Generation Clash - Caitlyn Young - E-Book

Generation Clash E-Book

Caitlyn Young

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Beschreibung

Eine nervige Zugfahrt, die alles verändert …

Eigentlich will Leni auf der Zugfahrt nach Stuttgart in Ruhe ihre Studienarbeit korrigieren. Doch als eine alte Dame beginnt, sich lautstark über einen telefonierenden Mitfahrer zu beschweren, ist es mit der Ruhe vorbei. Wie kann die Jugend von heute nur so ignorant sein? Und plötzlich gerät das ganze Zugabteil in eine Diskussion über den nicht zu übersehenden Generationenkonflikt. Aber Leni findet den nervigen Mitfahrer gar nicht so nervig …

Über booksnacks

Kennst du das auch? Die Straßenbahn kommt mal wieder nicht, du stehst gerade an oder sitzt im Wartezimmer und langweilst dich? Wie toll wäre es, da etwas Kurzweiliges lesen zu können. booksnacks liefert dir die Lösung: Knackige Kurzgeschichten für unterwegs und zuhause!

booksnacks – Jede Woche eine neue Story!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 80

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

Über dieses E-Book

Eigentlich will Leni auf der Zugfahrt nach Stuttgart in Ruhe ihre Studienarbeit korrigieren. Doch als eine alte Dame beginnt, sich lautstark über einen telefonierenden Mitfahrer zu beschweren, ist es mit der Ruhe vorbei. Wie kann die Jugend von heute nur so ignorant sein? Und plötzlich gerät das ganze Zugabteil ist eine Diskussion über den nicht zu übersehenden Generationenkonflikt. Aber Leni findet den nervigen Mitfahrer gar nicht so nervig …

Impressum

Erstausgabe April 2021

Copyright © 2021 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96817-624-6

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH unter Verwendung eines Motivs von shutterstock.com: © ClassicVector Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Unser booksnacks-Verlagsprogramm findest du hier

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Generation Clash

Jetzt auch als Hörbuch verfügbar!

Generation Clash
Caitlyn Young
ISBN: 978-3-96817-735-9

Eine nervige Zugfahrt, die alles verändert …

Das Hörbuch wird gesprochen von Anja Kalischke-Bäuerle.
Mehr Infos hier

„Du klappst jetzt sofort deinen Laptop zu und hältst den Mund!“ 

Die ältere Dame, die fast nur aus einem aufgedunsenen Rumpf bestand und deren lila schimmernde Dauerwellen-Kurzhaarfrisur Leni sofort ins Auge gestochen war, musterte den jungen Mann im übergroßen Kapuzen-Sweatshirt mit zusammengekniffenen Augen. 

Leni rutschte nervös auf ihrem Sitz umher, die Jeans klebte an ihren Pobacken. Es war ein schwülwarmer Sommernachmittag und die Luft im Abteil des Regionalzugs war klebrig heiß. Draußen schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und bis zur nächsten Haltestelle in Richtung Süden würde es noch eine Weile dauern. Sie hatten gerade erst den Bahnhof von Mannheim verlassen.

„Hören Sie schlecht?“ Die Frau, die der Sweatshirtträger schon mit „olle Oma“ betitelt hatte, erhob sich und wurde dadurch kaum größer. Sie trug ein zu enganliegendes Kleid aus einem Stoff, der besser zu einem Vorhang hätte verarbeitet werden sollen, und jene blickdichte, beigefarbene Strumpfhose, die Leni von ihrer eigenen Großmutter kannte. An einer ihrer stämmigen Waden lief eine breite Laufmasche hinunter, bis zur Ferse, die in klobigen Gesundheitsschuhen steckte.

Leni hatte schon vor einer halben Stunde überlegt, ob sie den Sitzplatz wechseln sollte, aber der Zug war ausgebucht und es hätte für große Unordnung gesorgt. Zunächst war sie froh gewesen, einen Platz an einem Tisch zu haben, denn sie musste eine Hausarbeit korrigieren und hatte ihre Ausdrucke und einen roten Stift dabei. Aber dann kam es zu den Spannungen zwischen der älteren Dame, die Leni schräg gegenübersaß, und dem legeren, zugegeben gutaussehenden Typen an dem Tisch auf der anderen Seite des Ganges. An der gegenüberliegenden Seite des Tisches, ebenfalls am Fenster, saß ein Mann, der so blass war, als habe seit Monaten kein Sonnenlicht seine Haut berührt. Er trug einen sonderbar eckig rasierten Bart und eine blau umrandete Brille und las ein Magazin, ohne jemals den Blick zu heben. Zu Lenis Rechten saß eine kaugummikauende junge Frau, vielleicht ebenfalls eine Studentin. Sie roch nach einem unangenehmen Gemisch aus Vanilleparfüm und kalter Asche und drückte zackig auf ihrem Handy herum, während kabellose Neon-Kopfhörer in ihren Ohren steckten.

