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Im Herbst 2022 stand das britische Finanzsystem wenige Minuten vor dem totalen Kollaps. Was als harmloser politischer Haushaltsplan begann, löste eine beispiellose Kettenreaktion am Markt für Staatsanleihen (Gilts) aus. Der unsichtbare Zünder dieser Beinahe-Katastrophe waren hochkomplexe, gehebelte Finanzinstrumente: die Liability-Driven Investment (LDI) Strategien. Dieses Finanz-Sachbuch seziert die Anatomie eines modernen Marktversagens. Pensionskassen, deren oberstes Ziel absolute Sicherheit sein sollte, nutzten massive Kredithebel und Derivate, um in einem extremen Niedrigzinsumfeld ihre Renditeziele zu erreichen. Als die Zinsen plötzlich historisch schnell stiegen, löste dies eine Spirale von Margin Calls aus, die die Fonds zwang, ihre sichersten Anlagen panisch abzustoßen. Die Analyse verdeutlicht, wie das blinde Vertrauen in mathematische Risikomodelle die tatsächliche Liquidität des Marktes völlig überschätzte. Es ist eine warnende Fallstudie über die versteckten systemischen Risiken in unserem globalen Finanzsystem. Durchschauen Sie die unsichtbaren Hebelstrukturen, die unsere Altersvorsorge bedrohen. Ein unverzichtbares Werk für Finanzprofis und Anleger, die die nächste große Liquiditätskrise vorhersagen wollen.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Table of Contents
Chapter 1: Die Krise der Pensionskassen – Ein Überblick
Einführung in die Krise der Pensionskassen
Die Rolle von Liability-Driven Investment Strategien
Die Auswirkung steigender Zinsen
Der Zusammenbruch des britischen Finanzsystems
Systemische Risiken und Liquidität
Fazit und Lehren aus der Krise
Chapter 2: LDI-Strategien – Funktionsweise und Fallstricke
Grundlagen der LDI-Strategien
Die Erhöhung von Kredithebeln
Niedrigzinsumfeld und seine Herausforderungen
Systemische Risiken durch LDI-Strategien
Chapter 3: Der britische Staatsanleihenmarkt – Ein komplexes System
Grundlagen des britischen Staatsanleihenmarkts
Einflüsse der Geldpolitik auf den Gilt-Markt
Marktliquidität und ihre Bedeutung
Das Verhalten der Investoren im Gilt-Markt
Chapter 4: Finanzderivate und ihre Risiken
Einführung in Finanzderivate
Rolle der Derivate in der LDI-Strategie
Marktvolatilität und ihre Auswirkungen
Margin Calls und Liquiditätsrisiken
Chapter 5: Margin Calls – Der Katalysator der Panik
Einführung in Margin Calls
Die Rolle von Zinsen und Margin Calls
Liquidität und ihre Herausforderungen
Die makroökonomische Perspektive
Chapter 6: Zinsrisiken in der Finanzwelt
Grundlagen der Zinsrisiken
Auswirkungen plötzlicher Zinsänderungen
Strategien zur Minderung von Zinsrisiken
Die Rolle der Regulierung
Chapter 7: Die Rolle der Makroökonomie in der Finanzkrise
Einblick in die makroökonomischen Grundlagen
Zinsrisiken und ihre Bedeutung
Die Rolle von Finanzderivaten in der Krise
Psychologie der Marktteilnehmer und makroökonomische Reaktionen
Chapter 8: Anatomie der Finanzkrise – Ein Fallbeispiel
Die Einführung der LDI-Strategien
Der Niedergang der Gilts und die Marktreaktion
Margin Calls und ihre Konsequenzen
Systemische Risiken und das Vertrauen in Risikomodelle
Die Rolle der Makroökonomie in der Finanzkrise
Chapter 9: Die Lehren aus der Krise für Pensionskassen
Strategien zur Risikominderung
Bedeutung der Diversifizierung
Robustes Risikomanagement
Lektionen über Hebel und Derivate
Chapter 10: Die Zukunft der Pensionskassen im Licht der Krise
Rückblick auf die Krisenereignisse
Herausforderungen für Pensionskassen
Chancen für Innovation und Anpassung
Der Einfluss der Makroökonomie
Ausblick auf die Regulierungslandschaft
Fazit: Eine neue Ära für Pensionskassen
Chapter 11: Die politische Dimension der Finanzmärkte
Politische Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen
Die Rolle der Aufsichtsbehörden
Politische Verantwortung und Rechenschaftspflicht
Der Einfluss von Geopolitik auf die Finanzmärkte
Chapter 12: Ausblick auf die nächsten Herausforderungen für den Finanzsektor
Technologische Entwicklungen und ihre Auswirkungen
Zinsrisiken und ihre zunehmende Komplexität
Die Rolle von Margin Calls in zukünftigen Krisen
Die Makroökonomie und ihre Unberechenbarkeit
Fazit: Die Zukunft der Pensionskassen gestalten
In diesem Kapitel werfen wir einen umfassenden Blick auf die Krise der britischen Pensionskassen im Herbst 2022. Wir analysieren die Faktoren, die zu diesem beispiellosen Marktversagen führten, und erläutern die Rolle der Liability-Driven Investment (LDI) Strategien. Zudem untersuchen wir, wie das britische Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geriet und welche Lehren aus dieser beunruhigenden Situation gezogen werden können.
