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Jorge Mario Bergoglio ist seit dem 13. März 2013 das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und nennt sich seither Papst Franziskus. Doch was steckt hinter diesem Namen? Wer war dieser Franz von Assisi, nach dem sich der neue Papst als Erster benennt, und was verbirgt sich hinter einer ganzen Bewegung von »Franziskanern«? Mit diesem Buch liegt eine fundierte Gesamtdarstellung des Lebens und der Gedankenwelt des Franziskus von Assisi vor. Zentrales Thema ist, die Vorstellungen des Franziskus vor dem Hintergrund der theologischen und historischen Kräfte der Zeit zu verstehen, vor allem aber deren oft vergessene oder absichtlich verschüttete Eigentümlichkeiten wieder ins Bewusstsein zu heben. Das Ideal des Franziskus und die franziskanischen Vorstellungen werden anhand der Quellen neu interpretiert. Beleuchtet werden so die großen Persönlichkeiten, die das Franziskanertum entscheidend mitgeprägt haben: Papst Gregor IX., Bruder Elias von Cortona und Klara von Assisi.
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Seitenzahl: 1174
Veröffentlichungsjahr: 2014
HELMUT FELD
Mit einem Vorwort von Hubert Wolf
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3., erweiterte und bibliographisch aktualisierte Auflage 2014© 2014 by WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), DarmstadtDie Herausgabe des Werkes wurde durchdie Vereinsmitglieder der WBG ermöglicht.Satz: pagina GmbH, TübingenEinbandabbildung: Porträt des heiligen Franziskus © bpk/Stefan DillerPope Francis celebrates holy mass with seminarians and novices at theVatican’s Saint Peter basilica on July 7, 2013 © picture alliance/Stefano SpazianiEinbandgestaltung: Peter Lohse, Heppenheim
Besuchen Sie uns im Internet: www.wbg-wissenverbindet.de
ISBN 978-3-534-26413-1
Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich:eBook (PDF): 978-3-534-73841-0eBook (epub): 978-3-534-73842-7
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Innentitel
Inhaltsverzeichnis
Informationen zum Buch
Informationen zum Autor
Impressum
Vorwort zur Neuauflage
Vorwort
Vorwort zur zweiten Auflage
Einleitung
I. Kapitel: Quellen und wichtige Literatur zum Leben des Franziskus und zur Frühzeit der franziskanischen Bewegung
I. Schriften des Franziskus von Assisi
1. Regeln und Ermahnungen
Regula non bullata (1221)
Regula bullata (1223)
Testament (1226)
Kleines Testament von Siena
Regel für den Aufenthalt in den Eremitorien
Schreiben an Klara von Assisi: »Lebensform« und »Letzter Wille«
Admonitiones
Über die wahre und vollkommene Freude
2. Briefe
An alle Gläubigen
An alle Kleriker über die Ehrfurcht gegenüber dem Leib des Herrn
An die Regierenden der Völker
An die Ordensoberen und an alle Brüder
An einen Minister des Ordens
An alle Custoden der Minderbrüder I
An alle Custoden der Minderbrüder II
An Bruder Leo
An Bruder Antonius (von Padua)
An Frau Jacopa dei Settesoli
3. Hymnen und Gebete
Ermahnung zum Lobe Gottes
Lobgesang auf die Tugenden
Gruß an die heilige Jungfrau
Lobgesang Gottes des Allerhöchsten
Segen für Bruder Leo
Lobgesang Gottes für die Geschöpfe (Sonnenlied)
Lied für die »Armen Frauen« von San Damiano
Lobgesänge zu allen Horen
Auslegung des »Vater unser«
Gebet vor dem Crucifixus
Gebet »Absorbeat«
Passions-Offizium
II. Lebensbeschreibungen des Franziskus
1. Brief des Bruders Elias
2. Erste Lebensbeschreibung des Thomas von Celano (I Cel)
3. Zweite Lebensbeschreibung des Thomas von Celano (II Cel) 52
4. Abhandlung über die Wunder des Thomas von Celano (III Cel)
5. Weitere Lebensbeschreibungen der Frühzeit
6. Die Drei-Gefährten-Legende (3 Soc)
7. Der Anonymus von Perugia (Anon. Per.)
8. Die Legenda Perusina (Leg. Per.)
9. Das Speculum perfectionis (Spec. perf.)
10. Die beiden Lebensbeschreibungen des heiligen Bonaventura (Leg. mai., Leg. min.)
11. Die Actus Beati Francisci und die Fioretti
12. Das Sacrum Commercium
III. Chroniken und weitere Zeugnisse
1. Chronik des Jordan von Giano
2. Thomas von Eccleston: Die Ankunft der Minderbrüder in England
3. Chronik des Salimbene de Adam
4. Chronica XXIV Generalium
5. Ubertino von Casale: Arbor vitae
6. Angelus Clarenus: Chronicon oder Historia septem tribulationum Ordinis Minorum
7. Bartholomäus von Pisa: De conformitate vitae Beati Francisci ad vitam Domini Iesu
8. Jakob von Vitry und andere nicht-franziskanische Autoren
9. Dokumente der Römischen Kurie
IV. Schriften und Zeugnisse zum Leben Klaras von Assisi
1. Regel der heiligen Klara
2. Testament
3. Segen
4. Briefe
5. Protokolle des Heiligsprechungsprozesses
6. Legende der heiligen Klara
7. Päpstliche Dokumente
V. Bibliographische Orientierung
1. Einführungen in das Franziskanertum
2. Geschichte der franziskanischen Bewegung
3. Biographien des Franziskus
4. Wissenschaftliche Zeitschriften
5. Kongresse
II. Kapitel: Der geschichtliche Hintergrund der franziskanischen Bewegung
1. Politische Verhältnisse
Imperium und Sacerdotium
Frankreich und England
Die Kreuzzüge
Von Rom nach Avignon
Assisi und Umbrien
2. Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse
3. Kulturelle und religiöse Strömungen
Einsiedler und Wandermönche um die Wende des 11. Jahrhunderts
Die Häresien des 12. Jahrhunderts
Die Dichtung
Architektur und bildende Kunst
III. Kapitel: Jugend und Bekehrung des Franziskus
1. Das Leben »in Sünden«
Geburt – Elternhaus – Taufe
Erziehung
Jugendzeit
2. Die Bekehrungsvisionen
Die Vision des waffengefüllten Palastes
Der Traum von Spoleto
Die Ekstase auf einer Straße von Assisi
Der Crucifixus von San Damiano
3. Das Verlassen der Welt
Begegnung mit den Aussätzigen
Bettler auf Probe
Die Trennung vom Vater
Eremiten-Dasein
IV. Kapitel: Die Anfänge der franziskanischen Bewegung
1. Leben nach der Form des heiligen Evangeliums
2. Die ersten Gefährten
Bernhard von Quintavalle
Das Buchorakel
Petrus Catanii
Ägidius
Erfolglosigkeit
Der Rat des Bischofs von Assisi
3. Gewißheit über Weg und Zukunft der Gemeinschaft
Gewißheit
Weltmission
4. Franziskus vor Innocenz III.
Kardinal Johannes von St. Paul
Papst Innocenz III.
