Fragende sind nicht unwissend - Helmut Reder - E-Book

Fragende sind nicht unwissend E-Book

Helmut Reder

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Beschreibung

Das vorliegende Buch sucht Leserinnen und Leser, die gern bekannten und unbekannten Wahrheiten nachspüren. In 100 Texten werden Fragen nach dem Sinn des Lebens gestellt. Die Weisheiten der Bibel bilden einen Schwerpunkt des Buches. Denkerinnen und Denker bringen eigene Sichtweisen ein. Der Autor glaubt nicht alles, was scheinbar unverrückbar in Bekenntnisse gefasst wurde. Die Frage nach Gott und dem Leid in der Welt beschäftigt die Menschheit. Dieses Thema wird von verschiedenen Seiten betrachtet. Die Frage ist wichtig um in schweren Zeiten nicht zu verzweifeln. Verbindliche Antworten gibt es nicht. Eine Religion oder eine christliche Konfession kann nicht die ganze Wahrheit über Gott und die Rätsel der Welt kennen. Der Alleinvertretungsanspruch einer Religion oder einer Glaubensrichtung wird hinterfragt. Weitere Themen sind der Zweifel als Bruder des Glaubens und die Auseinandersetzung mit dem Alter und unserer Vergänglichkeit. Die dunkle Seite von Religion wird betrachtet, sowie unsere Veantwortung für unsere Welt. Manchmal gelten zwei Wahrheiten gleichzeitig, obwohl diese sich scheinbar widersprechen. Im ganzen Buch sind den Texten ergänzende Gedanken aus Literatur und Philosophie zugeordnet. Diese stehen manchmal bewußt im Widerspruch zueinander. Der fragende Zweifel ist eine postivie Energie. Antworten stellen sich ein, wenn wir sie mit unserem Leben füllen können. Wer neugierig bleibt öffnet seine Sinne für die Vielfalt, das Schöne und das Bunte in der Welt. Es gibt Gläubige, die mit der Gewissheit leben, die Wahrheit über Gott und die Menschen zu kennen. Sie werden das Buch nicht verstehen. Das Buch sucht Menschen, die im Glauben und im Denken gern unterwegs sind. Es lebt sich gut mit offenen Fragen und dem, was Gott und das Leben uns an Erkenntnissen schenken. In die Antworten dürfen wir dann "hineinwachsen", hat schon Rilke in einem Gedicht erkannt.

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Seitenzahl: 280

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Helmut Reder

Fragende sind nicht unwissend

Glaube - Zweifel - Hoffnung

zu Gott und der Welt

© 2019 Helmut Reder

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Ham-burg

ISBN

Paperback:

978-3-7497-6797-7

Hardcover:

978-3-7497-6798-4

e-Book:

978-3-7497-6799-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

WAS ERWARTET DIE LESERIN UND DEN LESER

ZUM WEITERLESEN UND ERGÄNZENDE ZITATE

AN STELLE EINER WIDMUNG

GEDULD GEGEN ALLES UNGELÖSTE

GEDULD GEGEN ALLES UNGELÖSTE

ZU FRAGEN BIN ICH DA

DER GLAUBE UND SEIN BRUDER ZWEIFEL

WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL - JA UND DAS IST GUT SO

WESHALB LÄSST GOTT DAS ALLES ZU

DIE FRAGE OB ES EINEN GOTT GIBT

GLAUBEN UND ATHEISMUS – ZITATE -

ES GIBT MEHR DINGE IM HIMMEL UND AUF ERDEN

VIELLEICHT GIBT ES GOTT UND VIELLEICHT GIBT ES KEINEN GOTT

HAT GOTT HUMOR

KANN MAN DIE WEIHNACHTSGESCHICHTE GLAUBEN

IST DAS EIN BIBELFILM ODER EIN RICHTIGER FILM

DIE BIBEL IST NICHT DIREKT WÖRTLICH VON GOTT INSPIRIERT

WOZU KIRCHLICHE WOHLTÄTIGKEITSKONZERNE

KANN MAN ERLÖST AUSSEHEN

EIN JEDES LEBEN SUCHT DEN GLEICHEN SCHÖPFER

EIN JEDES LEBEN SUCHT DEN GLEICHEN SCHÖPFER

JEDE RELIGION GEHÖRT DER GANZEN MENSCHHEIT

DER LIEBE GOTT MAG ES NICHT WENN ALLES ZU PERFEKT IST

EIN BILD FÜR UNSERE SUCHE - DIE DREI KÖNIGE

GOTT HÖRT MIR VIEL ZU UND ICH HÖRE IHM VIEL ZU

DIE SUCHE NACH DEM GLEICHEN SINN FÜR ALLE IST SINNLOS

ES KOSTET NICHTS, WESHALB SOLLTE MAN NICHT GLAUBEN

SCHUTZENGEL

ES IST NICHT LEICHT EINEN FROMMEN ZU BEKEHREN

GOTT UND DER MENSCH ZU SEINEM BILD GESCHAFFEN

PSALM 23 ÜBERTRAGUNG IN UNSERE ZEIT

GLAUBE IST SUBJEKTIVES RELIGIÖSES ERLEBEN

GLAUBE - SUBJEKTIVES RELIGIÖSES ERLEBEN

DER GLAUBE AN DAS GUTE IM MENSCHEN

DER HEILIGE GEIST UND WIR HABEN BESCHLOSSEN

DAS ERSTE GEBOT IST EIN GEBOT DER FREIHEIT

DIE GESCHICHTE VOM BURN-OUT SYNDROM IN DER BIBEL

ICH WILL WIEDER SEHEN KÖNNEN

ER FÜHRTE MICH HINAUS IN DIE WEITE

DU MEINE SEELE, SINGE

EMOTION PUR - GEHT AUCH

ICH LEBE MEIN LEBEN

TRINITATIS – DREI IN EINEM UND VIEL RAUM FÜR ALLE

EMMAUS – WAR ES UNS NICHT SELTSAM WARM UMS HERZ

UNTERSCHIEDLICHE ERFAHRUNGEN MIT DERSELBEN GESCHICHTE

WIR HÖREN VIEL UND TRAUEN UNSEREN ERFAHRUNGEN NICHT

WAS WIRD, VERGEHT

WAS WIRD, VERGEHT

DU MUSST DAS LEBEN NICHT VERSTEHEN

ISS DEIN BROT, TRINK DEINEN WEIN UND SEI FRÖHLICH

ALLES IST VERGEBLICH UND JAGD NACH WIND

WIR WOLLEN, DASS ALLES BLEIBT WIE ES IST

ALLEIN DIE SCHRIFT - DAS IST NICHT MEHR DIE FRAGE

GOTT PASST SICH AN

EWIGKEIT

DER EWIGE GOTT UND DER VERGÄNGLICHE MENSCH

ALT WERDEN

WIR BLEIBEN IM ALTER SO WIE WIR IMMER WAREN

GEBET UM WEISHEIT IM ALTER

SO GROß BIST DU, SO KLEIN VOR DIR DER TOD IST

ÜBER DAS ÄLTERWERDEN

DIE DUNKLE SEITE VON RELIGION

DIE DUNKLE SEITE VON RELIGION

KANN GOTT DIE ÜBEL IN DER WELT BESEITIGEN ODER NICHT

DER ALLMÄCHTIGE GOTT UND SEINE OHNMACHT

LASST GUT UND BÖSE MITEINANDER WACHSEN BIS ZUR ERNTE

MEIN EINZIGER BEGLEITER IST DIE FINSTERNIS

GEWALT IM NAMEN GOTTES

EIN BILD FÜR UNSER LEBEN - DAS LEBEN DES KAIN

IST DIE KIRCHE IN TIRUNELVELI MISSION ODER AGGRESSION

STERBEN - „ES IST EIN STILLER PROTEST DARIN“

IM LEBEN SIND WIR REALEN EREIGNISSEN AUSGESETZT

HILFT UNS EINE CHRISTLICHE LEITKULTUR

WIDERSTAND - BERG DER KREUZE

SICH SELBST IM WEGE STEHEN

SICH SELBST IM WEGE STEHEN

VERGEBUNG IST EIN HARTES STÜCK ARBEIT

ES GIBT EINE GEMEINSAME SCHULD

WAS MACHT UNS ANGST

IN DER WELT HABT IHR ANGST

DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN - DU BRAUCHST PAUSEN

SO LASST EUER LICHT LEUCHTEN VOR DEN LEUTEN

AUFERSTEHUNGSZWEIFEL

AUFERSTEHUNGSZWEIFEL

GIBT ES EIN SYMBOL FÜR DIE AUFERSTEHUNG

EWIGEN LEBEN

UNTERSCHIEDE BEI DER EINSETZUNG DES ABENDMAHLS

ABENDMAHL

WIR DENKEN GOTT IN BILDERN

TOTALITER ALITER – ES WIRD VOLLKOMMEN ANDERS SEIN

VATER UND SOHN

VATER, SOHN UND HEILIGE GEISTIN

DER RÜCKGANG DES CHRISTENTUMS IST NORMAL

DER RÜCKGANG DES CHRISTENTUMS IST NORMAL

VERÄNDERUNGSDRUCK BEI DEN KIRCHEN – DIE ZEIT HAT ZEIT

UNTERNEHMENSKULTUR VERÄNDERN - LEICHT GESAGT

UNTERNEHMENSKULTUR UND SPIRITUALITÄT

DIE GÄNSEPARABEL

MISSION FRÜHER UND HEUTE

NICHTS VERSTANDEN UND ALLES RICHTIG GEMACHT

GOTT FÜRCHTEN UND LIEBEN - GEHT DAS

DAS EINFLÄCHENFALTHAUS

DER BIOGRAPHISCHE WERT VON ALLTAGSDINGEN

WIR ENTSCHEIDEN WAS WICHTIG IST IN UNSEREM LEBEN

DER ANDERE WEG - MEDITATION UND GEBET

SUCHE GOTT UND SAGE MIR, WO DU IHN FINDEST!

