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Zu glauben hat sich aus der Vernunftbegabung, über die der Mensch einzig verfügt, mehr oder weniger entwickeln müssen. Sie wurde aus der allen Lebewesen gegebenen Sinneswahrnehmung „ans Licht des Tages gehoben“ und zwar dadurch, dass der Mensch begann, sich darüber Gedanken zu machen, dass sich zwar scheinbar wie zufällig alles entwickelte und aber dennoch dabei in einem Sinn gebenden, dass alles in einem zusammenhaltenden und präzise funktionierenden Gesamtgefüge sich zu ereignen schien, Anlass hierzu waren die beobachteten und sich regelmäßig und präzise wiederholenden Bewegungen der Himmelkörper. Die antiken Griechen lieferten die ersten und bis heute nachhallenden Impulse (die die Naturwissenschaft heute zu einem großen Teil unabhängig hiervon bestätigt hat). Bei ihren fortan angestellten, sich stetig vertiefenden Überlegungen „vernahmen“ sie Antworten, die sich zu einem Verständnis für das Leben auf der Erde, ja, bis hin zu gedachten Entstehungsprozessen entwickelte. Damit war man zwangsläufig im Metaphysischen, in nur zu denkenden Bereichen, im Transzendenten, angelangt, mit anderen Worten, in der Welt des Geistes, der Anaxagoras den Namen „Nous“ (im Deutschen „Vernunft“) gab, Platons „Weltseele“, sozusagen ein hinter all den Erscheinungen in der Welt wirkender Geist, der erst die Welt im Inneren zusammenhält. Zu diesen „Denkprozessen“, die sie dann „Liebe zur Weisheit“ (griech.=“philosophia“) nannten, war eine andere (nach Kant „hinzugenommene“) Wahrnehmung gefordert, die der Geisteswahrnehmung, als Synonym für Vernunftbegabung, die zwar nach den gleichen Prinzipien, wie die Sinneswahrnehmung „funktioniert“, die aber darüber hinausgeht, sozusagen da beginnt, wo die Sinneswahrnehmung endet, im Übersinnlichen, und damit hinter diesen Wahrheiten wirkt und ihr erst ihren Sinn zu geben vermag. Nun kam Jesus in diese Welt, und hat all diesen Überlegungen (neben dem bereits existierenden Schöpfungsbericht), konkrete, wahrhaftige Anschauungen gegeben, verbunden mit den den Menschen vom Ihm gegebenen Zielen, die über die Zeitlichkeit hinausragen. Dieser Band erscheint als Teil 3 einer Trilogie (Teil 1: „Evolutions-, Menschheits- und Reichsgottesgeschichte“; Teil 2: „Jesus glauben“ als Hauptteil), in der es dem Autor darum geht, den christlichen Glauben gegen einen atheistischen Mainstream in der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft zu behaupten, den Glauben an Gott
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Seitenzahl: 357
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Zu diesem Buch:
Zu glauben hat sich aus der Vernunftbegabung, über die der Mensch einzig verfügt, mehr oder weniger entwickeln müssen. Sie wurde aus der allen Lebewesen gegebenen Sinneswahrnehmung „ans Licht des Tages gehoben“ und zwar dadurch, dass der Mensch begann, sich darüber Gedanken zu machen, dass sich zwar scheinbar wie zufällig alles entwickelte und aber dennoch dabei in einem Sinn gebenden, dass alles in einem zusammenhaltenden und präzise funktionierenden Gesamtgefüge sich zu ereignen schien, Anlass hierzu waren die beobachteten und sich regelmäßig und präzise wiederholenden Bewegungen der Himmelkörper.
Die antiken Griechen lieferten die ersten und bis heute nachhallenden Impulse (die die Naturwissenschaft heute zu einem großen Teil unabhängig hiervon bestätigt hat). Bei ihren fortan angestellten, sich stetig vertiefenden Überlegungen „vernahmen“ sie Antworten, die sich zu einem Verständnis für das Leben auf der Erde, ja, bis hin zu gedachten Entstehungsprozessen entwickelte. Damit war man zwangsläufig im Metaphysischen, in nur zu denkenden Bereichen, im Transzendenten, angelangt, mit anderen Worten, in der Welt des Geistes, der Anaxagoras den Namen „Nous“ (im Deutschen „Vernunft“) gab, Platons „Weltseele“, sozusagen ein hinter all den Erscheinungen in der Welt wirkender Geist, der erst die Welt im Inneren zusammenhält. Zu diesen „Denkprozessen“, die sie dann „Liebe zur Weisheit“ (griech.=“philosophia“) nannten, war eine andere (nach Kant „hinzugenommene“) Wahrnehmung gefordert, die der Geisteswahrnehmung, als Synonym für Vernunftbegabung, die zwar nach den gleichen Prinzipien, wie die Sinneswahrnehmung „funktioniert“, die aber darüber hinausgeht, sozusagen da beginnt, wo die Sinneswahrnehmung endet, im Übersinnlichen, und damit hinter diesen Wahrheiten wirkt und ihr erst ihren Sinn zu geben vermag.
Nun kam Jesus in diese Welt, und hat all diesen Überlegungen (neben dem bereits existierenden Schöpfungsbericht), konkrete, wahrhaftige Anschauungen gegeben, verbunden mit den den Menschen vom Ihm gegebenen Zielen, die über die Zeitlichkeit hinausragen. Mit Seinem Wirken hat Er den Geist des Menschen direkt anzusprechen gesucht.
Dieser Band erscheint als Teil 3 einer Trilogie (Teil 1: „Evolutions-, Menschheits- und Reichsgottesgeschichte“; Teil 2: „Jesus glauben“ als Hauptteil), in der es dem Autor darum geht, den christlichen Glauben gegen einen atheistischen Mainstream in der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft zu behaupten, den Glauben an Gott zu rechtfertigen, unter Einbeziehung der dort gebräuchlichen Gegenargumente.
glauben, was bedeutet es?
Glaube, was bezeichnet es?
Beides hat zunächst einmal nichts,
zumindest nicht zwingend
miteinander zu tun.
Denn
zu glauben bedingt Geisteswahrnehmung
(aus der Vernunftbegabung),
Glaube bedingt Sinne-Wahrnehmung
(ein „Produkt“ des Verstandes).
Vorwort
Allgemein
Die Bedeutung des Wortes »Glauben« im AT und im NT
Abraham, Vorbild des Glaubenden
Hat der Herr Jesus uns den Begriff veranschaulicht?
Das Nikodemusgespräch (Joh. 3,1–21)
Die Welt des Geistes
Philosophensicht: Sinne-Wahrnehmung und Geisteswahrnehmung
Sinne-Wahrnehmung versus Geisteswahrnehmung
Geisteswahrnehmung aus Sinneswahrnehmung
Glaubensleben / irdisches Leben – zwei Welten – zwei getrennte Lebensbereiche?
Glauben lernen durch Üben im 1. Gebot, aus Liebe zu Gott
Die Nächstenliebe
Warum wohl soll der Mensch glauben?
Der freie Wille des Menschen
„Belege“ hierfür aus der Naturwissenschaft:
„Belege“ aus dem Zeitalter des Internet:
Prädestination, was besagt sie?
