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Dietrich-Alex Kochs Darstellung der Geschichte des Urchristentums umfasst den Zeitraum von der Entstehung der Urgemeinde in Jerusalem 30 n.Chr. bis etwa 150 n.Chr. Es ist im deutschsprachigen Raum nach Jahrzehnten die erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung dieser für das Christentum insgesamt grundlegende Epoche. Die Entstehung und Ausdifferenzierung des Urchristentums begreift Koch einerseits als einen inneren Prozess, andererseits stellt er die Geschichte in den Horizont der hellenistisch-römischen Welt, sowohl der paganen wie auch der jüdischen. Dieser sogenannten »Umwelt«widmet Dietrich-Alex Koch zwei einleitende Kapitel. In diesem Rahmen beschreibt er den dynamischen Prozess der Ausbreitung und inneren Pluralisierung des Urchristentums, der beständig die Frage nach den identitätsstiftenden und -sichernden Faktoren hervorruft. Zusätzlich behandelt Koch die Entwicklung der Gemeindeorganisation zwischen 90 und 150 n.Chr. sowie das konfliktreiche Verhältnis zur paganen Mehrheitsgesellschaft. Neben der Darstellung der einschlägigen Fachdiskussion arbeitet der Autor bewusst aus den Quellen heraus, die häufig zu Wort kommen und kritisch befragt werden. Zahlreiche Beilagen, Exkurse und Abbildungen veranschaulichen die Ausführungen, verschiedene Register erleichtern den Zugang zu diesem Band zusätzlich.Diese völlig überarbeitete zweite Auflage enthält aktuelle Ergänzungen. So entwickelt Koch einen neuen Vorschlag zur Entstehung der johanneischen Gemeinden in Ephesos und geht auf den Gebrauch der Termini "Juden" und Judäer" ein.
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Seitenzahl: 1243
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Dietrich-Alex Koch
Geschichte des Urchristentums
Ein Lehrbuch
2. korrigierte und erweiterte Auflage
Vandenhoeck & Ruprecht
Mit 26 Abbildungen und 10 Tabellen
Umschlagabbildung: © Shutterstock. Das Forum von Philippi, errichtet Mitte des 1. Jh. n. Chr., im 2. Jh. umgestaltet.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
eISBN 978-3-647-99688-2 ISBN 978-3-525-52202-8
Weitere Ausgaben und Online-Angebote sind erhältlich unter: www.v-r.de
© 2014, 2013, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen/Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U. S. A.
www.v-r.de Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
Für Ruth
Inhalt
Vorwort
Vorwort zur 2. Auflage
Kapitel 1: Einführung
1.1 Die Komplexität der Aufgabe
1.2 Die Fraglichkeit des Gegenstands
1.2.1 Die Frage der Bezeichnungen: »Apostolisches Zeitalter«, »Urchristentum« oder »Frühes Christentum«?
1.2.2 Die Frage der Identifizierbarkeit
1.3 Die Quellenlage
1.3.1 Überblick
1.3.2 Die Apostelgeschichte als Geschichtsquelle
1.3.3 Spätere und außerchristliche Quellen
Kapitel 2: Die geschichtlichen Voraussetzungen I – Die hellenistisch-römische Welt der frühen und mittleren Kaiserzeit (1. und 2.Jh. n.Chr.)
2.1 Entgrenzung und Globalisierung – Die Hellenisierung des östlichen Mittelmeerraums
2.2 Der Aufstieg Roms und die Ausdehnung des Imperium Romanum
2.3 Die Verwaltung der Provinzen und die Romanisierung des Westens
2.4 Die Stadt als Lebensraum
2.5 Die Wirtschaft
2.6 Die soziale Welt
2.6.1 Soziale und ökonomische Schichtung
2.6.2 Die Stellung der Frau
2.6.3 Soziale Räume: Haus und Verein
2.7 Religion
2.7.1 Antike Götterverehrung
2.7.2 Göttergestalten und Götterbilder: Zentrale griechische und römische Gottheiten
2.7.3 Göttliche Heroen: Achill und Herakles
2.7.4 Mysterienkulte und ihre Gottheiten
2.7.5 Hellenistischer und römischer Herrscherkult
Kapitel 3: Die geschichtlichen Voraussetzungen II – Das Judentum in Palästina und die jüdische Diaspora im Römischen Reich
3.1 Die Geschichte des Judentums in Palästina
3.1.1 Die Entwicklung bis 200 v.Chr.
3.1.2 Die Entwicklung zwischen 200 und 66 v.Chr.
3.1.3 Palästina unter römischer Vorherrschaft (66 v.Chr.–66 n.Chr.)
3.1.4 Die doppelte Katastrophe des palästinischen Judentums: Der »1. Jüdische Krieg« (66–70 n.Chr.) und der Bar-Kochba-Aufstand (132–135 n.Chr.)
