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In dieser neuartigen Romanausgabe beweisen die Autoren erfolgreicher Serien ihr großes Talent. Geschichten von wirklicher Buch-Romanlänge lassen die illustren Welten ihrer Serienhelden zum Leben erwachen. Es sind die Stories, die diese erfahrenen Schriftsteller schon immer erzählen wollten, denn in der längeren Form kommen noch mehr Gefühl und Leidenschaft zur Geltung. Spannung garantiert! Judy hörte ein aggressives, gefährliches Bellen. Fast wie bei einem wilden, ungebändigten Tier! Ihr blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, denn plötzlich wurde sie von einer eiskalten Windbö erfaßt. Judy hatte mit Wind und sogar Regen gerechnet. Doch der Windstoß, der sie nun traf, war so eisig kalt, daß die junge Frau unwillkürlich erstarrte. Die Kälte schnitt in Judys Körper wie ein Messer. Bis tief in ihr Innerstes drang sie vor und ließ Judy von einem Moment auf den anderen voller Entsetzen erstarren. Judys Hände fanden plötzlich keinen Halt mehr am Gemäuer des Schornsteins. Völlig gefühllos, wie abgestorben fühlten sich ihre Finger an. Nun war Judy für den Wind leichte Beute. Er traf sie genau vor die Brust und schleuderte sie von dem Schornstein zurück. Unfähig, einen Schrei auszustoßen, taumelte Judy zurück und stürzte über die Dachkante in die Tiefe… Schlurfende Schritte hallten dumpf in dem hohen düsteren Korridor des alten Castles wider. Die achtarmigen Kronleuchter, die in großen Abständen an mächtigen Ketten von der Decke hingen, tauchten den Gang in ein schummriges Halbdunkel. Die Türen, eingerahmt von wuchtigen, reichverzierten Zargen, lagen ebenso im halbdunkeln, wie die Nischen, in denen funkelnde Ritterrüstungen standen, in deren Metallhandschuhen mittelalterliche Waffen steckten. Hinter den bogenförmigen Fenstern tobte ein nächtliches Gewitter. Der Sturm heulte um die verwinkelten Fassaden des alten Castles, peitschte den Regen gegen die Scheibe, wo das Wasser wie ein Vorhang hinabfloß. Die schlurfenden Schritte kamen näher. Der Schatten einer Gestalt fiel auf den Boden des Korridors, der mit kostbaren Läufern ausgelegt war, die allerdings schon
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Judy hörte ein aggressives, gefährliches Bellen. Fast wie bei einem wilden, ungebändigten Tier! Ihr blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, denn plötzlich wurde sie von einer eiskalten Windbö erfaßt. Judy hatte mit Wind und sogar Regen gerechnet. Doch der Windstoß, der sie nun traf, war so eisig kalt, daß die junge Frau unwillkürlich erstarrte. Die Kälte schnitt in Judys Körper wie ein Messer. Bis tief in ihr Innerstes drang sie vor und ließ Judy von einem Moment auf den anderen voller Entsetzen erstarren. Judys Hände fanden plötzlich keinen Halt mehr am Gemäuer des Schornsteins. Völlig gefühllos, wie abgestorben fühlten sich ihre Finger an. Nun war Judy für den Wind leichte Beute. Er traf sie genau vor die Brust und schleuderte sie von dem Schornstein zurück. Unfähig, einen Schrei auszustoßen, taumelte Judy zurück und stürzte über die Dachkante in die Tiefe…
Schlurfende Schritte hallten dumpf in dem hohen düsteren Korridor des alten Castles wider. Die achtarmigen Kronleuchter, die in großen Abständen an mächtigen Ketten von der Decke hingen, tauchten den Gang in ein schummriges Halbdunkel. Die Türen, eingerahmt von wuchtigen, reichverzierten Zargen, lagen ebenso im halbdunkeln, wie die Nischen, in denen funkelnde Ritterrüstungen standen, in deren Metallhandschuhen mittelalterliche Waffen steckten.
Hinter den bogenförmigen Fenstern tobte ein nächtliches Gewitter. Der Sturm heulte um die verwinkelten Fassaden des alten Castles, peitschte den Regen gegen die Scheibe, wo das Wasser wie ein Vorhang hinabfloß.