Mystik
Kleinglaube: „Mischform“ aus Sinne-Wahrnehmung und Geisteswahrnehmung
Glaube wie ein Senfkorn
Zweifel
Glaube und Vernunft
Glauben, was bedeutet es?
Glaube, was bezeichnet es?
Resümee
Die Würde des Menschen
Vorwort
Einführung
Die Würde des Menschen als Rechtsbegriff
Leben aus „Sicht“ der drei Disziplinen
Philosophie
Naturwissenschaft
Theologie
Grundprinzipien
(1) Kontinuität
(2) Urknall
(3) Relationen / Reflexionen
(4) Evolutionäre Kontinuität
(5) Entwicklung der Sinneswahrnehmung…
(6) Vom Geist getriebene Entwicklung der Menschheitsgeschichte
Resümee
Exkurs „Emil du Bois-Reymond“
Exkurs „De hominis dignitate"
Exkurs „philosophischer Kontext der evolutions-/evolutionsbiologischen/-religiösen Entwicklung“
Exkurs „Hegel und seine Philosophie der Geschichte“
Exkurs „Hirnphysio/-biologische Entwicklung des Säugers bis hin zum Menschen“
Exkurs „mathematische Naturwissenschaften“
Exkurs „Hegel und die christliche Lehre“
Exkurs „Geisteswahrnehmung“
Exkurs „Die evolutionäre Entwicklung des Gehirns“
Exkurs „Das Allgemeine und das Besondere“
Exkurs „Die Hebb´schen Gesetze zur Neuronenbildung“
Exkurs „Kant“
Exkurs „Münchhausen-Trilemma“
Epilog
Bibliographie
Vorwort zur dritten Auflage
In dieser Auflage wurde i.d.H. ein Kapitel hinzugefügt (Die Würde des Menschen), das auch als Extrakt des in den drei Bänden insgesamt zum Ausdruck kommenden Gesamtverständnisses der Schöpfung und ihres „Endzwecks“ (Hegel) angesehen werden kann.
Wie dieser Telos mit der christlichen Lehre Jesu und dem hier thematisierten Verb “glauben“ in einer ganzheitlichen Betrachtung, als einem metaphysischen System, in Verbindung zu bringen ist, die Hegel vor rd. 200 Jahren bereits angestellt hat, auch heute noch zu sehen ist, wird auf wenigen, komprimierten Seiten zur Darstellung gebracht. Hegel hat sich hierbei allerdings einen von ihm nicht so gesehenen „Systemfehler“ geleistet, mit Integration der christlichen Theologie hätte er sich Ansehen bis in die heutige Zeit für sein über das eines I. Kant hinausgehende Werk bewahrt, weil es sich als konsistent erwiesen hätte, schon damals.
04.05.15
Vorwort zur zweiten Auflage
Sie erscheint kurz nach der ersten Auflage und berücksichtigt einige als erforderlich angesehene „kosmetische Korrekturen“, inhaltlich wurden keine Anpassungen vorgenommen.
Dez. 2014
Einen Gläubigen sich mit der Definition von „glauben“ befasst zu sehen, mutet vielleicht etwas eigentümlich an. Aber als ich mir – angeregt durch Gedanken nach einem Gottesdienst – die Frage stellte, was dieser Begriff eigentlich (für mich) (auch) heute (noch) bedeutet, wurde mir zweierlei deutlich. Einmal, dass es kurioserweise gar kein „griffiges“ Wort ist, dass seine Bedeutung mit wenigen Worten prägnant zu beschreiben wäre und dann, dass mit ihm eine breite Palette von unterschiedlichsten Sinnzusammenhängen gebildet werden könnte. Je mehr man sich damit befasst, desto weitreichender werden die Berührungspunkte mit Dingen des täglichen Lebens, ohne dass es bewusst hiermit noch in Verbindung gebracht würde.
Das macht eines deutlich: kaum ein anderes Verb steht so vielfältig in Verbindung mit Dingen, die das Dasein des Menschen ausmachen, die das Charakteristische des Menschen damit beschreiben, jedenfalls mit den Augen eines Gläubigen betrachtet. Die Erkenntnis, dass der Mensch entgegen allen anderen Lebewesen, eine unantastbare Würde hat1, stellt mit diesem hier zu behandelnden Begriff einen direkten Bezug her. „Nur wer glaubt, lebt“, auf diese Kurzformel kann man die Aussagen des Herrn Jesus zum (ewigen) Leben fassen und unterstreicht damit das oben Gesagte.
Interessanterweise hat nicht einmal die Bibel einen, geschweige denn mehrere, Hinweise aufzuweisen, die uns den Begriff hinreichend erklären könnten.2 Aber ohne zu glauben ist´s unmöglich, die Bibel zu lesen, sie verstehen zu lernen, in Abwandlung des folgenden Bibelzitates. Spätestens seit dem Wirken des Herrn Jesus wird aber die Bedeutung dieses Wortes zu dem wichtigsten Charakteristikum eines christlich Gläubigen, um zu leben, ewig, worauf der Herr Jesus immer wieder hingewiesen hat.
„Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen;….“ (Hebr. 11,6) Der Schreiber hat dann doch so etwas wie eine Definition folgen lassen: „… denn wer zu Gott kommen will, der muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“3
Wenn aber der Herr Jesus „Glauben“ unbedingt erwartet, und man sich selbst dann zwangsläufig die Frage stellt, „erfülle ich diese Erwartung“, beginnen unwillkürlich die Probleme, will man zunächst einmal sich selbst die Frage aufrichtig beantworten. Die Frage lässt sich unter den oben angedeuteten Zusammenhängen dann nicht einfach mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Für sich selbst wird man gedanklich den zur Disposition stehenden Begriff mit einer individuellen Semantik füllen, um ihn mit der eigenen Grundhaltung zu konfrontieren und sich dann an einer Beantwortung versuchen.
Wenn aber bewusst ist, dass es auf die subjektive Beantwortung dabei sosehr gar nicht einmal ankommt, sondern dass doch der Herr Jesus Sein für den Gläubigen so lebenswichtiges Urteil dermaleinst fällt, findet der keine innere Ruhe mehr, der glaubt, nicht der Ungläubige, auch das kurios, zunächst einmal. Mir hat das, einmal thematisiert, keine Ruhe mehr gelassen und wollte hierzu dann Antworten finden – ohne zu wissen, worauf ich mich da einlassen sollte.
Es handelt sich dabei um den Versuch, die Welt des Geistes mit Begriffen zu beschreiben, die wir nur aus der Welt der Sinne bilden können, die wir dann mit diesen Worten formen. Philosophen haben dieser allgemeingültigen „Problematik“ das Denken überhaupt zugeschrieben4 und dass erst die Sprache „diese Dinge“ ins Bewusstsein bringt und man dann erst „damit arbeiten“, sich beschäftigen, kann. „Das Unsagbare“5 hat diese „Gelehrten-Spezies“ (Kant´s „Denker von Gewerbe“) das genannt, womit der Mensch – Dank seiner Vernunftbegabung – sich kontemplativ beschäftigen kann (der „Blick“ in die Welt des Transzendenten, des Metaphysischen, des Geistes), dann aber die Worte hierfür kaum findet.6
„Worüber man nicht sprechen kann [das Unsagbare7 ], darüber soll man schweigen.“8… und hat dann doch nicht aufgehört, darüber zu reden.
