Fürsten-Roman - Folge 2497 - Anja von Stein - E-Book

Fürsten-Roman - Folge 2497 E-Book

Anja von Stein

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Beschreibung

Otto Fürst von Truglau sieht sich aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit nicht mehr in der Lage, sich in ausreichendem Maß um die Belange der fürstlichen Güter zu kümmern. Schweren Herzens bittet er seinen Sohn Adrian, der als Wissenschaftler die ganze Welt bereist, nach Hause zurückzukehren. Erbprinz Adrian weiß, was er seinem Rang und Namen schuldig ist, und fügt sich dem Wunsch des Vaters. Doch mit seiner Heimkehr allein ist es nicht getan. Der Vater hat auch schon eine Braut für ihn ausgesucht: Nathalie von Regen. Die Baronin ist zwar wunderschön und klug, aber leider auch berechnend und kühl wie eine Marmorstatue. Adrian weiß, dass er an ihrer Seite nie glücklich wird. Doch sein schwer kranker Vater besteht auf einer baldigen Hochzeit ...

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Seitenzahl: 131

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Inhalt

Cover

Impressum

Unsere Liebe darf nicht sein

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / Dean Drobot

Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-2890-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Unsere Liebe darf nicht sein

Warum Prinz Adrian seine Sandra verließ

Von Anja von Stein

Otto Fürst von Truglau sieht sich aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit nicht mehr in der Lage, sich in ausreichendem Maß um die Belange der fürstlichen Güter zu kümmern. Schweren Herzens bittet er seinen Sohn Adrian, der als Wissenschaftler die ganze Welt bereist, nach Hause zurückzukehren.

Erbprinz Adrian weiß, was er seinem Rang und Namen schuldig ist, und fügt sich dem Wunsch des Vaters. Doch mit seiner Heimkehr allein ist es nicht getan. Der Vater hat auch schon eine Braut für ihn ausgesucht: Nathalie von Regen.

Die Baronin ist zwar wunderschön und klug, aber leider auch berechnend und kühl wie eine Marmorstatue. Adrian weiß, dass er an ihrer Seite nie glücklich wird. Doch sein schwer kranker Vater besteht auf einer baldigen Hochzeit …

Otto Fürst von Truglau stand am Fenster seines Salons und ließ versonnen seinen Blick über die frühlingsbunte Landschaft schweifen.

Dieses Jahr hatte sich der Winter schon früh aus den bayrischen Bergen zurückgezogen, wo das stolze Schloss Truglau auf einem Hügel thronte, das Felsmassiv eines Berggiganten im Rücken und zu seinem Fuß ein kristallklarer See. Rauschende Wälder und üppig blühende Wiesen bedeckten die umliegenden Hänge und Täler.

Sonst konnte sich der Fürst kaum an der Schönheit der Natur sattsehen, doch in letzter Zeit trübte die Sorge um seine Gesundheit sein Wohlbehagen. Sein Leibarzt hatte ihm mitgeteilt, dass er eine dringend notwendige Operation an der Wirbelsäule nicht mehr länger hinauszögern durfte, wenn er nicht eines Tages im Rollstuhl sitzen wollte. Die Operation und die nachfolgende Reha in einer Kurklinik würden ihm Linderung verschaffen.

Trotzdem hatte er den Eingriff bisher hinausgeschoben. Er wollte nicht, dass das alte Schloss gänzlich im Chaos versank, wenn nun auch seine führende Hand fehlte.

Seufzend wandte sich der Fürst vom Fenster ab und setzte sich in den gemütlichen Ohrensessel, der zur Sitzgruppe in dem gediegen möblierten Raum gehörte. Wenn er ehrlich war, waren die lasche Personalführung und die schlechte Organisation der täglichen Routine im Schloss nicht nur der fehlenden Autorität des alternden Butlers und der Unfähigkeit des Verwalters zu verdanken, er selbst ließ die Zügel viel zu sehr schleifen.

Seit Fürstin Emilia und der Erbprinz Sebastian vor fünf Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen, hatte »der Wolf von Truglau«, wie man ihn früher wegen seiner Kraft und seines Scharfsinns nannte, den Biss verloren. Er hatte den Schicksalsschlag nie verkraftet. Heute war er nur noch ein einsamer Wolf, der sich nach der Geborgenheit der Familie sehnte, die er verloren hatte.