BIN ICH PRIVILEGIERT, WEIL ICH EIN CHRIST BIN

EINEN ALTEN BAUM VERPFLANZT MAN NICHT

MEIN GLAUBENSBEKENNTNIS

LUTHERS ABENDSEGEN - INTERPRETATION

WOZU GLAUBEN

WOZU BETEN

VIELE SEITEN HAT DAS GEBET

ICH BETE UND ICH BITTE

ICH KOMME ZUR RUHE UND WERDE STILL

SCHENKE MIR GESUNDHEIT UND KRAFT, WENN SIE FEHLT

HERR, LEHRE MICH BEDENKEN, DASS ICH STERBEN MUSS

UM VIEL GELASSENHEIT BITTE ICH DICH

GOTT - BEI DIR BIN ICH RICHTIG

LOB UND DANK

DANKGEBET FÜR DAS GANZE LEBEN

ICH BIN DANKBAR FÜR MITMENSCHEN

ICH LIEBE UND ICH FÜRCHTE DIE VERÄNDERUNG

LICHT AM ENDE EINES TUNNELS

DIE ZEITEN ÄNDERN SICH

UNTERSCHIEDLICHE WAHRHEITEN ZU WEG UND ZIEL

DER SEGEN – MYSTERIUM DES GLAUBENS

ZITATE

BILDER

LITERATURVERZEICHNIS

AUTOR

Helmut Reder

Fragende sind nicht unwissend

Glaube - Zweifel - Hoffnung

80 Impulse

20 Meditationen und Gebete

zu Gott und der Welt

Was erwartet die Leserin und den Leser

Das vorliegende Buch sucht Leserinnen und Leser, die gern bekannten und unbekannten Wahrheiten nachspüren. Im Mittelpunkt stehen große und kleine Fragen des Lebens. Schon immer setzen sich Menschen damit auseinander woran sie glauben, woran sie zweifeln und woran sie nicht glauben können. Transzendenz nennen wird den Teil des Lebens, der sich hinter unserem Erfahrungshorizont befindet. Unser Erkennen ist Stückwerk, hat schon der Apostel Paulus erkannt.1

Überwiegend baut das Buch auf Geschichten der Bibel auf. Nicht nur Theologen beschäftigen sich mit den Fragen nach dem Woher, dem Warum und dem Sinn von Allem. Denker und Denkerinnen aus Philosophie und Literatur bringen sich mit ihren Weisheiten ein. Gesellschaftspolitische Fragen lassen sich nicht von den Fragen des Lebens trennen.

Der zweite Teil des Buches trägt die Überschrift „Der andere Weg“. Der andere Weg dem Sinn des Lebens nachzuforschen und Gott zu suchen ist der Weg von Meditation und Gebet. In Meditationen und Gebeten geht es nicht um Fragen und Antworten. In diesem Teil geht es ums Hören und Schweigen. Konzentriert still zu werden bedeutet ein betender Mensch zu werden.

Ich habe die Wichtigkeit der Fragen erkannt. Sie sind wichtiger als unverrückbare Antworten. Fragende begnügen sich nicht mit gesammeltem Wissen. Ihnen reicht es nicht Bestehendes zu übernehmen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die im Besitz von ewig gültigen Wahrheiten sind. Mit offenen Fragen und dem was ich erkennen darf, lebe ich gut.

In kurzen Betrachtungen stelle ich mein Erkennen zu Glauben und Leben vor. Es gibt nicht zu jeder Frage des Daseins eine abschließende Antwort. Manchmal gelten zwei Wahrheiten gleichzeitig, obwohl diese scheinbar miteinander konkurrieren. Manchmal weiß ich einfach, welche Antwort auf eine grundsätzliche Frage für mich die richtige Antwort ist.

In der Demokratie gibt es nicht die eine richtige Meinung. Demokratie lebt vom Wettstreit der Überzeugungen. Ziel ist es für die eigene Überzeugung Mehrheiten zu finden. Dazu gilt es Kompromisse zu schließen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. So entsteht gesellschaftlicher Konsens, der sich dann in Gesetzen und deren Umsetzung niederschlägt. Niemand hat in diesen Diskussionen die ganze Wahrheit. Über den Kompromiss und dessen Akzeptanz in der Gesellschaft entstehen neue Wahrheiten. So können sich Wahrheiten ändern.

Das Leben fragt uns nicht, wie wir es gern gestaltet hätten. Schicksal nennen wir den Teil unseres Lebens, der sich unserem Einfluss entzieht. Wir wünschen uns kein Leid und schwere Schicksalsschläge. Und doch treffen einige Menschen harte Schicksalsschläge. Wer eine Antwort auf die schweren Einschnitte in sein Leben gefunden hat, ist noch lange nicht am Ziel. Das Leben geht weiter und somit auch die ungeplanten Ereignisse, die in unser Leben treten. Mit jedem Jahrzehnt in unserm Leben können wir auch neue Seiten des Lebens verstehen.

Die uralte Frage nach Gott in Leid und Ungerechtigkeit wird im Buch von verschiedenen Seiten betrachtet. Auf die Frage weshalb Gott das Leid in der Welt zulässt habe ich spannende Antworten von leidgeprüften Menschen gefunden, aber nicht die eine richtige Antwort.

Ein wichtiger Begleiter in meinem Leben ist der Zweifel. Glaube und fragender Zweifel sind keine Gegensätze. Der fragende Zweifel öffnet Türen zu einem erweiterten Verstehen. Ein fragender Zweifel ist eine positive Kraft. Der Zweifel ist die Voraussetzung jeden Erkenntnisfortschritts. Er hat nichts gemein mit einem destruktiven Zweifel, der sich selbst genügt.

Menschen begreifen immer nur einen kleinen Teil des Lebens und somit auch nur einen kleinen Teil der Geheimnisse der Welt. So ist es auch mit Gott und seiner Größe. Menschen können jeweils einen kleinen Mosaikstein von Gott erkennen. Wer denkt Gottes Willen zu kennen, irrt. Manche Menschen halten den Teil, den sie selbst erkannt haben, für das Ganze. Das Beharren einer religiösen Gruppierung, allein Gottes Willen zu kennen, ist eine häufige Ursache für Spannungen und Kriege. Über die dunkle Seite von Religion wird in diesem Buch deshalb auch gesprochen.

