Freude am Leben! - Patricia Vandenberg - E-Book

Freude am Leben! E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. »38,6 Grad.« Dr. Daniel Norden hielt das Fieberthermometer vor die Augen und las den Messwert ab. »Leiden Sie in letzter Zeit häufiger unter erhöhter Temperatur?«, erkundigte er sich bei seinem Patienten, dem Journalisten Noel Rombach. Im Geiste setzte er die Erkenntnisse aus seiner Untersuchung wie ein Puzzle zusammen. Das Ergebnis war alles andere als beruhigend. »Keine Ahnung«, beantwortete Noel die Frage seines Hausarztes ungeduldig. »Fieber gemessen habe ich schon ewig nicht mehr. Aber jetzt, wo Sie es sagen ... Ich wache öfter mal nachts auf, weil ich so schwitze. Das war früher nicht der Fall«, gab er nach kurzer Bedenkzeit zu. Dr. Norden hatte ihm zu verstehen gegeben, dass die Untersuchung beendet war, und er erhob sich von der Liege, um das Hemd zuzuknöpfen. »Aber was tut das zur Sache?«, fuhr er ungehalten fort. »Ich bin hier, weil mir dieser ständige Juckreiz langsam aber sicher auf die Nerven geht. Die Kollegen denken schon, ich habe Läuse und machen entsprechend dumme Witze.«

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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Dr. Norden – 113 –Freude am Leben!

Patricia Vandenberg

»38,6 Grad.« Dr. Daniel Norden hielt das Fieberthermometer vor die Augen und las den Messwert ab. »Leiden Sie in letzter Zeit häufiger unter erhöhter Temperatur?«, erkundigte er sich bei seinem Patienten, dem Journalisten Noel Rombach.

Im Geiste setzte er die Erkenntnisse aus seiner Untersuchung wie ein Puzzle zusammen. Das Ergebnis war alles andere als beruhigend. »Keine Ahnung«, beantwortete Noel die Frage seines Hausarztes ungeduldig. »Fieber gemessen habe ich schon ewig nicht mehr. Aber jetzt, wo Sie es sagen ... Ich wache öfter mal nachts auf, weil ich so schwitze. Das war früher nicht der Fall«, gab er nach kurzer Bedenkzeit zu. Dr. Norden hatte ihm zu verstehen gegeben, dass die Untersuchung beendet war, und er erhob sich von der Liege, um das Hemd zuzuknöpfen. »Aber was tut das zur Sache?«, fuhr er ungehalten fort. »Ich bin hier, weil mir dieser ständige Juckreiz langsam aber sicher auf die Nerven geht. Die Kollegen denken schon, ich habe Läuse und machen entsprechend dumme Witze.« Aufgebracht stopfte Noel das Hemd in die Hose und schloss die Gürtelschnalle. Zu gerne hätte Daniel aufmunternd gelacht. Doch dazu gab es keinen Grund. »Verschreiben Sie mir also bitte ein Mittel gegen das Jucken. Dann ist alles wieder gut«, verlangte sein Patient von ihm.

»So gerne ich das auch täte, aber so einfach ist die Sache wahrscheinlich leider nicht«, erwiderte Dr. Norden schweren Herzens und winkte Noel Rombach mit sich.

Der schlang sich die Krawatte um den Hals und folgte seinem Arzt ins Sprechzimmer, wo er Daniel gegenüber auf dem bequemen Schwingsessel am Schreibtisch Platz nahm. Eine steile Sorgenfalte stand zwischen seinen Augen, als er den Knoten festzog.

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Ich will den Teufel nicht an die Wand malen«, begann Daniel zögernd. »Aber all die Symptome – die nächtlichen Schweißausbrüche, das ständig wiederkehrende Fieber, der unerklärliche Gewichtsverlust, das Schwächegefühl, das Sie geschildert haben – all das gibt durchaus Anlass zur Sorge ...«

»An was denken Sie? Burn-out?«, unterbrach Noel seinen Hausarzt beunruhigt. Seit ein paar Kollegen dieser Krankheit zum Opfer gefallen waren und monatelang nicht zur Arbeit gehen konnten, ging diese Diagnose in der Redaktion um wie ein Schreckgespenst. »Ich kann es mir auf keinen Fall erlauben, nicht ins Büro zu gehen«, fügte er vorsorglich hinzu. Nur mit Mühe unterdrückte Daniel ein tiefes Seufzen. Eine Erschöpfungsdepression wäre eine vergleichsweise milde Diagnose im Gegensatz zu den Befürchtungen, die er hegte.

