For Good - Ava Reed - E-Book

For Good E-Book

Ava Reed

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Beschreibung

Was würdest Du tun, wenn Du das verlierst, was Deinem Leben einen Sinn gab? Das, was Du mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt hast. Würdest Du aufgeben? Nach dem Tod ihrer großen Liebe Ben, beginnt Charlie in Trauer zu versinken. Immer wieder erinnert sie sich an die vergangenen Zeiten, in denen sie ihn kennen- und lieben lernte. Doch der Verlust droht sie zu ersticken und blind zu machen für das, was das Leben ausmacht. Charlie zieht sich völlig zurück und beginnt zu verstehen, dass nichts je wieder so sein wird wie es einmal war.

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Beliebtheit




Ava Reed

For Good

Eine Geschichte über die Liebe und das Leben

Astrid Behrendt Rheinstraße 60, 51371 Leverkusenwww.drachenmond.de, [email protected]

Satz, Layout Martin Behrendt

KorrektoratMichaela Retetzki

IllustrationenShutterstock

Umschlaggestaltung Rica Aitzetmueller

ISBN: 978-3-95991-963-2 ISBN der Druckausgabe: 978-3-95991-961-6

Inhalt
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
Danksagung

FürJeden,der weiß, was es bedeutet, zu fallen und wieder aufzustehen.

Saskia SeifertDu warst die Erste, die diese Geschichte in ihr Herz gelassen hat und jedes Wort davon versteht. Du bist ein Teil hiervon.

Meine FamilieDanke, Mama, für deine Liebe und alles, was du mir gegeben hast. 

Danke, Papa, dass ich deinen Humor und deine Sturheit geerbt habe.

Danke, dass ihr mir gezeigt habt, wie wichtig es ist,  für sich und andere einzustehen. Danke, dass ihr es versteht, wenn ich für ein Eichhörnchen bremse und dafür lieber in den Graben fahre. Danke, dass ich durch euch an die wahre Liebe und einen Sinn im Leben glaube.

Meinen FreundDu bist mein Ben!

For Good – Like always Das waren deine Lieblingsworte. Nicht für immer, sondern wie immer. Als würde es nicht nur für immer so bleiben, sondern wäre einfach auch schon immer so gewesen.

Aber das stimmt nicht, nicht wahr? Nichts ist wie immer und nichts kann wie immer sein. Auch wenn wir uns wünschen, dass sich nichts verändert, so tut uns das Leben diesen Gefallen nicht.

1. Kapitel

Gegenwart

»Die Liebe trägt die Seele,

wie die Füße den Leib tragen.«

Katharina von Siena

Ein paar Sonnenstrahlen stehlen sich durch den Vorhang und scheinen mir ins Gesicht. Es ist viel zu hell. Meine Augen fühlen sich immer noch geschwollen an und meine Glieder zu schwer. Ich will nicht aufwachen, noch nicht. Ich möchte bei dir bleiben, in deinen Armen liegen und dein Lachen hören. Doch ich merke, wie du anfängst zu verblassen. Ich kann dich nicht festhalten und möchte schreien. Ich möchte schreien und nie wieder damit aufhören.

Ich öffne die Augen und sehe Peppers Kopf auf dem Rand des Bettes liegen. Vor ein paar Tagen hat Dad ihr eine Hundeklappe an die Tür zum Garten gebaut, damit sie selbst raus kann. Wir haben kaum ein Wort gewechselt und ich bin sicher, er war nur hier, weil Mum ihn dazu gedrängt hat.

Ich habe es versucht, aber ich kann nicht mehr mit Pepper spazieren gehen. Ich gehe mit ihr nur in den Garten.

Sie wird langsam alt, Ben. Ihr schwarzes, zotteliges Fell fühlt sich nicht mehr so weich an, über ihre Augen scheint sich ein Schleier gelegt zu haben und ich weiß nicht, ob du es gesehen hast, aber sie hat sogar schon ein paar graue Haare bekommen. Und sie vermisst dich. Sie vermisst wahrscheinlich uns beide.

Ich streichle Pepper über den Kopf, sehe in ihre sanften Augen und versuche aufzustehen, damit der Tag endlich an mir vorüberziehen kann. Fast fünf Wochen ist es jetzt her. Die Wäsche stapelt sich im ganzen Haus, wie auch der Müll und die Post auf der Kommode im Flur. Es ist mir egal. Das hier ist nicht länger mein Zuhause und ich kann nichts dagegen tun.

Meinen Job könne ich in dieser Phase meines Lebens nicht ausüben. Man meine es ja nur gut mit mir. Ich bin Ärztin – oder war es einmal. Ich weiß es nicht mehr.

