Gewitter an der Emscher - Torsten Cornelius - E-Book

Gewitter an der Emscher E-Book

Torsten Cornelius

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Beschreibung

Dortmund - November 1969. Der Vorstandsvorsitzende des größten Stahlkonzerns ist tot. Um seine Nachfolge kämpfen fünf potentielle Nachfolger. Als der Personalvorstand Erich Vaerstenberg wieder bei der Postenvergabe übergangen wird und sich aus Wut und Frustration auf ein Abenteuer mit einer jungen Frau einlässt, beginnt ein Intrigenspiel, bei dem auch vor Betrug, Erpressung und Mord nicht zurückgeschreckt wird. Aber alles kommt Anders, als es sich Manche gedacht haben…. Hinter der Maske des Biedermannes lauert die Fratze des eiskalten Egomanen, der glaubt Alles und Jeden im Griff zu haben, bis Ihm drei Frauen einen Strich durch die Rechnung machen. Die späten sechziger Jahre finden hier in Sprache und Zeitgeschmack den Einzug in das zweite Buch des Autors.

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Seitenzahl: 293

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nachdruck oder Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages gestattet. Verwendung oder Verbreitung durch unautorisierte Dritte in allen gedruckten, audiovisuellen und akustischen Medien ist untersagt. Die Textrechte verbleiben beim Autor, dessen Einverständnis zur Veröffentlichung hier vorliegt. Für Satz- und Druckfehler keine Haftung. 

Impressum

Torsten Cornelius, »Gewitter an der Emscher« 

www.edition-winterwork.de 

© 2013 edition winterwork 

Alle Rechte vorbehalten. 

Satz: Torsten Cornelius

Umschlag: edition winterwork 

Gewitter an der Emscher 

Für  

Prolog 

Der Himmel war wie aus dem Bilderbuch. Sonnenschein - keine Wolke am Himmel und die Pinienhaine boten einen schönen Kontrast zu dem strahlenblauen Wasser der Cote`d Azur. Das Mercedes Coupé machte vor dem schmiedeeisernen Tor der Villa halt und der Fahrer drückte den Klingelknopf in der Wageneinfahrt. Er wurde offenbar erwartet, denn ohne Zögern fuhr das Tor elektrisch auf und der Wagen rollte über die kiesbelegte Einfahrt zum Hause. Vor der Tür stand ein brandneues dunkelblaues Rolls-Royce Cabriolet. In dieser Gegend keine Besonderheit - manche sprachen schon vom Rolls-Royce als dem Volkswagen von Cap´d Antibes. Wer hier wohnte, hatte es geschafft. Diese Region war ganz O - O wie oben, wie ein Boulevardmagazin treffend bemerkt hatte. Der Fahrer stieg aus dem Wagen und ging ums Haus auf die Terrasse zu. Der marokkanische Hausdiener lächelte ihn freundlich an. 

“Guten Morgen, Monsieur Rokling” sagte er in gebrochenem Deutsch “der Herr ist im Pool.” 

Hermann Rokling nickte und ging die Stufen von der Terrasse herab zum Swimmingpool. Erich drehte seine Bahn zu Ende, stieg aus dem Wasser und ging auf ihn zu. 

“Hat ja wunderbar geklappt mit dem Haus” meinte er und Rokling legte einen daumendicken DIN A 4 Briefumschlag auf den Gartentisch.  

“Verkauft” sagte er “wie du wolltest. War ein gutes Geschäft für dich.” 

“Für dich hoffe ich auch !” entgegnete Erich. Hermann nickte und lachte “Ganz bestimmt“.  

Der marokkanische Diener brachte zwei Cocktails und fragte Hermann in gebrochenem Deutsch, ob er auch etwas wünsche. Hermann bestellte einen Kaffee mit der Bemerkung, es wäre noch zu früh für Alkohol. 

“So dachte ich auch einmal. Hermann - ich genieße jetzt die Leichtigkeit des Seins. Prost”.  

Erich hob sein Glas, prostete Hermann zu und sog an seinem Strohhalm. Das Sonnenlicht spiegelte sich in den Gläsern seiner Sonnenbrille. 

Hermann sah Erich fragend an.  

“Sag mal. Eines würde mich interessieren. Was hat dich dazu gebracht ? Sag es mir - komm - was war es ?” 

Erich sog erneut an seinem Strohhalm und hielt dann sein Glas in die Sonne. Sein lächelndes Gesicht spiegelte sich darin. Eine leichte Brise durchkämmte sein silbergraues Haar und sein Blick suchte die Sonnenstrahlen einzufangen. Er lächelte Hermann an. 