»Sie werden sich auf jeden Fall mit dem Gedanken anfreunden müssen, für zwei, drei Tage in die Klinik zu gehen, um der Ursache für die Lymphknotenschwellung und den anderen Symptomen auf den Grund zu gehen.«

Doch Noel hörte Dr. Norden gar nicht mehr richtig zu. In Gedanken war er längst bei der anstehenden Redaktionskonferenz und warf einen beiläufigen Blick auf die Uhr. »Geht das nicht auch schneller?«, fragte er ungeduldig. »Einen Tag kann ich schon mal frei machen. Länger wird schwierig.«

»Es geht um Ihre Gesundheit!«, warf Dr. Norden schroffer als beabsichtigt ein. Mit fortschreitendem Alter und angesichts der Zerbrechlichkeit des Lebens verstand er es immer weniger, wenn die Menschen ihre Gesundheit – das höchste Gut überhaupt – leichtfertig aufs Spiel setzten und sich keine Zeit dafür nahmen. Wie eine Maschine sollte der Körper funktionieren und ebenso von einem kundigen Arzt schnell und möglichst unkompliziert repariert werden. Doch so war das Leben nun einmal nicht. »Was für einen Wagen fahren Sie?«, stellte er eine augenscheinlich völlig zusammenhanglose Frage, die Noel denn auch mit einem ungläubigen Lachen quittierte.

»Einen nagelneuen 5er BMW. Warum fragen Sie?«

»Und was tun Sie, wenn dieser BMW nicht so funktioniert, wie er sollte?« Daniel dachte nicht daran, sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

»Dann bringe ich ihn selbstverständlich in die Werkstatt. Schließlich hat das gute Stück eine Menge Geld gekostet«, gab Noel Rombach die erwartete Antwort.

Daniel lächelte.

»Und was ist Ihrer Ansicht nach wertvoller? Ihr Wagen oder Ihr Leben?« Manchmal musste er diesen drastischen Vergleich anwenden, um seine Patienten zur Vernunft zu bringen.

Grinsend hob Noel die Hände und gab sich geschlagen.

»Also schön, Doktor. Sie haben gewonnen, selbst wenn ich Ihren Vergleich ein bisschen zu drastisch finde. Aber sei’s drum. Was schlagen Sie vor?« »Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, sollten Sie sich Zeit für Ihre Gesundheit nehmen«, fügte Daniel etwas milder hinzu.

Noel schluckte und nickte. Die Tatsache, dass der Arzt seines Vertrauens nicht auf seinen lockeren Tonfall einging, störte ihn. Und auch an Daniels Tonfall gefiel ihm etwas nicht.

»Also schön. Machen Sie einen Termin in der Klinik Ihrer Wahl aus und geben Sie mir rechtzeitig Bescheid. Ich werde sehen, was ich tun kann.«

»Gut.« Daniel wusste, dass er nicht mehr erwarten konnte, und erhob sich, um seinen Patienten zur Tür zu begleiten. »Ich melde mich bei Ihnen.« Er gab Noel Rombach die Hand und sah ihm nach, bis er am Ende des Gangs um die Ecke verschwand. Erst dann schloss er die Tür und kehrte nachdenklich an den Schreibtisch zurück, um mit der Behnisch-Klinik einen Termin zu vereinbaren, ehe er die nächste Patientenkarte öffnete, die seine treue Assistentin Wendy schon für ihn bereitgelegt hatte. So sehr ihn der Fall Rombach auch beunruhigte, so energisch schob er ihn für den Moment beiseite. Dr. Norden betrachtete es als seine heilige Pflicht, jedem Patienten das gleiche Maß an Aufmerksamkeit und somit seine volle Konzentration zu schenken.

»Das ist eine tolle Geschichte!«, frohlockte Noel Rombach am nächsten Morgen, als er während der allmorgendlichen Redaktionskonferenz die frisch gedruckte Zeitung hochhielt. »Der Landtagsabgeordnete Brummer, der seit Monaten Jagd auf Falschparker macht und drakonische Strafen verlangt, sich selbst jedoch über jedes geltende Recht hinwegsetzt.« Zufrieden betrachtete er das Foto des Landtagsabgeordneten, der nichts ahnend in die versteckte Kamera lächelte. Das Foto war ein paar Monate zuvor entstanden, als er nach einer überstandenen Operation aus der Klinik entlassen worden war. »Ich liebe solche Geschichten!« Noch immer strahlte Noel übers ganze Gesicht, und das Adrenalin kreiste in seinen Adern. »Dummerweise ist die Behörde nicht deiner Meinung«, dämpfte der für den Artikel und das Foto verantwortliche Redakteur Holger Peters die Euphorie des stellvertretenden Chefredakteurs. Das Lächeln auf Noels Gesicht erstarb, als er Holger mit schmalen Augen musterte. »Was soll das heißen?«

»Der Behördensprecher wirft uns vor, unmoralisch gehandelt zu haben. Immerhin handelt es sich um ein Archivfoto«, erwiderte Peters zerknirscht.

