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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Serie: Dr. Norden Gesamt 5. Aufl. Im Hause Norden herrschte ausgelassene Fröhlichkeit. In der letzten Herbstwoche schien der Sommer zurückgekehrt zu sein. So hatten die Nordens sich an diesem Sonntag zu einem Ausflug entschlossen. Sie hatte eine Einladung einer ehemaligen Patientin erhalten. »Ich bin sehr gespannt auf Emily«, sagte Dr. Norden, und seine Frau Fee nickte dazu. Sie erinnerte sich gut an die junge Patientin ihres Mannes, die sie sehr gut kannte, denn Emily hatte oft die Kinder gehütet, wenn Not am Mann gewesen war. »Sie war ein sehr liebes Mädchen.« »Ja, die Emily war wirklich nett«, bestätigten jetzt auch Danny, Felix und Anneka, »da hatten wir immer was zu lachen.« »Sie hat auch jeden Spaß mitgemacht mit euch«, meinte Fee nachsichtig. Es war nie zum Schaden der Kinder gewesen. Daniel dachte auch über Emily nach, die eine schwere Neurodermitis gehabt hatte. Sie waren damals neu hierhergezogen, und Emily war einfach mal bei ihm in der Praxis erschienen, weil sie verzweifelt gewesen war. Ihre Eltern hatten davon nichts gewußt.
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Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Im Hause Norden herrschte ausgelassene Fröhlichkeit. In der letzten Herbstwoche schien der Sommer zurückgekehrt zu sein. So hatten die Nordens sich an diesem Sonntag zu einem Ausflug entschlossen. Sie hatte eine Einladung einer ehemaligen Patientin erhalten.
»Ich bin sehr gespannt auf Emily«, sagte Dr. Norden, und seine Frau Fee nickte dazu. Sie erinnerte sich gut an die junge Patientin ihres Mannes, die sie sehr gut kannte, denn Emily hatte oft die Kinder gehütet, wenn Not am Mann gewesen war. »Sie war ein sehr liebes Mädchen.«
»Ja, die Emily war wirklich nett«, bestätigten jetzt auch Danny, Felix und Anneka, »da hatten wir immer was zu lachen.«
»Sie hat auch jeden Spaß mitgemacht mit euch«, meinte Fee nachsichtig. Es war nie zum Schaden der Kinder gewesen.
Daniel dachte auch über Emily nach, die eine schwere Neurodermitis gehabt hatte. Sie waren damals neu hierhergezogen, und Emily war einfach mal bei ihm in der Praxis erschienen, weil sie verzweifelt gewesen war. Ihre Eltern hatten davon nichts gewußt. Sie hatten alles für ihre Tochter getan, sie von Klinik zu Klinik geschickt, nichts hatte geholfen. Daniel hatte es mit Tees und Naturheilmitteln versucht, aber es hatte auch nur zeitweise gewirkt.
Dann war sie eines Tages weinend in der Praxis erschienen. Ihre Mutter hatte sie ans Tote Meer schicken wollen, das solle Wunder bewirken, hatten Freunde gesagt. Emily wollte aber nicht so weit weg!
Zufällig war da gerade Fee in der Praxis gewesen und hatte das junge Mädchen zu sich nach Hause eingeladen. Sie hatte sich eingehend mit Emily unterhalten wollen. So war eine gute Bekanntschaft entstanden.
»Es war im Grunde gar nicht so schwer, herauszufinden, woran das Mädchen wirklich krankte. Man ist ja mittlerweile längst zu der Erkenntnis gekommen, daß Hautkrankheiten oftmals psychische Ursachen haben und Hautärzte mit Psychologen zusammenarbeiten sollten.«
»Warum ist Emily denn weggegangen?« fragte Anneka.
So genau wollten die Nordens das den Kindern nicht erzählen. Daniel und Fee waren der einhelligen Meinung gewesen, daß es für Emily das beste wäre, aus dem Bannkreis der dominierenden Eltern zu kommen, um sich ihrer Begabung gemäß entfalten zu können. Fee hatte ja schnell herausfinden können, daß Emily Kinder sehr mochte und auch wunderbar mit ihnen umzugehen verstand. Das war auch ihr Berufswunsch gewesen: Erzieherin. Die Eltern jedoch waren entsetzt. Ihre Tochter sollte studieren! Möglichst Chemie, denn ihr Vater hatte einen führenden Posten in der Pharmaindustrie inne.
