Dominik Mikulaschek (geb. 1983 in Linz) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Herausforderungen moderner Familien im Spannungsfeld zwischen Schule, Leistung und Alltag. In seiner Arbeit mit Eltern, Kindern und Bildungsthemen erlebt er täglich, wie stark der Schulalltag das Familienleben prägt – emotional, organisatorisch und mental.
Mit diesem Buch möchte er sichtbar machen, was viele Familien im Stillen erleben: Überforderung, Druck und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Gleichzeitig zeigt er Wege auf, wie Eltern wieder mehr Leichtigkeit, Verbindung und Handlungsspielraum in ihren Alltag bringen können.
Sein Ansatz ist klar, empathisch und praxisnah – mit dem Ziel, Familien zu entlasten und den Blick auf Schule, Leistung und Kindheit neu zu öffnen.
Dominik Mikulaschek
Geht’s dir gut – oder hast du Schulkinder?
Wie der Schulalltag Familien zermürbt – und wie man ihn überlebt
tredition GmbH
© 2026 Dominik Mikulaschek
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz–Beusen–Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Dominik Mikulaschek, Holzwurmweg 5, 4040 Linz, Austria.
Inhalt
Vorwort
Einleitung
Teil 1 – Was Schule heute mit Familien macht
Kapitel 1. Der neue Normalzustand: Dauerstress
Kapitel 2. Hausaufgaben, Tests, Projekte: Das zweite Schulsystem zuhause
Kapitel 3. Druck durch Noten und Vergleiche
Kapitel 4. Der unsichtbare Stress im Kopf des Kindes
Kapitel 5. Was Schule mit Eltern macht
Kapitel 6. Was Schule mit Partnerschaften macht
Kapitel 7. Was Schule mit Geschwistern macht
Teil 2 – Warum das System so eskaliert
Kapitel 8. Schule als Maschine: Warum es so schwer ist, sie zu ändern
Kapitel 9. Die Kultur der ständigen Bewertung
Kapitel 10. Digitale Beschleunigung, soziale Medien und Klassen-Chats
Kapitel 11. Helikopter, Tiger, Erschöpfte: Elternrollen im Dauerstress
Kapitel 12. Warum manche Kinder besonders leiden
Teil 3 – Überleben: Sofort-Hilfen für den Alltag
Kapitel 13. Die 7 Entlastungsregeln für Schulfamilien
Kapitel 14. Grenzen setzen – ohne schlechtes Gewissen
Kapitel 15. Hausaufgaben ohne Krieg
Kapitel 16. Wenn dein Kind Angst hat
Kapitel 17. Wenn du als Elternteil am Limit bist
Kapitel 18. Familienleben zurückholen
Teil 4 – Vom Überleben zum Leben: Schule neu denken
Kapitel 19. Was Kinder wirklich brauchen, um zu lernen
Kapitel 20. Zusammenarbeit statt Kampf: Schule und Eltern als Team
Kapitel 21. Wege, wenn es so nicht mehr geht
Kapitel 22. Ein neues Bild von Erfol
Schlusswort
Vorwort
Es gibt diesen einen Moment, den wir alle kennen, oft begegnet er uns im Vorbeigehen vor dem Supermarkt, am Telefon mit einer alten Freundin oder beim kurzen Winken über den Gartenzaun, wenn jemand fragt: „Und, wie geht’s dir?“ Die gesellschaftlich akzeptierte Antwort lautet „Gut“ oder „Muss ja“, doch wenn wir ehrlich wären, wenn wir die Maske für einen Augenblick fallen lassen würden, müssten viele von uns antworten: „Frag mich nicht, ich habe Schulkinder.“ Dieser Satz ist kein Witz, er ist eine Zustandsbeschreibung einer Generation von Eltern, die sich in einem permanenten Ausnahmezustand befinden, der schleichend zum Alltag geworden ist. Ich schreibe dieses Buch, weil ich sehe, was passiert, wenn das System Schule ungebremst auf das System Familie prallt, und ich sehe, dass es fast immer die Familien sind, die als Erstes Risse bekommen. In meiner langjährigen Arbeit mit Eltern, in unzähligen Beratungsgesprächen und nicht zuletzt im Austausch mit völlig erschöpften Müttern und Vätern auf Spielplätzen oder Elternabenden, ist mir eines klar geworden: Wir haben eine Grenze überschritten. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Schule nicht mehr nur ein Teil des Lebens eines Kindes ist, sondern zum alles bestimmenden Taktgeber für das gesamte Familienleben mutiert ist. Der Schulalltag endet nicht mehr mit dem Gong nach der sechsten Stunde, er kriecht wie ein unsichtbarer Nebel in unsere Nachmittage, sitzt als ungebetener Gast mit am Abendbrottisch und legt sich als bleierne Schwere über unsere Wochenenden. Ich schreibe dieses Buch, weil ich die stille Verzweiflung in den Augen von Eltern sehe, die alles richtig machen wollen und doch das Gefühl haben, ständig zu versagen. Da ist die Mutter, die sich vornimmt, heute beim Vokabelabfragen geduldig zu bleiben, und die dann doch nach zehn Minuten schreit, weil die Angst, ihr Kind könnte den Anschluss verlieren, größer ist als ihre Selbstbeherrschung. Da ist der Vater, der nach einem langen Arbeitstag eigentlich nur Nähe zu seinem Sohn sucht, aber die erste Frage, die er stellt, ist: „Hast du für Mathe geübt?“, und sofort spürt, wie die Verbindung abbricht und eine Mauer hochfährt. Wir haben uns in eine Rolle drängen lassen, für die wir nie ausgebildet wurden und die wir nie wollten: Wir sind Hilfslehrer, Motivatoren, Chauffeure, Sekretäre, Seelentröster und Prellböcke für ein System, das oft selbst am Limit läuft. Das Schlimmste daran ist nicht einmal die Arbeitslast selbst, sondern das Gefühl der Isolation und der Schuld. Wir glauben, wir seien die Einzigen, die es nicht „im Griff“ haben. Wir schauen auf andere Familien und sehen Fassaden, die funktionieren, sehen glückliche Instagram-Posts von gebastelten Vulkanen und Einserschülern und denken: Was mache ich falsch? Warum ist es bei uns jeden Nachmittag ein Kriegsschauplatz? Warum weint mein Kind? Warum bin ich so müde? Ich schreibe dieses Buch, um dir laut und deutlich zu sagen: Du machst nichts falsch. Es ist nicht dein persönliches Versagen, wenn dein Kind nicht ins System passt oder wenn du keine Kraft mehr hast, die Lücken des Bildungssystems am Küchentisch zu füllen. Dieses Buch ist ein Plädoyer für den Realismus und gegen den Perfektionismus, es ist ein Rettungsanker für alle, die spüren, dass der Preis für gute Noten und angepasstes Verhalten nicht die psychische Gesundheit der ganzen Familie sein darf. Für wen ist dieses Buch also gedacht? Es ist für dich, wenn du schon einmal morgens mit Magenschmerzen aufgewacht bist, weil du wusstest, dass der Kampf ums Aufstehen und Anziehen gleich wieder losgeht. Es ist für dich, wenn du den Satz „Wir müssen noch Hausaufgaben machen“ mit derselben Begeisterung sagst wie „Wir müssen zur Wurzelbehandlung“. Dieses Buch ist für Eltern von Träumern, von Zappelphilippen, von hochsensiblen Seelen und von ganz normalen Kindern, die einfach nur Kinder sein wollen in einer Welt, die schon von Siebenjährigen die Effizienz von Managern erwartet. Es ist für Eltern, die sich dabei ertappen, wie sie die Liebe zu ihrem Kind von dessen Leistung abhängig machen, nicht weil sie es wollen, sondern weil die Angst sie dazu treibt. Es ist aber auch für Eltern, deren Kinder eigentlich „gut“ in der Schule sind, die aber merken, dass der Preis dafür zu hoch ist – dass Freizeit, freies Spiel und unbeschwertes Familienleben auf der Strecke bleiben. Ich schreibe nicht für die Überflieger-Eltern, die wissen wollen, wie ihr Kind zwei Klassen überspringen kann, sondern für die Überlebens-Eltern, die wissen wollen, wie sie den nächsten Dienstag überstehen, ohne dass Türen knallen oder Tränen fließen. Vielleicht fragst du dich jetzt, ob du noch einen Ratgeber brauchst, noch ein Buch, das dir sagt, was du alles tun sollst, wo dein Mental Load doch ohnehin schon so schwer wiegt, dass du kaum noch atmen kannst. Deshalb ist es mir so wichtig, dir zu erklären, wie du dieses Buch nutzen kannst, ohne dass es zu einem weiteren Stressfaktor auf deiner endlosen To-do-Liste wird. Bitte lies dieses Buch nicht wie eine Hausaufgabe. Es gibt hier keine Tests am Ende der Kapitel, und du musst nichts auswendig lernen. Sieh dieses Buch eher wie ein Gespräch mit einer guten Freundin, die dir einen heißen Tee hinstellt und sagt: „Setz dich erst mal, durchatmen.