3.2 Die hellenistisch-jüdische Diaspora
3.2.1 Zur Entstehung der Diaspora
3.2.2 Geographische Verteilung und geschichtliche Entwicklung
3.2.3 Das hellenistische Diasporajudentum zwischen Integration und Abgrenzung
Kapitel 4: Die geschichtlichen Voraussetzungen III – Johannes der Täufer und Jesus von Nazaret
4.1 Johannes der Täufer
4.1.1 Das Täuferbild in den literarischen Quellen
4.1.2 Der historische Täufer
4.1.3 Die Bedeutung des historischen Täufers für die Geschichte des Urchristentums
4.2 Jesus von Nazaret
4.2.1 Jesu Wirken – Voraussetzung oder Beginn des Urchristentums?
4.2.2 Die Bedeutung Jesu von Nazaret für die Geschichte des Urchristentums
Kapitel 5: Die zeitlichen Grenzen des Urchristentums
Kapitel 6: Die Urgemeinde in Jerusalem
6.1 Das Bild der Apostelgeschichte
6.2 Die Entstehung der Jerusalemer Gemeinde in historischer Sicht
6.2.1 Die Ersterscheinung vor Petrus und die Restitution des Zwölferkreises
6.2.2 Erste Ausweitung: Der Zuzug aus Galiläa und die Entstehung des Apostolats
Kapitel 7: Die Entwicklung der Gemeinde in Jerusalem bis 48 n.Chr. und die Entwicklung in Palästina
7.1 Weitere Ausweitung: Die »Hellenisten« und ihr Konflikt mit anderen Diasporajuden
7.1.1 Das Bild der Apostelgeschichte
7.1.2 Historische Rekonstruktion: Stephanus und die (christlichen) »Hellenisten«
7.2 Weitere Ausbreitung in Palästina
7.2.1 Ausbreitung im judäischen Kernland
7.2.2 Ausbreitung in Samaria und Caesarea Maritima
7.3 Frühes Christentum in Galiläa?
7.4 Weitere Konflikte
Kapitel 8: Die Entwicklung außerhalb Palästinas
8.1 Die Entstehung der Christusgemeinde in Antiochia am Orontes
8.2 Die Entwicklung in Damaskus
8.3 Die persönliche Entwicklung des Paulus: Vom Eiferer für die ›väterlichen Überlieferungen‹ zum Apostel Jesu Christi
8.3.1 Herkunft
8.3.2 Der Ort der Verfolgung und der Berufung
8.3.3 Die Gründe für die Verfolgung und der Inhalt der Berufung
8.4 Das Wirken des Paulus zwischen Damaskus und der sog. 1. Missionsreise
8.5 Die Stadtmission der Gemeinde von Antiochia am Orontes in Zypern und im südlichen Kleinasien (sog. 1. Missionsreise; Apg 13 f)