Die schlurfenden Schritte kamen näher. Der Schatten einer Gestalt fiel auf den Boden des Korridors, der mit kostbaren Läufern ausgelegt war, die allerdings schon ein wenig verschlissen und alt aussahen.
»Gleich ist sie da«, flüsterte Judy Quin. Sie hatte sich in einer Nische hinter einer Ritterrüstung versteckt, so daß die Gestalt im Korridor sie nicht sehen konnte.
»Ich sehe sie«, erwiderte Allan mit gedämpfter Stimme. Er lauerte hinter der gegenüberliegenden Tür, die nur angelehnt war. »Es kann losgehen!«
Judy drückte sich noch tiefer in den Schatten der Nische. Die Gestalt auf dem Korridor war nun nur noch wenige Schritte entfernt.
Da begannen plötzlich die Glühbirnen in den Kronleuchtern zu flackern. Unheimliche Schatten huschten über die Wände und die düsteren Gemälde.
Dann ging das Licht ganz aus.
»Verflucht!« preßte die Gestalt auf dem Korridor grimmig hervor. Es handelte sich um eine hagere, verknöchert wirkende Frau mit kurzem brünetten Haar. Sie trug ein aufwendiges rosafarbenes Rüschenkleid, in dem sie wie ein zu groß geratenes Mädchen aussah. In ihrer Armbeuge trug sie eine klobige Handtasche aus braunem Leder, die überhaupt nicht zu dem Erscheinungsbild der Frau paßte und ihrem absurden Modegeschmack die Krone aufsetzte.
Draußen flackerte ein Blitz auf. Sein Widerschein fiel durch die Bogenfenster und leuchteten für einen Moment das Gesicht der Frau, die nun zögernd in dem dunklen Korridor stehengeblieben war.
Die Frau sah verängstigt und eingeschüchtert aus, wie Judy in ihrem Versteck zufrieden feststellte.
Judy würde leichtes Spiel mit Lady Victim haben!
Lady Victim fürchtete sich tatsächlich in dem finsteren Korridor. Unwillkürlich hatte sie ihre ominöse Handtasche vor die Brust gepreßt, hielt gebannt die Luft an und wartete darauf, daß das Licht wieder anging.
Dies war genau der richtige Zeitpunkt für Judys Auftritt!
Mit einem wimmernden Klagelaut löste Judy sich aus der Nische und huschte leichtfüßig quer über den Korridor auf die angelehnte Tür zu, hinter der Allan versteckt war.
Als Lady Victim die geisterhafte Erscheinung erblickte, die unmittelbar vor ihr über den Korridor schwebte, stieß sie einen schrillen Entsetzensschrei aus. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie die Frau in dem wallenden weißen Kleid an, das aussah, als würde es aus Nebel bestehen.
Die Frau in dem Nebelkleid war schlank und gut gebaut – aber sie sah auch unnatürlich bleich und hohlwangig aus. Rabenschwarzes Haar umflutete ihren Kopf, der fast wie ein Totenschädel anmutete.
Lady Victim ließ ihre Handtasche fallen und preßte sich voller Entsetzen die Hände vor den Mund. Benommen taumelte sie einen Schritt zurück.
Im nächsten Moment war die unheimliche Gespensterfrau durch eine Tür geschwebt, die sich vor ihr, wie durch Geisterhand bewegt, geöffnet hatte.
Mit einem lauten, hallenden Krachen fiel die Tür wieder ins Schloß. Gespenstische Stille breitete sich aus. Eine Stille, die nur durch Lady Victims keuchenden Atem und dem heulen des Sturms durchbrochen wurde.
Oder war da etwa noch ein anderer Laut?
Lady Victim lauschte gebannt.
Was sie vorher für das Heulen des Sturms gehalten hatte, entpuppte sich jetzt als wimmerndes Wehklagen.
»Gib mir meinen Mann zurück, Lady Victim«, wehrte eine gespenstische Stimme durch den Korridor.
Die hagere Frau auf dem Korridor erstarrte. Eine Gänsehaut kroch ihr den Rücken hinunter. Am liebsten wäre sie auf dem Absatz umgedreht und Hals über Kopf davongerannt.