»Sie hat eine sehr gute Stellung gefunden, auch bei Kindern. Die hatten ihre Mutter verloren, und da haben der Vater und die Großeltern eine Betreuung für sie gesucht. Jetzt haben der Vater und Emily geheiratet, weil sie sich sehr gut verstanden. So haben die Kinder wieder eine richtige Familie, und Emily ist glücklich.«
»Und sie hat keine Neurodermitis mehr«, sagte Daniel Norden beziehungsvoll.
Fee und Daniel erzählten nicht, daß sie es gewesen waren, die Emily diesen Posten vermittelt hatten. Fee hatte sich auch angeboten gehabt, mit den Eltern zu sprechen, doch das hatte Emily abgelehnt. Das wollte sie selber durchboxen, hatte sie gemeint. Und das war ihr auch gelungen.
Sie brachen am frühen Vormittag auf, Daniel, Fee und die drei Großen. Lenni stand mit den Zwillingen Jan und Désirée am Gartentor und winkte ihnen nach. Sie waren übereingekommen, daß sie solch längere Ausflüge ohne die Kleinen machten, es war für sie zu langweilig. Sie wollten auch mal Zeit haben, sich den größeren Kindern zu widmen. Lenni konnte ungestört mit den Zwillingen spielen, was die mehr genossen, als im Auto zu sitzen.
Die Familie Norden wurde von den Hollerts herzlich empfangen. Emily war wahrhaft eine schöne junge Frau geworden, rundherum glücklich. Achim Hollert besaß einen hübschen Gasthof, in dem auch Zimmer zu mieten waren. Es war sehr behaglich, Emily machte sich als Wirtin hervorragend und war bei den Gästen sehr beliebt. Auch die Eltern Holler waren noch im Betrieb, so daß sie genügend Zeit hatte, sich mit den vier Kindern, die etwa in dem Alter der Norden-Kinder waren, zu beschäftigen.
Sie bekamen ein gutes Essen vorgesetzt, und danach spielten die Kinder auf dem hauseigenen Tennisplatz ein paar Runden.
Fee und Daniel hatten Gelegenheit, sich mit Emily zu unterhalten. »Wir freuen uns, Sie so wohlauf zu sehen, Emily«, sagte Fee mit Wärme.
»Es geht mir auch blendend«, sagte diese. »Ich danke Ihnen sehr für Ihre Hilfe. Sie haben mir Rückenstärkung gegeben, daß ich meinen Weg gehen konnte und nicht einen, der mir aufgezwungen werden sollte. Ich wäre eine schlechte Chemikerin geworden.«
»Man ist immer gut, wenn man das tut, was man liebt. Wenn man sich zu etwas zwingen muß, sind das schon schlechte Voraussetzungen. Die Kinder lieben Sie, das sieht man.«
»Und ich sie«, sagte Emily weich. »Ich weiß, wohin ich gehöre und werde gebraucht. Das ist meine Erfüllung.«
»Stehen Sie mit Ihren Eltern in Verbindung?« fragte Daniel vorsichtig.
»Nur lose und an den unumgänglichen Feiertagen. Ich bin eine Enttäuschung für sie. Erst nur eine Tochter statt des gewünschten Sohnes und dann noch eine Gasthofwirtin, die dazu noch vier Kinder übernommen hat«, sagte sie spöttisch. »Das ist zuviel.«
»Jeder Mensch muß sein Leben leben, nicht das seiner Eltern«, sagte Fee. »Stehen Sie dazu.«
»Das tue ich. Ich liebe meinen Mann und bin froh, ihn gefunden zu haben.«
Daniel betrachtete die junge Frau, die wie das blühende Leben aussah, und war wieder einmal dankbar für seinen Beruf.
Sie verabschiedeten sich bald, denn das Lokal füllte sich. Emily wurde gebraucht. Die Nordens gaben aber das Versprechen, wiederzukommen.