Schlagartig brodelte der Zorn in Noel. »Was bitte ist daran unmoralisch?«, ereiferte er sich ärgerlich und warf die Zeitung auf den Tisch, dass die Seiten auf die MDF-Platte des Konferenztisches klatschten. »Niemand außer Brummer selbst ist dafür verantwortlich. Schließlich hat ihn keiner gezwungen, falsch zu parken oder eine Hetzjagd auf Falschparker zu machen. Er hat sich über seine eigene Anordnung hinweg gesetzt, und wir haben ihn dabei erwischt. Pech gehabt.« Wiederum jagte das Adrenalin durch Noels Körper. Diesmal aber, weil er sich so sehr über diese augenscheinliche Ungerechtigkeit aufregte. »Das ist ja alles gut und schön«, mischte sich schließlich der Chefredakteur Anton Baumann in das Gespräch. Bisher hatte er der Diskussion schweigend und mit vor dem mächtigen Bauch verschränkten Händen gelauscht. Doch die wütende Falte zwischen seinen Augen und sein funkelnder Blick sprachen eine deutliche Sprache. »Habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch mit den Behörden anzulegen? Jetzt strafen sie uns wieder tagelang mit Missachtung und schieben womöglich der Konkurrenz ein gutes Thema zu, nur um es uns heimzuzahlen. Wann begreifen Sie endlich, Rombach, dass Sie sich mit diesen Methoden nur ins eigene Fleisch schneiden und darüber hinaus unserem Blatt schaden?«

Mit zusammengebissenen Zähnen lauschte Noel der Standpauke. Nie zuvor war er so sehr unter Druck gestanden wie in den vergangenen Monaten, seit er bei der renommierten Zeitung als stellvertretender Chefredakteur angefangen hatte. Nie hatte er sich so sehr angestrengt. Trotzdem lief es nicht gut.

»Langsam weiß ich nicht mehr, was ich mit Ihnen anstellen soll«, bemerkte Anton Baumann nach der Konferenz. Er hatte seinen Stellvertreter mit einer Geste zurückgehalten, während die anderen Mitarbeiter eifrig diskutierend aus dem Besprechungsraum strömten. »Dass Sie am Anfang Fehler machen, habe ich mir ja noch eingehen lassen. Aber es wird immer schlimmer statt besser. Ihnen unterlaufen Fehler bei der Gewichtung von Themen. Die Formulierung von Schlagzeilen könnte besser sein, und in der Einforderung von Leistung von den Kollegen sind Sie reichlich inkonsequent«, zählte er eine vermeintliche Schwäche nach der anderen auf. »Was mir aber am allerwenigsten gefällt, ist Ihre Unfähigkeit zur Teamarbeit«, schloss Anton Baumann seine Predigt schließlich und blieb vor der Tür zu seinem Büro stehen. Er maß seinen Mitarbeiter mit einem kritischen Blick. »Sie sollten sich meine Worte zu Herzen nehmen. Sonst kann ich Sie nicht mehr lange halten.« Damit war für ihn das Gespräch beendet, und mit einem Nicken ließ er Noel auf dem Flur stehen.

Der stand wie ein begossener Pudel da und fühlte, wie ihn wieder einmal die Schwäche zu übermannen drohte, die ihm seit einigen Wochen – oder waren es schon Monate? – das Leben schwer machte. Er schwankte gefährlich und stützte sich an der Wand ab. »Alles in Ordnung?«, erkundigte sich seine Kollegin Maria Schultheiß besorgt, die ihm auf dem Gang entgegenkam, den Arm voller Akten. »Nur der Kreislauf«, winkte Noel rasch ab und rang sich ein gequältes Lächeln ab. »Es geht schon wieder.« Auf keinen Fall wollte er vor der attraktiven Kollegin Schwäche zeigen, die ihm schon mehr als einmal ganz offensichtliche Avancen gemacht hatte. Das hätte sein Unglück an diesem Tag perfekt gemacht. »Bist du sicher?«, hakte Maria trotzdem nach und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht. »Klar.« Noel stieß sich von der Wand ab, lächelte noch einmal und ging seines Wegs, sich Marias prüfendem Blick in seinem Rücken wohl bewusst.

