Glück zum Frühstück - Maisey Yates - E-Book

Glück zum Frühstück E-Book

Maisey Yates

4,4
8,99 €

Beschreibung

Rückkehr mit Hindernissen Als Sadie Miller sich nach zehn Jahren das erste Mal auf den Weg in ihre Heimatstadt macht, kann sie ihr Pech kaum fassen: Noch bevor sie überhaupt in Copper Ridge ankommt, trifft sie auf Deputy Eli Garret, der sie wegen der Exzesse ihrer wilden Jugend nicht in guter Erinnerung hat. Eli ist von Sadies Rückkehr tatsächlich alles andere als begeistert und noch weniger davon, dass sie ein Bed & Breakfast auf seinem Familiengrundstück eröffnen möchte. Allerdings kann er so rund um die Uhr ein Auge auf die Frau haben, der schon immer sein Herz gehört hat ...

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

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Anmerkung der Autorin

Danksagung

Die Autorin

Die Romane von Maisey Yates bei LYX

Impressum

MAISEY YATES

Glück zum

Frühstück

Roman

Ins Deutsche übertragen

von Antje Althans

Zu diesem Buch

Sadie Miller kann ihr Pech kaum fassen: Kurz vor ihrer Heimatstadt gibt ihr Auto den Geist auf und bleibt am Straßenrand liegen. Copper Ridge scheint sie einfach nicht zurückhaben zu wollen! Als dann auch noch der attraktive Polizist Eli Garret anhält, um ihr zu helfen, möchte sie am liebsten sofort wieder umkehren. Denn Eli hatte Sadie in ihrer wilden Jugend einmal wegen Brandstiftung festgenommen. Obwohl sich der Brand als Unfall entpuppte, hat Eli sie deshalb ganz sicher nicht in guter Erinnerung. Eli ist von Sadies Rückkehr tatsächlich alles andere als begeistert und noch weniger davon, dass sie ein Bed & Breakfast auf seinem Familiengrundstück eröffnen möchte. Eigentlich hat er mit dem Wahlkampf für den Posten des Sheriffs jede Menge zu tun, doch er kennt Sadie gut genug, um zu wissen, dass er sie keine Sekunde aus den Augen lassen darf, wenn er Copper Ridge vor verheerenden Katastrophen bewahren will. Widerwillig stimmt er zu, Sadie bei den Renovierungsarbeiten am Bed & Breakfast zu helfen. Schließlich will er nur zu gern glauben, dass sich der chaotische Wirbelwind zu einer verantwortungsbewussten jungen Frau entwickelt hat. Und je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto stärker merken beide, dass die alten Wunden über die Jahre geheilt sind und es für die Liebe vielleicht doch noch nicht zu spät ist …

Für Haven. Ich habe dir schon viele Bücher gewidmet, doch du hast es auch wirklich verdient. Du bist der Grund, dass ich überhaupt etwas zuwege bringe, und auch der Grund dafür, dass ich an die Liebe und an ein Happy End glaube.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich dich habe.

1

Wer auch immer einmal gesagt hat, man könne nie nach Hause zurückkehren, war noch nie in Copper Ridge. Das Städtchen hatte sich nicht verändert. Weder in den zehn Jahren, bevor Sadie Miller die Stadt verlassen hatte, noch in den zehn Jahren seither. Wahrscheinlich hätte es sich auch in den nächsten zehn Jahren nicht viel verändert.

Doch jetzt würde es sich ein wenig verändern. Die Einwohnerzahl auf dem Ortsschild würde sich um eine Person erhöhen. Man musste die Einwohnerin wieder hinzuaddieren, die subtrahiert worden war, als sie mit achtzehn weggegangen war. Und in der Stadt würde es mindestens ein Bed & Breakfast mehr geben.

Damit hatte Sadie Miller in sehr kurzer Zeit gleich zwei Veränderungen in einer unwandelbaren Landschaft zu verantworten.

Dafür verdiente sie einen Orden. Auch wenn sie bezweifelte, dass man ihr in dieser Stadt je einen Orden verleihen würde. Sie war nur die Göre aus dem Armeleuteviertel. Nicht viele Menschen würden sie mit offenen Armen empfangen.

Aber das war okay für sie. Wegen der Leute war sie nicht wieder hier. Sondern um ihrer selbst willen.

Sie hob den Blick von der Straße und schaute zum Meer, das durch die Bäume zu ihrer Linken kaum zu sehen war. Sie erinnerte sich noch gut, wie sie als Kind dorthin gelaufen war. Ein langer Marsch durch den Sand, durch Ginster und andere Stachelpflanzen, um den See herum und über die Straße.

Ein Marsch, den sie und ihre Freunde stets ohne ihre Eltern unternommen hatten. Denn das Beste daran, sich für einen Nachmittag zu verdrücken, war es gewesen, von den Eltern fortzukommen. Jedenfalls für Sadie.

Es war seltsam, etwas Vertrautes vor sich zu sehen. Sie war so viele Jahre lang immer zum nächsten Ort weitergezogen und nie irgendwohin zurückgekehrt. Niemals. Sie brach immer zu neuen Ufern auf.

Dies war das erste Mal überhaupt, dass sie an einen bekannten Ort zurückkehrte. Und sie wusste nicht so recht, wie sie das finden sollte.

Seufzend sah sie auf die Tankanzeige. Das kleine gelbe Licht erinnerte sie daran, dass sie keinen Boxenstopp mehr gemacht hatte, seit sie vor fast fünfhundert Kilometern durch Medford gefahren war. Sie würde irgendwo in der Stadt anhalten müssen, bevor sie zur Ranch hinausfuhr. Wo sich die Garrett-Ranch genau befand, wusste sie nicht, nur, dass sie am Stadtrand von Copper Ridge lag.

Sie war noch nie zuvor auf das Anwesen eingeladen worden.

Dass sie nun einen Betrieb auf dem Gelände gepachtet hatte, wäre ihr vielleicht sogar amüsant erschienen, wenn sie sich nicht so grässlich gefühlt und vor lauter Nervosität Bauchschmerzen gehabt hätte.

Aber sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen war vermutlich immer beängstigend. Ganz genau wusste sie das nicht, da sie ihren eigenen Dämonen jahrelang aus dem Weg gegangen war. Das hatte sich erst vor sechs Monaten geändert.

Wenn man mit Menschen arbeitete, die mit Schmerz und Verlust fertig werden mussten, hatte das immer Auswirkungen auf einen selbst – daran führte kein Weg vorbei. Doch erst eine sehr verbitterte ältere Frau hatte Sadie dazu gezwungen, über einige Dinge nachzudenken, die sie stets gemieden hatte. Die Frau hatte das Haus verloren, das sie seit den 1940er-Jahren bewohnt hatte.

»Zu Hause ist da, wo man lebt«, hatte Sadie zu ihr gesagt.