Aber die Angst hatte Lady Victim gelähmt. Schlotternd und mit weit aufgerissenen Augen stand sie da und war unfähig irgendetwas zu tun.
Plötzlich sprang die Tür, durch die die Geisterfrau entfleucht war, wieder auf. Grelles Licht flutete auf den Korridor hinaus und warf ein hellweißes langgezogenes Rechteck auf den Boden und die gegenüberliegende Wand.
In dem Rechteck zeichnete sich scharf der Schatten der Geisterfrau ab. Wie ein Scherenschnitt sah das aus, nur daß er sich auf gespenstische Weise bewegte. Das Kleid und das lange Haar wurden von einem geheimnisvollen Wind bewegt. Die Geisterfrau vollführte beschwörende Gesten, als wollte sie Lady Victim zu sich locken.
»Wer… wer ist da?« stammelte die Lady. Die Furcht hatte ihre Stimme, die von Natur aus rauh und kratzend klang, noch um einige Nuancen mißtönender werden lassen.
»Ich bin Agatha«, drang es wispernd zu Lady Victim herüber. »Sir John ist mein Ehemann. Niemals werde ich es dulden, daß es eine andere Frau an seiner Seite gibt!«
»A… Agatha ist doch seit einigen Jahren tot«, stammelte Lady Victim. »John hat mir ihr Grab erst gestern gezeigt!«
»Mein Körper mag dahingesiegt sein«, kam wispernd die Erwiderung. »Aber mein Geist nicht! Jede Frau, die sich in das Leben meines geliebten John drängen will, werde ich vernichten!«
Die beschwörenden Gebärden der Geisterfrau wurden nun bedrohlicher. Die Kronleuchter an der hohen Decke fingen plötzlich an zu wanken und zu klirren.
Da löste sich plötzlich eine der schweren Lampen aus der Halterung. Sie rauschte herab und knallte nur wenige Schritte hinter Lady Victim mit lautem Scheppern auf den Boden.
Schreiend wirbelte die Lady herum und wich dann entsetzt vor dem zerstörten Kronleuchter zurück.
Hätte die schwere solide Lampe sie getroffen, hätte das ihren Tod bedeutet!
Gehetzt wandte Lady Victim sich zu der grell erleuchteten Tür um. Der Schatten der Geisterfrau war noch immer da!
»John hat mir erst nach unserer Hochzeit gebeichtet, daß er bereits schon einmal verheiratet gewesen war«, erklärte Lady Victim verzweifelt und mit schwankender Stimme. »Erst, als er mir Agathes Grab zeigte, hat er mir von seiner verstorbenen Frau erzählt. Ich hatte also keine Ahnung!«
»Das wird dich nicht vor meiner Rache schützen«, erwiderte die gespenstische Stimme kalt. »John wird immer mein bleiben!«
Plötzlich erlosch das grelle Licht. Finsternis breitete sich schlagartig aus.
Lady Victim hob abwehrend die Hände. Für Sekunden sah sie nichts als Schwärze vor ihren Augen. Nur langsam schälten sich die Umrisse der Bogenfenster undeutlich in der Dunkelheit ab. Ein Blitz flammte plötzlich auf und kurz darauf krachte ein Donner über die Dächer des Castles hinweg.
Lady Victim zuckte unwillkürlich zusammen. Ihre Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Jeden Moment rechnete sie damit, daß etwas Schreckliches geschah.
Aber wider Erwarten blieb es in dem Korridor völlig ruhig. Nur das Rauschen des Regens und das Heulen des Sturms drang an Lady Victims Ohren.
Hatte sie sich die Geisterfrau etwa nur eingebildet?
Hoffnung stieg in Lady Victim auf. Sie hatte bis spät in die Nacht mit John unten im Salon gesessen und Bridge gespielt. Das Dinner, das der Butler ihnen aufgetischt hatte, war reichhaltig gewesen und lag Lady Victim auch jetzt noch schwer im Magen. Außerdem hatte sie einige Gläser Rotwein getrunken. Da konnte es schon mal vorkommen, daß man plötzlich anfing, Gespenster zu sehen!
Lady Victim atmete tief durch. Unwillkürlich mußte sie an John denken. Dieser aufregende abenteuerliche Mann hatte ihr gehörig den Kopf verdreht. Niemals hätte Lady Victim sich träumen lassen, daß sich ein Playboy und Dandy wie John einer war, sich für sie interessieren würde.
