Feenlied - Petra C. Melzer - E-Book

Feenlied E-Book

Petra C. Melzer

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Beschreibung

Geht mit der 16-jährigen Kaja auf eine überraschende Reise ins Feenland, wo Kaja sich der größten Herausforderung, rund um die Liebe und Gefahren, ihres Lebens stellen muss. Kaja wächst in der Menschenwelt als ganz normales schwarzhaariges Mädchen mit hellblauen Augen auf. Als Tristan in ihr Leben tritt, ändert sich in wenigen Tagen ihr Leben. Sie erfährt, dass sie eine Fee ist und kein Mensch und nur sie das Feenland retten kann. Wenn sie gewusst hätte, was alles ab dem heutigen Tag auf sie zukommt, wäre sie wohl besser im Bett geblieben. Es ist 6 Uhr 30, der Wecker schrillte, doch Kaja zog ihre Bettdecke über den Kopf. „Nein, ich will nicht, hör doch auf“, grummelte sie in ihr Kissen. Doch der Wecker gab nicht nach, im Gegenteil, er wurde nur noch lauter und schriller in seiner Tonlage. „Schon gut, ich steh ja schon auf“. Mit diesen Worten gab Kaja dem Wecker was auf den Kopf. Sie lauschte, ob ihre Eltern auch schon auf waren. Doch alles war ruhig. Nur das Ticken ihres Weckers war zu hören. Kaja schaute ihn böse an, als ob er etwas dafür konnte, dass sie aufstehen musste.

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Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Das Land Mintora

1 Trauerweide, 2 Fenja´s Haus,

3 Knarzwald, 4 Triono, 5 Ganlo, 6 Harina

7 Eigogebirge,8 Bergstadt, 9 Hütte

10 Trolllager,11 Fabelwald, 12 Baristox.

13 Einhornland, 14 Minwoodwald,

15 Minwood, 16 Moorlandschaft, 17 Schwarzes Gebirge.

Inhalt

Der Neue

Das ist Normal

Schönling oder Freak

Träume

Kann es doch sein

Auf neuen Wegen

Lehrzeit

Knarzwald

Ein Mensch

Eine Woche Rast

Rache

Bei den Zwergen

Bergstadt

Gefangen

Fabelwald

Verwunschener See

Unerwartete Hilfe

Vorsichtmaßnahmen

Sieg oder Niederlage

Feenlied

Danksagung

Der Neue

Es ist 6 Uhr 30, der Wecker schrillt, doch Kaja zieht ihre Bettdecke über den Kopf.

„Nein, ich will nicht, hör doch auf“, grummelt sie in ihr Kissen.

Doch der Wecker gab nicht nach, im Gegenteil, er wurde nur noch lauter und schriller in seiner Tonlage.

„Schon gut, ich steh ja schon auf“.

Mit diesen Worten gab Kaja dem Wecker was auf den Kopf. Sie lauschte, ob ihre Eltern auch schon auf waren. Doch alles war ruhig. Nur das Ticken ihres Weckers war zu hören. Kaja schaute ihn böse an, als ob er etwas dafür konnte, dass sie aufstehen musste. Mit grimmigen Gesicht verschwand sie im Bad und hüpfte schnell unter die Dusche. Erst ließ Kaja warmes Wasser über ihren Körper laufen, dann drehte sie den Wasserzulauf auf immer kälter, was sie wirklich wach machte. Nach dem Bad und dem Ankleiden ging sie hinunter, vorbei am Schlafzimmer ihrer Eltern. Da die Tür offen stand, schaute sie hinein, aber keiner war darinnen. So ging sie weiter zur Küche, Kaja hoffte, dass ihre Mum das Frühstück schon fertig hatte. Doch das war nicht so, dafür fand sie einen Zettel worauf stand:

Wir müssen in die Klinik, Notfall

Küsschen Mum und Dad

Kaja seufzte, wie sollte es auch anders sein. Ihre Eltern waren beide Ärzte und meinten wohl, dass ihre 16-jährige Tochter sie nicht mehr bräuchte. Doch Kaja brauchte noch ihre Eltern, sie fühlte sich noch nicht bereit dazu, auf eigenen Beinen zu stehen, aber ihr blieb keine Wahl, sie musste es. So frühstückte sie wie sooft alleine und verließ um 7 Uhr 30 das Haus.

Lustlos marschierte sie Richtung Schule.

„Hey Kaja, bleib doch mal stehen.“

Sie drehte sich um und schaute in ein unbekanntes Gesicht und in wunderschöne hellblaue Augen. Diese waren so hell, dass man meinen könnte, in einen Eissee zuschauen.