Als sie im Auto saßen, überlegten sie, was sie noch unternehmen könnten. Das Wetter war prächtig, und die Landschaft lag in leuchtenden Farben vor ihnen.
»Hier in der Nähe ist ein See. Ich hätte mal wieder Lust auf eine kleine Segelpartie«, sagte Daniel.
»Mit fünf Personen auf einem kleinen Segelboot?« protestierte Fee. »Das ist mir zu gefährlich.«
»Bitte, Mami!« bettelten die Kinder. »Dazu hätten wir auch Lust!«
»Lieber einen Spaziergang um den See herum«, versuchte es Fee.
»Spazierengehen ist langweilig«, meinten Danny und Felix. Dafür waren sie nicht so zu haben.
»Wir können ja auch ein Ruderboot mieten. Dann rudern wir Männer unsere beiden Damen über den See. So ein Kahn ist ganz sicher.« Er wußte, daß Fee keine begeisterte Wassersportlerin war im Gegensatz zu ihren Kindern.
Damit waren dann alle einverstanden. Sie ahnten nicht, welche Aufregungen dieser Entschluß in ihr Leben bringen sollte.
So fuhren sie über die romantische Landstraße zum See hinaus. In vielfältiger Farbenpracht präsentierten sich die Laubbäume. Vom dunklen Braun über leuchtendes Rot bis zum hellsten Gelb waren die Blätter gefärbt. Man konnte selbst die Fahrt genießen; denn es herrschte wenig Verkehr. Die meisten Fahrer jagten in ihren Autos auf nüchternen Autobahnen dahin, nur darauf bedacht, schnell ihr Ziel zu erreichen. In den Bergen war schon Schnee gefallen, und dorthin zog es die unentwegten Skifahrer.
»Jetzt werden wir den See so richtig genießen können«, meinte Daniel begeistert.
»Und du brauchst nicht darauf zu achten, daß einer mitten im See herumschwimmt, Papi«, sagte Anneka.
Bald waren sie am Ziel und bald war auch ein geeignetes Ruderboot gefunden. Ein paar Stunden konnten sie gemächlich dahinrudern und die Sonne genießen. Dann kam ein kräftiger Wind auf. Unweit von ihnen war eine kleine Jolle anscheinend schon in ziemliche Schwierigkeiten geraten. Nur eine Person konnte man darin erkennen.
»Viel scheint der nicht vom Segeln zu verstehen«, meinte Danny skeptisch, »dann sollte er das lieber bleiben lassen.«
Da bekam das Boot auch schon Schlagseite.
»Mann über Bord!« schrie Felix, aber auch Daniel hatte es schon bemerkt.
»Paß auf die Kinder auf, Fee«, sagte er, streifte seine Öljacke ab, lenkte das Boot näher an die Uferstelle heran und sprang ins Wasser.
Fee Norden blieb fast das Herz stehen. Das Wasser war kalt zu dieser Jahreszeit, und dieser plötzliche Unterschied von der warmen Sonne zu dieser Kälte…
Danny und Felix waren starr vor Schreck. Sie mußten jetzt mit vereinten Kräften das Boot halten. Fee sah Daniel auf die Jolle zuschwimmen, die sich aufgerichtet hatte.
Aber da sah Danny, daß sich ein kleines Etwas an das Segel klammerte.
»Ein Kind, Mami, ein Kind!« schrie er. Vielleicht hatte der Wind diesen Aufschrei zu Daniel getragen. Er war ein paarmal getaucht, hatte aber unter Wasser nichts entdecken können. Nun fiel das Kind auch über Bord, fast in seine Arme.
Vom Ufer aus war man indessen auch aufmerksam geworden. Ein Motorboot nahte und noch ein zweites. Daniel hatte das Kind schnell zu fassen bekommen und hielt es über Wasser. Es wurde ihm von der Rettungswacht abgenommen, und er selbst wurde aus dem Wasser gezogen. »Es ist noch jemand über Bord gegangen«, brachte er mühsam hervor, aber dann galt seine Sorge wieder Fee und den Kindern.
Es war alles blitzschnell gegangen, und doch dünkte es wie eine Ewigkeit, bis sie endlich alle an Land waren. Das Kind, ein kleiner Junge, war bewußtlos, wurde aber sofort von Daniel sachgemäß behandelt.
