einem NASCAR-Promoter, aufgewachsen. Dieser hatte sich nicht sonderlich für seinen Neffen interessiert, abgesehen davon, dass er ihm erlaubt hatte, auf der ausziehbaren Couch in seiner Einzimmerwohnung in Daytona Beach zu schlafen. Und Wells hatte in seiner Kindheit viel mehr als nur den typischen Unfug angestellt: Er hatte Ladendiebstähle begangen und sich zwei Schulverweise eingehandelt. Und sein Verhalten war noch weiter eskaliert, als seine Eltern beschlossen hatten, dass er den ständigen Ärger nicht wert sei.

Nachdem er mit einem gestohlenen Fahrrad erwischt worden war, das er hatte verpfänden wollen, um sich ein neues Paar Turnschuhe zu kaufen, war er vor dem Jugendgericht gelandet. Der Richter hatte ihm eine weitere Chance gegeben, sein Verhalten zu ändern. Da er bereits sechzehn war, gehörte dazu auch, sich einen Job zu suchen. Im Nachhinein betrachtet hätte der Richter viel härter zu Wells sein können, und er wusste zu schätzen, was der Mann versucht hatte. Der Job als Balljunge auf dem örtlichen Golfplatz hatte zu seiner Karriere geführt, zu seiner Mentor-Lehrling-Beziehung mit Buck Lee und schließlich zu seinem Platz bei der PGA Tour.

Und er hatte sich erlaubt, diese Freundschaft zu brauchen. Diese Bindung.

Er hatte sich erlaubt, das Jubeln der Menge zu brauchen, nachdem er einen Putt versenkt hatte.

Doch ihre Aufmerksamkeit war schnell von den neuesten Talenten auf der Tour angezogen worden.

Am Ende des Tages war Wells jedoch nur auf sich selbst sauer. Weil er geglaubt hatte, dass die Menschen auch nur zu irgendetwas bedingungslos fähig waren. Es gab immer Verträge oder Abmachungen, die es den Kollegen und »Freunden« erlaubten, sich aus der Affäre zu ziehen, wenn man eines Tages nicht mehr da war. Er war ein Opfer der klassischen Altlasten geworden, und das machte ihn mehr als alles andere wütend.

Dieses wilde Mädchen, das die Tränen zurückhielt und aussah, als wolle es ihm einen Golfschläger in die Eingeweide rammen, konnte nicht anders sein als alle anderen. Sie hatte ihn auch fallen gelassen.

Irgendetwas in Wells weigerte sich jedoch, sie in dieselbe Kategorie zu stecken wie die anderen, die gekommen und gegangen waren. Josephine war eine Klasse für sich, und verdammt, sie schien nicht davon abzuweichen. Nicht einen Zentimeter.

Ich bin nicht mehr dein Fan.

»Doch, das bist du. Du hast nur einen schlechten Tag.«

Sie begann sehr schnell zu blinzeln. Ihn schauderte es bei dem Gedanken, was sie wohl zu ihm gesagt hätte, wenn nicht in diesem Moment eine Reihe von Pieptönen den Raum erfüllt hätte. Sie seufzte, griff in ihre Tasche, zog ein kleines Plastikröhrchen heraus und schüttete sich zwei münzgroße Tabletten in ihren Mund.

»Was piept denn da? Was ist das?«

Abwesend hob sie ihren Arm, bis ihr Ellbogen zur Decke zeigte. Zum ersten Mal, seit er Josephine »kannte«, bemerkte er einen kleinen, grauen, ovalen Knopf auf der Rückseite ihres Arms. »Die Pieptöne zeigen mir an, dass mein Blutzucker zu niedrig ist.« Sie ließ ihren Arm sinken. »Ich bin Diabetikerin. Typ 1.«

»Oh.« Das hätte er wissen müssen. Warum hatte er das nicht gewusst? Wells suchte in seinem Kopf nach irgendwelchem Wissen über Diabetes und fand nichts. Sie durften doch nichts essen, was Zucker enthielt, oder? »Sind die Tabletten … alles, was du jetzt brauchst?«, fragte er und neigte den Kopf in Richtung des Röhrchens, als sie es wieder in ihrer Tasche verstaute.