“Weißt du das wirklich nicht ?” fragte er und in diesem Moment trat eine junge Frau auf die Terrasse, die Roklings Aufmerksamkeit auf sich zog. “Versuche dich doch mal an die Beerdigung vom alten Welkenbach zu erinnern. Damals begann es.” 

I. 

Der Himmel über der Bier- und Stahlstadt Dortmund hätte nicht schöner sein können - zumindest für einen November. Wolkenlos und sonnig und von einer klaren, reinen Kälte. Langsam bog die Wagenkolonne in Richtung Friedhof ab. Das gute Dutzend schwarzer Fahrzeuge aus gehobener Stuttgarter Limousinenproduktion hatten fast alle das gleiche Autokennzeichen, beginnend mit DO- für Dortmund und HS für Hoeker Stahlwerke AG. Die Hoeker Stahlwerke waren die größten Arbeitgeber der Stadt und hatten im Geschäftsjahr 1968/1969 mit rund 52.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,6 Milliarden DM erzielt. Damit waren Sie auf Platz Drei der großen deutschen Stahlerzeuger. In den Öfen der Firma wurden pro Jahr 6,5 Millionen Tonnen Stahl gekocht. Wer bei Hoeker malochte war gesichert. Umfangreiche Sozialeinrichtungen gehörten ebenso zur Firmenfamilie, wie eine Betriebskrankenkasse und eine betriebliche Rentenversorgung. Es war ein wahrlich großer Betrieb. Hundert Jahre ruhrgebietliche Stahltradition. Aus kleinen Anfängen als Familienbetrieb bis an die Weltspitze. Nicht ungewöhnlich für diese Region, nicht ungewöhnlich für die Branche. An seiner Spitze stand ein Vorstand, kontrolliert von einem Aufsichtsrat. An diesem Tag, im November des Jahres 1969, wurde der Vorsitzende des Vorstandes beerdigt. Er war in Ausübung betrieblicher Werbemaßnahmen in einem Hause einem Herzanfall erlegen, von dem man besser nicht so genau Bescheid wusste. Die Damen dieses Hauses zeichneten sich aber besonders durch liebevolle Diskretion aus. So stand dann auch in den Zeitungen nichts Genaueres über die recht peinlichen Umstände des Todes von Herrn Dr.-Ing. Theodor Welkenbach. Der Trauerkordon schritt langsam dem prunkvollen Sarge hinterher. Leise Gespräche waren kaum wahrnehmbar zu hören und der Kies knirschte unter den Schuhsohlen. Ein lindwurmartiger Tross schwarz gekleideter Herren, und vereinzelt auch Damen, wanderte hinter dem lieben Verblichenen her - bis an dessen letzte Ruhestätte. Die Luft ließ einige der Besucher eine leichte Gänsehaut zeigen und eine dezente, kältebedingte Röte lag auf den Gesichtern. Die vorangegangene Trauerveranstaltung musste wegen der regen Teilnahme in einer Seitenhalle der Westfalenhalle abgehalten werden. Alle, mit denen Dr. Welkenbach beruflich und privat zu tun hatte, waren dort versammelt. Die abgehaltenen Reden strotzten nur so von höflichen Allgemeinplätzen und unverbindlichen Sympathiebekundungen für den Verstorbenen. Zu Lebzeiten hätten ihn die meisten der Anwesenden am liebsten in den Hintern getreten oder in die Wüste geschickt. Aber, de mortuis nihil nisi bene, wenn er schon kalt im Sarge lag, wollte es sich niemand mit den potentiellen Nachfolgern dadurch verderben, heute nicht die Krokodilsträne im Auge gehabt zu haben.  