Ich gehe zum Spiegel im Badezimmer und sehe darin mein blasses, eingefallenes Gesicht und die Augenringe unter den geschwollenen Augen, die kaum noch blau leuchten. Mein blondes welliges Haar wirkt stumpf und hängt lieblos über meine Schultern, bis zum letzten Rippenbogen. Wenn du mich jetzt sehen könntest. Du würdest wahrscheinlich trotzdem lächeln und sagen: »Auch so bist du wunderschön. Wie immer.«

Eine Träne stiehlt sich aus meinem Auge und ich versuche, dein Bild aus meinem Kopf zu verdrängen und mit ihm den Schmerz.

Pepper rennt plötzlich nach unten und bellt, reißt mich damit aus meinen Gedanken. Es hat geklingelt. Wie spät ist es eigentlich? Ich ziehe mir schnell eine Jeans über, eine der wenigen, die noch passen, und eines der letzten sauberen Shirts. Auf dem Weg nach unten frage ich mich, ob ich die Tür wirklich öffnen möchte, ob ich wirklich jemanden sehen und mich mit jemandem unterhalten möchte. Denn alles dreht sich nur um dich – und ich bin mir nicht sicher, ob sie verstehen können, was das bedeutet.

»Pssst, Pepper. Das ist bestimmt nur die Post.« Hoffentlich. Ich schiebe Pepper zur Seite, um die Tür zu öffnen. Meine Mutter strahlt mich an.

»Kleines, wie siehst du denn aus? Und was machst du noch hier drin? Es ist Frühling, die Sonne scheint und Pepper würde sich bestimmt freuen, mal wieder mit dir spazieren zu gehen. Der Garten ist zwar groß und schön, aber ein bisschen Abwechslung schadet nie.« Sie tritt an mir vorbei, während sie redet, und schaut sich im Haus um. Ich sehe es ihr an, sie will nicht hier sein. Sie sieht in den Flur, erblickt das Chaos in der Küche, das Chaos im ganzen Haus und Stück für Stück verliert sich das Lächeln in ihrem Gesicht. Dann schaut sie mir in die Augen und da sehe ich es. All das, was ich nicht sehen möchte. All das, was diesen Albtraum real werden lässt: Angst, Mitleid und Unverständnis.

»Charlotte, ich weiß, es ist schwer, aber du musst weiterleben, mein Kind. Dein Dad und ich, wir machen uns wirklich große Sorgen um dich. Hat er mit dir gesprochen, als er bei dir war? Wenn ich das hier so sehe, dann …« Sie macht eine ausholende Bewegung mit ihrer Hand und verzieht dabei ihr Gesicht. »Brauchst du Hilfe? Möchtest du dich vielleicht mit jemandem unterhalten, der dafür qualifiziert ist? Ich meine … ich …« Sie schließt kurz die Augen und macht eine kleine Pause. »Möchtest du mit mir darüber reden? Du hast mit niemandem mehr geredet seit diesem Tag. Ich meine wirklich richtig. Er kommt nun mal nicht wieder.« Mitleidig blickt sie mich an, kommt auf mich zu und hebt die Hand. Ich kann nicht zulassen, dass sie mich berührt. Es würde nur wehtun. Also weiche ich ihr aus und schaffe es nicht, sie weiter anzusehen. Ich kann nichts sagen, sie würde es sowieso nicht verstehen – nicht wirklich. Leise geht sie deshalb an mir vorbei und sagt mir noch auf Wiedersehen, dann schließt sich die Tür hinter ihr und ich bin wieder allein.

Nein, niemand weiß, wie schwer das ist. Und wer weiß schon, was es bedeutet zu leben?

Es ist bereits Abend. Ich sitze auf der Veranda und sehe, wie die Sonne langsam untergeht, der Tag sich dem Ende neigt und die Nacht ihren Anfang findet. Pepper liegt zu meinen Füßen und schläft, so wie immer. Manche Dinge ändern sich und manche Dinge bleiben – manche bleiben, wie sie immer waren. Aber meistens nicht die, von denen wir es uns wünschen. Die Dinge und Momente des Lebens, die wir am meisten und mit aller Kraft festhalten wollen, sodass sie auf ewig bleiben, die werden uns entrissen oder ändern sich viel zu schnell.

Weißt du noch, als du das letzte Mal mit mir hier gegessen hast? Wir haben unseren ersten richtigen Urlaub geplant, der uns über die Grenzen dieses Landes führen sollte. Wir wollten über die Chinesische Mauer gehen, den Nil befahren und in Thailand richtiges thailändisches Essen probieren. Wir wollten neue Kulturen entdecken und neue Länder. Wir wollten zusammen sein. Nach all der Planung schlief ich neben dir ein, hier auf dieser Bank. Erinnerst du dich? Mein Kopf lag auf deiner Schulter. Du hast mich hochgehoben und ins Bett getragen, mich zugedeckt und mir einen Kuss auf die Stirn gegeben.

