Geschichte einer Hoffnung - Patricia Vandenberg - E-Book

Geschichte einer Hoffnung E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Es bleibt mir keine andere Wahl. Ich muss Sie in die Behnisch-Klinik einweisen«, erklärte Dr. Daniel Norden sehr ernst, als er nach einer Untersuchung am Bett seines Patienten, dem Förster Josef Angerer, stand. Der Kranke nickte nur schwach. Er war sichtlich geschwächt, und seine Augen waren glasig vom hohen Fieber. Anni, die Frau des Försters, stand an der Tür und blickte ängstlich drein. »Wissen Sie endlich, was meinem Sepp fehlt?« »Ehrlich gesagt bin ich ratlos. Dieser Einstich an der Hand sieht mir aus wie ein Zeckenbiss. Eine Infektion mit Bilharziose oder Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME genannt, kann ich jedoch aufgrund der Symptome ausschließen. Das Krankheitsbild passt einfach nicht. Diese Geschwüre rund um den Biss und die starken Fieberschübe gemahnen mich zur Vorsicht. Nur eine gründliche Untersuchung in der Klinik wird uns Gewissheit bringen.« »Ich mach mir solche Sorgen, Herr Doktor«, erklärte Anni mit leiser Stimme, als Daniel die Vorbereitungen für den Transport in die Klinik traf. Er hatte beschlossen, Josef Angerer höchstpersönlich bei seiner Kollegin und guten Freundin Jenny Behnisch abzuliefern. »Das kann ich nur zu gut verstehen«, erwiderte er auf die Worte der Förstersfrau. »Mir ist selbst nicht ganz wohl, solange ich den Feind, gegen den wir kämpfen, nicht beim Namen nennen kann«

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Seitenzahl: 117

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Extra – 70 –Geschichte einer Hoffnung

Was Nina und Frank sich so unendlich wünschen

Patricia Vandenberg

»Es bleibt mir keine andere Wahl. Ich muss Sie in die Behnisch-Klinik einweisen«, erklärte Dr. Daniel Norden sehr ernst, als er nach einer Untersuchung am Bett seines Patienten, dem Förster Josef Angerer, stand.

Der Kranke nickte nur schwach. Er war sichtlich geschwächt, und seine Augen waren glasig vom hohen Fieber. Anni, die Frau des Försters, stand an der Tür und blickte ängstlich drein.

»Wissen Sie endlich, was meinem Sepp fehlt?«

»Ehrlich gesagt bin ich ratlos. Dieser Einstich an der Hand sieht mir aus wie ein Zeckenbiss. Eine Infektion mit Bilharziose oder Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME genannt, kann ich jedoch aufgrund der Symptome ausschließen. Das Krankheitsbild passt einfach nicht. Diese Geschwüre rund um den Biss und die starken Fieberschübe gemahnen mich zur Vorsicht. Nur eine gründliche Untersuchung in der Klinik wird uns Gewissheit bringen.«

»Ich mach mir solche Sorgen, Herr Doktor«, erklärte Anni mit leiser Stimme, als Daniel die Vorbereitungen für den Transport in die Klinik traf. Er hatte beschlossen, Josef Angerer höchstpersönlich bei seiner Kollegin und guten Freundin Jenny Behnisch abzuliefern.

»Das kann ich nur zu gut verstehen«, erwiderte er auf die Worte der Förstersfrau.

»Mir ist selbst nicht ganz wohl, solange ich den Feind, gegen den wir kämpfen, nicht beim Namen nennen kann«, gab er ehrlich zu. Es hatte keinen Zweck, etwas zu beschönigen. »Ich möchte rechtzeitig handeln, ehe sich der Zustand Ihres Mannes weiter verschlechtert. Jetzt ist er noch transportfähig. Wer weiß, wie es morgen aussieht. Die Krankheit breitet sich rasch aus.«

»Und ich kann noch nicht einmal mitfahren, weil ich mich um die Kinder kümmern muss.«

»Ich werde Sie selbstverständlich auf dem Laufenden halten. Falls Sie Ihren Mann in der Klinik besuchen wollen und keinen Babysitter finden, kommt meine älteste Tochter Anneka gerne zu Ihnen.«

»Meinen Sie wirklich?« schöpfte Anni angesichts dieser Botschaft vorsichtig Mut.