Der Trauerzug bog in den Weg ein, in dem eine offene Grabstelle für den Sarg ausgehoben war. Je näher man in der Reihe der Trauergäste dem Sarg stand, je näher stand man dem Zentrum der Macht der Hochöfen. Zunächst folgte der Vorstand, dann der Aufsichtsrat. Geschlossene Gesellschaft - ein einig Volk von Wirtschaftslenkern, von denen sich der eine oder andere schon die Chancen auf eine potentielle Nachfolge ausrechnete. Die Prozedur war immer die Gleiche. Ans Grab treten, Schüppe nehmen, Erde auf den Sarg werfen, einen Moment innehalten und weggehen. Als Erich Vaerstenberg an den Sarg trat, tat er es genauso wie die Leute vor ihm es getan hatten und die Leute hinter ihm es noch tun würden. Er war zusammen mit Herrn Dr. Gutland an den Sarg getreten. Erich Vaerstenberg war der Personalvorstand des Unternehmens, Dr. Gutland sein Vertreter. Er rechnete sich gute Chancen für die Nachfolge aus, denn er entstammte in der direkten Linie der Gründerfamilie und besaß, neben einem guten Namen, auch 5,01 % des Aktienstammkapitals. Dies war, neben dem Streubesitz und der Belegschaftsaktien, der größte Einzelaktienbesitz, der nicht in den Händen einer Bank war. Zu diesem Zeitpunkt war er 52 Jahre alt, von schlanker Statur und mit dem typischen runden, blassen Gesicht der Familie Hoeker ausgestattet. Im Kriege war er Oberleutnant bei der Panzertruppe gewesen und mit allerlei Orden ausgestattet worden und hatte dann, nach einem Studium der politischen Wissenschaften in Paris und London, im Unternehmen die Karriere durch alle Abteilungen gemacht. Er saß im Vorstand, zuständig für Personal, und hätte eigentlich alle Fäden der Macht in der Hand haben können, aber irgendwie besaß er nicht die Fähigkeit den Vorstand zu führen. Dieser Meinung schienen maßgebliche Männer gewesen zu sein, denn er war schon einmal bei der Besetzung des Vorsitzes übergangen worden. Erich zündete sich, in höflicher Entfernung vom Grab, eine Zigarre an. 

“Nichts ist für immer”, sagte er zu Dr. Gutland. “Auch die glorreichste Zeit der Herrschaft muss einmal enden. Und was war an Welkenbach denn glorreich ?”

Dr. Gutland grinste verschmitzt, wusste er doch, dass die beiden, Erich und Dr. Welkenbach, sich so gut verstanden hatten wie Hund und Katze. “Seine Ergebnisse waren gut. Das können Sie nicht bestreiten, Herr Direktor”, warf er ein. 

“Natürlich waren sie gut. Aber wir haben uns damals schon auf etwas eingelassen, einen Mann wie Welkenbach bis zur Spitze turnen zu lassen. Er hatte keinen familiären Hintergrund und keine richtigen Wurzeln. Arbeiterklasse - hochgekommen. So einer hätte bei meinem Großvater nicht mal den Schreibtisch polieren dürfen, an dem er zuletzt mit seinem Hintern saß.”

Erich zog genüsslich an seiner Zigarre. Wenn er schon nicht der nächste Vorstandsvorsitzende werden sollte, so rechnete er sich zumindest Chancen aus, durch großzügige Erweiterung seines Kompetenzbereiches zu dessen Stellvertreter ernannt zu werden. Dieses war natürlich von der Zustimmung des Aufsichtsrates abhängig. Man würde sehen wie die Hauptversammlung der Aktionäre sich äußert. Man müsste abwarten.  

“Was glauben Sie, Herr Direktor”, wollte Gutland wissen, “wer ist der Nächste? Wer sollte ihn beerben können?”

Erich zog erneut an seiner Zigarre und blies eine deutliche Tabakswolke aus. 

“Hesse - der ist zu alt. Der geht in zwei Jahren sowieso in den Ruhestand. Und seine Karriere war begleitet von zahlreichen kleinen Skandälchen. Neugebauer - der ist zu jung und zu schlau und zu konservativ und irgendwo lauert bei ihm hinter der Maske des Biedermannes das kalte Grausen. Den können die Gewerkschaften nicht verdauen. Horst Schüle - der kommt an. Der hat sich ja so fürsorglich im sozialen Bereich hervorgetan und hat so wenig eigene Meinung, dass er bestimmt die Unterstützung der Bankenvertreter im Aufsichtsrat sichern wird. Van den Bosch - der ist hemdsärmlig und macht gerne den starken Mann, der kann gut bei der Politik und den schätzen die Arbeiter. Der könnte es machen, wenn beim ihm nicht nur heiße Luft käme.” 

“Und wie wäre es mit Ihnen?” 

“Ich? Ich bin der Vertreter der Eigentümerfamilie im Aufsichtsrat und der Vorstand für Personal. Ich habe die Leute bei der Stange zu halten und dafür zu sorgen, dass es unten nicht gärt. Ich glaube das ist genug.” Erich lächelte vor sich hin. “Und glauben Sie mir, lieber Gutland, der neue Vorsitzende wird sich meiner vollen Unterstützung sicher sein können.” Sie gingen weiter, bis zu den parkenden Autos. 