Der Herr Jesus hat oft auf die Notwendigkeit hingewiesen, zu glauben9. Interessant dabei ist, dass es wohl nicht im Mindesten einer Erklärung jeweils bedurfte, alle Angesprochenen schienen zu wissen, was der Herr Jesus meinte. Für mich ein eindeutiger Hinweis, welch kolossalen – verheerenden – Siegeszug die Sinne-Welt bis heute ermöglicht hat. In früheren Zeiten hatte man noch sehr viel mehr Zeit, kontemplativen10 Gedanken nachzugehen. Damit war dann auch noch die Frage nach Gott, nach göttlichen, glaubensbezogenen Dingen i.d.R. immer irgendwie verbunden. Ernsthaft in Gefahr geriet diese „Naturbegabung“ des Menschen erst durch die Fortentwicklung der modernen Medien11, die unsere Sinne nunmehr „voll beanspruchen“, deren Gebrauch sucht-charakteristische Züge annehmen (kann). Da bleibt dann kein (oder kaum noch) Freiraum, kaum noch Zeit, sich mit Geistesdingen zu beschäftigen. Hat Gott nicht den Freiraum mit dem Gebot schaffen wollen, den Feiertag zu heiligen, an diesem Tag zu ruhen, nicht den täglichen Dingen des Verrichtens nachzugehen?
„Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.“ (Offenbg. 3,10) Mit anderen Worten: Wer keine Zeit [Geduld] mehr aufbieten will, sich mit Glaubensdingen zu beschäftigen, ist der Versuchung [sich nur noch um die Bedürfnisbefriedigung in der Sinne-Welt zu bemühen]… erlegen. Nicht mehr zu wissen, was glauben eigentlich wirklich ist, kann ein Indiz hierfür sein, wie ich mir eingestehen muss. Die folgenden Überlegungen können dann als Versuch gewertet werden, gegenzusteuern.
Bei den Betrachtungen zum Thema „glauben“ kommt man dabei einem Phänomen auf die Spur, dass frühe Psychoanalytiker mit dem jedem Menschen gegebenen „Es“ bezeichneten. Je nachdem, wie dieses „Es“ gestaltet ist, „muss“ der Mensch glauben oder er „kann nicht“ glauben, wie er dann sagt. Mit diesem „Es“ wird der Mensch erst Persönlichkeit, nach diesem „Es“ entscheidet Gott letztlich über Wohl und Wehe eines Menschen, so lässt sich vermuten. Dieses „Es“ sucht Er zu gewinnen (bezwingen will Er dieses „Es“ nicht), bevor es zu dem Urteil kommt. Wobei der Mensch zeitlebens dieses „Es“ nicht „zu fassen“ bekommt, dieses „Es“ versteckt sich nämlich, wie schon Heraklit12 feststellte, ohne, dass dieser wohl nun schon wusste, wovon er da eigentlich sprach. Jedenfalls wird diesem „Es“ dann hier auch ein Name gegeben werden können.
1 was ja keine Erkenntnis unserer Grundgesetzväter ist, was aber durch sie eine Aufforderung zur Achtung und Mahnung erfährt, in allem Handeln, sich dieser übersinnlichen Bewertung des Menschen bewusst zu bleiben.
2 Hebr. 11,1 „taugt“ hierfür nur sehr begrenzt, gemessen an den Maßstäben, die man in unserer Zivilisation für Begriffsbestimmungen zugrunde legt.
3 Die Formulierung lässt Spielraum für den Bedeutungsinhalt
4 Das Denken kommt erst durch „festgestellte“ Unterschiede bei der Betrachtung von Dingen – einmal aus der Welt der Sinne – und zum anderen - aus der transzendenten Welt des Geistes - zustande, sie haben einen eigenen Berufsstand entwickeln lassen: den des Philosophen… und das vor bereits 2.500 Jahren.
5 Um es auszuprobieren: der Leser kann mal den Versuch unternehmen, in Worte zu fassen, worüber er vielleicht nur wenige Sekunden intensiver nachgedacht hat, und stellt fest, dass u.U. hierzu mehrere Seiten bedruckten Papiers erforderlich werden, man dafür ein Vielfaches an Zeit benötigt und man immer das Gefühl beibehält, doch nicht alles gesagt zu haben. Wittgenstein hat bei dem Versuch „gut“ zu beschreiben es dann damit belassen, zu sagen, das Gute habe außerhalb der Erde seinen Ursprung und seine eigentliche Existenz, der Mensch könne es somit nicht beschreiben.
6 „in entgegengesetzter Richtung“ (in die Welt des Geistes) ist Kommunikation ebenso „schwer“
7 wie es frühe griech. Philosophen (Platon, Aristoteles) aber auch Neuzeitliche (Nietzsche, Heidegger) deshalb das im Transzendenten „Gesehene“ zur Weitervermittlung mittels Beschreibung zu Sagende genannt haben; nicht, weil es nicht gesagt werden dürfte, sondern, weil sich nur schwer die entsprechenden Worte finden, die das zu Sagende wirklich deutlich machen (meine pragmatische Deutung); was daran liegt, dass das Denken, bzw. die hierbei zu gebrauchende Sprache, grundsätzlich metaphorisch ist (Hannah Arendt), immer jedenfalls, wenn es um kontemplative Betrachtungen in der Welt der Erscheinungen und/oder des Geistes geht.
8 Wittgenstein anstelle der Versagung eine eher zum Denken anregende Formulierung, wohlwissend, dass Gedachtes in Worte geformt werden muss, bis (empfunden) Widersprüchliches beseitigt ist. Das „Axiom der Widerspruchsfreiheit im Denken“ gebietet es. Das wusste Wittgenstein wohl, und hat damit nur – im positiven Sinn – provozieren wollen, vielleicht.
9 Mt. 8,10.13; Mt. 9,2.22.28.29: Mt. 13,58; Mt. 15,28; Mt. 17,20; Mt. 18,6; Mt. 21,21.22.25.32; Mt. 23,23; Mt. 24,23.26; Mk. 1,15; Mk. 2,5; Mk. 4,40; Mk. 5,34.36; Mk. 6,5.6; Mk. 9,-23.42; Mk. 10,52; Mk. 11,22.23.24.-28.31; Mk.13,21; Mk. 15,32; Mk. 16,14.16.17; Lk. 1,20.45; Lk. 5,20.34; Lk. 5,36; Lk. 7,9.50; Lk. 8,13.25; Lk. 8,48; Lk. 8,50; Lk. 17,6.19; Lk. 18,8.42; Lk. 20,5; Lk. 24,25; Joh. 1,7.12.50; Joh. 3,-11.12.15.16.18.36; Joh. 4,50; Joh. 5,24.-28.-38.,44.-47;Joh. 6,29.30.35.36.40.47.64.-69; Joh. 7,5.38.39.-48; Joh. 8,24.30.31.45.46; Joh. 9,35; Joh. 10,25.26.37.38; Joh. 11,15.25.26.-38.40.42; Joh. 12, 36.44.46; Joh. 13,19; Joh. 14,1.10.11.12.29; Joh. 15,-7; Joh. 16,9.27.31; Joh. 17,8.20.21; Joh. 19,35; Joh. 20,-8.29.31;
10 besinnlich, beschaulich, versonnen
11 Beginnend etwa mit dem deutschen Wirtschaftswunder, also etwa 20 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, bis heute: Fernsehen, Internet, Radio, Zeitungen/Zeitschriften, Computerspiele, heute nunmehr auch Smartphones und Tablets
12 bei ihm „physis“ genannt, womit er damit auch die Seele angesprochen hat, als Teil der Welt des Seins
Im Alltäglichen und ganz allgemein drückt man hiermit aus, dass man Sachverhalten, die uns verbal beschrieben sind (Enzyklopädien, Erzählungen, Berichte, sonstiges vermitteltes Wissen, bzw. Informationen) als wahr einstuft, obwohl sie damit allein nicht schon bewiesen sind. Bei der Beurteilung, derlei Sachverhalten Glauben zu schenken, findet nicht nur eine subjektive Einschätzung der Logik im jeweils beschriebenen Sachverhalt statt, sondern auch (mehr unbewusst) eine subjektive Einschätzung des Vortragenden, also, ob dieser »glaubwürdig« auf den Hörenden/Lesenden wirkt, weil alle diese (meist unbewussten) komplementären Aspekte für den beizumessenden Wahrheitsgehalt herangezogen werden, sozusagen als Ersatz für nicht vorhandene Beweise.
