Gesichter des Islam - Johann Friederichs - E-Book

Gesichter des Islam E-Book

Johann Friederichs

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Beschreibung

Der Prophet Mohammed hat die Araber geeint, er hat ihnen eine Identität, ein Rechtssystem, eine Sprache, und den Glauben an den einen und einzigen Gott gegeben. Aber wir kennen nur den Mohammed des 7. Jahrhunderts, den Stifter einer dritten Weltreligion. Was Kalifen, Gelehrte und Gläubige aus seiner Religion machten, ist nicht mehr Mohammeds Problem. Die Nachfolger eroberten ein Weltreich, bis an die Grenzen Europas. Wir teilen 1.400 Jahre leidvolle Geschichte. Christentum und Judentum sind durch das Feuer der Aufklärung gegangen. Sie haben ihre weltliche Macht weitgehend verloren. Dieser mühevolle und nicht ungefährliche Weg bleibt auch dem Islam nicht erspart, will er neben den anderen Religionen im 21. Jahrhundert bestehen. Die notwendige Auseinandersetzung mit den Muslimen könnte die Diskussion wieder auf eine philosophische, spirituelle Glaubensebene heben. Könnte, wenn die Gläubigen und die Verantwortlichen denn wollen. Nur, zu viele verwirrte Diener Mohammeds kämpfen heute ihren Dschihad, den unerklärten Krieg gegen die Zivilisation und gegen ihre eigene Religion. Diesen Kampf gegen Freiheit und Menschenrechte werden sie verlieren, verlieren müssen.

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Seitenzahl: 368

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Zum Titelbild:

Die „Hagia Sophia“ in Istanbul. Die größte Kirche der damals christlich byzantinischen Welt wurde 537 n.Chr. geweiht. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen, wurde die Kathedrale der „Heiligen Weisheit“ zur Großen Moschee umgewidmet.

Seit 24. November 1932 ist sie durch Mustafa Kemal Pascha Atatürk, des ersten Präsidenten der Türkei, ein Museum gemeinsamer Geschichte und gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

Inhaltsverzeichnis

Die vorislamische Zeit

Der Islam

Was heißt Islam?

Endzeitvorstellungen im Islam

Das Jüngste Gericht

Die fünf Säulen des Islam

Das Glaubensbekenntnis

Die rituellen fünf täglichen Pflichtgebete

Fasten im Monat Ramadan

Die jährliche Sozialabgabe, die Almosen

Die Wallfahrt nach Mekka

Religion und Staat

Das Rechtsverständnis im Islam

Die Laizität

Der Säkularismus

Kampf gegen die Ungläubigen

Die Schutzbefohlenen

Die islamische Schöpfungsgeschichte

Die Schöpfung nach mekkanischen Suren

Die Schöpfung nach späteren medinischen Suren

Die Schöpfung nach der Thora

Mohammed ibn Abd Allah

Der Prophet

Das Leben Mohammeds

Hintergrund

Unter Clanschutz

Missionszeit

Götzenglaube

Heirat mit Chadidscha

Fatima bint Muhammad

Heirat mit A’isha

Der Verkünder, der Störenfried

Die Auswanderung, die Hijra

Tod und Verklärung

Die Paradieserwartung

Mohammed in Biographien

Die Macht in einer Hand

Christen und Juden im Koran

Das Jesusbild im Koran

Konversion, die Umkehr

Sanktionen für Konversion

Apostasie, Täuschung, Mission

Apostasie

Taqiyya, die Täuschung

Da’wah

,

der Missionsauftrag

Gibt es Glaubensfreiheit?

Kufr, Unglaube

Kafir, Leugner

Die islamische Expansion

Die Ausbreitung unter den Nachfolgern

Die Rechtgeleiteten Kalifen

Das Kalifat der Umayyaden

Sufyaniden und Marwaniden von Damaskus

Die Abbasiden

Die Fatimiden

Neue Eroberungen der muslimischen Araber

Die Osmanen

Islamisch arabisches Herrschaftssystem

Chronik der Eroberungen

Der Koran

Die Form

Die Zeit

Mekkanische und medinische Suren

Mohammeds Erfahrungen ändern die Tonlage

Die paradoxe Kommunikation

Das Prinzip der Abrogation

Ist der Koran übersetzbar?

Rechtsgrundlagen des Islam

Die Scharia

Die Rechtsprechung

Grenzvergehen

Im Koran genannte Grenzvergehen

Sonstige Grenzvergehen:

Wiedervergeltungsverbrechen

Ermessensvergehen

Sonderfälle im islamischen Recht

Rechtsschulen

Sunnitische Rechtsschulen

Schiitische Rechtsschulen

Die Normenlehre Fiqh

Sunna

Hadithe

Beispiele für einen Hadith

Das Familienbild im Islam

Das Frauenbild im Islam

Gibt es Gleichberechtigung?

Der Kopftuchstreit

Die Verschleierung als Verhaltensnorm

Formen der Verschleierung

Burqa

Niqab

Abaya

Tschador

Chimar

Al-Amira

Hidschab

Shayla

Burkini

Schleierstreit in Deutschland

Der Kopftuchstreit vor dem Verfassungsgericht

Das Kopftuch vor höchsten Gerichten

Ein neuer Kopftuch Fall

Neuer Kopftuchstreit in Bayern

Das Kopftuch in Unternehmen

Deutsche Gerichte zwischen allen Stühlen

Richter sind nicht zu beneiden

Es gibt eine Lösung

Die Modewelt ist schneller

Die Kleidung arabischer Männer

Händeschütteln

Sexuelle Übergriffe

Eherechte

Kinderehen

Kindererziehung

Kindererziehung in Mischehen

Ungleichbehandlung: Die Asymmetrie

Neu ist das Kinderfasten

Ehrenmord, Zwangsheirat

,

Beschneiden

Frauenverachtung, kein Spezifikum des Islam

Thora

Neues Testament

Islamisches Recht in Europa

Die Scharia in nichtislamischen Ländern

Die Scharia vor deutschen Gerichten

Der „Ordre public“ Vorbehalt

Anwendung der Scharia in Deutschland

Der Schutz des Grundgesetzes

Woher kommt der Hass?

Juden, Christen, Muslime

Stammvater Abraham

Alttestamentliche Geschichte

Institutionen im Islam

Umma Islamiya

Die Moschee

Das Kalifat

Das Sultanat

Der Wesir

Das Emirat

Der Imam

Der Ayatollah

Der Mullah

Konfessionelle Gesichter des Islam

Sunniten und Schiiten

Sunniten

Wahhabiten

Salafisten

Ibaditen, Charidschiten

Sufis

Schiiten

Imamiten

Ismailiten

Zaiditen

Alawiten

Aleviten

Ahmadiyya Muslim Jamaat

Dem Islam vorausgehende Religionen

Jesiden

Zoroastrier

Der politische Islam: Islamismus

Die Gründer des Islamismus

Die Hinterlassenschaft: Eine Ideologie

Der Fundamentalismus

Fundamentalismus, Islamismus, Dschihadismus

Perversion des Dschihadismus: Terrorismus

Der Dschihad

Die Terrorakte

Motive und Ziele der Terroristen

Der Selbstsmordattentäter

Woher kommt der Selbstmord?

