Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen) - Charles Darwin - E-Book

Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen) E-Book

Charles Darwin.

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Beschreibung

Die 'Gesammelten Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen)' sind eine umfassende Sammlung von Schriften des berühmten Naturforschers und Evolutionsbiologen Charles Darwin. Das Buch enthält eine Vielzahl von Darwin's bedeutendsten Werken, darunter 'Die Entstehung der Arten' und 'Die Abstammung des Menschen'. Darwins Schreibstil ist präzise, wissenschaftlich fundiert und dennoch zugänglich für Leser verschiedener Hintergründe und Interessen. Diese Sammlung bietet einen tiefen Einblick in Darwins evolutionäre Theorien und deren Auswirkungen auf die wissenschaftliche Gemeinschaft sowie die Gesellschaft als Ganzes. Der literarische Kontext von Darwins Werken ist von großer Bedeutung für das Verständnis der Entwicklung naturwissenschaftlicher Ideen im 19. Jahrhundert und deren Fortbestehen bis heute. Charles Darwin, bekannt für seine Revolutionierung des Verständnisses von Evolution und Artenvielfalt, war ein visionärer Wissenschaftler und Denker seiner Zeit. Seine Werke haben die moderne Biologie maßgeblich geprägt und sind noch immer relevant für Forscher auf der ganzen Welt. Darwins akribische Forschung und seine Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Konzepte verständlich darzulegen, machen ihn zu einem der einflussreichsten Autoren im Bereich der Evolutionsbiologie. Für alle, die an Evolution, Biologie und den Ursprüngen des Lebens interessiert sind, bietet die 'Gesammelten Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen)' eine unverzichtbare Lektüre. Dieses Buch ist nicht nur eine historische Abhandlung über Darwins bahnbrechende Theorien, sondern liefert auch Einblicke in den kreativen Denkprozess eines der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Leser, die ihr Verständnis der Natur erweitern möchten, sollten diese Sammlung in ihre Bibliothek aufnehmen. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Seitenzahl: 3150

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Charles Darwin

Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen)

Bereicherte Ausgabe.
Einführung, Studien und Kommentare von Luisa Horn

Books

- Innovative digitale Lösungen & Optimale Formatierung -
Bearbeitet und veröffentlicht von Musaicum Press, 2017
ISBN 978-80-272-0887-6

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Autorenbiografie
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen)
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese illustrierte Ausgabe versammelt vier zentrale Schriften Charles Darwins, die zusammen einen weiten Bogen über seine naturwissenschaftliche Arbeit spannen: Die Entstehung der Arten, Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren, sowie Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln. Ziel der Zusammenstellung ist es, die Entwicklung und Reichweite von Darwins Denken in einer kohärenten, zugänglichen Form zu präsentieren. Sie zeigt, wie aus sorgfältigen Beobachtungen und vergleichenden Analysen eine Theorie entstand, die die Biologie, das Verständnis des Menschen und die Geowissenschaften nachhaltig veränderte. Die beigefügten Abbildungen erhöhen die Anschaulichkeit und unterstützen das Verständnis der Argumente.

Die hier vertretenen Texte sind keine Fiktion, sondern wissenschaftliche Monografien und Abhandlungen. Sie verbinden beschreibende Naturforschung, theoretische Modellbildung und methodische Reflexion. Darin finden sich Elemente, die an Reise- und Feldberichte erinnern, ebenso wie systematische Vergleiche, Fallstudien und begriffliche Klärungen. Darwins Schreiben richtet sich zugleich an Fachleute und an ein gebildetes Lesepublikum: Es erläutert Begriffe, führt Belege Schritt für Schritt ein und ordnet Einzelergebnisse in größere Zusammenhänge ein. Damit entsteht eine Prosa, die zugleich dokumentiert und argumentiert, die erklärend erzählt und prüfend abwägt. Diese Mischung aus Beobachtung, Analyse und Darstellung prägt die gesamte Sammlung.

Die Entstehung der Arten durch Naturauslese entfaltet die Grundidee, dass Arten sich durch natürliche Selektionsprozesse aus gemeinsamen Vorfahren entwickeln. Darwins Vorgehen ist kumulativ: Er sammelt Indizien aus Zuchtpraxis, Biogeographie, Morphologie und Paläontologie, prüft Gegenargumente und zeigt, wie kleine, vererbbare Unterschiede über lange Zeiträume zu großen Verschiedenheiten führen können. Der Text verbindet anschauliche Beispiele mit sorgfältiger Begriffsschärfung und etabliert ein Vokabular, das bis heute prägend ist. Nicht sensationelle Behauptungen, sondern die Dichte und Vielfalt der Belege tragen die Überzeugungskraft. So entsteht ein Rahmen, in dem Vielfalt, Anpassung und Verwandtschaft ordnend verständlich werden.

Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl wendet die Evolutionstheorie auf den Menschen und viele Tierarten an und führt das Konzept der sexuellen Auswahl systematisch aus. Darwin zeigt, wie Merkmale nicht nur durch Umweltanpassung, sondern auch durch Paarungspräferenzen und Konkurrenz um Partnerinnen und Partner geformt werden können. Er arbeitet mit Vergleichen über Artgrenzen hinweg, diskutiert Verhalten, ornamentale Ausprägungen und unterschiedliche Selektionsdrücke. Die Darstellung verbindet vorsichtige Schlussfolgerungen mit reichhaltigen Beobachtungen. Sie eröffnet Perspektiven auf Verwandtschaftslinien zwischen Menschen und Tieren, ohne einfache Gleichsetzungen vorzunehmen, und macht deutlich, wie eng biologische und soziale Faktoren in der Natur verflochten sind.

Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren untersucht, wie Gefühle körperlich sichtbar werden und in welchem Ausmaß Ausdrucksformen über Arten hinweg vergleichbar sind. Darwin analysiert Mimik, Gestik und stimmliche Signale und ordnet sie in ein Kontinuum von Funktionen und Abstammungsbeziehungen ein. Die Studie richtet den Blick auf Alltagsbeobachtungen ebenso wie auf ungewöhnliche Fälle und verknüpft qualitative Beschreibungen mit visuellen Hinweisen. Damit zeigt sie, dass psychische und physiologische Phänomene nicht getrennt, sondern gemeinsam evolviert betrachtet werden können. Der Text gilt als ein frühes Fundament für vergleichende Emotionsforschung, Ethologie und Aspekte der Psychologie.

Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln dokumentiert Darwins Beschäftigung mit der Dynamik der Erdkruste und der Formung vulkanischer Landschaften. Ausgehend von Geländestudien erschließt er Schichtungen, Gesteinsfolgen und Spuren langsamer Prozesse, die über lange Zeiträume wirken. Die Arbeit stützt eine prozessorientierte Sicht der Geologie: Große Formen entstehen aus der Summation kleiner, wiederholter Veränderungen. Die Darstellung verbindet genaue Beschreibung mit Hypothesenbildung und prüft unterschiedliche Erklärungen an den vorhandenen Befunden. Damit ergänzt der Band die biologischen Schriften durch eine Perspektive, die die Tiefenzeit und die physische Bühne der Evolution sichtbar macht.

Über alle vier Werke hinweg treten verbindende Leitmotive hervor. Variation, Vererbung, Anpassung und Verwandtschaft bilden ein Netz, das biologische und geologische Tatsachen zusammenhält. Darwins Denken ist historisch: Es rekonstruiert Entstehungswege und erklärt Gegenwart aus Vergangenheit. Es ist vergleichend: Ähnliche Muster in unterschiedlichen Bereichen werden zur Erklärung fruchtbar gemacht. Und es ist empirisch: Hypothesen stehen unter dem ständigen Druck der Beobachtung. Diese Kombination erlaubt es, große Fragen zu stellen und sie doch in der Nähe des belegbaren Details zu beantworten. So entsteht ein Weltbild, das Kontinuität, Wandel und Vielfalt zugleich ernst nimmt.

Stilistisch zeichnet sich Darwin durch Ruhe, Präzision und argumentative Fairness aus. Er benennt Unsicherheiten, entfaltet Alternativen und baut seine Schlussfolgerungen schrittweise auf. Die Struktur der Texte folgt häufig einem Weg vom Konkreten zum Allgemeinen: Beispiele führen zu Begriffen, Begriffe zu Hypothesen, Hypothesen zu weitreichenden Konsequenzen. Dabei bleibt die Sprache anschaulich, ohne an Genauigkeit zu verlieren. Leserinnen und Leser werden eingeladen, die Belege nachzuvollziehen und Zwischenschritte zu prüfen. Das erzeugt eine Überzeugungskraft, die nicht auf Autorität, sondern auf Transparenz beruht – ein Merkmal, das die wissenschaftliche Prosa bis heute prägt.

Die Illustrationen dieser Ausgabe dienen nicht als Beiwerk, sondern als Mittel der Erkenntnis. Sie veranschaulichen Strukturen, Formen und Abläufe, die im Text beschrieben werden, und erleichtern es, Vergleiche nachzuvollziehen und Muster zu erkennen. Abbildungen können dort, wo Worte an Grenzen stoßen, Relationen sichtbar machen und die räumliche oder zeitliche Dimension eines Arguments erfahrbar werden lassen. In Verbindung mit Darwins detailreicher Prosa entsteht so ein doppelter Zugang: lesen und sehen, Gedanke und Anschauung. Das unterstützt das Verständnis, schärft die Beobachtung und hilft, die Reichweite der jeweiligen Schlussfolgerungen angemessen einzuordnen.

Die in dieser Sammlung vereinten Schriften haben weit über ihre ursprünglichen Disziplinen hinausgewirkt. Sie bilden Grundlagen der Evolutionsbiologie, beeinflussen Anthropologie, Psychologie und Verhaltensforschung und haben das Selbstverständnis der Wissenschaften verändert. Indem sie Mechanismen, Prozesse und historische Verknüpfungen in den Mittelpunkt stellen, eröffnen sie Wege, komplexe Systeme ohne Rückgriff auf statische Annahmen zu begreifen. Auch kulturell haben sie Debatten angestoßen, die bis in Gegenwart reichen, von Bildungsdiskursen bis zur Wissenschaftskommunikation. Ihre Bedeutung liegt nicht nur in den Ergebnissen, sondern im methodischen Ethos: Sorgfalt, Offenheit gegenüber Evidenz und Bereitschaft, vertraute Sichtweisen zu prüfen.