»Ja. Für den Moment.« Leise fügte sie hinzu: »Besser ein niedriger Blutzucker als ein hoher.«

»Wieso das?«

Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare und wandte sich leicht von ihm ab, um ein beschädigtes Regal zu begutachten. »Bei hohem Blutzucker muss ich mir Insulin spritzen, um davon runterzukommen, und ich muss meinen Vorrat aufteilen.« Eine leichte Röte erschien auf ihren Wangen. »Meine Krankenversicherung ist im Moment nicht auf dem neuesten Stand.«

»Oh.«

Die Erkenntnis, dass diese Person so viel mehr war als nur sein treuester Fan, traf Wells wie eine Tonne Steine auf den Kopf. Josephine hatte Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatte. Ernste Probleme. Der Laden ihrer Familie stand unter Wasser und sie musste sich Gedanken um ihren schwankenden Blutzucker machen. Und er hatte ihr verdammtes Schild in zwei Hälften gerissen? Was für ein Monster bin ich eigentlich?

Wells räusperte sich heftig. »Eine Krankenversicherung scheint ziemlich wichtig zu sein, wenn man Diabetikerin ist.«

»Glaub mir, das ist sie. Aber …« Ihre Kehle arbeitete. Sie hielt inne, hustete und hielt ihre Stimme gleichmäßig. War sie mutig? Oder versuchte sie nur zu vermeiden, vor ihm emotional zu werden, weil er es verlangt hatte? Oder beides? »Alles hat sich einfach so schnell aufgetürmt wie eine Lawine, weißt du. Ironie des Schicksals in Florida.« Warum wollte er bei diesem Witz am liebsten durchs Wasser waten und … sie umarmen? Himmel, er war kein Umarmer. Er war nicht einmal ein Schulterklopfer. »Ich war mit den Mietzahlungen für den Laden im Rückstand. Zuerst musste ich mich entscheiden, ob ich die Miete oder Versicherungen zahle … wie die Überschwemmungsversicherung. Ich habe mich für die Miete entschieden.«

Ein Gewicht sank in seinen Magen. Der Laden war nicht versichert.

»Scheiße, Josephine.«

»Megascheiße.« Sie schloss die Augen und schüttelte leicht den Kopf. »Letztes Jahr habe ich meine Krankenversicherung auf Eis gelegt, um den Laden nicht mit den Zahlungen zu belasten. Ich fing an, mehr Golfstunden zu geben, damit ich meine medizinische Versorgung aus eigener Tasche bezahlen konnte. Aber wie ich schon sagte, alles schien sich zu summieren und …« Sie brach ab. Dann holte sie tief Luft, hob ihr Kinn und setzte ein entschlossenes Lächeln auf. »Aber ich werde eine Lösung finden. Ich finde immer eine Lösung.«

Er hatte es nicht verdient, dieses Mädchen in den letzten fünf Jahren an seiner Seite gehabt zu haben.

Diese Tatsache wurde ihm von Minute zu Minute mehr bewusst. Jemand hätte stattdessen für sie jubeln sollen.

»Ich kann dir das Geld geben«, sagte Wells und linderte den Druck in seiner Brust damit ein wenig. Okay. Ja. Er hatte die Lösung. Sie würde ihr Insulin nicht strecken müssen und wäre auch nicht gezwungen, andere Maßnahmen zu ergreifen, um gesund zu bleiben. Er mochte nicht mehr die Nummer eins der Welt sein, aber er hatte noch zig Millionen auf der Bank aus seinen früheren, erfolgreichen Tagen. Er konnte das Geld genauso gut jemandem geben, der es brauchte, bevor er alles für Scotch ausgab. »Ich schreibe dir einen Scheck. Genug, um den Laden zu reparieren und deine Krankenversicherung für ein Jahr zu bezahlen. Nur so lange, bis du wieder auf die Beine kommst.«

Sie starrte ihn an, als hätte er vorgeschlagen, dass sie gemeinsam Urlaub auf dem Mars machten. »Ist das dein Ernst?«

»Ich sage nichts, was ich nicht ernst meine.«

Stille trat ein. »Ich auch nicht. Also glaub mir, wenn ich dir sage, dass ich dein Geld auf keinen Fall annehmen werde. Ich brauche kein Mitleid. Ich kann für mich selbst sorgen. Und für meine Familie.«

»Was ist das hier? Geht’s um deinen Stolz? Bist du zu stur, um es anzunehmen?«

»Zeigen wir uns jetzt wirklich gegenseitig unsere Schwächen auf, denn ich glaube nicht, dass du so viel Zeit hast.«

»Wenn ich etwas habe, dann ist es Zeit.«

»Gut! Dann ist dein Rückschwung zu zaghaft.«

»Mein …« Seine Kehle verschloss sich wie eine Gefängniszelle. »Was hast du gesagt?«