Terrororganisationen

Taliban

Al-Qaida

Der Islamische Staat

Al-Nusra

Boko Haram

Hizbollah

Der Krieg um den wahren Islam

Rache für „Kerbela“

1979 und die Folgen des Schismas

Mossul, Provinz Ninive

Der Krieg des Islam gegen Europa

Vom Mittelalter in die Moderne

Was wird aus Multikulti?

Strukturen der Islamverbände

Die „Körperschaft des öffentlichen Rechts“

Ahmadiyya Muslim Jamaat Deuschland

Nach Vereinsrecht

Sunnitischer Islam

Türkisch sunnitische Dachverbände

Islamische Gemeinschaft Milli Görüs

Union Türkisch Islamischer Kulturvereine

Verband der Islamischen Kulturzentren

Verband der Islam. Vereine und Gemeinden e.V.

Islamische Gemeinschaft in Deutschland

Schiitischer Islam

Konvertiten zum Islam

Deutsche Muslim Liga e.V.

Naqschbandi

Sondergruppen

Alevitische Gemeinde Deutschland

Liberal Islamischer Bund

Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD)

Zentralrat der Marokkaner in Deutschaland

Sonstige Organisationen

Dachverbände

Milli Görüs (IGMG)

Zentralrat der Muslime in Deutschland

Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland

Koordinierungsrat der Muslime

Deutsche Islamkonferenz

Kann es einen „Euro Islam“ geben?

Das deutsche Grundgesetz

Kein Ort für Islamkritik?

Fatwen, Rechtsgutachten, Verhaltensregeln

Der lange Weg zur Demokratie?

Kairoer Erklärung der Menschenrechte

Gehört der Islam zu Deutschland?

Die Konsequenz

Gott glaubt an den Menschen

Die Aufklärung: Herkunft und Zukunft

„Goldenes Zeitalter“ arabischer Aufklärung

Das Ende: Die Nizamiyah

Die Erstarrung

Und in Europa?

Kein Weg in die Moderne?

Ansätze zur „Neuen Aufklärung“

Das Toleranzgebot

All die vielen Gesichter

Gelebte Vielfalt

Eine Religion im Aufbruch?

Wie geht es weiter?

Es hört nicht auf…

Traut euch, redet!

Vor dem Hintergrund verwirrender Diskussionen über „den Islam“ sollten wir wieder nach den Grundlagen dieser dritten Weltreligion fragen.

Auch rufen die vielfältigen Erscheinungsformen, die „Gesichter“, nach Erklärung. Sind doch die Bilder, die wir uns von dieser jüngsten monotheistischen Religion machen, unklar, widersprüchlich oft auch beängstigend. Hat der Islam wirklich mehrere Gesichter, oder hat er nur das eine Gesicht, das wir zu kennen meinen?

Was glauben wir, über den Islam zu wissen, und wo sind wir ahnungslos? Denn: Was ich weiß, kann ich glauben. Was ich nicht weiß, muss ich glauben. Wenn ich nichts weiß, muss ich alles glauben.

Wenn wir uns dem Islam nähern, stehen wir, wie gegenüber jeder anderen Religion, stets zwischen Wissen und Glauben.

Die vorislamische Zeit

Im Vergleich zu anderen Kulturräumen wissen wir relativ wenig über die kleine Welt der arabischen Halbinsel des 6. Jahrhunderts, über die Zeit vor der Ausbreitung des Islam, über die Welt, in die Mohammed hineingeboren wurde. Aus islamischer Sicht wird die vorislamische Zeit auch als „Zeit der Unwissenheit“ bezeichnet.

In dieser unwirtlichen Wüstenregion lebten heidnische Beduinenstämme, Nomaden, die a’rabi, wenige zugewanderte Stadtbewohner. Und es gab die Kleinbauern in dorfähnlichen Gemeinschaften mit selten mehr als 600 Menschen.

Sie lebten entlang der einzigen Süd Nord Verbindung Arabiens, der Karawanenstraße. Diese, auch „Weihrauchstraße“ genannte, uralte Handelsroute, von feindlichen Stämmen beherrscht und umkämpft, verlief von Dhofar im Oman über Sanaa im Jemen, dann über Mekka, Medina1 und Hégra nach Petra, der Metropole der Nabatäer. Von dort teilte sie sich nach Alexandria, Gaza und Damaskus.

Nur der südliche Teil der arabischen Halbinsel, der fruchtbare Jemen und der Oman, waren relativ wohlhabend. Man lebte dort vom Handel, der Weidewirtschaft und vom Ackerbau, verkaufte Weihrauch und Myrrhe an die Karawanenbesitzer. Auch Mohammed war Karawanenführer.

Weihrauch war damals nicht nur ein Heilmittel, sondern wurde schon in frühester Zeit bei religiösen Kulthandlungen, später auch im Gottesdienst der katholischen und orthodoxen Kirche, gebraucht. In den Tempeln der antiken Welt war Weihrauch eine wertvolle Opfergabe. Auf dem Rücken der Kamele wurden neben Weihrauch und Myrrhe auch Edelsteine und Gewürze aus Indien, sowie Seide und Porzellan aus China, zum Mittelmeer transportiert. Hundert Tagesreisen brauchte eine Karawane zwischen Dhofar im Oman und Gaza am Mittelmeer. In den Hafenstädten des Jemen, an der Südküste der Arabischen Halbinsel, wurde die kostbare Fracht aus Indien und China in die Packtaschen der „Wüstenschiffe“ umgeladen, und ging auf die 3.400 Kilometer lange Reise nach Norden, über die „Weihrauchstraße“.

Die Byzantiner und Perser im Norden der arabischen Halbinsel gingen nur herablassend mit den Analphabeten Arabiens um. Sie galten als Untertanen. Die arabische Halbinsel mit ihren Wüsten und Steppen war wegen des Wassermangels weitgehend unbewohnbar und damit uninteressant für die mächtigen Reiche der vorislamischen Welt.

Im Nordwesten der arabischen Halbinsel herrschte Ostrom, das griechische Byzanz, mit der später christlich orthodoxen Metropole Konstantinopel und seinem kriegerischen Kaiser Herakleios2, der das „Abschneiden der Köpfe“ seiner Feinde ausgiebig praktizierte. Dieser Kaiser lag in ständigen Abwehrkämpfen gegen Perser und Araber.

Im Nordosten lag das Reich der Sasaniden, das zweite persische Großreich des Altertums, der Erzrivale des Oströmischen Reichs. Dieses neupersische Reich, mit dem Glauben Zarathustra’s, dem Zoroastrismus als Staatsreligion, bestand nur zwischen dem Ende des Partherreichs, des ersten persischen Großreichs, und der arabischen Eroberung, also zwischen den Jahren 224 und 642 n. Chr. Metropole im Reich der Sasaniden war die später verschwundene parthische Hauptstadt Seleukia Ktesiphon.

Beide Großreiche lagen miteinander in ständigem Konflikt. Die Perser plünderten die byzantinischen Besitzungen in Arabia und Palästina. Sie standen 614 vor Jerusalem und stahlen dort das heilige Kreuz Christi. Das Byzantinische Reich schlug zurück, verwüstete Mesopotamien, holte sich das einst schon vom Berg Golgatha gestohlene Kreuz Christi zurück, und besiegte die Perser im Jahre 630.

Vor diesem kriegerischen Hintergrund wurde der Prophet Mohammed erwachsen.

