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Ein Kinderbuch für Kinder ab 4 Jahre, zum Vorlesen oder Kinder die das Lesen gerade erlernt haben. Eine kleine Fledermaus sucht sich ein neues Zuhause, weil es bei seiner Familie im Kirchturm viel zu laut geworden ist und er keinen ruhigen Schlaf mehr findet, erlebt viele kleine Abenteuer und findet dabei neue Freunde und vieles mehr.
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Seitenzahl: 85
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Stefan Häring
Fledy
Abenteuer eines Fledermausjungen
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Einführung
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Impressum neobooks
In einem Kirchturm, welcher in der Mitte eines kleinen Dorfes stand, lebten seit hunderten von Jahren Fledermäuse. Noch nie
hatte eine der Fledermäuse daran gedacht, das Dorf zu verlassen. Im ganzen Dorf war es noch ziemlich ruhig an diesem Morgen. Die Menschen schienen noch alle zu schlafen und auch im Kirchturm hatten sich alle Fledermäuse an die Decke gehängt, um ihren Tagesschlaf zu halten. Nur eine schien nicht zu schlafen, als die Kirchturmuhr neun schlug. Eine kleine Fledermaus, sie hieß Fledy, bewegte sich noch.
“Ich halte diesen Lärm nicht mehr aus”, redete sie mit sich selber. “Seitdem die Menschen diese blöde Kirchturmuhr repariert haben, kann ich kaum noch schlafen. Es muss doch irgendwo noch eine andere Schlafstelle geben. Ich werde mir ein paar Sachen zusammensuchen und nach einem neuen Zuhause Ausschau halten. Wenn die anderen dabei schlafen können, ich nicht.”
Langsam ließ er sich von der Decke gleiten, band sich seinen blauen Schal um, setzte seine blaue Mütze auf und flog zur Vorratskammer. Aus ihr nahm er einige Fliegen, Nachtfalter und eine Libelle und nachdem er sie in seinen pinkfarbenen Rucksack gepackt hatte, setzte er sich ihn auf. Zu guter Letzt schrieb er noch ein paar Worte an die Wand:
Kann hier nicht mehr schlafen
Suche mir ein neues Zuhause
Melde mich bestimmt bald bei euch
In liebe euer Fledy
Nun flog er langsam zum Rand des Kirchturmes, wo er sich an einen Vorsprung hängte. Er drehte sich noch mal um und mit feuchten Augen, aus dem linken kullerte eine Träne, flüsterte er:
“Es tut mir leid, aber ich muss meinen Weg gehen. Lebt wohl!”
Behutsam breitete er seine Flügel aus und flog los, in eine ungewisse Zukunft. Da Fledermäuse Nachttiere sind, können sie am Tage kaum etwas sehen. So war es auch nicht verwunderlich, dass Fledy erst einmal einige Runden um den Kirchturm drehte, damit sich seine empfindlichen Augen an die ungewohnten Lichtverhältnisse gewöhnen konnten. Nach etwa fünfzehn Minuten konnte er mit seinen Augen die nähere Umgebung schemenhaft erkennen. Mehr brauchte er auch nicht zu sehen, da Fledermäuse sowieso fast blind sind. Hauptsächlich weichen sie mit ihren Ohren und ihrem natürlichem Radarsystem Hindernissen aus. Er drehte noch eine letzte Runde um den Kirchturm und verließ dann endgültig das Dorf in Richtung Westen.
Nach kurzem Flug erreichte Fledy einen Wald, aus dem er nach etwa zehn Minuten ein paar Stimmen vernahm. Vorsichtig flog er zu einem Baum und hing sich an einem Ast, aber so, dass er die Stimmen hören konnte.
“Heute müssen wir aufpassen”, sagte die eine Stimme.
“Warum denn?” fragte die andere zurück. “Es ist heute doch ein so schöner Tag.”
“Weil ich gehört habe, dass die zwei Menschenkinder wieder im Wald sein sollen, die bekanntlich alles jagen, was ihnen gefällt. Kannst Du dich nicht mehr erinnern, als Vetter Hopsi letzte Woche von ihnen mit Steinen beworfen wurde? Er liegt noch immer in seiner Höhle und kann kaum laufen.”