„Woher weißt du, wie ich heiße und wer bist du?“.

Der Junge sah sie lächelnd an.

„Oh, entschuldige, ich bin Tristan und von deinen Eltern weiß ich, wie du heißt!“

Nun schaute Kaja noch verdatterter. 'Woher kennt dieser Typ meine Eltern?', dachte sie.

Als ob Tristan ihre Gedanken gelesen hätte, sagte er:

„Meine Eltern haben deine gestern beim Einkaufen getroffen und deine Mum schwärmte so von ihrer Kaja, dass ich unbedingt dieses so hervorgehobene Mädchen kennenlernen wollte.“

Kaja konnte es kaum glauben, dass ihre Eltern so voller Stolz von ihr sprachen. Sie selber fühlte sich nicht als was Besonderes, sie war wie jedes andere Mädchen auch. Sie war nicht dick, aber auch nicht schlank, halt normal. Das einzige, was sie vielleicht von anderen abhob, waren ihre pechschwarzen Haare und ihre hellblauen Augen.

„Und, hast nun deine Neugier befriedigt?“, fragte Kaja schnippisch, drehte sich um und marschierte schnellen Schrittes weiter zur Schule.

Tristan wusste gar nicht wie ihm geschah und folgte Kaja langsam hinterher.

Auf dem Schulhof traf Kaja auf ihre Freundin Juna, die schon ungeduldig gewartet hatte.

Schnell berichtete Kaja ihr, was passiert war.

„Und weißt du mehr von diesen Tristan?“, wollte Juna wissen.

„Nein, das will ich auch nicht. Ich fand es eh schon blöd, wie er mich so einfach rief, als ob man wer weiß wie lang schon befreundet wäre. Was denkt der sich eigentlich?“, motzte Kaja.

„Hey, ich bin deine Freundin, mich brauchst du nicht anmotzen. Beruhige dich mal wieder“, versuchte Juna Kaja wieder auf den Boden zu bringen.

Da schellte es auch schon und alle gingen in ihre Klassen.

Kaja und Juna saßen nebeneinander, wie es sich für Freundinnen gehörte. Der Platz neben Kaja in der Fünferreihe war noch frei. Alle redeten durcheinander bis sich die Tür öffnete und Herr Dunak herein kam und hinter ihm ein sportlicher, schlanker, schwarzhaariger, blauäugiger Bursche.

„Das gibt es doch nicht, das ist dieser Tristan“, flüsterte Kaja Juna zu.

Die nun ihrerseits große Auge machte.

„Dass er so gut aussieht, irgendwie sexy, hast du nicht erzählt“.

„Guten Morgen, dies ist Tristan Kenwood. Er wird hier bei uns sein Abitur beenden. Tristan dort ist ein Platz frei“.

So stellte Herr Dunak den jungen Mann vor und zeigte auf den Platz neben Kaja. Alle starrten Tristan an, doch er hatte nur Augen für Kaja.

„So sieht man sich wieder!“

Tristan grinste sie frech an.

Kaja schaute empört weg und Juna lächelte.

„Hallo“, flüsterte sie.

Dann mussten sie aufpassen, denn Herr Dunak malträtierte sie alle mit Englisch. Als die Stunde zu Ende war, eilte Kaja schnell hinaus, Juna konnte ihr kaum folgen.

„Das gibt es doch nicht, jetzt sitzt dieser Kerl auch noch neben mir“, meckerte sie.

„Wir können ja die Plätze tauschen“, sagte Juna in einem hoffenden Ton.

„Nein“, kam von Kaja wie aus der Pistole geschossen.

„Aha“.

Juna grinste, als ob sie mehr wüsste als Kaja.

„Was soll das heißen … aha?“

„Nichts, nichts“.

Kaja beobachtete Tristan. Er wurde von den anderen Mädels der Klasse umringt.

„Hat er irgendwo ein Magnet mit einem Schild wo drauf steht, bin noch zu haben oder bin Solo“.

Kajas Augen funkelten, dann drehte sie sich weg, das wollte sie jetzt nicht sehen wie dieser Tristan sich anhimmeln ließ.

„Ich habe kein Schild und diese Gänse interessieren mich nicht. Nur dich würde ich gerne näher kennenlernen“, sagte Tristan auf einmal zu ihr.

Kaja schaute erschrocken auf und schaute wieder in dieses hellblaue Augen, die irgendetwas in ihr auslösten.

„Kannst du Gedanken oder vom Mund ablesen, was man sagt?“

„Nein, weder das eine, noch das andere. Was liest du denn da?“

„Ein Buch“, entgegnete Kaja schnippisch.