»Gute Nacht, Charlie.« Du hast mir nie einen Kosenamen gegeben. Du hast gesagt, Charlie würde schön genug klingen. Und so, wie du meinen Namen ausgesprochen hast, habe ich es dir geglaubt.

»Du kommst gleich nach, oder?«, habe ich gemurmelt.

»Natürlich.«

»Ich liebe dich.«

Du hast jedoch gelächelt und gesagt: »Wie immer.« Nie sagtest du, dass du mich liebst, aber du hast es getan. Wie immer. Es war ein Versprechen, das du mir gabst und das du nicht halten konntest.

Wenn ich heute an diese Momente zurückdenke, frage ich mich, ob es jemanden gibt, der einen Plan für uns hat. Für uns alle. Gibt es das Schicksal wirklich? Oder können wir alle selbst bestimmen? Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied macht, ob wir ihn überhaupt bemerken würden. Wir bemerken so vieles nicht. Wir sehen nicht, was wir haben, bis wir es verlieren. Wir nehmen vieles viel zu ernst und vieles wiederum nicht. Wir sind zu selten glücklich mit dem, was wir haben. Das weiß ich jetzt. Jetzt, nachdem ich dich verloren habe und es kein Zurück mehr gibt.

Ich nehme meine Decke und gehe ins Haus. Ich bin müde, obwohl ich den ganzen Tag nichts getan habe. Pepper folgt mir leise und legt sich in ihr Körbchen im Wohnzimmer, neben der Couch. Ich sehe das viele Geschirr, den Müll, die Unordnung und ich habe keine Kraft, etwas dagegen zu tun. Und während ich so dastehe, frage ich mich, wann ich endlich gehen kann. Zu dir. Ich frage mich, was der Plan für mich ist und wann ich dich endlich wiedersehen kann.

Ich zucke zusammen, als das Telefon klingelt. Der Anrufbeantworter geht an und sagt in vertrautem Ton: »Hier sind Charlie und Ben. Hinterlasst uns eine Nachricht, denn wir sind gerade nicht da! Bis baaald.« Peeep.

Deine Stimme zu hören, kommt so unerwartet. Ich wusste nicht mehr, dass wir dieses Band aufgenommen haben.

»Hey, Charlie. Du bist doch zu Hause, das weiß ich. Nun nimm schon ab. Ich habe seit Wochen nichts von dir gehört. Ich wollte dir nur sagen, dass es schön wäre, dich wiederzusehen und dass ich hoffe, dass du irgendwie klarkommst. Wenn ich dir helfen kann, egal wie, dann … Ach verdammt, ich weiß es auch nicht.« Mia macht eine Pause und seufzt tief, bevor sie weiterredet. »Ich habe heute jemanden eingestellt. Ich dachte … na ja, damit du dir länger Urlaub nehmen kannst. Sie assistiert mir nur. Ich hoffe, das ist okay für dich. Bitte ruf mich zurück. Und bitte, pass auf dich auf.« Klick.

Mia ist meine beste Freundin. Wir haben unseren Abschluss in Tiermedizin gemeinsam gemacht und nach zwei Jahren Assistenzzeit zusammen eine Praxis übernommen.

Ich weiß nicht, ob ich je wieder zurück kann.

2. Kapitel

Erinnerungen

Komm schon, Charlie! Du kannst mich doch jetzt nicht alleine lassen. Es ist nicht mal Mitternacht«, schrie Mia und warf mir böse Blicke zu, während uns die Musik in den Ohren dröhnte.

Wir waren gerade erst an die Uni gekommen, erstes Semester und noch Frischlinge oder auch die Unwichtigen, wie Mia so schön sagte. Und nun befanden wir uns auf einer Studentenparty bei jemandem, der jemanden kannte, der jemanden kannte, der Mia auf dem Weg zum Hörsaal eingeladen hatte. Kurz: Ich hatte keine Ahnung, wer die ganzen Leute hier waren.

»Charlie, wir müssen uns einen Ruf aufbauen!« Mia schaute wie ein angeschossenes Reh und wusste ganz genau, dass ich da kaum widerstehen konnte. Skeptisch sah ich mich nochmals um. Und was sah ich? Zu viele Mädchen, die viel zu wenig anhatten. Nicht, dass ich prüde war, aber wenn man kaum noch raten musste, ob jemand Unterwäsche trug oder nicht, dann trug man eindeutig zu wenig – und es gab Drogen, viel zu viele Drogen. Ich wusste nicht, was hier alles von Hand zu Hand ging und ich wollte es auch nicht herausfinden.

