Verlag: Piper ebooks Kategorie: Geisteswissenschaft Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Gebrauchsanweisung für den Wald E-Book

Peter Wohlleben  

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E-Book-Beschreibung Gebrauchsanweisung für den Wald - Peter Wohlleben

Die Wälder sind seinberufliches Zuhause, und die Arbeit mit Bäumen ist sein Leben. Beigeführten Waldwanderungen gibt der passionierte Förster und Autor Peter Wohlleben sein enormesWissen über Bäume weiter. Seine Gebrauchsanweisung ist eine ebenso handfeste wie stimmungsvolle Entdeckungstour. Fundiert und unterhaltsam weist er ein in die wichtigsten Laub- und Nadelbaumarten: was sie kennzeichnet, welchen die Zukunft gehört, welche bei Gewitter wirklich Schutz bieten. Wie man sich im Wald auch ohne Kompass oder GPSorientiert. Welche Beeren und Pilze zu empfehlen sind; wo und was Sie sammeln, pflücken und essen dürfen. Wo Campen, Feuer machen und Grillen erlaubt sind. Wie Sie Tierspuren richtig lesen - und die besten Zeiten und Plätze, an denen man Wild beobachten kann. Wie Sie sich am natürlichsten gegen Mücken, Waldameisen und Zecken schützen. Was man mit Kindern erlebt und was bei einer Nacht allein im Wald. Wie ein Waldspaziergang im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter zu einer besonderen Erfahrung wird.

Meinungen über das E-Book Gebrauchsanweisung für den Wald - Peter Wohlleben

E-Book-Leseprobe Gebrauchsanweisung für den Wald - Peter Wohlleben

Mehr über unsere Autoren und Bücher:www.piper.deISBN 978-3-492-97622-0März 2017© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017Coverkonzeption: Büro HamburgCovergestaltung: Birgit Kohlhaas, kohlhaasbuchgestaltung.deCovermotiv: Kilian SchönbergerDatenkonvertierung: Fotosatz Amann, MemmingenSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Wir weisen darauf hin, dass sich der Piper Verlag nicht die Inhalte Dritter zu eigen macht.

Eine Gebrauchsanweisung für den Wald?

Als mich der Piper Verlag fragte, ob ich nicht eine Gebrauchsanweisung für den Wald schreiben wolle, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich liebe den Wald, und er hat den Großteil meines Lebens bestimmt. Dabei bin ich zufällig beruflich hineingestolpert. Eigentlich wollte ich Biologie studieren, da ich, wie auch viele Schulabsolventen heutzutage, nicht recht wusste, wie ich meine Naturliebe umsetzen sollte. Da entdeckte meine Mutter eine kleine Anzeige der Landesforstverwaltung von Rheinland-Pfalz in der Tageszeitung: Es wurden Kandidaten für ein verwaltungsinternes Studium gesucht. Ich bewarb mich, wurde angenommen und verbrachte vier Jahre mit Praktika und in Hörsälen.

Was mir anschließend in der Praxis begegnete, entsprach nicht im Geringsten meinen Träumen. Arbeiten mit schwersten Maschinen, die den Waldboden zerstörten, waren nur die Spitze des Eisbergs. Gifteinsätze mit Kontaktinsektiziden, Kahlschläge oder das Fällen der ältesten Bäume (alte Buchen, die ich so liebe); all das fand ich zunehmend befremdlich. Während des Studiums war mir beigebracht worden, all dies diene dem Erhalt gesunder Wälder. Was Ihnen vielleicht merkwürdig erscheint, glauben bis heute Tausende von Studenten ihren Professoren. Aus Befremden wurde Ablehnung, und ich wusste nicht, wie ich mit dieser Einstellung noch jahrzehntelang weiterarbeiten sollte.