„Das sehe ich auch, aber was für eines?“

Kaja sagte nichts, sie reichte ihm nur das Buch hin.

„Das Feenland - Mythos oder Wahrheit“, las Tristan laut vor. „Scheint interessant zu sein und was meinst du dazu?“.

„Hä, was soll ich meinen?“

„Na, ob es Feen gibt“, gab nun Juna von sich, die sofort verstanden hatte, was Tristan meinte.

„Was weiß ich, ich konnte ja noch nicht wirklich darin lesen“, motzte Kaja genervt.

„Ich würde gerne deine Meinung zu dem Thema Feen wissen, also?“, forderte Tristan energisch sie auf Stellung zu nehmen.

Da bimmelte es zur nächsten Stunde. Kaja atmete erleichtert auf, sie musste jetzt nicht antworten. Schnell machte sie sich auf, um in die Klasse zu kommen. Normalerweise hätte sie gebummelt, denn jetzt hatten sie Geschichte. Ein Fach, welches sie überhaupt nicht mochte und Frau Klaschek auch nicht. Diese betete die Jahreszahlen und einen Namen dazu herunter, man hatte Mühe mitzuschreiben. Frau Klaschek setzte nämlich voraus, dass man zuhause nachforschte, was Name und Jahreszahlen miteinander zu tun haben. Kaja hasste das, doch sie konnte es sich nicht leisten in Geschichte eine schlechte Note zubekommen, das würde ihren Notendurchschnitt verschlechtern. Sie wollte Naturschutzbiologie studieren, deswegen brauchte sie selbst in Geschichte eine Zwei, da sie in Physik schlechter war. Endlich war auch diese Stunde zu Ende. Die nächsten zwei Stunden hatten die Jungs und die Mädchen getrennten Unterricht, so bekam Kaja Tristan nicht mehr zu sehen.

Zuhause machte sie, nachdem sie sich ihr Essen aufgewärmt hatte, ihre Hausaufgaben. Geschichte fiel ihr heute sehr schwer, ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. Tristan ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Diese hellblauen Augen zogen sie immer wieder in seinen Bann.

„Verdammt, ich muss mich konzentrieren und nicht immer an diesen blöden Tristan denken“, sagte sie zu sich selbst.

Aber irgendwie klappte das einfach nicht, so rief sie Juna an.

„ Hey Süße, hast du Zeit? Wollen wir ein Eis essen gehen? Ich lade dich ein“.

„Na klar! In 10 Minuten bei Gorgia“.

„O.K. dann bis gleich“.

Das ist Normal

Beide Mädchen machten sich auf den Weg. Kaja kam von links die Badstrasse herunter und Juna von rechts. Genau in der Mitte lag der Eisladen Gorgia. Kaja schwor auf das Eis, sie hatte bis jetzt kein besseres gegessen. Die Mädels setzten sich an einen der drei Tische, die draußen standen. Es dauerte auch nicht lange, dass Gorgia kam um die Bestellung aufzunehmen.

„Für mich bitte ein Schokobecher“, bat Juna.

„Und ich hätte gerne ein Gigantes“, wünschte Kaja.

„Ui, ein so großen Becher, du weißt, dass der eigentlich für Zwei ist. So was bestellst du nur, wenn du mit irgendetwas nicht zurechtkommst. Was ist los?“, forderte Juna Kaja auf zu reden.

„Ach was, mir geht es gut. Es ist nur dieser Tristan, der geht mir einfach nicht aus dem Kopf“.

„Das ist aber schön, dass ich dir im Kopf herum gehe“, sagte eine Stimme hinter Kaja.

Diese erschrak so sehr, dass sie beinahe ihren Eisbecher um geschmissen hätte, wenn Juna ihn nicht festgehalten hätte.

„Wo kommst du denn auf einmal her, kannst du beamen oder so was?“

Tristan lachte.

„Beamen kann man nur auf einem Raumschiff. Ich muss wie jeder andere auch gehen. Darf ich mich zu euch setzen?“

Tristan wartete gar nicht auf die Antwort und setzte sich auf den freien Stuhl.

Die Mädels schauten ihn nur groß an. Damit Kaja nichts sagen oder gar ihn weiter ansehen musste, schaufelte sie sich das Eis viel zu schnell in sich hinein. Innerhalb von 5 Minuten waren 10 Eiskugeln in ihr verschwunden. Dann sprang sie auf, um zu gehen, doch sie war dazu gar nicht in der Lage, sie klappte einfach zusammen und plumpste wieder auf den Stuhl.

„Kaja was ist los mit dir?“, fragte Juna.

