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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Aber Lutz, du kannst doch nicht so einfach Schluss mit mir machen. Hast du schon vergessen, wie glücklich wir waren?« Verzweifelt wollte sich Selma Nitsch an den Hals des Mannes werfen, der ihr verlegen lächelnd gegenüberstand. Aber Lutz dachte nicht daran, das Flehen seiner Freundin zu erhören. Seine am Morgen diesen Tages getroffene Entscheidung stand fest. »Du weißt so gut wie ich, dass es keinen Sinn hat. Wir passen einfach nicht zusammen, und es hat keinen Zweck, noch länger, um etwas zu kämpfen, das ohnehin aussichtslos ist.« »Aber gestern Abend war doch noch alles ganz anders. Ich verstehe dich einfach nicht«, wehrte sich Selma verzweifelt gegen seine endgültigen Worte. »Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?« »Ich kann es nicht glauben.« Selma betrachtete ihren Freund, der ihr wie so oft, wie ausgewechselt schien. Bei einem Treffen liebevoll, zärtlich und verständnisvoll, konnte er tags darauf ebenso ruppig und unverschämt sein. »Manchmal denke ich, ich kenne dich nicht.« »Das macht nichts. Es sollte dir Lehre genug sein, dass es dir bis heute nicht gelungen ist, mich zu verstehen.« »Du hast mir nie eine reelle Chance dazu gegeben. Kein einziges Wort hast du je über dich gesprochen.« Lutz betrachtete seine Freundin mit stechendem Blick und lachte hämisch.
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Aber Lutz, du kannst doch nicht so einfach Schluss mit mir machen. Hast du schon vergessen, wie glücklich wir waren?« Verzweifelt wollte sich Selma Nitsch an den Hals des Mannes werfen, der ihr verlegen lächelnd gegenüberstand.
Aber Lutz dachte nicht daran, das Flehen seiner Freundin zu erhören. Seine am Morgen diesen Tages getroffene Entscheidung stand fest.
»Du weißt so gut wie ich, dass es keinen Sinn hat. Wir passen einfach nicht zusammen, und es hat keinen Zweck, noch länger, um etwas zu kämpfen, das ohnehin aussichtslos ist.«
»Aber gestern Abend war doch noch alles ganz anders. Ich verstehe dich einfach nicht«, wehrte sich Selma verzweifelt gegen seine endgültigen Worte.
»Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?«
»Ich kann es nicht glauben.« Selma betrachtete ihren Freund, der ihr wie so oft, wie ausgewechselt schien. Bei einem Treffen liebevoll, zärtlich und verständnisvoll, konnte er tags darauf ebenso ruppig und unverschämt sein. »Manchmal denke ich, ich kenne dich nicht.«
»Das macht nichts. Es sollte dir Lehre genug sein, dass es dir bis heute nicht gelungen ist, mich zu verstehen.«
»Du hast mir nie eine reelle Chance dazu gegeben. Kein einziges Wort hast du je über dich gesprochen.«
Lutz betrachtete seine Freundin mit stechendem Blick und lachte hämisch.
»Was sollte ich kleiner Student und Lagerarbeiter dir auch zu
sagen haben? Die Welten, aus denen wir kommen, sind ganz einfach zu verschieden. Deine Eltern haben das von Anfang an begriffen. Aber du wolltest es nicht einsehen.«
»Meine Eltern? Ach, du meinst Cordula und Hannes«, erinnerte sich Selma fröstelnd daran, ihm auch nicht immer reinen Wein eingeschenkt zu haben. Aber das spielte jetzt keine Rolle mehr. »Am Anfang hast du aber noch ganz anders gesprochen.«
»Am Anfang war ich auch blind und verliebt. Das kannst du mir kaum zum Vorwurf machen. Aber jetzt sehe ich endlich klar und weiß, dass es so nicht weitergehen kann.«
»Aber wir sind doch schon so weit gekommen«, bettelte Selma weiter, obschon sie wusste, dass er recht hatte. »Gib uns doch noch eine einzige Chance.«
»Wie viele Chancen brauchst du denn noch, um einzusehen, dass es nicht geht? Glaube mir, mir fällt dieser Schritt auch nicht leicht. Aber es wird Zeit, dass sich unsere Wege endgültig trennen. Du hast genau wie ich ein Recht darauf, dein Glück zu finden. Gemeinsam ist uns das nicht gelungen«, erklärte Lutz ein wenig weicher. Seine Augen waren glasig, sein Kinn unrasiert. Selma redete sich ein, dass auch er voll des Kummers war über die getroffene Entscheidung. Zumindest das war ihr ein kleiner Trost.
»Du glaubst wirklich, was du da sagst, nicht wahr?«, seufzte sie endlich einsichtig.