Und doch war genau dies eingetreten! John war ein abenteuerlicher Typ, immer braungebrannt und von athletischem Körperbau. Seine Stimme war tief und männlich, und sie jagte Lady Victim jedesmal wohlige Schauer über den Rücken, wenn er ihr Liebesworte ins Ohr flüsterte. Wenn John sie mit seinen blitzenden blauen Augen ansah, wurde ihr immer ganz schummerig zumute. Sie sehnte sich dann sehr nach seinen starken Armen, seinem aufregenden betörenden Duft und seinen Lippen, die so wunderschöne Dinge sagen und so herrlich küssen konnten.
Lady Victims Erwartungen an John waren sehr hoch gewesen. Um so enttäuschender war die Hochzeitsnacht für sie verlaufen, die erst wenige Tage zurücklag. Anfangs hatte Lady Victim den Eindruck gehabt, John würde sie nur widerwillig in den Arm nehmen. Er schien nicht recht bei der Sache, wirkte abwesend und ließ es an der erhofften Leidenschaft und Zärtlichkeit fehlen.
Lady Victim konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen, was John natürlich auch bemerkte. Danach gab er sich dann redlich Mühe, und die Nacht wurde für Lady Victim doch noch zu einem berauschenden, unvergeßlichen Erlebnis.
Doch bisher war es bei dieser einen Liebesnacht geblieben. Auch heute nacht hatte John zu Lady Victims Bedauern darauf bestanden, allein zu schlafen.
»Es ist wegen Agatha«, hatte er erklärt und dabei sehr traurig und verzweifelt ausgesehen. »Ich kann meine verflossene Frau einfach noch nicht vergessen.«
Das hatte Lady Victim zuerst sehr wütend gestimmt. Sie war drauf und dran gewesen, John eine Szene zu machen.
Doch dann hatte sie mit ihrem frisch angetrauten Ehemann doch Mitleid bekommen. Der Arme sollte die erforderliche Ruhe und Zeit bekommen, die er benötigte, den Verlust seiner ersten Frau zu überwinden.
Je schneller er es schaffte, desto eher könnte sie ihn endlich ganz für sich allein haben!
Zweifelnd starrte Lady Victim zu der offenen Tür hinüber, hinter der es jetzt ganz dunkel war.
Inzwischen war Lady Victim sicher, nur einer Sinnestäuschung erlegen zu sein. Es war unsinnig, zu glauben, der Geist von Johns verstorbener Frau könnte in dem Castle herumspuken! Auch war das plötzliche Erlöschen der Lampen sicherlich nur durch einen Stromausfall hervorgerufen worden.
Trotz dieser Überlegungen pochte Lady Victims Herz wie verrückt, als sie sich der offenen Tür nun mit zögernden Schritten näherte.
Wenn doch nur das Licht wieder angehen würde!
Lady Victim schnaufte verzagt. Sie fand, es wäre Johns Pflicht gewesen, rasch herbeizueilen, um nach seiner Frau zu sehen, als der Strom plötzlich ausfiel. Schließlich kannte Lady Victim sich in dem alten Castle noch nicht so recht aus. Sie könnte sich in der Dunkelheit verirren, oder ihr könnte sogar etwas zustoßen. John konnte es doch unmöglich entgangen sein, daß es im Castle einen Stromausfall gegeben hat.
Inzwischen hatte Lady Victim die offene Tür erreicht. Überrascht stellte sie fest, daß ein Dutzend Kerzen in dem dahinterliegenden Raum brannten. Sie tauchten das Zimmer in geheimnisvolles schummeriges Halbdunkel voller huschender Schatten.
Wer hatte diese ganzen Kerzen so plötzlich angezündet?
Lady Victim war sicher, daß es eben noch stockdunkel in dem Raum gewesen war. Ein unbehagliches Gefühl beschlich sie.
»John?« rief sie verzagt, in der Hoffnung, daß es ihr Geliebter war, der die Kerzen angezündet hatte.
Doch das Zimmer war menschenleer. Statt dessen waren die Wände mit gerahmten Fotografien gepflastert. Auch auf den alten Kommoden und Vitrinen standen Fotos.