Dieses Kapitel beginnt mit einem Überblick über die Kriterien und Rahmenbedingungen, die zur Krise der britischen Pensionskassen im Herbst 2022 führten. Ein Verständnis der zugrunde liegenden Faktoren ist entscheidend, um die Dynamik des Ereignisses richtig zu interpretieren.
Hintergrund der Pensionskassen
Die britischen Pensionskassen haben sich über Jahrzehnte hinweg zu einer entscheidenden Säule des sozialen Sicherheitsnetzes entwickelt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Rentenansprüche von Arbeitnehmern zu erfüllen. Pensionskassen sind oftmals in der Verantwortung, große Vermögen zu verwalten, um den langfristigen Verpflichtungen gegenüber den Rentnern gerecht zu werden. Ihre Anlageentscheidungen sind daher von grundlegender Bedeutung, da diese die finanzielle Sicherheit von Millionen von Menschen beeinflussen.
In den letzten Jahren hat sich das Umfeld für Pensionskassen drastisch verändert. Insbesondere das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat die Herausforderungen für diese Institutionen verstärkt. Die traditionellen Anlagestrategien, die auf sichere Anleihen abzielten, erbrachten nicht die gewünschten Renditen. Dies führte zu einer verstärkten Suche nach alternativen Anlagestrategien und risikobehafteten Instrumenten, was das Fundament der Pensionskassen untergraben hat.
Das Niedrigzinsumfeld der letzten Jahre
In den letzten Jahren war das Niedrigzinsumfeld für die britischen Pensionskassen eine erhebliche Herausforderung. Nach der Finanzkrise 2008 haben die Zentralbanken die Zinsen kontinuierlich gesenkt, um das Wachstum zu fördern und die Wirtschaft zu stabilisieren. Diese Politik führte jedoch dazu, dass die Renditen für sichere Anlagen, wie Staatsanleihen, auf historische Tiefststände sanken.
Das Resultat war ein wachsender Druck auf die Pensionskassen, ihren Renditeanforderungen gerecht zu werden. Viele von ihnen sahen sich gezwungen, riskantere Anlagen und komplexe Finanzderivate zu nutzen, um die erforderlichen Renditen zu erzielen. Dieses Verhalten schuf eine kritische Abhängigkeit von der Entwicklung der Zinsen, wodurch die finanzielle Stabilität der Pensionskassen gefährdet wurde.
Wachsende Abhängigkeit von Finanzderivaten
Die Verwendung von Finanzderivaten hat in den letzten Jahren innerhalb der Pensionskassen stark zugenommen. Diese Instrumente, wie Swaps oder Optionen, bieten Möglichkeiten, Zinsrisiken abzusichern und Renditen zu steigern, sind jedoch auch mit erheblichen Risiken verbunden. Der Einsatz solcher Produkte ermöglicht es Pensionskassen, ihre Portfolios zu optimieren, birgt jedoch die Gefahr, dass komplexe Risiken nicht ausreichend verstanden oder kontrolliert werden.
Im Kontext der Krise von 2022 wurde die Abhängigkeit von diesen Finanzderivaten besonders deutlich. Als die Zinsen schnell stiegen, wurden die Pensionskassen durch Margin Calls gezwungen, ihre Positionen zu liquidieren, was zu einem dramatischen Verkaufsdruck auf dem Markt führte. Diese Kettenreaktion verdeutlichte, wie gefährlich es ist, sich auf hochkomplexe und gehebelte Finanzinstrumente zu verlassen, insbesondere in einem volatilen Marktumfeld.