Diese Texte sind zugleich Produkte ihrer Zeit und über sie hinausweisende Arbeiten. Wer sie heute liest, begegnet historischen Begriffen und Beispielen, die kritisch eingeordnet werden wollen, sowie Argumentationsweisen, die moderne Forschungen inspiriert, aber nicht ersetzt haben. Die Sammlung lädt daher zu einer doppelten Lektüre ein: als Einführung in die Entstehung zentraler Ideen und als Anstoß, die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens nachzuvollziehen. In diesem Sinn bietet sie weder unantastbare Lehrsätze noch schnelle Antworten, sondern gut begründete Fragen und Wege, ihnen empirisch zu begegnen – ein Anspruch, der ihre Aktualität verbürgt.

Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen) führt die Leserschaft in ein Œuvre, dessen Kraft aus der Verbindung von Beobachtung, Argument und Vorstellungskraft erwächst. Die vier Bände zeigen, wie ein konsistenter Blick auf Natur und Geschichte entsteht, wenn man Muster ernst nimmt, Abweichungen beachtet und Konsequenzen zieht. Wer dieses Panorama in Ruhe durchmisst, erkennt nicht nur die Konturen einer einflussreichen Theorie, sondern auch ein intellektuelles Verfahren, das Wissen wachsen lässt. So ist diese Ausgabe Einladung und Werkzeug zugleich: zum genauen Hinsehen, zum prüfenden Denken und zu einer aufgeklärten Freude am Verstehen.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Charles Darwin (1809–1882) war ein britischer Naturforscher, der mit der Theorie der Evolution durch natürliche Selektion die moderne Biologie grundlegend veränderte. Seine Arbeiten verbinden akribische Beobachtung, historische Erklärung und vergleichende Methoden. Die vorliegende Sammlung zeigt die Spannweite seines Denkens: Die Entstehung der Arten formuliert den Mechanismus der Naturauslese; Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl erweitert die Theorie auf den Menschen; Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren erforscht die Kontinuität seelischer Äußerungen; Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln dokumentiert seine frühe geologische Meisterschaft. Zusammengenommen zeichnen diese Werke ein kohärentes Bild evolutionärer Veränderung in Natur und Kultur.

Darwins Bedeutung rührt nicht nur von einer kühnen Idee, sondern von der Art, wie er Belege ordnete. Aus Reiseerfahrungen, Sammlungsarbeit und weltweitem Briefwechsel formte er eine empirische Grundlage, die Leserinnen und Leser von der Tragfähigkeit der Evolution überzeugte. Seine Argumentation war nüchtern, die Sprache zurückhaltend, die Konsequenzen jedoch tiefgreifend: Disziplinen wie Biologie, Geologie, Anthropologie und Psychologie mussten ihre Grundannahmen neu kalibrieren. Zugleich war er sich der kulturellen und religiösen Sprengkraft bewusst und veröffentlichte in Etappen, um Debatten auf eine evidenzbasierte Ebene zu lenken. Die in dieser Sammlung vereinten Bücher spiegeln diese Strategie mit komplementären Perspektiven.

Bildung und literarische Einflüsse

Darwin wuchs in Shrewsbury auf und besuchte eine Internatsschule, bevor er an der Universität Edinburgh Medizin studierte. Das Fach sagte ihm nicht zu; stattdessen wandte er sich der Naturgeschichte zu und setzte seine Ausbildung am Christ’s College in Cambridge fort. Dort lernte er systematische Beobachtung, Feldarbeit und das Sammeln von Belegen, gefördert durch Mentoren wie den Botaniker John Stevens Henslow und den Geologen Adam Sedgwick. Die Vorbereitung auf die Weltreise mit der HMS Beagle fiel in diese Zeit. Ausbildung und frühe Feldstudien legten die methodischen Fundamente für seine späteren Bücher über Artenwandel, menschliche Abstammung, Emotionen und vulkanische Geologie.

Zu den prägenden intellektuellen Einflüssen zählten Charles Lyells Prinzipien eines langsam wirkenden, gesetzmäßigen Erdwandels, die Darwins geologisches Denken, insbesondere in Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln, entscheidend bestimmten. Thomas Robert Malthus’ Überlegungen zu Bevölkerung und Ressourcen halfen ihm, die Logik der natürlichen Auslese in Die Entstehung der Arten zu fassen. Praktiken der Tier- und Pflanzenzucht informierten seine Theorie der geschlechtlichen Zuchtwahl in Die Abstammung des Menschen. Für Der Ausdruck der Gemütsbewegungen setzten physiologische und bildgestützte Studien, darunter Arbeiten von Charles Bell und experimentelle Fotografie des 19. Jahrhunderts, wichtige Akzente der Argumentation.

Literarische Laufbahn

Die Entstehung der Arten durch Naturauslese, 1859 veröffentlicht, brachte den Kern von Darwins Theorie in eine klare, evidenzgetragene Form. Er verband Beobachtungen von geografischer Verbreitung, Fossilfunden, Variation in Zuchtlinien und Konkurrenz um Ressourcen zu einer dynamischen Erklärung des Artenwandels. Stilistisch meidet er Polemik und setzt auf Kumulierung von Belegen, Analogien aus der Zuchtpraxis und vorsichtige Schlussfolgerungen. Das Buch stieß auf heftige Debatten, gewann jedoch durch seine methodische Strenge wissenschaftliche Autorität. Es etablierte gemeinsame Abstammung und natürliche Selektion als zentrale Prinzipien und bereitete die Bühne für die Ausweitung der Theorie auf den Menschen und sein Gefühlsleben.

Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl (1871) übertrug die Evolutionslogik explizit auf Homo sapiens. Darwin argumentierte, dass Menschen und andere Tiere gemeinsame Vorfahren teilen, und unterschied zwischen natürlicher und geschlechtlicher Selektion. Letztere erklärt Merkmale, die nicht primär dem Überleben, sondern dem Fortpflanzungserfolg dienen, etwa Ornamentik oder Verhaltensrepertoires bei Balz und Konkurrenz. Das Buch integrierte vergleichende Anatomie, Beobachtungen an Tieren und Berichte über menschliche Vielfalt. Es provozierte kulturelle Kontroversen, weil es traditionelle Sonderstellungen des Menschen relativierte, und zugleich eröffnete es neue Forschungsprogramme in Anthropologie, Verhaltensbiologie und Evolutionspsychologie.

Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren (1872) untersuchte, wie Gefühle sicht- und messbar werden. Darwin stützte sich auf Befragungen, kindliche Entwicklung, tierisches Verhalten und die damals neue Fotografie, um universale und artspezifische Muster zu identifizieren. Er sah Mimik, Gestik und Lautäußerungen als evolutive Kontinua, nicht als isolierte Erfindungen des Menschen. Der Ansatz verband Naturgeschichte mit einer frühen Form experimenteller Evidenz und prägte die entstehende Psychologie ebenso wie die Ethologie. Das Werk ergänzte Die Abstammung des Menschen, indem es Mechanismen der Kommunikation und der Selektion sozialer Signale im Detail beleuchtete.

Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln (1844) dokumentiert Darwins geologische Feldarbeit auf Inseln im Atlantik und Pazifik. Er analysierte Lavaströme, Tuffe, Küstenhebungen und Kraterformen, um allgemeine Gesetzmäßigkeiten vulkanischer Prozesse zu erschließen. Die Argumentation folgt dem uniformitarianischen Prinzip: große Landschaften entstehen aus der Summe kleiner, wiederkehrender Veränderungen. Das Buch zeigte Darwins Fähigkeit, naturkundliche Details in historische Erzählungen der Erdentwicklung zu integrieren. Diese geologische Perspektive schärfte später auch sein evolutionsbiologisches Denken, in dem lange Zeiträume, graduelle Veränderung und kumulative Effekte zentrale Erklärungen liefern.

Überzeugungen und Engagement

Darwins wissenschaftliche Überzeugung beruhte auf methodischem Naturalismus, intellektueller Redlichkeit und der Bereitschaft, Hypothesen an widerspenstigen Fakten zu prüfen. Er mied öffentliche Konfrontationen und suchte stattdessen die sachliche Auseinandersetzung im schriftlichen Austausch. Seine Bücher in dieser Sammlung illustrieren diesen Stil: vorsichtige Formulierungen, breites Belegmaterial, klare Abgrenzung zwischen Beobachtung und Schluss. Zugleich beharrte er darauf, dass natürliche Ursachen ausreichen, um Vielfalt, Anpassung und Ausdrucksformen des Lebendigen zu erklären. Diese Haltung prägte die wissenschaftliche Kultur seiner Zeit, indem sie Debatten weg von Autoritätsargumenten und hin zu prüfbaren, vergleichenden Evidenzen lenkte.

Politische Agitation war nicht Darwins Metier, doch bestimmte Grundhaltungen sind dokumentiert. Seine Ablehnung der Sklaverei und sein Eintreten für die gemeinsame Menschlichkeit rahmen die Behandlung des Menschen in Die Abstammung des Menschen. Er förderte den offenen Austausch von Daten, verschickte Fragebögen und bat Kolleginnen und Kollegen weltweit um Beobachtungen, etwa für Der Ausdruck der Gemütsbewegungen. Damit stärkte er eine kooperative Praxis, die Vergleiche über Kontinente hinweg ermöglicht. Sein Wirken als öffentlicher Intellektueller bestand in der Verbreitung einer Arbeitsweise: sorgfältig sammeln, transparent argumentieren, Unsicherheit benennen und Schlussfolgerungen dem Gewicht der Evidenz anpassen.

Letzte Jahre & Vermächtnis

Nach der Veröffentlichung der hier versammelten Werke forschte Darwin weiter intensiv, oft zu Hause in Down in England. Er arbeitete empirisch, führte Langzeitbeobachtungen und Experimente durch und vertiefte Fragen zu Variation, Fortpflanzung und Verhalten. Gesundheitliche Beschwerden begrenzten seine Reisetätigkeit, nicht aber seinen Briefwechsel und seine analytische Produktivität. Er starb 1882 und wurde in der Westminster Abbey beigesetzt, was die zeitgenössische Anerkennung seiner wissenschaftlichen Rolle unterstreicht. Die späten Jahre zeigen einen Autor, der seine Theorien fortlaufend prüft, erweitert und in neue Bereiche überträgt, ohne den Anspruch auf empirische Nachprüfbarkeit zu verlieren.