»Anneka hat selbst vier Geschwister und verdient sich seit geraumer Zeit in der Nachbarschaft ein wenig Taschengeld dazu. Sie hat mit Ihren beiden Söhnen sicherlich keine Probleme.«

»Daran habe ich gar keine Zweifel. Wenn Sie nur ein wenig von ihrem Vater hat, vertraue ich ihr bedenkenlos«, erklärte Anni vorbehaltlos und beobachtete dann, wie Daniel ihrem von den anhaltenden Durchfällen und Fieberschüben deutlich geschwächten Mann aufhalf. Voller Sorge begleitete sie die beiden zur Tür und rieb sich angstvoll die Hände, als der Wagen des Arztes davonfuhr. Erst das Weinen ihres kleinen Sohnes Korbinian, der von den Geräuschen im Haus wach geworden war, ließ sie aus ihrer Erstarrung erwachen. Rasch eilte sie zu ihm, erleichtert darüber, sich von ihren großen Sorgen abgelenkt zu sehen.

*

Es war noch früh am Morgen. Trotzdem saß Nina Mattes bereits am Frühstückstisch und unterhielt sich mit ihrer Schwester Katharina über ihre klinische Studie, mit der sie den Status des Facharztes erlangen wollte.

»Bald ist Abgabeschluss und mir fehlen noch mindestens zwei Fälle von Tularämie, damit ich meine Statistik glaubhaft untermauern kann«, dachte sie laut nach, ehe sie in ihr knuspriges Brötchen biss.

»Warum musstest du dir auch so ein schweres Thema aussuchen? Hättest du nicht eine Abhandlung über die verschiedenen Grippeviren schreiben können?« fragte Kathi verständnislos zurück.

Als Inhaberin einer kleinen Modeboutique interessierte sie sich nicht sonderlich für die wissenschaftlichen Themen, mit der sich ihre Schwester beschäftigte, und machte keinen Hehl daraus.

Nina betrachtete sie seufzend.

»Wie oft habe ich dir das schon erklärt?«

»Es ist ein hartes Los für dich, mit einem Laien wie mir zusammenzuleben, was?« lachte Kathi indes unbekümmert.

»Manchmal schon. Aber die meiste Zeit tut es mir gut, dass du ein wenig Unbeschwertheit und Leichtigkeit in mein Leben bringst. Immerhin kann man sich nicht ständig mit Krankheiten beschäftigen.«

»Sag ich doch, das macht auf Dauer depressiv. Was ist denn jetzt mit deiner Arbeit? Erkläre es mir noch einmal«, zeigte Katharina durchaus guten Willen, ihrer Schwester eine adäquate Gesprächspartnerin zu sein.

»Grippeviren sind inzwischen hinreichend erforscht. Eine weitere Forschungsarbeit zu diesem Thema lockt niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Außerdem liebe ich die Herausforderung«, sinnierte Nina, während sie nachdenklich in ihrer Kaffeetasse rührte. »Meine Facharbeit über Tularämie wird mir in Fachkreisen die Anerkennung bringen, die ich für meinen weiteren Berufsweg brauche.«

»Deinen Ehrgeiz möchte ich haben«, seufzte Katharina und erhob sich nach einem Blick auf die Uhr. »Leider scheinen unsere Eltern alle herausragenden Talente an meine beiden Schwestern Nina und Amelie vererbt zu haben. Für mich ist nicht mehr viel übrig geblieben«, erklärte sie augenzwinkernd.

Nina sprang von ihrem Stuhl auf und umarmte die jüngere Schwester stürmisch.

»Du hast das größte Herz und die meiste Bodenhaftung von uns allen geerbt. Manchmal wüsste ich nicht, in welchen Sphären ich schwebte, wenn du mich nicht ab und zu in die Realität zurückholen und mir zeigen würdest, dass es im Leben auch noch anderes gibt als Arbeit, Krankheiten und Medizin.«

»Es wird Zeit, dass du dir einen Mann suchst und eine Familie gründest«, wich Katharina aus. Sie konnte nicht mit Komplimenten aus dem Mund ihrer klugen Schwester umgehen und flüchtete sich stets auf neutrales Terrain.