Kaja lallte nur, so als ob sie betrunken sei. Juna schnupperte an Kajas Eisbecher, aber nach irgendeiner Art von Alkohol roch er nicht.

„Wir müssen sie nachhause bringen“, forderte Juna. Sie wollte Kaja aufhelfen, doch diese machte sich so schwer wie ein Mehlsack.

„Komm, lass mich das machen“, sagte Tristan.

Er gab Juna einen Schlüssel, dann nahm er Kaja auf die Arme und trug sie zu seinem Wagen.

„Du hast ein Auto! Wie alt bist du eigentlich?“

„Das ist jetzt unwichtig, schließe bitte auf“.

Juna öffne die Wagentür und Tristan setzte Kaja in den Wagen. Nachdem er sie angeschnallt hatte und die Wagentür geschlossen hatte, forderte er den Schlüssel von Juna zurück. Sie setzte sich nach hinten. Schnell waren sie bei Kaja zuhause. Da sie immer noch nicht klar war, trug Tristan sie ins Haus. Juna hatte den Schlüssel in Kajas Tasche gefunden. Die Eltern waren wie üblich nicht im Hause.

„Komm ihr Zimmer ist oben. Ich glaube, es wäre besser, wenn wir sie ins Bett stecken“, meinte Juna. Tristan nickte nur, denn Kaja war mittlerweile in seinen Armen eingeschlafen. Er schaute sich im Zimmer nicht großartig um, sondern legte sie in ihr Bett. Juna befreite sie von ihrer Jacke und deckte sie zu.

„Sie wird bis morgen früh durch schlafen. Wir sollten gehen“, flüsterte Tristan leise.

„Woher willst du das wissen?“

„Das ist immer so, wenn man zu viel Eis auf einmal isst. Das ist ganz normal bei uns“, antwortete er nur.

So verließen sie das Haus.

„Soll ich dich nachhause fahren?“

„Nein danke, ich gehe zu Fuß. Ich brauche etwas frische Luft. Danke für deine Hilfe“.

Juna war wirklich froh gewesen, das Tristan aufgetaucht war.

So trennten sie sich.

An nächsten Morgen wachte Kaja recht früh auf. Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war.

Wie und wann war sie ins Bett gekommen und was war das für ein sonderbarer Traum? Irgendwie stand Kaja noch neben sich. Erst nach einer Dusche und einem Frühstück fühlte sie sich wieder wie ein Mensch. Um 6 Uhr in der Früh rief sie Juna an. Nach mehrmaligen Klingeln hörte sie eine verschlafende Stimme auf der anderen Seite.

„Ja, wer weckt mich so früh?“.

„Ich bin es. Sehe zu, dass du hoch kommst! Wir treffen uns in einer halben Stunde bei der Schule“, sagte Kaja und legte auf.

Ungeduldig wartete sie bei ihren Stammplatz, einer Sitzbank unter der großen Eiche, auf Juna, die verschlafen angeschlurft kam.

„Warum muss ich so früh hier sein? Unsere erste Stunde ist erst um halb neun. Zwei Stunden früher! Spinnst du?“, jammerte Juna.

„Was ist gestern mit mir passiert? Ich weiß nichts mehr“.

So berichtete Juna ihr, was passiert war.

„Wer hat mich ausgezogen? Ich hatte nur noch meine Unterwäsche an“.

„Das weiß ich nicht. Ich habe dir nur deine Jacke ausgezogen und dich dann ins Bett gesteckt. Du wirst wohl irgendwann wach geworden sein und hast dich selber entkleidet“.

Kaja atmete tief und erleichtert durch.

„Ich habe vielleicht etwas Komisches geträumt. Es war so real und wiederum so unreal“.

„Erzähl“, bat Juna.

„Also, ich träumte, ich sei ein Baby und lag in einem grünen Himmelbett, als mich plötzlich jemand heraus nahm. In Decken gewickelt legte man mich in einen Korb unter einer Trauerweide, dann erschien ein helles Licht.

Ich wachte auf und wusste im ersten Moment gar nicht wo ich war. Was meinst du, was hat dieser Traum zu bedeuten?“

„Du träumst wirklich ein Blödsinn, vergiss es einfach! Was mir viel mehr Sorgen macht, ist deine Reaktion auf das Eis. Was passiert da mit dir? Hast du deine Eltern gefragt? Hast du ein Gendefekt?“, sprudelte es nur so aus Juna heraus.

„Das weiß ich doch auch nicht“.

„Hm. Wir sollten Tristan fragen“, sagte Juna.

„Wieso Tristan?“

Kaja schaute Juna entgeistert an.