Maryann, der man aufgrund des schneeweißen Haars und der tiefen Falten in ihrem Gesicht deutlich jedes Jahrzehnt ansah, das sie auf Erden verbracht hatte, hatte sie böse angeschaut. »Zu Hause ist da, wo ich meine Kinder großgezogen habe. Wo mein Mann seinen letzten Atemzug getan hat. Außerhalb dieser Wände weiß ich nicht, wer ich bin.«

»Sie sind immer noch Sie selbst. Ich bin im Leben schon oft von einem Ort zum anderen gezogen. Meinen Kern, meine Seele, wenn Sie so wollen, nehme ich überallhin mit.«

Die Frau hatte nur abgewinkt. »Dann können Sie das gar nicht nachvollziehen. Sie sind eine Vagabundin in Ihrem eigenen Leben. Wenn Ihnen nichts und niemand wichtig ist, wie können Sie sich dann hier hinsetzen und mir weismachen wollen, die Dinge, auf die ich die letzten sechzig Jahre meines Lebens verwendet habe, wären bedeutungslos?«

Als Krisenberaterin hatte Sadie schon vielen Menschen bei der Bewältigung von Verlusten geholfen. Dem Verlust eines geliebten Menschen, einer Ehe oder oft auch eines Zuhauses. In diesem Moment war ihr jedoch klar geworden, dass all ihre Ratschläge fadenscheinig gewesen waren. Ohne Bodenhaftung. Weil sie selbst keine besaß.

Weil in ihrem Leben nichts von Dauer war. Weil für sie nichts diesen langen Nachhall und diese tiefe Bedeutung hatte wie Maryanns Zuhause für sie.

Noch nie zuvor war sie sich der Oberflächlichkeit ihres Lebens derart bewusst geworden. Nach diesem einen unverblümten Satz ihrer Patientin hatte sie ihr Leben während der vergangenen zehn Jahre plötzlich als einen dieser rollenden Büsche vor sich gesehen, die der Wind über die Steppe trieb. Während Maryanns Vergangenheit majestätisch in den Himmel ragte wie ein Mammutbaum. Gewaltig, bedeutsam. Tief verwurzelt.

Danach war sie sich auch ihrer Einsamkeit sehr bewusst geworden. Jede Freundschaft, die sie hinter sich zurückgelassen hatte, war allmählich in Vergessenheit geraten und abgestorben. Seit ihrem Umzug nach San Diego hatte sie keine neuen Freundschaften geschlossen. Und ihren letzten festen Freund Marcus hatte sie keine Sekunde vermisst, seit sie ihn aus ihrem Bett und ihrer Wohnung geworfen hatte.

Diese Erkenntnisse hatten intensive Internetrecherchen über Copper Ridge ausgelöst. Das wiederum hatte zu einer Annonce geführt, die ihr nicht mehr aus dem Kopf gegangen war.

Langfristig zu verpachten. Als Wohnsitz oder als Bed & Breakfast geeignet.

Daraufhin hatte sie ihre Ersparnisse einer Prüfung unterzogen, anhand ausführlicher Recherchen bei ähnlichen Unternehmen eine Gewinn- und Verlustschätzung durchgeführt, und bevor ihr ganz klar gewesen war, worauf sie sich einließ, hatte sie … sich festgelegt. Darauf, einen Beruf aufzugeben, für den sie länger ausgebildet worden war, als sie ihn bisher praktiziert hatte.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hatte sie sich darauf eingelassen, für längere Zeit an einem Ort zu bleiben. Und zum ersten Mal seit zehn Jahren kehrte sie an den einzigen Ort zurück, den sie je als Zuhause bezeichnet hatte.

Natürlich übermannte sie jetzt das Gefühl, geradewegs in ihr Verderben zu laufen. Was sie überhaupt nicht dramatisch fand. Schon weil sie nie ein Drama veranstaltete.

Außer wenn sie gerade ein Drama veranstaltete.

Auf dem Rücksitz machte sich Tobias, besser bekannt als Toby, mit einem wehleidigen Miauen bemerkbar. Ihr Kater hatte die gesamte Autofahrt mit wachsender Entrüstung über sich ergehen lassen. Aber wer bezahlte, der bestimmte.

»Sorry, Kumpel«, sagte sie. »Ich bin nun mal die mit den Daumen. Ich bediene den Dosenöffner. Also musst du dich an mich halten. Und wenn das heißt, dass wir die ganze Küste entlangfahren, dann fahren wir eben die ganze Küste entlang. Wenigstens habe ich nicht den Flieger genommen und dich in den Frachtraum gesteckt.« Was bei ihren vielen gemeinsamen Umzügen ab und zu unumgänglich gewesen war. Toby flog gar nicht gern.

Der Kater reagierte nicht auf ihre Beschwichtigungsversuche. Was sie im Grunde nicht überraschte. In vielerlei Hinsicht war sie viel abhängiger von ihm als er von ihr.

Sadie ließ den Blick über die immergrünen Bäume schweifen, die die Straße säumten. Es war ein sattes, samtiges Grün, das sie außerhalb von Oregon noch nirgends gesehen hatte. Kalifornien hatte Sonne und Palmen, tiefblaues Meer und Hitze zu bieten. Was auch schön war, aber auf andere Art.

In Copper Ridge gab es majestätische Berge, viele unterschiedliche Grüntöne und ein stahlgraues Meer. Dort fläzte man sich nicht im Bikini am Strand, außer man stammte von hier. Der Wind war kalt und blies einem den Sand ins Gesicht, dass man die Körner wie kleine Nadelstiche spürte.

Der Ort besaß eine ganz eigene Schönheit, so viel stand fest. Sadie hatte schon die gesamten Vereinigten Staaten bereist, vom tiefen Süden bis zur Ostküste und wieder zurück nach Westen, doch nirgends war es so gewesen wie hier. Sie hätte nie gedacht, dass sie je hierher zurückkehren würde.

Aber nun war sie hier. Und allmählich breitete sich immer mehr Furcht in ihr aus.

Als der Motor böse zu knurren begann, trat sie das Gaspedal durch, doch ihre Hoffnung, dass er wieder auf Touren kam, wurde enttäuscht.

»Scheibenkleister«, murmelte sie, während sie rechts ranfuhr. Der Motor verstummte ganz.

Das Benzin war offenbar knapper gewesen als gedacht.

Sie beugte sich vor und legte die Stirn ans Lenkrad. »Ich wusste doch, dass es schiefgeht. Diese Fahrt bringt Unglück!« Sie richtete sich wieder auf und drehte sich zu Toby um. »Sag jetzt nichts! Mach mir nicht auch noch Vorwürfe.«

Toby tat gar nichts, sondern fixierte sie nur mit seinen grünen Augen, doch sein Blick war trotz ihrer Bitte extrem anklagend. »Du bist echt mies, Kater«, maulte sie, griff nach ihrer Handtasche und tastete darin nach dem Handy.

Sie zog es heraus. Es zeigte nur einen Balken Empfang. Ja klar. Das hatte man davon, wenn man der Zivilisation Ade sagte und sich am Arsch der Welt niederließ.

Sie klopfte mit den Fingernägeln gegen die Kante des Handys und überlegte, wen sie anrufen sollte. In der Stadt kannte sie niemanden mehr. Ihre Eltern waren schon vor Ewigkeiten weggezogen, aber die hätte sie auch sonst nicht angerufen.

Zum Glück deckte ihre Versicherung auch Pannenhilfe ab, aber wie nervig!

Sie rief den Browser auf und tippte »Abschleppwagen« in die Suchmaschine ein. Dann zog sie eine Grimasse. Der kleine Kringel links oben auf dem Display drehte und drehte und drehte sich, während das Handy versuchte, lange genug ein Funksignal einzufangen, um ein paar Treffer zu melden.