»Natürlich. Und du weißt, dass ich recht habe.«
»Na schön. Dann werde ich also jetzt gehen.« Bedrückt sah sich Selma in der Wohnung um, die für ein paar Monate ihr zweites Zuhause gewesen war. »Meine Sachen hole ich ein anderes Mal. Ich kann jetzt nicht. Auf Wiedersehen, Lutz.«
»Leb wohl, Selma.« Er öffnete ihr mit einer unsicheren Bewegung die Tür, und ihr blieb nichts anderes übrig, als der stummen Aufforderung zu folgen. Mit hängenden Schultern verließ sie Lutz und stieg die Stufen des Wohnhauses hinunter. Sie fühlte sich leer und ausgebrannt. Alles, wofür sie in den vergangenen Monaten gekämpft hatte, schien umsonst gewesen zu sein.
Um ihre triste Stimmung noch zu unterstreichen, fiel draußen ein feiner Nieselregen auf den grauen Schnee, der die Straßen bedeckte. Auf eine lang anhaltende Kälteperiode war ein Wärmeeinbruch gefolgt und hatte die weiße Pracht in hässlichen Matsch verwandelt. Selma kam diese triste Stimmung gerade recht. Sie wanderte durch die Straßen und gelangte schließlich in das Viertel, in dem die Altbauwohnung lag, die sie mit ihrer Freundin Nelly bewohnte.
»Es ist aus«, murmelte sie, als die sie erwartungsvoll im Flur begrüßte.
»Wie bitte?«
»Ich sagte, es ist aus«, wiederholte Selma mit Grabesstimme. »Lutz hat Schluss gemacht.«
»Na endlich. Ich dachte schon, ihr beiden kommt niemals mehr voneinander los. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass dieses Chaos dann endlich ein Ende hat«, erklärte Nelly schonungslos. »Außerdem konnten dein Onkel und deine Tante ihn ohnehin nicht leiden.«
»Ist das ein Argument? Den beiden war noch nie jemand gut genug. Und vielen Dank auch für deine mitfühlenden Worte«, schnaubte Selma empört.
»Was willst du denn von mir hören? Soll ich dich bemitleiden und dich damit nur noch mehr ins Unglück stürzen?«
»Nein, natürlich nicht. Du hast ja recht. Sag mal, kommst du mit zum Langlaufen? Ich brauche jetzt einen Ausgleich.«
»Bist du verrückt geworden? Bei dem Wetter?«
»Ist doch egal. Wenn ich schon kein Mitleid bekomme, dann habe ich wenigstens moralische Unterstützung verdient«, beharrte Selma eigensinnig.
Nelly seufzte. Der Argumentation ihrer Freundin war sie an diesem Samstagnachmittag nicht gewachsen.
»Also schön. Was sollte man bei diesem Wetter auch anderes machen? Auf diese Art und Weise kommen wir wenigstens an die frische Luft.«
Rasch waren Jeans und Pullover gegen Langlaufkleidung vertauscht, und tapfer machten sich die beiden Freundinnen mit dem Wagen auf den Weg an den Stadtrand. Zu Selmas großer Erleichterung waren sie fast alleine. Kaum ein Mensch wagte sich bei diesem Wetter ins Freie.
»Auf diese Weise hat man wenigstens die Natur für sich«, lächelte Nelly schicksalsergeben. »So eine Stille habe ich hier noch nie zuvor erlebt.«
»Und so eine Kälte. Ich bin ganz klamm.«
»Wir sollten ein paar Aufwärmübungen machen.«
»Nein, keine Lust. Lass uns loslaufen. Sonst ist es dunkel, ehe wir zurück sind. Und darauf habe ich auch keine Lust«, erklärte Selma und schien schon nicht mehr so begeistert von ihrer Idee zu sein. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr.
Nelly übernahm die Führung und lief mit großen, geübten Schritten voran. Selma, die erfüllt war von ihrem Schmerz, Lutz für immer verloren zu haben, folgte ihr langsam. Der Abstand wurde größer und größer, als Nelly endlich innehielt und nach der Freundin Ausschau hielt.
»Mausi, wo bist du denn? Ich kann dich gar nicht mehr sehen, so düster ist es.«
»Keine Sorge, ich bin hier«, rief Selma und beschleunigte ihren Schritt. Tatsächlich hatte sich dichter Nebel wie eine Wand zwischen sie geschoben. Die langsam einsetzende Dämmerung tat noch ihr Übriges dazu.
»Sei vorsichtig. Da vorne ist ein unangenehmes Loch. Ich wäre beinahe mit der Skispitze darin hängen geblieben«, stieß Nelly eine fürsorgliche Warnung aus. Aber ein schmerzerfüllter Schrei ihrer Freundin ließ sie ahnen, dass es zu spät gewesen war.
»Aua, so ein Mist. Das hat mir gerade noch gefehlt«, fluchte Selma. Sie saß im Schnee und rieb sich das schmerzende Knie.