Doch 1991 fand ich in der Gemeinde Hümmel in der Eifel einen Waldbesitzer, der ebenfalls ökologische Wege gehen wollte. Zusammen haben wir eine Waldbewirtschaftung aufgebaut, die eine Mischung aus Reservaten und behutsam genutzten Parzellen vorsieht. Und ganz wichtig: Die Bevölkerung sollte intensiv mit eingebunden werden. Dazu bot ich eine Reihe von Veranstaltungen an. Survivaltrainings und der Bau von Blockhütten waren das Extrem, die meisten Angebote bestanden aus Führungen zur wunderbaren Welt der Bäume. Wo man all dies denn nachlesen könne, wurde ich oft gefragt. Da blieb mir nur ein Schulterzucken, denn Literatur zum Thema war mir nicht bekannt. Nachdem mich meine Frau immer wieder drängte, für die Besucher doch wenigstens ein bisschen etwas aufzuschreiben, brachte ich in einem Lapplandurlaub eine typische Führung zu Papier. Das Manuskript schickte ich an etliche Verlage und sagte zu meiner Frau: »Wenn bis Ende des Jahres niemand zusagt, dann kann ich eben nicht schreiben.«

Es kam anders, wie Sie gerade sehen, und ich habe Freude an dieser Erweiterung meiner Tätigkeiten gefunden. Nun kann ich weitaus mehr Menschen für den Wald begeistern, denn dieser wird meiner Meinung nach noch viel zu wenig genutzt. Nicht im Sinne der Holzwirtschaft, nein, die übertreibt es in weiten Bereichen schon. Es sind die kleinen und großen Abenteuer, die zwischen den Bäumen nur darauf warten, abgeholt zu werden. Und dazu müssen Sie nur eines tun: zu Fuß in die Wälder gehen.

Querfeldein

Kennen Sie diese Situation? Man ist mit Kindern im Wald unterwegs, und irgendwann wird es laut. Entweder spielen sie Fangen, entdecken ein kleines wildes Tier und rufen laut ihre Entdeckung herüber, oder aber sie schreien ganz einfach vor Vergnügen. Die reflexartige Ermahnung der Erwachsenen folgt auf dem Fuß: »Pst, schreit nicht so laut!«

Warum eigentlich? Stört es Hirsch und Reh tatsächlich, wenn Menschen Krach machen? Grundsätzlich lieben es wilde Tiere leise, doch nicht etwa, weil sie lärmempfindlich sind. Tost ein Sturm durch die Baumwipfel oder rauscht ein heftiger Platzregen herab, dann können sie keine anderen Geräusche mehr hören. Auch nicht die von sich nahenden Wölfen oder Luchsen, und das kann für Rehe und Hirsche lebensgefährlich sein. Daher lieben sie windstille, trockene Wetterlagen, bei denen jeder Tritt auf ein knackendes Ästchen weit zu vernehmen ist.

Krach von Menschen nervt die Tiere dennoch nicht, denn er erfüllt nicht gleich den ganzen Wald, sondern ist nur aus einer Richtung zu hören. Zugleich wissen die großen Säugetiere, dass ihr größter Feind nicht auf Beutezug ist: Denn auch das sind wir Menschen, und zwar in Form der Jäger. Selbst wenn Wolf und Luchs hier und da langsam wieder Einzug in unsere Landschaften halten, so sind doch ihre menschlichen Kollegen im grünen Loden tausendfach zahlreicher vertreten. Kein Wunder, dass sich die Angst unserer Wildtiere hauptsächlich auf Zweibeiner konzentriert. Wenn wir fröhlich singend über Wanderwege spazieren oder uns dabei lautstark unterhalten, so signalisieren wir unseren Mitgeschöpfen, dass wir nicht auf der Jagd sind. Das trifft sogar auf die eigentlich extrem scheue Wildkatze zu. Sie wurde ebenfalls bejagt, weil man ihr zutraute, Rehe zu reißen. Rehe? Die Wildkatze ist zwar nicht mit der Hauskatze verwandt, gleicht ihr aber bis auf minimale Größenunterschiede. Können Sie sich vorstellen, dass ein Stubentiger einen Dackel frisst? Dazu sind die kleinen Zähne viel zu kurz, und das Maul lässt sich nicht weit genug öffnen, um solch große Tiere festzuhalten. Dennoch hielt sich das Gerücht über Jahrhunderte unter Jägern, sodass man dem getigerten Beutegreifer erbarmungslos nachstellte. Dass er sehr scheu wurde, ist da nicht verwunderlich.