Er mochte drei oder vier Jahre sein, war zierlich und sehr hübsch und hatte dunkles Haar.
Glücklicherweise hatte Fee immer Kleidung zum Wechseln dabei, so konnte das kleine Kerlchen in trockene Sachen gehüllt werden.
Die Suche nach dem über Bord gegangenen Erwachsenen blieb erfolglos. Jemand sagte, daß es eine Frau gewesen sei. Man hatte sie mit dem Jungen gesehen.
Daniel erklärte, daß sie das Kind in die Kinderklinik St. Joseph bringen würden. Man war erleichtert, daß sie der Rettungsmannschaft diese Pflicht abnahmen, denn hier mußte die Suche weitergehen, obgleich man kaum noch Hoffnung hatte, die Frau zu finden. Nachforschungen mußten zudem angestellt werden, ob jemand sie kannte. Woher sie kam, wohin sie gehörte, ob sie vermißt wurde.
Dr. Norden wußte, was da alles in Bewegung gesetzt werden mußte. Niemand ahnte, wie lange es dauern würde, bis sie den Namen dieser Frau erfahren sollten.
Den Vornamen des kleinen Jungen erfuhren sie noch am selben Abend.
*
Auch Daniel Norden hatte gottlob Ersatzkleidung dabei, so konnte er sich schnell umziehen. Die Kinder saßen schweigend und bedrückt im Auto. Fee hielt den kleinen Fremdling im Arm.
Auf schnellstem Weg fuhren sie zur Kinderklinik. Fee ging mit ihm hinein, sie wollte bei ihm bleiben.
»Ich fahre mit den Kindern schon nach Hause«, hatte Daniel zu seiner Frau gesagt.
»Ich nehme dann ein Taxi«, sagte sie, »und trink einen heißen Tee, mein Herz, wenn du zu Hause bist.« Dann war sie endgültig verschwunden.
Eine fahrbare Trage wurde herbeigerollt und der Junge darauf gebettet.
Für das Kind wurde bestens gesorgt. Es war kaum verletzt und wies nur ein paar Schrammen auf. Die Händchen allerdings waren steif und geschwollen, da es sich wohl sehr fest an das Boot geklammert hatte. Und einen gewaltigen Schock mußte das Kind bekommen haben.
Verstört blickte der kleine Junge um sich, als er die Augen aufschlug.
»Mami, wo ist meine Mami?« schrie er jämmerlich.
»Sag uns doch erstmal, wie du heißt«, bat Fee sanft.
»Darf nicht mit Fremden reden«, flüsterte er.
»Ich bin doch keine Fremde. Ich bin eine Freundin von deiner Mami«, erwiderte Fee aus einer Eingebung heraus. »Ich heiße Felizitas, aber alle sagen Fee zu mir.«
Vielleicht konnte sie damit sein Vertrauen erwecken.
»Felizitas?« tönte es fragend an ihr Ohr.
Der Name schien ihm geläufig zu sein, das machte sie stutzig.
»Jetzt verrätst du mir auch, wie du heißt«, sagte sie weich.
»Julian«, erwiderte er leise. »Kommt Mami jetzt?«
»Sie kann jetzt nicht kommen, Julian«, sagte Fee leise. »Sie schläft.«
Sie konnte ihm doch nicht sagen, daß seine Mutter den ewigen Schlaf schlief.
Den Beweis dafür bekamen sie auch erst am nächsten Tag. Man hatte die Ertrunkene geborgen. Es war eine blonde, sehr schlanke Frau, die einmal sehr schön gewesen sein mußte. Aber nicht erst das Wasser hatte diese Schönheit zerstört, wie die Nordens dann erfuhren.
Die Fremde hatte an Leukämie gelitten, wie bei der Obduktion festgestellt worden war.
*
Das Frühstück am nächsten Morgen fiel bei den Nordens schweigsam aus. Alle hatten schlecht geschlafen. Für die Kinder war dieses Erlebnis ein Schock gewesen, den sie so leicht nicht verwunden hatten.
»Was wird denn aus dem kleinen Jungen?« fragte Anneka schüchtern.