»Was ist passiert? Ich kann dich gar nicht sehen.«
»Deine Warnung kam zu spät. Ich bin gestürzt und habe mir das Knie verdreht. O Mann, das tut vielleicht weh.«
Nelly wendete und tastete sich auf ihren Skiern vorsichtig zurück. Schemenhaft erschien die Gestalt ihrer Freundin in der Düsternis.
»Kannst du aufstehen, Mausi?«, fragte sie, als sie Selma erreicht hatte. Schon schnallte sie ihre Ski ab und kniete fürsorglich neben der Verletzten nieder.
»Wenn du mir hilfst, geht es vielleicht.« Mit klammen Fingern machten sich die beiden Frauen an der Skibindung zu schaffen. Wenig später stand Selma mit angezogenem Bein auf Nelly gestützt und versuchte ein Lächeln.
»Das musste ja passieren. Ein Unglück kommt schließlich selten allein.«
»So ein Unsinn. Du kannst von Glück sprechen, dass du nicht alleine unterwegs bist. Dann hättest du Grund zum Jammern«, erklärte Nelly resolut, wie es ihre Art war. Sie dachte einen Augenblick nach. »Pass auf. Die Skier lassen wir hier und ich helfe dir zum Auto zurück. Dann fahre ich dich in die Klinik in die Notaufnahme. Während du bei der Untersuchung bist, hole ich unsere Sachen ab.«
»Du bist immer so ungemein praktisch«, bewunderte Selma ihre Freundin mit schmerzverzerrtem Gesicht. »Probier du es mal mit Lutz. Wahrscheinlich hättest du bei ihm mehr Glück.«
»Vergiss doch mal diesen Mann. Ich glaube, wir haben jetzt andere Sorgen«, mahnte Nelly streng und half Selma, die mühsam auf einem Bein den Weg zurückhumpelte. Endlich kam der Wagen in Sicht, und die beiden Frauen machten sich auf den Weg in die Behnisch-Klinik.
»Du hast leicht reden. Immerhin hast du diese Sorgen nicht«, setzte Selma das unterbrochene Gespräch in Nellys Auto fort.
»Ich weiß schon, warum ich mich nicht mit einem Mann einlasse. Wie man sieht, erspart mir das jede Menge Kummer und Sorgen.«
»Glaubst du, mir macht es Spaß, mich immer wieder unglücklich zu verlieben?«
»Bei dir siegt ständig die Hoffnung über die Vernunft, was?«, lächelte Nelly mit leisem Spott. »Über das Stadium bin ich inzwischen zum Glück hinaus. Ich weiß ganz genau, dass alle Männer im Grunde genommen doch gleich sind.«
»Diese Erkenntnis fehlt mir noch. Aber sieh mal, wir sind schon da.«
Tatsächlich erschien in diesem Augenblick die freundlich erleuchtete Behnisch-Klinik am Straßenrand. Auf dem Hof vor der Notaufnahme fand sich rasch ein freier Parkplatz. Viele Menschen schienen kein überraschendes Unglück zu beklagen zu haben. So hoben auch nur zwei Frauen und ihre Begleiter und ein Mann ihre Köpfe, als Selma und Nelly mit leisem Gruß eintraten und sich am Empfang meldeten. Freundlich nahm die Schwester die Daten von Selma Nitsch auf und wies den beiden Frauen anschließend einen Platz in dem einladend ausgestatteten Wartezimmer an.
»Du hast doch nichts dagegen, wenn ich jetzt wieder fahre, oder?«, fragte Nelly, nachdem sie eine Weile schweigend neben der stummen Selma gesessen hatte.
»Natürlich nicht. Ich werde schon klarkommen.«
»So sicher bin ich mir bei dir nicht. Am liebsten würde ich dich auf Schritt und Tritt verfolgen, damit nicht noch etwas geschieht. Aber ich muss jetzt doch unbedingt die Skier holen, bevor sie noch gestohlen werden. Ich habe ja nicht das Glück, reiche Verwandte zu besitzen, die mir ohne mit der Wimper zu zucken neue kaufen«, lächelte sie neidlos.
»Ganz so ist es nun auch wieder nicht«, gab Selma augenzwinkernd zurück. Die beiden verband eine jahrelange Freundschaft und sie verstanden sich inzwischen beinahe blind. »Aber geh nur und überlass mich hier meinem Schicksal.«
»Das tue ich guten Gewissens. Der junge Mann da drüben schaut wirklich schon sehr interessiert rüber.«
»Nein danke, mein Bedarf an Männern ist vorläufig wirklich gedeckt.«
»Dein Wort in Gottes Ohr«, lachte Nelly, um sich kurz darauf fürs Erste zu verabschieden.
