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Eine Entdeckungstour zum Strand der Felseninsel wird für die Fünf Freunde zum Ausflug des Grauens: Dichter Nebel zieht auf – und plötzlich entdecken sie auf dem Wasser ein unheimliches Segelschiff, das scheinbar ohne Besatzung durch die Klippen steuert. Entsetzt nehmen die Freunde Reißaus. Als sie jedoch von dem uralten Fluch eines längst versunkenen Geisterschiffs hören, wittern die Fünf ein neues Abenteuer. Sie beginnen, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen und stoßen auf einen Schatz, der vor vielen Jahren zusammen mit dem Geisterschiff versunken sein soll. Doch die Freunde sind nicht die einzigen, die sich dafür interessieren ...
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2015
Über das Buch
Eine Entdeckungstour zum Strand der Felseninsel wird für die Fünf Freunde zum Ausflug des Grauens: Dichter Nebel zieht auf – und plötzlich entdecken sie auf dem Wasser ein unheimliches Segelschiff, das scheinbar ohne Besatzung durch die Klippen steuert. Entsetzt nehmen die Freunde Reißaus. Als sie jedoch von dem uralten Fluch eines längst versunkenen Geisterschiffs hören, wittern die Fünf ein neues Abenteuer. Sie beginnen, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen und stoßen auf einen Schatz, der vor vielen Jahren zusammen mit dem Geisterschiff versunken sein soll. Doch die Freunde sind nicht die einzigen, die sich dafür interessieren ...
Über die Autorin
Enid Blyton, 1897 in London geboren, begann im Alter von 14 Jahren, Gedichte zu schreiben. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1968 verfasste sie über 700 Bücher und mehr als 10000 Kurzgeschichten. Bis heute gehört Enid Blyton zu den meistgelesenen Kinderbuchautoren der Welt. Ihre Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt.
Fünf Freunde
und das Geisterschiff
Illustriert von Bernhard Förth
Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House
1. Auflage
© 2015 cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House, MünchenAlle Rechte vorbehaltenEin neues Abenteuer der von Enid Blytonerfundenen Figuren »Fünf Freunde«Diese Geschichte wurde von Sarah Bosse geschrieben.Enid Blytons Unterschrift und »Fünf Freunde«sind eingetragene Warenzeichen von Hodder and Stoughton Ltd.© 2015 Hodder and Stoughton Ltd.Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten.Lektorat: Andreas RodeUmschlagbild: Silvia ChristophInnenillustrationen: Bernhard FörthUmschlaggestaltung: Atelier Langenfass, IsmaningSaS · Herstellung: RFSatz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-17803-1www.cbj-verlag.de
Tante Fanny kriegt Besuch
Tante Fanny machte ein gequältes Gesicht und rang sich ein Lächeln ab. »Ich sehe doch, dass ihr raus wollt. Geht nur.«
»Ist das wirklich okay?«, fragte Richard unsicher. »Du hast doch gesagt, dass du Migräne hast, und du hast doch bestimmt einiges vorzubereiten, wenn du nachher Besuch bekommst.«
Tante Fanny winkte ab. »Das ist lieb von dir, Richard, dass du dir Gedanken machst, aber es kommen doch nur zwei Nachbarinnen zum Tee. Da betreibe ich keinen großen Aufwand.«
Julius grinste. »Willst du uns damit auf freundliche Art sagen, dass wir doch nur im Weg sind?«
Jetzt lachte Tante Fanny, fasste sich aber gleichzeitig an die Schläfe. »Nein, Julius, so war das nicht gemeint. Ihr seid mir nie im Weg. Im Gegenteil, ich freue mich immer sehr, wenn ihr uns in der Felsenbucht besuchen kommt.«
»Sind deine Kopfschmerzen denn immer noch so schlimm, Mutter?«, fragte Georg. »Vielleicht solltest du deinem Besuch lieber absagen?«
Tante Fanny schüttelte mit einer vorsichtigen Bewegung den Kopf. »Ich werde mir das Kuchenbacken sparen und mich noch ein wenig hinlegen. Die Damen werden es verschmerzen, wenn sie zum Tee nur Shortbread bekommen. Das habe ich noch fertig in der Dose.«
»Ich kann doch einen Kuchen backen!«, rief Anne spontan. Sie warf einen kurzen Blick aus dem Fenster und rümpfte die Nase. »Bei dem Wetter habe ich sowieso keine große Lust, an den Strand zu gehen. Ich bleibe gern hier.«
Anne ist eine richtige kleine Hausfrau, ging es Georg durch den Kopf. Sie selbst konnte kein Wetter der Welt davon abhalten, hinauszugehen, hinaus an ihren geliebten Strand. Zum Glück war ihr Hund Tim dabei immer ein treuer Begleiter. Und nun waren auch noch ihre Cousins Julius und Richard mit von der Partie. Sie verbrachten zusammen mit ihrer Schwester Anne einmal mehr die Ferien bei ihrer Tante Fanny und ihrem Onkel Quentin in der Felsenbucht.