Darwins Vermächtnis liegt in einem Rahmen, der biologische Vielfalt, menschliche Kultur und geologische Geschichte in einem historischen Prozess vereint. Die Entstehung der Arten lieferte den Mechanismus, Die Abstammung des Menschen und Der Ausdruck der Gemütsbewegungen banden den Menschen in dieses Kontinuum ein, und Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln verankerte das Denken in tiefen Zeiträumen. Die Konzepte natürlicher und geschlechtlicher Selektion bleiben zentral für heutige Forschung. Ebenso wirken seine Methoden – Vergleich, Variation, historische Erklärung – als Standard wissenschaftlicher Praxis. Darwins Werk steht damit exemplarisch für eine moderne, evidenzbasierte Sicht auf das Leben.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Charles Darwin (1809–1882) arbeitete im Zeitalter der industriellen Revolution und der viktorianischen Wissenschaftskultur, in der sich Naturgeschichte rasch zur experimentell und theoretisch ausgerichteten Biologie wandelte. Die hier versammelten Werke entstanden zwischen den 1840er und frühen 1870er Jahren und spiegeln unterschiedliche Epochen dieser Umbrüche. Sie verbinden Beobachtungen aus globalen Forschungsreisen, geologische Theorien, naturkundliche Sammlungspraktiken und neue Konzepte der Vererbung und Variation. Die Sammlung illustriert, wie Darwin von der Feldforschung in Vulkangebieten über Fragen der Artenbildung bis zu Studien über menschliche Gefühle ein zusammenhängendes Bild natürlicher Prozesse entwarf, das politische, religiöse und kulturelle Debatten seiner Zeit stark prägte.

Vor Darwins Veröffentlichungen standen im 19. Jahrhundert konkurrierende Deutungen der Natur zur Diskussion. Die Linneische Taxonomie ordnete Arten, ließ aber deren Entstehung offen. Transformistische Ansätze, etwa bei Jean-Baptiste Lamarck, wurden kontrovers aufgenommen. 1844 sorgte die anonyme Schrift Vestiges of the Natural History of Creation für öffentliche Aufmerksamkeit und Skepsis. Zugleich festigte sich in der Geologie das Prinzip des Aktualismus, während in der Theologie naturalistische Deutungen der Schöpfung mit traditionellen Lesarten rangen. In dieses Spannungsfeld traten Darwins empirische Beobachtungen und seine vorsichtige, schrittweise publizierte Theorie, die die Stabilität der Arten nicht postulierte, sondern ihre Veränderlichkeit erklärte.

Darwins Forschung wurde maßgeblich durch die Weltumsegelung auf der HMS Beagle (1831–1836) geprägt. Unter dem Eindruck von Küstenhebungen, Erdbeben und Vulkanismus, sowie vielfältiger Flora und Fauna, übte Charles Lyells uniformitaristische Geologie starken Einfluss aus: Gegenwärtige Prozesse sollten Vergangenes erklären. Die Sammlung trägt diesem Kontext Rechnung, indem geologische und biologische Argumente verknüpft erscheinen. Die empirische Breite – von Inselökologien bis zu Kontinentalrändern – verschaffte Darwin eine Grundlage, auf der er langfristige Veränderungen in Natur und Landschaft als graduelle, kumulative Prozesse lesen konnte, statt sie auf singuläre Katastrophen zurückzuführen.

Geological Observations on the Volcanic Islands (1844) entstand direkt aus den Beagle-Studien. Das Buch ordnete Befunde von atlantischen und pazifischen Inseln, darunter den Galápagos, in die damaligen Debatten über Krustenhebung, Magmatismus und die Entstehung vulkanischer Schichtfolgen ein. Es stand zugleich im Kontext britischer Admiraltitätsvermessungen, in denen Kartographie und Geologie eng zusammenwirkten. Die Arbeit stärkte die Position, dass großräumige geologische Formen durch langsam wirkende Kräfte entstanden. Damit bot sie nicht nur geologische Präzisierung, sondern lieferte auch methodische Maßstäbe für spätere biologische Argumente: sorgfältige Feldbeobachtung, Vergleich über Räume hinweg und Zurückhaltung in der Deutung.

Ein Leitfaden für Darwins spätere Theorie war Thomas Robert Malthus’ Essay on the Principle of Population, den Darwin 1838 las. In Verbindung mit Zuchtpraktiken der Landwirtschaft und Horticultur gewann er daraus die Einsicht, dass knappe Ressourcen einen andauernden Wettbewerb schaffen. Variationen innerhalb von Populationen und die Selektion durch Umweltbedingungen konnten demnach längerfristige Verschiebungen bewirken. Diese sozialökonomisch und naturkundlich abgestützte Perspektive entstand in einem England, das sich rasant industrialisierte, dessen Städte wuchsen und in dem statistische Sichtweisen an Einfluss gewannen. Sie rahmte die spätere These, dass komplexe Anpassungen nicht planvoll, sondern durch natürliche Auslese entstehen.

1858 führte die unabhängige Skizzierung ähnlicher Ideen durch Alfred Russel Wallace zu einer gemeinsamen Mitteilung bei der Linnean Society in London. 1859 erschien On the Origin of Species bei John Murray und wurde sofort breit diskutiert. Mehrere Auflagen in den 1860er Jahren erlaubten Darwin, Begriffe zu präzisieren; ab der fünften Auflage (1869) übernahm er Herbert Spencers Formel „survival of the fittest“, und in der sechsten (1872) nutzte er häufiger „evolution“. Das Werk verschob den Fokus von fixen Arten zu Abstammung mit Modifikation und bot einen natürlichen Mechanismus. Diese Verschiebung löste wissenschaftliche Auseinandersetzungen und eine anhaltende öffentliche Debatte aus.

Die Reaktionen reichten von scharfer Ablehnung bis zu versöhnenden Deutungen. In der angelsächsischen Theologie traf Darwin auf Traditionen der natürlichen Theologie, die in Anpassungen Hinweise auf Planung sahen. Einige Gelehrte suchten Kompromisse; der amerikanische Botaniker Asa Gray verteidigte Darwins wissenschaftliche Argumente und verband sie mit theistischen Annahmen. Andere kritisierten, die Theorie mindere menschliche Besonderheit. Debatten entzündeten sich auch am historischen Verständnis der Bibel, das sich im 19. Jahrhundert ohnehin wandelte. Der Streit verließ schnell Fachzirkel und erreichte eine interessierte Leserschaft, getragen von Zeitschriften, Vortragsreihen und populären Büchern.

Innerhalb der Fachwelt verstärkte die Kontroverse um Evolution die Professionalisierung der Wissenschaft. In Großbritannien spielten die British Association for the Advancement of Science, etablierte Gesellschaften und neue Netzwerke – etwa der von Thomas H. Huxley mitgeprägte „X Club“ – eine wichtige Rolle. Öffentliche Debatten, darunter die 1860er Diskussionen in Oxford, machten die Auseinandersetzung sichtbar. Unterstützer wie Huxley oder Joseph Dalton Hooker trugen Darwins Argumente in Lehrsäle und Hörsäle. Gleichzeitig wuchsen Sammlungen in Museen und Universitäten, und naturhistorische Disziplinen – Zoologie, Botanik, Geologie – begannen, sich stärker theoretisch zu orientieren.

Das Zeitalter des Empires schuf Infrastruktur und Spannungen, die auch Darwins Arbeit prägten. Koloniale Verwaltungen, Missionsgesellschaften und Handelsnetze beförderten den Austausch von Proben, Briefen und Beobachtungen. Die Galápagos-Inseln wurden zu einem ikonischen Beispiel dafür, wie geographische Isolation Variation strukturieren kann. Korrespondenznetze sorgten dafür, dass Beobachtungen, etwa zu Verbreitungsmustern oder Inselendemi­täten, rasch in London ausgewertet wurden. Zugleich war der Blick auf globale Naturverhältnisse eingebettet in politische Machtverhältnisse, die Forschungsreisen ermöglichten, aber auch die Bedingungen bestimmten, unter denen Wissen gesammelt und klassifiziert wurde.

Im Jahrzehnt nach dem Origin verschob sich das Augenmerk auf den Menschen. Archäologische und paläoanthropologische Funde – etwa der 1856 entdeckte Neandertaler – und Debatten über die „Altertümlichkeit des Menschen“ (Charles Lyell, 1863) öffneten ein Feld, in dem Thomas H. Huxley 1863 die Nähe von Mensch und Tier anatomisch argumentierte. Vor diesem Hintergrund erschien 1871 The Descent of Man and Selection in Relation to Sex. Das Buch platzierte den Menschen innerhalb der Naturgeschichte und verband dies mit der Theorie der sexuellen Selektion. Es griff laufende Diskussionen in Anthropologie, Ethnologie und Medizin auf und stieß breit rezipierte Kontroversen an.

Die Theorie der sexuellen Selektion traf auf eine Gesellschaft, in der Geschlechterrollen und Schönheitsnormen stark normiert waren. Naturforscher, Züchter und Kulturkritiker stritten darüber, welche Merkmale als selektiv relevant gelten könnten und wie Beobachtungen zu Balz, Ornamentik oder Lautäußerungen einzuordnen seien. In viktorianischen Debatten kreuzten sich biologische Erklärungsversuche mit ästhetischen und moralischen Vorstellungen. Die Rezeption verlief international: In Großbritannien, Kontinentaleuropa und Nordamerika prüften Zoologen, Anatominnen und Ethnologen die Plausibilität empirischer Belege und deren Übertragbarkeit zwischen Arten, ohne dass die Streitfragen rasch entschieden gewesen wären.

Mit The Expression of the Emotions in Man and Animals (1872) wandte Darwin sich psychophysiologischen Themen zu, die bereits im 19. Jahrhundert an Bedeutung gewannen. Das Werk verband Beobachtungen von Kindern und Tieren mit internationalen Fragebögen an Korrespondenten in mehreren Kontinenten. Es nutzte neue Bildtechniken: Fotografien – teils nach Vorlagen von Duchenne de Boulogne, teils eigens angefertigt (u. a. von Oscar Rejlander) – wurden als Druckvorlagen eingesetzt. Damit wurde das Buch zu einem frühen Beispiel für den systematischen Einsatz der Fotografie in einer naturwissenschaftlichen Veröffentlichung und verankerte Ausdrucksbeobachtungen in einer komparativen, evolutionsbezogenen Perspektive.

Illustrationen spielten in Darwins Schriften unterschiedliche Rollen. Im Origin erschien ein einziges Diagramm, der verzweigte Stammbaum, der Abstammungsverhältnisse veranschaulichte. Die geologischen Werke nutzten Karten, Profile und Tafeln, welche die räumliche Logik von Schichtungen und Hebungen sichtbar machten. Der Expression-Band setzte auf fotografisch gestützte Bildargumente, die gleichzeitig eine breite Leserschaft ansprachen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erleichterten Holzstich, verbesserte Papierqualität und sinkende Kosten die Verbreitung bebilderter Wissenschaft. Die Illustrationen trugen so zur öffentlichen Sichtbarkeit der Thesen bei und boten Anschauungsmaterial für Diskussionen in Vorträgen und Presse.

