Feenlied ll - Petra C. Melzer - E-Book

Feenlied ll E-Book

Petra C. Melzer

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Beschreibung

Etwas Schreckliches muss passiert sein, dass ein Einhorn die Feen um Hilfe bittet. Der verwunschene See ist verschwunden. Wer hat ihn verschwinden lassen? Wie konnte das passieren? Viele Fragen, auf die eine Antwort gefunden werden muss. Die Feen begeben sich gemeinsam mit dem Einhorn auf die Suche. Werden sie das Rätsel lösen können?

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Seitenzahl: 249

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Das Land Mintora

1 Trauerweide, 2 Fenja´s Haus,

3 Knarzwald, 4 Triono, 5 Ganlo, 6 Harina

7 Eigogebirge, 8 Bergstadt, 9 Hütte

10 Trolllager, 11 Fabelwald, 12 Baristox.

13 Einhornland, 14 Minwoodwald,

15 Minwood, 16 Moorlandschaft, 17 Schwarzes Gebirge.

Inhalt

Mischwesen

Was ist hier los

Lehrzeit

Schattenfell

Zu den Zwergen

Auf zur Hütte

verwunschener See

Wieder in Minwood

Ein Schritt weiter

Noch mehr Lehrstunden

Talias Medaillon

Bergstadt

Harina

Eine neue Spur

Verliebt?

Entscheidung

Fenjas Hütte

Erschöpfung

Keine Hilfe

Wo ist sein Versteck

Kampf der Magier

Zurück nach Minwood

Elega ja nurito vin genda ma

Mischwesen

Es sind Jahre ins Land gegangen, als Kaja wieder in die Menschenwelt kam. Ihre Adoptiveltern waren schon längst verstorben und Juna war eine alte Frau mit grauen Haaren. 80 Jahre waren für Juna vergangen, für Kaja erst zehn, seitdem sie sich das letzte Mal sahen.

„Du bist so jung, aber ich bin nicht neidisch. Ich habe ein erfülltes Leben geführt und wie du weißt, zwei Mädels bekommen, zwei Enkelkinder und eine Urenkelin. Ich hatte einen Mann, der leider schon vor mir gegangen ist, sowie meine Jüngste. Mir sind nur Elina, Larissa und Talia geblieben“, sprach Juna mit einer Stimme, die ihrem Alter entsprach.

„Kaja, ich habe eine Bitte an dich. Madelaine, meine kleine Enkelin hat ein Mädchen bekommen, welches ich groß zog. Mittlerweile bin ich zu alt um mich um ein Teenager zu kümmern. Bitte Kaja nehme Talia mit ins Feenreich“, Juna schaute sie so bittend an, dass Kaja fast erschrak.

„Aber Juna, das geht doch nicht! Was sagt deine Enkelin dazu?“ Kaja war nicht gewillt, zu glauben, dass Juna, Madelaine ihre Tochter wegnehmen wollte.

„Oh, das weißt du ja gar nicht. Madelaine ist bei der Geburt gestorben. Erst hatte ich gehofft, dass Larissa das Baby nehmen würde, doch Talia machte ihr Angst“. Traurigkeit lag in Junas Worten.

„Es tut mir leid mit Madelaine, aber was ist mit Talia, dass Larissa Angst vor ihr hat?“ Kaja umarmte Juna, da sie traurig aussah.

„Ach Kaja“. Juna holte tief Luft und atmete diese hörbar wieder aus, als ob sie eine Last aus sich heraus pusten würde.

„Talia ist ein Mischwesen. Wenn du sie siehst, wirst du es erkennen, was ich meine. Ich hoffe, du hast Zeit. Sie kommt gleich aus der Schule!“

„Wie alt ist Talia?“ Kaja hätte nicht fragen brauchen. Sie schien die Antwort schon zu wissen.

„Sie ist 16, genauso alt wie du, als du ins Feenland gingst und dein Schicksal annahmst!“, entgegnete Juna. Ein lauter Knall hallte durch das Haus, es war die Haustür, die ins Schloss fiel.

„Ur-Oma, Ur-Oma bist du da?“, rief eine klare weibliche Stimme.

„Ich bin hier Liebes, wir haben Besuch“.

Vorsichtig schaute das Mädchen ins Zimmer, blieb aber im Türrahmen stehen. Sie hatte Erfahrung mit Fremden, die sie skeptisch sein ließ. Alle starrten sie immer so an, als ob sie ein Freak sei, doch diese Frau sah sie anders an. Vor Kaja stand ein Mädchen mit hellblauen Augen und kurzem schwarzem Haar. So sah Kaja ebenfalls aus, wenn sie in der Menschenwelt war, nur dass ihre Haare schulterlang waren und nicht so kurz wie Talias.