Das Wort »glauben« hat für den Gläubigen eine aber schon besondere, über die allgemeine Verwendung des Begriffs hinausgehende Bedeutung, ohne dass damit die Semantik dieses Begriffs eine andere wäre. Er kommt 257-mal in der Bibel vor.13 In fast jedem Gottesdienst lässt sich dieses Wort hören. Die Bedeutung dieses Begriffs für Gott und damit auch für die Menschen wird selbst damit aber immer noch völlig unzureichend hervorgehoben. Jedes Bibelwort, jedes Wort Gottes im Gottesdienst gesprochen, das das Verhältnis Gottes zu den Menschen anspricht, erinnernd, vertiefend, erweiternd, erläuternd, bestätigend, hinweisend, mahnend, ermunternd, usw. kann den Menschen nur über den Glauben erreichen, hierüber etwas bewirken. Weil im Glauben nicht nur das für wahr Halten Seiner Gegenwart, sondern das damit verbundene Vertrauen in Seine auf den Menschen ausgerichtete Güte, die wachsende Erkenntnis über Seinen Willen und Sein Handeln auf den Menschen bezogen, und die Zustimmung hierzu zum Ausdruck kommt14. Mit dem Begriff Glaubensweg wird der Umstand für den Glaubenden angesprochen, dass der Glaube mit den dazu spezifischen (Glaubens-) Erfahrungen den Menschen durch sein ganzes Leben begleitet und sein Verständnis um diesen Begriff entsprechend weitet, sofern man auf diesem »Weg« bleibt.
13 Wobei auffällt, dass im AT davon nur in rd. 40 Fällen zu lesen ist, das AT dabei aber 3mal so umfangreich ist, wie das NT. Das kann damit zu tun haben, dass die Gesetzeserfüllung im AT das Leben bestimmte.
14 so hat seinerzeit Büchner den Begriff zu erläutern gesucht (Erkenntnis, Vertrauen, „Beifall“)
Ein Zitat aus der Wuppertaler Studienbibel (WStB) zu dem zum Begriff Glauben Gesagte, und vielleicht bestätigt man mir hiernach, dass die damalige Semantik des Begriffs heute so kaum noch nachempfunden werden kann, obwohl doch eigentlich all das, was uns aus der Reichsgottesgeschichte in der Folge überliefert wurde, bis hin zur Apostelgeschichte15, eine Zeitspanne von fast 2000 Jahren, die Bedeutung für uns heute noch sehr viel weitreichender sein müsste:
„Die Wurzel des hebräischen Verbums für glauben, ´aman´, wird verschieden gedeutet. Die traditionelle Übersetzung lautet: fest, zuverlässig, sicher sein. In der hebräischen Aktionsart, in der ´aman´ so viel bedeutet wie „glauben“, im sogenannten Hiphil, ist bis auf ganz wenige Ausnahmen ein personenhaftes Verhältnis vorausgesetzt. Glaube ist eine Wechselbeziehung zwischen Gott und Mensch, und zwar in der Art, dass der Mensch – auch da, wo der Glaube menschliche Aktivität bedeutet, für die der Mensch verantwortlich gemacht werden kann [Glaubensforderung!] – nie derjenige ist, der die Wechselbeziehung erstmalig herstellt.“
Der Urheber des Glaubens ist immer Gott. Der Glaube des Menschen ist Antwort. Der Mensch sagt, wenn er Gott glaubt, mit allen Konsequenzen, die das für sein Denken, Fühlen und Leben hat, zu Gott: „Amen“. SO SEI ES! Glauben im AT ist eine Gottesbeziehung, die den ganzen Menschen in der Gesamtheit seines äußeren Verhältnisses und seines Innenlebens umfasst.“
15 Die Schreiben der Apostel Paulus, Johannes, Petrus, Jakobus formulieren mehr einen Glauben auf Basis des von Jesus geforderten Glaubens, die Offenbarung stellt in dieser Hinsicht einen Sonderfall dar: sie beschreibt eingangs Begebenheiten unmittelbar vor, während und nach Gründung des Neuen Bundes, sowie deren Ende aus der Welt des Geistes, die vom Menschen nur mit seinem Glauben erfasst werden kann, glauben hierfür vorausgesetzt ist.
„Ohne Glauben ist´s unmöglich, Gott zu gefallen.“ (Hebr. 11,6)
„Abram glaubte dem HERRN und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit.“ (1. Mo. 15,6)
Glauben bedeutet wohl zunächst einmal das gewollte für wahr Halten der Allmacht, Allwissenheit, Allgegenwart Gottes, aus dem Unbewussten, Transzendenten16 heraus (Rö. 1,20). Die Allmacht Gottes fühlend, oder „von einer inneren Stimme her“17 ins Bewusstsein dringend. Und so stelle ich mir das auch bei einem Abram/Abraham vor. Er hatte ja buchstäblich nichts, auf das er sich in Glaubenshinsicht außer seinen eigenen Glaubens-erfahrungen beziehen konnte18, er hatte nur dieses eine sichere Gefühl an einen transzendenten, allmächtigen, gütigen Gott. Er glaubte diesen, seinen inneren Regungen hierzu.
Das eben von Abram in 1. Mo. 15,6 Gesagte folgte auf die Verheißung, die Gott dem Hoffnungslosen, weil kinderlosen (der Herr Jesus hat diese Einstellung fast in einem Nebensatz nachhaltig korrigiert, siehe Mt. 22,24ff), gegeben hatte, nämlich, dass seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel würden19.
16 a) das jenseits der Erfahrung, des Gegenständlichen Liegende; Jenseits; b) (philos.) das Überschreiten der Grenzen der Erfahrung, des Bewusstseins, des Diesseits; Duden - Das Fremdwörterbuch;
17 was damit nicht heißen soll, dass zu dem Glaubenden immer eine innere Stimme spricht
18 im Gegensatz zum Volk Israel, zu uns Menschen heute
19 er war zudem immerhin in einem Alter, in dem keine Nachkommen mehr zu erwarten waren, beides ließ doch eigentlich die Verheißung als unglaubwürdig erscheinen und deshalb wurde sein Verhalten hierzu biblisch als vorbildlich besonders hervorgehoben.