»Ich weiß gar nicht, was Anne hat«, sagte Georg, als sie zusammen mit Tim und den Jungen auf dem Weg zum Meer war. »Da haben wir doch nun wirklich schon schlimmeres Wetter erlebt.« Sie zog sich die Kapuze über den Kopf.
Julius nickte und nahm seine Mütze aus der Jackentasche, während er in den feinen Nieselregen blinzelte. »Stimmt. Sogar richtig schwere Stürme haben wir hier an der Felsenküste schon gehabt.«
Nur Richard fröstelte ein wenig und zog die Schultern hoch, als sie über den Uferweg liefen. »Aber grau in grau ist es schon.«
Jetzt lachte Georg. »Der Trick ist, dass man jedes Wetter so nehmen muss, wie es ist, denn man kann ja sowieso nichts dran ändern. Und man muss bei jedem Wetter raus und Sauerstoff tanken. Denn auch wenn man’s nicht glauben mag: Die Sonne scheint trotzdem!«
»Aber die Wolken dürften ihre Strahlen heute ruhig hin und wieder hindurchlassen«, entgegnete Richard, der sich ärgerte, dass er keinen dickeren Pullover angezogen hatte. Doch zum Glück war es heute ja nicht windig. Als sie den Wassersaum erreicht hatten, sahen sie, wie ruhig das Meer war. Nur kleine Wellen leckten rhythmisch und leise an den Felsen.
Georg stellte sich in den groben Kies, gerade so nahe an der Wasserlinie, dass die Wellen ihre Füße nicht erreichen konnten, und breitete die Arme aus. »Ist das nicht herrlich?«, rief sie und atmete tief durch die Nase ein. »Das ist doch allemal besser als die stickige Luft im Internat.«
Tim begann derweil, das Meer zu verbellen. Das machte er oft so. Es war wie ein Begrüßungsritual.
Julius fand, dass Georg ein wenig übertrieb. Auch während der Schulzeit, die sie im Internat verbrachten, waren sie viel an der frischen Luft. Sport und Bewegung wurde nicht nur an der Schule der Jungen großgeschrieben, sondern auch bei den Mädchen. Das wusste Julius. Und außerdem wohnte ja Tim bei Georg im Internat und der musste dreimal am Tag seinen Spaziergang haben.
Dennoch. Er wusste, was Georg meinte. Hier am Meer in der Felsenbucht, da ergriff sie alle immer wieder das Gefühl von Weite und Freiheit. Und sie genossen viel Freiheit, wenn sie in den Ferien hier waren, das musste er zugeben.
Die Weite jedoch war heute nur zu erahnen. Wie Richard bereits richtig festgestellt hatte, war der Himmel grau in grau. Dichter Dunst entzog den Horizont ihren Blicken.
Wie immer begann Georg, kaum dass sie am Strand war, nach allem zu suchen, was nur irgendwie interessant sein könnte. Schon bald hatte sie eine Angelschnur gefunden, die sich zwischen den dickeren Steinen gefangen hatte, und begann eifrig, diese zu entwirren. Doch dann kam sie an einen Knoten, den sie einfach nicht auseinanderbekam. Kopfschüttelnd knubbelte sie die Schnur zusammen und steckte sie in die Anoraktasche.
»Warum nimmst du die Schnur denn mit, wenn du sie nicht entwirren kannst?«, wollte Richard wissen. »Die ist doch zu nichts mehr zu gebrauchen.«
Georg fixierte ihren Cousin mit ernstem Blick. »Es ist eine ganz schlimme Unsitte, Angelschnüre als Müll zurückzulassen. Seevögel können sich darin verfangen und elend zugrunde gehen. Ich werde die Schnur nachher in den Abfalleimer werfen.«
Damit ließ sie Richard stehen, um sich weiter der Suche nach interessantem Strandgut zu widmen.