In ihren immerwährenden, brutalen Kriegen erschöpften sich beide Reiche derart, dass sie später eine leichte Beute für die Krieger des Islam wurden. Das Perserreich ging mit der Eroberung durch die muslimischen Araber im Jahre 642 unter. Das oströmische Byzanz verschwand erst mit dem Sieg der Muslime unter den türkischen Osmanen und mit der Eroberung Konstantinopels 1453 aus seiner langen Geschichte.

Stammesehre und Blutrache herrschte zwischen den arabischen Stämmen, Clans und Großfamilien. Es gab Stammesgottheiten, heilige Stätten, Anbetung von Steinen, es gab auch einen verklärenden Sternenkult, aber keine Astronomie. Der Zweck sakraler Handlungen war immer der Gewinn oder der Erhalt profaner, realer Vorteile.

Und es gab in der Wüste Arabiens die Stadt Mekka, gebaut als heiliger Ort für das arabische Heidentum, errichtet auch für den Mondgott Al-ilah. Das Symbol der Mondgottkulte war die Mondsichel, die im Orient fast waagerecht über den Himmel zieht. Wir finden diesen Sichelmond heute noch auf den Spitzen der Minarette, auf muslimischen Inschriften und auf den Flaggen der Länder, die nach den Gesetzen der Scharia, dem universalen islamischen Recht, regiert werden.

Die Kaaba3, ein heiliger Tempel in Mekka aus vorislamischer Zeit, verwahrte den „schwarzen Stein“, vielleicht ein Meteorit, der einmal weiß war, aber, wie Mohammed später sagte, „schwarz geworden durch die Sünden der Söhne Adams“. Den Schlüssel zur Kaaba mit ihren 360 heidnischen Göttern hielt der Gründer des Stammes der Quraisch, der Stamm Mohammeds.

Den höchsten Gott nannte man in vorislamischer Zeit Al-ilah, „die Gottheit“, der Mondgott, verkürzt schon vor Mohammeds Zeit zu „Allah“. Die Anbetung des Mondgottes war die vorherrschende Religion in der damaligen arabischen Welt. In dieser Tradition wuchs Mohammed auf. Der Mondgott war ein „Hochgott“, der Erste unter den vielen sonstigen Göttern und Göttinnen, aber er war eben nicht der einzige Gott! Das wurde Mohammeds Ansatzpunkt: Mohammed wollte den einen und einzigen Gott!

In vorislamischer Zeit wurden in Mekka auch Göttinnen verehrt, etliche Hauptgottheiten waren weiblich, ähnlich der griechisch römischen Götterwelt.

Die Traditionen in Mekka waren matriarchalisch bestimmt. Aber die patriarchalischen Stämme setzten sich im Laufe der Zeit durch, vor allem in Medina, Mohammeds neuer Umgebung nach seiner Flucht aus Mekka im Jahre 622. Frauen hatten in Medina, der „Stadt des Propheten“, im Hintergrund zu bleiben. So entstand der Koran in Zeiten des Umbruchs zum Patriarchat, der strengen Väter- oder Männerherrschaft.

Und es gab Juden und Christen auf der arabischen Halbinsel, die frühen Monotheisten, die nur an den einen Gott glaubten.

Es gab die frühe aramäisch hebräische Bibel in griechischen und syrischen Übersetzungen. Aus diesen wurde auch offen und frei zitiert. So hörten auch Araber die Worte von dem einen Gott. Die Christen in Arabien dürften sich aber der apokryphen, nicht anerkannten, Schriften bedient haben.

Nun haben wir eine ungefähre Vorstellung von der vorislamischen Welt.

Jetzt machen wir einen Sprung in die Zeit des Wandels Mohammeds zum Propheten, zum Religionsstifter. Wir gehen in das 7. Jahrhundert, in die Zeit der Gründung einer neuen Religion, des Islam, einer dritten monotheistischen Weltreligion.

Als Mohammed 632 stirbt, hinterlässt er den arabischen Stämmen nicht nur den Glauben an einen einzigen Gott, sondern auch eine gemeinsame arabische Identität, eine funktionierende Gemeinde, eine Rechtsordnung und ein gut organisiertes und bewaffnetes Staatsgebilde. Der Koran, verfasst in der städtischen Sprache Mekkas, gab den Arabern auch eine dialektfreie, arabische Sprache, die sprachliche Einheit. In einer völlig neuen Herrschaftsform verbindet der Islam religiöse Vollmacht und Heilsverkündung mit politischer und militärischer Macht. Damit war das Fundament für die folgenden arabischen Eroberungen gelegt. Die gesamte arabische Halbinsel mit ihren Anrainerländern kam unter Mohammed und seinen Nachfolgern in den Herrschaftsbereich des in Medina begründeten islamischen Staatsverständnisses. Der Islam wird auch weltliche Macht, er wird Weltmacht, gegründet auf die heiligen Schriften des Koran und der Sunna.

In diesem Buch beschreibe ich die Vielfalt des Islam, seine vielen Gesichter, seine Strömungen, und die bis heute gültigen Erzählungen, die sich aus der Tradition dieser großen Weltreligion ableiten. Diese „Narrative“, die nur den sichtbaren Teil der unterschiedlichen Erscheinungsformen beschreiben, stützen sich auf den Koran, die Sunna, und die Breite der Auslegungen, die eine Religion erklären, die mit dem Begriff „Islam“ nur unvollkommen übersetzt, gedeutet und verstanden werden kann.

1 Yathrib

2 Von 575 bis 641

3 Auch: ka‘aba, arab: Würfel, Kubus

Der Islam

Was heißt Islam?

In wörtlicher Übersetzung heißt „Islam“ Unterwerfung, auch „sich ergeben“. Es ist die Unterwerfung unter Gottes im heiligen Koran niedergelegten Willen.

Dagegen behauptet ein immer wieder vorgetragenes zentrales Mantra islamischer Prediger, das Wort Islam hieße „Frieden“. Diese Interpretation ist aber nur religionspolitisch „korrekt“ im Sinne der „Political Correctness“. Denn das Wort „Frieden“ heißt im Arabischen salam. Das Verbalsubstantiv „Islam“ leitet sich aus dem arabischen Verb „aslama“ ab und bedeutet „das sich Ergeben“, „die Hingabe“, „die Unterwerfung“. „Muslim“ ist das dazu gehörende Partizip und kann als „der sich Ergebende“ übersetzt werden. Der Angehörige der Religion des Islam ist „Muslim“, also „der sich Gott Unterwerfende, Gott Hingebende“. Damit ist seine Position in Bezug auf Gott bestimmt. In der weiblichen Form sprechen wir von der „Muslima“, im deutschen Sprachgebrauch mit der Nachsilbe4 „-in“ auch als die „Muslimin“ übersetzt. Beide weiblichen Formen sind korrekt. Dem Arabischen angenähert, können wir von der Muslima und im Plural von den Muslimas sprechen. Die gemeinsame Sprachwurzel für die Begriffe Islam und Muslim lautet „salima“, also „unversehrt“. Damit hätten wir die von Islamvertretern oft und gerne vorgetragene „Friedenslegende“ des Islam sachlich geklärt.

Die zentrale Botschaft des Islam wird in der frühen mekkanischen Sure 112: Vers 1-4 „Die aufrichtige Hingabe“ verkündet, die auch zugleich den Islam gegen den Polytheismus abgrenzt, und die Gottessohnschaft im christlichen Glauben ablehnt:

„Sprich: „Er ist der eine Gott, der ewige Gott. Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, Und keiner ist Ihm gleich“.