*
»Wo steckt das Kind denn nur schon wieder?« Cordula Richartz’ Stimme schrillte unangenehm durch die große Halle. Ihr Mann Hannes, der eben von der Arbeit nach Hause kam, war versucht, sich die Ohren zuzuhalten. Um sich unnötigen Ärger zu ersparen, verzichtete er allerdings auf diese Geste.
»Hallo, Liebling«, begrüßte er seine Frau mit den üblichen Worten, die nach all den Jahren nicht mehr als eine Floskel waren. »Was ist denn passiert, dass du dich so aufregen musst?«
»Dieses undankbare Kind ist schon seit Tagen nicht zu erreichen. Vermutlich steckt sie wieder bei diesem schrecklichen Lagerarbeiter.«
»Wenn ich mich recht erinnere, ist er in erster Linie Student der Soziologie.«
»Na und? Was fängt man mit dieser brotlosen Kunst an? Ein Betriebswirtschaftsstudium wäre in der heutigen Zeit aussichtsreicher. Zumindest, wenn man es zu etwas bringen will.«
»Es gab Zeiten, da hast du ganz anders gesprochen, meine Liebe«, erinnerte Hannes seine Frau voller Nachsicht. Er unterdrückte ein Gähnen. »Außerdem glaube ich nicht, dass wir uns darüber den Kopf zerbrechen müssen, was Selmas Freund studiert. Es reicht, dass wir unsere Nichte ganz im Sinne deines Bruders auf einen rechten Weg gebracht haben.«
»Trotzdem finde ich, sie könnte sich ein wenig dankbar erweisen und sich hin und wieder einmal melden«, ließ Cordula ihre schlechte Laune weiterhin an ihrer Nichte Selma aus.
»Nimm es als gutes Zeichen«, gab Hannes ihr einen wohlmeinenden Rat und ging in die Küche, um sich ein Bier zu holen. Seine Frau folgte ihm mit klappernden Absätzen. »Solange wir nichts von ihr hören, ist alles in Ordnung. Aber wo ist denn das Bier? Haben wir keines mehr?«
»Die Haushälterin wollte eines holen. Vielleicht ist es im Kühlfach.«
»Ah ja, hier haben wir es ja. Was steht denn heute Abend auf dem Programm?«, erkundigte sich Hannes, nachdem er einen erfrischenden Schluck genommen hatte.
»Eine Einladung bei den Brehms.«
»Brehm? Brehm? Hilf mir, wer ist das genau?«
»Also, Hannes, du willst mich ärgern, nicht wahr? Das ist das Ehepaar, das den Vorsitz im Förderverein für zeitgenössische Kunst innehat.«
»Jetzt erinnere ich mich. Wie heißen die beiden doch gleich? Anne und Fred?«
»Du bist unverbesserlich. Ich werde dir eine Namensliste mit den Daten all unserer Bekannten machen, damit du mich nicht ständig blamierst. Sie heißt übrigens Annegret und er Jürgen«, belehrte Cordula ihren Mann streng.
»Da lag ich ja gar nicht so falsch.«
»Wie man es nimmt. Auf jeden Fall solltest du dich jetzt bitte frisch machen und umziehen. Wir werden in weniger als einer Stunde erwartet.«
»Schon in einer Stunde?«, fragte Hannes mit gelindem Entsetzten nach. »Muss das sein?«
»Ein gewisser Status fordert eben seine Opfer.«
Hannes betrachtete seine Frau nachdenklich und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Bierglas. Offenbar hatte er nicht vor, sich aus der Ruhe bringen zu lassen.
»Weißt du, wonach ich manchmal richtig Sehnsucht habe?«
»Keine Ahnung.«
»Nach einem ruhigen Abend nur mit dir allein. Ich möchte wieder einmal wie früher mit dir auf der Couch sitzen, eine schöne Flasche Wein trinken oder meinetwegen auch eine ganz billige und einfach nur über die gute alte Zeit reden«, sprach Hannes seine Sehnsucht mit verklärtem Gesichtsausdruck aus.
»Klingt nach Midlife-Crisis«, kommentierte Cordula den Wunsch ihres Mannes unbarmherzig. »Seit wann hegst du so merkwürdige Wünsche? Oder hat dir gar eine andere Frau diesen Floh ins Ohr gesetzt?«
»Ich habe nicht die geringste Ahnung, wann ich auch noch eine andere Frau in meinem Leben unterbringen sollte.«
»Das wird auch gut so sein. Ich bin stolz darauf, was wir uns alles geschaffen haben. Das soll auch so bleiben«, gab Cordula milde lächelnd zurück. »Aber jetzt Beeilung bitte.« Sie klatschte auffordernd in die Hände, um ihren Mann anzutreiben, als das Telefon klingelte. Eine steile Falte erschien zwischen Cordulas sorgfältig gezupften Augenbrauen.