Die deutschsprachige Rezeption verlief früh und intensiv. Heinrich Georg Bronn legte 1860 die erste deutsche Übersetzung des Origin vor und kommentierte sie kritisch; Julius Victor Carus verantwortete später maßgebliche Übersetzungen mehrerer Werke, stand in Korrespondenz mit Darwin und hielt Textfassungen aktuell. In Deutschland popularisierte Ernst Haeckel ab den 1860er Jahren darwinistische Ideen und verknüpfte sie mit eigener Morphologie. Universitäten und Vereine wurden Orte lebhafter Debatten über Abstammung, Vererbung und Entwicklungsreihen. Diese Übersetzungs- und Popularisierungsprozesse trugen dazu bei, dass Darwins Konzepte in unterschiedlichen akademischen Kulturen diskutiert und adaptiert wurden.

Die Diskussionen nach 1870 machten methodische Lücken deutlich, insbesondere die Frage nach dem Erbmechanismus. Um 1900 wurde Mendels Arbeit zur Vererbung wiederentdeckt und in den 1910er bis 1940er Jahren mit Darwins Selektionstheorie zur „Synthetischen Evolutionstheorie“ verbunden. Populationgenetik und Feldstudien – mit Beiträgen von Forschenden wie Ronald A. Fisher, J. B. S. Haldane oder Sewall Wright – zeigten, wie Variation, Mutation, Drift und Selektion zusammenwirken. Spätere Biologen integrierten sexuelle Selektion in verhaltensökologische Modelle. Diese Entwicklungen bestätigten zentrale Einsichten der Werke und lieferten zugleich präzisere mathematische und genetische Grundlagen.

Die geologischen Anteile der Sammlung gewannen ebenfalls neue Lesarten. Mit der Plattentektonik seit der Mitte des 20. Jahrhunderts erhielten vulkanische Inselbögen und Hotspot-Ketten ein umfassendes Rahmenmodell. Darwins sorgfältige Beobachtungen zu Schichtfolgen, Korallenriffen und Hebungsverläufen blieben als empirische Zeugnisse wertvoll, auch wenn die theoretische Einordnung erweitert wurde. Historisch betrachtet zeigt sich, wie eng Feldbeobachtung, Kartenarbeit und theoretische Zurückhaltung – Leitprinzipien in Darwins geologischen Publikationen – ein epistemisches Ideal bildeten, das spätere Geowissenschaften weiter professionalisierten und quantifizierten.

Die breite gesellschaftliche Wirkung brachte auch problematische Aneignungen hervor. Der Ausdruck „favoured races“ im Origin bezog sich im 19. Jahrhundert auf Varietäten und Arten, wurde später jedoch in rassistischen Ideologien missdeutet. Strömungen des Sozialdarwinismus, die nicht von Darwin begründet wurden, übertrugen biologische Metaphern auf Politik und Ökonomie. Eugenische Programme, die sich auf vermeintlich wissenschaftliche Autorität stützten, gewannen in einigen Ländern Einfluss. Wissenschaftshistorisch ist dokumentiert, dass diese Anwendungen selektiv waren und häufig gegen Darwins vorsichtige Argumentationsweise standen; dennoch prägten sie die öffentliche Wahrnehmung der Evolutionstheorie nachhaltig mit, besonders im 20. Jahrhundert.|Die Sammlung kommentiert ihre Entstehungszeit, indem sie wissenschaftliche Methode, globale Beobachtung und vorsichtige Theorieentwicklung verbindet. Sie zeigt, wie viktorianische Netzwerke – Verlage, Gesellschaften, Museen – neue Wissenszirkulationen ermöglichten und wie Kontroversen Forschung befeuerten. Spätere Interpretationen, von der Synthetischen Evolutionstheorie bis zur verhaltensbiologischen und psychologischen Forschung, gaben den Werken neue Lesarten, ohne ihren historischen Charakter zu verwischen. In diesem Sinne lassen sich die in der Sammlung vereinten Texte als Knotenpunkte eines andauernden Gesprächs lesen, das die Natur- und Geisteswissenschaften bis in die Gegenwart hinein beeinflusst.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Selektion: Die Entstehung der Arten; Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl

Darwin entwickelt die Theorie der gemeinsamen Abstammung durch natürliche Selektion, gestützt auf Variation, Überproduktion und Konkurrenz sowie Belege aus Zuchtpraxis, Anatomie, Geographie und Fossilien. Er überträgt diese Mechanismen auf den Menschen und profiliert die geschlechtliche Zuchtwahl als eigenständigen Selektionsfaktor, der Signalmerkmale und Verhaltensstrategien formt. Der Ton ist sachlich-argumentativ und reich an Beispielen, mit sorgfältiger Abwägung von Einwänden.

Emotionen und Ausdruck: Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren

Ausgehend von Beobachtungen an Menschen und zahlreichen Tierarten untersucht Darwin, wie mimische und körperliche Reaktionen Gefühle anzeigen und welche funktionalen Wurzeln sie haben. Er argumentiert für eine evolutionäre Kontinuität des Ausdrucks, gestützt auf vergleichende Beobachtungen und Berichte, und diskutiert Nutzen wie auch kulturelle Modulation solcher Zeichen. Der Stil ist empirisch und interdisziplinär, an der Schnittstelle von Biologie, Psychologie und Anthropologie.

Geologie und Inseln: Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln

Darwin dokumentiert die Struktur und Entstehung vulkanischer Inseln anhand detaillierter Feldbeobachtungen, stratigraphischer Beschreibungen und Vergleiche zwischen Inselgruppen. Im Fokus stehen langsame, kumulative Prozesse wie Hebung, Erosion und magmatische Aktivität, aus denen er großräumige geologische Entwicklungen erschließt. Der Ton ist präzise und nüchtern, mit klarer Trennung von Beobachtung und Schlussfolgerung.

Übergreifende Schwerpunkte und Stil

Die Werke verbindet die Suche nach einheitlichen Prinzipien, die aus vielen Einzelbeobachtungen große Muster in Natur und Mensch ableiten. Wiederkehrende Motive sind Variation, Selektion, Gradualismus, geographische und historische Kontextualisierung sowie die Kontinuität zwischen Menschen und anderen Tieren. Stilistisch dominieren sachliche Argumentation, umfangreiche Evidenzsammlung und das wiederholte Prüfen eigener Hypothesen an abweichenden Fällen.

Gesammelte Werke von Charles Darwin (Mit Illustrationen)

Hauptinhaltsverzeichnis
Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl
Die Entstehung der Arten durch Naturauslese oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein
Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren
Geologische Beobachtungen über die Vulkanischen Inseln

Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl

Inhaltsverzeichnis

Vorrede des Verfassers zur neuen Ausgabe.
Einleitung.
Erster Theil. Die Abstammung oder der Ursprung des Menschen.
Erstes Capitel.
Zweites Capitel.
Drittes Capitel.
Viertes Capitel.
Fünftes Capitel.
Sechstes Capitel.
Siebentes Capitel.
Zweiter Theil. Geschlechtliche Zuchtwahl.
Achtes Capitel.
Gesetze der Vererbung.
Vererbung zu entsprechenden Jahreszeiten.
Anhang.
Vögel.
Das relative Verhältnis der Geschlechter in Beziehung zur natürlichen Zuchtwahl.
Neuntes Capitel.
Zehntes Capitel.
Elftes Capitel.
Zwölftes Capitel.
Dreizehntes Capitel.
Vierzehntes Capitel.
Fünfzehntes Capitel.
Sechszehntes Capitel.
Siebenzehntes Capitel.
Achtzehntes Capitel.
Dritter Theil. Geschlechtliche Zuchtwahl in Beziehung auf den Menschen und Schluß.
Neunzehntes Capitel.
Zwanzigstes Capitel.
Einundzwanzigstes Capitel.
Zusatz-Bemerkung über geschlechtliche Zuchtwahl in Bezug auf Affen.

Vorrede des Verfassers zur neuen Ausgabe.

Inhaltsverzeichnis

In die aufeinander folgenden neuen Abdrücke der ersten Ausgabe dieses 1871 zuerst erschienenen Werkes war ich im Stande, mehrere wichtige Verbesserungen einzufügen. Da seit dem letzten längere Zeit verflossen ist, habe ich mich bemüht, von dem hochpeinlichen Gerichte, vor dem das Buch gestanden hat, Vortheil zu ziehen, und habe alle Kritiken, die gesund zu sein schienen, gewissenhaft berücksichtigt. Sehr verbunden bin ich auch einer großen Anzahl von Correspondenten, die mir eine überraschend große Menge neuer Thatsachen und Bemerkungen mitgetheilt haben. Diese letzten sind so zahlreich gewesen, daß ich nur die wichtigeren habe benützen können. Einige neue Abbildungen habe ich zugefügt, und vier von den alten sind durch bessere, von Mr. T. W. Wood nach dem Leben gezeichnete ersetzt worden. Außerdem muß ich die Aufmerksamkeit auf einige Bemerkungen richten, die ich der Güte des Prof. Huxley verdanke und die als Anhang zum I. Theil gegeben sind, über die Natur der Verschiedenheiten zwischen dem Gehirne des Menschen und der höheren Affen. Ich freue mich besonders, diese Beobachtungen geben zu können, weil während der letzten wenigen Jahre mehrere Abhandlungen über diesen Gegenstand auf dem Continent erschienen sind; auch ist ihre Bedeutung in mehreren Fällen von populären Schriftstellern höchlich überschätzt worden.