Mein Blick wanderte weiter durch die Menge, während ich die Nase krauszog und den Bass unter meinen Füßen spürte. Mias Blick ruhte immer noch auf mir, als ich mir die tanzenden und schwitzenden Menschen ansah und überlegte, ob ich tatsächlich bleiben sollte. Aber mir wurde klar, wenn ich hierblieb, würde ich zu trinken beginnen und die Kontrolle verlieren, denn ich vertrug einfach keinen Alkohol. Wenn das passierte, wüsste ich nicht, wie dieser sogenannte Ruf dann am nächsten Tag aussehen würde. Ich begegnete Mias Blick und wollte es ihr erklären, aber sie hörte bereits auf zu betteln. Sie sah mir an, dass ich trotz ihres Rehaugen-Blicks nicht umzustimmen war.

»Ach, das gibt es doch nicht. Die erste Party unseres Studiums und du lässt mich hier alleine vor Mitternacht sitzen.« Sie band ihre schulterlangen roten Haare zu einem Zopf zusammen und schaute mich weiterhin grimmig an. Ihr kurzes Top und die auf der Hüfte sitzende Jeans waren perfekt. Sie zeigte nicht zu viel, aber gerade so viel, dass man neugierig wurde. Mia hatte ein Talent dafür. Ihre grünen Augen waren bereits etwas glasig, anscheinend tat der Alkohol schon seinen Dienst.

»Mia, du bist nicht allein. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie viele Typen dich in den letzten zehn Minuten angestarrt haben.«

Sie lächelte und wusste, dass ich recht hatte. Da war er auch schon: Mein Retter in der Not.

»Hallo, darf ich dir etwas zu trinken holen?« Er schaute Mia ganz verträumt an. Mit seinem blonden Haar und seinen hellen Augen sah er auch wirklich süß aus und Mia schien nicht abgeneigt zu sein. Doch bevor sie etwas dazu sagen konnte und noch während sie ihn mit schräg gelegtem Kopf musterte, nahm ich das selbst in die Hand.

»Ja. Sie hat mir gerade gesagt, dass es schön wäre, wenn ihr noch jemand einen Tequila bringen würde.« Ich grinste sie schelmisch an. Oh ja, morgen würde sie mich umbringen. Sie kniff die Augen zusammen und das sagte mir, dass ich das auf alle Fälle zurückbekommen würde. Doch für heute hatte ich genug, deshalb sagte ich ihr ganz schnell auf Wiedersehen, gab ihr einen Kuss auf die Wange und ignorierte lachend ihre strafenden Blicke. Sie würde schon klarkommen. Mia konnte immer auf sich aufpassen. Also schnappte ich mir meine Jacke von der Garderobe, zog sie an und verließ die Party.

Draußen war es ziemlich kalt. Ich schloss meine Jacke und zog den Kragen weiter nach oben, damit der Wind mir nicht allzu sehr ins Gesicht schlug. Der Campus lag weitestgehend still vor mir, man hörte nur die grauenhafte Musik der Party im Hintergrund. Mein Auto stand hinter dem Universitäts-Gelände in einer Seitenstraße. Leider hatten Studenten keine Möglichkeit, den Parkplatz auf dem Gelände zu nutzen.

Ein Pfiff. Schritte. Sie rissen mich aus meinen Gedanken und übertönten das Pfeifen des Windes. Ich versuchte, ruhig weiterzugehen. Schließlich waren wir hier nicht in einem schlimmen Viertel, sondern auf einem Universitäts-Campus und die Leute wollten bestimmt auch nur auf diese Party oder nach Hause gehen. Nicht mehr.

»Heeey, warte doch mal. Was rennst’n du so?«

»Ja, Puppe, warte doch mal.«

Ich hoffte, dass noch jemand anderes namens Puppe über diesen verlassenen Campus lief und nicht ich damit gemeint war. Ich versuchte, nicht darauf zu reagieren, ging einfach weiter und heftete meinen Blick auf den Boden, doch im nächsten Moment sprang jemand direkt vor mich. Ich erschrak, stolperte rückwärts und stieß gegen eine weitere Person. Es war dunkel, es war kalt und windig – und ich roch Alkohol, jede Menge davon.

»Warum bist’n du so allein hier unterwegs? Komm doch mit. Wir kenn’ da ’ne echt coole Party.« Der beißende Geruch von Schweiß und hochprozentigem Alkohol schlug mir entgegen.

Es waren zwei Männer.

»Danke, aber ich bin auf dem Weg nach Hause. Ich war bereits kurz auf dieser Party. Aber vielen Dank für die Einladung«, sagte ich, während ich versuchte, an dem Typ vor mir vorbeizugehen. Immer schön höflich bleiben, das war die Devise.