Damit ist der Anspruch des Islam klar definiert. In Sure 5: Vers 4 sagt Allah zu Mohammed:

„Heute habe Ich euern Glauben vollendet, Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zur Religion gegeben“

Die Brücke zwischen dem Islam und dem Koran finden wir in Sure 27:91:

„Mir, Mohammed, ist nur befohlen, einer von den Muslimen zu sein und den Koran zu verlesen“

Verstärkt noch in der Sure 18:1-3:

„Gelobt sei Allah, der die Schrift5 auf seinen Diener6 hinabsandte, und daran nichts gemacht hat, was vom geraden Weg abweichen würde. Und um anzudrohen strenge Strafe von Ihm, und um den Gläubigen, die das Gute tun, schönen Lohn zu verheißen”.

Der Wille Gottes ist in den 114 Suren und 6.236 Versen des Koran7 festgelegt. Sie stehen unveränderbar im Koran. Der Islam ist eine Gesetzesreligion. Die islamischen Gesetze sind im Koran bis ins Detail als Gebote und Verbote festgeschrieben. Das entspricht rechtspolitisch in etwa den beiden anderen monotheistischen Gesetzesreligionen, der Thora der Juden in den fünf Büchern Mose mit ihren 613, und dem Neuen Testament der Christen mit den mehr als 700 verfassten Ge- und Verboten, deren grundlegende Bedeutung und erklärende Konzepte Mohammed in seine Rechtsvorstellungen übernommen hatte. Es ist das Ewige: „du sollst“ und „du sollst nicht!

Wichtig ist: Diese drei heiligen Bücher waren für die Gläubigen immer auch Gesetzesbücher.

So kennen auch alle drei Religionen den hebräischen Dekalog, die über allem stehenden 10 Gebote, die erste Erklärung der Menschenrechte und Pflichten, die auf zwei Tafeln in der jüdischen Bundeslade stehenden „Zehn Worte“. Nach der Legende wurden die Steintafeln8 Mose um 1.300 v. Chr. für die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten auf dem Berg Sinai von Gott übergeben. In Wahrheit sind Gottesgebote aber wohl sehr viel älter und galten als gottgegebene Weisungen, denn schon im Garten Eden gab Gott dem Adam eindeutige Sittengesetze, und die Freiheit der Entscheidung. Damit auch die Möglichkeit der Übertretung.

Da diese Weisungen göttlich sind, waren sie für Könige wie für Bettler in gleicher Weise bindend. Damit wurde der Mensch dem göttlichen Willen unterworfen. So konnte auch Mohammed die Unterwerfung der Muslime unter Gottes Willen zur Legitimation seiner neuen Religion im Koran begründen.

Nach islamischer Auslegung gehen die Zehn Gebote auf den Vater der drei Religionen, auf den noch älteren Abraham9 um 1.900 v.Chr. zurück, denn nur mit dem auch vom Islam für seine Religion beanspruchten Urvater Abraham konnte Mohammed die Gebote des Alten Testaments in das islamische Sittengesetz übernehmen. Da der Islam sich auf Ismael, dem in die Wüste geschickten unehelichen Sohn Abrahams bezieht, greift der Islam zu seiner Rechtfertigung weit in die biblische Geschichte zurück. Denn die Geschichte Abrahams9 steht in der Bibel schon gleich nach der Tötungsgeschichte von Kain und Abel und der darauffolgenden Erzählung über die Arche des Noah.

Von Adam bis Abraham und weiter bis Mose hatten alle Menschen gesündigt. Deshalb lobt Gott den Abraham, denn in der Genesis, dem 1. Buch Mose 26:5, heißt es: „Abraham gehorchte meiner Stimme und beachtete meine Vorschriften, meine Gebote und meine Gesetze“. So sagt der Gott des Alten Testaments: „Ich gebe die Gebote in die Herzen der Menschen“. Diese Stimme im Herzen der Menschen ist das Gewissen. Daher die herausragende Bedeutung Abrahams als Erzvater für Mohammed und den Islam.

Im Koran sind die Zehn Gebote verstreut, vor allem in den Suren 17:2, 22-39 zu finden. Das liegt an der Struktur des Koran als einer Sammlung von zeitlich unterschiedlichen Einzeloffenbarungen Mohammeds. Die Sure 17 wird „Die Nachtfahrt“, aber nicht ohne Grund auch „Die Kinder Israel“ genannt. Es fehlen im Koran das 2. und das 3. Gebot des Dekalogs. Das in christlicher Zählung 2. Gebot ist ein Verbot und sagt klar: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“.

Muslime werden aber im Gegenteil dazu aufgerufen, den Namen Gottes so oft wie möglich und bei jeder Gelegenheit als Beschwörungsformel herzusagen: „Bei Allah“. Oder auch „in scha‘ a llah“, „so Allah will“, vor allem bei Aussagen, die sich auf die Zukunft beziehen. Das kann auch zum Missbrauch des Namen Gottes in der islamischen Welt führen. So sind auch die Reden islamischer Politiker zu ihrer Rechtfertigung und Deutungshoheit gespickt mit den Anrufen Allahs.

Es fehlt im Koran auch das 3. Gebot, das explizite „Sabbatgebot“: „Du sollst den Feiertag heiligen…“. Deshalb haben Muslime auch keinen Ruhetag. Herausgehoben ist im Koran nur das gemeinsame Freitagsgebet: „…Dann eilt zum Gedenken Gottes und lasst das Kaufgeschäft ruhen“.10

Das biblische 5. Gebot: „Du sollst nicht töten“ weicht der Koran auf und sagt in Sure 17:33 „Und tötet keinen Menschen, den euch Allah verwehrt hat, es sei denn um der Gerechtigkeit willen…“ Der Koran schränkt das Recht auf Leben ein und knüpft es an Bedingungen vorliegender Berechtigung.

Der Islam bestimmt in seiner Totalität auch die Wirklichkeit der Menschen. Der Muslim hat den islamischen Geboten Folge zu leisten. Allah ist nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Richter des Menschen. Die „Enzyklopädie des Islam“ sagt zum Begriff „Allah“:

„Allah ist Allah und nichts ist ihm gleich“

Vergleichen wir dazu im Alten Testament, 2. Buch Mose „Exodus“11: Gott JAHWE. „Ich bin der ich bin…“ „Ich bin der, der immer da ist“. Die Menschen können Gott nicht begreifen.

Das Bilderverbot: „Du sollst dir kein Bildnis machen“12. Es ist die Absolutheit des Gottesbildes der drei monotheistischen Religionen im Gegensatz zu den unzähligen mehr oder weniger definierten Götzenbildern anderer Religionen der Frühzeit, aber auch der Gottheiten der Araber in der vorislamischen Zeit. Das biblische Bilderverbot wird vom Islam übernommen. Es bezog sich aber nur auf Bilder von Gott, nicht auf Bilder von Menschen.

Da Mohammed kein Gott ist, sondern nur ein Mensch mit seherischen Gaben, ein Prophet, muss eine Abbildung Mohammeds vom Islam gestattet sein. Ähnlich denkt auch die schiitische Interpretation. Die Sunniten sind hier wesentlich strenger. Eine Darstellung des Gesichts bleibt verboten.