Politische Entscheidungen und Haushaltspläne
Die politischen Entscheidungen und Haushaltspläne, die vor der Krise von 2022 getroffen wurden, spielten eine zentrale Rolle im Entstehen der Pensionskassenkrise. In diesem Zeitraum wurde ein risikobehafteter Haushaltsplan verabschiedet, der das Vertrauen in die Finanzmärkte erheblich beeinträchtigte. Insbesondere die Ankündigung überraschender steuerlicher Maßnahmen führte zu einer sofortigen Reaktion der Märkte, wodurch die bereits fragilen Pensionskassen unter zusätzlichen Druck gerieten.
Die Unsicherheiten, die aus diesen politischen Entscheidungen resultierten, verstärkten die Volatilität der Finanzmärkte und führten dazu, dass die Pensionskassen gezwungen waren, ihre Risikostrategien zu überdenken. Die plötzliche Notwendigkeit, auf die Marktveränderungen zu reagieren, zeigte, wie eng die Pensionskassen mit der politischen Landschaft verknüpft sind und welche tiefen Auswirkungen politische Maßnahmen auf die Finanzstabilität haben können.
Liability-Driven Investment (LDI) Strategien sind komplexe Finanzinstrumente, die von Pensionskassen genutzt werden, um Renditen zu erzielen. Hier beleuchten wir, wie diese Strategien zur Verschärfung der Krise beitrugen.
Erklärung der LDI-Strategien
Liability-Driven Investment (LDI) Strategien sind speziell entwickelte Anlagemethoden, die darauf abzielen, die zukünftigen Verbindlichkeiten von Pensionskassen optimal abzusichern. Dabei fokussieren sich Pensionskassen nicht nur auf das Erreichen von Renditen, sondern zielen auch darauf ab, ihre Verpflichtungen genau zu decken. Dies geschieht durch eine Kombination von Anleihen und anderen Finanzinstrumenten, die auf die Zahlungsströme der Pensionsverpflichtungen abgestimmt sind.
LDI-Strategien nutzen oft Leverage, um die Renditen zu steigern. Die Grundidee ist, dass durch die Aufnahme von Schulden in einem Niedrigzinsumfeld auch marginal höhere Renditen erzielt werden können. Diese komplexen Strategien können jedoch leicht zur Falle werden, wenn Marktbedingungen sich ändern. Besonders bei einem plötzlichen Anstieg der Zinssätze, wie im Herbst 2022 beobachtet, können die Effekte von LDI-Strategien katastrophale Ausmaße annehmen und zu einer Kettenreaktion führen, die das gesamte Finanzsystem destabilisieren.
Einsatz von Finanzderivaten zur Risikominderung
Pensionskassen setzen zunehmend Finanzderivate ein, um die mit ihren Verbindlichkeiten verbundenen Risiken zu minimieren. Diese Derivate umfassen Instrumente wie Zins-Swaps und Optionen, die es erlauben, sich gegen steigende Zinsen abzusichern. Die grundlegende Annahme hierbei ist, dass durch den strategischen Einsatz dieser Derivate das Risiko der finanziellen Verpflichtungen signifikant reduziert werden kann.
Allerdings können Derivate auch eine gefährliche Komplexität mit sich bringen. Sie sind häufig hochgradig gehebelt, was bedeutet, dass kleine Veränderungen in den Marktbedingungen dramatische Verluste oder Gewinne nach sich ziehen können. Im Kontext der LDI-Strategien zeigt sich, dass der Einsatz dieser Instrumente oft nicht die gewünschte Sicherheit bringt, besonders wenn plötzlich Margin Calls erforderlich sind. Diese Situation zwang viele Fonds dazu, in Panik ihre Vermögenswerte zu liquidieren, was die Krise weiter verschärfte.
Vertrauen in mathematische Risikomodelle
Die Verwendung mathematischer Modelle zur Bewertung von Risiken ist in der Finanzwelt weit verbreitet. Bei LDI-Strategien verlassen sich Pensionskassen stark auf diese mathematischen Ansätze, um die Risiken ihrer Investitionen zu quantifizieren und zu steuern. Viele dieser Modelle sind komplex und basieren auf Annahmen über Marktverhalten und Liquidität, die in stabilen Zeiten valide erscheinen.