Alles war mit einem Schleier aus dichten Spinnwebengeflecht überzogen. Gespenstisch waberten die Spinnweben hin und her, obwohl nicht der geringste Lufthauch zu spüren war.
Angeekelt blieb Lady Victim stehen. Sie haßte Spinnen und konnte sie auf den Tod nicht ausstehen. Sie war drauf und dran, sich abzuwenden und die Tür hinter sich zuzuschlagen.
Aber sie brachte es nicht fertig. Etwas an den unzähligen Fotografien hatten sie stutzig gemacht. Trotz der ungenügenden Beleuchtung durch die flackernden Kerzen konnte Lady Victim nämlich erkennen, daß auf den Bildern immer wieder dieselben Personen abgelichtet waren. Es handelte sich dabei um John und eine schlanke hochgewachsene Frau mit langem schwarzen Haar.
Lady Victim hatte das Gefühl, eine eiskalte Hand würde ihr über den Rücken fahren. Die Frau auf den Fotos hatte frappierende Ähnlichkeit mit der Gespensterfrau, die Lady Victim vorher geglaubt hatte zu sehen!
Plötzlich kamen der Lady wieder Zweifel, ob sie sich die Geistererscheinung tatsächlich nur eingebildet hatte.
Wie unter einem fremden Zwang stehend trat Lady Victim näher, um die Fotos genau betrachten zu können.
Auf einem Bild hielt John die schwarzhaarige Frau, bei der es sich – da bestand für Lady Victim nun kein Zweifel mehr – um die verstorbene Agatha handeln mußte, in seinen Armen. Beide lächelten sie glücklich in die Kamera.
Der Ausdruck der glücklichen Gesichter versetzte Lady Victim einen Stich ins Herz. Das Wissen, daß John vor ihr bereits eine andere Frau geliebt hatte, bereitete ihr plötzlich seelische Schmerzen. Bisher war Agatha nur eine vage traurige Geschichte gewesen. Doch nun gewann sie mit diesen Fotos an schrecklicher Deutlichkeit und Intensität.
Lady Victim hatte ihre Angst vor Spinnen plötzlich vergessen. Die Fotos hatten sie in ihren Bann geschlagen.
Zitternd streckte sie ihre Hand aus und wischte die klebrigen Spinnweben beiseite, um die Fotos dahinter besser erkennen zu können.
Auf einem anderen Foto waren John und Agatha zu sehen, wie sie Hand in Hand barfuß über einen Strand liefen. Für einen Moment verneinte Lady Victim sogar, das glockenhelle Lachen einer Frau zu vernehmen.
Plötzlich erstarrte sie. Da war wirklich ein Lachen gewesen! Unheimlich hallte es in dem Zimmer wider.
»John, du machst mich so glücklich«, vernahm Lady Victim plötzlich eine wispernde Frauenstimme. »Nichts auf dieser Welt kann uns je trennen. Wir beide gehören zusammen – bis über den Tod hinaus!«
Wieder hallte ein leises glückliches Lachen durch den Raum.
Lady Victim bekam eine Gänsehaut. Die unzähligen Fotos, die John und Agatha in ausgelassener glücklicher Harmonie zeigten, schienen sich um sie zu drehen.
»Ich werde dich glücklich machen, John«, fuhr die Geisterstimme säuselnd fort. »Du sollst mich begehren und so sehr lieben, daß du nie wieder eine andere Frau ansehen wirst. Ich bin für immer dein. Und jede, die es wagt, unser Glück zu zerstören, wird es bitter bereuen!«
Ein Windstoß ging plötzlich durch das Zimmer. Die Spinnweben blähten sich wie Segel auf und ein wütendes Heulen und Kreischen setzte ein.
Entsetzt wich Lady Victim vor den Fotos zurück. Sie wirbelte zur Tür herum und wollte aus dem geisterhaften Zimmer stürzen.
Doch da wurde die Tür plötzlich von einem Wind erfaßt. Mit lautem Krachen fiel sie ins Schloß.
Lady Victim warf sich verzweifelt gegen die Tür und versuchte sie wieder zu öffnen.
Aber es war vergebens. Die Tür war verklemmt. Lady Victim bekam sie nicht wieder auf.