Sein jüngster Sohn Adrian ließ ihm wenig Hoffnung, dass das stolze Schloss jemals wieder in seinem früheren Glanz erblühen und Kinderlachen dem alten Gemäuer neues Leben einhauchen würde. Der Prinz reiste lieber um den Globus, statt sich um die Belange seines Erbes zu kümmern. Adrian erforschte als Geophysiker das Erdinnere an den verschiedensten Brennpunkten der Welt.

Fürst Otto war sehr stolz auf seinen Jüngsten, der sich als Wissenschaftler einen Namen gemacht hatte. Dennoch wäre es ihm lieber, wenn Adrian sich nun auf seine Pflicht als der neue Erbprinz besinnen und das Zepter des fürstlichen Imperiums übernehmen würde.

Zurzeit befand sich Schloss Truglau in einer Art Dornröschenschlaf. Früher hatte an so manchem Wochenende ein Event oder Konzert das alte Schloss mit Leben erfüllt. Doch ohne die passende Partnerin und geplagt von seinen Rückenschmerzen hatte Fürst Otto die Lust an derartigen Geselligkeiten verloren. Dabei war er einst ein leutseliger Gastgeber gewesen, dessen Feste für ihre gediegene Eleganz und das angenehme Ambiente gerühmt wurden. Auf Schloss Truglau verstand man noch zu feiern und nicht nur zu repräsentieren.

Doch das war längst Vergangenheit. Die Schmerzen und die Einsamkeit trübten seine Laune immer mehr. Höchste Zeit, dass der Weltenbummler Adrian nach Hause kam.

Abermals entrang sich ein tiefer Seufzer der Brust des achtundsechzigjährigen Fürsten. Er hätte niemals zulassen dürfen, dass Adrian Geophysik studierte statt wie sein Bruder Rechtswissenschaften. Letzterer Studiengang würde ihn nun zu einem besseren Geschäftsmann machen und die Bürde seines Erbes leichter tragen lassen.

Neben Waldwirtschaft und zahlreichen Beteiligungen an diversen Unternehmen gehörte auch eine Brauerei zu den fürstlichen Besitztümern. Ebenso war es die Pflicht des inzwischen dreißigjährigen Prinzen, für den Fortbestand des altehrwürdigen Namens zu sorgen. Als vielbeschäftigter Wissenschaftler zeigte Adrian jedoch nicht die geringsten Ambitionen, jemals zu heiraten.

Doch nach der niederschmetternden Diagnose seines Arztes konnte Fürst Otto nicht länger Nachsicht mit seinem Sohn üben und hatte diesen umgehend nach Hause beordert. Er hatte auch bereits Vorsorge getroffen, dass der Prinz nicht ohne eine passende Partnerin ins kalte Wasser springen musste.

Nathalie Baronin von Regen war nicht abhold, den Prinzen zu ehelichen, sollte dieser ihr ebenfalls zugeneigt sein, woran der Fürst nicht zweifelte. Die beiden kannten sich von Jugend an, und Adrian hatte sich nie negativ über die bildhübsche dunkelhaarige Baronin geäußert. Allerdings schwärmte er auch nicht von ihr. Doch die Frau, die das Herz des nüchternen Wissenschaftlers in Aufruhr versetzen konnte, musste erst noch geboren werden.

Trotzdem war Fürst Otto überzeugt, mit der einunddreißigjährigen Österreicherin die richtige Wahl getroffen zu haben. Auch seine Ehe war von den Eltern arrangiert worden. Er hatte seine Braut nicht geliebt, aber doch eine tiefe Zuneigung empfunden. Im Laufe der Jahre war daraus eine zärtliche Liebe erwachsen und ihre Ehe glücklicher geworden, als die Beziehung mancher Paare, die aus glühender Leidenschaft geheiratet hatten, um dann in der Gleichgültigkeit ihrer erloschenen Gefühle zu erstarren. Gegenseitige Achtung, eine gewisse Portion Nonchalance und Humor waren oftmals das stärkere Band.

Zugegebenermaßen war Nathalie etwas kapriziös und mitunter auch herrisch. Dennoch erschien sie Fürst Otto als Gattin seines Sohnes geradezu prädestiniert.

Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie mit knapp dreiundzwanzig Jahren die Verantwortung für ihr Erbe übernehmen müssen, einen Gutshof mit Gestüt in Kärnten. Seither stand sie in dem Ruf, eine clevere Geschäftsfrau zu sein und einen eisernen Besen zu führen. Sie würde schon für Ordnung in dem Schloss sorgen und dem vergeistigten Prinzen helfen, sich aus den Sphären der Wissenschaft zu lösen, um sich schnell in die Führung des fürstlichen Besitzes einzufinden.

Außerdem verstand Nathalie zu repräsentieren und würde mit ihrer außergewöhnlichen Schönheit und ihrem Charisma dem Fürstenhaus zu neuem Glanz verhelfen.

***

Ein Klopfen an der Tür riss den Fürsten aus seinen Gedanken. Unwillig über die Störung bat er herein.

Der Butler, ein in vielen Dienstjahren in Ehren ergrauter Mann, trat ein und machte eine hölzerne Verbeugung.

»Die Baronin von Regen ist eingetroffen und wünscht Durchlaucht zu sprechen«, näselte er.

Der Fürst runzelte die Stirn. So prompt hatte er die Tochter seines früheren Freundes, Berthold von Regen, nicht erwartet, nachdem er ihr erst vor ein paar Tagen die Einladung hatte zukommen lassen. Adrian befand sich noch im Flugzeug hoch über dem Atlantik. Er würde frühestens am Abend in München landen und danach ins Schloss kommen, das eine knappe Fahrstunde von der Großstadt entfernt war. Nach dem langen Flug würde der Prinz gewiss nicht begeistert sein, gleich mit seiner zukünftigen Verlobten konfrontiert zu werden. Adrian hasste es, wenn man ihn überrumpelte.

»Lieber Fürst Otto, welch eine Freude, Sie wiederzusehen!«, flötete Nathalie, als sie den Salon betrat. In Anbetracht der Freundschaft des Fürsten mit ihrem verstorbenen Vater durfte sie sich die saloppe Begrüßung erlauben.

Ein wenig exaltiert ist Nathalie schon, dachte Fürst Otto unangenehm berührt, lächelte aber.

»Ich freue mich, dich auf meinem Schloss begrüßen zu dürfen, Nathalie. Erlaube, dass ich sitzen bleibe, auch, wenn das einer Dame gegenüber unhöflich ist. Aber mein altes Leiden macht mir wieder zu schaffen, wie du weißt.« Er zog eine Grimasse.

»Unverantwortlich von Prinz Adrian, Ihnen trotzdem die Last der Verantwortung für das fürstliche Imperium aufzubürden, Fürst Otto«, rügte die Baronin und setzte sich aufs Sofa der Sitzgruppe. Wohlwissend, dass der Fürst Wert auf eine sittsame Haltung legte, hielt sie sich gerade und stellte die makellosen Beine aneinander, statt sie lässig überzuschlagen. Ebenso zog sie den Rock ihres dezent eleganten Kostüms bis an die Knie.

Fürst Otto lächelte wohlwollend. Nathalie würde dem Fürstenhaus zur Ehre gereichen. Sie hatte eine erstklassige Erziehung genossen und wusste sich in jeder Hinsicht zu benehmen. Dazu war sie stets elegant gekleidet, und die Banane, zu der sie ihr langes schwarzes Haar frisierte, betonte ihr vornehmes, schönes Gesicht. Sie hatte nur einen Fehler. Mit ihrer kühlen Ausstrahlung erinnerte sie an eine strenge Gouvernante, diszipliniert bis in die Fingerspitzen.

Der Fürst verzog unmerklich die Lippen. Hoffentlich gelang es seinem Sohn, die verborgene Glut im Herzen der unterkühlten Baronin zu einem wärmenden Feuer zu entfachen. Adrian war ein attraktiver Mann, der so manche Frau zum Träumen brachte. Nur ließ ihn die holde Weiblichkeit bisher ziemlich kalt. Fürst Otto hatte schon gelästert, dass das Feuer eines Vulkans den Prinzen mehr in Aufruhr versetzen konnte als das feurige Herz einer Frau.