8.5.1 Zur Datierung der Missionsreise des Barnabas und Paulus
8.5.2 Anlass, Verlauf und Ergebnis der Mission
Kapitel 9: Apostelkonzil und Antiochenischer Streit
9.1 Das Apostelkonzil
9.1.1 Die Quellenlage (Apg 15,1–35 und Gal 2,1–10)
9.1.2 Historische Rekonstruktion: Anlass, Teilnehmer, Verlauf, Ergebnisse und Datierung
9.2 Der sog. Antiochenische Zwischenfall (Gal 2,11–14)
9.2.1 Gegenstand und Verlauf des Konflikts
9.2.2 Datierung
9.3 Das sog. Aposteldekret (Apg 15,20.29; 21,25)
Kapitel 10: Die selbständige Mission des Paulus in Europa
10.1 Die Trennung von Antiochia und der Übergang nach Europa
10.1.1 Die Trennung von Antiochia
10.1.2 Die Mitarbeiter
10.1.3 Das Ziel: Makedonien
10.2 Die Mission des Paulus in Makedonien und Achaia
10.2.1 Der Verlauf
10.2.2 Konflikte
10.2.3 Ergebnisse
10.2.4 Die soziale Struktur der paulinischen Missionsgemeinden
10.2.5 Selbstverständnis und Organisation der paulinischen Missionsgemeinden
10.3 Die paulinischen Missionsgemeinden zwischen 60 und 150 n.Chr.
10.4 Anhang: Chronologie des Urchristentums I
Kapitel 11: Das Wirken des Paulus in Kleinasien
11.1 Der Wechsel von Korinth nach Ephesos
11.2 Die Situation in Ephesos
11.2.1 Christentum in Ephesos vor und neben Paulus
11.2.2 Die paulinische Christenheit in Ephesos: Die Hausgemeinde von Aquila und Priska
11.2.3 Mitarbeiter
11.3 Das Wirken des Paulus außerhalb von Ephesos
11.3.1 Galatien
11.3.2 Das Lykostal
11.3.3 Alexandria Troas
11.4 Konflikte
11.4.1 Der Aufstand der Silberschmiede (Apg 19,23–40)
11.4.2 Nachrichten aus den Briefen des Paulus über Gefahren und Haft in Ephesos
11.5 Krisen
11.5.1 Die galatische Krise
11.5.2 Die korinthische Krise
11.6 Rückblick (mit Chronologie II)
11.7 Die christlichen Gemeinden in Ephesos und Kleinasien zwischen 55 und 150 n.Chr.
11.7.1 Die Entwicklung in Ephesos
11.7.2 Die johanneischen Gemeinden
11.7.3 Kleinasien bis 150 n.Chr.
Kapitel 12: Die Kollekte der paulinischen Gemeinden für die Gemeinde in Jerusalem
12.1 Voraussetzungen
12.2 Vorbereitung
12.3 Teilnehmer
12.4 Verlauf
12.5 Die Übergabe der Kollekte
Kapitel 13: Das Ende des Paulus – Verhaftung in Jerusalem, Haft in Caesarea, Tod in Rom
13.1 Das Problem des römischen Bürgerrechts des Paulus
13.1.1. Gründe für die Historizität des römischen Bürgerrechts des Paulus
13.1.2 Gründe gegen die Historizität des römischen Bürgerrechts des Paulus
13.1.3 Historische Bewertung
13.2 Die Verhaftung des Paulus in Jerusalem und der Prozess in Caesarea
13.2.1 Die Quellenlage
13.2.2 Die lukanische Erzählabfolge und die Darstellungstendenzen des Lukas
13.2.3 Die Appellation
13.2.4 Historische Beurteilung und Rekonstruktion
13.3 Das Ende des Paulus: Transport nach Rom, Haft und Tod in Rom
13.3.1 Der Transport von Caesarea nach Rom
13.3.2 Die Haft des Paulus in Rom
13.3.3 Der Tod des Paulus
Kapitel 14: Die Jerusalemer Urgemeinde und die frühchristlichen Gemeinden in Judäa zwischen dem Apostelkonzil und dem 1. Jüdischen Krieg
14.1 Die Entwicklung der Gemeinde in Jerusalem nach dem Apostelkonzil
14.2 Die Organisation der Gemeinde in Jerusalem
14.3 Die Zuspitzung der Situation in Jerusalem
14.4 Die erzwungene Abwanderung der christlichen Gemeinde aus Jerusalem
14.5 Die Aufforderung zur Flucht »in die Berge« an die Christen in Judäa
Kapitel 15: Die Geschichte des Judenchristentums zwischen 70 und 150 n.Chr.