Noch möchte ich diese Gelegenheit zu der Bemerkung benützen, daß meine Kritiker häufig von der Annahme ausgehen, ich schriebe alle Abänderungen des körperlichen Baues und der geistigen Kräfte der natürlichen Zuchtwahl häufig spontan genannter Abänderungen zu, während ich doch, selbst schon in der ersten Ausgabe der »Entstehung der Arten« ausdrücklich gesagt habe, daß viel Gewicht auf die vererbten Wirkungen des Gebrauchs und Nichtgebrauchs, sowohl in Bezug auf den Körper als auf den Geist, gelegt werden müsse. Ein gewisses Maß der Modifikation habe ich auch der directen und fortgesetzten Wirkung veränderter Lebensbedingungen zugeschrieben. In etwas muß auch den gelegentlichen Rückschlägen des Baues Rechnung getragen werden; ebenso dürfen wir das nicht vergessen, was ich »correlatives« Wachsthum genannt habe, worunter ich die Erscheinung verstehe, daß verschiedene Theile des Organismus in irgend einer unbekannten Weise so mit einander verbunden sind, daß, wenn der eine Theil abändert, es auch andere thun, und wenn Abänderungen in einem Theile durch Zuchtwahl gehäuft werden, andere Theile modificiert werden. Mehrere Kritiker haben ferner gesagt, daß ich, nachdem ich gefunden hätte, daß viele Einzelnheiten des Baues beim Menschen nicht durch natürliche Zuchtwahl erklärt werden könnten, die geschlechtliche Zuchtwahl erfunden hätte. Ich habe indessen eine ziemlich klare Skizze dieses Princips in der ersten Auflage der »Entstehung der Arten« gegeben und dort schon gesagt, daß es auf den Menschen anwendbar sei. Dieser Gegenstand, die geschlechtliche Zuchtwahl, ist ausführlich im vorliegenden Werke behandelt worden, einfach deshalb, weil sich mir hier zuerst eine Gelegenheit dazu darbot. Mir ist aufgefallen, wie ähnlich viele der halbgünstigen Kritiken über die geschlechtliche Zuchtwahl denen waren, welche zuerst über die natürliche Zuchtwahl erschienen, z. B. daß sie einige wenige Details erklären könne, aber sicherlich nicht in dem Umfange anwendbar sei, in dem ich sie benützt habe. Meine Überzeugung von der Wirksamkeit der geschlechtlichen Zuchtwahl bleibt unerschüttert; doch ist es wahrscheinlich, oder beinahe sicher, daß mehrere meiner Überzeugungen sich später als irrthümlich herausstellen werden; dies kann bei der ersten Behandlung eines Gegenstandes kaum anders sein. Wenn die Naturforscher mit der Idee der geschlechtlichen Zuchtwahl vertrauter geworden sein werden, wird sie, wie ich glaube, in viel ausgedehnterem Maße angenommen werden; und bereits ist sie von mehreren competenten Richtern vollständig und günstig aufgenommen worden.

Down, Beckenham, Kent. September 1874.

Einleitung.

Inhaltsverzeichnis

Das Wesen des vorliegenden Buches wird man am besten beurtheilen können, wenn ich kurz angebe, wie ich dazu kam, es zu schreiben. Viele Jahre hindurch habe ich Notizen über den Ursprung oder die Abstammung des Menschen gesammelt, ohne daß mir etwa der Plan vorgeschwebt hätte, über den Gegenstand einmal zu schreiben, vielmehr mit dem Entschlusse, dies nicht zu thun, da ich fürchtete, daß ich dadurch nur die Vorurtheile gegen meine Ansichten verstärken würde. Es schien mir hinreichend, in der ersten Ausgabe meiner »Entstehung der Arten« darauf hingewiesen zu haben, daß durch dieses Buch auch Licht auf den Ursprung des Menschen und seine Geschichte geworfen werden würde; diese Andeutung schloß ja doch den Gedanken ein, daß der Mensch bei jedem allgemeinen Schluß in Bezug auf die Art seiner Erscheinung auf der Erde mit anderen organischen Wesen zusammengefaßt werden müsse. Gegenwärtig trägt die Sache ein vollständig verschiedenes Ansehen. Wenn ein Naturforscher wie Carl Vogt in seiner Eröffnungsrede als Präsident des Nationalinstituts von Genf (1869) sagen darf: »personne, en Europe au moins, n'ose plus soutenir la création indépendante et de toutes pièces, des espèces«, so muß doch offenbar wenigstens eine große Zahl Naturforscher der Annahme zugethan sein, daß Arten die modificierten Nachkommen anderer Arten sind; und vorzüglich gilt dies für die jüngeren und aufstrebenden Naturforscher. Die größere Zahl derselben nimmt die Thätigkeit der natürlichen Zuchtwahl an, obschon Einige, ob mit Recht, muß die Zukunft entscheiden, hervorheben, daß ich deren Wirksamkeit bedeutend überschätzt habe. Von den älteren und angeseheneren Häuptern der Naturwissenschaft sind leider noch viele gegen eine Entwicklung in jeglicher Form.

In Folge der von den meisten Naturforschern, denen schließlich, wie in jedem anderen Falle, noch andere nicht wissenschaftlich Gebildete folgen werden, jetzt angenommenen Ansichten bin ich darauf geführt worden, meine Notizen zusammenzustellen, um zu sehen, wie weit sich die allgemeinen Schlußfolgerungen, zu denen ich in meinen früheren Schriften gekommen war, auf den Menschen anwenden lassen. Dies schien um so wünschenswerther, als ich diese Betrachtungsweise noch niemals ausdrücklich auf eine Art einzeln genommen angewendet hatte. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf irgend eine Form beschränken, so entbehren wir die gewichtigen Beweismittel, die aus der Natur der Verwandtschaft, welche große Gruppen von Organismen unter einander verbindet, aus ihrer geographischen Verbreitung in der Gegenwart und in vergangenen Zeiten und aus ihrer geologischen Aufeinanderfolge fließen. Es bleiben dann die homologen Bildungen, die embryonale Entwicklung und die rudimentären Organe einer Art, mag dies nun der Mensch oder irgend ein anderes Thier sein, auf welches sich unsere Aufmerksamkeit richtet, zu betrachten übrig; und diese großen Classen von Thatsachen bieten gerade, wie es mir scheint, umfassende und endgültige Zeugnisse zu Gunsten des Princips einer stufenweisen Entwicklung dar. Indessen sollte man die kräftige Unterstützung durch die andern Argumente sich deshalb doch immer vor Augen halten.

Die einzige Aufgabe dieses Werkes ist, zu untersuchen, erstens ob der Mensch, wie jede andere Species, von irgend einer früher existierenden Form abstammt, zweitens, welches die Art seiner Entwicklung war, und drittens, welchen Werth die Verschiedenheiten zwischen den sogenannten Menschenrassen haben. Da ich mich auf diese Punkte beschränken werde, so wird es nicht nothwendig sein, im Einzelnen die Verschiedenheiten zwischen den verschiedenen Rassen zu beschreiben; es ist dies ein äußerst umfangreicher Gegenstand, welcher in vielen werthvollen Werken ausführlich erörtert worden ist. Das hohe Alter des Menschen ist in der neueren Zeit durch die Bemühungen einer Menge ausgezeichneter Männer nachgewiesen worden, zuerst von Boucher de Perthes; und dies ist die unentbehrliche Grundlage zum Verständnis seines Ursprungs. Ich werde daher diesen Beweis für erbracht annehmen und darf wohl meine Leser auf die vorzüglichen Schriften von Sir Charles Lyell, Sir John Lubbock und Anderen verweisen. Auch werde ich kaum Veranlassung haben, mehr zu thun, als auf den Betrag der Verschiedenheit zwischen dem Menschen und den anthropomorphen Affen hinzuweisen; denn nach der Ansicht der competentesten Beurtheiler hat Professor Huxley überzeugend nachgewiesen, daß der Mensch in jedem einzelnen sichtbaren Merkmale weniger von den höheren Affen abweicht, als diese von den niederen Gliedern derselben Ordnung, der Primaten, abweichen.

Das vorliegende Werk enthält kaum irgend welche originelle Thatsachen in Bezug auf den Menschen; da aber die Folgerungen, zu welchen ich nach Vollendung einer flüchtigen Skizze gelangte, mir interessant zu sein schienen, so glaubte ich, daß sie auch Andere interessieren dürften. Es ist oft und mit Nachdruck behauptet worden, daß der Ursprung des Menschen nie zu enträthseln sei. Aber Unwissenheit erzeugt viel häufiger Sicherheit, als es das Wissen thut. Es sind immer Diejenigen, welche wenig wissen, und nicht Die, welche viel wissen, welche positiv behaupten, daß dieses oder jenes Problem nie von der Wissenschaft werde gelöst werden. Die Schlußfolgerung, daß der Mensch, in gleicher Weise wie andere Arten, ein Nachkomme von irgend welchen anderen niedrigeren und ausgestorbenen Formen sei, ist durchaus nicht neu. Lamarck kam schon vor langer Zeit zu dieser Folgerung, welche neuerdings von mehreren ausgezeichneten Naturforschern und Philosophen zu der ihrigen gemacht worden ist, z. B. von Wallace, Huxley, Lyell, Vogt, Lubbock, Büchner, Rolle etc.

1 und besonders von Haeckel. Der letztgenannte Naturforscher hat außer seinem großen Werke: Generelle Morphologie (1866) noch neuerdings (1868 und in achter Auflage 1889) seine »Natürliche Schöpfungsgeschichte« herausgegeben, in welcher er die Genealogie des Menschen eingehend erörtert. Wäre dieses Buch erschienen, ehe meine Arbeit niedergeschrieben war, würde ich sie wahrscheinlich nie zu Ende geführt haben; fast alle die Folgerungen, zu denen ich gekommen bin, finde ich durch diesen Forscher bestätigt, dessen Kenntnisse in vielen Punkten viel reicher sind als meine. Wo ich irgend eine Thatsache oder Ansicht aus Professor Haeckel's Schriften hinzugefügt habe, gebe ich seine Gewähr im Text, andere Angaben lasse ich so, wie sie ursprünglich in meinem Manuscript standen, und füge dann nur gelegentlich in den Anmerkungen Hinweise auf seine Schriften hinzu, als eine Bestätigung der zweifelhafteren oder interessanteren Punkte.

Schon seit vielen Jahren ist es mir äußerst wahrscheinlich erschienen, daß geschlechtliche Zuchtwahl eine bedeutende Rolle bei der Differenzierung der Menschenrassen gespielt habe; in meiner »Entstehung der Arten« (Erste Ausgabe, p. 209) begnügte ich mich aber damit, nur auf diese Ansicht hinzuweisen. Als ich nun dazu kam, diese Gesichtspunkte auf den Menschen anzuwenden, fand ich, daß es unumgänglich nothwendig sei, den ganzen Gegenstand in ausführlichem Detail zu behandeln. In Folge dessen ist der zweite Theil des vorliegenden Werks, welcher von der geschlechtlichen Zuchtwahl handelt, zu einer unverhältnismäßigen Länge, wenn mit dem ersten Theile verglichen, angewachsen; dies ließ sich indessen nicht vermeiden.