»Adrian hat sich sofort ins nächste Flugzeug gesetzt, als er erfuhr, dass sich meine Operation nicht länger hinausschieben lässt«, nahm er den Sohn etwas pikiert über den unverhohlenen Tadel der Baronin in Schutz. »Wir werden ihn also schon bald im Schloss begrüßen können.« Er beugte sich vor und fügte ein wenig verwundert hinzu: »Du bist früh dran, meine Liebe.«

»Die Sehnsucht hat mich hergetrieben«, säuselte Nathalie mit geziertem Augenaufschlag. »Ich habe Adrian seit über einem Jahr nicht mehr gesehen und …« Sie brach ab und wischte mit dem Handrücken anmutig über ihre Stirn, wohlwissend, wie effektvoll diese einstudierte Bewegung war. Es verlieh ihr einen Hauch von Verletzlichkeit.

Fürst Otto entging diese Geste nicht.

»Wie ich am Telefon schon anmerkte, schlägt mein Herz schon lange für Ihren Sohn, Fürst Otto«, fuhr sie fort und senkte verschämt die Augen. »Ich habe mir nur bisher keine Chance ausgerechnet, weil der Prinz immer so distanziert war.« Sie hob wieder den Kopf und sah den Fürsten in gespieltem Erstaunen an. »Es hat mich überrascht, dass Sie mich nun als Braut für Ihren Sohn ausersehen haben, Fürst Otto.«

Letzteres sollte lässig klingen, war aber reines Kalkül. So erfuhr sie gleich, ob sie wirklich die einzige Anwärterin auf das Herz des Prinzen war oder besser auf den Posten der künftigen Fürstin von Truglau.

»Ich wüsste keine Frau in unserem engeren Umfeld, mit der ich meinen Sohn lieber zusammenbringen würde als mit dir, liebe Nathalie«, zerstreute der Fürst ihre Zweifel. »Du bringst alle Attribute mit, die eine künftige Fürstin von Truglau in sich vereinen muss.«

Außer Humor schoss es ihm durch den Kopf. Nathalie war so ziemlich die humorloseste Frau, die er kannte. Diesen Makel machte sie jedoch mit ihrer Geschäftstüchtigkeit wieder wett. Außerdem war Prinz Adrian ebenfalls sehr introvertiert, wenn er auch einen etwas schrägen Humor hatte. Es war Otto unangenehm, so nachhaltig in das Leben seines Sohnes eingreifen zu müssen. Trotzdem war er überzeugt, das Richtige zu tun. Die beiden jungen Menschen würden sich schon zusammenraufen, so, wie er und seine Emilia es auch geschafft hatten.

Nathalie hatte Mühe, sich ihren Triumph nicht anmerken zu lassen. Das lief ja besser als erhofft. Zwar liebte sie Adrian nicht und konnte sich auch nicht vorstellen, ihn jemals zu lieben. Dabei war der Prinz mit seiner hochgewachsenen, muskulösen Gestalt, dem markanten, sonnengebräunten Gesicht und den dunklen, welligen Haaren sehr attraktiv. Auch hatten die Jahre in der Fremde den unbedarften Jüngling von einst zu einem pflichtbewussten, energischen Mann geschliffen. Dennoch war der Funke zwischen ihnen nie übergesprungen, wenn sie sich bei irgendwelchen Events oder Galadinners trafen, was auch äußerst selten vorkam. Adrian verabscheute derartige Festlichkeiten mit ihren geistlosen Smalltalks.

Doch künftig konnte der Prinz sich nicht mehr davor drücken. Wenn Nathalie erst das Sagen im Schloss hatte, würde sie auch entsprechend Hof halten und frischen Wind in das alte Gemäuer bringen. Höchste Zeit, das Trauertuch zu lüften, das dem Schloss die Luft zum Atmen nahm.

Sie würde sich gewiss nicht in ihren Gemächern verkriechen, nur, weil ihr vergeistigter Ehemann seine Ruhe haben wollte. Ihre ungewöhnliche Schönheit brauchte einen exklusiven Rahmen, um nicht zu verkümmern.

Nathalie schmunzelte zufrieden in sich hinein. Sie hatte schon immer nach Höherem als dem Stand der Baronin gegiert, und nun winkte die Prinzessin von Truglau mit der Option der späteren Fürstin. Wenn das kein Glücksfall war!