Das Gleichnis von der Frau in der Wüste
Der Traum des Papstes
Der Baum am Straßenrand
5. Rückkehr ins Tal von Spoleto
Vertrauter Umgang mit der heiligen Armut
Rivotorto
»Orden der geringeren Brüder«
Endgültige Festsetzung bei der Portiuncula-Kirche
V. Kapitel: Das Ideal des Franziskus und die mittelalterliche Kirche
Armut
Bekehrung der Kirche
Einfalt
Predigt
Wissenschaft
Demut und Selbstverleugnung
Friedfertigkeit
Keuschheit
VI. Kapitel: Welterlösung
1. Franziskus und die Natur
Reden mit den Tieren
Beseelte Natur
Das »Lied von Bruder Sonne« oder »Lobpreisungen Gottes für die Geschöpfe«
2. Inkarnation
Weihnachten – »Festtag der Festtage«
Greccio – das »neue Bethlehem«
3. Heilsvermittlung
Der Leib des Herrn
Die »Vergebung von Portiuncula«
4. Passion
Der »zweite Christus«
Der »seraphische Heilige«
VII. Kapitel: Höhe und Ende des Lebens
Gestalt und Eindruck
Ein kranker Mensch
Sensibilität
Exzentrizität
Sakrale und priesterliche Handlungen
Franziskus vor dem Sultan
Rückzug von der Ordensleitung
Testament und Regel
Ein inszenierter Tod
VIII. Kapitel: Papst Gregor IX. und die franziskanische Bewegung
1. »Ich will hingehen und sie der heiligen Römischen Kirche anvertrauen«
2. Herkunft und Persönlichkeit Hugolinos von Ostia
3. Die Bulle »Quo elongati«
4. »Bruder« Kardinal und Bruder »Einfaltspinsel«
IX. Kapitel: Bruder Elias von Cortona und der Bau der Grabeskirche San Francesco in Assisi
1. Herkunft und Jugendzeit
2. Erstes Generalat
3. Bau der Doppelkirche San Francesco in Assisi
4. Kulturgeschichtliche Bedeutung der Kirche San Francesco
5. Absetzung und weitere Lebensschicksale des Elias
X. Kapitel: Klara und die »Armen Frauen«
1. Jugend und Elternhaus Klaras von Assisi
2. Das Verlassen der Welt
3. Klaras Beziehung zu Franziskus
4. Das Leben im Kloster
5. Der Kampf um die Regel
6. Die Theologie Klaras von Assisi
XI. Kapitel: Kirche und Franziskanertum nach dem Tode des Franziskus
1. Die Wirkung des Franziskus auf die christliche Gesellschaft seiner Zeit
Wunder des verherrlichten Franziskus
Die franziskanische Laienbewegung
2. Auseinandersetzungen um das Verständnis der Armut
Regelerklärungen
Angriffe gegen den Orden
3. Von Antonius zu Ockham: Die franziskanische Theologie im ersten Jahrhundert der Bewegung
4. Franziskanische Geschichtsschreibung
5. Franziskanische Dichtung
6. Weltmission des Franziskanertums
7. Die Spiritualen
Die Ursprünge der Spiritualenbewegung
Die geistigen Häupter: Petrus Johannis Olivi, Ubertino von Casale, Angelus Clarenus
Die endgültige Ausgrenzung der Spiritualen aus Orden und Kirche
8. Der Armutsstreit unter dem Papst Johannes XXII.
Epilog: Das Weiterleben des franziskanischen Ideals
Abkürzungen
Zeittafel
Register
Personennamen
Ortsnamen
Moderne Autoren
Bibliographischer Nachtrag
Bibliographie zum neueren Stand der Forschung
„Es ist ein Franz“ – so titelte eine deutsche Tageszeitung nach der überraschenden Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst und Nachfolger Benedikts XVI. im Frühjahr 2013. Es ist in der Kirchengeschichte in der Tat das erste Mal, dass der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, Nachfolger des Apostelfürsten Petrus, Summus Pontifex der universalen Kirche, Patriarch des Abendlandes, Primas von Italien, Erzbischof und Metropolit der römischen Kirchenprovinz, Bischof von Rom, Herr des Staats der Vatikanstadt und Diener der Diener Gottes – so die offiziellen Titel des Oberhaupts der katholischen Kirche im „Annuario Pontificio“, dem Staatshandbuch des Vatikans – sich nach Franziskus von Assisi, dem Nationalheiligen Italiens, nennt.
Papst Franziskus selbst hat die Motive seiner Namenswahl verschiedentlich mit der Pflicht der Kirche begründet, sich nachdrücklich auf die Seite der Armen zu stellen. Am 16. März 2013 erklärte der neue Papst, er habe sofort nach seiner Wahl an den heiligen Franziskus gedacht, als ihm der im Konklave neben ihm sitzende Kardinal Hummes ins Ohr geflüstert habe: „Vergiss die Armen nicht!“ Franz von Assisi sei für ihn der Mann der Armut und des Friedens und zugleich ein Bewahrer der Schöpfung Gottes. Er strebe eine „arme Kirche für die Armen“ an, die sich durch materielle Bescheidenheit und mehr Hilfe für bedürftige Menschen auszeichnen müsse. Der Poverello, der Arme aus Assisi, der als Heiliger der mustergültigen Nachfolge des armen Jesus gilt, der keinen Platz hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, ist für dieses Programm ohne Frage ein geradezu ideales Vorbild.
Und der Bergoglio-Papst hat in seinem bisherigen Auftreten durchaus gezeigt, dass es ihm ernst ist mit seiner „Option für die Armen“, die freilich nicht vorschnell mit einem befreiungstheologischen Programm verwechselt werden darf. Die Absage an neo-barocken Pomp in Liturgie und Papstzeremoniell, die Bescheidenheit in Auftritt und Kleidung, der Verzicht auf rote Pontifikalschuhe und den Luxus eines eigenen Papstappartements im Apostolischen Palast des Vatikans und das Bescheiden mit eineinhalb Zimmern im vatikanischen Gästehaus von Santa Marta stehen für einen neuen Stil an der Kurie und sind pontifikale Zeichen „franziskanischer“ Bescheidenheit und Einfachheit. Manche Kuriale trauen sich daher kaum mehr, langjährige Privilegien, wie etwa den vatikanischen Dienstwagen für die wahrlich nicht übermäßig langen Strecken innerhalb der Vatikanstadt, in Anspruch zu nehmen.
Es ist ein Franz – aber eben nicht der heilige Franz Xaver, wie man bei einem Papst aus dem Jesuitenorden erwarten würde. Das Vorbild für die Namenswahl, mit der die Päpste grundsätzlich ein Programm verbinden, war vielmehr der heilige Franz von Assisi. Und dieser Franz hat in den letzten Jahrzehnten eine beachtliche Karriere gemacht – innerhalb und vor allem auch außerhalb der katholischen Kirche. Franziskus gilt allgemein als sympathischer Heiliger, auf den sich ganz unterschiedliche Gruppen als Kronzeugen berufen. Müsli-Freaks und Umweltbewegte sehen in ihm den Patron des alternativen Lebens und des Naturschutzes schlechthin, auch Blumenkinder und Aussteiger aller Art glauben sich auf den ehemals reichen Kaufmannssohn Giovanni Bernardone berufen zu können. Hatte er doch nach einem ausschweifenden Leben, das keine „Droge“ seiner Zeit ausgelassen hat, alle feiste Bürgerlichkeit hinter sich gelassen. Für Tierschützer ist er das große Idol, predigte er doch sogar den Vögeln und verwandelte einen bösen Wolf zum Lamm. Sein „Sonnengesang“ schließlich gilt als Hymne der neuen kosmischen Menschen.