»Ach, Copper Ridge, du hast mich schon einmal bezwungen. Aber diesmal nicht.« Sie ließ das Display nicht aus den Augen. Nach einer Weile knurrte sie das Handy unwirsch an, legte es auf den Beifahrersitz, beugte sich hinüber und nahm einen Stapel Papiere aus dem Handschuhfach. Immerhin hatte sie die Nummer ihrer Versicherung parat.

Irgendwo. Irgendwo hier musste die Nummer sein.

Hinter ihr klopfte jemand laut ans Fenster. Sie erschrak so, dass sie herumfuhr und die Papiere losließ, worauf sie prompt durchs Auto segelten und sich über Vorder- und Rücksitze verteilten.

Sadie betrachtete erst das Chaos und dann den Klopfer. Jenseits der Scheibe stand ein Mann in hellbrauner Uniform, mit einem Goldstern auf der Brust und einer Sonnenbrille auf der Nase. Was sie von ihm sah, war … nun ja, heiß. Was das Letzte war, womit sie gerechnet hatte. Schließlich hatte sie jahrelang in San Diego gelebt, dem Land der Schönen, und selbst dort war sie höchst selten so von einem Männergesicht überwältigt gewesen, dass ihr nur noch »heiß« einfiel. Aber vielleicht lag das an dem Schreck, den sie gerade bekommen hatte. Sie war leicht verstört, weiter nichts.

Der Mann deutete nach unten, eine befehlende Geste, deren Bedeutung sie nicht gleich verstand, zumal sie im Hinterkopf mit etwas anderem beschäftigt war. Eine Erinnerung wollte sich nach vorn drängen.

Sadie blinzelte und versuchte, sich zusammenzureißen und in die Gegenwart zurückzukehren. Sie drückte auf den Knopf an der Tür, und die Fensterscheibe glitt nach unten und beseitigte die Barriere zwischen ihr und dem heißen Officer.

»Hallo«, sagte sie. »Mir ist der Sprit ausgegangen. Aber meine Versicherung deckt den Pannenservice ab, deshalb … Ich meine, es ist alles in Ordnung. Außer dass der Handyempfang nicht besonders ist. Deshalb war ich auf der Suche nach … Na ja, haben Sie aus einem besonderen Grund angehalten?«

»Um nach Ihnen zu sehen.« Sein Gesichtsausdruck war seltsam. Er sah aus, als würde sich auch in seinem Kopf eine Erinnerung melden, woraufhin sich ihre Erinnerung noch deutlicher bemerkbar machte.

»Ja … natürlich … Autofahrer in Not.« Sie blickte auf die verstreuten Papiere. »Klar. Aber eigentlich bin ich nicht in Not. Alles okay.«

Wow, aber er war echt heiß! Markanter Kiefer, kurze dunkle Haare. Er rief tief in ihr eine Reaktion hervor, die ihr auf höchst beunruhigende Weise vertraut vorkam.

Er beugte sich zum Fenster herab, und sie sah, was auf seinem Namensschild stand.

E. Garrett.

Oh nein! Nein, nein, nein, nein! Die englische Sprache verfügte nicht über genügend Flüche, um alles auszudrücken, was an dieser Situation schlecht war.

Sie hatte eine Panne und war gerade einem der Hauptdämonen aus ihrer Vergangenheit begegnet. In Uniform. Ein Begrüßungskomitee direkt aus der Hölle. Nicht, dass sie sich eingebildet hätte, ihm für immer und ewig aus dem Weg gehen zu können, schließlich lag ihr B&B auf der Ranch seiner Familie. Aber sie hatte doch geglaubt, ihn wenigstens die ersten zehn Minuten nach Erreichen der Stadtgrenze meiden zu können.

Sie war jetzt nicht in der Stimmung, sich mit ihm zu befassen. Seinen Spitznamen hatte sie schon geändert. Nicht »der heiße Officer«. Sondern »der oberstrenge Officer«. Genau das war er.

Und nicht nur das, er erinnerte sie auch an viele Dinge, die sie lieber einfach vergessen hätte.

Dann veränderte sich seine Miene, und sie wusste, dass auch bei ihm der Groschen gefallen war.

»Sadie Miller«, sagte er.

»Tja.« Sie lächelte ihn an, so gut es ging, doch ihre Handflächen begannen zu schwitzen. Autoritätspersonen hatten immer diese Wirkung auf sie, und bei Autoritätspersonen, die ihr schon einmal die Fingerabdrücke abgenommen hatten, war das Problem noch größer. »Du hast wirklich ein gutes Gedächtnis.«

»Die erste Frau, der man Handschellen anlegt, vergisst man nie«, sagte er mit tiefer und fester Stimme, und obwohl nichts daran zweideutig klang, kam es bei ihr so an.

Und zwar in Bereichen ihres Körpers, die sie seit langer Zeit ignorierte.

Sie räusperte sich, drückte die Schultern durch und versuchte, ernst und seriös zu wirken und das zu verkörpern, was sie in den letzten zehn Jahren aus sich gemacht hatte.

Eli Garrett durfte ihr nicht das Gefühl vermitteln, ein gammeliger Teenie zu sein, weil sie kein gammeliger Teenie mehr war. Und genauso wenig durfte er in ihr das Gefühl wecken, total scharf zu sein, so wie damals, weil … nun, weil sie nicht mehr derselbe Mensch war.

»Ah ja«, sagte sie.

»Was führt dich hierher zurück?«

Er wusste es nicht? Sie sah ihn an, betrachtete ihn genau. Er wusste es nicht. Na, super. Connor Garrett hatte es versäumt, seinem Bruder mitzuteilen, dass er das Haus an sie verpachtet hatte. Sadie hatte das Gefühl, dass Eli das so gut schmecken würde wie eine lebende Laus im Frühstücksmüsli.

»Bin ich, äh, bin ich verhaftet?«, fragte sie und rutschte unbehaglich auf ihrem Sitz herum.

»Nein«, antwortete er.

»Dann steht es mir frei weiterzufahren?«

»Wie denn? Dir ist der Sprit ausgegangen.«

Der Punkt ging an Officer Garrett. »Ja. Stimmt. Vielleicht … vielleicht könntest du mir aushelfen?«

Kein Lächeln umspielte seine Lippen – die Sadie viel interessanter fand, als angebracht war –, und auch der angespannte Zug verlor sich nicht. Der Mund blieb eine gerade Linie. Unnachgiebig. Unfreundlich. Wie der ganze Mann.

»Eine Sekunde.« Er wandte sich ab und kehrte zu seinem Streifenwagen zurück. Sadie fing an, die Papiere aufzulesen, die sie überall im Wagen verstreut hatte.

Ihr Herz hämmerte so, dass sie fürchtete, zum medizinischen Notfall zu werden. Wie wahrscheinlich war es, dass sie rein zufällig ausgerechnet ihm als Erstes begegnete, wenn sie nach Copper Ridge zurückkehrte? Es war ein böses Omen. Ein ganz böses Omen.

Und natürlich war ihr erster Gedanke immer noch gewesen, dass er ein heißer Typ war. Das hatte sie schon mit siebzehn gefunden. Ein Mann, der zum Sheriff’s Department gehörte, übte auf eine rebellische und oft betrunkene Jugendliche nun einmal große Faszination aus. Der Inbegriff des Verbotenen. Deshalb hatte es ihr immer einen kleinen Kick gegeben, ihn abzuchecken, auch wenn sie ihn nicht gern in ihrer Nähe hatte.