“Grüßen Sie mir Ihre Frau, Gutland. Was machen eigentlich die Kinder, Herbert und Elisabeth?” 

“Danke, Herr Direktor, allen geht es gut. Herbert studiert in Marburg und Elisabeth bereitet sich aufs Abitur vor.” 

“Das ist ja wenigstens etwas Erfreuliches.”

Erich stieg in den Wagen, als ihm der Chauffeur den Wagenschlag aufhielt. Es war ein schwarzer Mercedes-Benz vom Typ 300 SEL. Diesen Wagen fuhren alle Vorstandsdirektoren und somit auch Erich. Erich war zwar verheiratet, aber die Tochter hatte seine Frau Gerda mit in die Ehe gebracht. Witwe mit Kind. Sie verstanden sich auf ihre Weise, indem sie ihm den Rücken freihielt und er sich darum bemühte, es an nichts fehlen zu lassen. In Anbetracht seines Vermögens fiel ihm das aber auch nicht sehr schwer. Der Chauffeur startete den Wagen mit einem satten Motorgeräusch und schickte sich an vom Parkplatz zu fahren. 

“Werden Sie es jetzt?”, wollte der Chauffeur wissen. 

“Was soll ich jetzt werden, Albert?” 

“Na, der neue Chef, Herr Direktor.” 

“Mal sehen, Albert, mal sehen.”

Erich beugte sich zu seinem Fahrer nach vorne. Die beiden kannten sich seit dem Kriege. Auch da war Albert sein Fahrer gewesen. Er klopfte dem Fahrer von hinten auf die Schulter und meinte: “Das möchtest du wohl gerne, was?” 

“Sicher, Herr Direktor, wen denn sonst?” 

“Ach, Albert, guter Albert. Was wissen wir schon, wir Kleinen? Im Ungeheuren so verlassen. Warten wir es einfach ab.” 

Die Limousine, Statussymbol des Wirtschaftswunders und fahrbarer Panzer der Ritter der Konjunktur, bog in die Einfahrt zu Erichs Bungalow. Es war ein freundliches Haus, welches die Anwohner der Straße nicht in Unkenntnis über die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Besitzers ließ. Das Grundstück war mit 6.000 qm das Größte in der Strasse, wo sich sonst auch nicht gerade die Armut der Nachkriegszeit ausgebreitet hatte. Seine Nachbarn waren durchgehend wohlhabende oder reiche Mitbürger der Stadt Dortmund. Kaufleute, Bankiers, Handelsherren - hier und da auch mal ein Chefarzt. Wissenschaftler - Lehrer und Beamte nicht. Dafür war es hier zu teuer. Vor dem Haus stand ein offener Chevrolet in der Auffahrt. Seine Frau schien also zu Hause zu sein. Die Tochter war seit zwei Jahren aus dem Hause und in Hamburg mit einem recht erfolgreichen Überseekaufmann verheiratet. Da gab es sogar schon einen Enkel. Aber Sie ließ sich aber in der Regel nur an Feiertagen oder Geburtstagen sehen. Und dann meist auch ohne ihren Mann. Irgendwas war da auch nicht ganz koscher. Aber das ging Erich, wie er meinte, eigentlich nichts an. Da er den Fahrer nicht mehr brauchen würde, schickte er ihn nach Hause. Falls doch, könnte er ihn ja telefonisch erreichen. Das Haus war modern, aber geschmackvoll eingerichtet. Erich setzte sich in das Wohnzimmer in den Sessel vor die Panoramascheibe und genoss die Aussicht auf seinen Garten. Englischer Rasen. Als seine Frau, von den Hunden begleitet - sie hatten zwei Cockerspaniel - hereinkam, küsste sie ihn auf die Wange und begann einen Monolog über die Eheprobleme ihrer Cousine. Erich hörte geduldig zu, obwohl ihm das permanente Auf und Ab der familiären Beziehungskrisen eigentlich nicht sonderlich interessierte. Er war dafür schon zu oft um seinen Rat, den allerdings keiner beherzigt hatte, gebeten worden. Geduldig war Erich. Geduldig mit seiner Tochter, geduldig mit seiner Frau, die die Beziehung mit ihm mehr als günstige Versorgungseinrichtung begriff, denn als Hort der Leidenschaft. 

Die innerbetrieblichen Geschehnisse interessierten sie nicht, die familiären ihn nicht. Abgesteckte Grenzen, abgeschlossene Bereiche. Das sie in letzter Zeit oft nach Düsseldorf zum Tennisspielen fuhr war ihm genauso egal, wie der Verdacht, sie habe etwas mit ihrem Tennislehrer. So konnte er sich wenigstens weitgehend von der Erledigung ehelicher Pflichten zurückziehen, was ihm in Anbetracht der Phantasielosigkeit seiner Frau nicht unangenehm war.  