In Taizé wurde Franz zum Heiligen der Ökumene, wie nicht zuletzt der Endloshymnus „Laudato si“ zeigt. Dabei wird er gerne zum einfachen Gläubigen und Anti-Intellektuellen stilisiert, dem theologische Spitzfindigkeiten absolut fremd gewesen seien. Franziskus gilt als der Praktiker der Liebe Gottes zu den Menschen. Wer böse Wölfe mag, warum sollte der etwas gegen „häretische“ Lehren haben? In dieser Hinsicht erscheint Franz von Assisi dann als absoluter Gegenentwurf zu den intellektuellen Jesuiten mit ihrem langjährigen Mehrfachstudium. So studierte etwa Papst Franziskus neben Theologie und Philosophie auch noch Chemie. Schon deshalb ist die Wahl des franziskanischen Papstnamens durch ein Mitglied der Gesellschaft Jesu umso beachtlicher. Nicht zuletzt gilt der Poverello aus Assisi aber als Erfinder der Weihnachtskrippe und ihrer Figuren, was ihm nicht selten das Image eines romantischen „Tröst mir mein Gemüthe“-Heiligen eingebracht hat.
Alles in allem: Es ist ein sympathischer, aber harmloser Franz, der heute seinen Platz in den Köpfen der Menschen behauptet. Damit ist in der longue durée die Strategie Gregors IX. und seiner Nachfolger auf dem Stuhl Petri weitgehend aufgegangen. Sie sahen nämlich in Franziskus bei all seiner unbestreitbaren Kirchlichkeit und Papsttreue durchaus auch einen gefährlichen Heiligen, dessen Ideale – entsprechend interpretiert und umgesetzt – eine ganz andere Kirche zum Ziel haben und die Grundfesten der päpstlichen Macht erschüttern könnten. Um das „subversive“ Potential des Poverello zu zähmen, wurde daher unmittelbar nach seinem Tod vom Papst sein Testament für ungültig erklärt, Franziskus selbst zu den Ehren der Altäre erhoben und damit aus den Auseinandersetzungen um eine sachgerechte Interpretation seiner Ideale herausgenommen und dem irdisch-allzuirdischen Streit entrückt.
Es ist ein Franz, aber was für einer! Die Wahl dieses Papstnamens erstmals in über zweitausend Jahren Kirchengeschichte stellt in der Tat eine kleine Revolution dar. Denn in Franziskus steckt ein ungeheures Potential, das einerseits für eine eher harmlose und selbstverständliche Option für die Armen stehen, andererseits aber die Strukturen der katholischen Kirche grundsätzlich infrage stellen kann. Mit Papst Franziskus ist die mittelalterliche Armutsbewegung, die sich gegen die Machtentfaltung und den Prunk der Römischen Kurie im Speziellen und der Institution Kirche insgesamt richtete, in Rom selbst, auf dem Stuhl des Apostelfürsten angekommen.
Franz von Assisi ist in der Tat kein einfacher Heiliger, er passt in keine Schublade. Im Gegenteil: Die „franziskanische Frage“, der Streit um die rechte Auslegung und zeitgemäße Umsetzung der Ideale des Heiligen, ist bis heute ungelöst. Denn schon Franziskus selbst stand in einer kaum auflösbaren Spannung zwischen unbedingter Bindung an den Papst und die römische Kirche und dem Potential seiner Bewegung für eine neue Religion, die entweder die bestehende katholische Kirche durchdringen und reformieren kann oder sich als neue franziskanische Kirche abspalten muss. Wer wissen will, welchen „unvergleichlichen Heiligen“ sich der neue Papst zum Namenspatron gewählt hat und welche „Revolution“ sich dahinter historisch gesehen verbirgt, der sei mit Nachdruck auf Helmut Felds Buch „Franziskus von Assisi“, das die Wissenschaftliche Buchgesellschaft aus Anlass der Papstwahl neu vorlegt, verwiesen.
Dabei ist Helmut Feld bei aller historischen Präzision selbst Partei im franziskanischen Streit. Er bezieht klar Position für eine radikale Nachfolge der Ideale des heiligen Franziskus und gegen alle kirchlichen Verharmlosungen. Das macht sein Werk besonders interessant. Es regt zum Nachdenken, zur Kritik, zur kontroversen Diskussion an und verlangt vom Leser letztlich eine eigene Stellungnahme. Diese wird durch die umfassende Quellenkunde und die Einordnung der Biographie des Franziskus in den politischen, wirtschaftlichen, sozialen, theologischen und nicht zuletzt kirchenhistorischen Kontext erleichtert. Auch das Schicksal der Ideale des Franziskus in den ganz unterschiedlichen franziskanischen Bewegungen – einen Franziskanerorden gibt es ja nicht und Franz selbst wollte überhaupt keinen Orden gründen – wird sehr anschaulich gemacht. Insbesondere das kritische Potential, das in der Person und den Zielen des Poverello verborgen ist, arbeitet Feld in immer neuen Anläufen überzeugend heraus.
Für Helmut Feld hätte aus der von Franziskus initiierten Bewegung nämlich, „unter anderen geschichtlichen Umständen, leicht eine neue, von dem damaligen Christentum verschiedene und über es hinauswachsende Religion entstehen können“. Stattdessen gelang es der Kurie, den franziskanischen Aufbruch zu zähmen, ihm sein kirchenkritisches Potential zu entziehen und die Bewegung des Heiligen, seine mindere Brüder-Gemeinschaft, in einen „ganz normalen Orden“ hineinzukanalisieren. Seine radikale Christusnachfolge, sein Ziel, ein „alter Christus“ werden zu wollen, hätte aus Franziskus leicht nicht nur einen „neuen Christus“, sondern einen „anderen Christus“ im Sinne eines neuen Religionsstifters machen können (alle Zitate S. 1f.)
Felds Formulierungen fallen mitunter recht drastisch aus, so auch wenn er feststellt, das „ursprüngliche franziskanische Ideal“ sei in einem „unerhört dramatischen Ringen domestiziert, verkirchlicht und damit verfremdet und umgebogen“ (S. 4) worden. Oder wenn er Papst Gregor IX., der Franziskus heiligsprach und so „in die unerreichbare Sphäre des Himmlischen entrückt[e]“ und gleichzeitig das „radikale und unverwässerte Armutsgebot“, wie es Franz in seinem Testament als verbindliche Norm für seine Brüder festgehalten hatte, für ungültig erklärte, zum eigentlichen „Totengräber“ des Franziskus erklärt (S. 2). Zugleich sieht Feld die wirklichen Ideale des Franziskus heutzutage am ehesten außerhalb der katholischen Kirche verwirklicht: „Franziskaner im weitesten, aber doch genuin franziskanischen Sinn sind zahlreiche nicht-franziskanische Menschen der Neuzeit, die in offiziellen kirchlichen Verlautbarungen gern mit den Verdikten der Häresie, des Rationalismus und des Unglaubens versehen“ werden (S. 504).