Sie atmete seufzend aus. Sie hatte gehofft, er wäre zur Polizei einer anderen Stadt gewechselt. Oder hätte die Uniform ganz an den Nagel gehängt und seine Leidenschaft fürs Töpfern entdeckt … in Südfrankreich.

Aber nein. Eli Garrett hatte getan, was offenbar die meisten Menschen aus Copper Ridge taten. Er hatte sich einen Platz in der kleinen Gemeinde gesucht und war in dieser Nische geblieben.

Du musst gerade lästern. Du bist ja auch wieder hier.

Ja, sie war wieder hier.

Bisher hatte sie in Copper Ridge einen Ort gesehen, in dem sie ihren Dämonen besonders gut den Stinkefinger zeigen konnte.

Und hey, einem davon war sie nun früher als erwartet begegnet. Allerdings trug er eine Waffe um die schlanken Hüften geschnallt, daher war das mit dem Stinkefinger wohl keine besonders gute Idee.

»Ich habe für dich angerufen«, ertönte seine Stimme hinter ihr.

»Gott!« Sie fuhr zusammen. »Würdest du dich bitte nicht so anschleichen?«

»Mache ich dich nervös?«

»Nein. Warum solltest du mich nervös machen?«

»Kriminelle werden beim Anblick einer Dienstmarke oft nervös.«

Sie runzelte die Stirn. »Ich bin keine Kriminelle. Ich bin Therapeutin. Amtlich zugelassen in acht … nein, in neun Staaten.«

»Und vorbestraft.«

»Als Minderjährige.«

»Seitdem keine Festnahmen mehr?«, fragte er.

»Ich frage dich noch einmal: Bin ich verhaftet?«

»Nein.«

»Dann … steht es mir frei weiterzufahren.«

»Außer dass dir der Sprit ausgegangen ist«, betonte er. Schon wieder.

»Nun, dann steht es dir frei weiterzufahren.«

Er hob eine Schulter. »Ja, das könnte ich. Aber ich fühle mich dafür zuständig, dass du nicht in Schwierigkeiten gerätst. Oder irgendetwas in Brand setzt.«

»Okay, hör zu, ich habe damals nichts mit Absicht in Brand gesetzt. Ich habe nur eine Laterne umgestoßen.«

»Weshalb Brandstiftung auch nicht auf der Liste der Vergehen stand, für die du festgenommen wurdest.«

»Vergisst du nie irgendetwas?«, fragte sie.

»Trunkenheit in der Öffentlichkeit. Ruhestörung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Aber keine Brandstiftung. Und kein Wort über die vielen Gelegenheiten, bei denen wir dich und deine Freunde auffordern mussten, ein Geschäft zu verlassen, oder euch sonst irgendwo verscheucht haben, wo ihr unerwünscht herumgelungert habt.«

»Du meine Güte, was für ein trauriges kleines Leben du führen musst, wenn du dich noch so genau an mein Vorstrafenregister erinnerst. Selbst ich erinnere mich kaum noch daran.«

»Wie ich schon sagte, die Erste vergisst man nicht.«

Sie zog eine Grimasse. »Das klingt jetzt aber sehr nach sexueller Anspielung, auch wenn das wahrscheinlich nicht deine Absicht war.«

»Inwiefern klingt das nach sexueller Anspielung?«

Sie kniff die Augen zusammen. »Fragst du das im Ernst?«

Sie wartete volle vier Sekunden, bis der Groschen bei ihm fiel. Wann es so weit war, erkannte sie deutlich, denn ganz kurz bewegte sich etwas in seiner humorlosen, unbewegten Miene, bevor sie wieder zu Granit wurde. Da er eine Sonnenbrille trug, konnte sie seine Augen nicht erkennen, sondern nur ihr eigenes Spiegelbild sehen. Das wirkte erhitzt und nervös. Und ganz bestimmt nicht, weil es zu warm war.

»Was willst du hier?«, fragte er.

»Hab ich nicht gesagt«, antwortete sie.

»Ich weiß. Normalerweise erinnere ich mich an Gespräche, die weniger als fünf Minuten her sind.«

»Ja, weißt du, ich sehe nicht ein, was dich das angeht, wenn du mich nicht zur Vernehmung festnehmen willst.«

»Für jemanden, der nur das eine Mal festgenommen wurde, beherrschst du den Jargon aber perfekt.«

»Ich bin Therapeutin. Ich arbeite mit Menschen in Schwierigkeiten. Da habe ich schon mehr als eine Verhaftung erlebt.«

»Hm.« Der Laut lag auf halbem Weg zwischen einem Wort und einem Grunzen.

»Was?«

»Ich bin nur überrascht, dass du Therapeutin geworden bist.«

»Warum?«

»Darum.«

Sie wusste, was dieses »Darum« bedeutete. »Weil du so verkorkst bist.« Das bedeutete es. Aber sie war nicht verkorkst. Sie war zwar nicht perfekt, aber auch keine Katastrophe. Außerdem musste man zum Glück nicht unbedingt den Mist im eigenen Leben bereinigt haben, um anderen dabei zu helfen, mit ihrem Mist fertig zu werden. Also bitte. Den letzten Teil ihrer Gedanken behielt sie allerdings lieber für sich. Wegen … nun ja. Der Waffe. Der Handschellen.

»Ich bringe gern Dinge in Ordnung«, erklärte sie. Was stimmte. »Das Leben anderer Menschen zum Beispiel. Ich loche sie nicht nur ein und werfe den Schlüssel weg. Ich versuche, etwas in ihrem Leben zu bewirken.«

»Vermutlich braucht es beides«, sagte er.

»Sicher. Jedenfalls, hast du nicht irgendeinen jugendlichen Missetäter, den du schikanieren kannst? Ich meine mich zu erinnern, dass das deine bevorzugte Vorgehensweise ist.«

Kaum hatte sie es gesagt, hielt ein alter roter Pick-up vor ihr, und ein alter Mann stieg aus, in der Hand einen Benzinkanister von derselben Farbe wie der Truck. Der Mann kam ihr bekannt vor.

»Tja«, sagte er lächelnd, »wenn das nicht Ms Sadie Miller ist.«

Offenbar stimmte es nicht, dass niemand in der Stadt sie mehr kannte. Anscheinend hatten diese Leute nichts Besseres zu tun, als sich an jeden einzelnen Menschen zu erinnern, der in dieser Stadt geboren war. Bis in alle Ewigkeit.

Fairerweise musste sie jedoch zugeben, dass sie sich ebenfalls an Bud erinnerte. Sie hatte keine Ahnung, wie sein richtiger Name lautete. Ob er überhaupt einen hatte. Verdammt, das war durchaus nicht sicher. Es gab auch mehr als einen Bubba in der Stadt, die alle völlig ohne Spott so genannt wurden. Man konnte also nie wissen.

»Ja«, bestätigte sie. »Ja, ich bin’s.«

»Was führt dich denn zu uns zurück?«, fragte er. »Wohnen deine Eltern wieder hier?«

»Nein. Die sind noch unten in Coos Bay.« Wobei Sadie nicht mit ihnen sprach. Also konnten sie inzwischen auch ganz woanders wohnen, aber das kümmerte sie nicht. Nicht mehr.

Sie wollte nicht mehr mit ansehen, wie die beiden miteinander umgingen. Und jetzt musste sie es auch nicht mehr. Sie hatte die Wutausbrüche ihres Vaters hinter sich gelassen und würde sich ihnen nie wieder aussetzen.

Ihre Mutter dagegen wollte nicht weggehen. Egal wie oft Sadie sie angefleht hatte, ihre Mutter ging nicht weg.

»Verstehe. Na, es ist nett, dass du wieder da bist.« Er fasste an den Schirm seiner Baseballmütze und zog sie sich mit einem Ruck tiefer in die Stirn, dann ging er zum Heck ihres Wagens und öffnete den Tankverschluss.

Einfach so. Als wäre sie wichtig. Und nicht irgendeine Halbstarke, die versehentlich eine Scheune in Brand gesteckt hatte und festgenommen worden war. Das Kind eines notorischen Ruhestörers, der seine Frau schlug.

Als würde er sich freuen, dass sie wieder hier war.

Verdammt! Jetzt war sie wirklich ein bisschen gerührt.

Sie schnallte sich los, stieg aus, stellte sich neben den Wagen und sah zu, wie Bud weit vorgebeugt Benzin in ihren Tank füllte. »Hey, ich komme später bei der Tankstelle vorbei und bezahle. Im Moment habe ich kein Bargeld, aber …«

Bud richtete sich auf. »Keine Sorge«, sagte er. »Betrachte es als Willkommensgeschenk.«

Sie begriff beim besten Willen nicht, warum er so nett zu ihr war. Eigentlich hatte sie kaum etwas mit ihm zu tun gehabt. Sicher, als Kind war sie nach dem Schwimmen im Fluss oft mit ihren Freunden in dem Laden gewesen, der zu der Tankstelle gehörte, und hatte für fünfzig Cent Schokoriegel gekauft. Und dabei im nassen Badeanzug in dem klimatisierten Gebäude vor Kälte gezittert.

Aber sie hätte nie gedacht, dass er sie wiedererkennen würde. Oder gar … sie mögen. »Das ist wirklich nett.« Aber sie würde trotzdem so bald wie möglich bei der Tankstelle vorbeifahren und ihm das Geld geben.

Vielleicht sogar noch, bevor sie zur Garrett-Ranch fuhr.

»Danke. Euch beiden.« Sie würde sich von Eli Garrett nicht verunsichern lassen. Sie würde diesen Zwischenfall nicht als ein Vorzeichen dafür betrachten, wie es ihr mit ihrem Vorhaben ergehen würde.

Nee. Nur weil das Ganze mit einer Autopanne und Eli Garrett begonnen hatte, musste es nicht ähnlich schlecht weitergehen.

Sie fing Elis Blick auf und sah zu Boden, bevor ihr klar wurde, wie verlegen das wirken musste. Sie hätte ihn anschauen müssen wie einen ganz normalen Menschen. Und nicht wie einen sehr attraktiven Mann, der ihr einst Handschellen angelegt hatte.

Obwohl er genau das war.

Sie räusperte sich. »Ich fahre jetzt weiter. Ich … werde erwartet.« Früher oder später würde Eli natürlich herausfinden, wo sie erwartet wurde. Das hieß aber hoffentlich nicht, dass sie einander oft begegnen würden.

Sie stieg in den Wagen und schloss die Tür. Im Rückspiegel sah sie, dass Eli dasselbe getan hatte. Gut.

Sie atmete tief durch und ließ den Motor an. Dann legte sie den Gang ein. Sie würde zu neuen Ufern aufbrechen, sich ihre Vergangenheit zurückerobern und sie damit ihrer Macht berauben.

Der kleine Zusammenstoß mit Eli Garrett würde daran nichts ändern.

2

Das Kataloghaus war sogar noch schöner als in der Annonce beschrieben. Vernachlässigt, das schon, aber davor hatte der Besitzer Sadie gewarnt.

Der Rasen musste ganz neu angelegt werden. Eine Möglichkeit wäre Rollrasen gewesen, aber Sadie war nicht sicher, ob ihr Budget das hergab. Was hieß, dass sie neu aussäen und sich in Geduld üben musste. Sie hasste es, geduldig zu sein. Sie saß nicht gern untätig herum. Und sie hatte noch nie abgewartet, bis das Gras wuchs.

Sadie lehnte an ihrem Wagen und musterte das Haus. Von der Natursteinfassade, die bis zur halben Höhe reichte, über die solide, nie veränderte Holzverkleidung bis zu den Fenstern aus geschliffenem Glas erzählte es von früheren Zeiten.

Es war alles andere als ein rustikales Blockhaus. Es war fast zu elegant, um hier draußen zwischen den Bäumen am Fuß der Berge zu stehen. Aus Connors E-Mail wusste sie, dass sein Ururgroßvater das Haus etwa 1914 aus einem Katalog von Sears and Roebuck für seine Frau bestellt hatte. Damit ihr die Wildnis Oregons ein bisschen weniger wild vorkam, wenn sie sie mit ihrem alten Zuhause in Boston verglich.

In einer Gegend voller Blockhäuser war dieses Haus damals vermutlich das modernste weit und breit gewesen.

Jetzt war es das nicht mehr, aber es hatte Charme. Und das war eigentlich alles, was ein Bed & Breakfast brauchte. Connor hatte ihr erklärt, dass sie selbst renovieren musste, dabei aber freie Hand hatte, solange sie für die Kosten aufkam und solange das Haus – wie im Vertrag festgelegt – sich am Ende der Pachtzeit in besserem Zustand befand als jetzt. Was in seinen Worten bedeutete: »Keinen Firlefanz wie Zottelteppiche.«

Sie atmete tief ein. In der Luft hing der intensive Salzgeruch des Meeres und der Duft von Kiefern und sonnenwarmem Holz.

Der Geruch war vertraut und doch fremd. Sie war lange fort gewesen, und als sie damals ging, war ihr nichts an Copper Ridge besonders liebenswert erschienen. Sie hatte keinen Blick für die Schönheit dieser Gegend gehabt, sondern nur noch das kleine Haus auf der falschen Seite des Highway gesehen, in dem es nach Schmutz, Blut und Alkohol stank.

Es hatte nicht viele Momente gegeben, in denen sie innegehalten hatte, um sich am Duft der Wälder zu freuen. Wenn sie überhaupt in den Wald gegangen war, dann um sich auf einer kleinen Lichtung unweit der Garrett-Ranch zu verkriechen und zu rauchen. Was den Frische-Luft-Aspekt des Ganzen irgendwie zunichtegemacht hatte.

Auf einmal wurde ihr klar, dass es gar nicht weit bis zu dieser Lichtung war. Wenn sie wollte, konnte sie ihre halb ausgepackten Kartons sich selbst überlassen und den Ort besichtigen, an dem sie vor so vielen Jahren zusammen mit ihren Freunden Zuflucht gesucht hatte.

Ein seltsamer Schmerz erfüllte ihre Brust, ein Gefühl von Sehnsucht und Heimweh, das ihr fremd war. Diese Lichtung hatte Gewicht. Zumindest dort war sie verwurzelt. Und höchstwahrscheinlich würde sie dort sämtlichen Geistern ihrer Vergangenheit begegnen.

Sie und ihre Freunde waren damals kaum mehr als Kinder gewesen, verbunden durch ihren Zorn auf das Leben. Wild entschlossen, alles zu versuchen, um sich wenigstens ein Stück Selbstbestimmung zu erobern. Was sich in Drogen, Alkohol und Sex geäußert hatte. Diese kleinen Akte der Rebellion hatten sich wie Siege angefühlt.

Aber jetzt war sie erwachsen. Sie bestimmte selbst über ihr Leben. Was sie sich hier aufbaute, würde ihr allein gehören. Es würde nicht nur eine Reaktion auf die Zustände in ihrem Elternhaus sein.

Dafür musste sie sich die Lichtung nicht anschauen. Und Geister gab es sowieso nicht.

Mit diesem abschließenden Gedanken hob sie Tobys Transportbox aus dem Auto, ging mit großen Schritten zur vorderen Veranda und klappte den Briefschlitz hoch. Dort hatte Connor einen Schlüssel für sie deponiert. Sie hatte den Eindruck, dass er so wenig wie möglich mit ihr zu tun haben wollte.

Was ihr nur recht war. Sie hatte genug Geld für die Umgestaltung des Hauses und freute sich darauf, ein paar Wochen in relativer Einsamkeit zu verbringen und alles startklar zu machen.

Danach würde sie vielleicht einige Freunde von früher besuchen. Oder auch nicht. Denn es würde … nun, es würde sie alle ein bisschen zu deutlich an Zeiten erinnern, die für niemanden ein Spaß gewesen waren. Vielleicht lernte sie ja einen Mann kennen. Ging mit ihm aus.

In letzter Zeit hatte es in ihrem Leben weder Männer noch gute Freunde gegeben.

Die vielen Umzüge machten es einfach schwierig. Und wenn sie ehrlich war, fing sie am liebsten immer wieder neu an. Sie nahm ungern etwas aus dem alten Ort an den neuen mit. Natürlich hatte es in ihrem Leben schon Männer und gute Freunde gegeben, die ihr etwas bedeutet hatten. Doch. Wirklich. Aber sie wollte sich gern die schönen Erinnerungen an sie bewahren. Sie mochte Beziehungen nicht so in die Länge ziehen, dass sie Verschleißerscheinungen zeigten.

Sadie nahm den Messingschlüssel aus dem Briefschlitz und steckte ihn in das dazu passende Schloss. Sie musste kräftig drehen, bevor es nachgab. »Okay, Toby«, sagte sie. »Willkommen in unserem neuen Zuhause, ob es uns nun gefällt oder nicht. Von dem Pachtvertrag können wir nicht mehr zurücktreten, und wenn das Haus renoviert ist, sind wir sowieso pleite.«

Sie trug Toby hinein und sah sich um. Das Hausinnere war dunkel, aber sauber. Die Holzfußböden mussten abgeschliffen werden, waren aber sonst in gutem Zustand. Ein paar abgetretene Läufer mussten ersetzt werden, die Anschlüsse für Lampen modernisiert. Aber nach Schimmel roch es nicht, was schon mal ein Vorteil war.

»Es muss einfach klappen.« Sie stellte Toby in seiner Box auf dem Küchentisch ab. »Sonst wirst du nämlich dazu verdonnert, dich an eine Straßenecke zu stellen und dir für Geld den Kopf kraulen zu lassen. Und dass du so tief sinken musst, das will doch keiner von uns.«

Als sie die Box öffnete, kam er herausgeschlendert, sah sich mit zuckendem Schwanz um und schnupperte. Sadie strich ihm über das grau gestreifte Fell und kraulte ihn hinter den Ohren. »Wirklich, du solltest Geld dafür nehmen«, sagte sie. »Ich bin sofort tiefenentspannt.«

Toby sah sie an, als wollte er sagen, dass er selbst deutlich entspannter wäre, wenn sie sich in ihrem hellen, weiß gestrichenen alten Apartment im sonnigen San Diego befänden.

Aber Toby war daran gewöhnt, ihr überallhin zu folgen. Sein Unwille würde nicht lange vorhalten.

Der erste Punkt auf der Tagesordnung war, Tobys Katzenklo aus dem Wagen zu holen. Der zweite, das Haus bewohnbar zu machen.

Ob es ihr gefiel oder nicht, sie hatte sich für fünf Jahre festgelegt. Das musste sie jetzt wohl oder übel durchziehen.

»Okay, Toby. Zeit, die Sache in Angriff zu nehmen.«

»Drüben beim Kataloghaus stand ein Auto. Ich hab’s beim Abbiegen gesehen«, sagte Eli.

»Ja.«

Eli warf seinem Bruder einen Blick zu. Connor saß am Küchentisch und wirkte noch übellauniger und ungeselliger als sonst. Was schon etwas heißen wollte.

»Und Licht brannte auch«, fuhr Eli fort. Er wollte eine Erklärung.

»Ja.«

»Du scheinst nicht überrascht.«

»Sag bloß. Ich dachte, du bist bei der Polizei. Man sollte meinen, dass du dann zwei und zwei zusammenzählen kannst.«

Eli war versucht, Connor irgendeinen Gegenstand über den Kopf zu ziehen, aber schließlich war Juni. Der Juni war für Connor ein schlimmer Monat, weil dann sein Hochzeitstag war. Der März war allerdings auch ein schlimmer Monat, weil da Jessies Geburtstag war. Und der April war schlimm, weil Jessie in diesem Monat vor drei Jahren gestorben war. Im August vor zehn Jahren waren sie ein Paar geworden. Im Dezember hatten sie sich verlobt.

Es gab also eine Menge schlechter Monate für Connor. Eli hatte dafür Verständnis und fühlte mit ihm. Doch das hieß nicht, dass er seinem Bruder nicht manchmal gern eine verpasst hätte, weil er so unerträglich missmutig war.

»Würdest du mir das bitte erklären?«

»Klar. Wir brauchen höhere Einkünfte. Also habe ich das Haus verpachtet. Langfristig.«

»Was? Findest du nicht, wir hätten das besprechen müssen?«

»Nein«, antwortete Connor. »Mir ist klar, dass die Ranch euch mitgehört, aber euch muss auch klar sein, dass sie für mich wichtiger ist. Sie ist meine einzige Einkommensquelle, Eli. Du und Kate, ihr habt eure Jobs, aber ich habe keinen, weil einer von uns die Ranch hauptberuflich führen muss.«

»Das weiß ich auch, aber hast du denn nie daran gedacht, mir zu erzählen, dass du ein Haus auf unserem Anwesen verpachten willst?«

»Daran gedacht schon. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Weil ich fand, dass es letzten Endes meine Entscheidung ist.«

»Verdammt, Connor, bei aller Liebe: Sauf dich doch lieber ins Koma. In diesem Zustand bist du unmöglich.«

»Ich bin immer so«, gab Connor zurück.

»Ja, und du bist immer unmöglich.«

»Warum knurrt ihr euch an?« Kate, die Jüngste des Garrett-Clans, betrat die Küche. Sie hatte ihr Haar zu einem tief angesetzten Pferdeschwanz zusammengebunden und sah aus, als hätte sie den ganzen Tag hart gearbeitet. Was wahrscheinlich daran lag, dass sie genau das getan hatte.

»Weil Connor im Raum ist«, erwiderte Eli.

Kate trat lächelnd zu Connor und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Connor brummte.

»Ich hab dich auch lieb«, sagte sie. »Hat jemand Abendessen gemacht?«

»Niemand«, sagte Eli. »Wir müssen schließlich alle arbeiten. Aber ich habe für alle Fälle eine Pizza mitgebracht.« Eli wandte sich um und legte die Pizzaschachtel auf der Arbeitsplatte aus Granit ab, während Kate Teller aus dem Schrank holte.

Dies war Connors Haus, das Haupthaus des Anwesens, in dem er während seiner Ehe mit seiner Frau Jessie gewohnt hatte. Er war hier wohnen geblieben, weil die Ranch ein Familienbetrieb war und seit Generationen den Garretts gehörte. Weil er derjenige war, der das Land bewirtschaftete und bei dem es am unwahrscheinlichsten war, dass er jemals wegging. Das Haus stand ihm zu.

Aber Eli beschlich oft das Gefühl, dass er es hasste.

»Ich will jetzt ein Bier«, sagte Connor.

»Hol es dir selbst«, gab Kate zurück. »Ich serviere dir schon das Abendessen, und ich bin keine Kellnerin.«

»Wenn du eine wärst, würdest du nie Trinkgeld kriegen«, grummelte Connor. Er erhob sich von seinem Platz am Tisch, ging zum Kühlschrank und öffnete ihn.

Eli fiel auf, dass sich außer Bier und Käse nicht sehr viel darin befand. Was das über den Seelenzustand seines Bruders verriet, gefiel ihm nicht besonders. Aber vielleicht war Connor in letzter Zeit auch nur nicht zum Einkaufen gekommen. So könnte es sein.

»Du solltest eine Haushälterin einstellen«, schlug Eli vor.

Connor gab ein Knurren von sich, was er in letzter Zeit oft tat. »Ich will nicht, dass eine Fremde in meinen Sachen wühlt.«

»Dann stell jemanden ein, den du kennst.«

»Nein.«

Eli angelte sich ein Stück Pizza aus der Schachtel und legte es auf einen Teller, wobei er sich nach Kräften bemühte, nicht auf Kate zu achten. Sie hatte ihren Teller verschmäht und beugte sich stattdessen über den Tresen, sodass Soße auf die ansonsten saubere Fläche kleckerte.

Das ging Eli gegen den Strich. Er mochte es, wenn alles an seinem Platz war. Und sauber war. Er hatte zu viele Jahre damit verbracht, für Ordnung zu sorgen, um die Dinge jetzt schleifen zu lassen.

In ihrer Kindheit war Sauberkeit nicht nur eine Frage der Einstellung gewesen, sondern überlebenswichtig. Nur indem Connor auf der Ranch alles am Laufen hielt und Eli den Anschein erweckte, der Haushalt werde von einem voll einsatzfähigen Erwachsenen geführt, hatten sie sich das Jugendamt vom Hals halten können.

Nur mit Ordnung hatten sie es geschafft, alle zusammenzubleiben.

»Connor hat mir gerade von unserem neuen Pächter erzählt.«

»Wir haben einen Pächter?«, fragte Kate mit vollem Mund.

»Allerdings.«

»Hol mir ein Bier, Connor«, bat Kate.

»Seh ich aus wie eine Kellnerin, Katie?«, knurrte er, stapfte aber zum Kühlschrank zurück und nahm zwei Bier heraus, von denen er jedem seiner Geschwister eines reichte.

»Irgendwie schon.« Kate nahm die Flasche entgegen und hebelte den Kronkorken an der Tresenkante ab.

Manchmal fragte sich Eli, ob es Kate geschadet hatte, dass sie von klein auf nur Männer um sich gehabt hatte. Aber wenn er das Kate gegenüber jetzt erwähnte, würde sie ihn wahrscheinlich anspucken. Was nur bewies, dass er recht hatte.

»Also.« Eli lehnte sich an den Tresen. »Der Pächter.«

Er hätte über alles geredet, um sich von den Ereignissen des heutigen Tages abzulenken. Sadie Miller. Er hatte sie als kleine blonde Unruhestifterin in Erinnerung. Mit ihren schwarzen Klamotten und zerrissenen Jeans hatte sie dem Klischeebild eines Teenagers entsprochen, der sich gegen die Gesellschaft auflehnte. Die Sorte von Gören, die er am wenigsten mochte. Verdammt angriffslustig war sie gewesen. Dass sie sich ihrer Festnahme widersetzt hatte, war noch milde ausgedrückt. Es war sein erster Sommer bei der Polizei gewesen, und sie hatten eine große Party in einer leeren Scheune aufgelöst. Die Teenager waren betrunken und so durchgeknallt gewesen, dass die Aktion zum Albtraum geworden war. Kurz gesagt, es war die Hölle gewesen.

Und zum Schluss hatte er die siebzehnjährige Sadie in Handschellen legen und verhaften müssen, wodurch sie zum ersten Menschen wurde, den er je festgenommen hatte. Und auch wenn letztlich keine Anklage erhoben worden war – wie er heute schon einmal mit unüberlegten Worten gesagt hatte: Das erste Mal vergaß man nie.

»Ich habe das Kataloghaus langfristig verpachtet. Es soll als Bed & Breakfast genutzt werden«, sagte Connor.

»Als was?«, fragten Eli und Kate im Chor.

»Ihr habt schon richtig gehört. Seit die Altstadt restauriert ist und das Feuerwerk am Meer mit jedem Jahr größer wird, ist der Tourismus stark im Kommen. Und ich will mitverdienen.«

»Und wieso verdienst du mit, wenn du hinter unserem Rücken solche Verträge abschließt?«

»Ich bekomme die Pacht und eine Gewinnbeteiligung von ein paar Prozent. Und wie ich dir bereits erklärt habe«, sagte er an Eli gewandt, »verdiene ich mein Geld nur durch die Ranch. Je profitabler ich sie machen kann, desto besser.«

»Und du bist dir sicher, dass dein Pächter das Haus nicht in Schutt und Asche legt?«

»Die Frau ist von hier.«

Eli sträubten sich die Nackenhaare. »Ach ja?«

»Ja. Jünger als wir, älter als Kate, deshalb glaube ich nicht, dass einer von uns sie noch aus der Schule kennt.«

Eli hätte gelacht, wenn daran irgendetwas auch nur im Entferntesten lustig gewesen wäre. »Ich habe da so eine Vermutung, wer es sein könnte.« Er stellte sein Bier auf dem Tresen ab. »Sadie Miller?«

»Ja. Woher kennst du sie?«

»Ich habe sie mal festgenommen.«

Connors Augenbrauen schossen in die Höhe.

»Oh verdammt, dass sie eine Kriminelle ist, wusste ich nicht!«

Eli seufzte entnervt. »Sie ist keine Kriminelle. Wenigstens keine Berufsverbrecherin, glaube ich. Sicher, sie hat eine Straftat begangen, deshalb habe ich sie ja festgenommen, aber sie wird niemanden bei lebendigem Leib häuten.«

»Bäh!« Kate streckte ihm die Zunge raus.

»Ich mein’ ja nur. Ich habe sie vor etwa zehn Jahren wegen Trunkenheit und ungebührlichen Benehmens festgenommen. Das fällt nicht gerade unter organisiertes Verbrechen. Und davor war sie einfach eine von diesen Jugendlichen, die sich die Augen anmalen, Zigaretten qualmen und auf die ganze Welt sauer sind. Eine größere Gefahr für gesunde Lungen als für die Allgemeinheit.«

»Na, das ist ja sehr tröstlich«, sagte Connor.

»Du hast dich vorher also nicht über sie erkundigt, oder?«, fragte Eli.