Ich hatte beabsichtigt, den vorliegenden Bogen einen Versuch über den Ausdruck der verschiedenen Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den niederen Thieren hinzuzufügen. Sir Charles Bell's wundervolles Buch hatte meine Aufmerksamkeit vor vielen Jahren schon auf diesen Gegenstand gelenkt. Dieser berühmte Anatom behauptet, daß der Mensch mit gewissen Muskeln ausgerüstet sei, ausschließlich zu dem Zwecke, seine Gemüthsbewegungen auszudrücken. Da diese Ansicht offenbar mit dem Glauben in Widerspruch steht, daß der Mensch von irgend einer anderen und niederen Form abstammt, so wurde es für mich nothwendig, dieselbe eingehender zu betrachten. Ich wünschte gleichermaßen festzustellen, in wie weit die Gemüthsbewegungen von den verschiedenen Menschenrassen in derselben Weise ausgedrückt werden; aber wegen des Umfangs des vorliegenden Werks hielt ich es für besser, diese Abhandlung selbständig zu veröffentlichen.2

Fußnote

1 Da die Werke der erstgenannten Schriftsteller in England allgemein bekannt sind, so hat der Verfasser deshalb ihre Titel nicht speciell anzuführen für nöthig gehalten; doch glaubt der Übersetzer auch diese hier mit aufnehmen zu sollen: A. R. Wallace, Contributions to the Theory of Natural Selection. London, 1870 (Cap. IX u. X); Huxley, Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur. Übers. Braunschweig, 1863. Sir Ch. Lyell, Das Alter des Menschengeschlechts auf der Erde. Übers. Leipzig, 1864. L. Büchner. Sechs Vorlesungen über die Darwinsche Theorie. 2. Aufl. 1868. Rolle, Der Mensch im Lichte der Darwinschen Theorie. Frankfurt 1865. Verf. fährt fort: Ich will hier nicht den Versuch machen, alle Schriftsteller zu citieren, welche dieselbe Ansicht vertreten. So hat G. Canestrini eine interessante Abhandlung über rudimentäre Charaktere und deren Beziehung zu der Frage nach dem Ursprung des Menschen veröffentlicht (Annuario della Soc. d. Nat. Modena, 1867, p. 81). Ein anderes Werk hat Dr. Francesco Barrago herausgegeben unter dem Titel (italienisch 1869): »Der Mensch geschaffen zum Ebenbilde Gottes, auch geschaffen als Ebenbild des Affen.«

2 Prof. Haeckel war der einzige Schriftsteller, welcher zur Zeit des Erscheinens des vorliegenden Werkes den Gegenstand der geschlechtlichen Zuchtwahl seit der Veröffentlichung der »Entstehung der Arten« besprochen und die volle Bedeutung desselben erkannt und erörtert hatte; er hat dies in seinen verschiedenen Arbeiten in sehr umsichtiger Weise gethan.

Erster Theil. Die Abstammung oder der Ursprung des Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Erstes Capitel.

Inhaltsverzeichnis

Thatsachen, welche für die Abstammung des Menschen von einer niederen Form zeugen

Natur der Beweise für den Ursprung des Menschen. – Homologe Bildungen beim Menschen und den niederen Thieren. – Verschiedene Punkte der Übereinstimmung. – Entwicklung. – Rudimentäre Bildungen; Muskeln, Sinnesorgane, Haare. Knochen, Reproductionsorgane u. s. w. – Die Tragweite dieser drei großen Classen von Thatsachen in Bezug auf den Ursprung des Menschen.

Ein Jeder, welcher zu entscheiden wünscht, ob der Mensch der modificierte Nachkomme irgend einer früher existierenden Form sei, würde wahrscheinlich zuerst untersuchen, ob der Mensch, in einem wie geringen Grade auch immer, seiner körperlichen Structur nach und in seinen geistigen Fähigkeiten variiert, und wenn dies der Fall ist, ob diese Abänderungen seinen Nachkommen in Übereinstimmung mit den bei niederen Thieren geltenden Gesetzen überliefert werden; ferner, ob die Abänderungen, soweit es unsere Unwissenheit zu beurtheilen gestattet, die Wirkungen derselben allgemeinen Ursachen sind und ob sie von denselben allgemeinen Gesetzen beherrscht werden wie bei anderen Organismen, z. B. von der Correlation, den vererbten Wirkungen des Gebrauchs und Nichtgebrauchs u. s. w. Ist ferner der Mensch ähnlichen Mißbildungen unterworfen, in Folge von Bildungshemmungen, von Verdoppelung von Theilen u. s. w., und bietet er in irgendwelchen seiner Mißbildungen einen Rückschlag auf einen früheren und älteren Bildungstypus dar? Natürlich ließe sich auch untersuchen, ob der Mensch, wie so viele anderen Thiere, Varietäten und Unterrassen habe entstehen lassen, die nur unbedeutend von einander abweichen, oder Rassen, welche so verschieden von einander sind, daß sie als zweifelhafte Species zu classificieren sind. Wie sind derartige Rassen über die Erde verbreitet und wie wirken sie bei einer Kreuzung auf einander, sowohl in der ersten Generation, als in den folgenden? Und so ließen sich noch über viele andere Punkte Fragen aufstellen.

Bei dieser Untersuchung würde man dann zunächst zu der wichtigen Frage kommen, ob der Mensch zu einer im Verhältnis so rapiden Zunahme neigt, daß hierdurch gelegentlich heftige Kämpfe um das Dasein und in Folge dessen wohlthätige Abänderungen veranlaßt werden, gleichviel ob am Körper oder am Geiste, welche dann bewahrt bleiben, während die nachtheiligen beseitigt werden. Greifen die Rassen oder Arten, gleichviel welcher Ausdruck hier angewandt wird, über einander über und ersetzen einander, so daß einige schließlich unterdrückt werden? Wir werden sehen, daß alle diese Fragen, wie es in der That in Bezug auf die meisten derselben auf der Hand liegt, bejahend beantwortet werden müssen, in derselben Weise wie bei den niederen Thieren. Die verschiedenartigen, hier angedeuteten Betrachtungen können aber füglich eine Zeit lang noch zurückgestellt werden, und wir wollen zuerst nachsehen, in wie weit die körperliche Bildung des Menschen mehr oder weniger deutliche Spuren seiner Abstammung von irgend einer niederen Form zeigt. In späteren Capiteln werden dann die geistigen Fähigkeiten des Menschen im Vergleich mit denen der niederen Thiere betrachtet werden.

Die körperliche Bildung des Menschen. – Es ist notorisch, daß der Mensch nach demselben allgemeinen Typus oder Modell wie die anderen Säugethiere gebildet ist. Alle Knochen seines Skelets können mit entsprechenden Knochen eines Affen oder einer Fledermaus oder Robbe verglichen werden; dasselbe gilt für seine Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Eingeweide. Das Gehirn, dieses bedeutungsvollste aller Organe, folgt denselben Bildungsgesetzen, wie Huxley und andere Anatomen gezeigt haben. Bischoff3 welcher zu den Reihen der Gegner gehört, giebt zu, daß jede wesentliche Spalte und Falte in dem Gehirn des Menschen ihr Analogon in dem Gehirn des Orang findet; er fügt aber hinzu, daß auf keiner Entwicklungsperiode die Gehirne beider vollständig unter einander übereinstimmen. Eine völlige Übereinstimmung konnte man auch nicht erwarten, denn sonst würden ihre geistigen Fähigkeiten dieselben gewesen sein; Vulpian4 bemerkt: »Les différences réelles, qui existent entre l'encéphale de l'homme et celui des singes supérieurs, sont bien minimes. II ne faut pas se faire d'illusions à cet égard. L'homme est bien plus près des singes anthropomorphes par les caractères anatomiques de son cerveau, que ceux-ci ne le sont non seulement des autres mammifères, mais même de certains quadrumanes, des guenons et des macaques.« Es wäre aber überflüssig, hier noch weitere Einzelnheiten in Betreff der Übereinstimmung zwischen dem Menschen und den höheren Säugethieren in der Bildung des Gehirns und aller anderen Theile des Körpers anzuführen. Es dürfte indessen der Mühe werth sein, einige wenige Punkte, welche nicht direct oder augenfällig in Verbindung mit dem Körperbau stehen, speciell anzuführen, aus denen diese Übereinstimmung oder Verwandtschaft deutlich hervorgeht.

Der Mensch ist fähig, von den anderen Thieren gewisse Krankheiten aufzunehmen oder sie ihnen mitzutheilen, wie Wasserscheu, Pocken, Rotz, Syphilis, Cholera, Flechten u. s. w.,5 und diese Thatsache beweist die große Ähnlichkeit6 ihrer Gewebe und ihres Blutes, sowohl in ihrem feineren Bau, als in ihrer Zusammensetzung, und zwar viel deutlicher, als es durch deren Vergleichung unter dem besten Mikroskop oder mit Hülfe der sorgfältigsten chemischen Analyse nachgewiesen werden kann. Die Affen sind vielen von denselben nicht contagiösen Krankheiten ausgesetzt, wie wir. So fand Rengger,7 welcher eine Zeit lang den Cebus Azarae in seinem Vaterlande sorgfältig beobachtete, daß er Katarrh bekam, mit den gewöhnlichen Symptomen, welcher auch bei häufigen Rückfällen zu Schwindsucht führte. Diese Affen litten an Schlagfluß, Entzündung der Eingeweide und grauem Staar am Auge. Die jüngeren starben oft am Fieber während der Periode, in der sie ihre Milchzähne verloren; Arzneien haben dieselbe Wirkung auf sie, wie auf uns. Viele Arten von Affen haben eine starke Vorliebe für Thee, Kaffee und spirituose Getränke; sie können auch, wie ich selbst gesehen habe, mit Vergnügen Tabak rauchen.8Brehm behauptet, daß die Eingeborenen von Nord-Afrika die wilden Paviane dadurch fangen, daß sie Gefäße mit einem starken geistigen Getränke hinstellen, in welchem sich die Affen betrinken. Er hat mehrere dieser Thiere, die er in Gefangenschaft hielt, in diesem Zustande gesehen und giebt einen höchst komischen Bericht ihres Benehmens und ihrer wunderbaren Grimassen. Am folgenden Morgen waren sie sehr verstimmt und übel aufgelegt; sie hielten ihren schmerzenden Kopf mit beiden Händen und boten einen äußerst erbarmungswürdigen Anblick dar. Wurde ihnen Bier oder Wein angeboten, so wandten sie sich mit Widerwillen ab, labten sich dagegen an Citronensaft.9 Ein amerikanischer Affe, ein Ateles, wollte, nachdem er einmal von Branntwein trunken geworden war, nie mehr solchen anrühren; er war daher weiser als viele Menschen. Diese unbedeutenden Thatsachen beweisen, wie ähnlich die Geschmacksnerven bei den Affen und den Menschen sein müssen und in wie ähnlicher Weise ihr ganzes Nervensystem afficiert wird.