Dass diese Formulierungen nicht ohne Widerspruch geblieben sind, braucht nicht zu verwundern, denn Feld hat sich – wie gesagt – im Streit um die „franziskanische Frage“ eindeutig positioniert. So wurden Felds Ausführungen über das Ideal des Heiligen „und den angeblich verderblichen Einfluss des Papsttums bzw. des Elias von Cortona auf die Entwicklung des Ordens“ als „in großen Teilen anfechtbar“ bezeichnet (Dieter Berg in seiner Rezension in der Historischen Zeitschrift 266, 1998, S. 487f.). Man sah – anders als Feld, aber ebenfalls mit guten Gründen – die Ideale des Heiligen eben doch in einem oder sogar allen der verschiedenen franziskanischen Orden und Gruppierungen innerhalb der katholischen Kirche verwirklicht.
Freilich steht Helmut Feld mit seiner pointiert vorgetragenen Position keineswegs allein. So stellte – um nur ein Beispiel zu nennen – der katholische Tübinger Kirchenhistoriker Karl August Fink in seinem bereits 1981 erschienenen Buch „Papsttum und Kirche im abendländischen Mittelalter“ die Frage, ob sich der Franziskanerorden Mitte des 13. Jahrhunderts „mit seinen Exemtionen, mit dem Generalminister Elias und seinen grandiosen Bauten, mit seinen Prokuratoren, Prozessen, Begräbnisrechten, Legaten, Bettel, Streit mit dem Weltklerus und den Magistern der Universität Paris, mit dem Eindringen in die Hierarchie oder gar mit den aus ihm stammenden Inquisitoren als Schutztruppe der Kirche sich auf den Heiligen als seinen Stifter berufen“ könne. Die Antwort, die Fink gibt, ist sehr eindeutig: Die Ideale des heiligen Franz wurden von der Kirche verraten und sind gescheitert. Resigniert stellte der Kirchenhistoriker fest: Die franziskanische Gemeinschaft ging den Weg jedes charismatischen Aufbruchs in der Kirche. Sie wurde verkirchlicht und klerikalisiert (S. 83f.). Der franziskanische Streit ist also noch lange nicht entschieden.
Helmut Feld rechnet das Franziskanertum zu den großen „Utopien der Menschheit“ (S. 505). Papst Franziskus hat dieser Utopie durch seine Namenswahl einen Ort an der Spitze der katholischen Kirche gegeben. Man darf gespannt sein, wo er sich im Rahmen des Streits um die sachgemäße Rezeption der Ideale des Armen von Assisi positionieren wird, deren mögliche Sprengkraft Helmut Feld durch pointierte Thesen eindrücklich vor Augen geführt hat. Wer Felds Buch gründlich studiert, das die „Wissenschaftliche Buchgesellschaft“ zu einem spannenden Zeitpunkt der Kirchengeschichte neu auflegt, der bekommt mehr als eine Ahnung davon, welch ungeheure Potentiale die Namenswahl des neuen Pontifex historisch gesehen beinhalten könnte – egal ob er Felds Thesen am Schluss zustimmt oder nicht. In der Tat: Es ist ein Franz! Und was für einer!
Münster, am 4. Oktober 2013
Hubert Wolf
Vor einigen Jahren fiel mir in Assisi das kleine Buch von TEODOSIO LOMBARDI: »Introduzione allo studio del Francescanesimo« in die Hände. Dabei wurde mir bewußt, daß eine vergleichbare Einführung in das Franziskanertum als religiöse Bewegung und die Hauptprobleme der Franziskus-Forschung im deutschen Sprachraum fehlt. Zwar erschien schon 1934 das noch immer lesenswerte und anregende Buch von ERNST BENZ: »Ecclesia Spiritualis. Kirchenidee und Geschichtstheologie der franziskanischen Reformation« (Neudruck Darmstadt 1964), in dem die religionsgeschichtliche Einzigartigkeit des frühen Franziskanertums eindrucksvoll herausgearbeitet ist. Doch hat die Forschung inzwischen, vor allem in Italien, gewaltige Fortschritte gemacht, die das Bild des Franziskus und seiner Bewegung nicht unerheblich verändert haben.
Die moderne Franziskus-Forschung erhielt ihren entscheidenden Anstoß am Ende des vergangenen Jahrhunderts durch protestantische Gelehrte, um nur an die Namen von KARL MÜLLER, HEINRICH BOEHMER, HENRY THODE und PAUL SABATIER zu erinnern. In der Gegenwart wird sie durch die Gelehrten aus den franziskanischen Orden dominiert. Ohne deren große Verdienste schmälern zu wollen, wird man doch auf die nicht unbedenkliche Tendenz aufmerksam machen müssen, in Franziskus letztlich nichts anderes als einen kirchenkonformen Ordensstifter, einen vir catholicus et totus apostolicus, zu sehen.
Das frühe Franziskanertum und das Denken des Franziskus selbst enthalten aber, unter dem Mantel eines nahezu absoluten Papst- und Kirchengehorsams, durchaus revolutionäre Elemente, die geeignet sind, das überkommene System mittelalterlicher Kirche und Theologie zu sprengen, und die dies ja auch, wenigstens partiell, getan haben. Vielleicht beruht gerade darin die säkulare und überzeitliche Bedeutung des Franziskanertums.
Den Inhalt des vorliegenden Buches habe ich in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach in Vorlesungen und Seminaren an der Universität, in Rundfunksendungen und Vorträgen behandelt, so daß ich hoffen darf, dem Leser im ganzen sachliche und zutreffende Informationen über die behandelten Themen und den Stand der Forschung zu geben. Wo ich Hypothesen aufgestellt habe, war ich bemüht, deren Wahrscheinlichkeit aus den Quellen zu belegen. Zu vielen entscheidenden Fragen schien es mir gut, die Quellen selbst, manchmal etwas ausführlicher als sonst üblich und in neuer Übersetzung, sprechen zu lassen. Ich bin mir aber bewußt, daß die Darstellung eines so schwierigen Gegenstandes nicht fehlerfrei und über jede Kritik erhaben sein kann.
Die Literaturangaben können selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Doch wurden neben den Quellenausgaben die wichtigsten Werke der älteren Forschung und von der neueren Literatur die sogenannten Schlüsselpublikationen herangezogen, durch die der interessierte Leser Zugang zum Studium weiterer Fragen erlangen kann, die von uns hier überhaupt nicht oder nicht eingehend behandelt werden.
Für vielerlei wertvolle Hinweise und Anregungen habe ich zu danken: der Hochwürdigen Frau CHIARA CRISTIANA STOPPA, Äbtissin des Protomonastero di Santa Chiara in Assisi; ihrer Vorgängerin und jetzigen Vikarin Frau CHIARA LUCIA CANOVA; P. MARINO BIGARONI OFM, Chiesa Nuova Assisi; P. GERHARD RUF OFM Conv., Sacro Convento Assisi; P. DOMENICO BASILI OFM Conv., Cortona; Frau Professor Dr. Dr. MARIA LODOVICA ARDUINI, Milano; Professor Dr. FRANCO MORETTI, Orvieto; Dr. BERND H. STAPPERT, Süddeutscher Rundfunk Stuttgart; Professor Dr. ERNST ZINN†, Professor Dr. ULRICH KÖPF, Professor Dr. BURKHARD GLADIGOW, Professor Mag. Dr. RICHARD PUZA, Tübingen; Professor Dr. JOSEF BLANK†, Saarbrücken; Professor Dr. KURT RUH, Würzburg; Frau Dr. LOUISE GNÄDINGER, Niederhelfenschwil.; Professor Dr. KLAUS-MICHAEL KODALLE, Hamburg; Dr. Dr. ADOLF HOLL, Wien.