Der Tag verging so hektisch, wie er begonnen hatte. Noel hatte so viel Arbeit, dass er seine Krankheitssymptome völlig vergaß und erst wieder aus seiner Versunkenheit erwachte, als Holger Peters im Türrahmen erschien. »Du bist ja immer noch da«, stellte der Kollege überflüssigerweise fest und trat an den Schreibtisch, um Noel einen Zettel mit einer handschriftlichen Notiz zu reichen. Erschöpft und müde warf der stellvertretende Chefredakteur den Kugelschreiber auf den Tisch und lehnte sich zurück. Er streckte sich und gähnte herzhaft.

»Was ist das?«, fragte er dann mit Blick auf das Stück Papier.

»Eine Telefonnotiz von deiner Assistentin. Julie meinte, du wärst die ganze Zeit nicht ansprechbar gewesen.« Grinsend deutete er auf den ausgehängten Telefonhörer. »Kein Wunder.«

»Ich brauchte einfach eine Weile Ruhe, um Ordnung in das Chaos zu bringen«, verteidigte sich Noel matt und streckte die Hand nach der Notiz aus. »Behnisch-Klinik«, las er vor. Datum und Uhrzeit waren ebenfalls notiert. »Dr. Norden meint es also wirklich ernst.«

»Klinik?«, wiederholte Hannes erschrocken. »Bist du krank?«

»Höchstens überarbeitet«, beschwichtigte Noel seinen Freund und Kollegen. »Der Doc will mich trotzdem auf den Kopf stellen. Und irgendwie hat er so eine Art an sich, der man wenig entgegensetzen kann«, sinnierte er nachdenklich. »Ich sollte ihn mal fragen, ob er sich nicht als Autor versuchen will.« »Baumann wird jedenfalls begeistert sein, wenn du zwei volle Tage ausfällst«, ging Holger nicht weiter auf diese ohnehin nicht ernst gemeinte Bemerkung ein.

»Ich werde mir Arbeit mit in die Klinik nehmen.« Noel rollte mit dem Stuhl zurück und stand auf. »Außerdem bin ich sicher, dass die Ärzte nichts finden werden. Aber dann habe ich wenigstens Gewissheit, und Dr. Norden muss mir was gegen diesen ekelhaften Juckreiz verschreiben.« Kaum aus der Konzentration aufgetaucht, setzte das quälende Jucken am ganzen Körper wieder ein. Noel verrenkte sich, um sich zwischen den Schulterblättern zu kratzen.

»Was dir fehlt, ist ein ordentliches Bier«, bemerkte Holger und lachte aufmunternd. »Wie schaut’s aus? Kommst du mit? Walther, Berner und Simmons sind auch mit dabei«, zählte er die Reihe der Kollegen auf, die sich allabendlich zu Crostini, Pizza, Bier und Wein bei ihrem Stammitaliener trafen, um sich zu entspannen und über die Geschehnisse des Tages zu diskutieren. »Hmmm«, brummte Noel nachdenklich. »Eigentlich habe ich Saskia versprochen, heute mal früher heimzukommen. Sie will irgendwas mit mir besprechen.« Er versuchte, so beiläufig und desinteressiert wie möglich zu klingen. Dabei wusste er, dass es Saskia wirklich ernst war. Schon mehrfach hatte er das drohende Gespräch verschoben. Dies war seine letzte Chance. Doch die Angst, in der Kollegenrunde etwas zu verpassen, war größer als der Drang, nach Hause zu gehen und sich einem möglicherweise folgenschwerem Gespräch zu stellen.

»Ich kenne solche Gespräche«, erriet Holger Peters denn auch die Sorgen, die Noel in diesem Augenblick bewegten. »Glaub mir, du erträgst es besser, wenn du vorher ein, zwei Bier hast.«

Mehr brauchte es nicht, um Noel zum Mitkommen zu bewegen.

»Du hast recht. Ich schreibe ihr von unterwegs eine Nachricht, dass ich ein bisschen später komme«, willigte er rasch ein und schlüpfte in sein Sakko. Holger lachte zufrieden und klopfte seinem Kollegen auf die Schulter.

»Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann«, stellte er auf dem Weg durch die um diese Uhrzeit menschenleere Redaktion fest.

Es war schon spät, als Noel den Schlüssel so leise wie möglich ins Schloss steckte und umdrehte. Die Schuhe hatte er vorsichtshalber schon vor der Tür ausgezogen und wollte auf Socken in die Wohnung schleichen, als plötzlich das Licht im Flur aufflammte. »Verstehst du das unter ›ein bisschen später‹?« Mit verschränkten Armen stand Saskia an den Türrahmen gelehnt und starrte ihren Lebensgefährten aus kleinen müden Augen an. Ihr Gesicht war fahl und blass, die Augen dunkel umschattet. Die blonden Strähnen fielen ihr wirr ins Gesicht.