Als die Köchin vermeldete, das Essen sei fertig, gingen beide ins Esszimmer, um dort das gegenseitige freundliche Ignorieren fortzusetzen. Man reichte sich das Salz, wünschte sich einen guten Appetit und hörte einander nur am Rande zu, um selber mit eigenen Gedankengängen dem Anderen zu entfliehen. Es ging so schon seit drei Jahren und es war fraglich, ob sich an diesem Zustand jemals wieder etwas ändern würde. Aber, dass war ihm auch mit der Zeit egal geworden, seine Gedanken kreisten um den Posten des Vorsitzenden. 

II.

Leichter Nieselregen aus grauen Wolken setzte die Stadt in ein fahles ungemütliches Licht. Die Westfalenhalle war nur dezent geschmückt. Eine Hauptversammlung der Aktionäre ist nun mal keine Karnevalveranstaltung, obwohl es in der Vergangenheit durchaus versteckte humoristische Momente gegeben hatte. Auf dem Podium saß der Aufsichtsrat, Erich war darunter, als Vertreter des Vorstandes. Er saß auch im Vorstand und deshalb war es ihm untersagt, an Entscheidungen den Vorstand betreffend sein Stimmrecht auszuüben. Andererseits hatte sein Großvater als Erblasser verfügt, er dürfe das Stimmrecht nicht auf jemand anderes übertragen. Diese Sonderregelung hatte in der Kriegszeit, als die Erbschaft fällig wurde, eine ganze Menge Erbschaftssteuer gespart und so konnte der Besitz eigentlich ungeschmälert übergeben werden, was in Anbetracht der damaligen Verhältnisse ein echter Glücksfall gewesen war. Fürs Geldsparen hatte sich sein Großvater sogar mit den Nazis gut gestellt. Darum konnte man auch das eine oder andere Filetgrundstück in Dortmund 1938 preisgünstig erwerben. In der Stahlbranche war man erst Widerstandskämpfer geworden, als das Wehrmachtsbeschaffungsamt keine Granaten und Panzerplatten mehr abnahm und die Versorgung mit Zwangsarbeitern nicht mehr den, durch Arbeit verursachten, Ausfall durch Tod ersetzen konnte. Erich hatte davon an der Front eigentlich nichts mitbekommen und revoltieren war nicht seine Sache. Er gehörte zu verlässlichen Männern, die ihre Pflicht tun und Deutschland nach vorne brachten, egal wo das auch immer liegen mochte. Die Rede des Aufsichtsratsvorsitzenden war lang und langweilig. Langweilig besonders für jemanden der die Zahlen, wie Erich, schon 48mal im Vorfeld gehört und gelesen hatte. Für die anderen Anwesenden, es mögen etwa tausend Leute im Publikum gewesen sein, war das Zuhören der Preis für die, den erschienenen Aktionären vorbehaltenen, Bewirtungsgutscheine. Pro Person gab es 5 Mark in Verzehrbons, für Frikadellen, Gulaschsuppe und Flaschenbier. Die Stimmung war gediegen, man fühlte sich als Pfeiler der Wirtschaft, auch wenn das Aktienpaket nur die drei Belegschaftsaktien zum 25jährigen Firmenjubiläum umfasste. Erichs Anteil am Firmenkapital betrug rund 40 Millionen Mark und mit Ausnahme des Bankiers Rokling vom Bankhaus Turner und Rokling, gab es in der Westfalenhalle wohl keinen Menschen mit einem auch nur annähernd so hohen Vermögensanteil am Unternehmen. Die Deutsche Bank mal, als juristische Person, ausgenommen. Erich saß auf der Tribüne und las in seinen Akten, geduldig zuhörend, ob sich irgendein Fehler in den Vortrag einschlich. Zuhören war wichtig - überlebenswichtig - in diesem Stall karrieresüchtiger Emporkömmlinge. Dr. Gutland brachte ihm eine Tasse Kaffee. Das hätte zwar auch der abgestellte Saaldiener tun können, aber dieser Kaffee war nur der Vorwand, Erich einen Zettel zuzustecken mit der, zur Zeit noch geheimen, Entscheidung wer nun neuer Vorstandsvorsitzender werden würde. Erich sah auf den Zettel und schloss die Augen. Er öffnete sie wieder und sah noch einmal auf den Zettel. “”

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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