Für besondere Zuvorkommenheit und Unterstützung danke ich den Mitarbeitern italienischer Bibliotheken, insbesondere Frau GIOVANNA GIRA von der Biblioteca Comunale im Sacro Convento in Assisi und Herrn STEFANO BIANCHI von der Biblioteca del Comune e dell’Accademia Etrusca von Cortona, sowie der Biblioteca Francescana bei der Chiesa Nuova in Assisi und der Bayerischen Staatsbibliothek München.
Den Mitarbeitern der Tübinger Setzerei pagina danke ich für sachkundige Beratung und Hilfe bei der Erstellung des elektronischen Satzes: HANNELORE OTT, EMIL. HAUG, REINHARD MICHAEL, THOMAS ZIEGLER.
Leitung und Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Tübingen haben mich, unter den erschwerten Bedingungen eines Umbaus, mit beständiger Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft unterstützt. Ich danke insbesondere den Direktoren Dr. JOACHIM-FELIX LEONHARD und Dr. BERNDT VON EGIDY sowie den Bibliothekaren: MONICA THEURER, INGRID BETHGE, ELLEN BRÜGGER, HEIDRUN MIETER, SIEGFRIED PIRKER, BURKHARD MAYER, VOLKER PLASS, HELLMUT REICHART, HANS-HELWIN REISSENBERGER, HORST BRODBECK, JOSEF GROSS, HORST SCHRADE und allen anderen.
Herrn Oberbibliotheksrat Dr. CHRISTOPH BURGER danke ich für seine Unterstützung bei der Beschaffung wichtiger Literatur, Herrn BRUNO FRISCH von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft für nicht nachlassende Geduld und verständnisvolle Zusammenarbeit.
Mössingen, 29. September 1993.
Helmut Feld
Die erste Auflage dieses Buches hat unter den Fachgelehrten und in weiteren Kreisen interessierter Leser sowohl lebhafte Zustimmung als auch heftige Ablehnung erfahren; letztere verlief nicht immer in sachlichen Bahnen, nahm zuweilen sogar gehässige Formen an. Das Interesse an Franziskus selbst, seiner Weltsicht und seiner Bewegung, die er auf der Höhe des Mittelalters initiiert hat, ist noch immer im Wachsen begriffen. So mag auch die Neuauflage eines Buches, dessen Grundthesen zwar auf Widerspruch gestoßen sind, von denen der Verfasser aber nach wie vor meint, daß sie nicht absurd, sondern in den Quellen fundiert sind, eine Anregung sein, sich mit den Fragen des Franziskanertums – einem der wichtigsten Komplexe der europäischen Religions- und Kulturgeschichte – zu beschäftigen.
Die Anregung zu einer Neuauflage gab Dr. BERND VILLHAUER, Lektor für Theologie und Philosophie bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, dem ich für die angenehme Zusammenarbeit herzlich danke.
Im Text konnten einige wenige sachliche Versehen und mehrere Satzfehler berichtigt werden. Ein bibliographischer Nachtrag enthält vor allem wichtige neuere Untersuchungen, durch die sich der Leser mit dem aktuellen Stand der Forschung vertraut machen kann. Für ergänzende Hinweise danke ich Frau Dipl.-Psych. EVITA H. KOPTSCHALITSCH (Starzeln).
Schließlich möchte ich allen, die meine Arbeiten an franziskanischen und anderen Themen in den vergangenen Jahren ermutigt und gefördert haben, meinen Dank aussprechen, insbesondere Pfarrer JOSEF BUTZA (Duisburg), Bibliothekar ERNST-WERNER STINNER (Köln), Dr. KARL STOIBER (Linz, Oberösterreich), Professor Dr. FRIEDHELM KRÜGER (Münster), Ing. EGON PAULUS (Nalbach), Dr. Dr. ADOLF HOLL (Wien), Pfarrer Dr. BERND JASPERT (Herleshausen).
Tübingen, 23. März 2007
H. F.
Franziskus von Assisi ist nicht eine unter vielen anderen bedeutenden und heiligen Persönlichkeiten der europäischen Geschichte. Er ist vielmehr eine ganz singuläre, herausragende Erscheinung, gewiß die bedeutendste Gestalt der christlichen Religionsgeschichte seit Jesus selbst. JOSEPH LORTZ hat dies im Titel seines kleinen Buches über Franziskus zum Ausdruck gebracht: »Der unvergleichliche Heilige.«1 Aus der von Franziskus und an ihm entzündeten Bewegung hätte, unter anderen geschichtlichen Umständen, leicht eine neue, von dem damaligen Christentum verschiedene und über es hinauswachsende Religion entstehen können.2
Statt dessen wurde aus dem Hauptzweige der franziskanischen Bewegung ein ganz normaler Orden, eingegliedert in das hierarchische und kanonistische System der Römisch-katholischen Kirche. Sowohl die Neuheit und Originalität der Gedanken des Franziskus und des ursprünglichen Franziskanertums wie deren Domestizierung, ja Beerdigung – beides bis heute gleichnishaft und eindrücklich dargestellt in den beiden Kirchen Santa Maria degli Angeli (Portiuncula) und San Francesco in Assisi – gehören zu den merkwürdigsten Vorgängen der Geschichte unseres Kulturkreises.
Um hier kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: die Kirchlichkeit der franziskanischen Bewegung ist nicht etwas, was den Intentionen des Franziskus eindeutig zuwidergelaufen wäre. Er selbst wollte nie etwas anderes als die engste Bindung seiner Bruderschaft an die Römische Kirche und das Papsttum. Aber ebenso wie er in seinem Streben nach der vollkommenen Angleichung an Jesus nicht einfachhin zu einem »zweiten Christus«, sondern auch zu einem »anderen Christus« wurde, so enthält das Franziskanertum religiöse Ideen, die über das, was im traditionellen mittelalterlichen (und heutigen) Christentum gedacht und geglaubt wird, hinausgehen.3
Es sind diese Ideen, die zum Keim einer neuen Religion hätten werden können. Franziskus hatte vermutlich die Hoffnung oder Illusion, daß sein Ideal eines Tages die gesamte damalige Kirche und die christliche Gesellschaft durchdringen und umformen würde. Aber weder spaltete sich das Franziskanertum als neue Religion von der mittelalterlichen Papstkirche ab, wie es einstmals das Urchristentum in bezug auf das Judentum getan hatte, noch ergriff und verwandelte das franziskanische Ideal das kirchliche System von innen her. Daß beides nicht geschah, ist im wesentlichen das Werk eines in seiner Weise ebenfalls großen Mannes: des Kardinals Hugolino von Ostia, des späteren Papstes Gregor IX.