Nina lachte.

»Du weißt doch, dass ich meine Prioritäten im Leben anders gesetzt habe. Da ist für Mann und Kinder kein Platz.«

»Warte es nur ab. Wenn dir erst einmal der Richtige über den Weg läuft, wirst du keine Sekunde darüber nachdenken«, versprach Kathi. »Aber ich muss los. Heute erwarte ich eine neue Lieferung. Du solltest mal im Laden vorbeischauen. Ein bisschen modischer Pep würde dir nicht schaden.«

»Dein Wort in Gottes Ohr«, erwiderte Nina gut gelaunt. »Auf modischen Schnickschnack kann ich getrost verzichten. Der Mann meiner Träume muss mich so lieben, wie ich bin. Und damit basta.«

»In dieser Angelegenheit ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Soll ich dich in der Klinik absetzen?«

»Gute Idee! Gib mir eine Minute, dann bin ich soweit.« Nina warf sich eine Jacke über, raffte die Unterlagen ihrer Facharztarbeit zusammen und saß wenige Minuten später neben ihrer Schwester im Wagen. Es war ein strahlender Morgen, und Nina gelang es, den Gedanken an den Abgabetermin der Arbeit beiseite zu schieben. Doch als die Behnisch-Klinik bald darauf vor ihr auftauchte, wurde ihr schmerzhaft bewusst, dass der Beginn ihrer Karriere an einem seidenen Faden hing, wenn nicht bald ein Wunder geschah.

*

Wie immer genoss Felicitas Norden die Ruhe, wenn alle Kinder das Haus am Morgen verlassen hatten. Dann blieb ihr Zeit, die Pläne für den Tag mit ihrer langjährigen Haushälterin Lenni zu besprechen und sich um Abrechnungen für ihren Mann Dr. Daniel Norden und andere anfallende Büro- und Schreibarbeiten zu kümmern. An diesem Morgen hatte sie sich eben an den Schreibtisch gesetzt, als das Telefon klingelte.

»Paps, das ist ja eine Überraschung!« rief sie, nachdem sich ihr Vater Dr. Johannes Cornelius gemeldet hatte. Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Anne betrieb er ein Sanatorium auf der Insel der Hoffnung und Fee freute sich immer, Neuigkeiten aus diesem Paradies zu hören. »Wie geht es euch?«

»Wie könnte es einem Mann anders gehen, dem das Leben jeden Wunsch erfüllt hat?« schmunzelte Johannes zufrieden. »Wie ist die Lage bei euch?«

»Ich kann nicht klagen. Die Kinder sind ausnahmsweise einmal alle brav, was selten genug vorkommt. Gewöhnlich schert immer einer aus«, wusste Fee zu berichten. »Daniel hat wie üblich viel Arbeit, und ich unterstütze ihn dabei, wo ich nur kann.«

»Mein fleißiges Feelein. Und nun ruft auch noch dein Vater an und bittet dich um einen Gefallen«, seufzte Johannes Cornelius betreten.

Aber Felicitas lachte unbeschwert.

»Du weißt doch, ich liebe die Abwechslung. Außerdem sehe ich es als mein größtes Glück an, meinen Lieben Gutes tun zu können. Also heraus mit der Sprache. Was liegt dir auf dem Herzen?« forderte sie ihren Vater frohgemut auf.

Johannes, der nur über die

Energie seiner einzigen Tochter staunen konnte, ließ sich das nicht zweimal sagen.

»Es geht um einen Freund deines Bruders Mario«, begann er, seine Bitte zu erklären, und Fee lächelte. Der Adoptivsohn von Anne und Cornelius war nur ein paar Jahre älter als ihr inzwischen erwachsener Sohn Danny. Dass Mario dennoch, zumindest was das Gesetz anging, ihr Bruder war, versetzte sie bei näherer Überlegung stets in Staunen.