15.1 Die Entwicklung in Jerusalem
15.2 Die Entwicklung in Judäa
15.3 Eine judenchristliche Gemeindeordnung: Die Didache
15.4 Ein Integrationskonzept für Christen jüdischer und nichtjüdischer Herkunft und Lebensweise: Das Matthäusevangelium
15.4.1 Die divergierenden Traditionen des Matthäusevangeliums
15.4.2 Der historische Ort und die Wirkabsicht des Matthäusevangeliums
15.5 Die Stellung der Judenchristen im sich formierenden Christentum um 150 n.Chr.
Kapitel 16: Das frühe Christentum in der Hauptstadt Rom
16.1 Entstehung und Entwicklung des frühen Christentums in Rom
16.2 Die Organisation des frühen Christentums in Rom
16.3 Paulus und Petrus in Rom
16.3.1 Die literarischen Belege
16.3.2 Gründe für den Aufenthalt von Paulus und Petrus in Rom
16.4 Die Beziehungen der römischen Gemeinde zu anderen christlichen Gemeinden
Kapitel 17: Wachstum und Ausbreitung des Urchristentums
17.1 Die Frage nach dem quantitativen Wachstum
17.2 Regionale Verbreitung
17.2.1 Der Osten und Italien
17.2.2 Ägypten
17.2.3 Der lateinische Westen
Kapitel 18: Die Entwicklung der Gemeindeorganisation zwischen 90 und 150 n.Chr.
18.1 Die Entstehung einer kollektiven Gemeindeleitung (Presbyteramt und Presbyterium)
18.1.1 Der Befund
18.1.2 Gründe für die Entstehung
18.2 Die Entstehung des Monepiskopats
18.2.1 Der Beginn in Kleinasien und Antiochia
18.2.2 Die Aufgaben des Bischofs und die Gründe für die Entstehung des Bischofsamtes
18.2.3 Zwei Bischöfe von überregionaler Bedeutung: Polykarp von Smyrna und Ignatius von Antiochia
18.3 Das Amt der Diakone
18.4 Hierarchiefreie Gemeinden in Kleinasien?
18.5 Die Gemeindeorganisation der Didache
18.6 Konflikte und Legitimationsprobleme
Kapitel 19: Die Konflikte mit der paganen Mehrheitsgesellschaft
19.1 Das Urchristentum als abweichende religiöse Minderheit
19.2 Nero (54–68 n.Chr.): Die Christen Roms als Sündenböcke
19.2.1 Die Quellenlage
19.2.2 Das Vorgehen des Nero gegen die Christen
19.2.3 Die Darstellung der gegen die Christen gerichteten Maßnahmen Neros bei Sueton, Nero 16,2
19.2.4 Bewertung
19.3 Domitian (81–96 n.Chr.) als Christenverfolger?
19.4 Trajan (98–117 n.Chr.): Die Kriminalisierung des Christentums
19.4.1 Die Zielsetzung des Briefes des Plinius an Trajan
19.4.2 Das Vorgehen des Plinius
19.4.3 Die Antwort Trajans
19.4.4 Die Reaktion des Urchristentums: Der 1.Petrusbrief
19.5 Hadrian (117–138 n.Chr.): Krisen und Konflikte
19.5.1 Die unsichere Lage in der Provinz Asia um 122 n.Chr.
19.5.2 Der rätselhafte Fall des Ignatius von Antiochia
19.5.3 Die vorweggenommene Krise: Die Offenbarung des Johannes (130–135 n.Chr.)
19.6 Ergebnis
Kapitel 20: Rückblick und Ausblick
20.1 Ausbreitung und Pluralisierung
20.2 Die Überschreitung der Grenze des Judentums und die Entstehung eines nichtjüdischen Urchristentums
20.3 Die fortschreitende Pluralisierung und die Sicherung des inneren Zusammenhangs
20.4 Identitätsstiftende Faktoren: Taufe und eucharistisches Mahl
20.5 Der Ausbau der Organisationsstrukturen
20.6 Das Verhältnis zur paganen Mehrheitsgesellschaft
20.7 Die Bedeutung einer eigenständigen Literatur für die Geschichte des Urchristentums
20.7.1 Die Entstehung einer eigenständigen Literatur
20.7.2 Die wechselseitige Rezeption der urchristlichen Literatur
Anhang: Zeittafel zur Geschichte des Urchristentums
Beilagen
Beilage 1: Josephus, ant. XVIII 116–119 über Johannes den Täufer
Beilage 2: Zwölferlisten im Neuen Testament und in der kirchlichen Tradition – Die »Zwölf Jünger« und die »Zwölf Apostel«
Beilage 3: Der Text des Aposteldekrets
Beilage 4: Tacitus, annales XV 44,2–5 über die Verfolgung der römischen Christen 64 n.Chr. durch Nero
Beilage 5: Plinius Secundus, ep. X 96 über das rechtliche Verfahren gegen die Christen und die Antwort Trajans (ep. X 97)
Beilage 6: Das Reskript Hadrians an den Statthalter Minucius Fundanus (Euseb, h.e. IV 9,1–3)
Exkurse
Exkurs 1: Aufschlussreich: Josephus als Analogiefall zu Lukas
Exkurs 2: Unverzichtbar: Reden in der antiken Geschichtsschreibung
Exkurs 3: Irreführend: Das Judentum als vermeintliche religio licita im Römischen Reich
Exkurs 4: Verdrängt? Maria Magdalena – die eigentliche Empfängerin der ersten Erscheinung des Auferstandenen?