Der Koran enthält kein Bilderverbot. Es leitet sich aber aus der Hadith Literatur des späten 8. Jahrhundert, der Tradition und der widersprüchlichen Auslegung verschiedener islamischer Rechtsschulen ab. Das missverstandene Bilderverbot richtet sich wohl nicht gegen Bilder als solche, sondern eher gegen die Verehrung des Dargestellten und damit gegen Polytheismus und Götzendienst. Nach den Hadithen sah auch Mohammed diese Gefahr für seine Religion. Daher stützt sich der Islam auf die Bilderverbote der jüdisch christlichen Religionen. Du sollst dir kein Gottesbild machen! Gott für nicht darstellbar zu halten, war Ausdruck der Demut und Ehrfurcht.

Im Koran wird Allah als der größte Bildner und Schöpfer dargestellt. Ein Künstler darf diesen Schöpfungsakt nicht wiederholen. Machte er sich „ein Bild“, galt das als menschliche Hybris. Allah findet sich daher in den Moscheen nur als Wort in arabischer Schrift, nicht als Bild. In Moscheebauten finden sich keine Bilder von lebenden Wesen. Bilder gelten als „unrein“.

Heute noch bezieht sich das strenge Bilderverbot im orthodoxen Islam auf Abbildungen Gottes und seines Propheten.

Muslimische Fundamentalisten dulden keine Mohammed Abbildungen. Sie hassen auch Skulpturen, Malerei, Filme, Fotos und Musik. Aber jahrhundertelang haben Künstler den Propheten gezeichnet. Verbote erfordern Kontrollen. Bilderverbote erfordern besondere Kontrollen, denn Bilder geben ihre Botschaft in die Öffentlichkeit ab, stärker noch als Worte und Schriften. Deshalb das Bilderverbot. In einer Welt, in der vieles gemacht und alles dargestellt werden darf, kann man nichts mehr kontrollieren. Das bedeutet Kontrollverlust über weltliches Tun und Lassen, über menschliche Empfindungen und Emotionen. Kontrollverlust ist immer auch Herrschaftsverlust. Deshalb die vielen Verbote und Gebote in Religionen, gerade auch im Islam. Und Mohammed wollte die Kontrolle über seine Gemeinde auf keinen Fall verlieren. Das ist der Kern des Problems!

Endzeitvorstellungen im Islam

Die Eschatologie: Eine eindeutige Ankündigung des Jüngsten Tages und des ewigen Lebens nach dem Tod zählen zu den Kernaussagen Mohammeds: Weltuntergang als kosmische Katastrophe, Auferstehung der Toten, Tag des Gerichts, Paradies oder Hölle.

Diese eschatologischen und apokalyptischen Vorstellungen hat Mohammed ohne Zweifel aus jüdischen und christlichen Glaubenstraditionen übernommen und in den Koran übertragen.

Mohammed und seine nachfolgenden Gefährten sind die großen „Abschreiber“ aus den damals bekannten beiden (Buch)Religionen, aus der Thora der Juden mit den Erläuterungen im babylonischen Talmud sowie aus dem Neuen Testament mit den Lehrbüchern und den Briefen der Apostel. Manches stammt auch aus der altpersischen Reformreligion des Zarathustra.

Die späteren Erzählungen in den Hadithen berichten von Daggal, ähnlich dem „Antichristen“ in der Bibel, der am Ende der Zeiten und nach einer Schreckensherrschaft von 40 Jahren vom Mahdi, nach anderen Darstellungen von Isa13, getötet wird. Der Mahdi ist in der islamischen Eschatologie als „Erlöser Imam“ die Figur, die vor dem Jüngsten Gericht auftritt und Recht und Gerechtigkeit in der Umma, der muslimischen Gemeinschaft, wiederherstellen wird. Am jüngsten Tag soll auch Jesus wiederkommen und für die Christen vor Gottes Thron sprechen.

In der Schia, insbesondere bei den Zwölferschiiten, verbindet sich die Hoffnung auf den Mahdi mit dem Glauben an den zwölften Imam als dem Letzten in der Kette der unfehlbaren Imame. Dieser „Erlöser Imam“ lebe seit dem Jahre 873 in geheimnisvoller Verborgenheit. Doch werde er nach dem Glauben der Schiiten wiedererscheinen, um die Tyrannenherrschaft zu beenden und Gottes Reich auf Erden zu errichten.

Das Jüngste Gericht

Die Beschreibung der Endzeit, das „Jüngste Gericht“, die Idee eines göttlichen Gerichts am Ende aller Zeiten, übernimmt der Islam nicht nur aus den Evangelien, denn die Idee eines Gottesgerichts ist sehr viel älter. Sie geht auf den Zoroastrismus, das babylonische Gottkönigtum, und auf die ägyptischen Jenseitsvorstellungen zurück.

Im Judentum, in der Thora, den fünf Büchern Mose, gibt es kein Jüngstes Gericht, wohl aber findet sich dieses Gericht bei den jüdischen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel. Siehe dazu auch Daniel 7:9,10, 25-27 und Prediger Salomo 12:14. Die Thora ist für diese Welt bestimmt, nicht für die nächste. Sie sagt dem gläubigen Juden, was er auf Erden zu tun hat. In den in die Endzeitvorstellung übergehenden Aussagen der Propheten der Hebräischen Bibel erscheint Jahwe (Jhwh) als Richter der Völkerwelt. Das endzeitliche Richten Gottes will nicht nur die Verurteilung der Schuldigen, sondern auch die Befreiung der unter Gewalt und Unrecht Leidenden: „Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse“14.

In den Schriften des Neuen Testaments ist der von Gott berufene Richter Jesus Christus. So im Matthäus Evangelium, in den Paulusbriefen, im 2. Timotheus 4:1, in der Apostelgeschichte 17:31, und in der Offenbarung des Johannes 20:12,13 und 21:3,4.

Es ist die eschatologische, die endzeitliche Vorstellung von einem das Weltgeschehen abschließenden göttlichen Gericht, das Gericht über alle Lebenden und Toten. Es ist die Entscheidung über Himmel oder Verdammnis.

Im Jüngsten Gericht des Islam wird sich nach Sure 30:12 und Sure 101 jeder Muslim mit seinen Taten vor Allah verantworten müssen. Jeder Muslim wird nach seinem Glauben und seinem Tun beurteilt werden. Denn „Glauben und das Rechte tun“ sind Voraussetzungen für den Eingang ins Paradies, die Dschanna. Auch im Islam ist das Jüngste Gericht das Ende der Geschichte, aber auch die Heimkehr zu Allah und der Eingang ins Paradies, in den Garten der Glückseligkeit.

„Siehe, diejenigen, die da glauben und das Rechte tun und sich vor ihrem Herrn demütigen, sie sind des Paradieses Gefährten, ewig darin zu verweilen“15.

Besonders eindrucksvoll ist die mekkanische Sure 81:1-29:

„Wenn die Sonne eingerollt ist, und wenn die Sterne herabfallen, und wenn die Berge fortbewegt werden …und wenn die Meere anschwellen …dann wird jede Seele wissen, was sie getan und mitgebracht hat…“

Wer das Gottesgericht in diesem Leben leugnet, fällt als Ungläubiger in ewiger Verdammnis unter die Strafe des „Königs am Tag des Gerichts“ (Sure 1:4).

Zum „rechten Tun“ und den religiösen Normen des Gläubigen gehören die fünf Säulen des Islam16, deren Befolgung für jeden Muslim ab der Pubertät verpflichtend ist. Wer diese Normen verletzt, begeht eine Sünde und verstößt gegen „Gottesrecht“.