Der Typ mit dem Kapuzenpullover stieg, wie Leni und die Kaugummi-Frau, in Mainz zu, die anderen hatten schon an ihren Plätzen gesessen. Es war das übliche Gepäckstücke-durch-viel-zu-enge-Gänge-Drücken gewesen, und Leni war froh, dass sie nur einen Rucksack dabeihatte, den sie unter ihren Sitz stopfte. Sie erfasste mit einem geübten Blick die Lage an dem Tisch, an dem sie bald sitzen würde, um für das Wochenende zu ihren Eltern nach Stuttgart zu fahren: Dort saßen der Bleiche, der so sehr in seine Lektüre vertieft zu sein schien, dass er ein angenehmer Weggefährte werden würde, und die ältere Dame, die zu dem Zeitpunkt noch damit beschäftig war, ihre Nase in ein dickes Heft voller Sudoku-Rätsel zu stecken. Auf ihrer kantigen Nasenspitze saß eine Brille, deren Bändel aus bunten Perlen bestand, und sie hob den Blick und lächelte, als Leni am Fenster Platz nahm. Leni mochte es nicht besonders, in vollgepackten Zügen zu reisen, aber sie hatte kein Geld für ein eigenes Auto und der fünfzigste Geburtstag ihres Vaters fiel nun einmal auf einen Samstag. Leni besuchte ihre Eltern in der Regel alle zwei Monate, vorzugsweise von Samstagmittag bis Sonntagabend. Diese Familienfeier war eine Ausnahme und kam eher ungelegen: Am Tag zuvor hatte Leni einen Schwangerschaftstest im Drogeriemarkt gekauft und in die Innentasche ihres Rucksacks gesteckt. Den Mut zum Draufpinkeln hatte sie noch nicht gehabt, obwohl ihre Periode seit zehn Tagen überfällig war.

Kurz nachdem der Zug aus dem Mainzer Hauptbahnhof gerollt war, überfiel Leni eine bleierne Müdigkeit. Es konnte daran liegen, dass sie am Mittwochabend mit einer ihrer besten Freundinnen zu lange in einer Kneipe gesessen hatte, oder aber …

Ihre Lider senkten sich von selbst, ihre Arme und Beine wurden schwer wie Blei und das gleichmäßige Rütteln des Zuges war fast wie ein Wiegenlied. Bis der Kapuzen-Typ das erste Mal laut wurde.

„Ja, hey, das freut mich für dich!“ 

Er sprach ungewöhnlich laut, obwohl es im Abteil so leise war, dass es nicht nötig gewesen wäre. Mit seinen auffallend langen Fingern, die voller Silberringe steckten, fuhr er sich durch die goldenen Locken, die unordentlich seine braungebrannten Wangen umspielten. Er sah aus, als könne er die Hauptrolle in einem Spielfilm haben. Als der Typ, der allen Frauen den Kopf verdreht und sie dann links liegenlässt.

„Und wann genau kommt das Baby?“ Er schrie beinahe. Vielleicht vor Aufregung?

Leni mochte es insgeheim, den Gesprächen Fremder zu lauschen, weil sie es spannend fand, worüber sich die Leute unterhielten. Dass der Typ so laut redete, nahm dem Ganzen fast den Reiz.

„Hey, das ist geil! Ich bin echt so superglücklich!“ Er lächelte und feine Grübchen tummelten sich auf einmal auf seinen Wangen und um seine Mundwinkel. Wow!

Leni bemerkte, dass ihre betagte Tischnachbarin ihr Sudoku-Heft demonstrativ geschlossen und ihre Brille in einem Etui verstaut hatte. Ihr Blick in Richtung Nebentisch war vorwurfsvoll und fragend zugleich. Leni wollte wegschauen, aber ihr Blick blieb an dem Typen kleben.

„Wir feiern, das ist so mega! Dass du Vater wirst, das hätte keiner gedacht, oder?“

„Mega“, murmelte die Oma und schüttelte verächtlich den Kopf. „Geil …“

Leni sah instinktiv zu ihr hinüber. Sie legte die mit Altersflecken übersäten Hände auf die Tischplatte und erwiderte Lenis Blick. Ihre Augen waren wässrig-blau mit gelben Sprenkeln.

„Reden Sie auch so?“

Leni wusste im ersten Moment nicht, was sie dazu sagen sollte, aber die Frage war ganz klar an sie gerichtet.

„Ich, ähm, ich weiß nicht“, stammelte sie. Smalltalk war nicht ihr Spezialgebiet.

„Ich meine, die Jugend von heute strengt sich ja nicht einmal mehr an!“ Die Sudoku-Oma musterte Leni auf eine ihr unangenehme Art, so als müsse sie nach Indizien dafür suchen, dass Leni auch ihrem Horrorbild der Jugendlichen von heute entsprach.

„Da wird die Inversion nach einem ‚weil‘ einfach ignoriert!“ Die Oma sprach weiter, ohne Lenis Antwort abzuwarten. „Da werden Artikel weggelassen. Alles ist geil. Und einen Genitiv scheint es auch nicht mehr zu geben.“ Sie schüttelte den lilaschimmernden Lockenkopf. Wäre Leni nicht von Natur aus eher zurückhaltend, hätte sie gefragt, ob das an einer falschen Tönung lag. Oder warum um alles in der Welt sie sich so aufregte.

„Hören Sie!“ Jetzt reckte die Oma vergeblich ihren nicht vorhandenen Hals und beugte sich über den Gang zu dem Kapuzen-Mann hinüber, der immer noch laut am Handy sprach. „Könnten Sie vielleicht ein bisschen leiser sprechen?“

Er sah seiner Gang-Nachbarin unbeeindruckt ins Gesicht und lächelte auf eine Art, die vor vierzig Jahren vielleicht noch auf die Alte gewirkt hätte. Jetzt sagte sie nur: „Tsss, unmöglich“, und holte eine Rundstricknadel aus ihrer Handtasche, an der etwas hing, das wahrscheinlich eine Socke werden sollte.