Gregor IX. ist recht eigentlich der Totengräber des Franziskus gewesen, und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Er veranlaßte den Bau der prachtvollen Grabeskirche des Franziskus, die er zur »Haupt- und Mutterkirche« des Franziskanerordens erhob; er »kanonisierte« Franziskus zwei Jahre nach dessen Tod und machte ihn damit zu einem zwar außerordentlichen, aber doch auch wiederum nur einem unter vielen anderen Heiligen des römisch-katholischen Pantheons, so daß die einzigartige Sprengkraft seines Lebens und seiner Ideen zugleich in die unerreichbare Sphäre des Himmlischen entrückt und in dem durch Kirchenrecht und Dogmatik bestimmten System eingefangen wurde; schließlich brach Gregor der franziskanischen Bewegung die Spitze, indem er das Testament des Franziskus, in dem das radikale und unverwässerte Armutsgebot in eindeutigen Formulierungen als letzter Wille festgehalten war, für unverbindlich erklärte.
Was aber Franziskus von Assisi über seinen historischen Rang hinaus für unsere Gegenwart interessant macht, sind gerade die absichtsvoll verschütteten oder unachtsam vergessenen Züge seines Lebens und Wirkens. Was bei ihm wiederzuentdecken sich lohnt, ist genau das, was über ein halbtotes Christentum hinausführt.4 Die »Aktualität« und »Modernität« des Franziskus, die Tatsache, daß er von Menschen verstanden wird, die gar keine Christen sind oder sich nicht mehr als Anhänger einer christlichen Konfession oder Sekte verstehen, findet hier ihre Erklärung.
Das Franziskanertum leidet und lebt zugleich durch einen tiefen inneren Widerspruch, der auf Franziskus selbst zurückzuführen ist. Dieses Dilemma besteht darin, daß die franziskanische Religion über das Christentum, innerhalb dessen sie lebt, hinausweist, daß sie mit der Kirche, in der sie gefangen und begraben ist, nicht zufrieden ist und sich eigentlich auf der Suche nach einer anderen Kirche befindet. (Dies ist z.B. der Grund für den Einbruch des Joachitismus mit seinen apokalyptischen Spekulationen über das Geist-Reich, die Geist-Zeit und die Geist-Kirche in den Franziskanerorden ab dem Jahr 1241).5 Die Bekehrung der Kirche, ihre Umgestaltung nach der Regel des Evangeliums, sollte aber nach der Intention des Franziskus und seiner getreuesten und radikalsten Anhänger auf dem Wege der Demut, der extremen Selbstverleugnung und des totalen Gehorsams gegenüber dem Papst, der Römischen Kurie und dem gesamten Klerus erreicht werden: eben durch das Geringersein der Brüder als alle übrigen Menschen.6
Dieses Dilemma ist die eigentliche Ursache für die zahlreichen Auseinandersetzungen und Spaltungen innerhalb des Franziskanertums im Verlauf seiner gesamten Geschichte. Es ist ferner die Ursache für die überaus zahlreichen Maßregelungen und Eingriffe, die sich die Franziskaner vonseiten der Päpste gefallen lassen mußten. Wohl kein anderer Orden, keine religiöse Bewegung wurde von den Päpsten, nicht selten mit höhnischen und verletzenden Worten, so malträtiert wie die Franziskaner.7 Auch das seit dem 14. Jahrhundert nahezu perfekt domestizierte Franziskanertum läßt sich zuweilen nur mit Mühe unter dem Deckel kirchlicher Autorität halten.
Bei all seiner Demut und Selbstverleugnung bis hin zur völligen Selbstaufgabe8 hätte Franziskus doch über den Inhalt seines Ideals überhaupt nicht mit sich reden lassen, nicht einmal vonseiten des Papstes. Das beweisen seine untergründigen Auseinandersetzungen mit dem Kardinal Hugolino von Ostia, aber auch der Kampf Klaras von Assisi mit zwei Päpsten um die Erhaltung des franziskanischen Armutsideals in ihrer Regel. Der extremen Demutshaltung des Franziskus steht nämlich sein ungeheueres Selbstbewußtsein gegenüber, das in der Überzeugung zum Ausdruck kommt, daß Gott selbst ihn zu den entscheidenden Stationen seines Bekehrungsweges geführt und ihm die wichtigsten Weisungen, darunter die Ordensregel, offenbart habe. »Der Herr gab mir und gibt«, heißt es lapidar im Testament. »Und nachdem der Herr mir Brüder gegeben hatte, da zeigte mir niemand, was ich tun müsse, sondern der Allerhöchste selbst offenbarte mir, daß ich nach der Weise des heiligen Evangeliums leben müsse.«9
Es ist das bleibende Verdienst des französischen Protestanten PAUL SABATIER, darauf hingewiesen zu haben, daß das Franziskanertum nicht schlechthin identisch ist mit den franziskanischen Ordensfamilien innerhalb der Katholischen Kirche. Vielmehr wurde das ursprüngliche franziskanische Ideal in einem unerhört dramatischen Ringen domestiziert, verkirchlicht und damit verfremdet und umgebogen. SABATIERS Buch »Vie de Saint François d’Assise« erschien zum ersten Mal 1894. Den Anstoß zur Beschäftigung mit der franziskanischen Bewegung hatte er durch seinen Lehrer ERNEST RENAN erhalten.
Schon RENAN hielt die Gleichsetzung des Franziskus mit Christus, die bald nach seinem Tode, vielleicht aber schon zu seinen Lebzeiten, von einem Teil seiner Anhänger vollzogen wurde, im ganzen für zutreffend. Er sah in Franziskus die bedeutendste Gestalt der christlichen Religionsgeschichte seit Jesus selbst.10 Wie sich PAUL SABATIER erinnert, hatten für RENAN drei Epochen eine besondere Bedeutung: das Urchristentum, die Französische Revolution und die von Franziskus initiierte religiöse Erneuerung. An einem denkwürdigen Dezembermorgen des Jahres 1884 hatte der schon hochbetagte RENAN, im Bewußtsein, daß ihm selbst keine Zeit mehr bliebe, ihn, seinen Schüler, zum »seraphischen Geschichtsschreiber« bestimmt.11
SABATIERS Buch, das von Franziskus-Romantik keineswegs frei und alles andere als eine nüchterne Biographie ist, war so etwas wie der Paukenschlag, mit dem nicht nur die moderne Franziskus-Forschung eröffnet wurde, sondern auch der Beginn eines sehr weit sich ausbreitenden, seither nicht mehr nachlassenden Interesses an Franziskus und den Anfängen seiner Bewegung. Über dem ungeheueren Erfolg, der SABATIERS Werk zuteil wurde (1926 erschien bereits die 46. französische Auflage!),12 fand das kaum weniger wichtige Buch von HENRY THODE: »Franz von Assisi und die Anfänge der Kunst der Renaissance in Italien« kaum Beachtung.13 Das Hauptverdienst dieses 1885 in erster Auflage erschienenen Werkes ist, daß es die Bedeutung des Franziskus für die europäische Kunst- und Kulturgeschichte in eindrucksvoller und überzeugender Weise darlegt. THODE verweist auf die Auswirkungen, die das von Franziskus neu entdeckte Verhältnis zur Natur sowohl für die christliche Religion wie auch für die Geburt einer neuen Kunst hatte. Franziskus habe, so THODE, »die Religion mit der Natur versöhnt«, und er fährt fort: »Indem Franz die verachtete und mißhandelte Natur in ihre Rechte als Vermittlerin zwischen Gott und Mensch wieder einsetzte, hat er dem christlichen Künstler die einzig echte Lehrerin gewiesen. Indem er die Geheimnisse des christlichen Glaubens in den natürlichen Vorgängen von Christi irdischem Leben veranschaulicht sah, hat er den alten Stoff der christlichen Legende als einen gleichsam ganz neuen der Kunst zugeführt.«14 THODE hat demnach gewußt, was das Zentrum der franziskanischen Religion ist: Erlösung in einem umfassenden Sinn, Welterlösung.