„Na, weil er da so etwas gesagt hat, wie das wäre normal. Ich glaube, er weiß genau, was mit dir los ist, obwohl ein komischer Typ ist er schon. Ist er nicht erst 17, dann dürfte er doch noch gar kein Auto fahren. Auch deswegen sollten wir mit ihm reden“, forderte Juna.

Schönling oder Freak

Mittlerweile füllte sich der Schulhof, die Zeit war schneller vergangen als die beiden gedacht hatten. Als Tristan den Schulhof betrat, wurde er gleich wieder von den Mädels belagert. Nur Kaja und Juna hielten Abstand. Sie machten bei diesen Aufstand nicht mit.

Tristan schaute über die Köpfe hinweg, da er größer als alle anderen war. So entdeckte er Kaja schnell. Da er sich nicht um die anderen kümmerte, verloren diese auch schnell das Interesse. Sie schmachteten Tristan nur noch von weitem an.

„Guten Morgen, geht es dir wieder gut?“, fragte er grinsend.

Ohne zu fragen setzte er sich zwischen die Mädels.

Mit leichten roten Kopf sagte Kaja:

„Ja, mir geht’s gut“.

„Du hast gestern meine Frage nicht beantwortet. Also, wie alt bist du eigentlich? Und war das dein Wagen?“, fragte Juna und starrte in an.

Auch Kaja starrte in fragend an und bekam gleich wieder dieses Kribbeln im Bauch.

„Ich bin 18 und ja, das war mein Wagen und einen Führerschein habe ich auch. Hast du etwa geglaubt ich hätte das Auto geklaut und wäre ohne Zulassung gefahren? Hältst du mich für so verantwortungslos?“.

„Nein, nein das wollte ich damit nicht sagen. Es ist nur so ungewohnt, einen so alten Schüler in unserer Klasse zu haben“, verteidigte sich Juna.

„Ich musste leider wegen mehrerer Umzüge eine Klasse wiederholen, so dass ich jetzt erst den Abschluss machen kann“, entgegnete Tristan.

Dann klingelte es. Kaja fand es schade, denn sie hatte auch noch ein paar Fragen. So musste sie warten bis zur großen Pause. Doch Tristan war zur großen Pause nicht bei ihnen, genauer gesagt er war gar nicht mehr da. Was sollte das denn jetzt? Sie hatten doch noch zwei Stunden, wollte er diese schwänzen?

Die beiden Mädchen wussten nicht, was sie davon halten sollten. So vergingen die letzten Schulstunden ohne Tristan.

Kaja war enttäuscht. Da sie noch nicht mal wusste, wo Tristan wohnte, musste sie nun bis morgen warten.

Drei Straßen weit gingen Kaja und Juna zusammen, dann trennten sich ihre Wege. Als Kaja in ihre Straße einbog, fühlte sie sich beobachtet, doch sie konnte keinen entdecken.

'Was ist nur los mit mir? Jetzt bekomme ich schon Verfolgungswahn. Was soll das Ganze nur!', dachte Kaja.

Sie hatte die ganze Zeit eine gewisse Art von Angst. Sie fühlte sich immer noch beobachtet.

Als sie zur Haustür kam, glaubte sie ihre Augen nicht zu trauen. Da saß er auf der Stufe, Tristan.

„Was machst du hier und wo warst du?“, fragte Kaja.

„Wir müssen reden“, gab Tristan nur von sich.

Was war los und wieso tat Tristan so vertraut. Sie kannten sich gerade erst zwei Tage. Kaja verstand nichts mehr, schloss auf und bat Tristan herein.

„Sind deine Eltern zuhause?“

„Nein, die arbeiten noch!“

„Gut!“

„Wieso?“

„Weil wir Ruhe für uns brauchen!“

Entsetzt schaute Kaja Tristan an.

Dieser lachte und ein Grinsen zierte sein Gesicht

„Was du jetzt schon wieder denkst! Ich will dich doch nicht vernaschen“.

'Eigentlich Schade, mein Typ bist du schon', dachte Kaja und fragte dann:

„Und wozu dann die Ruhe mit mir alleine?“

„Weil ich dir was erzählen muss, was nicht so schnell zwischen Tür und Angel geht und ich nicht weiß, ob du mir glauben wirst“, entgegnete Tristan.

Sie waren mittlerweile in Kajas Zimmer angekommen. Tristan schaute sich jetzt nun genauer um. Ihr Zimmer war gemütlich eingerichtet. Sie hatte aus einem großen Raum, zwei gemacht. Die eine Seite war der Schlafbereich, und dadurch, dass die Eckgarnitur in der Mitte stand, hatte sie auch einen Wohnbereich mit Fernseher und Stereoanlage. Gestern hatte er dafür gar keine Augen gehabt. Er setzte sich und Kaja besorgte schnell für beide etwas zu trinken.

„So nun erzähle, was hast du mir so wichtiges zu sagen und warum hast du heute die Stunden geschwänzt?“, forderte Kaja.

Tristan holte tief Luft.

„Ich musste noch etwas herausfinden. Zuerst hatte ich noch etwas Zweifel, aber jetzt bin ich mir sicher“.

Kaja schaute ihn nur verwundert an.

„Nun komm mal zum Punkt. Was willst du mir sagen?“.

„Also, du bist eine Fee!“, schrie Tristan fast heraus.

Kaja lacht und lachte, sie hielt sich schon den Bauch über diesen Witz.

„Danke für das Kompliment, aber eine Fee bin ich ganz bestimmt nicht. Schau mich doch mal an, an mir ist nichts Feenhaftes“.

„Du verstehst mich falsch Kaja. Du bist kein Mensch, du bist eine Fee“, sagte Tristan ernst.

„Du spinnst! Wieso sollte ich kein Mensch sein und Feen gibt es nicht. Das sind nur Märchenfiguren“, lachte Kaja.

Doch das Lachen erstarb ruckartig, denn sie glaubte nicht, was sie gerade sah.

Tristan stand in einer Art von Lichtkegel, seine schwarzen Haare wurden strohblond und seine Ohren wurden etwas spitz.

„Sieh, ich bin ein Feenmann!“

„Wie machst du das, das gibt es doch nicht, was hast du mir ins Trinken getan?“, rief Kaja erschreckt.

„Gar nichts, Kaja bitte glaub mir“.

Kaja lachte wieder und machte dabei ein entsetztes Gesicht.

„Du bist ein Freak, geh bitte“.

Der Lichtkegel verschwand und Tristan sah wieder wie vorher aus.

„Bitte Kaja, so glaub mir doch“, versuchte Tristan es nochmal.

„Nein geh!“, und wies Tristan zur Tür.

Doch bevor Tristan wirklich ging, sagte er.

„Nimm bitte diesen Zettel und passe auf dich auf“.

Dann war er weg.

Kaja schüttelte nur den Kopf. Tristan musste ihr was gegeben haben, anders konnte sie sich das nicht vorstellen, was sie da eben gesehen hatte. Sie musste mit jemanden reden, so rief sie wieder Juna an.

„Hallo Süße, hast Zeit?“.

Das war eine übliche erste Frage, wenn sie sich gegenseitig anriefen.

„Kannst du zu mir kommen, es ist wirklich wichtig!“

„Ich komme!“, antwortete Juna nur.

Es dauerte auch nicht lange, da stand Juna vor der Tür.

„Du glaubst nicht, wer bei mir war, dieser Freak, dieser Schönling, dieser Idiot. Der meinte doch glatt, ich sei kein Mensch, sondern eine Fee und er sei auch ein Feenwesen. Der hält mich wohl für bescheuert!“, sprudelte es aus Kaja nur so heraus.

„Halt, halt, von wem sprichst du?“

„Na von Tristan natürlich“.

Kaja war so aufgebracht, dass sie die ganze Zeit von einer Seite zur anderen ging, fast wie ein Raubtier in einem Käfig.

„Beruhige dich erst mal und dann erzähle mir alles von Anfang an“.

Juna nahm Kaja in die Arme und führte sie zum Sofa.

„Komm setz dich, hol tief Luft und erzähle“.

So berichtete Kaja nochmal alles, mit viel mehr Ruhe und zeigte Juna zum Beweis den Zettel von Tristan.

Juna schaute darauf und las laut vor.

Tristan

Bergstr13

Gebens

Tel: 769934*13

Nimm dich vor den Eis- und Sturmwesen in Acht.

„Das ist wirklich sonderbar“, Juna grübelte.

Eine Stille füllte den Raum.

„Du glaubst doch diesen Quatsch nicht“.

Kaja stupste Juna an.

„Ich weiß nicht. Es gibt noch so vieles, was ich Tristan fragen will. Wer weiß, vielleicht hat er ja Recht. Denk doch mal nach.

Du bist adoptiert.

Wer wird schon von Eis essen betrunken?

Und hast du nicht immer schon Angst gehabt, wenn es stürmt? Und wie ist es im Winter? Da bekommt man dich kaum raus, wenn es schneit.

Vielleicht sind das ganz natürliche Ängste von Feen, dann hättest du nämlich gar keine Phobien.“

Nun fing Kaja an zu grübeln, ob Tristan nicht doch Recht hatte.

„Nein, nein das kann nicht sein! So was wie Feen gibt es nicht“.

Energisch schüttelt sie den Kopf

„Und wer sagt so was? Es gibt so vieles zwischen Himmel und Erde was man nicht erklären kann. Also, warum soll es keine Feen geben?“, argumentierte Juna.

„Ich weiß doch auch nicht, ob es wahr oder falsch ist. Ich muss mit meinen Eltern reden“.

„Das ist eine gute Idee. Aber was machst du, wenn sie dir nicht weiter helfen können?“

„Dann werde ich zu Tristan gehen. Aber erst dann! Ansonsten soll mich dieser Freak zufriedenlassen!“

Da es langsam auf den Abend zuging, machte Juna sich auf den Weg nachhause. Kaum das sie fort war, kamen Kajas Eltern heim. Kaja wollte das Gespräch nicht auf die lange Bank schieben.

„Könnte ich mit euch was besprechen?“, fragte sie schon, da hatten ihre Eltern ihre Jacken noch nicht mal ausgezogen.

„Na sicher, komm wir gehen in die Küche. Wir können einen Kaffee gebrauchen“, bat ihre Mum.

Nachdem der Kaffee fertig war und jeder eine Tasse vor sich hatte, schauten Kajas Eltern sie nun fragend an.

„Das ich von euch adoptiert wurde, weiß ich ja. Könnt ihr mir etwas über meine Herkunft sagen?“

„Süße viel wissen wir nicht, nur, dass du als Baby ausgesetzt worden bist. Man wusste nicht, wann und wo du geboren wurdest, nur ein Zettel mit deinen Namen fand man bei dir“.

„Wisst ihr denn, wo man mich gefunden hat?“

„Ja, unter der Trauerweide, die in der Bergstraße steht. Es war am 16.5, deswegen feiern wir an diesen Tag deinen Geburtstag. Wenn du damals nicht so schrecklich geweint hättest, hätte man dich nicht gefunden. Aber warum willst du das alles wissen?“, fragte nun ihr Dad.

Kaja war am Überlegen, ob sie ihren Eltern den wahren Grund sagen könnte. Nein sie würden sie nur auslachen, so erfand sie eine Notlüge.

„Wir sollen einen Stammbaum unserer Familie zeichnen. Ich dachte, ob ich den Stammbaum meiner richtigen Eltern nehmen könnte, um diesen dann mit dem eurigen zu verbinden. Ich gehöre doch zu beiden Seiten, oder?“

„Ach Süße, natürlich gehörst du zu beiden und wir sind glücklich, dass es dich gibt. Wir sind so stolz auf dich und haben dich lieb“.

Mit diesen Worten wurde Kaja in die Arme genommen. Sie fühlte sich so beschützt, dass sie jeden Zweifel ans Menschsein verwarf.

Glücklich ging sie dann zu Bett. Schnell schlief sie ein, doch ein Traum ließ sie unruhig schlafen.

Träume

Verwirrt wachte sie morgens auf. Sie konnte sich an jede Kleinigkeit ihres Traumes erinnern. Kaja fing an zu schlottern, solche Angst verspürte sie. Was war nur los mit ihr? Solche Träume hatte sie noch nie gehabt. Hatte sie überhaupt geschlafen? Kaja wollte gerade Juna anrufen, da bimmelte ihr Handy.

„Na du Langschläferin, hast du endlich ausgeschlafen? Ich versuche schon seit Stunden dich zu erreichen“, grüßte Juna sie.

„Was ist denn so wichtig“. Kaja fühlte sich immer noch so müde, am liebsten wäre sie wieder ins Bett gesprungen, wenn da nicht diese Angst vor den Träumen wäre.

„Ich weiß nicht, woher er meine Handynummer hat, aber Tristan rief mich heute Morgen an. Er war ganz aufgeregt. Ich habe nicht alles verstanden, was er mir erzählt hat, nur das du in Gefahr bist und du unbedingt zu ihm kommen musst. Kaja bitte, gehe zu Tristan, ich habe Angst um dich. Was ist, wenn er Recht hat. Ich hol dich ab, ja?“ Juna lauschte.

Es dauerte eine Zeit bis Kaja antwortete.

„Ja, ich glaube du hast Recht. Ich warte auf dich“.

Juna beeilte sich, doch als sie Kaja sah, erschrak sie. Kaja war weiß wie eine Kalkwand.

„Was ist passiert? Du siehst ja grauenhaft aus“, fragte Juna besorgt.

„So fühle ich mich auch. Ich hatte wieder so ein Traum. Dieses Mal war ich kein Baby. Ich träumte so, wie ich jetzt bin. Ich wurde gejagt von Eiswesen und Sturmwirbel rissen mich immer wieder in die Luft, wo andere Eiswesen nach mir griffen. Diese Wesen hatten schreckliche rote Augen, die mich böse an gefunkelt haben. Juna, ich weiß nicht, ob ich das geträumt oder wirklich erlebt habe. Was soll ich nur tun?“.

Kaja war dem Weinen sehr nah, immer wieder schluckte sie.

„Das sagte ich doch schon, wir müssen zu Tristan. Er scheint der einzige zu sein, der wirklich weiß, was mit dir los ist. Also komm, wir gehen“.

„Nein, ich mache keinen Schritt nach draußen. Was ist, wenn ich das nicht geträumt habe? Dann lauern da draußen Windmonster auf mich“.

Der Traum hatte Kaja wirklich sehr ängstlich gemacht. Juna wusste, wenn sie jetzt Kaja zwang nach draußen zu gehen, würde sie aus Angst zusammen klappen. Na gut, dann musste Tristan eben hier her kommen.

„Wo ist der Zettel von Tristan?“, fragte Juna suchend und fand den Zettel schließlich in Kajas Schmuckschatulle. Kaja selber schaute ihr nur ängstlich zu. Mit angewinkelten Beinen, die sie mit den Armen umschlang, saß sie in ihrem Bett.

Juna rief Tristan an und bat ihn zukommen, von Kajas Zustand sagte sie kein Wort.

„Was ist mit ihr los?“, fragte Tristan als er Kaja sah. Juna berichtete ihm was Kaja geträumt hatte, und dass sie jetzt große Angst verspürte.

Tristan setzte sich neben Kaja aufs Bett. Als sie bemerkte, wer neben ihr saß, schlug sie ihre Arme um seinen Hals und fing fürchterlich an zu weinen.

„Weine nur, das erleichtert“ sprach Tristan leise.

Es dauerte nicht lange bis Kajas Tränen versiegten und sie erschöpft in seinen Armen einschlief. Vorsichtig löste sich Tristan von ihr und deckte die schlafende Kaja zu.

„Wird sie wieder so schrecklich träumen“, wollte Juna wissen, die besorgt zu ihrer Freundin schaute.

„Nein, solange ich bei ihr bin, wird sie ruhig schlafen“.

„Aber Tristan, dass ist doch kein Zustand, du kannst nicht dauernd bei ihr sein. Also was ist zu tun“, forderte Juna. Sie machte sich wirklich Sorgen.

„Du hast Recht. Es gibt nur eine Person, die Kaja wirklich helfen kann“.

„Und wer ist das? Wo finden wir denjenigen“.

Tristan fing an zu lachen.

„Mensch Juna, es ist Kaja selber. Erst, wenn sie es akzeptiert, wer oder was sie ist, werden diese Träume aufhören. Damit ist aber nicht gesagt, dass sie außer Gefahr ist! Doch der Gegner wird es schwerer haben, sie zu finden.“

„Du sprichst in Rätseln. In welcher Gefahr ist Kaja?“

„Das kann ich nur Kaja sagen und auch erst, wenn sie wirklich daran glaubt, wer sie ist“.

„Das ist doch Blödsinn. Erst, wenn man weiß, woher oder von wem eine Gefahr droht, kann man etwas dagegen tun“.

„Das stimmt schon, doch erst wenn Kaja zu sich steht, wird sie auch begreifen, warum Gefahr ihr droht“.

„Ach Tristan, ich merke schon, du willst es mir nicht sagen. Wir drehen uns im Kreis.“

„Hey, was macht Tristan hier?“

Juna und Tristan drehten sich um und schauten Kaja lächeln an.

„Da ist sie ja wieder! Geht es dir besser? Hast du geträumt?“, überfiel Juna sie gleich.

„Nein, aber was macht Tristan hier?“ fragte sie nochmals und schaute böse.

„Da du nicht raus wolltest, bat ich ihn zu kommen. Du warst total verängstigt und Tristan hat dir geholfen“, erklärte Juna.

Tristan hielt sich im Hintergrund.

„So ein Quatsch. Ich habe vor gar nichts Angst und ich will dass er geht“, sprach Kaja überheblich.

Tristan schüttelte nur den Kopf und ging.

Zu Juna flüsterte er noch.

„Ruf mich an, wenn sie mich braucht“.

„Was sollte denn das jetzt? Er hat dir geholfen. Was ist nur los mit dir? Ich erkenne dich kaum wieder“.

Juna schaute Kaja entgeistert an, so kannte Junasie nicht. Überheblich sein war so gar nicht Kajas Art.

„Ich weiß gar nicht was du hast, mir geht es gut“.