Es brachte nur nichts. Verdammt!

»Schön hiergeblieben, wir waren noch nicht fertig«, sagte der Typ, über den ich als Erstes gestolpert war, und hielt mich am Arm fest. Ich konnte ihn kaum verstehen, so stark nuschelte er. Seine Haare standen wirr von seinem Kopf ab und seine Augen funkelten bedrohlich.

»Wir …«

»Was ist denn hier los?« Ich zuckte zusammen. Eine tiefe Stimme durchschnitt die Nacht, unterbrach den Typen vor mir und lenkte unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ich drehte mich um. Ein weiterer Mann kam auf mich zu. Sein Gesicht wirkte ernst und markant, soweit ich das erkennen konnte. Er sah mir direkt in die Augen, ließ seinen Blick über mein Gesicht wandern, um ihn schließlich den anderen zuzuwenden. Seine Stimme, so dunkel und tief, so anders, dass ich sie wohl nie vergessen würde, drang erneut zu mir.

»Schatz, ich warte schon die ganze Zeit auf dich. Wo bleibst du denn?« Eine Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen.

»Ich, äh … also …« Ich stotterte, meine Stimme klang dünn und ängstlich. Super, Charlie! Ganz toll. Das kannst du doch besser.

»Ey, sorry. Wir wussten ja nicht, dass sie einen Freund hat.«

»Ja, genau.« Die zwei sahen so verwirrt aus, wie ich mich fühlte. Doch die Hand des einen Typen hielt mein Handgelenk noch immer fest. Beide bewegten sich nicht.

Als der Mann mit der dunklen Stimme bei mir ankam, mir den Arm um die Schultern legte und fragte, ob er sonst noch etwas für die beiden tun könne, ließen sie mich schließlich gehen, drehten sich um und stolperten zu ihrer Party. Das alles passierte so schnell, dass ich es kaum schaffte, meine Gedanken zu sortieren.

Ich atmete mittlerweile schwer und rührte mich noch immer keinen Zentimeter. Als ich mich schließlich dazu durchringen konnte, zu meinem Retter hochzusehen, sah ich in zwei wunderschöne braune Augen. Er lächelte ein wenig, seine braunen Haare waren vom Wind ganz zerzaust und hingen ihm ins Gesicht. Eine tiefe Narbe zog sich über seine Wange und quer durch seinen Dreitagebart. Er war groß und hatte breite Schultern, seine Muskeln waren auch durch seinen Mantel zu erahnen, sein Gesicht wirkte männlich, kantig und irgendwie rustikal, wenn man das von einem männlichen Wesen behaupten konnte. Er hatte markante Züge und er roch einfach nur nach Mann. Seine beinahe sanften Augen passten kaum in dieses Bild.

Okay, Charlie. Sag jetzt etwas, etwas Nettes und Intelligentes. Und hör um Gottes willen auf, ihn anzustarren …

»Ist bei Ihnen alles in Ordnung?«

»Was?« Oh, verflucht. »Ich meine, ja. Danke.«

Warum hatte er mich denn immer noch im Arm? Ich wand mich ein wenig. Nicht weil es mir unangenehm war, sondern weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte.

»Danke, dass Sie mir geholfen haben. Ich war gerade auf dem Weg zu meinem Auto, als …«, ich stockte und schluckte schwer. Für einen Moment genoss ich es, ihm so nahe zu sein. Mich sicher zu fühlen, durch einen Fremden.

»Ich bringe Sie zu Ihrem Auto, wenn Sie nichts dagegen haben. Die Party läuft mir nicht davon.« Da war es wieder, dieses Lächeln. Ich nickte zaghaft und er entließ mich aus seiner Umarmung, damit wir gemeinsam zu meinem Auto gehen konnten. Schweigend.

Gleich seid ihr da, warum sagst du nichts, Charlie? Los!

»Also, nochmals vielen Dank.«

»Keine Ursache, wirklich.«

»Studieren Sie?« Ich riskierte einen Seitenblick und musterte verstohlen sein Gesicht.

»Nein.«

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Er wirkte in Gedanken versunken. Nicht abweisend, aber abwesend.

»Sie sind nicht zufällig Polizist, oder? Ich glaube, das würde gut zu Ihnen passen.« Er schwieg. »Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, ich …«

»Nein, das sind Sie nicht. Ich habe nur noch nie darüber nachgedacht, Polizist zu werden. Ich habe immer mal wieder einen anderen Job und dachte eigentlich, ich wäre zufrieden damit.« Dieses Geständnis erstaunte mich. Als ich in sein Gesicht blickte, sah ich auch in dem seinen leichte Verwunderung. Ich glaubte nicht, dass er mir, einer Fremden, etwas Derartiges einfach so erzählt hatte. Es war wahrscheinlich ein Versehen gewesen. Und so wie sein Kiefer mahlte, hatte ich wohl recht damit.