»Mein Bruder, der um ein Haar mein Sohn geworden wäre«, lachte sie belustigt auf. »Wenn Daniel und ich uns damals zu einer Adoption entschlossen hätten…«,

»… wäre Anne und mir ein Teil unseres späten Glücks verwehrt geblieben. Der Junge ist uns wie ein eigener Sohn. Wir machen keinen Unterschied zwischen dir und ihm.«

»Das ist auch gut so. Nach all dem, was er durchmachen musste, ist das nur recht und billig«, erklärte Fee gerührt.

Noch heute dachte sie manchmal voller Kummer an den schicksalhaften Tag, an dem Marios Eltern ertranken, ihr und Daniel aber wenigstens die Rettung des kleinen Jungen gelungen war. »Für Mario tue ich alles. Er ist mir ebenso teuer wie alle anderen Mitglieder meiner Familie, auch wenn ich ihn nicht mehr oft zu Gesicht bekomme.«

»Das wird jetzt auch nicht der Fall sein. Mario lässt lediglich anfragen, ob du seinem Freund und Kollegen Frank Weber für einige Zeit eine Unterkunft besorgen kannst. Seine Mutter lebt in München und wurde in die Behnisch-Klinik eingeliefert. Aus diesem Grund hat er sich unbezahlten Urlaub genommen und braucht nun eine Bleibe.«

»Wann will er anreisen?«

»So bald wie möglich natürlich.«

Fee dachte einen Moment lang nach.

»Gut, ich werde sehen, was ich tun kann. Im Augenblick ist München wegen einer Fachmesse gut besucht. Aber ich finde schon etwas. Zur Not kann er vorübergehend bei uns wohnen.«

»Wird dir das denn nicht zu viel?« erkundigte sich Johannes, der seiner viel beschäftigten Tochter so wenig Umstände wie möglich machen wollte.

Aber Felicitas konnte ihn beruhigen.

»Lenni freut sich immer, wenn sie wieder einmal mehrere Leute zu bekochen hat. Leider kommt es nur noch selten vor, dass die ganze Familie komplett versammelt ist. Herr Weber wird uns ein willkommener Gast sein, zumal er offenbar auch Mediziner ist und für Daniel sicher ein anregender Gesprächspartner.«

Auch dazu konnte Johannes noch ein paar Sätze sagen.

»Frank Weber ist ein ausgezeichneter Internist. Leider hat er Probleme an der Klinik, an der er arbeitet, und ist offenbar auf der Suche nach einer neuen Stelle.«

»Wer weiß, womöglich ergeben sich in München neue Aspekte für seinen weiteren Berufsweg. Die Gelegenheiten eröffnen sich immer dort, wo man sie am wenigsten vermutet«, meinte Fee nachdenklich.

Darin konnte ihr Johannes nur recht geben. Vater und Tochter plauderten noch ein wenig über dies und das, ehe sich Felicitas ihrer Arbeit erinnerte und sich verabschiedete.

»Ich freue mich, Mario eine positive Nachricht übermitteln zu können«, schloss Johannes Cornelius das erfreuliche Gespräch.

»Bestellte ihm ganz liebe Grüße von uns. Wir freuen uns immer über einen Besuch von ihm.«

»Du weißt ja, wie die jungen Leute so sind«, schmunzelte Johannes und verabschiedete sich ebenfalls, umso gleich ein weiteres Telefonat zu führen.

Fee vertiefte sich unterdessen in ihre Abrechnungsarbeiten und war schon bald mit den Gedanken weit fort von Mario und seinem Freund Frank Weber, der sich jedoch viel früher als erwartet wieder ins Gedächtnis bringen würde.

*

Interessiert studierte Jenny Behnisch die neuen Ausarbeitungen, die Nina Mattes ihr in einer ruhigen Minute vorlegte.