Exkurs 5: Widersprüchlich: Die Lokalisierung der Erscheinungen des Auferstandenen vor den Jüngern in Galiläa bzw. in Jerusalem
Exkurs 6: Ungewöhnlich: Die urchristliche Amtsbezeichnung Ἀπόστολος (»Apostel«)
Exkurs 7: Verklärt: Die Gütergemeinschaft der Urgemeinde in Jerusalem
Exkurs 8: Unausrottbar: Der angebliche Wandel »vom Saulus zum Paulus«
Exkurs 9: Unersetzlich: Die sog. Gallio-Inschrift in Delphi
Exkurs 10: Eingängig: Das literarische Schema der sog. Missionsreisen des Paulus
Exkurs 11: Umstritten: Der Abfassungsort des Philipper- und des Philemonbriefs
Exkurs 12: Klärungsbedürftig: »Galatia« als Provinzbezeichnung
Exkurs 13: Aufschlussreich: Ein Rechenschaftsbericht als Quelle von Apg 20,4–21,18
Exkurs 14: Präzise: Das Stationenverzeichnis der Kollektenreise
Exkurs 15: Verstreut: Die »Wir«-Abschnitte der Apostelgeschichte
Exkurs 16: Grundsätzlich vertrauenswürdig: Die vermutliche Grabstelle des Paulus an der Via Ostiense in Rom
Exkurs 17: Fraglich: War Paulus doch noch in Spanien?
Exkurs 18: Dringend gesucht: Das Grab des Petrus
Exkurs 19: Kontrovers: Die Bezeichnungen »Juden« und »Judäer« und ihre heutige Verwendbarkeit
Verzeichnis der Abbildungen
Verzeichnis der Tabellen
Abkürzungen und Zitierweise
Literatur
1. Quellen und Hilfsmittel
1.1 Quellensammlungen
1.2 Autoren und Schriftencorpora
1.3 Inschriften- und Pypyricorpora
1.4 Hilfsmittel
2. Sekundärliteratur
2.1 Kommentare zu den Schriften des Neuen Testaments und der Apostolischen Väter
2.2 Gesamtdarstellungen, Monographien, Sammelbände und Aufsätze
Register
1. Stellenregister
1.1 Alt- und neutestamentliche Schriften
1.1.1 Altes Testament (in der Reihenfolge der Septuaginta)
1.1.2 Neues Testament
1.2 Weitere christliche Literatur des 2.–5. Jh. n.Chr.
1.2.1 Weitere urchristliche Literatur (bis 150 n.Chr.)
1.2.2 Weitere christliche Literatur des 2.–5. Jh. n.Chr.
1.3 Literatur des antiken Judentums
1.4 Weitere griechische und lateinische Autoren
1.5 Inschriften und Papyri
2. Register der verwendeten Eigennamen
2.1 Geschichtliche Personen
2.2 Gottheiten und Heroen
3. Register der Orte, Provinzen, Landschaften und Straßen
4. Sachregister
Vorwort
1. Geschichtsschreibung ist die Darstellung von Ereignissen und Abläufen aus der näheren oder ferneren Vergangenheit. Bei Herodot (ca. 485–424 v.Chr.), der als ›Vater‹ der europäischen Geschichtsschreibung gilt, waren es Ereignisse und Abläufe aus dem Bereich der Politik, die den Gegenstand seiner Darstellung bildeten, nämlich die nur eine Generation zurückliegenden Perserkriege samt deren (aus seiner Sicht) etwa 150-jährigen Vorgeschichte. Seitdem ist die Politik, also das Ergehen von Völkern und Staaten, der klassische Bereich der Geschichtsschreibung. Doch gibt es neben der ›Politik‹ natürlich noch andere Bereiche, die für das Zusammenleben der Menschen von Bedeutung sind, also Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Technik und Religion. Diese sind im Lauf der Geschichtsschreibung (die ihrerseits ihre Geschichte hat!) ebenfalls zum Gegenstand historischer Darstellungen geworden.
Allerdings greifen diese Bereiche häufig auch ineinander, Geschichtsschreibung ist aber nur möglich, wenn sie sich auf Abläufe in einem dieser Bereiche konzentriert. Man muss also einen einzelnen Bereich aus dem Gesamtgeflecht aller geschichtlichen Vorgänge herauslösen, und wie schon bei Herodot ist es notwendig, diesen zeitlich und sachlich nochmals einzugrenzen. Das bedeutet: Geschichtsschreibung ist einerseits zwangsläufig Reduktion.
2. Zum anderen ist Geschichtsschreibung auch Rekonstruktion. Denn die Aufgabe besteht darin, die so aus dem Gesamtgeflecht aller geschichtlichen Vorgänge herausgelösten Einzelereignisse in ihrem inneren Zusammenhang zu verstehen. Das setzt voraus, dass man nach größeren Geschehensabläufen fragt, um diesen die einzelnen Ereignisse zuordnen zu können. Derartige Abläufe erschließen sich ihrerseits aber nur dann, wenn man in der Lage ist, die in ihnen wirksamen Ursachen zu erkennen; damit verbunden ist dann auch die Frage nach den Motiven der jeweils handelnden Personen.
Die Darstellung der Geschichte einer religiösen Bewegung muss daher ganz wesentlich auch nach den religiösen Ursachen fragen, die in den einzelnen Entwicklungen wirksam gewesen sind, sowie nach den theologischen Motiven, die für die einzelnen Personen oder Gruppen leitend waren.
3. Das Interesse an der Geschichte beruht auf der Überzeugung, dass die gegenwärtige Lebenswelt, sei es im Bereich von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur oder auch Religion, nur dann angemessen verstanden werden kann, wenn diese einzelnen Bereiche als geschichtlich gewordene Sachverhalte in den Blick genommen werden. Das gilt umso mehr, wenn sich gegenwärtige Institutionen wie das Christentum bewusst in Rückbindung an ihren Ausgangspunkt verstehen. Dies zeigt sich beim Christentum besonders deutlich an der Existenz des neutestamentlichen Kanons. Die in ihm zusammengefassten Schriften des Urchristentums sind identitätsbestimmend für das Christentum bis in die Gegenwart.
4. Zu diesen deskriptiv zu erhebenden Sachverhalten kommt noch ein inhaltlich-theologischer: Das Christentum selbst ist an seiner Urgeschichte interessiert, weil es das kirchengründende Offenbarungsgeschehen nicht als zeitlos-abstrakten Vorgang versteht, sondern als Gotteshandeln in einer bestimmten geschichtlichen Situation (vgl. Gal 4,4 oder auch Joh 1,14). Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass schon zum neutestamentlichen Kanon selbst eine Geschichtsdarstellung gehört, die Apostelgeschichte. Geschichtsschreibung in der Antike und der Moderne sind natürlich zu unterscheiden, einerseits um der Apostelgeschichte gerecht zu werden, andererseits um Entstehung und Entwicklung des Urchristentums dem heutigen methodischen Bewusstsein entsprechend darstellen zu können. Die Tatsache aber, dass das Urchristentum schon bald eine anspruchsvolle Geschichtsdarstellung hervorgebracht hat, ist nicht zu unterschätzen.
5. Das vorliegende Buch geht auf Vorlesungen und Seminare zurück, die ich als Hochschullehrer seit 1984 in Mainz und dann ab 1985 in Münster in regelmäßigen Abständen über die Apostelgeschichte und (getrennt davon!) über die »Geschichte des Urchristentums« gehalten habe. Das Buch ist daher bewusst als Lehrbuch gestaltet: Es soll der Weg von der kritischen Analyse der Quellen zum Ergebnis, d.h. der geschichtlichen Darstellung offengelegt werden. Auf diese Weise sollen die Grundlagen der jeweiligen Entscheidungen erkennbar werden, so dass auch eine Beurteilung der hier vorgelegten Analyse möglich ist.
Damit kommt auch die z.T. lebhafte Fachdiskussion in den Blick, doch musste, um die Darstellung in vertretbaren Grenzen zu halten, hier auch immer wieder eine deutliche Auswahl getroffen werden. Dass diese im einen oder anderen Fall auch anders hätte erfolgen können, versteht sich von selbst. Die jeweils angegebene Literatur soll jedoch die Möglichkeit eröffnen, sich mit den einzelnen Bereichen eigenständig weiter zu beschäftigen.