»Ich sagte …« Sie stapfte durch das Wasser und trat ihm direkt gegenüber. Fuck, es war sehr lange her, dass er eine Frau so sehr ins Bett hatte kriegen wollen. Vielleicht hatte er sich sogar noch nie in seinem Leben so sehr nach jemandem gesehnt. Nach der Aussage wäre es die wütende Art von Sex, bei der er mit Abdrücken von Nägeln auf seinem Rücken und sie vollkommen benebelt enden würde. Denn ja, sie hatte tatsächlich gerade seine Technik kritisiert. Und sie war noch nicht fertig. »Früher hast du den Schläger geschwungen, als hättest du nichts zu verlieren. Es war unglaublich anzuschauen. Jetzt hantierst du mit dem Driver, als hättest du Angst, der Ball könnte dich anschreien, wenn du ihn zu hart triffst.« Sie stach ihm mit ihrem Zeigefinger in die Brust. »Du schwingst, als hättest du Angst.«

So sprach nie jemand mit Wells. Nicht mehr seit Buck.

Nicht mehr seit jenen frühen, frühen Tagen, als er den Schläger in die Hand genommen und die Magie in seinen Schultern und die Bedeutung in seinen Fingerspitzen gespürt hatte.

Es war, als würde er die Wasseroberfläche durchbrechen und einen tiefen Atemzug nehmen.

Ihre Ehrlichkeit war wie Sauerstoff.

Aber sie zu atmen? Dieser Teil war erschreckend.

»Glaubst du, du könntest es besser? Ich hatte keine Ahnung, dass du ein Profi bist.«

»Ich bin vielleicht kein Profi –«

»Nein. Denn wenn du einer wärst, wüsstest du, dass die Wiederaufnahme einer Siegersträhne, nachdem sie einmal abgerissen ist, wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen ist. Ich habe gesucht, Josephine. An einem Tag hat ein Spieler eine Formel für den Sieg und am nächsten hat er vergessen, wie man die Bestandteile dieser Formel auch nur ausspricht. Das ist der Grund, warum die Großen eine endlos scheinende Siegesserie haben, die aber immer irgendwann endet. Erfolg im Golf ist endlich.«

»Glaubst du das wirklich oder erfindest du nur Ausreden für dein Aufgeben?«

»Mit diesem Scheiß muss ich mich nicht abgeben.«

»Dann geh doch.«

»Oh, mach dir keine Sorgen. Das werde ich.«

Er bewegte sich keinen Zentimeter. Die dümmste, hirnrissigste Idee seines Lebens kam ihm in den Sinn, und je mehr er zuließ, dass sie in seinen Geist eindrang, desto mehr Sauerstoff atmete er. Ihren Sauerstoff. Sie war ein unendlicher Vorrat, sie stand direkt vor ihm, und, Gott, er konnte nicht einfach gehen, wenn er die Hindernisse kannte, denen sie sich allein stellen musste. Sie mit allem allein zu lassen, würde ihn Tag und Nacht verfolgen, zusammen mit ihrem … Mund. Gott, ihr Mund. Es war der sturste und küssbarste Mund, den er je gesehen hatte.

Was auch immer du tust, sprich diese lächerliche Idee nicht laut aus.

Es war wahrscheinlich nicht einmal möglich. Es war weiter als weit hergeholt.

Aber vielleicht …

Vielleicht würde er ein letztes Mal schwingen, als hätte er nichts zu verlieren. »Wenn ich es zurück ins Turnier schaffe, wenn sie mich wieder zulassen, warum lässt du dann nicht Taten folgen und wirst mein Caddie? Wo du doch so verdammt viel weißt.«

Josephine stand so still, als hätte sie sich in eine Schaufensterpuppe verwandelt. »Warte … was? W-was hast du gesagt?«

»Du hast mich schon verstanden. Der nächste Halt auf der Tour ist San Antonio. Bist du dabei?« Er verschränkte die Arme, als wollte er sich gegen ihren Schock wappnen. Verdammt, gegen seinen eigenen Schock. »Wenn du mein Geld nicht einfach nehmen willst, dann verdiene es stattdessen.«

Sie wich vor ihm zurück, ihre Brust hob und senkte sich schwer. »Verarschst du mich?«

»Lass mich eines klarstellen, Belle: Du wirst dich nie fragen, wo du bei mir stehst oder ob ich dich verarsche. Du bekommst genau das, was du siehst. Ich spiele keine Spielchen – und schon gar nicht mit dir.«

Hitze brannte in seinem Nacken.

Fuck.

Der letzte Teil war ihm rausgerutscht.