»Das werden wir an uns herankommen lassen«, sagte Daniel ernst. »Wir werden ihn auf keinen Fall im Stich lassen.«
Danny und Felix hatten es eilig, sie wirkten bedrückt. Daniel stand ebenfalls auf und wollte die beiden mitnehmen, Anneka hatte eine Stunde später Schule.
Lenni kam herein und brachte Pausenbrote. Sie bedachte »ihre Familie« mit langen Blicken. Sie war entsetzt gewesen, als Dr. Norden gestern mit den nassen Sachen im Arm angekommen war und hatte sich verboten, sich auszumalen, was alles hätte passieren können.
Fee kümmerte sich um ihre beiden Kleinen. Jan und Désirée quengelten herum, als spürten sie, daß die Mami sich Sorgen machte.
Lenni nahm sie mit in die Küche, um sie abzulenken. Es dauerte nicht lange, bis das Telefon läutete.
Fee wurde von Professor Richter in die Kinderklinik gerufen. Julian verlangte nach seiner Mutter und sei sonst unansprechbar. Nun aber hätte er nach »Tante Felizitas« gefragt.
Fee bewegten sorgenvolle Gedanken. Sie trat einen schweren Gang an, als sie zur Kinderklinik fuhr. Wie sollte man es dem Kind klar machen, daß seine Mutter nicht mehr zurückkommen würde? Aber jemand mußte es ihm sagen. Dann mußte man auch herausbringen, wohin dieses Kind gehörte.
Professor Richter empfing Fee mit ernster Miene. »Wir kommen nicht weiter, Fee«, sagte er.
Die Nordens und Professor Richter kannten sich lange.
Julians Augen wurden lebhafter, als Fee eintrat.
»Kann Mami immer noch nicht kommen?« fragte er.
»Nein, sie hat sich sehr erkältet, als sie ins Wasser fiel. Wie ist das denn passiert, Julian? Kannst du mir das erklären?«
Sie hatte dem Kleinen ein Plüschhündchen mitgebracht, das Anneka ganz freiwillig hergegeben hatte.
»Das ist für mich?« fragte Julian staunend, als sie es auf die Bettdecke legte.
»Ja, es ist für dich.«
Er drückte es an sich. »Mein Teddy ist ertrunken«, schluchzte er.
»Du bekommst von mir einen neuen Teddy, Julian«, sagte Fee zärtlich. »Morgen bringe ich dir einen. Sagst du mir, wie es passiert ist?«
»Ich weiß es doch nicht, Tante Felizitas.«
Sie wunderte sich, wie deutlich er sprach. Es verriet ihr, daß er aus-schließlich mit Erwachsenen gesprochen haben mußte.
»Mami war es übel«, sagte er plötzlich. »›Ich kann nicht mehr‹, hat sie gesagt. ›Halt dich fest.‹ Ich habe mich festgehalten, Tante Felizitas, wirklich.«
»Ja, du warst sehr tapfer«, sagte Fee.
»Ich hatte so Angst«, flüsterte er.
Fee setzte sich auf den Bettrand und nahm das Kind in den Arm.
»Sagst du mir, wo dein Papi ist?« fragte sie.
»Er kommt doch nicht mehr wieder. Mami hat gesagt, daß er nicht mehr zu uns kommen kann.« Er schluckte.
»Vielleicht ist er im Himmel, da treffen wir uns dann wieder. Das hat Mami auch gesagt. Ich möchte Papi gern mal sehen.«
»Hast du ihn noch nicht gesehen?« fragte Fee.
»Nein, ich war noch ganz klein, als er wegging. Ganz weit weg.« Er begann wieder zu weinen. »Du bist lieb, aber ich möchte, daß meine Mami wiederkommt«, schluchzte er. »Sie soll nicht ohne mich in den Himmel gehen.«
Fee konnte nur mit Mühe Fassung wahren. Der Junge schmiegte sich an sie. Sie streichelte ihn, und dann schlief er in ihren Armen ein. Behutsam legte sie ihn nieder. Er erwachte nicht.
Leise ging sie hinaus und zu Professor Richter. Der sah sie ernst an. »Hast du ihm die Wahrheit gesagt?«
