Freches Gemüse - Anna Hasenfuss - E-Book

Freches Gemüse E-Book

Anna Hasenfuss

0,0
2,49 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Was passiert, wenn man die Balkontür schließt? Vom Kampf um die Sonnenbrille bis hin zum finalen Mordanschlag wird nichts ausgelassen. Wer bekommt den besten Platz, die zickigen Tomaten oder der höhenängstliche Rosmarin? Die höfliche Gurke verliert - zumindest für ein paar Seiten - das Leben. Und ein kleiner Sizilianer mischt die Gesellschaft richtig auf. Sie wissen sicher, dass Radieschen fürchterlich an den Füssen kitzeln können. Nein? Dann lesen Sie dieses Buch! Es wird ihnen die Augen öffnen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 43

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Freches Gemüse

Freches Gemüse1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. KapitelImpressum

Freches Gemüse

»

  Das Schöne am Frühling ist, dass er immer gerade dann kommt,

wenn man ihn am dringendsten braucht.

 «

JEAN PAUL

1. Kapitel

Ächzend richtete Anna sich auf. Dieser Sack Blumenerde, den sie in den dritten Stock gebuckelt hatte, war mindestens einen halben Zentner schwer. Der schmerzende Rücken sagte ihr, dass selbst diese Gewichtsangabe eine glatte Untertreibung war.

In der kleinen Kiste neben der Erde befand sich der zartgrüne Einkauf aus der Gärtnerei und dem kleinen Wochenmarkt im Viertel: Gemüsepflänzchen und ein paar Saatguttüten.

Es war bereits früher Abend, die Sonne war eben dabei, hinter dem Kirchturm zu verschwinden, und Anna beschloss, dass morgen ein besserer Tag zum Pflanzen wäre. Pfeifend schloss sie die Tür zum Balkon und freute sich auf eine heiße Dusche und den anschließenden Abend im gemütlichen Sessel.

Schade, denn das folgende Spektakel hätte sie sicher ungemein unterhaltsam gefunden.

„Gnädigste, wären Sie so freundlich, ihr Laub aus meiner Ranke zu nehmen?“ Die sanfte Stimme klang leicht genervt. Seit Stunden harrten sie in dieser Enge und es hatte den Anschein, als würden sie auch die Nacht dicht gedrängt verbringen. Die Besitzerin „des Laubes“ zischte schnippisch, „Ich höre wohl nicht recht. Ihre Ranken verfangen sich ständig in meinen Blättern. Nicht umgekehrt! Also halten Sie gefälligst ihre Ranken im Zaum! Unverschämtheit!“ Georg Gurke schwieg verärgert. Das konnte ja heiter werden.

Nach einer Weile unterbrach eine charmante Herrenstimme die Stille. Sie schien aus den Tiefen des Korbes zu kommen. „Signora, du hasse Ärger mitte disse Gemuse? Sage Luigi Besseide. Isse wille das rrregeln für disch, meine Schöne.“ Guttural und eindeutig italienisch, bemerkte Georg, blieb jedoch weiter stumm. Dafür meldete sich jetzt seine Nachbarin erneut. „Nein mein Herr, wir haben keinen Ärger und wenn, dann regeln wir das schon selbst.“ „Wir?“, kam es erneut von unten. „Sinde suei Signoras?“ „Herrgott“, fauchte eine weitere weibliche Stimme, Ja, wir sind zu zweit. Gestatten: Clara und Cosima Tomate! Und nun geben Sie endlich Ruhe und hören verdammt noch mal damit auf, meinen Stamm zu streicheln!“ Clara war wütend. Was bildete sich dieser kleine Italiener ein. Wenn sie gekonnt hätte, wäre sie rot geworden, aber dazu fehlten ihr die Früchte. Doch Luigi gab keine Ruhe. „Ah, serre erfreute! Mein Name ist Luigi. Komme directamente aus Sicilia. Unde Signore? Hasse du auch eine Name?“ Georg seufzte, diese Pflanze würde ja doch keine Ruhe geben. „Georg“, stellte er sich daher höflich, aber knapp vor.

„Georg Gurke.“ Neben Luigi kicherte es. „Alter, was haben sich eure Eltern bei diesen Namen gedacht.“ Die Stimme kam eindeutig von einem Jungen. Ein Zweiter fiel unter leisem Gelächter ein und zog die Namen albern in die Länge, „Coooosima, Geeeeorg, Claaara“.

Eine kurze Sekunde blieb es totenstill, doch dann platzte den Pflanzen lautstark der Kragen. Alle redeten durcheinander, bis ein Räuspern sie unterbrach.  „Leute, ik kann bei det Jetöse nich schlafen, is det klar. Also haltet die Klappe und pennt!“ Paul Rose hatte die Unterhaltung verfolgt und sich gefragt, ob auch er so ein Theater veranstaltet hatte, als er hier her kam. Die Antwort lautete: Nein. Weder er, noch Mortimer. Nicht mal Bella, das naive Heckenrösschen. Bislang war es einfach nur ein harmonisches Miteinander auf dem Balkon, mitten in der Stadt.

Paule seufzte und ließ die Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Sie führten ihn in eine Gärtnerei am Rand von Berlin. Er dachte an sonnige Tage, den Bienenschwarm, der täglich die Blüten besuchte und das viele Grün seiner unzähligen Verwandten im Beet. Doch dann kamen graue Tage. Sie wurden ausgegraben, verpackt und in dunkle Kisten gesperrt. Er und ein paar seiner Geschwister fanden sich in einem Ramschladen wieder. Alle mit leuchtend roten Preisschildern versehen, die man ihnen auf die zarten Blätter geheftet hatte. Er war der festen Überzeugung: Das war das Ende. Doch dann kam Anna. Er lächelte versonnen. Unschlüssig hatte sie vor der Kiste mit den eng aneinandergepressten Rosenstämmchen gestanden und entschlossen eines herausgezogen: ihn, Paul „Paule“ Rose. Dreimal hatte er in dem Jahr geblüht, hellgelbe pralle Blüten, zum Dank für das wundervolle Heim, welches er bei Anna haben durfte.

Kurze Zeit später gesellte sich Mortimer zu ihm, ein echter Brite von den Kanalinseln. Er hatte ein ähnliches Schicksal hinter sich und genoss sein Dasein im Balkonkasten.

Bella hatte man einfach so entsorgt, die Ärmste. Mit gebrochenen Ästen und abgerissenen Blättern wurde sie neben der Mülltonne gefunden und es dauerte ewig, bis sie sich erholte. Paule erinnerte sich noch genau an ihre erste Blüte: dunkles Fuchsia. Zauberhaft! Bei diesem Gedanken fielen ihm die Augen zu.

2. Kapitel

Der Morgen empfing sie mit einem strahlendblauen Himmel. Noch war es kühl, aber das würde sich im Laufe des Tages ändern.

Anna war früh aufgestanden, sie freute sich auf ihren Balkon und das Einpflanzen. Den Becher Kaffee nahm sie mit und stand, die Fäuste in die Seiten gestemmt, grübelnd vor den Pflanzen. Dann hob sie kurzentschlossen den Sack Erde vom Boden und entlud einen Großteil des Inhaltes in das Hochbeet an der Stirnseite. Sie grub vier kleine Mulden und wandte sich dem Korb mit den Gemüsepflanzen zu.