Natürlich verletzte sie mit ihrem überstürzten Besuch die Etikette. Eine Dame wahrte Contenance und platzte nicht wie ein übereifriger Dorftrampel ins Geschehen. Aber es schien ihr geraten, den Prinzen zu umgarnen, bevor doch noch eine andere ihr Netz nach ihm auswarf. Sie beherrschte die Kunst der Verführung, wenn es denn vonnöten war. Sonst war sie eher ein kühler Verstandesmensch, der immer das Für und Wider einer Sache genau abwog.

Es würde auch bestimmt nicht der Schaden des Prinzen sein, wenn er eine Gattin an seiner Seite hatte, die nicht nur mit ihrer Schönheit brillierte, sondern auch mit ihrem scharfen Verstand. Stolz legte sie den Kopf in den Nacken.

»Der Butler zeigt dir nun deine Suite, Nathalie«, riss der Fürst die Baronin aus ihren selbstverliebten Träumereien. »Mich entschuldigst du bitte. Ich bin etwas unpässlich und muss mich ausruhen. Wir sehen uns dann heute Abend beim Dinner.«

Die Baronin nickte beifällig.

»Ich bedanke mich für den freundlichen Empfang, Fürst Otto, und entschuldige mich nochmals für mein überstürztes Erscheinen. Aber ich dachte, Adrian freut sich vielleicht über meine Anwesenheit, nachdem er Monate in der Einsamkeit der peruanischen Hochebene zugebracht hat.«

»Adrian fühlt sich bei seinen Forschungsarbeiten nie einsam«, seufzte der Fürst und zog eine Grimasse. »Deshalb treibt ihn jetzt auch nicht das Heimweh nach Hause, sondern mein strikter Befehl. Er bricht seinen Forschungsauftrag nur aus Rücksicht auf meine Gesundheit ab. Aber das heißt nicht, dass es ihn nicht doch wieder in die Fremde zieht, sobald es mir bessergeht.«

Er beugte sich vor und sah der Baronin ernst ins Gesicht.

»Im Prinzip ist Adrian einer Ehe mit dir nicht abgeneigt, Nathalie, aber nur um seiner Pflicht als Erbprinz Genüge zu tun. Also sei darauf vorbereitet, dass er dir vielleicht nicht die Gefühle entgegenbringen wird, die du dir erhoffst, und unter Umständen die Leidenschaft für die Wissenschaft stärker ist als die Verantwortung für Familie und Erbe. Dann musst du dich um die fürstlichen Besitztümer und eure Kinder kümmern, während dein Mann seinen Interessen nachgeht, eine schwere Bürde, die du dir genau überlegen solltest.«

Die Baronin straffte ihre Gestalt und warf stolz den Kopf zurück. Sie wäre gewiss nicht die erste Frau, die das Zepter in der Ehe führte.

»Da gibt es nichts zu überlegen, Fürst Otto. Ich fühle mich jeder Herausforderung gewachsen, die eine Ehe mit Adrian möglicherweise mit sich bringt. Schließlich habe ich auch mein Gut bestens im Griff.«

Wie wenig das zutraf und dass bereits die Versteigerung des Besitzes drohte, musste der Fürst vorerst nicht wissen. Um von ihrer Verschwendungssucht abzulenken, die der Grund für das Desaster war, konnte sie den Konkurs immer noch auf die Unfähigkeit ihres Verwalters schieben. Bei dem immensen Reichtum des fürstlichen Imperiums würde ihr kostspieliger Lebenswandel bestimmt nicht ins Gewicht fallen.

Als die Augenbraue des Fürsten leicht in die Höhe schnellte, weil ihm ihre Antwort wohl doch zu berechnend erschien, hatte Nathalie das Gefühl, schnell etwas hinzufügen zu müssen.

»Ich liebe Adrian«, beteuerte sie, »und vielleicht gelingt es mir mit der Zeit, aus dem rastlosen Wanderer einen verantwortungsvollen Familienvater und Geschäftsmann zu machen.«

»Wir wollen es hoffen«, seufzte Fürst Otto nun beruhigt und läutete dem Butler.

***

Mit zügigen Schritten überquerte Prinz Adrian in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages den Schlosshof. Das Flugzeug war mit großer Verspätung in München gelandet. Deshalb war er erst weit nach Mitternacht ins Schloss gekommen, als alle schon schliefen. Er selbst hatte wegen des Jetlags lange keinen Schlaf gefunden und war nun entsprechend müde. Doch er wollte den Vater nicht länger warten lassen.