Doch Menschen, die laut durch den Wald gehen, werden wie bei anderen Arten ebenfalls nicht als Gefahr gesehen. So führte ich einmal eine Besuchergruppe im Januar durch den verschneiten alten Buchenwald meines Reviers. Die Wanderer wollten sich den Ruheforst, einen Bestattungswald, ansehen. Nachdem wir uns dort eine Stunde lang umgesehen hatten, marschierten wir wieder zum Parkplatz zurück, als mir auffiel, dass ich meinen Rucksack unter einem Baum vergessen hatte. Der Praktikant, der mich begleitete, bot sich an, noch einmal zurückzugehen. Als er schließlich nach fünfzehn Minuten wieder erschien, war er ganz aufgeregt. Er hatte eine Wildkatze gesehen, die friedlich den Weg kreuzte. Offensichtlich hatte das Tier in der Nähe abgewartet, bis die gut gelaunte und entsprechend kommunikationsfreudige Truppe den alten Wald wieder verlassen hatte. Ähnliches habe ich ein Jahr später an einem heißen Julitag auf ebendiesem Ruheforstparkplatz erlebt. Ich unterhielt mich, an meinen Geländewagen gelehnt, mit einem Kollegen, als ich plötzlich eine Wildkatze seelenruhig fünfzig Meter von uns entfernt über die Zufahrt von einem Waldstück in das andere wechseln sah. Die nahe Straße schien sie nicht zu stören, was zeigt, dass die Scheuheit sich eher auf stille, durch das Unterholz pirschende Menschen bezieht. Das Fazit muss also lauten: Krach im Wald stört hier niemanden, schon gar nicht Krach von Kindern. Oder nein, ich muss mich korrigieren – er stört die wilden Tiere nicht, sondern vielleicht eher manche Erwachsenen.

Querfeldeingehen hat den Hauch grenzenloser Freiheit, und bei dieser denkt man meist an andere Länder. Ich mag die menschenleeren Landschaften im Südwesten der USA, nicht etwa, weil ich menschenscheu bin, nein, diese endlosen Weiten haben es mir angetan. Wo in Europa der Blick in die Ferne meist an Strommasten, Autobahnen oder Siedlungen hängen bleibt, kann das Auge in New Mexico, Arizona oder Utah über Wälder und Gebirge schier endlos umherschweifen.

Allerdings nur das Auge. Denn in den meisten Fällen ist der Weg abseits öffentlicher Straßen versperrt, und dies teilweise wortwörtlich. So begleiteten uns bei einer Rundreise durch den Südwesten Maschendrahtzäune, die links und rechts der Straße auf Hunderten von Kilometern das Freiheitsgefühl im Keim erstickten. Eingezäunt waren häufig nur Sand und Fels – als ob da jemand etwas wegnehmen würde! Land in Privatbesitz (und das gibt es dort sehr viel) ist nicht öffentlich zugänglich, und darauf weisen immer wieder Schilder hin.

Zurück in Deutschland, wurde mir erst klar, welche Möglichkeiten sich hier jedem Waldbesucher bieten. Es stehen nicht nur sämtliche Wege zur freien Verfügung, sondern gleich die gesamte Fläche. Wann immer Sie sich also ins Unterholz schlagen möchten – bitte schön! Niemand kann Sie daran hindern, es sei denn, Sie sind in einem der wenigen Ausnahmegebiete unterwegs. Naturschutzgebiete, Nationalparks und kleinere Bannwälder weisen meist ein Wegegebot auf, das heißt, Sie dürfen die ausgeschilderten Routen nicht verlassen. Doch da solche Flächen nur wenige Prozente der Waldgebiete ausmachen und zudem immer deutlich darauf hingewiesen wird, können Sie sich im Normalfall nicht vertun. Weitere Ausnahmen sind frisch aufgeforstete Kulturen mit Jungbäumen, erst recht, wenn diese eingezäunt sind. Auch wenn es noch so reizt, den Zaun zu übersteigen und den Querfeldeingang abzukürzen: Gehen Sie lieber außen herum.

Ein letztes Tabuareal sind laufende Holzeinschläge. Wo die Motorsägen röhren oder der Harvester, die Vollerntemaschine, brummt, ist es lebensgefährlich. Fallende Bäume mit bis zu vierzig Meter Länge sind schwer einzuschätzen, zudem versperren häufig Büsche die Sicht auf Spaziergänger. Daher stehen auf den betreffenden Waldwegen schon Hunderte Meter vor der eigentlichen Durchforstungsfläche Warnschilder, oder ein rot-weißes Flatterband versperrt sie gleich ganz. Der überwältigende Teil der Wälder ist jedoch frei von solchen Restriktionen, sodass Sie hier tatsächlich ganz eintauchen können. Allerdings gilt das nur für Fußgänger. Fahrradfahrer und Reiter müssen sich an die Wege halten, für alle anderen Fortbewegungsmittel ist der Wald in der Regel ohnehin komplett gesperrt.

Wie geht man denn nun richtig querfeldein? Am besten eignen sich dichtere Laubwälder. Hier ist der Boden meist frei von Bewuchs, und es stören keine Äste an den Stämmen. Das sieht bei Nadelforsten ganz anders aus, vor allem, wenn die Bäume dicht an dicht gepflanzt wurden. Dann greifen die abgestorbenen unteren Äste benachbarter Fichten, Kiefern und Douglasien wie Arme ineinander und hindern den Durchgang. Ich habe mich in solchen Plantagen manchmal sogar rückwärts bewegt, um mich mit Gewalt hindurchzudrücken. So peitschen keine Äste ins Gesicht oder, schlimmer noch, stechen in die Augen. Laubwald ist da viel friedlicher. Taucht Gras unter den Bäumen auf, so sollten Sie einen Bogen darum machen. Morgendlicher Tau oder festgehaltene Regentropfen lassen Ihr Schuhwerk im Nu durchweichen, und selbst eingearbeitete Spezialmembranen halten die Nässe in solchem Gelände kaum auf Dauer ab.

Brombeeren sind oft eine Herausforderung. Natürlich nicht die Früchte, doch meist werden Sie nur auf die beerenlosen rankenden Pflanzen treffen. Diese verhaken sich ineinander und bilden teilweise meterhohe Verhaue. Möchten Sie ein solches Feld kreuzen, dann heißt es laufen wie ein Storch. Treten Sie die oberste Ranke mit dem Fuß zu Boden, belasten dann diesen Fuß und machen mit dem zweiten den nächsten Schritt auf die nächste Ranke. Das sieht lustig aus, doch es schaut ja in der Regel niemand zu. Haben Sie es eilig, oder möchten Sie nicht so staksig laufen, können Sie rasch von einer Ranke regelrecht gefangen werden. Wie bei einem Lasso, das sich zuzieht, kommen Sie kaum noch aus der unfreiwilligen Umarmung los, und oft genug endet dann ein weiterer Schritt mit dem Sturz in die Dornen – aua!

Sturzgefahr besteht auch beim Gehen im Steilhang. Nicht etwa, weil Sie sich dort nicht richtig auf den Beinen halten können, nein, das Verhängnis lauert unter Laub oder Schnee. Es sind tote Äste, deren Rinde schon weggerottet ist. Sie liegen meist mit dem Gefälle, also von oben nach unten, im Hang. Wenn Sie auf solch einen Ast treten, rutscht der aufgesetzte Fuß wie auf einer Gleitbahn seitlich bergab. Mir ist das, obwohl ich es eigentlich wissen müsste, schon häufig passiert. Wenn ich bewusst registriere, worauf ich getreten bin, ist es oft schon zu spät. Ich kippe, rudere dabei mit den Armen und krache dann seitwärts auf den Boden. Steile Partien sollten Sie bei feuchtem Wetter im Zweifelsfall meiden. Eine gute Möglichkeit, sich in Berghängen zu bewegen, sind Wildwechsel. Da die Tiere dieselben Probleme haben wie Sie, laufen sie nur auf ausgetretenen und damit ebenen Pfaden. Die sind zwar schmal, meist nicht breiter als dreißig Zentimeter, aber es reicht für einen sicheren Gang. In langen Hängen ziehen sich in regelmäßigen Abständen solche Wildpfade parallel dahin, sodass Sie, wenn Sie tiefer hinabmüssen oder abbiegen wollen, einfach einen oder zwei Pfade tief absteigen und danach weiter sicher den Trittsiegeln der Tiere folgen können.

Sind Sie im Tal angekommen, steht oft eine Bachquerung an. Bisher sind die Schuhe trocken geblieben, und das soll sich nicht ändern. Also versuchen die meisten Querfeldeinläufer, von Ufer zu Ufer zu springen. Das scheint ganz einfach zu sein, schließlich sind die kleinen Wasserläufe oft nicht breiter als einen Meter. So einen Sprung sollte eigentlich jeder schaffen, und das stimmt auch. Nicht allerdings, dass man dann auf trockenem Boden steht. Gerade Bäche, deren Uferbereich flach verläuft, durchnässen diesen unterirdisch so, dass kleine Sumpfgebiete entstehen. Der Sprung endet also oft im Morast, der dann feucht und kalt von oben in die Schuhe läuft. Wie können Sie das vermeiden?

Zunächst sollten Sie sich eine Stelle suchen, an der die Bachufer steiler nach oben verlaufen. Hier ist die Chance gut, dass unter der Oberfläche viele Steine sind. Auch dicht neben Bäume zu treten erhöht die Chance, dass die Schuhe sauber und die Füße trocken bleiben, denn das Wurzelwerk wirkt wie eine Matte. Und ganz einfach ist es, wenn der Bach nicht tiefer ist, als Ihre Schuhe hoch sind, und Steine zu sehen sind – dann treten Sie beherzt ins Wasser. Im Laufe der Zeit haben sich diese Steine von allem Schlamm freigespült und liegen in der Regel so sicher auf dem Grund wie das Pflaster in einer Fußgängerzone – na gut, nicht ganz, denn manchmal sind sie etwas glitschig. Bei meinen Gängen durchs Revier ist es mir noch nie passiert, dass ich im Bachbett eingesunken bin, wohl aber oft schon in der weichen Böschung. Die einzige kleine Gefahr besteht darin, dass man sich bei der Tiefe verschätzt, doch dann wird es immerhin nur nass und nicht schmutzig.

Matsch und Sumpf sind bei schlechtem Wetter immer ein Thema. Natürlich sind die Schuhe für harte Einsätze konstruiert, doch wer möchte schon unnötig verschlammtes Leder reinigen? Ganz davon abgesehen, dass im Zweifelsfall etwas von der Brühe hereinläuft, wenn Sie zu tief einsinken. Daher gilt es, den Bodendruck des Schuhs zu reduzieren, indem Sie die Auftrittsfläche vergrößern. Das können beispielsweise Äste sein, die auf dem Boden liegen. Treten Sie darauf, verteilt sich Ihr Gewicht auf eine größere Fläche – doch achten Sie darauf, dass das Holz nicht allzu verrottet ist. Sonst macht es »knack«, und Sie stehen doch eine Etage tiefer.

Äste liegen nicht überall herum, weiter verbreitet sind hingegen Grasbüschel. Jedes dieser kleinen Polster ragt wie eine Insel aus dem Morast und ist überraschend stabil. Wenn Sie nun von Insel zu Insel stapfen, gelangen Sie trockenen Fußes auf die andere Seite. Das gilt allerdings nur für echte Bachläufe, keinesfalls hingegen für Moore. Dort sitzen die Gräser auf schwammigem Torfmoos und werden instabiler, je weiter Sie sich in eine solche Fläche hineinwagen.

Und wenn Sie gar nicht querfeldein gehen möchten? Das Laufen durch Gestrüpp und Unterholz bietet ja nicht nur Vorteile. Sind Sie zu zweit unterwegs und möchten sich unterhalten, so ist der Gang abseits der Wege nicht zu empfehlen. Da es meist nur schmale gangbare Routen gibt, fällt man schnell in den Gänsemarsch, und schon wird die Wanderung recht einsilbig. Ein wenig Abstand zueinander ist angeraten, wegen zurückschlagender Äste beim Durchstreifen; das macht die Unterhaltung noch schwieriger.

Und überhaupt – warum sollten Wege langweilig sein? Auf ihnen gibt es jede Menge zu entdecken. Zum Beispiel die Spuren schwerer Maschinen. Nun könnte man sich maßlos ärgern, wenn man durch frisch durchforstete Wälder spaziert und die schönsten Wege im Matsch versinken. Ist es nicht eine Frechheit, dass die Wanderer durch knöchelhohen Schlamm laufen müssen, nur weil die kommerzielle Forstwirtschaft rücksichtslos Holz erntet? Ich kann beide Seiten gut verstehen, auch die Waldbesitzer. Denn die Wege wurden bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich nur deswegen gebaut, damit die gefällten Stämme per Lkw ins nächste Sägewerk gefahren werden können. Rücksichtnahme auf Erholungssuchende kann man sich nicht leisten, und selbst vermatschte Pisten sind für schweres Gerät immer noch gut genug. Früher wurde Holz nur im Winter eingeschlagen und nur bei trockener Witterung oder bei Frost gefahren. Doch in Zeiten des Klimawandels ist die kalte Jahreszeit meist nur noch regnerisch mit Temperaturen oberhalb des Gefrierpunkts.

In meinem Revier spielen sich daher immer häufiger Situationen ab, in denen es nur Verlierer gibt. Wir sperren die Holzabfuhr oft schon im Herbst, wenn im Dauergrau alle Wege aufgeweicht sind. Unsere Hoffnung, es möge doch wenigstens ein paar Tage Frost geben, der die Trassen durchfrieren lässt, erfüllt sich nur noch selten. Inzwischen wird das geerntete Holz durch Pilzbefall qualitativ immer schlechter, und der Käufer befürchtet zu Recht schwere finanzielle Einbußen. Spätestens im März, und dann liegen manche Stämme schon sechs Monate im Wald, muss gefahren werden, bevor die Ware endgültig verdirbt. Die Wege verschlammen und müssen hinterher aufwendig instand gesetzt werden.

Oft berichten mir Besucher, dass sie in anderen Wäldern in ihren Freizeitaktivitäten rüde gestoppt werden. Meist sind es ältere Herren in Grün, die sich aus ihrem Geländewagen beugen und irgendwelche Verbote aussprechen. Lassen Sie sich im Zweifelsfall einfach erst einmal den Dienstausweis zeigen. Den gibt es nämlich in der Regel gar nicht, weil es sich um Jagdaufseher handelt. Das sind Hilfspersonen, die dem örtlichen Jagdpächter zur Hand gehen. Ihr grünes Schild »Jagdschutz«, welches hinter der Windschutzscheibe prangt, sieht amtlich aus. Allerdings kann es sich jeder im Internet bestellen und darf es sich ebenfalls ins Auto stellen, genauso wie Schilder mit dem Aufdruck »Landwirtschaft«, »Forstwirtschaft« oder ähnlichen Hinweisen. Sie sollen eigentlich nur klarmachen, dass die betreffende Person berechtigterweise mit dem Pkw die Waldwege befährt. Richtig amtlich sind nur Schilder mit dem Aufdruck »Forst« oder »Forstverwaltung«, die das jeweilige Landes- oder Stadtwappen tragen. In diesen Fahrzeugen sitzen Förster, die sich entsprechend ausweisen können und müssen. Meist kontrollieren die Kollegen aber gar keine Wanderer, sondern halten sich dezent zurück.

Bei vielen Jägern sieht das anders aus. Sie ärgert es, wenn sie abends auf dem Hochsitz auf Wild warten und noch ein später Waldbesucher mit Hund (womöglich frei laufend) vorbeikommt. Dann war die Aktion vielleicht umsonst, und es ist verständlich, dass die Waidmänner verstimmt absteigen. Zum Abreagieren eine Art Polizeiaktion mit den »Störenfrieden« zu veranstalten ist allerdings schlicht und ergreifend illegal. Doch wer möchte schon wütenden Personen widersprechen, die schwer bewaffnet sind? Und so ist es im Zweifelsfall besser, sich einfach das Pkw-Kennzeichen zu merken und den Rückzug anzutreten. War die verbale Attacke zu heftig und hing dabei dem Gegenüber das Gewehr über der Schulter (oder wurde gar in die Hände genommen), bleibt Ihnen immer noch eine Anzeige wegen Nötigung.

Spurensuche

Ich freue mich bei Schneefall gleich doppelt: Erstens mag ich richtige Winter, in denen ich mit schweren Stiefeln durch die weiße Pracht stapfen kann, und zweitens kann ich dann viele Geheimnisse lüften. Zumindest diejenigen, welche Tiere betreffen, denn nun hinterlassen sie deutlich sichtbar ihre Spuren. Dabei ist Schneefall nicht gleich Schneefall. Vor allem der erste Wintereinbruch einer Saison ist besonders ergiebig. Dann sind die Tiere noch nicht im Kältemodus, streifen noch viel aktiver umher als bei längeren Frostperioden. Am besten starten Sie Ihre Entdeckungstour gleich morgens, denn oft schmilzt die Mittagssonne die Spuren an, oder ein scharfer Wind weht sie wieder mit Eiskristallen zu, sodass sie kaum noch zu erkennen sind. Nehmen Sie einen Fotoapparat mit und lichten alle Funde ab, damit Sie diese zu Hause bequem mithilfe eines Bestimmungsbuches oder einer passenden Webseite entschlüsseln können.

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