Das Problem entsteht, wenn sich marktverändernde Bedingungen schnell und unvorhersehbar anbahnen. Während Modelle bei niedrigen Zinsen und stabilen Märkten oft gut funktionieren, scheitern sie in Zeiten plötzlicher Änderungen, wie im Fall der britischen Finanzkrise. So führte ein übersteigertes Vertrauen in diese Modelle dazu, dass die tatsächliche Liquidität und das Risiko der LDI-Strategien erheblich überschätzt wurden, was zur schnellen Marktinstabilität beitrug.
Fehlende Berücksichtigung von Zinsrisiken
Die Krise der britischen Pensionskassen im Herbst 2022 offenbarte gravierende Defizite in der Risikobewertung, insbesondere in Bezug auf Zinsrisiken. Viele Pensionskassen hatten die potenziellen Auswirkungen eines Zinsanstiegs, der historisch schnell und drastisch eintrat, nicht ausreichend in ihren LDI-Strategien berücksichtigt. In einem Niedrigzinsumfeld verlagern sich die Renditeerwartungen auf risikobehaftetere Anlagen, was das Portfolio anfälliger macht.
Ein plötzliches Ansteigen der Zinsen kann dazu führen, dass der Wert von Anleihen, die zur Deckung von Pensionsverpflichtungen gehalten werden, stark sinkt. Diese Diskrepanz führte zu einem schnellen Anstieg der Margin Calls, da Pensionskassen gezwungen waren, ihre sichersten Anlagen zu verkaufen, um ihre Liquidität aufrechtzuerhalten. Die Vernachlässigung einer adäquaten Zinsrisikobewertung zeigt, wie anfällig die Systeme waren und wie dringend eine Neuausrichtung im Umgang mit solchen Risiken notwendig ist.
Ein plötzlicher Anstieg der Zinssätze war der Auslöser für die Krise. In dieser Sektion analysieren wir, wie dieser Anstieg die Stabilität der Pensionskassen bedrohte.
Schneller Anstieg der Zinssätze und seine Ursachen
Der plötzliche Anstieg der Zinssätze im Herbst 2022 war das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren, die sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut hatten. In einer Phase historisch niedriger Zinsen hatten die Zentralbanken in den westlichen Ländern expansive Geldpolitiken verfolgt, um wachstumshemmende ökonomische Bedingungen zu lindern. Diese Politik führte zu einer Überbewertung von Risikoanlagen und schuf Anreize für Pensionskassen, sich auf gehebelte Investments zu konzentrieren.
Als sich die Inflationsraten jedoch unerwartet beschleunigten und die wirtschaftliche Unsicherheit zunahm, sahen sich die Zentralbanken gezwungen, ihre Zinspolitik zu straffen. Diese Maßnahmen, insbesondere die Prognosen höherer Zinsen, sorgten für massive Marktschwankungen. Der rasche Zinsschock überraschte viele Marktteilnehmer und führte zu einer Abwertung von Anleihen, die zuvor als sicher galten. In der Folge wandte sich die Marktstimmung schnell, was die Instabilität der gesamten Finanzarchitektur weiter verstärkte.
Direkte Auswirkungen auf Anleihemärkte
Der rasante Anstieg der Zinssätze hatte unmittelbare und dramatische Auswirkungen auf die Anleihemärkte, insbesondere auf den britischen Staatsanleihenmarkt. Mit zunehmenden Zinsen fiel die Nachfrage nach bestehenden Anleihen, da neu emittierte Staatsanleihen attraktivere Renditen boten. Dies resultierte in einem signifikanten Rückgang der Anleihepreise, was eine bedrohliche Situation für Investoren wie Pensionskassen schuf, die große Bestände an hochpreisigen Anleihen hielten.
Die Unfähigkeit, diese Anleihen zu verkaufen, ohne erhebliche Verluste hinzunehmen, führte zu einem Vertrauensverlust in die Stabilität der Anleihemärkte. Da viele Pensionskassen auf die Bewertung ihrer Anleihebestände angewiesen waren, um die Deckung ihrer Verpflichtungen zu garantieren, verschärften sich die Liquiditätsengpässe erheblich. Diese Entwicklung war Teil eines größeren Teufelskreises, der schließlich die Instabilität der gesamten Finanzsysteme bedrohte.