Typisch Georg, dass sie so weitsichtig ist, dachte Richard und schaute ihr nach.
Julius interessierte sich mehr für Steine und Fossilien. Er hatte am Kiesstrand schon so manchen Schatz gefunden. Sein schönstes Exemplar war ein Bernstein, groß wie ein Toffee-Bonbon, den er unter den staunenden Blicken der Mitschüler stolz im Erdkundeunterricht präsentiert hatte.
Neugierig bückte er sich, um die Steine von Nahem zu betrachten. Verbarg sich im Kies auch heute wieder ein besonders schönes Exemplar? Ein Stein, in den das Salzwasser in Jahrtausenden ein Loch hineingefressen hatte? Einer, den das Meer kugelrund geschliffen hatte? Einer mit funkelnden Glitzerkristallen? Julius spähte so intensiv nach den Steinen, dass ihm beinahe schwindelig wurde.
Richard hatte sich inzwischen etwas weiter weg zwischen die größeren Felsen gehockt. Dort tummelten sich jede Menge kleiner Krebse. Es machte ihm Spaß, ihnen zuzuschauen, wie sie versuchten, an den glatten Steinen emporzuklettern. Außerdem kam es ihm hier wärmer vor.
Manche Krebse hatten sich halb in den Sand gegraben, der sich zwischen den Felsen angesammelt hatte, und lagen regungslos da. Erst als Richard mit der Fingerspitze nach ihnen langte, krabbelten sie weiter, noch ehe sein Finger sie berührt hatte.
In Gedanken fing Richard an, ihnen Namen zu geben. Der hartnäckige August versuchte unermüdlich, an einem Stein hochzuklettern, rutschte aber immer wieder ab. Der träge Oskar bewegte sich nur sehr langsam von der Stelle, während der kampflustige Wilbur seine Scheren in die Höhe reckte, sobald Richard seine Fingerspitze ins Wasser tauchte.
Als der kleine blassrosa Krebs sich ein Stück zur Seite bewegte, entdeckte Richard plötzlich einen Belemniten, den die Wellen zwischen die Steine getragen hatten. Schnell tauchte er seine Hand ins Wasser und fischte ihn heraus. Wenn nur der Krebs ihn nicht zwickte! Julius würde neidisch sein!
»He, Julius!«, rief er zu seinem Bruder hinüber. »Schau mal, was ich gefunden habe! Einen Belemnit! Und was für ein Riesenteil! Da staunst du, was?«
Richard richtete sich auf, weil er neugierig auf Julius’ Reaktion war. Er hatte gar nicht bemerkt, dass inzwischen dichter Nebel aufgezogen war. Von seinem Standpunkt aus konnte er seinen Bruder, der am Wassersaum im Kies kauerte, kaum mehr ausmachen. Nur schemenhaft erkannte er Julius’ Silhouette. Von Georg war nichts zu sehen. Schnell kletterte er über die Felsen zum Strand und lief zu seinem Bruder.
»Meine Güte, was für ein Nebel!«, sagte Julius. »Er muss in null Komma nichts aufgezogen sein, ich habe es gar nicht bemerkt. Gespenstisch ist das.«
»Allerdings«, bestätigte Richard. Plötzlich klangen alle Geräusche viel dumpfer. Es war, als wären sie in eine dicke Wattehülle gepackt worden. »Wo steckt eigentlich Georg?«
Julius streckte den Arm aus. »Ich hab sie zuletzt irgendwo dort hinten rumlaufen sehen. Aber das heißt gar nichts.«
Im selben Moment ertönte aus der Ferne ein Nebelhorn. Ein Schiff schickte den tiefen Ton von weither durch den Nebel zu ihnen. Dann verhallte der Ton langsam, bevor ein zweiter folgte.
Richard spürte eine Gänsehaut den Rücken heraufkriechen. Eine Anspannung ergriff ihn, die ihn alle Sinne schärfen ließ. Im diffusen Licht des Nebels hielt er nach Georg Ausschau.
Julius hielt sich die Hände wie einen Trichter vor den Mund und rief nach seiner Cousine.
Gleich darauf hörten sie Schritte im Kies und eine Gestalt löste sich aus dem Nebel. Georgs roter Anorak war jetzt deutlich zu erkennen und auch Tims wedelnder Schwanz. »Schon gut, hier bin ich doch!«, rief sie lachend. »Eine feine Waschküche haben wir hier, was?«
Richard rieb sich fröstelnd die Arme. »Sollten wir nicht lieber zum Felsenhaus zurückgehen?«
»Auf keinen Fall!«, protestierte Georg.