»Es ist sehr beeindruckend, wie intensiv Sie sich mit diesem ungewöhnlichen Thema auseinandersetzen. Ich bin mir sicher, dass Ihnen die Facharztwürde mit Auszeichnung verliehen wird. Aber auch so ist Ihnen die Stelle hier in der Klinik sicher.«

»Vorausgesetzt, ich schaffe den Abgabetermin«, seufzte Nina bedrückt. »Mir fehlen noch zwei oder drei Tularämie-Fälle, um meine Erkenntnisse zu untermauern.«

»Warum fragen Sie nicht andere Mediziner um ihre Erfahrungen? Immerhin dürfte es schwierig sein, drei Krankheitsfälle aus dem Ärmel zu schütteln, zumal ich niemandem wünsche, an dieser schweren bakteriellen Infektion zu erkranken«, gab Jenny Behnisch zu bedenken.

Nina nickte zustimmend.

»Das sehe ich genauso. Wenn alle Stricke reißen, werde ich natürlich auf die Erfahrungswerte der Kollegen zurückgreifen. Noch ist aber mein Ehrgeiz so groß, dass ich die Hoffnung nicht aufgeben möchte, meine eigenen Erkenntnisse zu sammeln.«

»Ihr Eifer in allen Ehren. Trotzdem ruft jetzt die Arbeit«, lächelte Jenny über die Begeisterung, mit der Nina Mattes alles betrieb, womit sie sich beschäftigte. »Wir haben einen Neuzugang. Eine gewisse Rosa Weber ist mit Verdacht auf Niereninsuffizienz eingeliefert worden. Ich bitte Sie, sich eingehend mit diesem Fall zu beschäftigen und gemeinsam mit mir über die weitere Behandlung zu entscheiden.«

»Sehr gerne«, fühlte sich Nina überaus geehrt, gemeinsam mit der Chefin arbeiten zu dürfen. Seite an Seite und in ein angeregtes Gespräch über die möglichen Erkrankungsursachen der Patientin vertieft, gingen die beiden Frauen in das Zimmer, in dem Frau Weber schweratmend lag und auf die Ärzte wartete.

»Wie fühlen Sie sich?« erkundigte sich Nina freundlich und ein wenig nervös. Sie war sich der forschenden Blicke ihrer Chefin durchaus bewusst und arbeitete hoch konzentriert, um keinen Fehler zu machen.

»Nicht gut«, antwortete die Patientin, während sie auf Ninas Bitte hin ihr Nachthemd hochzog und den Bauchbereich freimachte.

»Haben Sie schon etwas gegessen?«

»Nein, schon seit Tagen habe ich keinen Hunger mehr. Das ist das einzig Gute an der Krankheit. So nehme ich vielleicht mal ein paar Pfund ab«, versuchte Rosa Weber mühsam zu scherzen.

»Es haben sich sogenannte Ödeme an den Beinen gebildet, das sind Wassereinlagerungen«, stellte Nina rasch fest. »Müssen Sie häufiger als sonst Wasser lassen?«

»Nachts muss ich oft raus. Das ist mühsam und raubt mir den Schlaf, sodass ich den ganzen Tag über schlapp bin.«

»Tut das hier weh?« Vorsichtig tastete Nina den Bauchraum ab. Sie fühlte die deutlich vergrößerte Leber und drückte behutsam darauf.

Rosa Weber stöhnte auf.

»Ich will ja nicht jammern, aber das tut schon weh. Nicht, dass Sie jetzt meinen, ich bin wehleidig«, versuchte sie, sich zu verteidigen, aber Nina lächelte beruhigend.

»Machen Sie sich keine Sorgen. Sie sind sehr tapfer.« Dann wandte sie sich an Jenny Behnisch, die die Untersuchung aufmerksam verfolgte. »Zwischen den beiden Blättern des Rippenfells befindet sich ein Pleuralerguss.«

»Was schließen Sie aus dieser Wasseransammlung im Bauchraum?«

Nina dachte ein wenig nach und zog ihre Erkenntnisse aus ihren Untersuchungen und dem, was Frau Weber ihr gesagt hatte.

»Ich fürchte, das hier ist ein Fall für den Kardiologen. Die Niereninsuffizienz ist eindeutig, meiner Ansicht nach aber die Folgeerscheinung einer Herzschwäche.«