Margin Calls und ihre Folgen
Mit dem plötzlichen Rückgang der Anleihepreise sahen sich viele Pensionskassen und andere institutionelle Investoren mit Margin Calls konfrontiert. Diese zwingenden Aufforderungen, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um ihre gehebelten Positionen abzusichern, führten zu einem massiven Druck auf die Liquidität der Fonds. Verstärkt durch ein Umfeld steigender Zinsen und fallenden Anleihepreisen mussten die Fonds schnell handeln, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Die dadurch entstehenden Verkaufszwänge führten häufig zu einer weiteren Abwärtsspirale der Anleihepreise. Diese Situation war besonders besorgniserregend, da sie nicht nur die einzelnen Pensionskassen, sondern auch den gesamten Anleihemarkt in einen prekäreren Zustand versetzte, wodurch das Vertrauen in die Marktmechanismen zur Stabilität erheblich erschüttert wurde.
Desinvestitionen in sichere Anlagen
Angesichts angespannter Liquidität und der Dringlichkeit, Margin Calls zu bewältigen, sahen sich viele Pensionskassen gezwungen, ihre sichersten Anlagen zu veräußern. Dies war eine paradoxe Entscheidung, da gerade diese Anlagen als Puffer gegen Unsicherheiten gedacht waren. Der Druck, Liquidität zu schaffen, führte dazu, dass große Mengen dieser Wertpapiere verkauft wurden, was die Preise weiter drückte und die Marktbedingungen zusätzlich verschärfte.
Die massiven Desinvestitionen hatten nicht nur unmittelbare Folgen für die betroffenen Pensionskassen, sondern trugen auch zur allgemeinen Erhöhung der Volatilität auf den Märkten bei. Die Marktteilnehmer wurden vorsichtiger, und das Vertrauen in die Fähigkeit, Liquidität aufrechtzuerhalten, wurde stark erschüttert. Diese Verkettung von Ereignissen verdeutlichte die Verwundbarkeit der britischen Pensionskassen und die potenziellen Risiken im gesamten Finanzsystem.
Im Herbst 2022 gewann die Situation an Dramatik, als das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geriet. Diese Sektion beleuchtet die Mechanismen dieses Zusammenbruchs.
Reaktionen der Finanzmärkte auf die Krise
Im Herbst 2022 reagierten die Finanzmärkte schlagartig auf die Ankündigung des britischen Haushaltsplans. Investoren erkannten schnell, dass die vorgesehenen Steuererleichterungen und Ausgabensteigerungen das Inflationsrisiko erhöhen würden. Diese Unsicherheit führte zu einem dramatischen Rückgang des Vertrauens in die Stabilität der britischen Staatsanleihen, was dazu führte, dass die Renditen in kurzer Zeit in die Höhe schnellten.
Marktteilnehmer, die zuvor auf die Sicherheit von Gilts vertraut hatten, räumten ihre Positionen in Reaktion auf die plötzlichen Zinserhöhungen. Die Angst vor einem systemischen Zusammenbruch wurde durch Berichte über liquiditätsbedingte Probleme verstärkt, was zu einem massiven Ausverkauf und einer volatilen Marktbewegung führte. Die LDI-Strategien, die die Pensionskassen ursprünglich verwenden wollten, um Risiko zu minimieren, erwiesen sich als Katalysator für diesen Zustand, indem sie eine Kettenreaktion auslösten, die letztendlich zum Übergreifen auf andere Sektoren führte.
Der Einfluss von Spekulationen auf den Staatsanleihenmarkt
Die spekulativen Aktivitäten, vor allem durch Hedgefonds und institutionelle Investoren, verstärkten die Volatilität im Staatsanleihenmarkt erheblich. In dem Bestreben, von den steigenden Zinsen zu profitieren, begannen viele Akteure, Wetten gegen die britischen Gilts abzuschließen. Diese Spekulationen trugen zur Destabilisierung des Marktes bei und verstärkten die bereits angespannte Situation.