“ Du musst es nicht von vorne bis hinten chronologisch durcharbeiten, wenn dir gerade nicht danach ist. Wenn bei euch gerade die Hausaufgaben das brennende Thema sind, dann spring direkt dorthin. Wenn du dich fragst, wie du mit der Lehrerin sprechen sollst, die dein Kind auf dem Kieker hat, dann lies das Kapitel über Kommunikation. Dieses Buch ist modular aufgebaut, es ist ein Werkzeugkasten, aus dem du dir genau das herausnimmst, was du in diesem Moment brauchst. Meine wichtigste Botschaft an dich, noch bevor wir richtig anfangen, ist Entlastung. Ich werde dir in den folgenden Kapiteln keine aufwendigen Erziehungsstrategien vorstellen, die Wochen brauchen, um zu wirken, oder die verlangen, dass du deine Persönlichkeit komplett änderst. Wir suchen nach den kleinen Stellschrauben, die sofort Luft verschaffen. Manchmal bedeutet das nicht, mehr zu tun, sondern weniger. Es geht oft darum, Erlaubnisscheine auszustellen: Die Erlaubnis, dass eine Drei eine gute Note ist. Die Erlaubnis, die Hausaufgaben abzubrechen, wenn das Kind nur noch weint. Die Erlaubnis, nicht perfekt zu sein und auch mal vor dem Lehrer zu sagen: „Das schaffen wir heute nicht.“ Wir werden uns ansehen, was Schule heute wirklich mit uns macht, warum wir so reagieren, wie wir reagieren, und warum unser Nervensystem oft Alarm schlägt, obwohl eigentlich keine Lebensgefahr besteht. Wir werden die Mechanismen entlarven, die dazu führen, dass wir Eltern uns gegenseitig unter Druck setzen, statt uns zu solidarisieren. Und wir werden ganz konkrete Wege finden, wie wir die Beziehung zu unseren Kindern retten können, denn – und das ist das Mantra, das uns durch alle Seiten begleiten wird – Beziehung ist wichtiger als Leistung. Immer. Egal was auf dem Zeugnis steht, in zwanzig Jahren wird sich dein Kind vielleicht nicht mehr an die Note im Diktat erinnern, aber es wird sich daran erinnern, ob du auf seiner Seite standest, als es schwierig wurde. Es wird sich daran erinnern, ob sein Zuhause ein sicherer Hafen war oder eine Verlängerung des Klassenzimmers. Ich möchte dir helfen, diesen sicheren Hafen wieder aufzubauen, auch wenn draußen der Sturm tobt. Wir können das Schulsystem nicht von heute auf morgen ändern, so sehr wir uns das auch wünschen und so notwendig es auch wäre. Das System ist ein träger Tanker, der sich nur langsam bewegt, und wir haben nicht die Zeit, darauf zu warten, dass sich die Bildungspolitik revolutioniert, während unsere Kinder jetzt gerade groß werden und jetzt gerade leiden. Aber wir können ändern, wie wir auf dieses System reagieren. Wir können ändern, wie viel Macht wir der Schule über unser Familienleben geben. Wir können Schutzzonen einrichten, in denen Bewertung keine Rolle spielt. Wir können lernen, die Angst vor der Zukunft – diese diffuse Angst, dass aus unserem Kind „nichts wird“, wenn es jetzt nicht spurt – zu zähmen und durch Vertrauen zu ersetzen. Vertrauen in dein Kind, in seine Entwicklung und in deine Kompetenz als Elternteil. Denn du bist kompetent. Die Tatsache, dass du dieses Buch in der Hand hältst (oder auf dem Bildschirm liest), zeigt, dass du dir Gedanken machst, dass du fühlst und dass du etwas verändern möchtest. Das ist mehr als genug. Lass uns also gemeinsam auf eine Reise gehen, weg vom Funktionieren müssen, hin zum Leben dürfen. Weg vom ständigen Bewerten, hin zum Verstehen. Weg vom Druck, hin zur Beziehung. Ich verspreche dir keine Wunderheilung, denn Schule wird anstrengend bleiben, Hausaufgaben werden weiterhin nerven und Lehrer werden weiterhin Entscheidungen treffen, die wir nicht verstehen. Aber ich verspreche dir, dass es leichter werden kann. Dass du Werkzeuge an die Hand bekommst, um dich abzugrenzen. Dass du lernen wirst, den „Eltern-Burnout“ zu erkennen, bevor er dich voll erwischt. Und vor allem verspreche ich dir, dass du dich auf den folgenden Seiten verstanden fühlen wirst. Du bist nicht allein mit deiner Erschöpfung, deiner Wut und deinen Sorgen. Wir sind viele. Und zusammen können wir den Wahnsinn ein kleines bisschen besser sortieren und vielleicht sogar, Schritt für Schritt, überleben lernen – und irgendwann wieder mehr als nur überleben. Atme tief ein. Und aus. Leg die Schultern, die du wahrscheinlich gerade bis zu den Ohren hochgezogen hast, wieder nach unten. Es ist okay. Du bist okay. Und wir schaffen das. Lass uns anfangen.
Einleitung