4 Nachsilbe, heute gerne als Suffix bezeichnet

5 Den Koran

6 Mohammed

7 Qur’an, arabisch: Vortrag

8 Steintafeln/Bundestafeln. Seit der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar II. im Jahr 587/586 v.Chr. gilt die Bundeslade samt Inhalt als verschollen.

9 Ursprünglich: Abram, Ibrahim

10 Sure 62:9

11 Ex 3,14

12 Ex 20,4

13 Jesus

14 Prediger 12:14

15 Sure 11:23; 2 25; Sure 13:29; Sure 18:107; Sure 22:56

16arkan

Die fünf Säulen des Islam

Das Glaubensbekenntnis17

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und dass Mohammed der Gesandte Allahs18 ist19. Diese Form der shahada ist das Ergebnis ritualrechtlicher Kompromisse der verschiedenen Rechtsschulen. Mohammed hatte eine abweichende Form vorgetragen.

Das Glaubensbekenntnis ist das Erste, was einem Neugeborenen nach der Geburt in Form des Gebetsrufs ins Ohr geflüstert wird, und der letzte Gruß, den ein Sterbender von sich gibt (Enzyklopädie des Islam). Der Gebetsruf vom Minarett klingt so:

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist. Eilt zum Gebet. Eilt zur Seligkeit“.

Die rituellen fünf täglichen Pflichtgebete20

Morgengebet, Mittagsgebet, Nachmittagsgebet, Abendgebet, Nachtgebet.

Die Gebete müssen nicht in der Moschee verrichtet werden, es genügt ein „sauberes Plätzchen in Richtung Mekka“, meist nur ein Gebetsteppich. Die Einhaltung der rituellen Waschungen, der Kleidung, der Gebetstexte und das Niederwerfen21 auf die Knie und den Kopf bis zum Boden ist Pflicht. Dabei sollen die Stirn, die Nase, die Handflächen und die

großen Zehen zweimal die Erde berühren. Die Symbolik: Demut vor Gott und das Kommen aus der Erde und das wieder Zurückgehen zur Erde.

Die Einsetzung der fünf Gebete geschah nach der Überlieferung bei der Himmelfahrt Mohammeds. Dreizehn Elemente22 bestimmen den Gebetsablauf: Sechs Rezitationen, sechs Positionen und ein Element „bestimmen die richtige Reihenfolge“ der Abläufe. Das islamische Pflichtgebet ist eher ein Gottesdienst, nicht vergleichbar mit dem christlichen Dank- oder Bittgebet.

Fasten im Monat Ramadan23

Ein 30-tägiges Fasten im neunten Monat des islamischen Mondjahrs. Damit ändert sich jährlich auch die Fastenzeit. Der Tag des Fastens liegt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Dann folgt das Fastenbrechen. Der „Große Tag des Fastenbrechens“ liegt am Ende des Monats Ramadan.

Die jährliche Sozialabgabe, die Almosen24

Die Abgabe beträgt 2,5% des jährlich erzielten Überschusses. Von 100 Euro gibt der Muslim 2,50 Euro ab (1/40).

Zu den Besitztümern zählt nicht nur Geld, sondern auch der Wert von Schmuck, Grundstücken, Häusern oder ähnlichen materiellen Gütern. Die zakat ist eine „Läuterungsabgabe“ und bedeutet „Reinigung25“. Zakat und salat werden im Koran mehrfach gemeinsam als Kennzeichen der Bekehrung zum Islam erwähnt. So heißt es im sogenannten „Schwertvers“ der Sure 9:5:

„Wenn sie26 sich aber bekehren, das Gebet (salat) verrichten und die Almosen (zakat) geben, dann lasst sie ihres Weges ziehen“.

Die Sure 9 zählt zu den späteren medinischen Suren, die nach 630 n.Chr. offenbart wurden. Die Almosengabe war da bereits eingeführt und wurde ab 630 erstmals durch Agenten bei den arabischen Stämmen eingesammelt.

Die Wallfahrt nach Mekka27

Einmal im Leben des Muslims im Pilgermonat, der mit dem Opferfest abschließt. Das Opferfest ist der höchste islamische Feiertag. Die Anfänge des Hadsch liegen in vorislamischer Zeit und führten schon damals nach Mekka. Islamisiert wurde dieses Ritual erst durch Mohammed, der es 632 vollzog und neu ordnete.

Auch bei Einhaltung der Gebote der „Fünf Säulen“ bleibt die Unsicherheit, ob der Einzelne damit schon das Wohlgefallen Gottes erlangt hat und ins Paradies eingehen darf. Da aber niemand weiß, ob seine guten Taten vor Gott und beim jüngsten Gericht ausreichen, bleibt die Ungewissheit. Gott lässt sich nicht festlegen auf die Errettung eines bestimmten Menschen am jüngsten Tag durch dessen Tun und Unterlassen. Gute und schlechte Taten kommen auf eine Waage28. Gottes Barmherzigkeit ist keine Zusage für den einzelnen Sünder. Vergleichen können wir zu den Endzeitreden im Koran auch die recht ähnlichen Darstellungen in den Evangelien nach Matthäus sowie in der Offenbarung des Johannes.

17 shahada

18 Sein Prophet

19 „aschhadu an la-ilaha-ill-allah, wa aschhadu anna Muhammadan rasulullah“

20 salat

21 sudschud

22 arkan im Sinne von „Einheiten“

23 saum

24 zakat

25 Sure 92:18

26 Die Ungläubigen, Götzendiener

27 hadsch

28 Sure 101 „Die Pochende“

Religion und Staat

Das Rechtsverständnis im Islam

Der Islam kennt keine Trennung von Religion und Staat, keine Laizität und keine Säkularität. Die Religion des Islam errichtet einen damals in Arabien völlig unbekannten „Staat“, und ist damit auch staatsbegründend. So wird der Islam zu einer „Staatsverfassung“. Im Koran verbinden sich Heilige Schrift, Gottes Gesetzbuch und „Staatsrecht“. Daher konzentriert sich die Idee eines islamischen Staates auf den Begriff „Gottesstaat“. Ein Reich in und unter Gott! Und nur der Gottesstaat steht im Einklang mit der Religion des Islam.

Zu diesem Einheitsgedanken gibt es eine einfache Erklärung: Für die Herrschaft in früheren Zeiten hatte man Könige, Stammesführer und die Oberhäupter der Familienclans. Man brauchte keinen „Staat“. Und die vorislamischen „Reiche“ waren keine Staaten, sondern Besitz der jeweils Herrschenden, oft auch als Familienbesitz in der Nachfolge der Dynastien abgesichert. Natürlich schufen sich die jeweils Herrschenden eine Verwaltung, eine Administration, aber nach ihren eigenen Regeln, nach eigenen Gesetzen, die die nachfolgenden Herrscher wieder abschaffen, ändern oder ersetzen konnten, durch eigene Regeln. Der klassische Islam kennt daher auch keine Laizität und keine Säkularität.

Die Laizität

Die „Laizität“ umfasst die Trennung von Religion und Staat sowie die weltanschauliche Neutralität des Staates und das Gebot der Gleichheit aller Religionen. In ihren Verfassungen definieren sich u.a. Frankreich, China, Indien, Japan und die Türkei als laizistische Staaten.