Das Buch ist für Leserinnen und Leser geschrieben, die nicht an vermeintlichen Enthüllungen, mediengerechten Sensationen oder plakativen Urteilen, sondern an einem wissenschaftlich vertretbaren Bild der Geschichte des Urchristentums interessiert sind. Wenn es diesen dazu verhilft, zu einem eigenen, sachlich begründeten Verständnis der damaligen Entwicklungen zu gelangen, hat es seinen Zweck erfüllt.
6. Dieses Buch wäre ohne vielfache Hilfe nicht möglich gewesen. Zunächst sind die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Lehrveranstaltungen zu nennen, die mich immer wieder dazu veranlasst haben, die Probleme der Geschichte des Urchristentums neu zu durchdenken und bei den vielfältigen Einzelfragen den Gesamtzusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Die mühsame Arbeit des Korrekturlesens haben Klaus Schüngel und Cecilie Koch übernommen, die auch durch Rückfragen zur Verbesserung der Darstellung beigetragen haben. Klaus Schüngel hat auch maßgeblich bei der Anfertigung der Register mitgewirkt. Das Verständnis und die Übersetzung vieler griechischer und lateinischer Quellentexte konnte ich immer wieder mit Cecilie Koch besprechen. Für die Exkurse 17 und 19 (zu den Grab- bzw. Gedächtnisstätten von Paulus und Petrus in Rom) verdanke ich Dr. Tomas Lehmann (Berlin) wertvolle archäologische Beratung. Den Fortgang der Arbeit begleitete mit fachkundigem Rat mein langjähriger Kollege und Freund Prof. Dr. Andreas Lindemann (Bielefeld). Allen gilt mein herzlicher Dank, für Mängel im Ergebnis sind sie jedoch nicht verantwortlich.
Für die anschließende hervorragende verlegerische Betreuung des Manuskripts gebührt dem Verlag Vandenhoek & Ruprecht in Göttingen uneingeschränkter Dank. Hier sind insbesondere Herr Jörg Persch und Herr Christoph Spill von der Abteilung Theologie und Religion zu nennen, sowie in gleicher Weise Frau Ulrike Bade, der die sorgfältige Herstellung des Buches zu verdanken ist.
Die wichtigste Hilfe für das gesamte Projekt geht aus der Widmung hervor – die meiner Frau.
Münster, Mai 2013
Dietrich-Alex Koch
Vorwort zur 2. Auflage
Schneller als erwartet ist eine 2. Auflage erforderlich. Sie gibt mir Gelegenheit, Versehen, die in der 1. Auflage noch enthalten waren, zu beseitigen. Allen aufmerksamen Lesern, die mir entsprechende Hinweise gegeben haben, sei dafür an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. Dieser Dank gilt natürlich genauso für inhaltliche Reaktionen, zustimmende und kritische, die vor allem auf verbliebene Lücken hingewiesen haben. Hierauf konnte ich eingehen, d.h. einige Teile überarbeiten und auch Ergänzungen einfügen, weil mir der Verlag in großzügiger Weise eine Erweiterung des Umfangs angeboten hat. Auch dafür sei sehr herzlich gedankt.
Neben kleineren Abänderungen sind in dieser Neuauflage folgende größere Überarbeitungen und Ergänzungen vorgenommen worden:
a)Überarbeitungen: S.188–191 (zum sog. ›Haus des Petrus‹ in Kapernaum), S.302–304 (zu Kolossai), 334 f (zu 2Kor 8); in den Übersichten 315–317 und 517–519 sind Unstimmigkeiten beseitigt worden.
b)Völlig neugestaltet und erheblich erweitert ist Abschnitt 11.7 zur Geschichte des Urchristentums in Kleinasien zwischen 55 und 150 n.Chr. (318–326).
c)Neu hinzugekommen ist auf S.282 der dazu parallele Abschnitt über die Geschichte der paulinischen Gemeinden in Makedonien und Achaia bis 150 n.Chr. (jetzt Abschnitt 10.3).
d)Ebenfalls neu ist Exkurs 19 (S.622–630) zur Frage der Verwendung der Bezeichnungen »Jude/Judäer«, der eine Ergänzung zum 3. Kapitel (»Das Judentum in Palästina und die jüdische Diaspora«) darstellt.