»Weil ich vielleicht dein Caddie werde«, fügte sie glücklicherweise hinzu. »Zwischen einem Golfer und seinem Caddie kann es keine Geheimnisse oder Spielchen geben. Ein Caddie ist Chauffeur, Trainer und Priester in einem.«

»Ist das ein Ja?«, fragte Wells harsch und hielt den Atem an.

»Ich …« Sie schaute sich in dem überfluteten Pro Shop um, als suchte sie jemanden, der ihr seine wilde Idee ausreden konnte. »Ich hätte da ein paar Bedingungen.«

»Schieß los.«

»Ich kann nicht auf unbestimmte Zeit als Caddie für dich arbeiten. Falls und wenn ich genug Geld verdient habe, um den Laden so umzugestalten, wie ich es mir immer gewünscht habe, dann muss ich …«

Wells wartete. Und wartete. »Du kannst nicht mal das Wort ›kündigen‹ aussprechen, oder?«

Sie verzog das Gesicht. »Ich werde nach Hause kommen müssen, das will ich damit sagen.«

»Verstanden. Was noch?«

Ihre grünen Augen richteten sich auf ihn, und er spürte den Ernst dessen, was jetzt kommen würde. »Ich meine es ernst, Wells. Ich will nicht bemitleidet werden, okay? Ich bin schon oft verhätschelt und wie ein Sozialfall behandelt worden, alles wegen meines Diabetes. Aber das bin ich nicht. Wenn wir diese Vereinbarung treffen, dann nur, weil sie uns beiden nützt. Nicht nur mir.«

Ob diese Vereinbarung für ihn von Vorteil sein würde, blieb abzuwarten – nichts, was er bisher versucht hatte, um sein Spiel wieder in den Griff zu bekommen, hatte funktioniert, warum also sollte dies funktionieren? Aber er würde anbeißen. Verdammt, er wollte auch nicht, dass sie sich so fühlte, als würde sie Almosen empfangen. »Abgemacht.«

»Dann … glaube ich nicht, dass ich Nein sagen kann.«

Wells versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihm der Atem stockte. »Gut.« Er zuckte mit den Schultern. »Gut.«

»Glaubst du wirklich, dass du es wieder ins Turnier schaffst?«

»Das lass mal meine Sorge sein. Du tauchst einfach auf und trägst die Tasche.«

Einige Momente des Schweigens vergingen, während sie ihn ansah und fast verwirrt wirkte.

»Was ist los, Josephine?«

»Du hast nicht einmal … in Betracht gezogen, dass der Diabetes es schwer oder unmöglich machen könnte, deine Tasche achtzehn Löcher lang über einen Golfplatz zu tragen.«

»Du hast schon schwierigere Dinge getan, als eine Tasche zu tragen. Nicht wahr?«

Gott steh ihm bei, dieser Glanz, der ihre Augen überzog, ließ Entschlossenheit in ihm aufwallen, seinen Arsch wieder ins Turnier zu bringen, selbst wenn das bedeutete, seinen Stolz herunterzuschlucken – und das würde er massenweise tun.

»Ja«, antwortete sie schließlich. »Ich … ja. Ich danke dir.«

Bevor Wells etwas Ungewöhnliches tun konnte, etwa fragen, ob sie vielleicht ein Taschentuch oder einen tröstenden Schlag auf die Schulter brauchte, drehte er sich um und stapfte aus dem Wasser.

»Warte!« Sie kam ihm spritzend hinterher. »Ich habe noch eine Bedingung.«

»Was denn noch? Eine Niere?«

»Vielleicht später«, antwortete sie sofort. »Lass mich dich erst einmal zum Haareschneiden und Rasieren bringen. Ich werde nicht im nationalen Fernsehen mit einem Kerl zu sehen sein, der aussieht, als hätte er gerade sechs Monate im Amazonas überlebt.«

Wells warf ihr einen finsteren Blick über die Schulter zu, trotz der Belustigung, die sich in der Nähe seines Schlüsselbeins ausbreitete. Eigentlich sollte er ihr nicht noch mehr zugestehen, aber die PGA würde ihn ohnehin nicht auf das Green lassen, wenn er wie ein Häufchen Elend aussah, also konnte er Josephine den Punkt genauso gut gewähren. »Ist das der letzte Punkt auf deiner Liste?«

»Ja.«

Er seufzte. »Na schön. Lass uns gehen. Ich nehme dich mit.«

»Mitnehmen? Hast du nicht gesagt, dass du zu Fuß gekommen bist?«

»Was habe ich über Fragen gesagt?« Er setzte seine Sonnenbrille auf und schloss die Tür seines Ferraris mit einem teuer klingenden Piepen auf. »Steig ein und halte dich fest.«