Die Gedanken von Bert Brecht stehen neben den Erfahrungen von Jörg Zink. Kurt Tucholsky bringt Dinge genauso treffend auf den Punkt wie der Theologe und Philosoph Tomáš Halík. Forschungsarbeiten zu Stagnation des Glaubens in entwickelten Gesellschaften geben wichtige Impulse. Harold Kushner hilft weiter bei der Frage nach der Ursache von Leid und Elie Wiesel öffnet Türen für ein Denken und Suchen in dem es keine Grenzen gibt. Kurt Marti begreift Gott weit und gleichzeitig ganz nah. Kirgegaard kommt mit seiner Gänseparabel als Kritiker der christlichen Gemeinde zu Wort. Nietzsche würde gern an den Erlöser glauben, wenn die Christen erlöst aussehen würden. Ich liebe den Text, "Ihr seid alle bestimmt zu leuchten," der Nelson Mandela zugesprochen wird ebenso, wie den Text von Nam June Paik – "When too perfect, lieber Gott böse". Zur Universalität der Religionen öffnet der Dalai Lama Türen. Die Bibel nicht wörtlich nehmen zu müssen ist eine Hilfe. Widersprüche in der Bibel zeugen von der Ehrfurcht der Verfasser vor dem Glauben der anderen Autoren. Ich freue mich an den Dichtern Rilke und Mörike. Sie verstehen es die Fragen nach dem Leben in wunderschöne Verse zu packen. Weitere Themen sind Vergebung, Schuld, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit. Die Geschichte von Kain berichtet von unserem Scheitern und davon wie wir weiterleben können. Über Krisen hinweg hilft die Geschichte vom Propheten Elia. Das Buch Jona ist eine große Liebeserklärung an Menschen aller Religionen. Bartimäus stört die schöne Versammlung. Dabei sorgt er gut für sich selbst. Ich liebe die "Heiligen Drei Könige." Das sind drei Herren, die nichts verstanden haben und doch alles richtig machen. Ich lebe gut damit keine abschließende Antwort zu diesen Themen zu haben. Eine einzige Religion kann nicht die ganze Wahrheit über Gott kennen. Davon bin ich überzeugt.

Ein Themenkreis beschäftigt sich mit aktuellen Themen der Gesellschaft und der Kirchen. Dazu gehört auch die Frage nach der Legitimation von christlichen Wohltätigkeitskonzernen. Eine wissenschaftliche Untersuchung beschäftigt sich mit dem Rückgang der christlichen Religionen in modernen Industriegesellschaften. Für die Autoren ist dies ein normaler Vorgang und nicht das Versagen der Kirchen.

Mit dem eigenen Denken unterwegs sein geht nur, wenn wir neugierig bleiben. Dadurch öffnen sich immer wieder Türen. Wer neugierig bleibt öffnet seine Sinne auch für die Vielfalt, das Schöne und Bunte in der Welt. Es ist möglich an den vielen Problemen der Welt zu leiden und gleichzeitig staunend ihre Schönheit und Vielfalt zu bewundern. Es ist möglich am Leid zu verzweifeln, das Menschen sich gegenseitig zufügen und gleichzeitig die Zuwendung zu erleben, die Menschen sich geben.

Der suchende Glauben befreit, stärkt und lässt uns Raum zu wachsen. Viele ehemals wichtige Themen verlieren mit den Jahren ihre Bedeutung. Neue Fragen treten auf. Sie sind wie ein Geschenk.

Wer Gewissheit und Sicherheit über Meditationen und Gebete findet, kommt auf einem anderen Weg zum selben Ziel. Es gibt nicht nur Fragen, die wichtig sind. Es gibt auch Antworten auf die großen Fragen. Rilke nennt dies im ersten Beitrag in diesem Buch „in die Antworten hineinleben.“

„Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich,

ohne es zu merken,

eines fernen Tages in die Antwort hinein“2

Es entstehen Bruchstücke an Erkenntnissen die wertvoll sind und auf denen wir gut stehen können.

Die Fragen und Antworten, die ich bisher in meinem Leben gefunden habe, finden Sie in diesem Buch.

Fragende sind Suchende, aber nie unwissend. Sie halten ihre Erkenntnisse nicht fest. Dies gibt Raum für Erkennen und auch für neue Fragen.

Helmut Reder

Zum Weiterlesen und ergänzende Zitate

Zum Weiterlesen

Die Beiträge stoßen immer wieder auf ähnliche Fragestellungen. Es gibt unterschiedliche Blickwinkel und unterschiedliche Versuche, Antworten auf die Fragen des Lebens zu finden. Für Leserinnen und Leser, die ein Thema vertiefen möchten, habe ich Hinweise auf ähnliche Fragestellungen im Buch eingefügt. Diese Verweise gelten auch für die Gedichte von Rilke, die in diesem Buch zu finden sind.

Diese Verweise tragen die Überschrift: „Zum Weiterlesen“

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Ergänzende Zitate

Im ganzen Buch sind den Themen ergänzende Gedanken von Denkerinnen und Denkern aus allen Jahrhunjderten zugeordnet. Die Zitate unterstreichen oft den Inhalt des jeweiligen Textes. Andere Zitate stehen bewusst im Widerspruch dazu. Die Spannung, die dadurch entstehen kann, ist Absicht. Es gibt nicht zu jeder Frage des Lebens eine abschließende Antwort.