Die »weltgeschichtliche Bedeutung« des Franziskus, von der in vielen der neueren Werke über ihn die Rede ist,15 hängt wesentlich mit seinem Verhältnis zur Natur zusammen, oder um es gleich genauer zu sagen: damit, daß das franziskanische Verständnis von Frieden und Erlösung ein universales ist. Franziskus, dessen Liebe nicht nur den Menschen galt, sondern auch die belebte und unbelebte Natur – Tiere, Pflanzen, Sonne, Mond, Feuer, Wasser –umfaßte, war umgetrieben von dem Gedanken der Erlösung der ganzen Welt, der gesamten Schöpfung. Weil ihm dieser Gedanke so wichtig war, hat er ihn gleich zu Beginn seines Testaments, nach dem kurzen Bericht über seinen Weggang aus der Welt, festgehalten: »Und der Herr gab mir ein so großes Vertrauen zu den Kirchen, daß ich folgendermaßen einfach betete und sagte: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, hier und in allen deinen Kirchen, die auf der ganzen Welt sind, und wir preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.«16
Als die Gruppe der ersten Anhänger zusammen mit Franziskus gerade acht Brüder umfaßt, noch vor der Abfassung der ersten Regel und deren Billigung durch den Papst Innocenz III. – also vermutlich im Jahr 1208 – schickt Franziskus sie in Zweiergruppen in die vier Weltgegenden, um den Menschen »den Frieden und die Buße« zu verkünden.17 So erhebt die franziskanische Botschaft von Anfang an einen universalen Anspruch: sie hat die Bekehrung der Kirche und der ganzen Welt zum Ziel.
Die Erlösung, das Heil, soll für die Menschen ganz einfach zu erreichen sein: eben durch eine einfache Bekehrung. Da ihm der übliche kirchliche Weg der Heilsvermittlung viel zu kompliziert war, trotzte er dem Papst Honorius III. die »Vergebung von Assisi«, den später so genannten »Portiuncula-Ablaß« ab. Im Verständnis des Franziskus handelt es sich dabei nicht nur um den Nachlaß von Sündenstrafen, sondern um die Vergebung aller Sünden und die Gewißheit des Heils. »Ich will euch alle ins Paradies schicken«, verkündet er der vor der Portiuncula-Kirche versammelten Menschenmasse.18
Das Geheimnis der Vollendung der Welterlösung und seine eigene Rolle dabei wurde Franziskus schließlich zwei Jahre vor seinem Tode, im September 1224, während der rätselhaften Vision eines gekreuzigten sechsflügeligen Engels auf dem Berge La Verna bei Bibbiena, mitgeteilt. Dabei erhielt er die Stigmata, die fünf Wunden des gekreuzigten Erlösers, wodurch er endgültig diesem gleichgestaltet und zum »zweiten Christus« wurde.
Es sind vor allem die mit der Welterlösung verbundenen Vorstellungen und die Vision und Utopie einer neuen, friedlichen Welt, die dem Franziskanertum eine beständige Aktualität verleihen, nicht nur für Christen und an religiösen Themen interessierte Menschen, sondern für alle, denen das Schicksal der Welt und ihr eigener individueller Tod keine gleichgültigen Dinge sind.
1 J. LORTZ, Der unvergleichliche Heilige. Gedanken um Franziskus von Assisi, Düsseldorf 1952; Werl 21976; italienische Übersetzung von Boris ULIANICH: Un santo unico, Alba 1958.
2 So schon Ferdinand GREGOROVIUS, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter IX.3.2: »In diesem Propheten war ein geniales Anschauen der Gottheit, welches ihn in andern Epochen zum Religionsstifter würde gemacht haben.«
3 Die Bezeichnung »alter Christus« für Franziskus kommt zum ersten Mal in den »Actus Beati Francisci et sociorum eius«, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, vor. Zur Geschichte des Themas nach dem Tode des Franziskus s. vor allem: STANISLAO DA CAMPAGNOLA, L’angelo del sesto sigillo e l’»alter Christus«. Genesi e sviluppo di due temi francescani nei secoli XIII–XIV, Roma 1971. Die fortschreitende Angleichung des Franziskus an (den gekreuzigten) Christus ist jedoch schon in den ältesten Legenden ein häufiges Thema; s. hierzu: Helmut FELD, Franziskus von Assisi – der »zweite Christus« (Institut für Europäische Geschichte Mainz, Vorträge, 84), Mainz 1991, und u. Kap. VI.4.
4 Vgl. besonders III Cel 1: »Mox in lucem producitur sepulta quondam perfectio Ecclesiae primitivae, cuius legebat mundus magnalia, nec videbat exempla« (Anal. Fr. 10,271); s.u. Kap. VI.2.
5 S. darüber noch immer: Ernst BENZ, Ecclesia Spiritualis. Kirchenidee und Geschichtstheologie der franziskanischen Reformation, Stuttgart 1934 (Nachdruck Darmstadt 1964), 175–181.
6 Vgl. Admomtio 12 (ESSER, Opuscula, 112); I Cel 38 (Anal. Fr. 10,30).
7 Dafür nur ein Beispiel aus dem Mittelalter und eines aus der Neuzeit. Auf dem Höhepunkt des Armutsstreites, Ende des Jahres 1322, stellt der Papst Johannes XXII. in seiner Bulle »Ad conditorem canonum« die franziskanische Auffassung radikaler Besitzlosigkeit mit höhnischen Worten als Verrücktheit dar: »Quis enim sanae mentis credere poterit, quod intentio fuerit tanti patris [d.h., seines Vorgängers Nikolaus’ III.], minus ovi seu casei ac frusti panis et aliorum usu consumptibilium, qui saepe fratribus ipsis ad consumendum e vestigio conferuntur, dominium Romanae ecclesiae et usum fratribus retinere?« (Bullarium Franciscanum, ed. C. EUBEL, 5, Rom 1898, 238). In dem Apostolischen Schreiben »Seraphici Patriarchae« vom 15. August 1910, in dem die Reihenfolge der drei franziskanischen Orden bei Prozessionen im Detail festgelegt wird, führt der Papst Pius X. den um den Vorrang streitenden Söhnen des heiligen Franziskus ausführlich dessen Äußerungen über die Demut und die Lebenshaltung der Fratres Minores, ergänzt durch einschlägige Bermerkungen des heiligen Bonaventura, vor; woraus er dann, ziemlich süffisant, den Schluß zieht, es sei wünschenswert, daß sich die Franziskaner nicht um den ersten, sondern allenfalls um den letzten Platz stritten: »Optandum igitur esset, ut inter Francisci filios nunquam de primo loco esset contentio, sed unice de postremo« (AAS 2 [1910], 713–718; ebd. 715). Vgl. auch die Schreiben »Paucis ante diebus« vom 1. November 1909 über Streitigkeiten der franziskanischen Orden (im gleichen Bande, 705–713) und »Septimo iam pleno« vom 14. Oktober 1909 über das Verhältnis der franziskanischen »Familien« untereinander (AAS 1 [1909], 725–738).