Jetzt konnte Fledy die beiden Gestalten erkennen. Nie zuvor hatte er so lustige Gesellen gesehen. Sie hatten lange Ohren und hinten einen Stummelschwanz.
“Ich werde sie ansprechen”, dachte sich Fledy, flog zum tiefsten Ast des Baumes und hing sich dort wieder dran.
“Hey, ihr beiden, wer seit ihr?”
Die beiden Gestalten fuhren vor Schreck zusammen. “Wer spricht da mit uns?”, fragte einer von ihnen.
“Zeig dich du Feigling!” rief die andere.
“Ich hänge hier oben, genau über euch. Mein Name ist Fledy. Ich bin eine Fledermaus und auf der Suche nach einem neuen Zuhause.”
Ganz erstaunt schauten die Beiden nach oben und erblickten Fledy. Dann schauten sie sich an und fingen an zu lachen, denn auch sie hatten noch nie ein Wesen gesehen, welches auf dem Kopf an einem Ast hing.
“Mein Name ist Hoppel”, sagte die erste Stimme, nachdem das lachen verstummt war, “und das ist mein Bruder Stummel. Wir sind Hasen und wohnen hier im Wald. Wir haben dich hier noch nie gesehen. Wo kommst Du her und warum suchst Du ein neues Zuhause?”
“Ich komme aus einem kleinen Dorf etwas östlich von hier”, erzählte Fledy. “Ich wohnte dort mit meiner Familie in einem Kirchturm, hoch über den Dächern der Menschen. Da wir Nachttiere sind und am Tage eigentlich schlafen, waren wir dort sicher, weil selten ein Mensch dorthin kam. Und weil wir nur Nachts aktiv sind, werdet ihr zwei auch niemals zuvor einen von uns gesehen haben. Nun haben aber die Menschen in dem Turm eine riesige Glocke angebracht, die jede Stunde läutet. Diesen Krach habe ich nicht mehr ausgehalten, so beschloss ich heute früh meinen Rucksack zu nehmen und mir einen neuen Schlafplatz zu suchen. Auch wenn ich am Tage eigentlich nicht viel sehen kann, habe ich mir vorgenommen sofort loszufliegen. Als ich dann eure Stimmen hörte, hing ich mich über euch an den Ast. - Was ist mit den Menschenkinder, erzählt mir von ihnen.”
“Es sind zwei”, sagte Stummel. “sie kommen ab und zu in den Wald, jagen, fangen und quälen uns Tiere. Du musst dich vor ihnen in Acht nehmen.”
“Wir sind ihnen vor einiger Zeit nur knapp entkommen. Vetter Hopsi hat es nicht geschafft, er wurde von einem Stein getroffen”, fuhr Hoppel fort.
“Das hört sich ja gefährlich an. In unserem Dorf hatten wir nie Probleme mit den Menschen. Aber nun muss ich wieder weiter. Es war schön euch kennen gelernt zu haben. Lebt wohl und passt auf euch auf!” sprach Fledy und winkte den Beiden zum Abschied nochmals zu.
“Wir haben uns auch gefreut. Pass auf dich auf und viel Glück bei deiner Suche, tschau!” riefen beide Hasen, wie aus einem Munde, hinter Fledy her.
Fledy flog nur einige Minuten, als er plötzlich merkte, wie sein Magen knurrte. Daraufhin beschloss er eine Rast zu machen. An einem nicht so hohen Ast, des nächstgelegenen Baumes, hing er sich an. Er hätte auch einen höheren wählen können, doch da wären ihm viele Geräusche oder Ähnliches entgangen. Er nahm seinen Rucksack ab, entnahm ihm einige Nachtfalter und einige Fliegen und fraß sie genüsslich auf. Er hatte großen Hunger, da Fledermäuse an einem Tag fast die Hälfte ihres Körpergewichtes essen. Nachdem sein größter Hunger gestillt war, wurden seine Augenlider sehr schwer und er war der Meinung, ein kleines Nickerchen machen zu müssen. Er legte seinen Rucksack auf einen Ast über sich, schloss die Augen und legte seine Flügel um seinen Körper.
Die Sonne hatte gerade den höchsten Punkt überschritten, als Fledy aus seinem traumlosen Schlaf gerissen wurde.
“Bleib ruhig und beweg dich nicht!” dachte er, sah nach unten und konnte aber nur einen großen Schatten erkennen. Da war noch einer und beide kamen näher. Fledy konnte sie miteinander reden hören, verstand aber nur Bruchstücke.
“Wir..heute..nichts..lebt..”, sagte der erste Schatten.
“..bald..Hause..Mutter..mich..” gab der andere zurück. Fledy wurde daraus nicht schlau. Wer waren diese beiden Schatten? Sie hörten sich nach Menschen an. Er öffnete seine Flügel noch ein weiteres Stück und strengte seine Augen noch etwas mehr an. Dann erschrak er, es waren zwei Menschenkinder und sofort fiel ihm Hoppel und Stummel ein, die ihn gewarnt hatten. Er verschloss wieder seine Augen und schlang seine beiden Flügel so stark um sich, wie er es noch nie in seinem Leben getan hat.
“Lieber Gott der Fledermäuse, lass die beiden vorbei gehen, ohne dass sie mich entdecken!”, dachte er, doch die Geräusche kamen näher und Fledy verstand sie jetzt sehr gut.
“Hey, Klaus, sieh mal das schwarze Etwas, was dort oben im Baum hängt. Was mag das sein?”, fragte die erste Stimme.
“Es könnte ein Wespennest sein, Micha”, sagte der als Klaus gerufene Junge.
“Nein auf keinen Fall!”, entgegnete Micha und fuhr fort, “Sei leise! Ich werde vorsichtig hinaufklettern und es in meine Tüte stecken.”
Den letzten Satz konnte Fledy nicht mehr verstehen, da die beiden Jungen jetzt viel zu leise sprachen. Er hatte auch nicht den Mut seine Augen zu öffnen. Die Geräusche kamen näher und er fühlte einen zarten Windstoß. Jetzt, viel zu spät, öffnete er seine Augen. Um ihn herum war alles dunkel. Sofort versuchte er seine Flügel auszubreiten, was ihm aber nicht gelingen wollte. Aus heiterem Himmel erzitterte der Ast an dem er hing. Vor Schreck ließ er sich fallen und landete sanft in etwas Weichem. Dann hörte er wieder die Stimme von Klaus.
“Ich habe es in der Tüte mit dem Moos und es bewegt sich. Es ist ein Tier, vielleicht ein Vogel. Ich komme jetzt wieder langsam herunter, dann schauen wir gemeinsam nach.”
Fledy, der vor Angst zitterte und nicht wusste, was er tun sollte, merkte, dass er langsam hinunter getragen wurde.
“Zeig mir mal!”, rief Micha, nachdem Klaus wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Fledy fühlte sich überhaupt nicht wohl in seiner Haut. Wie sollte er da wieder herauskommen? Seine Augen gewöhnten sich schnell an die Dunkelheit in der Tüte. Er stellte fest, dass die Hülle seines Gefängnisses recht dünn war. Langsam konnte er auch wieder einen klaren Gedanken fassen. Die beiden Menschenkinder wollten ihn sich anschauen. Bis zu diesem Moment würde er sich ruhig verhalten, um dann im richtigen Augenblick loszuschlagen. Plötzlich war dort etwas Warmes, das ihn durch die Tüte versuchte zu umfassen.
“Ich kann nicht fühlen was es ist”, hörte er Micha sagen. “Lass uns vorsichtig hineinsehen!”
“Okay!”, kam sofort zur Antwort.“ Ich halte das Etwas fest, während du langsam die Tüte öffnest. Dann sehen wir gemeinsam hinein.”
Nun wurde Fledy unsanft umfasst. Dann drang ein immer größer werdender Lichtstrahl in sein Gefängnis. Er wand den Kopf und biss mit aller Kraft in die ihn umfassende Hand.
“Aaaaah, das Vieh hat mich gebissen!”, schrie Klaus und im selben Moment ließen beide vor Schreck die Tüte los. Das war für Fledy die Gelegenheit zu entkommen. Er breitete seine Flügel aus, und bevor die Tüte den Boden erreichte, war er wieder frei.