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An Stelle einer Widmung

An Stelle einer Widmung möchte ich mich gern bei meiner Familie bedanken. Ich bedanke mich für alles scheinbar so Selbstverständliche. Das gemeinsame Leben ist in sich wertvoll. Einen Teil davon können Eltern erziehen und vorleben und einen Teil düfen Eltern in großer Demut dankbar annehmen.

Wir hatten als junge Eltern keinen Erziehungsplan. Wir hatten eine Weisheit von Kalil Gibran an der Wand hängen, die uns daran erinnerte den Kindern immer mit Respekt zu begegnen. „Deine Kinder sind nicht deine Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst. Ihre Seele wohnt im Haus von morgen, das du nicht besuchen kannst, nicht einmal in deinen Träumen.“3 Respekt vor anderen Menschen können Kinder erlernen.

Dies ist eine andere Ebene, als das Einhalten von Regeln. Kinder, die Respekt erfahren und Respekt weitergeben, übernehmen eine Haltung. Jedes respektierte Kind hat Raum seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. An einem Geburtstag stellte unsere Tochter den anwesenden Gästen uns als ihre Eltern vor. „Ich danke meinen Eltern, dass sie mich so gelassen haben, wie ich schon immer war.“ Ich bedanke mich bei meinen erwachsenen Kindern für ihren Respekt und das Vertrauen, das sie uns bis heute gewähren.

Ich danke meinen Enkelkindern. Ich darf viel von Ihnen lernen. Ihre Lebensfreude, ihre Neugier und ihr Vertrauen stecken an und ermöglichen mir wieder eine neue Sicht auf das Leben.

„Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,aber nicht, sie Dir gleich zu machen, denn das Leben geht nicht rückwärtsund verweilt nicht beim Gestern.“4 Zum Glück gibt es auch eine Gegenwart, in der wir gemeinsam leben dürfen.

Ich bedanke mich bei meiner Frau Heidi für 40 gemeinsame Jahre. Wir hatten 40 gute Jahre mit viel Vertrauen und Achtung. In schwierigen Zeiten konnten wir uns aufeinander verlassen. Ich hoffe, wie dürfen noch viele Jahre gemeinsam in Liebe zueinander leben.

Ein Buch zu erstellen macht viel mehr Arbeit als ich gedacht habe. Ich bedanke mich bei meiner Frau für die große Unterstützung bei der Erstellung dieses Buches, für die geduldige Begleitung und die kritischen Rückmeldungen.

1 Die Gute Nachricht Bibel, 1. Korintherbrief 13,9

2 Rilke / Geduld/gefunden in: www.rilke.de / 2019

3 Gibran;Kalil/Kinder/gefunden in: daszitat.de/index./2018

4 Gibran;Kalil/Kinder/ daszitat.de/index/2018

Geduld gegen alles Ungelöste

„Ihr anderen werdet sicherer immerdar.

Ich werde fragender von Jahr zu Jahr.“5

Uhr im Bahnhof vonValencia

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„Niemand ist weiter von der Wahrheit entfernt als derjenige, der alle Antworten kennt.“6

Zhuangi

**

„Jenseits der Vorstellungen von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort werde ich dich treffen.7

Rumi

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Geduld gegen alles Ungelöste

„Ich möchte Sie bitten, Geduld zu haben

gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen,

die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und

wie Bücher die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,

die Ihnen nicht gegeben werden können,

weil Sie sie nicht leben könnten.

Und es handelt sich darum, alles zu leben.

Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich,

ohne es zu merken,

eines fernen Tages in die Antwort hinein.“8

Rainer Maria Rilke

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Zum Weiterlesen

Ich lebe mein Leben S.125

Du musst das Leben nicht verstehen. S.141

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„Niemand ist ohne Kenntnis, außer dem der keine Fragen stellt.“9

Sprichwort aus Kamerun

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Zu Fragen bin ich da

Der Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist ein Überlebender des Holocaust. In seinem Roman "Der fünfte Sohn"10 wird viel über Leid und Ungerechtigkeit nachgedacht. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie die Rolle Gottes bei der großen Tragödie des Holocausts zu sehen ist. Die Geschichte berichtet am Beispiel der Familie Tamiroff vom unendlichen Leid der Juden in einem Ghetto in den Jahren des Nationalsozialismus. Im Buch sucht der Schüler nach dem Sinn im Leben bei so viel Leid in der Welt. Er diskutiert mit seinem Lehrer, der den Namen Simha trägt. Der Schüler sucht verzweifelt Antworten auf die Fragen, weshalb "der Gerechte" leiden muss und weshalb Gott nicht in das Weltgeschehen eingreift.

„Der Sinn von alle dem? "Simha hörte mir mit Ausdauer und Geduld zu, und sein Gesicht glänzte vor Stolz, als er sagte: „Ich liebe deine Fragen.“ „Und die Antworten, Simha?“ – „Es gibt sie, und sie haben nichts mit deinen Fragen zu tun.“ "Das Gute und das Böse, das Endliche und das Unendliche, der Sinn des Lebens und der Schöpfung oder, warum der Gerechte leiden muss.“11

Der Lehrer freut sich am Eifer und am radikalen Denken seines Schülers. Die richtigen Fragen kann man nicht vor vierzig stellen. So lange muss man warten. Diese Weisheit gibt der Lehrer Simha seinem Schüler mit. Auf die Suche nach den Antworten kann man sich nach dem vierzigsten Lebensjahr machen.

Auf die Fragen kommt es an. Wir lieben es Antworten zu haben. Antworten scheinen uns Sicherheit zu geben. Zu klaren Strukturen gehört auch eine klare Vorstellung davon, was gut und was böse ist. Die Religionen und Kirchen sind Orte, die solche Orientierung geben. Die Sicherheit im Glauben und die Einhaltung der Rituale entlasten Menschen und vermeiden quälende Fragen nach dem Sinn von allem. Entlasten können auch die Lehrtexte der Kirchen zu komplexen Themen des Lebens. Schwierig wird es, wenn die Lehrmeinungen nicht mehr zu den Lebenserfahrungen der Menschen passen. Menschen entwickeln sich schneller weiter, als Dogmen von Kirchen.

Bis vierzig muss man warten, bis man die wichtigen von den unwichtigen Fragen zu Gut und Böse, Endlichkeit und Unendlichkeit unterscheiden kann. Warten bedeutet nicht 40 Jahre nicht nachzudenken. Die wichtigen Fragen lernt man von den unwichtigen Fragen zu unterscheiden, indem man sich mit den Fragen nach dem Dasein und dem Sinn von alle dem auseinandersetzt. Ich finde tiefe Wahrheit im zitierten Gespräch zwischen Schüler und Lehrer. Die Geschichte hilft mir dem eigenen Suchen gegenüber wertschätzend zu bleiben. Zweifel an scheinbar ewig geltenden Dogmen sind erlaubt.

Ich weiß nicht immer, was Gottes Wille ist. Manchmal ist er mir fremd und oft auch ein Rätsel. Ich habe bei der Suche nach Antworten auf die Fragen des Lebens mein ganzes Leben lang Zeit. Das habe ich bei Elie Wiesel verstanden. Es ist ein Paradoxon wonach die Antworten nichts mit den Fragen zu tun haben. Wir stellen Fragen, damit wir Antworten auf unsere Fragen erhalten. Ein Teil des Rätsels löst sich dort, wo die Antworten nicht im entweder oder zu finden sind. Ein Teil des Rätsels löst sich auch auf, weil ehemals wichtige Fragen mit der Zeit ihre Bedeutung verlieren.

Die Wichtigkeit von grundsätzlichen Fragen gegenüber fertigen Antworten findet sich immer wieder in der Literatur.

Henrich Ibsen hat sich das Fragen zu seiner Lebensaufgabe gemacht. "Zu Fragen bin ich da, nicht zu antworten."12 Dies drückt eine Haltung aus. Eine kritische und selbstbewusste Haltung, die selbstverständlich Bestehendes hinterfragt.

An anderer Stelle im Buch von Elie Wiesel wird darauf hingewiesen, dass man ab 60 Jahren anfangen kann die Antworten zu finden.

Ich bin über 60 Jahre alt und immer noch mit den Fragen beschäftigt. Ich habe keine Eile bei der Suche nach den Fragen nach dem Sinn, nach den Ursachen des Leids oder bei der Frage was nach unserem Tode kommen wird.

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Zum Weiterlesen

Die Suche nach dem einen Sinn für alle ist sinnlos S.91

Glaube – subjektives religiöses erleben S.107

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„Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“13

Konfuzius

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Der Glaube und sein Bruder Zweifel

Kritisch Denken zu dürfen ist wunderbar. Nicht überall auf der Welt ist dies möglich. Unsere Gesellschaft fordert den mündigen Bürger und die mündige Bürgerin. Diese vergleichen, wägen ab und engagieren sich. Sie bilden sich ihre eigene Meinung aus einer Vielzahl an verfügbarer Information. Wir haben das Privileg unsere Regierung aus verschiedenen konkurrierenden Parteien wählen zu können.

Die Aufklärung hat Türen aufgestoßen, die uns diese Freiheiten ermöglicht. Philosophen wie Descartes haben unser eigenes Denken in die Mitte gerückt. Descartes sah im Zweifel geradezu ein Kennzeichen des denkenden Menschen: „Was bin ich? Ein denkendes Wesen. Was ist das? Ein Wesen, welches zweifelt, einsieht, bejaht, verneint, will, nicht will, auch einbildet und empfindet.“14

Unser Vertrauen auf die eigene Urteilsfähigkeit hat längst die Religion erreicht. Wir glauben nicht mehr alles was kirchliche Autoritäten uns lehren möchten. Wir prüfen es ganz im Sinne von Descartes.

Wir bewerten Gottesdienste, Predigten, Kirchen, kirchliche Arbeitgeber. Wir nehmen uns die Freiheit aus der Kirche auszutreten und auch bewusst in die Kirche einzutreten. Wir entscheiden selbst, was wir von Themen wie der Jungfrauengeburt, der Himmelfahrt Marias, der leiblichen Auferstehung Christi, der Unfehlbarkeit der Lehren der Kirche, dem Sinn des Zölibats oder einer wörtlichen Auslegung der Bibel halten.

In den Geschichten der Bibel gibt es Beispiele für Menschen, die Zweifel hatten. Sarah musste lachen, als die Engel ihr ankündigten, sie würde in ihrem hohen Alter nochmals einen Sohn gebären. Der Zweifel ist Abraham und seiner Frau nicht gut bekommen. Denn es folgt die archaische und brutale Geschichte, in der Abraham seinen Sohn als Treuebeweis opfern sollte. Da Abraham bereit zu diesem Opfer war, wurde ihm das Opfer erlassen.