Wir waren da. Ich kramte den Autoschlüssel aus meiner Tasche, ziemlich langsam, und traute mich, ihn nochmals anzusehen. Lächelnd forderte ich mein Glück heraus und sagte: »Vielleicht sollten Sie darüber nachdenken. Sie können ziemlich gut beschützen.«

Er lachte. »Vielen Dank für Ihren Rat. Kommen Sie gut nach Hause.« Er hob die Hand – und er ging.

Ich sah ihm nach, wie er sich immer weiter entfernte, und hoffte wohl, er würde sich noch mal umdrehen. Ich überlegte, wie bescheuert es wäre, auf einer Skala von eins bis eine Million, ihm hinterherzulaufen.

Ich tat es nicht.

3. Kapitel

Gegenwart

»Bei dir sind meine Gedanken

Und flattern um dich her;

Sie sagen, sie hätten Heimweh,

Hier litt es sie nicht mehr!

Bei dir sind meine Gedanken

Und wollen von dir nicht fort;

Sie sagen, das wär’ auf Erden,

Der allerschönste Ort!

Sie sagen, unlösbar hielte

Dein Zauber sie festgebannt;

Sie hätten an deinen Blicken

Die Flügel sich verbrannt.«

Friedrich Halm

Obwohl der Anruf von Mia bereits zehn Minuten zurückliegt, stehe ich noch neben der Couch im Wohnzimmer. Ich sehe mich um, lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, während meine Gedanken nur so dahinfliegen.

Ben, erinnerst du dich, wie oft wir hier gesessen und Kino-Abende mit Freunden veranstaltet haben? Wie oft du mich hier in den Arm genommen hast, während du in ein Buch versunken warst? Ich tue es. Ich denke jede verdammte Minute daran. Daran, dass du hier nie wieder mit mir sitzen wirst, daran, dass alles hier ohne dich kalt wirkt, anders.

Wir haben das Haus erst vor sechs Monaten bezogen und ein Karton von dir steht immer noch unausgepackt unter der Treppe. Ich habe mich nicht getraut, ihn zu öffnen. Wer weiß, was ich darin finde. Wer weiß, wie viele Erinnerungen darin verborgen liegen.

Ich denke daran, dass du, als wir eingezogen sind, angefangen hast, mir kleine Nachrichten zu hinterlassen, jeden Tag eine. Du hast sie auf ein kleines, buntes Post-it geschrieben und irgendwo im Haus versteckt. Meist so, dass ich sie im Laufe des Tages finden konnte. In meiner Müslischale, meinem Teebecher, neben meinem Wecker, in meinem Portemonnaie oder im Briefkasten. Manchmal stieß ich jedoch nicht von alleine darauf und als ich dich am Ende des Tages fragte, wo mein Zettelchen sei, sagtest du lachend zu mir, dass ich es schon irgendwann finden werde.

Ich weiß nicht, wie viele Zettel, wie viele Nachrichten und wie viele Erinnerungen hier noch versteckt sind. Ich habe Angst davor, sie zu finden.

Das ganze Haus ist voller Erinnerungen. An jeder Ecke liegen sie verborgen und erwachen, wenn man an ihnen vorbeigeht. Es ist komisch, wie schnell man schöne und wundervolle Dinge mit einem Ort verbinden kann.

Ich überlege, unser Haus zu verkaufen, Ben. Das hier war unser Traum und unsere Zukunft, unsere gemeinsame, nicht allein meine. Aber es gibt jetzt nur noch mich. Ich bin mir nicht sicher, ob dir dieser Gedanke gefällt, wohl eher nicht, aber du wärst nicht böse, wenn es mir dadurch vielleicht besser ginge. Denn du bist überall. In jeder Ecke dieses Hauses. Du bist das Licht, das morgens durch die Fenster dringt, du bist das Knarzen der Treppe und die Wärme des Kamins. Du bist jeder Schatten des Hauses.

Wie kannst du gleichzeitig alles und nichts sein? Wie kann es sein, dass ich dich noch überall sehe, überall rieche und deine Stimme immer noch höre? Wie kann es sein, dass alle anderen dich schon zu vergessen scheinen? Und warum gibt es für uns kein wie immer?

Ich schließe kurz die Augen und versuche, alles nicht noch schlimmer zu machen. Beinahe hätte ich laut aufgelacht. Als ob das noch möglich wäre. Rein gar nichts wäre schlimmer, als es das nicht ohnehin schon ist.