Der Mensch wird von inneren Parasiten geplagt, welche zuweilen tödtliche Wirkungen hervorbringen, in gleicher Weise auch von äußeren; alle diese Schmarotzer gehören zu denselben Gattungen oder Familien wie die, welche andere Säugethiere bewohnen, und, was die Krätzmilbe betrifft, zu derselben Species.10 Der Mensch ist in gleicher Weise wie andere Säugethiere, Vögel und selbst Insekten,11 jenem geheimnisvollen Gesetz unterworfen, welches gewisse normale Vorgänge, wie die Trächtigkeit, ebenso wie die Reife und die Dauer gewisser Krankheiten den Mondperioden zu folgen veranlaßt. Seine Wunden werden durch denselben Heilungsproceß wieder hergestellt, und die nach der Amputation seiner Gliedmaßen gelassenen Stümpfe besitzen gelegentlich, besonders während der früheren embryonalen Periode, eine gewisse Fähigkeit der Regeneration wie bei den niedersten Thieren.12

Der ganze Hergang jener bedeutungsvollsten Verrichtung, der Fortpflanzung der Art, ist bei den Säugethieren in auffallender Weise derselbe, von dem ersten Acte der Werbung des Männchens an13 bis zu der Geburt und der Ernährung der Jungen. Die Affen werden in einem fast genau so hülflosen Zustande geboren wie unsere eigenen Kinder; und in gewissen Gattungen weichen die Jungen in ihrem Aussehen von den Erwachsenen genau so viel ab, wie menschliche Kinder von ihren erwachsenen Eltern.14 Einige Schriftsteller haben als einen wichtigen Unterschied hervorgehoben, daß beim Menschen die Jungen in einem viel späteren Alter zur Reife gelangen, als bei irgend einem anderen Thiere. Wenn wir aber einen Blick auf die Menschenrassen werfen, welche tropische Länder bewohnen, so ist der Unterschied nicht groß. Denn der Orang wird, wie man annimmt, nicht vor einem Alter von 10 bis 15 Jahren reif.15 Der Mann weicht von der Frau in der großen Körperkraft, in dem Behaartsein u. s. w., ebenso wie in Bezug auf den Geist, in derselben Weise ab, wie die beiden Geschlechter vieler Säugethiere von einander abweichen. Es ist überhaupt die Übereinstimmung im allgemeinen Bau, in der feinen Structur der Gewebe, in der chemischen Zusammensetzung und in der Constitution zwischen dem Menschen und den höheren Thieren. besonders den anthropomorphen Affen eine äußerst enge.

Embryonale Entwicklung. – Der Mensch entwickelt sich aus einem Eichen von ungefähr 1/125 Zoll (0,2 mm) im Durchmesser, welches in keiner Hinsicht von den Eichen anderer Thiere abweicht. Der Embryo selbst kann auf einer frühen Stufe kaum von dem anderer Glieder des Wirbelthierreichs unterschieden werden. Auf dieser Periode verlaufen die Halsarterien in bogenförmigen Ästen, als wenn sie das Blut zu Kiemen brächten, welche bei den höheren Wirbelthieren nicht vorhanden sind; doch sind die Spalten an den Seiten des Halses noch vorhanden (Fig. I, f. g.) und geben die frühere Stellung jener an. Auf einer etwas späteren Periode, wenn sich die Gliedmaßen entwickeln, entstehen, wie der berühmte v. Baer bemerkt, die Füße von Eidechsen und Säugethieren, die Flügel und Füße der Vögel und ebenso die Hände und Füße des Menschen sämmtlich aus derselben Grundform. »Erst auf späteren Entwicklungsstufen«, sagt Professor Huxley,16 »bietet das junge menschliche Wesen deutliche Verschiedenheiten von dem jungen Affen dar, welcher letztere ebenso weit vom Hunde in seiner Entwicklung abweicht, wie es der Mensch thut. So auffallend diese letztere Behauptung zu sein scheint, so ist sie doch nachweisbar richtig.«

Da manche meiner Leser vielleicht noch niemals die Abbildung eines Embryo gesehen haben, habe ich umstehend eine solche von einem Menschen und eine andere vom Hunde von ungefähr derselben Entwicklungsstufe gegeben, beide Copien nach zwei Werken von zweifelloser Genauigkeit.

Fig. 1. Die obere Figur ist ein menschlicher Embryo nach Ecker, die untere der eines Hundes nach Bischoff. a) Vorderhirn, Großhirnhemisphaeren etc. b) Mittelhirn, Vierhügel. c) Hinterhirn, Kleinhirn, verlängertes Mark. d) Auge. e) Ohr. f) Erster Visceralbogen. g) Zweiter Visceralbogen. H) Wirbelsäule und Muskelmasse. i) Vordere Gliedmaßen. K) Hintere Gliedmaßen. L) Schwanz oder Coccyx.17

Nach den vorstehenden, auf Grund so bedeutender Autoritäten mitgetheilten Angaben würde es meinerseits überflüssig sein, noch eine Anzahl weiterer entlehnter Einzelnheiten zu geben, um zu zeigen, daß der Embryo des Menschen streng dem anderer Säugethiere gleicht. Es mag indeß noch hinzugefügt werden, daß der menschliche Embryo in verschiedenen Punkten seiner Bildung gleichfalls gewissen niederen Formen in deren erwachsenem Zustande ähnlich ist. So ist z. B. das Herz zuerst einfach ein pulsierendes Gefäß, die Excremente werden durch eine Kloake entleert, und das Schwanzbein springt wie ein wahrer Schwanz vor, indem es sich beträchtlich »jenseits der rudimentären Beine« verlängert.18 Bei den Embryonen aller luftathmenden Wirbelthiere entsprechen gewisse Drüsen, die sogenannten Wolffschen Körper, den Nieren erwachsener Fische und fungieren auch wie diese.19 Selbst in einer späteren embryonalen Periode lassen sich einige auffallende Übereinstimmungen zwischen dem Menschen und den niederen Thieren beobachten. Bischoff sagt, daß die Gehirnwindungen eines menschlichen Foetus vom Ende des siebenten Monats ungefähr die Entwicklungsstufe erreichen, welche ein erwachsener Pavian zeigt.20 Wie Professor Owen bemerkt,21 »ist die große Zehe, welche beim Stehen oder Gehen den Stützpunkt bildet, vielleicht die charakteristischste Eigenthümlichkeit des menschlichen Bau's«. Aber bei einem Embryo von ungefähr einem Zoll Länge fand Professor Wymanen,22 »daß die große Zehe kürzer als die anderen und, statt dies parallel zu sein, unter einem Winkel von dem Fußrande vorsprang und daher mit dem bleibenden Zustande dieses Theils bei den Affen übereinstimmte.« Ich will mit der Anführung einer Stelle von Huxley schließen,23 welcher fragt, ob der Mensch in einer vom Hund, Vogel, Frosch oder Fisch verschiedenen Weise entstehe, und dann sagt: »die Antwort kann nicht einen Augenblick zweifelhaft sein, die Ursprungsweise und die frühen Entwicklungsstufen des Menschen sind mit denen der in dem Thierreiche unmittelbar unter ihm stehenden Formen identisch. Ohne allen Zweifel steht er in diesen Beziehungen den Affen viel näher, als die Affen dem Hunde stehen.«

Rudimente. – Obgleich dieser Gegenstand nicht von wesentlich größerer Bedeutung ist als die beiden letzterwähnten, so soll er doch aus mehreren Gründen hier mit größerer Ausführlichkeit behandelt werden.24 Es läßt sich nicht eines der höheren Thiere anführen, welches nicht irgend einen Theil in einem rudimentären Zustande besäße, und der Mensch bietet keine Ausnahme von dieser Regel dar. Rudimentäre Organe müssen von solchen unterschieden werden, welche auf dem Wege der Bildung sind, obschon in manchen Fällen die Unterscheidung nicht leicht ist. Die ersteren sind entweder absolut nutzlos, wie die Zitzen der männlichen Säugethiere oder die oberen Schneidezähne von Wiederkäuern, welche niemals das Zahnfleisch durchschneiden, oder sie sind von so untergeordnetem Nutzen für ihren jetzigen Besitzer, daß wir nicht annehmen können, sie hätten sich unter den jetzt existierenden Bedingungen entwickelt. Organe in diesem letzteren Zustand sind nicht streng genommen rudimentär, sie neigen aber nach dieser Richtung hin. Andererseits sind in der Bildung begriffene Organe, wenn auch noch nicht völlig entwickelt, für ihre Besitzer von großem Nutzen und weiterer Entwicklung fähig. Rudimentäre Organe sind äußerst variabel, und dies läßt sich zum Theil daraus verstehen, daß sie nutzlos oder nahezu nutzlos sind und in Folge dessen nicht länger mehr der natürlichen Zuchtwahl unterliegen. Sie werden oft vollständig unterdrückt. Wenn dies eintritt, können sie nichtsdestoweniger gelegentlich durch Rückschlag wiedererscheinen, und dies ist ein der Aufmerksamkeit wohl werther Umstand.

Nichtgebrauch während derjenigen Lebensperiode, in welcher ein Organ sonst hauptsächlich gebraucht wird, und dies ist meist während der Reifezeit der Fall, in Verbindung mit Vererbung auf einem entsprechenden Lebensalter scheinen die hauptsächlichsten Ursachen gewesen zu sein, welche das Rudimentärwerden der Organe veranlaßten. Der Ausdruck »Nichtgebrauch« bezieht sich nicht bloß auf die verringerte Thätigkeit der Muskeln, sondern umfaßt auch einen verminderten Zufluß von Blut nach einem Theile oder Organe hin; entweder weil dasselbe weniger Änderungen des Druckes ausgesetzt ist, oder weil es in irgendwelcher Weise weniger gewohnheitsgemäß thätig ist. Es können indessen Rudimente von Theilen in dem einen Geschlecht auftreten, welche im anderen Geschlecht normal vorhanden sind; und solche Rudimente sind, wie wir später sehen werden, oft in einer von der oben erwähnten verschiedenen Art entstanden. In manchen Fällen sind Organe durch natürliche Zuchtwahl verkümmert, weil sie der Art unter einer veränderten Lebensweise nachtheilig geworden sind. Der Prozeß der Verkümmerung wird wahrscheinlich oft durch die beiden Principe der Compensation und Ökonomie des Wachsthums unterstützt; aber die letzten Stufen der Verkümmerung. – wenn nämlich der Nichtgebrauch Alles, was ihm einigermaßen zugeschrieben werden kann, vollbracht hat. und sobald die durch die Ökonomie des Wachsthums bewirkte Ersparnis sehr klein sein würde25 –, sind nur schwer zu erklären. Die endliche und vollständige Unterdrückung eines Theils, welcher bereits nutzlos und in der Größe sehr verkümmert ist, in welchem Falle weder Compensation noch Ökonomie des Wachsthums in's Spiel kommen können, läßt sich vielleicht mit Hülfe der Hypothese der Pangenesis verstehen und, wie es scheint, auf keine andere Weise. Da indeß der ganze Gegenstand der rudimentären Organe in meinen früheren Werken26 ausführlich erläutert und erörtert worden ist, brauche ich hier über dieses Capitel nichts mehr zu sagen.