Der Apostel Thomas ist ein prominenter Zweifler in der Bibel. Ihm ist es besser ergangen. Thomas war nicht bei den anderen Jüngern, als diese Jesus nach dessen Auferstehung persönlich gesehen hatten. Thomas will die Nägelmale an den Händen Jesu sehen, damit er glauben kann. Jesus kommt extra für Thomas zurück und zeigt ihm seine Nägelmale. Noch viele anderen Zeugen werden erwähnt, die Jesus nach seiner Auferstehung gesehen haben. Diese Auflistung der vielen Zeugen richtet sich an die Nachfolger Jesu. Darunter waren vermutlich viele, die die Schwierigkeiten hatten an die Auferstehung Jesu zu glauben.

Die Verbindung von Glauben und Zweifel ist keine neue theologische Entdeckung. Schon Hermann Hesse hat erkannt, wie Glaube und Zweifel gegenseitig wichtig sind.

„Glaube und Zweifel bedingen einander wie Ein- und Ausatmen; sie gehören zusammen“.15

Der Philosoph und Theologe Tomáš Halík hat sein Buch mit einer Sammlung von kurzen Texten "Glaube und sein Bruder Zweifel" genannt. Er bezweifelt nicht die Existenz Gottes. Der Zweifel wie Halík ihn versteht, ist:

„… eher ein ständiger kritischer Blick darauf, wie wir uns auf Gott beziehen, wo wir ihn suchen, was wir über ihn aussagen, welchen Begriff und welche Vorstellung von Gott wir bilden. Ein solcher Zweifel sollte uns schützen aus vorletzten Dingen letzte Dinge zu machen.“16

Ich erlebe für mich keinen Widerspruch zwischen dem Zweifel und dem Glauben. Jesus kommt extra für Thomas zurück und geht auf seine Bedürfnisse ein. Besser ist es, wenn man glaubt ohne zu sehen, sagt Jesus, aber mit dem Zweifel zu glauben und sehen zu wollen ist auch in Ordnung. Eine wunderbare und einfache Bibelstelle findet sich dazu im 1. Thessalonicher Brief. Leider hat es diese Weisheit nicht in das Zentrum unseres Glaubens geschafft. Dort wird die Aufforderung zur Prüfung von allem, gefordert. "Prüft alles und das Gute behaltet.“17 Der Zweifel ist ein ständiges Prüfen ob das, was ich heute als Gut erkenne, wirklich zu den letzten Dingen gehört. Dazu schreibt Tomáš Halík:

„ Wenn der Glaube auf seinem Weg seinen Bruder, den Zweifel verlieren würde, würde er aufhören ein Suchender und ein Fragender zu sein; er könne in eine geistlose religiöse Praxis absinken, in einen Ritualismus oder eine Ideologie.“18

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„Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“ (5. Mose 6,4-5). Das andere ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). „Es ist kein anderes Gebot größer als dieses. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet“19

Markusevangelium

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Widersprüche in der Bibel - ja und das ist gut so

Suchen Sie im Internet nach Widersprüchen in der Bibel, so finden sich lange Aufstellungen in denen Widersprüche in der Bibel aufgezeigt werden. Einige Beispiele für Widersprüche in den Texten der Bibel möchte ich kurz anführen.

Es gibt zwei Schöpfungsberichte, die sich im Inhalt unterscheiden. (1.Mose 1,25 und 1 Mose 2,18) Erschlug David den Riesen Goliath wie in 2. Samuel 17,23 ff geschrieben wird oder der uns unbekannte Elhanan, wie in 2. Samuel 21,1 geschrieben steht.20 Werden nachfolgende Generationen für die Fehler der Väter bis in die vierte nachfolgende Generation bestraft,21 oder soll der Sohn nicht für die Sünden des Vaters bestraft werden. Nur wer selbst sündigt stirbt.22 Zwischen beiden Texten liegen vermutlich ca. 500 Jahre Erfahrungen und Auslegungen der alten Schriften.

Das Neue Testament besteht aus vier Evangelien. Die vier Werke mit Erfahrungen und Geschichten über das Leben Jesu wurden nebeneinander in das Neue Testament eingestellt. Nehmen Sie nur die Weihnachtsgeschichte. In zwei Evangelien kommt sie gar nicht vor und die anderen beiden unterscheiden sich auch noch in dem, was da erzählt wird. Heilige Drei Könige gibt es nur im Matthäusevangelium. Einfacher wäre es gewesen, nur ein Evangelium in die Bibel aufzunehmen. Bei vier Evangelien mit ähnlichen Geschichten gibt es Abweichungen. Es wird die Behauptung aufgestellt, die Bibel kann nicht Gottes Wort sein, wenn sich darin Widersprüche befinden. Ein Autor im Internet versucht auf der Seite "way to Allah" die Fehlerhaftigkeit des ganzen Christentums zu beweisen, weil er 101 Fehler in der Bibel gefunden hat.23 Für Moslems ist es undenkbar, Gott oder den Koran zu hinterfragen. Fundamental denkende Menschen glauben an eine notwendige wörtliche Auslegung der Worte der Bibel. Fundamental denkende Gegner des christlichen Glaubens denken vom Prinzip her ähnlich.