Die Laizität christlich orientierter Staaten gründet sich auf Matthäus 22:21, als die Pharisäer Jesus eine Falle mit der Frage nach dem Zinsgroschen stellten und Jesus antwortet:

„Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist, und Gott was Gottes ist”. Jesus trennt sehr klar die beiden Welten! Und er sagt später im Verhör vor Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt…“.29

Friedrich II., der Große, brachte nach seinen Gesprächen mit Voltaire die Laizität auf die knappste damals denkbare Formel: „In meinem Staate kann ein jeder nach seiner Facon selig werden“!

Der Säkularismus

Auch der „Säkularismus“ trennt zwischen Religion und Staat, sieht aber den konkreten Prozess der Ablösung der weltlichen Macht religiöser Institutionen als einen sich in der Zeit vollziehenden Vorgang. Eine eventuell bestehende „Staatsreligion“ wird so gleitend abgeschafft. „Säkularisation“ sind die später durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse der Ablösung von Bindungen an die Religion. Die Lebensführung wird der Vernunft und der Diesseitigkeit zugeordnet. Das „saeculum“ bedeutet ursprünglich „Jahrhundert, Zeitalter“, den irdischen Gegensatz der zeitlichen, diesseitigen Welt zur Transzendenz des Göttlichen, des Ewigen, der jenseitigen Welt.

Deutschland versteht sich als ein säkularer Staat im Prozess der Säkularisierung.

Säkularisierung vollzieht sich in vielen historischen Gesellschaften als sozialer Wandel. Soziologisch betrachtet, handelt es sich um den langsamen sozialen Bedeutungsverlust von Religion. Dieser Prozess ist in vielen demokratischen Staaten zu beobachten. Religion wird Privatangelegenheit!

Kampf gegen die Ungläubigen

Der einzig sichere Weg für den Muslim ins Paradies führt über den Märtyrertod im djihad30, dem „heiligen Krieg“, im kämpferischen Einsatz für Allah und den Islam. Wer im Kampf für den Glauben stirbt, dem sagt der Koran den unmittelbaren Zugang zum Paradies zu31.

„Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“.32

„Und einführen wird Er sie (die Märtyrer) ins Paradies, das Er ihnen zu wissen getan“.33

Der Märtyrertod ist immer der Tod des Einzelnen, des Kämpfers für Allah und im Einsatz für Allah gegen die Ungläubigen. Der Märtyrer, shahid, ist ein Muslim, der „als Zeuge“ für seinen Glauben bei Ausübung seiner Religion im Krieg oder als Folge eines Anschlags getötet wird. Er geht direkt und rein ins Paradies ein. Das Martyrium, shuhada, ist eine Gnade, die Allah gewährt. Nicht erlaubt wäre danach die Tötung Unschuldiger und Unbeteiligter als Folge eines modernen djihadistischen Selbstmordattentats. Der Selbstmord ist haram, verboten, und wird verurteilt: Sure 4:29 „Und begeht nicht Selbstmord“ und wird von Allah nach Sure 4:93 bestraft.

Die Aussagen islamischer Rechtsgelehrter, sowie Berichte in den Hadithen und Auslegungen in den Fatwas über den Märtyrertod und den versprochenen Eingang ins Paradies im vollzogenen Djihad, sowie über den Tod im politischen Kampf für den Islam, sind unklar und widersprüchlich. Erklärter Gegner der gläubigen Muslime sind die Ungläubigen. Daher einige Koranverse zum Kampf gegen die Ungläubigen:

Sure 9,29: „

Kämpft gegen die, die nicht an Gott glauben und auch nicht an den „Jüngsten Tag“, und die, die nicht der Religion der Wahrheit angehören, bis sie erniedrigt den Tribut aus der Hand entrichten

Sure 2:191: „

Tötet sie, wo immer ihr sie antrefft

Sure 22:19: „

Aber für die Ungläubigen sind Kleider aus Feuer geschnitten. Gegossen wird siedendes Wasser über ihre Häupter

Sure 22:21: „

Und eiserne Keulen sind für sie bestimmt

Sure 22:22: „

So oft sie vor Angst zu entrinnen suchen, sollen sie in sie zurückgetrieben werden und schmecken die Strafe des Verbrennens

Es gibt über 200 ähnliche Koranverse, die sich mit Gewalt und Strafen gegen „Nichtmuslime“, gegen die „Ungläubigen“ richten.

Freundlicher zu den „Ungläubigen“ ist die Sure 16:125:

„Rufe auf zum Wege deines Herrn mit Weisheit und mit schöner Predigt, und streite mit ihnen auf gute Weise”.

Tendenz: Es gibt im Blick auf die Ungläubigen zu viele dunkle und zu wenige helle Aussagen (2:62, 9:6) im Koran.

Die Schutzbefohlenen

Die Dhimma als islamische Rechtsfigur ist der Schutzvertrag für Nichtmuslime mit einer Zahlungsverpflichtung. Die Dhimma gab Juden, Christen, Zarathustriern und Sabiern eine gesicherte Obhut in den vom Islam eroberten Gebieten. Sie galt aber nicht für Ungläubige.

„Dhimmi“ waren in islamischer Rechtstradition die Monotheisten, die „Schriftbesitzer“, die geduldet und geschützt wurden. Sie waren die „Schutzbefohlenen“. Jene Menschen, die weder Muslime noch Dhimmi waren, wurden als Harb34 bezeichnet, als Völker mit denen sich das „Haus des Islam“ im Krieg befand.

„Es gibt sechs Religionen: Eine, der Islam, ist für den barmherzigen Gott bestimmt, die fünf anderen für den Teufel“. 35

Sure 2, Vers 42:

„Und verdunkelt nicht die Wahrheit mit Lug und Trug“ wird ausgelegt: „Vermischt nicht den Islam mit dem Judentum und dem Christentum“.

Für eroberte Regionen galt: Sich unterwerfen, und den Islam annehmen, oder als Dhimmi den Tribut zahlen. Bei Verweigerung der Unterwerfung: Tötung.

Das Schutzbündnis der Dhimma war ursprünglich nur für Juden, Christen und die im 12./13. Jahrhundert untergegangene Religionsgemeinschaft der Sabier vorgesehen. Während der arabischen Expansion hat man die Dhimma auch auf die Religionsgemeinschaften der Zarathustrier36 und Hindus ausgeweitet, so dass es am Ende eigentlich allen Nichtmuslimen möglich war, einen Dhimma Vertrag mit den Eroberern zu schließen, sofern man den Tribut zahlte und sich friedlich verhielt.

29 Johannes 18:36

30 Auch: dschihad

31 Suren 2:154 und 47:4-6

32 Sure 47:4

33 Sure 47:6

34 „…dem Kriege zugehörig…“

35 Ibn Abas

36 Anhänger des Zarathustra, Parsen oder Perser genannt

Die islamische Schöpfungsgeschichte

Die „Schöpfung“ wird im Koran weit verstreut über viele Suren37 ohne erkennbaren Zusammenhang erzählt. Fügt man die unabhängig voneinander im Koran stehenden „Schöpfungssuren“ inhaltlich zusammen, erhält man einen Einblick in die islamische Schöpfungsgeschichte.