Vielleicht hilft es auch, einmal zu sehen, wie der Herr Jesus es uns Menschen ganz einfach machen wollte, Glauben zu erklären:
„Wahrlich, wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Luk. 18,17)… weil er nicht den rechten Glauben aufweist
Kinder, die, mit den Augen der Erwachsenen besehen, von nichts etwas wissen und dennoch leben können in dieser Welt. Weil die Eltern den Kindern das vermitteln, was sie für ihr Leben wissen müssen und auch darüber hinaus die notwendigen Hilfestellungen leisten. Kinder sind aber – bis zu einem gewissen Alter – nicht in der Lage, die Aussagen der Eltern auf den Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Sie haben noch keine konkurrierenden Lebenserfahrungen, kein mit den Aussagen der Eltern konkurrierendes Wissen, im frühen Stadium zumindest. Sie nehmen die Erklärungen der Eltern an, handeln danach und machen damit (doch meistens) ihre die Aussagen der Eltern bestätigenden (guten) Lebenserfahrungen, genauso wie sie negative Lebenserfahrungen (oft) sammeln, wenn sie diesen nicht Glauben schenken und entsprechend anders handeln (bspw. der Griff auf die gestromte Herdplatte).
Diese Lebenserfahrungen stellen sich ein, ohne dass sie um die Zusammenhänge schon jeweils wüssten. Sie könnten nicht erklären, warum das im Einzelfall so ist. Warum der Erfolg nach Befolgen der Ratschläge sich einstellt, sie wissen nur, dass er sich einstellt. Je zutreffender die Ratschläge der Eltern, verbunden mit dem Willen des Kindes, danach zu tun, desto sicherer stellt sich ein Vertrauen mehr und mehr ein, neben der Tatsache, dass im Laufe der Zeit auch die Erkenntnisse zunehmen.
Je weniger Erkenntnisse/Wissen das Kind in einem Stadium der Entwicklung besitzt, desto größer müssen der Glaube an die Liebe zu ihm und der Glaube um das Wissen der Eltern sein. Und eben wohl deshalb hat der Herr Jesus das idealtypische Bild des Kindes zum Verständnis des rechten Glaubens an Ihn, unseren himmlischen Vater, als Vorbild genannt. (Für Gott gilt das idealtypische Bild der Eltern in vollkommener – tatsächlicher - Weise!) Hinzu kommt der Umstand, dass darüber hinaus die Eltern ihre Kinder beschützen, ihnen das geben, was sie benötigen, dass sie immer für sie da sind, und dass sie sich immer vor ihre Kinder stellen (gegen verbale bis hin zu physischen Angriffen auf ihre Person).
Das alles zusammengenommen lässt bei dem Kind den Eindruck entstehen, meine Eltern wissen alles, sie können alles, und ich kann in allen meinen Belangen und Nöten zu ihnen kommen, sie helfen mir, weil sie mir uneingeschränkt Gutes tun wollen.
Noch ein Aspekt, der, meine ich, dazugehört: Wenn die Kinder durch die liebende Fürsorge der Eltern ihre Umwelt so kennenlernen, wächst aus dem Vertrauen auf die (bei Eltern scheinbare) Allmacht und Güte der Eltern heraus das Kind zunächst völlig arglos heran. Als Reflex dieser Erfahrungen begegnet es auch anderen Menschen mit der Güte, mit der ihm die Eltern begegnen, zumindest bis zu ersten bewussten gegenteiligen Erfahrungen.
Je ungefärbter, ungetrübter diese Haltung der Kinder zu ihren Eltern und damit auch zu ihrer Umwelt zum Ausdruck kommt, desto eher hat es wohl den Herrn Jesus bewogen, diese vorbildhaft in die Mitte der Menschen (auch Seiner Jünger) als Zeichen rechten Glaubens zu stellen.
So idealtypisch und oft so fern das von der heutigen Realität des menschlichen Daseins ist, muss man sich doch die Beweggründe für Sein Handeln, rechten Glauben zu demonstrieren, so wohl vorstellen.
Denn genau das charakterisiert die Haltung des uneingeschränkt an Gott Glaubenden.
Und auch genau diese Einstellung des Menschen zu Gott, wünscht sich Gott, soweit das für uns Menschen nachvollziehbar sein kann.
Der Herr Jesus führt bei Seinem ersten Aufenthalt in Jerusalem ein grundlegendes Gespräch mit einem Pharisäer, Mitglied des Hohen Rates, dem Jesus offener entgegentritt, als bei späteren Begegnungen mit Anhängern dieser Schule. Das mag an Nikodemus selbst gelegen haben und/oder an der erst beginnenden Konfrontation mit dem Pharisäertum im Rahmen Seiner Lehrtätigkeit.
Nikodemus kam zu Ihm, und brachte zum Ausdruck, dass er Ihn wegen Seiner Zeichen als Rabbi und von Gott gesandt anerkennt. Jesus kommt „ohne Umschweife“ - womöglich hat Johannes den Dialog verkürzt wiedergegeben – zum Kern Seiner Mission, wonach Ihn ansonsten Nikodemus sicher gefragt hätte, es dürfte der Grund für sein Kommen gewesen sein.
Der Kern ist, an Jesus als den Retter, Heiland, als den verheißenen Messias des Volkes Israel zu glauben. Und gleichzeitig bringt Er zum Ausdruck, was Er damit zunächst einmal meint. Das Gespräch findet noch vor dem Hintergrund statt, dass Jesus zur Rettung der Juden auf die Erde gesandt wurde, mit ihnen den Neuen Bund zu gründen (Mt. 15,24; u.a. Jer. 31,31f.; Hes. 36,25–27)20. Das Volk Israel war abtrünnig von ihrem Gott geworden (Jes. 53,5), Schuld lag auf dem Volk als Ganzes. Jesus verglich diese Schuld mit der Wirkung eines Schlangenbisses (V.14), dessen Gift unweigerlich zum Tod führt, wenn nicht ein Wunder geschieht. Jesus spannte in diesem Gespräch den Bogen bis hin zu Mose, dem während der Wüstenwanderung von Gott ein Hinweis gegeben wurde, wie die Israeliten sich – nach Ungehorsam/Unmutsäußerungen (V.5) - vor den Folgen von Schlangenbissen retten konnten (4. Mo. 21,4f.): indem man die von Mose auf Geheiß Gottes an einer Stange hoch aufgerichtete eiserne Schlange [im Glauben an die damit verbundene Rettung!] ansah, der sollte nicht sterben.
Jesus zeichnete hier eine Parallele zu Seinem Kreuzestod21 (V. 14–15), was ein Einsehen voraussetzt, dass der „Schlangenbiss der Abtrünnigkeit“ in ihrem Blut wirkte. Vielmehr aber erhofften sich die Juden den Gesalbten, Messias, einen König, der sie vom Joch der Römer befreien würde, um ein neues (irdisches, einem mit den Zeiten Davids vergleichbares) Königreich aufzurichten.
Und deshalb wohl lenkte der Herr Jesus das Gespräch in der uns vorliegenden Weise. Eine Errettung erstreben, ist nur von dem zu erwarten, der sich in Gefahr wähnt (das ewige Leben bei Gott zu verlieren). Das aber setzte die von Johannes dem Täufer eingeforderte Einsicht voraus, sich von Gott abgewandt und fremden Göttern zugewandt zu haben, es setzt Bußfertigkeit voraus, darauf zielte die Lehrtätigkeit des Johannes des Täufers22, auf eine völlige „Erneuerung der Seele“, die Jesus von Seinem „Vorläufer“ aufgriff und weiter konkretisierte: von neuem geboren werden aus Wasser23 und Geist24. Mit dem im Glauben Rettung, Heil suchenden „Schauen25 auf [den am Kreuz erhöhten] Jesus“ kommt die Erneuerung der Seele, die Wiedergeburt aus Wasser und Geist zum Ausdruck, hiermit wird der Wille bekundet, künftig „anders zu leben“. Die Taufe versinnbildlicht es: einmal in der (Ab-)„Waschung“ von den anhaftenden, begangenen Sünden26 und dem Tod27 und Auferstehen28.
Das hat dann die entsprechenden Folgen, die der Herr Jesus dann auch anspricht. Plötzlich hört man dann, „Regungen aus der Welt des Geistes“, vernimmt die Nähe Gottes wieder29 (Joh. 14,21.23)30.
So dürfte das Jesuwort zu verstehen sein: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh. 3,8) Im ersten Buch Mose wird auch in dem Kapitel 3 und Vers 8 (wie hier im Johannesevangelium) von einer Begebenheit im Paradies berichtet, die die Jesuworte verstehen lassen. Mit dem hier angesprochenen Wind ist Gott gemeint, den man hören kann, wie seinerzeit die ersten Menschen im Paradies (1. Mo. 3,8), nur, seitdem der Odem Gottes nicht mehr dauerhaft im Menschen blieb (wie Gott angekündigt hatte, nach den Sünden der Menschen zur Zeit Noah´s31), „weiß man nicht mehr, woher Gott (wenn Er sich an den einzelnen Menschen wendet) kommt“, und Er kommt, wann und wo Er will. Das aber erfährt nur der, der aus „dem Geist (wieder-)geboren“ ist (V.8), der sich nunmehr (wieder) Gott zuwendet, sich von fremden Göttern bewusst abwendet und so ein ganz neues Leben führt. Ein Simeon ist davon ein beredtes Beispiel, der die Stimme Gottes noch erfuhr, der auf Anregung des Geistes Gottes in den Tempel ging (Lk. 2,27), und dort dann auch den Heiland sehen durfte, wie es ihm Gott verheißen hatte (Lk. 2,26; als er ein andermal mit Simeon sprach).
Gott hatte wohl gehofft, dass die Zahl derer, die im Volk Israel dem Neuen Bund beiträten, überwiegend wäre (Hes. 36,25–26). Der Herr Jesus hätte Anlass sein sollen, ein neues Herz und einen neuen Geist in sich zu tragen, dem dann Sein Geist hinzugegeben werden könnte.
Mit der Versiegelung mit dem Heiligen Geist, trifft V.8 dann nicht mehr zu. Das Gespräch kann mit Gott gesucht werden, Er ist „alle Tage bei…[dem mit dem Heiligen Geist Versiegelten]32“.
Wie die Erneuerung des Geistes „aussieht“ zeigt sich bei dem Gläubigen (siehe ´Herzenseinstellung´ unter „Glauben, was bedeutet es?“)
In dem Gespräch hat der Herr Jesus auch erläutert, warum nicht alle zu Ihm kämen33 (V.17ff.), vielleicht in Vorahnung der im Volk Israel gezeigten Reaktionen. In Joh. 6 kommt zum Ausdruck, dass Gott nicht allen Menschen Zutritt zum Neuen Bund gestattet (V.44), wen Gott aber hinzukommen lasse, den würde Jesus nicht „hinausstoßen“ (V.37).
20 siehe in „Jesus glauben“ unter „I. Der Neue Bund von Jesus gegründet“
21 der dann eine andere Entwicklung nahm, weil die Juden, das Volk als Ganzes, eben nicht bei Jesus Rettung, Heil suchten (Mt. 21,43f. u.a.)
22 Luk 3ff.; Matth. 3ff.
23 in Anlehnung an die ursprünglich von den frommen Pharisäern ins Leben gerufenen „Ritualbäder“ (Mikweh), von den Essenern, von Johannes d. Täufer „wiederbelebt“, ein Abwaschen der Verunreinigung durch den Kontakt mit fremden Göttern (in der Sinneswahrnehmung), den Sünden, die hieraus resultieren.
24 hiermit geht der Herr Jesus weiter als Joh. d. T. in seiner Erklärung, was eine „Erneuerung der Seele“ bedeute, er dehnt sie auch auf die Geisteswahrnehmung aus (analog der Sinneswahrnehmung); der geistige Kontakt mit fremden Göttern, die damit verbundene Abkehr von ihrem Gott sollte sich grundlegend ändern, ein somit „von neuem geboren werden“, sich bußfertig neu hineinfinden, sozusagen „ein ganz anderer Mensch werdend“ (als anderes Wort für „von neuem geboren werden“). Es ist hier wohl nicht, wie allgemein gedeutet, von der Empfangnahme des Heiligen Geistes gesprochen. Die hier angesprochene Erneuerung war aber Voraussetzung hierfür. Denn, wenn hier der Heilige Geist angesprochen wäre, hätte der Herr Jesus Nikodemus nicht den Vorwurf gemacht, Ihn im V.8 nicht verstanden zu haben; Simeon hätte Jesus sicher verstanden.
25 und Seinen Rat [Jesulehre] zur Rettung der Seele befolgend
26 die ja i.d.R., zumindest doch in „Überzahl“ gar nicht mehr erinnert werden, nur der der Gesinnung anhaftende „Schmutz ist geblieben“
27 in den damaligen Taufhandlungen war ein Untertauchen im Jordan und ein sich wieder Erheben aus der Flut verbunden (und somit symbolisch für Tod und Auferstehung), Röm. 6,4
28 damit das Auferstehen „zu neuem Leben“ gelingen kann, muss der Wille des Täuflings hierzu „in ihm stehen“, muss also Ausdruck seines Geistes, seiner Herzensgedanken, sein. So schafft dann die Wiedergeburt aus dem Wasser eine Bereinigung des „Background“ (der Vergangenheit), wonach man sich „wie neu geboren“ fühlt, mit der „Wiedergeburt des Geistes“ ist man dann [gefühlt] ein „ganz anderer Mensch“. Damit das für die Zukunft gelingen kann, muss unterstützend, bewahrend, fördernd mit der Versiegelung der Heilige Geist hinzukommen.
29 die vorher womöglich vom eigenen Geist „überhört“, ignoriert, umgedeutet wurden, sofern Gott überhaupt sich an ihn gewandt haben sollte
30 nicht „von ungefähr“ erwähnt Ap. Johannes gleich nach dieser Gesprächswiedergabe die Taufhandlung der Jünger Jesu
31 1. Mo. 6,3f.
32 Mt. 28,20
33 bzw. später zu Seinen von Ihm Gesandten, den Aposteln, Geistesträger und „Geistesspender“; Gott wollte also in der auf dem Felsenamt gründenden „Kirche des Neuen Bundes“ einen verlässlich und dauerhaft (in Seinen Gesandten) tätigen Geist (und nicht nur „wo und wann Er will“) sich hören lassen und Seinen Willen verkünden (Mt. 28,20).
Hiermit ist eine Sphäre angesprochen, die der Mensch nicht mit seinen Sinnen wahrnehmen kann. Und nach Kant kann der Mensch nicht von Wahrheiten sprechen, wenn er Sachverhalte, die es zu beschreiben gilt, nicht in Augenschein genommen hat. Bei allen anderen Wahrnehmungen könne der Mensch Täuschungen unterliegen, das gilt dann schon für alle anderen Sinne-Wahrnehmungen, aber eben im Besonderen für das Transzendente, Metaphysische34, wozu Kant sagte: „Es kann nicht erkannt, aber es muss gedacht werden.35“ Wenn wir Dinge aus diesem „Bereich“ für wahr annehmen, können wir schon nach Kant, nur von glauben, eben nicht wissen sprechen und wir müssen es dahingestellt sein lassen, ob es sich dabei um Wahrheit handelt oder eben nicht. Ausgangspunkt aller Wahrheiten, die wir in der natürlichen Schöpfung „zur Kenntnis“ nehmen, das darüber hinausgehende (Metaphysik) ist aber nach Kant erst die „absolute Wahrheit“. Alle unsere Wahrheiten haben demnach ihren Ursprung in einer Sphäre, der Welt des Geistes, der nicht sichtbaren Schöpfung, denen wir als Menschen nicht mit unserem Verstand auf den Grund gehen können. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh. 20,29) Der Herr Jesus hat das auf das, was Er lehrte, bezogen. Was den tieferen Sinn dieser Aussage anbelangt, soll ja gerade in dieser Abfassung herausgearbeitet werden.
Der Glaube ist damit nichts, wonach mit »Standard-Werkzeugen« wissenschaftlichen Arbeitens auf den Grund zu kommen wäre. Er entzieht sich dem Verstand (als der Summe unserer katalogisierten Erkenntnisse aus der Sinne-Wahrnehmung, wie sinngemäß ein Goethe ´Wahrheit´ bezeichnete). Gott wollte nicht, dass man sich von Ihm ein Bild(nis) macht, Ihn in die Sinnes-Welt hineinbringt (2. Mo. 20,4; Jes. 40,18–26). Der ganze Götterkult, wie er in der Bibel zahlreich beschrieben ist, hat wohl diesen Hintergrund. Das goldene Kalb war ihm ein Gräuel (5. Mo. 27,15, 2. Mo. 32,35).
Das heißt nicht, dass einzig Gott die Geisteswelt repräsentiert, nein, es ist eine „eigene Welt“, wovon uns Vieles in der Heiligen Schrift berichtet wird. Es wird berichtet, dass Gott mit einem Mose sprach, als „Auftakt“ das Erlebnis mit dem brennenden Dornbusch (2. Mo. 3,2ff), „der plötzlich zu ihm sprach“, ihm sich ´vorstellte´ und sagte, womit Er ihn beauftragt. In der Folge hat Gott oft mit ihm gesprochen, Anweisungen gegeben für die Führung des auserwählten Volkes aus Ägypten nach Kanaan. Von Begegnungen einzelner Juden mit „geistigen“ Wesen ist oft berichtet (Abraham -1. Mo. 18,1–11 -, Gideon –Ri. 6,22-, Jakob 1. Mo. 28,10ff-, Elisa und sein Knecht Gehasi -2. Kö. 6,17-, Daniel –Dan. 10,5;13ff-, Tobias -12,17ff-, Dämonenaustreibungen des Herrn Jesus; Jesus mit den drei Jüngern auf dem Berg der Verklärung –Mt. 17,2ff, Jesus zeigt sich im Auferstehungsleib -Joh. 20,16 -, Saulus –Apg. 9,3ff - u.a.m.). Hier wurde in Einzelfällen die Geisteswelt sichtbar für Menschen. Es ist vielfach von „Visionen“ berichtet, in denen gläubige Menschen „übernatürliche“ Dinge „sahen“ (Elisa, als Elia „entrückt“ wurde -2. Kön. 2,11-, Hesekiel, Johannes mit der ihm gegebenen Offenbarung, u.a.m.). Es wird uns berichtet von Weissagungen, in denen Menschen Wissen um Geschehen in der Zukunft „vermittelt“ wurde (Jesaja, Jeremia, u.a.m.), es wurde ihnen „im Geiste“ gesagt, nicht im Rahmen einer Unterhaltung mit jemandem. Es ist von dem Pfingstgeschehen nach der Himmelfahrt Jesu berichtet, nachdem der Geist Gottes „auf sie fiel“, dass sie Dinge sagen „mussten“, die ihnen „eingegeben“ wurden, sie wussten wohl gar nicht mal, was sie sagten, denn sie sprachen in „fremden Zungen“, verständlich nur für die, deren Muttersprache es jeweils war.
Dies alles sind Dinge, die sich nicht nur vor vielen Jahrhunderten erleben ließen, auch heute gibt es Erleben aus der Geisteswelt. Ein Beispiel aus der Gegenwart: Meine Mutter berichtete mir, als sie während einer schweren Krankheit im Krankenhaus lag, dass sie erlebte, wie ihre Eltern (beide seit Jahren „im Jenseits“, „in der Ewigkeit“, wie wir formulieren) sie aufsuchten, sich an ihr Bett setzten und sich mit ihr (auch über die Zukunft) unterhielten. Nie vorher und nie nachher hat meine Mutter derlei Dinge erlebt, zumindest mir nicht berichtet.
Vor etlichen Jahren berichtete mir ein junger Mann angsterfüllt und sensationsbegeistert von Ritualen und Erlebnissen bei Totenbefragungen. Die Bibel berichtet uns auch das, Saul war bei der Wahrsagerin zu Endor36 um sie zu befragen.
Es ist so, dass eine Vielzahl von übersinnlichen Wahrnehmungen zu erfahren sind - wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind -, die deshalb nicht unbedingt mit dem Glauben und direkt mit Gott zu tun haben müssen, vordergründig37. Es kommt damit lediglich zum Ausdruck, dass es neben der materiellen Schöpfung (das, was eben mit den Sinnen wahrzunehmen ist) auch eine Geisteswelt, auch von Gott geschaffen, existiert. Für den Menschen – so die (griech.) Philosophen – mit seiner Vernunftbegabung zu erfahren, zu vernehmen.
„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh. 3,8) Hier hat der Herr Jesus von Wahrnehmungen aus der Geisteswelt gesprochen.
„… denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.“ (1.Kor. 2,10) „… denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen.“ (Joh. 16,14) „Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist;…“ (Rö. 8,27) „Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden.“ (1. Kor. 2,13–14)
„Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ Eph. 6,12 zeigt dabei auf, dass die Geisteswelt zahlreiche Wesen beinhaltet, sie seien gut oder böse, denken wir an den Teufel und seinen Anhang, der hier in diesem Vers benannt ist. Oder denken wir an die Schar dienstbarer Geister Gottes, den Engeln. Wie Daniel schreibt, werden zwischen beiden Kämpfe geführt, deren Hintergrund, Ausmaß, jeweilige Ziele uns verborgen sind (Dan. 10,13; 11,1f.).
Denken wir darüber hinaus an die Möglichkeit des Menschen, Tote zu befragen, was Gott den Israeliten verboten (5.Mo. 18,10–11.) hat. Diese Welt ist unseren Sinnen verborgen. Dass aber aus dieser (jenseitigen) Welt versucht wird, Einfluss auf den (Geist des) Menschen auszuüben, davon zeugt der obige Vers (Eph. 6,12).38 Wenn man sich das vergegenwärtigt, weiß man vielleicht nicht, wie man sich orientieren soll.
Mt. 12,43–45. zeichnet ein noch eindringlicheres Bild.
„… Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.“ (Joh. 18,37)
Das Wissen um die absolute Wahrheit, dem, was allen übersinnlichen und sinnlichen Lebenserfahrungen tatsächlich zugrunde liegt, hat in der Welt des Geistes „sein zu Hause“ (Joh. 1,1–3), ist vom Menschen nicht zu erlangen, er kann es nur über des Menschen Vernunftbegabung, wozu auch das Glauben gehört – nur muss es der Mensch auch wollen - und auch nur „auszugsweise“ erfassen, wenn über Wahrnehmungen entsprechende Hinweise vermittelt werden. Denn auf diesem Gebiet ist kein Wissen im üblichen Verfahren zu erlangen: die Mittel der Wissenschaften39 reichen hierzu trotz allem Fortschritt auf vielfältigen Gebieten auch in der heutigen Zeit nicht aus, denn diese Wahrheiten liegen außerhalb unserer sinnlichen Wahrnehmung, die Basis für alles naturwissenschaftliche Arbeiten ist.
Das hat im Laufe der Zeit immer mehr dazu geführt, dass „zu glauben“ unmodern wurde. Etwas, das nicht sichtbar ist, nicht sichtbar gemacht (und da gibt es heute „schon jede Menge“, das man sich vor einigen Jahren noch gar nicht vorstellen konnte), nicht gemessen, und letztlich damit nicht nachgewiesen werden kann, wurde ins Reich der Phantasie, der Fiktion, der Träumerei eingeordnet. Jemand der „gesteht“, an diese Dinge „zu glauben“ kann dann sehr schnell als Phantast, Träumer, Spinner „abgestempelt“ werden. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass das Wort „glauben“ heute einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat als noch bei den Juden im AT: fest, zuverlässig, sicher sein. Umgangssprachlich meint man heute gerade das Gegenteil, auch, wenn wir heute wieder eine Umkehr erleben, den Eintritt in eine „post-atheistische“ Ära, wie es jemand genannt hat. Davon zeugt zum Beispiel auch die große Aufmerksamkeit, die der Papst (Benedikt XVI., 2011) während seines Besuches in Deutschland (und zuvor in Spanien, England) erfahren hatte und davon zeugten vielmehr noch die Kommentare in den Zeitungen.
„… der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“ (5.Mo. 8,3 Mt. 4,4) Hat der Herr Jesus hier nicht die „zwei Welten“ angesprochen, in denen der Mensch lebt? Die Welt der Sinne (sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen; gemeint ist auch der Verstand, der sich aus all den Sinneseindrücken „fortbildet“, speichert, assoziiert, „lernt“) und die Welt des Geistes, die eben nicht mit den Sinnen zu erfahren ist. Hierzu hat Gott den Menschen eine andere Wahrnehmung gegeben. „Meine Schafe hören meine Stimme,…“ (Joh. 10,27) „Gott ist Geist und die anbeten müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh. 4,24) Ich komme auf diese beiden Bibelzitate hin und wieder im Folgenden zurück. Jedenfalls sind wir hiermit „mitten in der Welt des Geistes“.
35 Sein Zeitgenosse Hegel, der Kant nur bedingt folgen wollte, hat seine These (nächstes Kapitel) sicher als Kontrapunkt (genau genommen als wichtige, erst hiermit sinngebende Ergänzung als ein „Endzweck“ der Schöpfung) hierzu formuliert. Kant sah den „Endzweck“ der Menschheit schon im Frieden auf Erden zu leben. Wohl ein Hinweis, dass dieser zur Abkehr vom „spekulativen“ Glauben riet, Hegel suchte ihn zu rechtfertigen.
36 1. Sam. 28,7; 1. Chr. 10,13
37 weil ja alles mit Gott zu tun hat, Er hat alles geschaffen
38 Lk 22,31; 1. Petr.5, 8 unterstreichen dies
39 techn. Gerätschaften, dialektische Analyseverfahren, in Büchern konserviertes errungenes Wissen um Zusammenhänge
Und weil der Begriff so sehr mit dem Leben des Menschen – gewollt und bewusst oder ungewollt/unbewusst - verbunden ist, haben sich natürlich auch die Philosophen hiermit beschäftigt:
„Der Glaube ist das Erkennen des Geistes durch Geist.“ (Hegel)
Wobei schon das Wort „Erkennen/Erkenntnis“ ein von Philosophen geprägtes ist. Es meint eigentlich das Verstehen von Sachverhalten aus der Sinne-Wahrnehmung. Da nun aber der (Gott-) Glaube eben nicht über die Sinne-Wahrnehmung zu erfahren ist, und damit zu beweisen wäre, formulierte der Schreiber des Hebräer-Briefes mit seiner Definition dieses Phänomen40. Es wird damit notwendig, zu erklären, wie dieses »Erkennen« denn gemeint sein kann, wenn dem nicht mit fühlen, riechen, schmecken, sehen, hören41 »beizukommen« ist.
Gerade das macht die Hegel-Formulierung so reizvoll, sich damit zu beschäftigen, gerade weil sie so zunächst unverständlich, widersprüchlich und unzureichend klingt.
Einmal ist hiermit ausgedrückt, dass es sich um Dinge handelt, die mit unserer Sinne-Wahrnehmung nicht zu erfahren, zu verstehen sind. Bei einem Glauben an den Herrn Jesus können wir vom Verstand her (auch) nur an seine Wirklichkeit (Seine historische Gestalt) »glauben«. Wir können »glauben«, dass Gott die Welt, die Schöpfung, geschaffen hat, weil wir es vom Verstand her für unmöglich halten, dass alle diese Zusammenhänge, das Zusammenwirken, von selbst entstanden sein könnten.42 Schon dann glaubt der Mensch an Gott.43
Gott wie auch Sein Sohn fordern aber einen darüber hinausgehenden Glauben (weil hiermit erst ein Anfang gemacht ist), und eben der hat mit dem »Übersinnlichen«, der Transzendenz, dem Metaphysischen oder der Geisteswelt zu tun. Ap. Paulus deutet das an (Rö. 1,20ff).
Mit der übersinnlichen Wahrnehmung, die Philosophen/Anthropologen sprechen von der »Vernunftbegabung«, über sie lässt sich der Glaube als dessen Teilaspekt erfahren und mit besonderem Leben füllen:
Als das Volk Israel aus Ägypten auszog, wurde ihm von Mose gesagt, dass Gott (wie Er diesem offenbarte) tagsüber in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule vorangehen wollte. Die Sinne haben das wahrgenommen, darin Gott zu »sehen« bedurfte es aber der übersinnlichen Wahrnehmung, wenn sie über die bloße Sinne-Wahrnehmung hinausgehen sollte44. Wir haben aus der Bibel nur eine Beschreibung hierfür: Mit dem Herzen solches (Übersinnliches/Transzendenz) zu empfinden, wie es sinngemäß dann heißt.