»Also, ich finde es ziemlich gruselig«, erklärte Richard.
»Aber das ist es doch gerade!«, rief Georg händereibend. »Das ist doch an sich schon ein feines Abenteuer.« Dann zeigte sie auf Richards Faust. »Hast du was gefunden?«
Richard hielt ihr die flache Hand hin. Georg nahm den Belemniten zwischen Daumen und Zeigefinger und staunte. »Wow, das ist aber ein ganz besonders schönes Exemplar! Wusstest du übrigens, dass diese Versteinerungen auch ›Donnerkeil‹ genannt werden? So einen großen habe ich jedenfalls noch nie gefunden. Behalte ihn. Donnerkeile bringen Glück, aber nur …«
»… wenn man sie selbst findet«, ergänzte Richard grinsend den Satz. »Das hast du mir schon ein paar Mal erzählt.«
»Und?«, hakte Georg nach. »Hatte ich recht?«
Richard überlegte einen kurzen Moment. »Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon eine Menge Glück in meinem Leben.«
»Siehst du«, sagte Georg und nickte.
In diesem Moment hörten sie ein Geräusch vom Wassersaum her. Ein rhythmisches Plätschern wie von einem kleinen Ruderboot.
Sofort drehten sich alle drei um, doch der Nebel gab die Sicht nicht frei. Zögernd wagten sie sich ein bisschen näher ans Wasser. Ungeduldig warteten sie. Wann würden sie endlich erkennen können, wo dieses Geräusch herkam?
Doch ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Richard meinte schon, es nicht mehr aushalten zu können, als sich plötzlich zwei weiße Umrisse aus dem Nebel lösten. Die Freunde lächelten, als sie die beiden majestätischen Schwäne erkannten, die da im Gleichschlag nebeneinander schwammen.
»Was für schöne Tiere!«, flüsterte Georg begeistert. »Wusstet ihr, dass Schwanenpaare für immer zusammenbleiben?«
Sie hielt Tim vorsichtshalber am Halsband zurück, aber der kam nicht einmal auf den Gedanken, die Schwäne zu verbellen.
Richard staunte: »Ist das wirklich so?«
Auf einmal machte Georg ein trauriges Gesicht. »Vor einigen Jahren war der Winter so hart und schneereich, dass hinterher lauter tote Schwäne am Strand lagen. Sie hatten sich in den Schnee geduckt, um sich zu schützen, und sind erfroren, verhungert oder erstickt.«
»Die Natur kann wirklich grausam sein«, meinte Julius. Er betrachtete die beiden weißen Vögel nachdenklich. Plötzlich fiel ihm etwas auf: Die Schwäne wurden von stärkeren Wellen auf und nieder getragen. Er spähte in den Nebel, konnte aber nicht sehen, wer oder was diese Wellen verursachte. Doch er hörte ein Geräusch, das die Schwimmbewegungen der Schwäne überlagerte, und spürte wie sich die kleinen Haare auf seinen Armen aufstellten.
»Hört ihr das auch?«, fragte er die anderen.
Auch Tim hatte die Ohren gespitzt und witterte aufs Wasser hinaus.
»Da ist doch was!«, zischte Julius. »Fällt euch denn nichts auf?«
»Du hast recht, das Wasserplätschern hört sich anders an«, stellte Georg fest. »Kommt da ein Boot? Da ist noch ein Geräusch, es hört sich an wie … wie …«
»Wie das Knarren von Schiffsplanken, wenn ihr mich fragt«, flüsterte Richard. »Habt ihr aus der Richtung ein Nebelhorn gehört? Ich nicht.«
Georg zuckte die Schultern. »Bei solch einem Nebel ist es manchmal schwer, die Richtung auszumachen, aus der die Geräusche kommen.«
Doch das Knarren wurde jetzt immer deutlicher.
Georg spürte, wie Richard ihr die Finger in den Arm grub, als er gebannt in den Nebel hinaus starrte, aus dem sich jetzt der Schatten eines Einmasters löste.
Schnatternd nahmen die beiden Schwäne Reißaus. Tim fiepte und zitterte am ganzen Körper.
»Da ist tatsächlich ein Schiff!« Georg zeigte aufs Wasser hinaus.