8 Vgl. vor allem »De vera et perfecta laetitia« (ESSER, Opuscula, 461); II Cel 145 (Anal. Fr. 10,213f.).
9 Testamentum 1. 2. 4. 6. 14. 23. 39 (ESSER, Opuscula, 438–444).
10 E. RENAN, Francois d’Assise, in: Nouvelles études d’histoire religieuse, Paris 1884 (Œuvres complètes, Tome VII, Paris 1955, 919–935; ebd. 920).
11 P. SABATIER, Études inédites sur S. François d’Assise, éditées par A. GOFFIN, Paris 1932, 69f.: »Quand je commençai à travailler, j’avais rêvé de consacrer ma vie à l’étude de trois périodes – Bénies soient les illusions de jeunesse! – Trois périodes: les origines du christianisme avec l’histoire d’Israël, la Révolution française, et la merveilleuse rénovation religieuse réalisée par Saint François d’Assise. Je n’ai pu venir à bout que du premier tiers de mon programme, mais vous, Monsieur Leblond, dit-il à un jeune homme qui paraissait plein de santé, mais qui mourut peu de temps après, à la suite d’excès de travail, II. faut que vous deveniez le créateur de l’histoire religieuse de la Révolution. Vous, dit-il à un autre, en lui mettant la main sur l’épaule pour l’empêcher de se dérober, vous serez l’historien séraphique. Je vous envie: saint François a toujours souri à ses historiens. Son œuvre initiale et son action sur les siècles suivants, n’ont jamais été complètement comprises. Il a sauvé l’Eglise au XIIIe siècle, et son esprit est resté étrangement vivant depuis lors. Nous avons besoin de lui. Si nous savons le vouloir, il reviendra.«
12 Die Ausgabe von 1931 trägt die Bezeichnung: Édition définitive.
13 H. THODE, Franz von Assisi und die Anfänge der Kunst der Renaissance in Italien (11885, 21904, 31926), Wien 41934. Im Vorwort zur zweiten Auflage verwundert sich THODE über die Ungleichheit des Schicksals beider Bücher; im Gegensatz zu demjenigen SABATIERS sei sein eigenes in den neunzehn Jahren seit seinem Erscheinen lange unbeachtet geblieben, ja totgeschwiegen worden. Zu THODES Werk s. auch: Raoul MANSELLI, Franziskus. Der solidarische Bruder, Zürich 1984, 330. MANSELLI bemerkt zutreffend, daß THODES Werk und These »in vieler Hinsicht mehr Aufmerksamkeit verdienen, als man ihnen heute gewöhnlich einräumt.« – Im gleichen Jahr wie THODES Buch erschien ein weiteres Standardwerk protestantischer Franziskus-Forschung: Karl MÜLLER, Die Anfänge des Minoritenordens und der Bußbruderschaften, Freiburg Br. 1885.
14 THODE, o.c. 79.
15 Schon das (auch heute noch nützliche) »Handbuch der Geschichte des Franziskanerordens« von Heribert HOLZAPFEL (Freiburg Br. 1909) enthält einen Abschnitt: »Weltgeschichtliche Bedeutung des hl. Franz« (S. 11–17). Als unterscheidende Merkmale franziskanischer Religiosität nennt der Verfasser dort: »Freiheit des Geistes, Liebe, Frömmigkeit, Fröhlichkeit, Vertraulichkeit«: Qualitäten, die sich wohltuend abheben von: »Pharisäismus, Fanatismus, und Scholastizismus« (ebd. 14). Dem verdienstvollen Werk, der ersten Ordensgeschichte in neuerer Zeit aus der Feder eines Franziskaners, widerfuhr das Unglück, im Pontifikat Pius’ X. zu erscheinen. Dieser merkwürdige Papst, der bekanntlich auch sonst in der Theologie nach Art eines Rasenmähers wirkte, äußerte sein Mißfallen an dem Buch, worauf dessen Lektüre von der Römischen Kurie allen Ordensleuten, Priestern und Studenten untersagt, seine Verbreitung und positive Rezension verboten wurde; s. STANISLAO DA CAMPAGNOLA, Le Origini francescane come problema storiografico, Perugia 21979, 221, Anm. 145.
16 Testamentum 4–6 (ESSER, Opuscula, 438).
17 I Cel 29f. Von den alten franziskanischen Eremitorien erheben vor allem zwei den Anspruch, Ausgangspunkt der ersten franziskanischen »Weltmission« zu sein: Poggio Bustone bei Rieti und der Eremo dei Carceri bei Assisi. In der Nische einer Außenwand der Carceri befindet sich die folgende schöne Inschrift aus dem 16. Jahrhundert: RICEVUTA/CHE EBRO LA/BENEDITIONE/DA SANTO/FRANCISCHO/DIVISENSI IN QUATRO/PARTE E PRESERO LE/QUATRO PARTE DEL/MONDO INDECHATIDO/LORO CHE ESO SANTO/FRANCISCHO DOVIVA/PIARA TUTO/El MONDO: »Nachdem sic den Segen vom heiligen Franziskus erhalten hatten, teilten sic sich in vier Gruppen und zogen in die vier Weltteile, da ihnen die Verpflichtung desselben heiligen Franziskus gegenüber der ganzen Welt aufgezeigt worden war.«
18 P. SABATIER (Hrsg.), Fratris Francisci Bartholi de Assisio tractatus de indulgentia S. Mariae de Portiuncula (Collection d’Études et de Documents, 2), Paris 1900, 26; s. auch: DERS., Étude critique sur la concession de l’Indulgence de la Portioncule ou Pardon d’Assise, Paris 1896.
Eine jede Darstellung des heiligen Franziskus und seiner Bewegung muß sich zunächst mit den Quellen befassen. Es gibt wenige Persönlichkeiten der gesamten älteren Zeit – des Altertums und des Mittelalters – deren Leben und Wirken quellenmäßig so gut dokumentiert ist wie das seine. Die Interpretation der Quellen allerdings stellt den Historiker vor schwierige und nicht selten auch vor unlösbare Probleme. Denn die Texte spiegeln oft ein bestimmtes Stadium einer sich rasch entwickelnden Bewegung wider oder sie wollen, aus dem Blickwinkel der eigenen Zeit und des eigenen Verständnisses, von den Absichten des Franziskus ein Bild für den Leser entwerfen, mit anderen Worten: sie sind tendenziös. Da die Hauptideen des frühen Franziskanertums von nicht wenigen Zeitgenossen als gefährlich angesehen wurden und es tatsächlich auch waren, werden wichtige Informationen oft in umschreibender, andeutender oder verhüllender Form wiedergegeben oder auch in beredter Weise verschwiegen.
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