Die Schreiber und Beter des Alten und Neuen Testaments hatten einen hohen Respekt vor der Gotteserfahrung und der Weisheit der anderen Autoren. Deshalb haben sie die Texte nacheinander ins Buch gesetzt und nicht ersetzt oder angepasst. Die Autoren der Bibel sammelten Geschichten und unterschiedliche Erkenntnisse, die über Jahrhunderte hinweg entstanden sind. Ich habe eine große Achtung vor den Autoren und den Menschen, die dies dann zur Bibel zusammengestellt haben. Generationen von Autoren, die über Jahrhunderte an der Entstehung des Buches gearbeitet haben, das wir heute "Bibel" nennen, waren nicht dumm. Sie haben diese „Widersprüche“ in den Texten gekannt, ausgehalten und bewusst zu einem Buch gemacht. Zum Glück sind die Autoren der Bibel nicht der Versuchung erlegen, alles zu glätten und Widersprüche zu vermeiden.

Im Neuen Testament diskutierte Jesus überwiegend mit den frommen Schriftgelehrten. Jesus ging es nicht um die wörtliche Auslegung und das formale Einhalten der Gebote. Es ging ihm um die Umsetzung des Inhalts der Schriften in das Leben der Menschen.

In einem Streitgespräch wurde Jesus gefragt, welches das wichtigste Gebot aus den Schriften ist, die wir Altes Testament nennen. In seiner Antwort verwies Jesus auf einen Text aus dem 3. Buch Mose. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.24

Wenn das höchste Gebot die Liebe zu Gott und zu den Menschen ist, wozu bedarf es einer buchstabengetreuen Auslegung der Bibel? Auf Jesus darf man sich nicht berufen, wenn man sich für eine wörtliche Einhaltung der biblischen Texte berufen will. Ihm ging es nicht um die wörtliche Umsetzung der Bibel. Er legte Wert auf das, was gelebt wird.

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Zum Weiterlesen

Die Bibel ist nicht direkt von Gott inspiriert S.59

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„Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer, ruft er, und mit den Stiefeln stampft er den Takt dazu, dass die Dielenbretter dröhnen und die Töpfe an der Wand zu klappern beginnen. " Er hat keinen Sohn, er hat keine Tochter, er hat kein Weib, er hat keine Heimat, er hat kein Geld. Gott sagt: ich habe Mendel Singer gestraft. Wofür straft er, Gott? Warum nicht Lemmel, den Fleischer? Warum straft er nicht Skowronnek? Warum straft er nicht Menkes? Nur Mendel straft er! Mendel hat den Tod, Mendel hat den Wahnsinn, Mendel hat den Hunger, alle Gaben Gottes hat Mendel. Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer.“25

Josef Roth

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Weshalb lässt Gott das alles zu

Warum müssen manche Menschen schweres Leid erleben und andere nicht? Weshalb müssen Menschen durch Krankheit und Unfälle sterben? Weshalb gibt es ständig Kriege und Menschen, die auf der Flucht sind. Naturkatastrophen vernichten ganze Regionen. Weshalb lässt Gott das alles zu? Das Gefühl einem launischen Schicksal ausgeliefert zu sein, erzeugt Hilflosigkeit. Ohnmacht kann in Wut umschlagen. Die Wut richtet sich bei manchen Menschen an Gott selbst. Das erlittene Leid und der scheinbar allmächteige Gott, das passt schlecht zusammen.

Es gibt viele Bücher, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Eine befriedigende Antwort kenne ich nicht. Das Buch Hiob befasst sich fast ausschließlich mit der Frage nach der Ungerechtigkeit, dem Sinn von Leid, der Frage nach der Schuld des Individuums und was Gott damit zu tun hat.

Weshalb lässt Gott so schweres Leid an einem frommen Menschen, wie Hiob, zu? Hiob steht in der Bibel für die Menschen, die viel erleiden müssen. Hiob steht für die Menschen, die redlich und ehrlich leben. Hiob war ein gottesfürchtiger Mensch, der treu und fest zu seinem Gott stand. Die Diskussionen zwischen Hiob und seinen Freunden erstrecken sich über viele Seiten und Kapitel im Buch. Sie diskutieren stundenlang darüber, was Hiob falsch gemacht hat. Da Gott gerecht ist, muss Hiob schuld an seinem schweren Schicksal sein.

Es wäre für alle nicht Betroffenen beruhigend, wenn das Leid die Strafe für eine Schuld wäre. Hiob akzeptiert die Schuldzuweisungen seiner Freunde nicht. Er weist alle Anschuldigungen zurück und fordert von Gott eine Antwort.

Gott gewährt Hiob eine Antwort. „Wo warst du als ich die Welt geschaffen habe, sag an, bist du so klug,“26 lauten die Gegenfragen.

Gott verweigert eine Rechtfertigung. Hiob erkennt seine Begrenztheit und die Grenzen dessen was er verstehen kann. „Darum hab ich ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe“27 Bei der Frage nach dem Leid gibt es Grenzen für logische Erklärungen.

Bei der Frage nach dem „Warum“, bleibt das Buch Hiob eine einfache Antwort schuldig. So viel wird geklärt. Das Leid hat keine Ursache in einer individuellen Schuld. Das Leben wird es nicht ohne das Leid geben. Gott steht zu Hiob, auch wenn dieser viel Leid erleben muss.

Gebete, in denen die eigene Angst vor Gott getragen werden, geben Kraft. Sie haben ihre Berechtigung und sie entlasten den Beter und die Beterin. Die Psalmen sind ein Schatz an Gebeten in denen Menschen in Todesängsten, Verzweiflung und großer Einsamkeit vor Gott treten und all ihre Verzweiflung herausschreien.