Der Dank an die im Vorwort der 1. Auflage genannten Gesprächspartner und auch der Dank an die Mitarbeiter des Verlags Vandenhoeck & Ruprecht gilt für diese Auflage in gleicher Weise.
Münster, den 28.3.2014
Dietrich-Alex Koch
Kapitel 1: Einführung
ALKIER, ST., Urchristentum. Zur Geschichte und Theologie einer exegetischen Disziplin, BHTh 83, Tübingen 1993; CONZELMANN, Geschichte; DUNN, Beginning; GOPPELT, Die apostolische und nachapostolische Zeit; GRAF, F. W./WIEGANDT, K. (Hg.), Anfänge des Christentums; HYLDAHL, History; LIETZMANN, H., Art. Altchristliche Kirche, RGG2 1, 1927, 241–249; LINDEMANN, A., Art. Urchristentum, RGG4 8, Tübingen 2005, 820–825; LOHSE, E., Das Urchristentum. Ein Rückblick auf die Anfänge, Göttingen 2008; LÜDEMANN, G., Das Urchristentum. Eine kritische Bilanz seiner Erforschung, ARGU 12, Frankfurt/M. 2002; SCHENKE, Urgemeinde; VOUGA, Geschichte; DERS., Art. Urchristentum, TRE 34, 2002, 411–426; WEIZSÄCKER, C., Das apostolische Zeitalter der christlichen Kirche, Freiburg 1886; ZELLER, Entstehung; DERS., Konsolidierung.
1.1 Die Komplexität der Aufgabe
Eine Darstellung der Entstehung und Entwicklung des Urchristentums sieht sich sehr schnell mit dem (Selbst-)Anspruch konfrontiert, nicht nur eine möglichst vollständige Materialdarbietung, sondern darüber hinaus auch eine umfassende Deutung der grundlegenden Epoche des Christentums zu liefern. Und hierfür reicht eine Beschränkung auf die sog. Ereignisgeschichte nicht aus. Wenn es sich beim Urchristentum um eine genuin religiöse Bewegung gehandelt hat, sind deren religiöse Impulse freizulegen, und wenn sich diese religiöse Bewegung schon sehr früh über die von ihr formulierten Glaubens-und Lehrinhalte definierte und Interpretation und Weitergabe dieser Überlieferung zu ihrem Selbstverständnis gehörten, dann ist der gesamte Bereich der zentralen religiösen Vollzüge (Gottesdienst, Taufe, Herrenmahl), aber auch der Theologiebildung (d.h. Christologie, Eschatologie, Anthropologie, Ethik) einzubeziehen. Es müsste sich also um eine Ereignisgeschichte handeln, die zugleich eine Darstellung der Theologiegeschichte, aber auch der Liturgiegeschichte, der Literaturgeschichte und der Sozialgeschichte des Urchristentums umfasst.1 Dies alles müsste außerdem von vornherein in den Gesamthorizont der antiken Welt hineingestellt werden. Es wären also laufend die jüdische und nichtjüdische Welt des östlichen und auch des zentralen Mittelmeerraums zu berücksichtigen, die jeweils genauso ihre Ereignisgeschichte, ihre Religionsgeschichte, ihre Literaturgeschichte und ihre Sozialgeschichte haben. Denn in diesen Kontexten ist das Urchristentum entstanden, und hier hat es seine Identität entwickelt. Eine arbeits-und darstellungsökonomisch praktikable Lösung rückt dann allerdings in weite Ferne.
Deshalb wird in der folgenden Untersuchung die sog. Ereignisgeschichte Leitfaden und Rückgrat der Darstellung sein, um zumindest in diesem Bereich – soweit die Quellenlage es zulässt – eine Gesamtsicht zu erarbeiten.2 Theologiegeschichte, Liturgie-, Literatur-, Sozial-und Religionsgeschichte werden herangezogen, um die Abläufe der Ereignisgeschichte angemessen erklären zu können, doch werden diese Aufgabenbereiche nicht als eigenständige Arbeitsfelder behandelt. Der grundlegenden geschichtlichen Verflechtung des Urchristentums mit der Antike des 1. und 2.Jh. n.Chr. wird jedoch insofern Rechnung getragen, als eine knappe Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der hellenistisch-römischen Welt und des antiken Judentums vorangestellt wird.
1.2 Die Fraglichkeit des Gegenstands
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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