In vielen Theilen des menschlichen Körpers hat man Rudimente verschiedener Muskeln beobachtet;27 und nicht wenige Muskeln, welche in manchen niederen Thieren regelmäßig vorhanden sind, können gelegentlich beim Menschen in einer beträchtlich verkümmerten Form nachgewiesen werden. Jedermann muß die Kraft beobachtet haben, mit welcher viele Thiere, besonders Pferde, ihre Haut bewegen oder erzittern machen, und dies wird durch den Panniculus carnosus bewirkt. Überbleibsel dieses Muskels in einem noch wirkungsfähigen Zustande werden an verschiedenen Theilen unseres Körpers gefunden, z. B. an der Stirn, wo sie die Augenbrauen erheben. Das Platysma myoides, welches am Halse entwickelt ist, gehört zu diesem System, kann aber nicht willkürlich in Thätigkeit gebracht werden. Wie mir Professor Turner von Edinburgh mittheilt, hat er gelegentlich Muskelfasern an fünf verschiedenen Stellen entdeckt, nämlich in den Achselhöhlen, in der Nähe der Schulterblätter u. s. w., welche alle auf das System des großen Hautmuskels bezogen werden müssen. Er hat auch gezeigt,28 daß der Musculus sternalis oder »sternalis brutorum«, welcher nicht etwa eine Verlängerung des Rectus abdominis, sondern eng mit dem Panniculus verwandt ist, in dem Verhältnis von ungefähr 3 % unter mehr als 600 Leichnamen vorkam. Er fügte hinzu, daß dieser Muskel »eine vorzügliche Erläuterung der Angabe darbiete, daß gelegentlich auftretende und rudimentäre Bildungen besonders einer Abänderung in der Anordnung ausgesetzt sind.«

Einige wenige Personen haben die Fähigkeit, die oberflächlichen Muskeln ihrer Kopfhaut zusammenzuziehen, und diese Muskeln befinden sich in einem variabeln und zum Theil rudimentären Zustand. Herr A. de Candolle hat mir ein merkwürdiges Beispiel des lange erhaltenen Bestehens oder der langen Vererbung dieser Fähigkeit, ebenso wie ihrer ungewöhnlichen Entwicklung mitgetheilt. Er kennt eine Familie, von welcher ein Glied (das gegenwärtige Haupt der Familie), als junger Mann schwere Bücher von seinem Kopfe schleudern konnte, allein durch die Bewegung seiner Kopfhaut, und er gewann durch Ausführung dieses Kunststücks Wetten. Sein Vater, Onkel, Großvater und alle seine drei Kinder besitzen dieselbe Fähigkeit in demselben ungewöhnlichen Grade. Vor acht Generationen wurde diese Familie in zwei Zweige getheilt, so daß das Haupt des oben genannten Zweigs Vetter im siebenten Grade zu dem Haupte des andern Zweigs ist. Dieser entfernte Verwandte wohnt in einem anderen Theile von Frankreich; und als er gefragt wurde, ob er diese selbe Fertigkeit besäße, producierte er sofort seine Kraft. Dieser Fall bietet eine nette Erläuterung dafür dar, wie zäh eine absolut nutzlose Fähigkeit überliefert werden kann, welche wahrscheinlich von unsern alten halbmenschlichen Vorfahren herrührt; viele Affen haben nämlich das Vermögen, und benutzen es auch, ihre Kopfhaut stark vor- und rückwärts zu bewegen.29

Die äußeren Muskeln, welche dazu dienen, das ganze äußere Ohr zu bewegen, und die inneren Muskeln, welche dessen verschiedene Theile bewegen, finden sich bei dem Menschen in einem rudimentären Zustande und sie gehören sämmtlich zum System des Panniculus; sie sind auch in ihrer Entwicklung, oder wenigstens in ihren Functionen, variabel. Ich habe einen Mann gesehen, welcher das ganze Ohr vorwärts ziehen konnte; andere können es nach oben ziehen; ein anderer konnte es rückwärts bewegen;30 und nach dem, was mir eine dieser Personen sagt, ist es wahrscheinlich, daß die Meisten von uns dadurch, daß wir oft unsere Ohren berühren und hierdurch unsere Aufmerksamkeit auf sie lenken, nach wiederholten Versuchen etwas Bewegungskraft wiedererlangen könnten. Die Fähigkeit, die Ohren aufzurichten und sie nach verschiedenen Richtungen hinzuwenden, ist ohne Zweifel für viele Thiere von dem höchsten Nutzen, da diese hierdurch den Ort der Gefahr erkennen; ich habe aber nie auf zuverlässige Autorität hin von einem Menschen gehört, welcher auch nur die geringste Fähigkeit, die Ohren in dieser Weise zu richten, besessen hätte, die einzige Bewegung, welche für ihn von Nutzen sein könnte. Die ganze äußere Ohrmuschel kann man als Rudiment betrachten, zusammen mit den verschiedenen Falten und Vorsprüngen (Helix und Antihelix, Tragus und Antitragus u. s. w.), welche bei den niederen Thieren das Öhr kräftigen und stützen, wenn es aufgerichtet ist, ohne sein Gewicht sehr zu vermehren. Manche Autoren vermuthen indeß, daß der Knorpel der Ohrmuschel dazu dient, die Schallschwingungen dem Hörnerven zu übermitteln. Mr. Toynbee kommt aber,31 nachdem er alle bekannten Erfahrungen über diesen Punkt gesammelt hat, zu dem Schluß, daß die äußere Ohrmuschel von keinem bestimmten Nutzen ist. Die Ohren des Schimpanse und Orang sind denen des Menschen merkwürdig ähnlich, auch sind die Ohrmuskeln gleichfalls nur sehr gering entwickelt,32 und mir haben die Wärter in den zoologischen Gärten versichert, daß diese Thiere sie nie bewegen oder aufrichten, so daß also diese Organe in einem gleichermaßen rudimentären Zustande sind, was die Function betrifft, wie beim Menschen. Warum diese Thiere, ebenso wie die Voreltern des Menschen, die Fähigkeit, ihre Ohren aufzurichten, verloren haben, können wir nicht sagen. Es könnte sein, doch befriedigt mich diese Ansicht nicht völlig, daß sie in Folge ihres Lebens auf Bäumen und wegen ihrer großen Kraft nur wenigen Gefahren ausgesetzt waren und deshalb während einer langen Zeit ihre Ohren nur wenig bewegt und dadurch allmählich das Vermögen, sie zu bewegen, verloren haben. Dies würde ein paralleler Fall mit dem jener großen und schweren Vögel sein, welche das Vermögen, ihre Flügel zum Fluge zu gebrauchen in Folge des Umstandes verloren haben, daß sie oceanische Inseln bewohnen und daher den Angriffen von Raubthieren nicht ausgesetzt gewesen sind. Die Unfähigkeit des Menschen und mehrerer Affen, die Ohren zu bewegen, wird indessen zum Theil dadurch ausgeglichen, daß sie den Kopf sehr frei in einer horizontalen Ebene bewegen und somit Laute aus allen Richtungen her auffangen können. Es ist behauptet worden, daß nur das Ohr des Menschen ein Läppchen besitze; »ein Rudiment ist aber beim Gorilla zu finden«33 und wie ich von Prof. Preyer höre, fehlt es nicht selten beim Neger.

Der berühmte Bildhauer Mr. Woolner macht mich auf eine kleine Eigentümlichkeit am äußeren Ohre aufmerksam, welche er oft sowohl bei Männern wie bei Frauen beobachtet und deren volle Bedeutung er erfaßt hat. Seine Aufmerksamkeit wurde zuerst auf den Gegenstand gerichtet, als er seine Statue des »Puck« arbeitete, welchem er spitze Ohren gegeben hatte. Er wurde hierdurch dazu veranlaßt, die Ohren verschiedener Affen und später noch sorgfältiger die des Menschen zu untersuchen. Die Eigentümlichkeit besteht in einem kleinen stumpfen, von dem inneren Rande der äußeren Falte oder des Helix vorspringenden Punkte. Wenn er vorhanden ist, ist er bei der Geburt schon entwickelt und findet sich, nach Prof. Ludwig Meyer, häufiger beim Manne, als bei der Frau. Mr. Woolner hat ein sorgfältiges Modell eines solchen Falles gemacht und mir die beistehende Zeichnung (Fig. 2) geschickt. Dieser Punkt springt nicht bloß nach innen nach dem Mittelpunkte des Ohres hin, sondern oft etwas nach außen von der Ebene des Ohres vor, so daß er sichtbar wird, wenn der Kopf direct von vorn oder von hinten betrachtet wird. Er ist in der Größe und auch etwas in der Stellung variabel, indem er entweder etwas höher oder tiefer steht; zuweilen kommt er auch nur an dem einen Ohre und nicht gleichzeitig am andern vor. Sein Vorkommen ist nicht auf den Menschen beschränkt; ich beobachtete einen Fall bei einem Ateles beelzebuth im zoologischen Garten; und Dr. E. Ray Lankester theilt mir einen anderen Fall von einem Schimpanse im Hamburger zoologischen Garten mit. Der Helix besteht offenbar aus dem nach innen gefalteten äußeren Rande des Ohrs, und diese Faltung scheint in irgend einer Weise damit zusammenzuhängen, daß das ganze äußere Ohr beständig nach rückwärts gedrückt wird. Bei vielen Affen, welche nicht hoch in der ganzen Ordnung stehen, wie bei den Pavianen und manchen Arten von Macacus,34