Die Schöpfung nach mekkanischen Suren

Sure 21: Die wohl früheste Geschichte steht in der Sure 21:30-33 „Die Propheten“, geoffenbart zu Mekka:

Vers 30:

„Sehen denn nicht die Ungläubigen, dass die Himmel und die Erde eine feste Masse bildeten und Wir sie dann spalteten und aus dem Wasser alles Lebendige machten? Glauben sie denn nicht?“

Vers 31:

„Und Wir setzten festgegründete (Berge) in die Erde, damit sie nicht schwankte mit ihnen, und Wir machten auf ihr breite Täler zu Wegen, auf dass sie rechtgeleitet würden”.

Vers 32:

„Und Wir machten den Himmel zu einem behüteten Dach; und doch kehren sie sich ab von Seinen Zeichen“.

Vers 33:

„Und Er ist’s, der die Nacht erschuf und den Tag und die Sonne und den Mond, die alle rollen in ihrer Sphäre”.

Sure 7: „Der Wall“ geoffenbart zu Mekka, bringt eine erste Zeitangabe:

Vers 54:

„Siehe, euer Herr ist Allah, welcher den Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf; alsdann setzte Er sich auf den Thron. Er lässet die Nacht den Tag verhüllen - sie verfolgt ihn schnell; und (Er schuf) die Sonne, den Mond und die Sterne, die Seinem Befehle fronen. Ist nicht Sein die Schöpfung und der Befehl? Gesegnet sei Allah, der Herr der Welten”.

Sure 20: „Ta-Ha“, geoffenbart zu Mekka:

Vers 53:

„Der euch die Erde gemacht hat zu einem Lager und euch auf ihr in Wegen ziehen lässet und vom Himmel Wasser hernieder sendet, durch das Wir die Arten verschiedener Pflanzen hervorbringen”.

Vers 55:

„Aus ihr haben Wir euch erschaffen und in sie lassen Wir euch zurückkehren und aus ihr lassen Wir euch entstehen ein andermal”.

Sure 6: „Das Vieh“, geoffenbart zu Mekka:

Vers 95:

„Siehe, Allah lässt keimen das Korn und den Dattelkern, hervorbringt Er das Lebendige aus dem Toten und hervor das Tote aus dem Lebendigen. Das ist Allah, und wie seid ihr abgewendet?“

Vers 96:

„Anbrechen lässt Er den Morgen, und bestimmt hat Er die Nacht zur Ruhe und Sonne und Mond zur Berechnung (der Zeit). Das ist die Anordnung des Mächtigen, des Wissenden”.

Vers 97:

„Und Er ist‘s, der für euch die Sterne gemacht hat, dass ihr von ihnen geleitet werdet in den Finsternissen zu Land und Meer! Deutlich haben Wir die Zeichen nunmehr erklärt für verständige Leute”.

Vers 98:

„Und Er ist‘s, der euch entstehen ließ aus einem Menschen; und (Er gab euch) eine Stätte und einen Lagerraum (in den Lenden und im Mutterleib). Deutlich haben Wir nunmehr die Zeichen erklärt für einsichtige Leute”.

Vers 99:

„Und Er ist’s, der da hinabsendet vom Himmel Wasser, und Wir bringen heraus durch dasselbe die Keime aller Dinge; und aus ihnen bringen Wir Grünes hervor, aus dem Wir dichtgeschichtetes Korn hervorbringen; und aus den Palmen, aus ihrer Blütenscheide niederhängende Fruchtbüschel; und Gärten von Reben und Oliven und Granatäpfeln, einander ähnlich und unähnlich. Schaut nach ihrer Frucht, wenn sie sich bildet und reift. Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für gläubige Leute“.

In zeitlicher Folge steht dann die mekkanische Sure 39 „Die Gruppen“. Diese Sure zeigt die Erschaffung des Menschen:

Vers 6:

„Erschaffen hat Er euch von einer Seele; alsdann machte Er von ihr (der Seele) ihre Gattin und sandte euch hinab acht gepaart (2 Kamele, 2 Rinder, 2 Schafe, 2 Ziegen). Er schafft euch in den Schössen eurer Mütter, eine Schöpfung nach einer Schöpfung in drei Finsternissen (Lenden, Mutterschoss, Plazenta). Solches ist Allah euer Herr; Ihm ist das Reich, keinen Gott gibt’s außer Ihm; wie wendet ihr euch drum ab?“.38

Da es im Arabischen nur Maskulin- und Femininformen gibt, wird das Neutrum auch als Maskulinum gekennzeichnet. Aus der „Seele“ machte Gott einen Mann, „alsdann“ machte Gott von der Seele seine Gattin. So spricht der Koran. Von einer Rippe des Mannes steht dort nichts. Das auch im Islam bekannte Bild von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes stammt aus Adaptionen der Hadithe, den Berichten der Sunna.

Feministisch übersetzt könnte der Vers 6 auch lauten: „Er schuf euch aus einer einzigen Seele (nefes), alsdann macht Er aus ihr (der Seele) ihren Partner (den Mann)“.

„Die Rippe“ wird nur in einem Hadith erwähnt. Dort heißt es: „Die Frauen wurden aus einer Rippe geschaffen. Wenn du versuchst, sie gerade zu biegen, wirst du sie zerbrechen. Überlässt du sie aber sich selbst, dann bleibt sie gekrümmt“.

Auch hier haben die Überlieferer des Hadiths sich aus der Bibel bedient. Gleichzeitig aber auch wieder die Überlegenheit des Mannes beschrieben.

In modernerer Sprache klingt der Vers 6 aus der Sure 39:

„Er hat euch aus einem einzigen Wesen geschaffen und hierauf aus ihm seine Gattin gemacht. Und Er schuf für euch acht Haustiere in Paaren. Er erschafft euch im Leib eurer Mutter in einem Schöpfungsakt nach dem anderen, wobei ihr euch, ehe ihr das Licht der Welt erblickt, nacheinander in dreierlei Finsternis befindet. So ist Allah, euer Herr. Er hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wie könnt ihr euch (vom rechten Weg) so abbringen lassen?“.39

Eine „patriarchalische“ Version finden wir auch in der Sure 16:72:

„Und Allah gab euch Gattinnen aus euch selbst, und aus euren Gattinnen machte Er euch Söhne und Enkelkinder, und Er hat euch mit Gutem versorgt“.40

In der ersten Offenbarung, die der Prophet empfing, in der mekkanischen Sure 96:1-5, „Das geronnene Blut“ erklärt Mohammed den vom Erzengel Gabriel geoffenbarten Schöpfungsmythos:

„Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf,

Er schuf den Menschen aus geronnenem Blut.

Lies, denn dein Herr ist allgütig,

Der die Feder gelehrt,

Gelehrt den Menschen, was er nicht gewusst“.41

Die Übersetzungen Ahmadiyya, Paret und Rassoul sprechen von einem „Blutklumpen“. Das Azhar Institut, Kairo, übersetzt sehr modern den Vers 2:

„Er erschuf den Menschen aus einem Embryo“

In dieser ersten Offenbarung zu Mekka spricht Mohammed noch von „dem Menschen“ als Einzelwesen oder als Gattungsbegriff, noch nicht über die unterschiedlichen Schöpfungswege von „Mann und Frau“.

Die Schöpfungsgeschichte des Islam gleicht, von einigen Nuancen abgesehen, inhaltlich und im Wesentlichen der alttestamentlichen Schöpfungsgeschichte im 1. Buch Mose.

Die Schöpfung nach späteren medinischen Suren

In der späteren medinischen Sure 49: „Die Schutz Gemächer“ heißt es im Vers 13: