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Kleidung gehört zu unserer Lebenskultur. Mit ihr drücken die Menschen Inneres und Spirituelles aus. In der Bibel sind Gewänder ein wichtiges und immer wiederkehrendes Motiv, das sich gut mit einem Exerzitienweg verbinden lässt. Annette Traber greift dieses Motiv auf für Ideen zu Exerzitien im Alltag. Die enthalten kurze Erläuterungen zu biblischen Texten, Impulsfragen zum Anschauen eigener Erfahrungen und Gebetsvorschläge. Die Exerzitien passen sehr gut in die österliche Bußzeit, aber in das ganze Kirchenjahr. Gedacht sind sie für jene, die selbst den Exerzitienweg gehen, wie auch für jene, die andere auf dem Exerzitienweg begleiten.
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Seitenzahl: 56
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Annette Traber
Gewänder des Heils – Exerzitien im Alltag
Ignatianische Impulse
Herausgegeben von Igna Kramp CJ, Stefan Kiechle SJ und Stefan Hofmann SJ
Band 95
Ignatianische Impulse gründen in der Spiritualität des Ignatius von Loyola. Diese wird heute von vielen Menschen neu entdeckt.
Ignatianische Impulse greifen aktuelle und existentielle Fragen wie auch umstrittene Themen auf. Weltoffen und konkret, lebensnah und nach vorne gerichtet, gut lesbar und persönlich anregend sprechen sie suchende Menschen an und helfen ihnen, das alltägliche Leben spirituell zu deuten und zu gestalten.
Ignatianische Impulse werden begleitet durch den Jesuitenorden, der von Ignatius gegründet wurde. Ihre Themen orientieren sich an dem, was Jesuiten heute als ihre Leitlinien gewählt haben: Christlicher Glaube – soziale Gerechtigkeit – interreligiöser Dialog – moderne Kultur.
Annette Traber
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
© 2023 Echter Verlag GmbH, Würzburg
www.echter.de
E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim, www.brocom.de
ISBN
978-3-429-05862-3
978-3-429-05256-0 (PDF)
978-3-429-06605-5 (ePub)
Vorwort
Statements zur Kleidung
Gedichte und andere Texte
Allgemeines zur Vorbereitung
Woche I
Woche II
Woche III
Woche IV
Quellen
Anmerkungen
Tücher, Stoffe und Gewänder – vom Beginn des Lebens bis zu seinem Ende begleiten sie uns, zunächst als Windeln, dann in Form verschiedener Kleidungsstücke, bis hin zum Totenhemd.
Unsere Sprache ist geprägt von Redewendungen, die mit dem textilen Thema zu tun haben:
Verflixt und zugenäht – verstrickt, verwickelt sein – am seidenen Faden hängen – der Geduldsfaden ist gerissen – jemanden umgarnen – betucht sein – zugeknöpft sein – sich bedeckt halten – fadenscheinig – eine Sache abwickeln – schief gewickelt sein – ein Loch stopft das andere – Stoffsammlung – zusammenfalten – die Stecknadel im Heuhaufen – blöde – spinnen – Stichprobe – falsch gewoben – Zerreißprobe – eine Fahne haben – etwas zudecken – das Tischtuch zerschneiden – der rote Faden – an etwas anknüpfen – zerrissen sein – auf dem Teppich bleiben – schmutzige Wäsche waschen – einfach gestrickt sein – die Fetzen fliegen – den Faden verlieren – da beißt die Maus keinen Faden ab – etwas einfädeln – Jacke wie Hose – Leitfaden – das Hemd ist mir näher als der Rock – langes Fädchen, faules Mädchen – blaumachen – im Fadenkreuz – in trockenen Tüchern – auf Tuchfühlung sein – das letzte Hemd (hat keine Taschen) …
Der Begriff ›Stoff‹ wird auch im übertragenen Sinne verwendet, wenn von einem Thema die Rede ist. Und ein Text ist nichts anderes als ein Gewebe, wird der Begriff doch aus dem lateinischen Wort ›textere‹ abgeleitet, das ›weben‹ bedeutet. Ein Text also als Gewebe mit einer Entstehungsgeschichte.
Das Gewebe selbst hat im Deutschen ebenfalls noch eine weitere Bedeutung und bezieht sich nicht allein auf das Textilhandwerk, das ihm zugrunde liegt: Unser Körper besteht aus Gewebe verschiedenster Art; Zellen gleicher Funktion bilden ein Gewebe!
Das alles darf und kann mitschwingen, wenn die Exerzitien im Alltag Impulse geben, sich über das Thema Kleidung dem eigenen Menschsein und den Beziehungen zu anderen Menschen und zu Gott zu nähern.
Biblische Texte sind stärker, als wir oft ahnen, von diesem Thema durchzogen. Daran ist abzulesen, dass gerade Kleidung, Tücher und Stoffe für den biblischen und auch den modernen Menschen geeignet sind, mit Gott in Kontakt zu kommen. Ignatius formuliert es so: Gott in allen Dingen finden.
In den Unterlagen findet sich zunächst eine Sammlung von Statements, die Impulse geben mögen, sich dem Thema anzunähern, sowie einige Texte und Gedichte und eine kurze Einführung, wie Exerzitien im Alltag gestaltet werden können: mit täglicher Gebetszeit anhand der Materialien und einem Tagesrückblick. Die Struktur der Gebetszeit und des Tagesrückblicks ist immer die gleiche.
Die eigentlichen Exerzitien im Alltag sind in vier Wochen aufgeteilt und bieten für jeden Tag einen biblischen Text, Gedanken und einen kurzen Impuls zum Nachdenken.
Die Wochen beginnen jeweils sonntags und enden am Samstag mit einem Rückblick auf den Weg durch die vergangene Woche.
Als ich mit sieben Jahren zu den Pfadfindern kam, war das, worauf ich mich mit am meisten gefreut habe, die Kluft. Natürlich war mir damals nicht klar, was sie symbolisieren sollte. Es war einfach schön, dass alle gleich gekleidet waren. Im Sinne des Gründers der Pfadfinderbewegung, Baden-Powell, sollte sie auch etwas Ähnliches bedeuten: Sie sollte die Gemeinschaft verbinden und den Unterschied zwischen Arm und Reich, der sonst auch durch die Kleidung erkennbar war, verschwinden lassen.
Damals, mit sieben, habe ich die älteren Pfadfinder für ihre vielen Kluftaufnäher bewundert. Bei jedem Lager und bei vielen anderen Pfadfinderveranstaltungen kommt ein neuer Aufnäher dazu. Daran kann man erkennen, wie lange jemand schon dabei ist. Bestimmte Aufnäher hat jedes Mitglied. Sie zeigen, in welchem Stamm und in welcher Pfadfinderstufe man ist. Damals hatte ich nur letztere und wollte unbedingt mehr bekommen. Heute, ungefähr acht Jahre später, haben sich so einige angesammelt und ständig werden es mehr.
Wenn ich heute meine Kluft in der Gemeinschaft trage, habe ich immer noch dieses verbindende Gefühl, denke aber auch an Baden-Powells ursprüngliche Idee zur Kluft und denke, dass es doch eigentlich schön ist, dass sie sich bis heute, gut hundert Jahre später, gehalten hat.
Am Thinking-Day, dem 22. Februar, der Pfadfinder auf der ganzen Welt miteinander verbindet, tragen viele ihre Kluft öffentlich: in der Schule, bei der Arbeit. Damit zeigen sie, dass sie Teil dieser großen, weltumspannenden Bewegung sind. So ergeben sich auch viele Gespräche darüber, was Pfadfindersein bedeutet.
»Gewänder des Heils« – das sind sie sicherlich nicht, die Baby- und Kindersachen, die ich (wieder) nähe, seit ich Enkelkinder habe. Aber sie sind auch mehr als zusammengefügte Stoffteile. Mit hineingenäht sind Gedanken und Wünsche für die- bzw. denjenigen, für die das Shirt, die Hose oder der Schlafsack genäht wird. Oder an diejenigen, von denen die Stoffreste stammen, die ich für einen Quilt zusammenfüge. Und da ich auch Getragenes weiterverwende, sind auch dabei Gedanken an diejenigen, die bereits in diesen Kleidern unterwegs waren, daran was sie erlebt haben, auf welchem Tisch die Tischdecke bereits lag, welche Hände mit dem Leinentuch getrocknet worden sind, welche Tränen ein altes Taschentuch erlebt hat …
Nähen beginnt für mich bereits lange vor dem ersten Nadelstich – da gibt es die Freude am Auswählen von Stoff und Schnittmuster, die Gedanken an nötige oder gewünschte Veränderungen, vielleicht