Es ist zwar schon spät, dennoch gehe ich nicht ins Bett, sondern lege mich auf die Couch, um mir die Bilder über dem Kamin anzusehen. Sie scheinen aus einer anderen Welt zu sein, so weit weg, von einem Ort, an dem wir zusammen waren.

Wusstest du, dass man heutzutage bereits als depressiv gilt, wenn man nach zwei Wochen noch um jemanden trauert? Heute darf man nicht mehr trauern, man soll nur noch funktionieren. Jeder schaut dich ab einem gewissen Punkt an, als wärst du krank. Man hört ihre Gedanken: Langsam müsste sie sich doch damit abfinden oder Sie muss endlich wieder anfangen zu leben. Sie kann nicht ewig trauern und Das ist doch nicht normal. Am schlimmsten ist jedoch So ist das nun einmal im Leben.

Ich schnaufe. Was ist denn, wenn ich das nicht akzeptieren kann?

Nur weil man glaubt, etwas zu verstehen, heißt das nicht, dass man das wirklich tut. Und was wissen wir Menschen schon vom Leben? Wahrscheinlich viel zu wenig. Wir haben für alles Worte, für jeden Gegenstand, jedes Lebewesen und jedes Gefühl dieser Welt. Damit wir es greifbar machen können, erklärbar, damit es uns weniger Angst macht. Aber was ist, wenn das nicht funktioniert? Wenn wir merken, dass wir erklären wollen, was uns beschäftigt und die anderen nur die Wörter verstehen, die wir benutzen, aber nicht das Gefühl und den Gedanken dahinter. Das, was uns bewegt und sich für uns hinter den Wörtern versteckt. In diesem Moment sind wir allein – auch wenn wir inmitten einer Masse von Menschen stehen.

Ich habe Mia und meinen Eltern kurz nach deiner Beerdigung versucht zu erklären, wie ich mich fühle, habe Begriffe wie Verlust und Liebe, Schmerz und Angst benutzt. Ich glaube wirklich, dass sie versucht haben, es zu verstehen, Ben, aber sie konnten es nicht. Ich glaube, dass niemand wirklich weiß, was all diese Begriffe bedeuten, wenn er das Gefühl dahinter nicht selbst gespürt hat. Selbst dann weiß er nur, was es für ihn bedeutet, wie es sich für ihn selbst anfühlt.

Aber niemals wird jemand wissen, was diese Worte für mich sind und was du für mich warst.

Ich denke, Tom Hanks hatte recht, als er als Forrest Gump sagte, das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen – man wisse nie, was man bekommt. Doch auch die größte Pralinenschachtel ist irgendwann leer. Und jede Schachtel enthält auch Pralinen, die einem nicht so gut oder gar nicht schmecken, nur dass man das erst erkennt, wenn man sie probiert hat. So ist es auch mit dem Leben. Man weiß nie, was der nächste Tag bringt, ob er uns Gutes will oder uns in den Abgrund reißt. Ich meine die Tage, an denen das Leben uns Abermillionen Steine in den Weg legt, uns dann einfach nur belächelt und erwartet, dass wir die Steine wieder fortschaffen.

Und irgendwann ist alles zu Ende. Mehr gibt es nicht im Leben, oder? Einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende. Viele Menschen denken, dass dies alles ist, dass danach einfach Schluss ist. Wir versuchen unser Leben lang, die Steine, die uns im Weg liegen, beiseite zu tragen und egal, ob wir es geschafft haben oder nicht, irgendwann schließen wir die Augen, hören auf zu atmen und sind nicht mehr.

Andere glauben, dass wir in den Himmel oder die Hölle kommen oder wiedergeboren werden, dass unsere Seele weiterleben wird. Ist das denn möglich? Ich muss gestehen, ich war nie besonders gläubig, Ben. Doch heute bin ich mir nicht mehr so sicher, was und ob ich glauben soll. Denn was bliebe mir, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, dich wiederzusehen? Die Hoffnung darauf, den Gedanken und den Glaube daran, dass es passieren könnte. Dass es eine Möglichkeit gibt, vielleicht noch einmal in deine Augen sehen zu können.

Was wäre, wenn wir uns im Himmel wiedersehen würden oder uns in unserem nächsten Leben wiederfänden? Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir nichts anderes vorstellen, vielleicht möchte ich das auch gar nicht. Denn dann müsste ich mir eingestehen, dass es nur dieses Leben gibt, nur dieses eine, und dass wir keine Möglichkeit haben, daran etwas zu ändern. Das ist nicht das, was ich glauben möchte.

Kann sich jemand vorstellen, nicht mehr zu fühlen und zu atmen? Kann man sich vorstellen, einfach nicht mehr zu sein … nie wieder?