Diese dynamische Wechselwirkung zwischen spekulativen Bewegungen und den fundamental bedingten Marktkräften führte dazu, dass die Renditen von Gilts in unvorhersehbare Höhen schossen. Das Vertrauen in die UK-Ökonomie wurde untergraben, was letztendlich zu einem Verlust der Marktliquidität führte. Zudem beeinflussten die Spekulationen das Ansehen der britischen Finanzinstitutionen und führten zu einer scharfen Neubewertung der Risiken, die mit Anleihen verbunden sind.
Panische Abverkäufe und Liquiditätsprobleme
Die panischen Abverkäufe, die aus den schnellen Zinssteigerungen resultierten, schufen eine gefährliche Rückkopplungsschleife im Markt. Pensionskassen, die zuvor auf LDI-Strategien gesetzt hatten, sahen sich plötzlich gezwungen, ihre Anlagen zu liquidieren, um Margin Calls zu bedienen. Diese erzwungene Verkäufe führten zu einem Rückgang der Anleihepreise und verschärften die Liquiditätsprobleme im gesamten Finanzsystem.
Die Liquiditätskrise wurde dadurch verschärft, dass viele Investoren, die großen Druck verspürten, ihre Positionen zu verkaufen, nicht in der Lage waren, Käufer zu finden. Dieser Mangel an Kaufinteresse führte zu einem drastischen Preisverfall, der die bereits angeschlagenen Pensionsfonds erheblich belastete. Die Kettenreaktion, die aus dieser Panik resultierte, zeigte die anfälligen Strukturen des britischen Finanzsystems und die Gefahren von Hebelüberhang und unvorhergesehenen Marktbedingungen auf.
Rolle von Regulierungsbehörden in der Krise
Die Rolle der Regulierungsbehörden während der Krise ist ein zentrales Thema in der Analyse der Geschehnisse des Herbstes 2022. Trotz der frühzeitigen Warnzeichen in Form steigender Renditen und Marktspekulationen blieben viele Institutionen passiv. Kritiker argumentieren, dass eine proaktive Intervention notwendig gewesen wäre, um das Vertrauen in den Markt aufrechtzuerhalten und die Chance auf eine Stabilisierung zu erhöhen.
Die Bank of England sah sich schließlich gezwungen, in den Markt einzugreifen, um eine endgültige Destabilisierung zu verhindern. Durch den Aufkauf von Staatsanleihen versuchte sie, die Liquidität wiederherzustellen und einen vollständigen Zusammenbruch zu verhindern. Dennoch stellt sich die Frage, inwieweit Regulierungsbehörden auf zukünftige Krisen vorbereitet sind und welche Lehren aus dieser Episode bezüglich der Überwachung finanzieller Stabilität gezogen werden sollten.
Die Krise hat die versteckten systemischen Risiken des Marktes offenbart. In dieser Sektion werden die Bedingungen untersucht, die zur Überbewertung der Liquidität führten.
Blindes Vertrauen in Risikomodelle
Die Finanzkrise der britischen Pensionskassen im Herbst 2022 hat eindrucksvoll aufgezeigt, wie gefährlich das blinde Vertrauen in mathematische Risikomodelle sein kann. Viele Pensionskassen orientierten sich eng an diesen Modellen, die oft nur eine vereinfachte Sicht auf die Realität bieten. Sie schätzten, dass die Marktliquidität stabil sei und das Risiko von plötzlichen Zinsanstiegen minimal. Diese Überbewertung führte dazu, dass viele Institutionen ihre Risikopositionen nicht ausreichend überprüften.
Insbesondere die Verwendung von LDI-Strategien, die auf das Management von Verbindlichkeiten ausgerichtet sind, erforderte präzise Prognosen des Zinsumfelds. Doch als die Zinsen schneller stiegen als erwartet, gerieten die Modelle ins Wanken. Viele Pensionskassen waren unvorbereitet auf die daraus resultierenden Margin Calls, was zu massiven Verkäufen ihrer Vermögenswerte führte und die ohnehin fragile Marktlage weiter destabilisierte.
Die Illusion von Liquidität im Markt
Ein zentrales Problem während der Krise war die Illusion von Liquidität im Markt für Staatsanleihen. Viele Investoren und Pensionskassen waren der Meinung, dass sie jederzeit problemlos in den Markt ein- und austreten konnten. Diese Annahme war jedoch fatales Fehlurteil. Als die Märkte unter Druck gerieten, zeigte sich rasch, dass die tatsächliche Liquidität weit hinter den Erwartungen zurückblieb.