„Hallo, ich bin Kaja. Deine Ur-Oma sagte mir, dass du was Besonderes bist und wie ich sehe, bist du das in dieser Welt. Für mich siehst du aber normal aus“. Kaja schritt langsam auf das Mädchen zu und reichte ihr lächelnd die Hand.

Talia schaute skeptisch, aber sie freute sich. Endlich einmal jemand der nicht gleich Spitzohr zu ihr sagte.

„Wie meinen sie das?“, fragte Talia und reichte ebenfalls die Hand hin. Kaja schüttelte zur Begrüßung leicht Talias Hand.

„Da wo ich herkomme, haben alle spitze Ohren. Sogar ich, auch wenn meine längst nicht so bezaubernd sind wie deine“. Talia stand der Mund offen. Ihr hatte bisher keiner, außer ihre Ur-Oma gesagt, dass ihre Ohren reizend seien. Alle fanden diese eher scheußlich.

„Woher kommen sie denn?“ Thalia blieb misstrauisch.

„Hat dir deine Ur-Oma nie von ihrer Freundin erzählt, die im Feenland lebt?“

„Doch das hat sie, aber ich habe es immer für ein

Märchen gehalten“.

„Dieses Feenland gibt es, denn ich bin die

Freundin, von der deine Ur-Oma sprach.“

„Das gibt es doch nicht! Dann sind sie eine Fee?“ „Ja Talia und du bist ebenfalls eine, zumindest zur Hälfte. Dein Vater muß ein Feenmann gewesen sein“. Talia senkte traurig den Blick.

„Meine Eltern habe ich leider nicht kennengelernt. Ich weiß nicht, wer mein Vater ist“. Kaja schaute fragend zu Juna, die mit über 90 Jahren rüstig war. Jeder hätte sie erst auf Anfang 70 geschätzt. Scheinbar hat Talia sie jung gehalten, körperlich wie geistig.

„Ich habe Talias Vater nie kennengelernt, Madelaine hat nie über ihn gesprochen, obwohl ich sie, während der Schwangerschaft mehrmals nach dem Erzeuger gefragt habe. Sie schaute mich dann immer mit so einem verliebten Blick an. Ich nehme an, dass er nur kurz hier in der Menschenwelt war. Er wird sicher auf Mintora sein. Was meinst du?“

„Das nehme ich an. Wir Feen besuchen ja regelmäßig die Menschenwelt und wenn Talias Vater nicht zurückgegangen wäre, dann hätte er sich sicher um Madelaine und dem Baby gekümmert. Es wäre möglich, dass er gar nicht weiß, dass es Talia gibt. Unsere Feenmänner lassen normalerweise ihre Kinder nicht alleine“, versuchte Kaja, zu erklären. Dann wandte sie sich an das Mädchen:

„Was meinst du, wie würdest du es finden, wenn du mit mir nach Mintora kommst? Dort suchen wir nach deinem Vater“. Talias wurden Augen groß.

„Was? Aber ich kann Ur-Oma nicht alleine lassen. Sie hat doch nur mich!“

„Das stimmt nicht, Elina und Larissa sind da“, entgegnete Juna.

„Ach die, diese Angsthasen!“, grinste Talia. Sie gab mit einer abwertenden Handbewegung ihren Worten mehr Ausdruck.

„Und doch, meine Tochter und Enkelin. Talia, ich wäre begeistert, wenn du mit Kaja gehst. Meine Lebenszeit ist bald abgelaufen und ich werde in Frieden sterben können, wenn ich weiß, dass du unter deinem Volk lebst. Ja Talia für mich bist du mehr eine Fee als ein Mensch“. Juna hatte einen bittenden Blick.

„Ach Ur-Oma, es fällt so schwer. Wenn das alles stimmt, was du mir erzählt hast, dann werden wir uns nicht wieder sehen“. In Talias Augen standen Tränen.

„Weine nicht meine Kleine. Es ist mein letzter Wunsch, denn du mir in Lebzeiten erfüllst“.

„Na gut Ur-Oma! Ich werde mit Kaja gehen, da es dein Wunsch ist. Denn hier hält mich sonst nichts.“ Jetzt liefen bei Talia doch die Tränen und lag in den Armen ihrer Ur-Oma.

„Danke Liebes, es macht mich so glücklich. Ich werde euch zur Trauerweide begleiten“.

Juna strahlte und strich ihrer Enkelin über die Haare. Sie verstand Talias Gefühle. Es war schwer, alles zu verlassen oder jemanden weggehen zulassen. So etwas schmerzte, für beide Seiten.

„Oh, wir benutzen nicht das Portal bei der Trauerweide. Wir fahren mit der Bahn nach Hamburg. Dort im Stadtpark ist ein Tor, welches uns direkt nach Minwood bringt“, erklärte Kaja.

„Schade, dann wird unser Abschied eben hier auf dem Bahnhof sein. Komm Talia, wir packen deinen Koffer“, sagte Juna und erhob sich schwerfällig aus dem Sessel. An Kaja gewandt fragte Talia.

„Ziehen sich die Feen genauso an wie wir hier?“

„Manchmal, den Feen ist die Menschenwelt ja nicht fremd. Ab und an bringen wir uns das eine oder andere Stück mit“.

„Wartest du hier unten auf uns?“, bat Juna. Kaja nickte und lehnte sich gemütlich in dem Sessel, in dem sie saß, zurück. So verschwanden Talia und Juna und Kaja blieb alleine.

„Hör zu Liebes, ich gebe dich Kaja nur mit, weil ich ihr hundertprozentig vertraue. Sie wird dir die Mutter und die Freundin an deiner Seite sein. Höre auf sie, sie wird dir nie etwas Böses antun. Vertraue ihr“. Juna nahm Talia in die Arme. Jetzt flossen bei Juna doch ein paar Tränen.

„Ur-Oma bitte nicht weinen, wenn du traurig bist, dann bleib ich hier“.

„Nein, ich bin nicht traurig Kleines. Das sind Tränen der Freude. Ich freue mich für dich, dass dir ein langes glückliches Leben bevorsteht“, log Juna. In Wirklichkeit war sie traurig. Dieses wusste Talia, doch sie ließ Juna in dem Glauben, dass sie ihr die Freudentränen glaubte. Nachdem sie mit dem Packen fertig waren, schritten sie langsam zum Bahnhof. Schnell hatten sie die Fahrkarten gekauft und warteten auf den Zug. Keiner sagte ein Wort, jeder hatte mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen, selbst Kaja war betrübt. So traurig hatte sie Juna nie gesehen, nicht einmal als sie damals fortging. Rauschend fuhr der Zug ein. Es gab eine tränenreiche Verabschiedung. Lange stand Juna noch auf dem Bahnsteig und schaute dem Zug hinterher, obwohl dieser schon längst nicht mehr zu sehen war.

Talia hatte so viele Fragen, die ihr gerne beantwortet wurden. Doch erst fragte Kaja.

„Sag einmal, wusste Juna so gar nichts von deinem Vater?“

„Nein, meine Mutter hatte keinem erzählt, wer er war. Sie hat ihn aber geliebt. Schau diesen Anhänger hat sie mir hinterlassen mit einem Zettel darin“. Talia öffnete das Medaillon, welches an einer Kette um ihren Hals hing, nahm einen Stück Papier heraus, das oft gefaltet war, und reichte das Blatt Kaja. Vorsichtig entfaltete sie dieses und sah verwundert auf den Zettel, dass was dort stand, war in Feenschrift geschrieben.

„Das ist sonderbar, diese Schrift wird nicht mehr verwendet. Leider vermag ich das nicht zu lesen, da es ein veralteter Dialekt ist. Es wird schon lange nicht mehr gesprochen geschweige geschrieben. Wir werden erst herausbekommen, was dort steht, wenn sich das einer unserer Gelehrten anschaut“, erläuterte Kaja. Beide waren sie etwas enttäuscht. So erzählte Kaja wie es ihr ergangen war, als sie ins Feenland reiste.

„Oh dann bekomme ich blonde Haare?“, lächelte Talia.

„Ja, denn hellhaarig, spitze Ohren und unsere wasserblauen Augen zeichnen uns als Feen aus. Manche Menschen halten uns für Elben.“

„Ich habe immer gedacht, dass Feen kleine Wesen mit Flügel sind, die von einer Blume zur anderen fliegen“, meinte Talia und Kaja lachte.

„Wie du siehst, ich habe keine Flügel und klein bin ich auch nicht“. So verging die Zeit schneller, als sie dachten. Schon fuhr der Zug in den Hauptbahnhof von Hamburg ein.

„Uns bringt jetzt ein Bus zum Planetarium“, sagte Kaja. Zusammen schritten sie zur Haltestelle. Für Talia war die Großstadt etwas Besonderes, wenn man bedenkt, dass sie selber aus einem Dorf kam. Mit großen Augen schaute sie von links nach rechts. So viele Menschen auf einmal an einem Ort und so hohe Gebäude war sie nicht gewohnt. Sie hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, die Häuser engten sie ein. Nach einer kurzen Busfahrt waren sie beim Stadtpark und dann gleich beim Planetarium. Einige Menschen schlenderten durch den Park, obwohl es schon anfing zu dämmern.

„Leider ist es, erforderlich zu warten, bis alle Menschen weg sind. Da hier das Portal nicht vor anderen Augen geschützt ist“, erklärte Kaja.

So setzten sie sich an den Stadtparksee.

„Warum seid ihr damals nicht von hier aus ins Feenland gereist? Das wäre doch ungefährlicher gewesen“, fragte Talia und sah dabei über den See.

„Weil dieses Portal nicht aktiviert war“. Kaja schaute genauso entspannend über den See.

„Aha und wie aktiviert man so ein Tor? Ist es, nicht gefährlich ein Portal hier zu haben, wo alle Menschen es sehen?“ Talia war wie ein Schwamm, die alles aufsaugte, was man ihr erklärte. Sie wollte auch alles wissen.

„So genau vermag ich es dir nicht zu erklären. Wie mir einmal ein Gelehrter erklärte, reist eine Fee oder Feenmann in die Menschenwelt um einen geeigneten Platz für ein Portal zu suchen. Wenn sie eins gefunden haben, wird der Platz markiert, dann kann man es im Feenland aktivieren. So und zum zweiten Teil deiner Frage. Manchmal ist der beste Schutz da, wo alles es sehen.“

„Ach so, na wer weiß, wozu es gut war, dass dieses Portal zu deiner Zeit noch nicht gab. Ich freue mich, bald auf Mintora zu sein“. Talia lächelte. Sie war etwas aufgeregt, dass es gleich so weit war. Mittlerweile war es total dunkel geworden, als die beiden wieder zum Planetarium spazierten. Sie stellten sich neben dem Planetarium Eingang, Kaja bückte sich und drückte auf einen Stein in der Mauer. Dadurch wurde ein Lichtschein aktiviert und beide waren verschwunden.

Was ist hier nur los?

„Das ist ja magisch“, rief Talia, „und du bist hellhaarig! Das steht dir!“

„Danke, dir stehen die blonden Haare aber genauso. Jetzt müssen sie nur noch wachsen, denn eine Kurzhaarfrisur ist unter uns Feen nicht angesagt“, meinte Kaja. Talias Augen weiteten sich vor Entsetzen. War sie jetzt vom Regen in die Traufe gekommen? Wird sie hier ebenfalls gemobbt?

Kaja ahnte, was Talia dachte und schmunzelte.

„Hier wird keiner etwas gegen deine kurzen Haare sagen, es ist nur zurzeit nicht modern bei uns. Wer weiß, es ist denkbar, dass du einen neuen Trend setzt. Falls dich einer darauf anspricht, dann sagst du demjenigen eben, dass es der neuste Schrei ist“. Jetzt grinste Talia und ihre Augen fingen wieder an zu leuchten.

„Wo sind wir hier?“ Sie schaute sich um und erblickte eine wunderschöne Gartenlandschaft.

„Wir sind im Garten des Königshauses!“, meinte Kaja, als ob das normal wäre.

„Um Gottes willen, wenn uns die Wachen hier finden, sperren sie uns sicher ein!“ Talia schaute ängstlich wie ein Angsthase. Ihr Blick wanderte über die ganze Gartenanlage, ob nicht doch eine Wache auftauchte. Kaja sah sich genötigt, schon wieder zu lachen.

„Es kommen keine Wachen. Dieser Garten gehört zu meinem Haus“.

„Oh, dann arbeitest du hier?“ Talia war beruhigt und atmete tief durch. Sie hatte gar nicht richtig hingehört, was Kaja Gesagte hatte.

„Na ja, wenn es denn Arbeit ist, wenn man für das Volk da ist!“

Talia runzelte die Stirn. Man sah, dass sie am Überlegen war. Doch dann schien der Groschen gefallen, zu sein.

„Du willst doch nicht damit sagen, dass du die Königin bist?“

„Ja, aber ich fühle mich nicht so, weil ich oft unter dem Feenvolk bin“. Talia hatte die Absicht sich zu verbeugen, doch Kaja lies dieses nicht zu.

„Das brauchst du nicht, das haben wir schon lange abgeschafft. Wir, die königliche Familie, sind doch nur Feen wie alle anderen. Warum sollte ein Bauer, der dafür sorgt, dass ich etwas zu essen auf den Tisch bekomme, sich verneigen, nur weil ich die Königin bin. Ich bin der Meinung, ich müsste mich vor dem Volke verneigen, denn ohne ihre tägliche Arbeit würde nichts funktionieren“. Talia machte wieder große Augen und nickte zustimmend.

„Komm, wir gehen ins Haus!“ Als sie drinnen waren, wunderte sich Kaja. Irgendetwas war anders, Tristan hätte im Thronsaal sein sollen. Heute war er dran sich um die Sorgen und Nöte des Volkes zu kümmern. Doch es war kein einziger da, nicht einmal ihre Berater, die sonst einem zur Seite standen. Sie lief zu ihren Privaträumen und Talia im Schlepptau hinterher. Hier war es ebenso ausgestorben.

„Was ist hier nur los? Wo ist Tristan und wo ist meine Mutter und Falan?“, sagte Kaja laut und wurde immer nervöser.

„Bleibe bitte hier, es ist unumgänglich, dass ich Falan suche!“ Kaja wartete gar nicht auf eine Antwort, sondern ließ das Mädchen stehen und eilte davon. Talia sah sich um, sie war im Wohnzimmer, das fast so aussah wie bei ihrer Ur-Oma, nur den Fernseher und das Radio vermisste sie. So schaute sie sich weiter im Haus um und fand ein großes Bad, mit Toilette, Waschbecken und einer Badewanne. Was nur fehlte, waren die Wasserhähne und die Toilettenspülung, dafür stand ein Eimer mit Wasser bereit. Vier Schlafräume gab es, wobei eines nicht bewohnt war und ein anders war eher ein Kinderzimmer. In diesem sah sie sich genauer um, in einer verwickelten Ecke saß ein kleines Kind von 6 Jahren, was voller Angst zu ihr hochschaute.

„Hallo, wer bist du denn?“, fragte Talia freundlich und lächelte den Jungen an.

„Falan und du?“, antwortete er ein wenig skeptisch.

„Ich bin Talia und ich glaube, deine Mutter sucht dich“.

Falan seine Augen fingen an zu leuchten. Er lächelte und sprang auf.

„Mama, ist wieder da? Komm, wir laufen zu ihr“. „Ich weiß leider nicht wohin sie gegangen ist, aber sie kommt gleich. Lass uns im Wohnzimmer warten“, bat Talia.

„Liest du mir was vor?“ Falan liebte es, wenn jemand ihm vorlas, obwohl Kaja ihn immer sagte, er sollte selber lesen, weil dies die beste Übung sei.

„Gerne, wenn du ein Buch für mich hast, woraus ich vorlesen soll.“ Falan kramte unter seinen Sachen und holte ein Buch hervor. Talia schaute es sich an und schüttelte traurig den Kopf.

„Oh, daraus kann ich dir nicht vorlesen. Diese Sprache kenn ich nicht“.

Jetzt schaute Falan sie verwundert an.

„Das ist doch Feenisch, warum kannst du das denn nicht lesen?“

„Weil ich nicht hier aufgewachsen bin. Da wo ich herkomme, kennt man Feenisch nicht“.

„Achsooooo, du kommst aus der Menschenwelt. Sag das doch gleich. Da haben wir im Wohnzimmer viele Bücher“, sagte Falan und rannte voraus. Für ihn war es nichts Ungewöhnliches. Er wusste von seiner Mutter, dass es die Menschenwelt gab und dass sie sogar ab und an dort zu Besuch war. Die Beiden waren gerade im Wohnzimmer und setzten sich auf das Sofa, da stürmte Kaja herein. Als sie Falan sah, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Sie drückte und herzte ihren Sohn überschwänglich. Nachdem sie sich gefasst hatte, fragte sie.

„Weißt du, wo dein Vater und deine Oma sind?“

„Ja, die sind im Verlies. Oma erlaubte es nicht, dass ich Papa folgte, sie sagte nur: Versteck dich in dein Zimmer: Dann ist Oma Papa hinterhergegangen“, motzte Falan ein wenig verärgert. Kaja drehte sich zur Tür, um wieder loszutoben, als Kaila und Tristan hereinkamen.

„Was ist hier los?“, bestürmte Kaja ihren Gatten gleich.

„Batar ist verschwunden. Wir waren alle auf der Suche nach ihm. Er hatte sicher Hilfe, alleine wäre er niemals in der Lage gewesen aus seiner Zelle zu fliehen“, erklärte er.

„Und Falan habt ihr alleine gelassen. Mutter ich hatte ihn dir anvertraut. Was wäre gewesen, wenn Batar unseren Sohn etwas angetan hätte. Ich will mir das gar nicht ausmalen“, schimpfte Kaja. Sie war total sauer auf Kaila.

„Beruhige dich mal! Er ist doch hier und unversehrt. Aber sag, wer ist dieses junge Mädchen?“, lenkte ihre Mutter ab und hoffte, dass Kajas Unmut verflog.

„Das ist Talia, die Ur-Enkelin von Juna. Sie wird bei uns leben. Wir sind jetzt ihre Familie und ich möchte, dass du sie so behandelst, als wäre sie meine Tochter“, erklärte Kaja und schaute ihre Mutter ernst an.

„Herzlich willkommen kleines“, sagte Kaila nur.

Sie musste sich erst daran gewöhnen, dass jetzt jemand fremdes mit im Haus leben würde.

„Ich verstehe das nicht. Entschuldige Talia. Sie ist eine Fee und Juna ist ein Mensch! Wie geht das?“, fragte Tristan und sah dabei von Talia zu Kaja. Er kannte ja Juna, die beste Freundin von seiner Frau. Doch ehe Kaja etwas sagen konnte, entschied Talia, dieses zu erklären.

„Mein Vater ist ein Feenmann. Ich bin ein Mischwesen“.

„Aha und hast du auch das geistige Wissen der Feen?“, fragte Tristan weiter.

„Das was?“ Talia wusste nicht, was er meinte, runzelte ihre Stirn und schüttelte den Kopf.

Seine Hände in die Hüften gestemmt, brummte Tristan und lächelte dabei:

„Ach nee, nicht schon wieder eine Kaja“. Talia schaute verstört von einem zum anderen und Kaja lachte.

„Mach nicht so ein verdutztes Gesicht. Ich erkläre es dir. Feen haben die Gabe sich gedankendlich zu unterhalten“.

„Ah, so etwas wie Telepathie?“ Jetzt sah sie nicht mehr verwirrt, sondern erstaunt aus.

„Ja so in der Art. Du wirst von unseren Lehrern unterwiesen und hast das schnell gelernt. Übermorgen wird es schon losgehen“, sagte Kaja. „Juhu, ich brauche zu Hause nicht mehr alleine üben und der schlechteste bin ich dann nicht mehr!“, rief Falan und hüpfte von einem Bein auf das andere. Für Talia war das alles verwirrend.

„So Süße, jetzt gibt es erst einmal etwas zu essen, dann zeige ich dir dein Zimmer“. In dem Moment wo Kaja es sagte, merkte sie, dass ihr Magen knurrte. Talia hoffte nur, dass es hier kein Fleisch gab. Sie war Vegetarierin, nur Eier, Milchprodukte und ab und an mal ein Fisch aß sie, so wie Obst und Gemüse. Das Küchenpersonal hatte schon lange Feierabend, so stellte sich Kaja selber in die Küche. Talia schaute ungläubig, eine Königin, die am Herd steht, das fand sie eigenartig.

„Ich würde vom Küchenpersonal niemals fordern, dass sie länger bleiben. Sie haben ebenso eine Familie, um die sie sich kümmern müssen“, entgegnete Kaja. Schnell hatte sie alles fertig. Falan und Talia deckten den Tisch und Tristan hatte Kaila Bescheid gesagt. Doch seine Schwiegermutter ließ sich entschuldigen, sie hätte keinen Hunger. Talia war froh das kein Fleisch auf dem Tisch stand. Es gab Rührei, Obst, Salate und Brot. Sie ließ es sich schmecken, dann gähnte Talia herzhaft, was nach dem Essen nicht zu vermeiden war.

„Ja, ja mit vollen Magen wird man schnell müde. Komm, wir begeben uns zur Ruhe“, meinte Kaja. Tristan brachte Falan ins Bett und Kaja zeigte Talia ihr Zimmer. Es war das, welches sie, als das Unbewohnte entdeckt hatte.

„Morgen wird dein Zimmer so, wie du es gerne hättest!“, meinte Kaja und Talia nickte nur. Sie war zu müde um deswegen ein großartiges Gespräch zu führen.

„Dann wünsche ich dir eine gute Nacht, träume etwas Schönes“, lächelte Kaja und ließ Talia dann alleine.

Als Kaja neben ihrem Mann im Bett lag, meinte sie auf einmal.

„Weißt du was ich mich Frage? Wer hat Batar geholfen und wo ist er hin? Ich hoffe, dass er nach so vielen Jahren nicht wieder seine volle Kraft besitzt“.

„Das glaube ich nicht, er zeigte die ganze Zeit keine Veränderung, obwohl du ihm ja ein klein wenig Bewusstsein gelassen hast“, entgegnete Tristan.

„Genau das bereitet mir Sorgen“, erwiderte Kaja. Man sah ihr an, dass dieses so war.

„Ach Liebes, es wird schon nichts passieren. Mach dir keine Gedanken“, versuchte Tristan ihre Befürchtungen, zu vertreiben.

„Das sagt sich leichter, als es ist“, murmelte Kaja. Keiner vermochte ihr die Gedanken abzunehmen, sie grübelte. Tristan überlegte, wie er seiner Frau helfen konnte, so fragte er:

„Hat Talia gar keinen Hinweis, wer ihr Vater ist?“ „Doch, das hatte ich jetzt wegen der ganzen Aufregung vergessen. Sie hat ein Medaillon, worin ein Zettel ist, auf dem etwas auf einer alten Feensprache geschrieben ist. Weißt du welcher von unseren Gelehrten dieses Lesen und zu übersetzen versteht? Ich glaube, für Talia wäre es wichtig zu wissen, was darauf steht. Mit Glück sogar der Name ihres Vaters “, erklärte Kaja. Tristan freute sich innerlich, seine Frau war auf anderen Gedanken gekommen.

„Darum kümmere ich mich gleich morgen früh. Jetzt lass uns schlafen, es ist schon spät“. Tristan küsste Kaja liebevoll und sie kuschelte sich in seinen Arm. Ihr würde etwas fehlen, wenn es den letzten Kuss des Tags nicht gab. So schliefen sie endlich ein. Doch Kaja hatte eine unruhige Nacht, immer wieder geisterte Batar durch ihre Träume und stets hörte sie den Satz, den er mit verzerrtem Gesicht ihr entgegen schrie.

„Rache für die Jahre, die du mir genommen hast“. Schweiß gebadet wachte Kaja auf. Was war das

nur für ein scheußlicher Traum! Was bedeutet das? Ist es eine Vorahnung, auf das, was passieren wird? Fragte Kaja sich. Sie erzählte Tristan nichts von ihrem Traum, er würde sich nur sorgen. Wenn sie meinte, vor ihrem Mann ein Geheimnis zu haben, so hatte sie sich geirrt. Tristan kannte seine Frau besser, als sie dachte. Er bemerkte gleich, dass was nicht stimmte. Besorgt schaute er sie an und fragte:

„Was ist passiert? Dich beschäftigt doch etwas. Versuch gar nicht erst dich raus zu reden. Ich sehe es dir doch an. Was ist los?“ Kaja lächelte und atmete hörbar auf.

„Wie gut du mich doch kennst oder hast du gelernt, hinter meine Mauer zu gelangen, ohne dass ich es bemerke?“ Sie schaute ihn herausfordernd an.

„Nein mein Schatz, ich sehe es dir nur an. Du kräuselst immer deine Stirn, wenn dich etwas bewegt. Jetzt raus mit der Sprache, du weißt, ich werde nicht eher Ruhe geben, bis du es mir gesagt hast“. So erzählte Kaja was sie geträumt hatte.

„Ach Kaja, Batar ist und bleibt ein Seelenloser, vergiss diesen blöden Traum!“

Tristan nahm sie in die Arme, um ihr Sicherheit und Geborgenheit zu geben. So verbannte Kaja den Traum in die hinterste Ecke. Sie versuchte nicht mehr daran denken, denn heute hatte sie etwas anderes vor, was ihr ein Schmunzeln ins Gesicht trieb. Sie freute sich schon auf den Einkaufsbummel mit Talia.

Lehrzeit

Als das Königspaar am Morgen in den Essraum kamen, saßen Talia, Falan und Kaila schon am Tisch und lachten gemeinsam. Sie hatten sich einige Geschichten aus ihrer Kindheit erzählt. Talia hatte es immer für Menschenkenntnis gehalten, dass sie oft wusste, wenn jemand mehr als nur gehässig war oder wenn irgendwer etwas Unrechtes im Sinne hatte. Sie war keine Petze, doch als Klaus die Prüfungslösungen für die Chemiearbeit, aus der Aktentasche von Lehrer klaute. Wünschte sie sich, dass Klaus um diesen herum hüpfen und dabei mit den Lösungen herumwirbeln würde. Man glaubte es kaum, aber in dem Moment, wo der Klassenlehrer ins Zimmer kam, hüpfte Klaus. Falan und Kaila kamen nicht aus dem Lachen heraus, denn Talia passierte in der Menschenwelt immer wieder so etwas, dass das eintrat, was sie sich intensiv wünschte.

„Du hast ja doch Feeneigenschaften“, jubelte Falan. Talia schaute ihn verwirrt an.

„Was hat Menschenkenntnis mit Telepathie zu tun?“, fragte sie.

„Gar nichts, aber du hast unbewusst diesen Klaus manipuliert. Nur das du fähig warst das auf der Menschenwelt zu tun, ist ungewöhnlich. Normalerweise sind wir nur in der Feenwelt dazu in der Lage. Du bist etwas Besonderes! Das sah ich gestern schon, deswegen hatte ich ein wenig Angst vor dir und war deswegen nicht zum Essen erschienen. Jetzt weiß ich, woran das lag. Verzeih, dass ich so abweisend war. Du bist zwar ungewöhnlich, dennoch eine unwissende kleine Fee. Wir werden dir beiseite stehen. Sei herzlich willkommen bei uns Liebes. Du wirst für uns wie eine Tochter sein“. Mit diesen Worten stand Kaila auf und nahm Talia in die Arme. Kaja freute sich über diese Entwicklung. Ihr war es wichtig, dass Talia von allen, als eine von ihrem Volke, anerkannt wurde. Nachdem Frühstück schlurfte Falan missmutig durch den Raum, setzte sich auf den kleinen Hocker und zog seine Schuhe an, um zur Schule zugehen.

„Ich würde lieber mit euch in der Stadt zum Einkaufen gehen. Bitteeeee Mama!“

Falan schaute von unten hoch zu Kaja, hatte dieser Blick doch immer geklappt, wenn er sich etwas wünschte. Innerlich freute er sich schon.

„Falan du weißt genau, dass das nicht möglich ist. Zoliron würde es nicht gerne sehen, wenn du die Schule schwänzt. Du als Prinz hast eine Vorbildfunktion“, mahnte Kaja.

„Ach menno. Manchmal ist es, nicht leicht ein Prinz zu sein. Dann werde ich losgehen, bevor ich zu spät komme“. Traurig schlurfte er zur Haustür. Nur Hafu, der Hoftel, versuchte Falan aufzumuntern, in dem er vor ihm her sprang. Hafu begleitete Falan immer, wenn er das Haus verließ. Talia schaute dem Hoftel hinterher.

„Was war das denn für ein Puschel?“ Jetzt grinsten alle, außer Talia, die ein fragendes Gesicht zierte.

„Das war Hafu, er ist ein Hoftel, so etwas wie unser Wachhund. Ich weiß, er sieht wie ein kleiner Fuchs mit Hasenohren aus, aber er passt auf Falan auf und beschützt ihn“, erklärte Kaja. Sie liebte ihren Hoftel.

„So ein kleines Wesen vermag doch keinen zu beschützen. Der ist doch nicht größer als wie ein Hase“ Talia schüttelte unwissend den Kopf.

„Hafu ist zwar klein, aber wenn Falan in Gefahr gerät, ist er so groß wie ein Löwe, im wahrsten Sinne des Wortes. Dir werden mit Sicherheit viele andere eigenartige Wesen über den Weg laufen. Mach nie den Fehler, jemals nur ein einziges zu unterschätzen. Manche vermögen mehr als man ihnen ansieht“, belehrte Kaja sie. So lernte Talia schon eine Lektion des Lebens aus der Feenwelt.

„Jetzt planen wir, wie Zimmer aussehen soll und was fehlt“, sagte Kaja und zog Talia mit sich. Tristan war längst schon unterwegs und Kaila übernahm für heute die Gespräche mit dem Volk. So hatte Kaja den ganzen Tag für ihre Ziehtochter Zeit. Das Zimmer war nicht einladend, Grautöne zierten die Wände. Es gab außer ein Bett, ein Tisch, worauf ein großer Kerzenlüster stand, nichts mehr im Raum.

„Ein Fernseher, Radio oder einen Computer habt ihr nicht, oder?“, fragte Talia hoffend.

„Nein so etwas kennen wir hier nicht. Um Musik zu hören, singen und musizieren wir selber. Wie dir sicher schon aufgefallen ist, haben wir hier kein elektrisches Licht. Ich habe mich damals auch erst langsam daran gewöhnt, dass im Feenreich eine andere Lebensart herrscht. Wir sind hier der Natur verbunden, sie vermag nicht ohne uns leben und wir nicht ohne sie. Ich weiß, es hört sich komisch an, aber es ist die bessere Art so miteinander zu sein. Das wirst du auch bald feststellen!“ Kaja hatte ein Lächeln im Gesicht, was vielsagend war. Doch Talia hatte das Gefühl, dass Kaja ihr mehr zu erzählen vermag, es aber nicht erstrebte, als ob ein Geheimnis über Mintora herrschte.

„Jetzt lass uns schauen, was du brauchst? Ein Stuhl, ein Schrank, Regale für deine Bücher“, zählte Kaja auf. Talia nickte nur. Sie hatte sich das Leben hier anders vorgestellt, eher so wie bei ihrer Ur-Oma mit Fernseher und so. Sie fand, dass die Feen rückständig waren. Für sie gab es keine Rückkehr, da es in der Menschenwelt niemanden mehr gab, für den es sich lohnte zurückzukehren. Sie wird sich halt an dieses Leben hier gewöhnen müssen. So marschierten sie endlich los. In der Schreinerei gab Kaja die fehlenden Möbelstücke in Arbeit. Der Schreiner versprach, dass alles in fünf Tagen fertig sein würde. Talia staunte, so schnell waren die Menschen nicht. Da dauerte, es manchmal mehrere Wochen, bis ein Schrank fertig war und geliefert wurde.