Fünf Wochen, Ben. Vor fünf Wochen hat sich mit einem Schlag alles verändert. Warum kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen?

Ich merke, dass ich immer weniger Hunger habe und mir immer häufiger schlecht ist. Manchmal ist mir schwindelig. Und manchmal, viel zu selten, überschwemmt mich eine Welle der Erinnerung, der Liebe. Ich schließe die Augen, um auf ihr zu reiten, breite die Arme aus und atme tief ein, bis ich falle und glaube zu ertrinken, bis das Wasser mir ins Gesicht schlägt und mit ihm die Realität.

Ich sitze mittlerweile auf dem Boden und lehne an der Wand im Flur, neben der Treppe. Pepper liegt neben mir. Langsam streiche ich durch ihr Fell und versuche, alles zu vergessen. Wusstest du, dass ich an den Moment gedacht habe, an dem wir uns kennengelernt haben? Wie ich dich das erste Mal sah und noch nicht ahnte, was alles auf mich zukommen würde? Ich habe oft daran gedacht. Es sind schöne Erinnerungen.

Ich frage mich, ob ich mich anders entschieden hätte, wenn ich gewusst hätte, wie alles endet.

Ich lächle.

Nein, niemals. Du und ich, wir wären zusammen gewesen, wie immer. Trotzdem möchte ich jetzt fliehen vor der Wahrheit, der Realität, der Übelkeit und dem Chaos um mich herum.

Aber vor dem Leben kann man nicht fliehen – nicht wirklich.

4. Kapitel

Erinnerungen

Endlich Feierabend!«, sagte Lou zu mir, als wir unseren letzten Patienten versorgt hatten. Ein Routineeingriff, eine Katze musste kastriert werden.

Lou war mein Chef und der netteste Tierarzt, den ich bisher kennenlernen durfte. Er war bereits fünfundsechzig Jahre alt, liebte aber seinen Job und konnte sich bisher noch nicht davon trennen. Er hatte ein herzliches Gemüt, ein kleines Bäuchlein und struppige weiße Haare.

Ich hatte zwar endlich mein Examen und war offiziell selbst Tierärztin, nach knapp sechs aufregenden und anstrengenden Jahren, dennoch fühlte ich mich heute noch wie eine blutige Anfängerin. Lou hatte mich vor zwei Monaten eingestellt und seither arbeitete ich hier mit ihm zusammen, als seine Assistenz.

Der heutige Tag war bisher relativ normal gewesen. Sara, die vorne am Empfang arbeitete, machte gerade die letzten Rechnungen fertig und Lou zog sich bereits seine Jacke an. Es war einundzwanzig Uhr, die Praxis war eigentlich schon seit einer halben Stunde geschlossen. Aber so war das nun mal. Ich musste selbst noch ein wenig aufräumen und die Ablagen desinfizieren.

»Bleib nicht mehr zu lange, Charlie! Wir sehen uns morgen in alter Frische«, sagte Lou lachend und ging nach Hause.

Während Sara alle fünf Minuten fluchte, weil sie Rechnungen schreiben und Papierkram erledigen wirklich nicht ausstehen konnte, reinigte ich die Ablagen und sorgte dafür, dass alles für morgen bereitstand.

Als ich mit allem fertig war und gerade meine Jacke im Nebenzimmer des Behandlungszimmers anzog, hörte ich laute Stimmen aus dem Vorzimmer. Sara fluchte gerne, aber bisher hatte sie noch nie Selbstgespräche geführt.

»Entschuldigen Sie, wir haben geschlossen. Hallo?«, drang Saras genervte Stimme zu mir.

In diesem Moment sprang die Tür des Behandlungsraums auf, die zuvor leicht angelehnt war, und ein Mann trat schnellen Schrittes auf den Behandlungstisch zu. Er legte seinen Hund, so wie es aussah, einen schwarzen Retriever-Mischling, auf dem Tisch ab, während er Sara entgegnete, dass dies ein Notfall war und er keine Rücksicht auf Öffnungszeiten nehmen konnte. Ich war schon ziemlich müde, aber ich konnte und wollte diesen Hund nicht nach Hause schicken, denn er blutete an seiner Pfote.

»Danke, Sara. Ich mache das schon. Du kannst vorne abschließen, wenn du mit allem fertig bist, und dann nach Hause gehen.«

Sara kniff die Augen zusammen und verließ den Raum, nicht ohne dem Eindringling nochmals giftige Blicke entgegenzuschleudern.

Nachdem ich meine Jacke wieder gegen meinen Kittel getauscht hatte, trat ich zu den beiden an den Tisch, den Blick auf den Hund vor mir gerichtet, und schaute ihn mir genau an.

»Was ist passiert?«, fragte ich, während ich mir die vordere rechte Pfote ansah.