»Doch. Aber offensichtlich nicht gründlich genug. Ich habe vor allem ihre Bonität überprüft. Die Liste ihrer bisherigen Mietverträge liest sich nämlich wie ein Roman. Ich wollte mich vergewissern, dass sie keine Mietnomadin ist. Aber das ist sie nicht. Sie zieht nur gern um.«

»Tja, meinem Wahlkampf darf das jedenfalls nicht schaden«, sagte Eli.

Der jetzige Sheriff schied demnächst aus dem Dienst aus, und mit seinem Segen hatte Eli seinen Hut in den Ring geworfen und bewarb sich um die Nachfolge. Seitdem er sich dazu entschlossen hatte, wurde ihm die Sache mit jedem Tag wichtiger. Zumal er bei der Vorwahl einen der zwei Spitzenplätze errungen hatte und sein Vorsprung vor seinem Konkurrenten so groß war, dass ein Sieg im November fast sicher schien. Doch das hieß nicht, dass er sich auf seinen Lorbeeren ausruhte. Nein.

Er legte Tabellen an. Viele Tabellen. Weil er nicht anders konnte. Was man auch tat, man musste es richtig tun.

»Es wird deinem Wahlkampf nicht schaden. Sadie Miller wird ihr B&B führen, und du wirst dich um deine eigenen Angelegenheiten kümmern. Während ich mehr Gewinn mache.«

»Was glaubst du, wie lange sie bleiben wird?«, fragte Eli in der Hoffnung, dass die Antwort »Nicht lange« lauten würde. Sadie Miller störte seinen Sinn für Ordnung. Das tat die gesamte Angelegenheit, aber dass Sadie Miller involviert war, machte es noch schlimmer. Und er konnte keine Störungen brauchen. Nicht jetzt. Eigentlich nie.

»Sie hat für fünf Jahre unterschrieben.«

»Fünf Jahre?«, wiederholten er und Kate wieder im Chor.

»Könnt ihr mal aufhören, meine Antworten in Frageform nachzusprechen? Ja, fünf Jahre. Es braucht Zeit, so ein Geschäft auf die Beine zu stellen. Am Haus muss einiges ausgebessert werden. Sie hat eingewilligt, das selbst zu bezahlen und auch zu organisieren.«

»Du spinnst doch. Du lässt irgendjemanden – eigentlich eine Fremde – fünf Jahre lang auf unserem Anwesen wohnen, ohne dich vorher auch nur … mit ihr zu treffen?«, fragte Eli.

»Die Sache ist gelaufen. Der Vertrag ist unterzeichnet. Die Diskussion ist beendet«, sagte Connor.

Eli lehnte sich wieder an den Tresen und trank einen großen Schluck Bier.

Kate zuckte mit den Achseln. »Vielleicht wird es ja sogar nett, wieder eine Frau in der Nähe zu haben.«

»Sie wird aber nicht in der Nähe sein«, widersprach Eli. »Wie es scheint, wird sie ein Bed & Breakfast betreiben. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu ›in der Nähe sein‹. Das Anwesen ist groß.«

»Ich mein’ ja nur. Vielleicht besuche ich sie mal.«

»Eli hat recht, Katie«, sagte Connor. »Wir werden alles fein säuberlich getrennt halten.«

»Ist schon okay.« Kate pickte an ihrem Pizzabelag herum. »Aber ich finde, es wäre nur freundlich, ihr irgendetwas vorbeizubringen. Zum Einzug. Etwas zu essen. Die Gastfreundschaft der Kleinstädter in Aktion.«

»Bring du ihr ruhig was zu essen vorbei«, sagte Connor zu ihr. »Das geht mir völlig am A…«

»Ja, ja, ich weiß«, unterbrach Kate. »Wie alles andere auch. Ich versteh schon. Du bist ein miesepetriger Kauz und hast keine Lust auf Gesellschaft. Niemals. Wieder. Ich werde dich nicht dazu zwingen.«

»Gut.«

Kate wandte sich Eli zu und sah ihn aus großen braunen Augen an.

Eli hob abwehrend die Hände. »Sieh nicht mich an. Ich beteilige mich nicht an deinem Kleinstadt-Empfangskomitee.«

»Na schön. Dann werde ich eben die Familie repräsentieren. Schon um zu beweisen, dass wir nicht …« Sie biss ein Stück von ihrer Pizza ab und sprach mit vollem Mund weiter. »… von einem Rudel Wölfe großgezogen wurden.«

»Tja, das überlassen wir dir«, sagte Eli. »Ich habe da volles Vertrauen zu dir.«

»Danke, Mann!«

»Ich fahre jetzt nach Hause. Die Pizza lasse ich euch da.«

Das trug ihm ein Dankeschön von Kate und – wenig überraschend – ein Knurren von Connor ein.

»Ich habe morgen Nachmittag frei«, fügte Eli hinzu. »Das heißt, ich kann vorbeikommen und helfen. Steht irgendetwas Großes an?«

»Nicht viel. Aber am Wochenende müssen wir die Kälber markieren. Hast du da Zeit?«

»Ja. Da bin ich dabei.«

Auch wenn er den Beruf des Polizisten gewählt hatte, das Leben als Viehzüchter lag ihm im Blut. Connor, Kate und er nahmen oft an regionalen Rodeos teil, auch wenn Kate bei Weitem die Erfolgreichste war und bei erster Gelegenheit Profi werden wollte.

Dass Eli ständig entweder für den Bezirk oder auf der Ranch schuftete, war der Hauptgrund dafür, dass er kein Privatleben hatte. Doch eigentlich fehlte es ihm auch nicht. Außer wenn er gerade erregt war. Dann fehlte es ihm schon irgendwie.

»Toll«, sagte Connor. »Dann bis morgen!«

»Bis dann!« Eli drehte sich um und verließ die Küche durch den Vordereingang. Auf der Veranda blieb er stehen und schaute auf das Anwesen hinaus. Und zu dem Licht in der Ferne. Es stammte vom Kataloghaus.

Dort logierte also Sadie Miller. Mit einem Pachtvertrag über fünf Jahre. Verdammt noch mal, eine krassere Störung seines Ordnungssinns hätte er sich nicht vorstellen können. Allerdings waren die ganzen letzten Jahre für ihre Familie eine einzige gigantische Störung gewesen.

Jessie fehlte ihnen allen. Und sie alle spürten, welche Lücke ihr Tod in Connors Leben gerissen hatte. Er war nicht mehr derselbe. Das würde er nie mehr sein.

Aber so lief es in ihrer Familie eben. Zumindest was die Liebe betraf. Wie gewonnen, so zerronnen.

Es hatte gleich mit der ersten Generation von Garretts begonnen, die dieses Anwesen bewohnten. Elis Ururgroßvater hatte ein Haus aus dem Katalog bestellt und es hier aufbauen lassen. Seine Ururgroßmutter hatte nur zwei Jahre darin gelebt, bevor sie eine Lungenentzündung bekam und starb.

Und dann waren da seine Urgroßeltern. Seine Urgroßmutter war im Kindbett gestorben, und ihr Mann war danach nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen. Er hatte es kaum noch geschafft, das Land weiter zu bewirtschaften, und war nicht mehr in der Lage gewesen, auf seine Kinder aufzupassen. Elis Großvater war schließlich mit einer Frau aus der Stadt durchgebrannt, sodass seine Großmutter die Kinder allein großziehen musste.

Und dann waren da noch Elis Eltern. Seine Mutter war fortgegangen, als Kate ein Kleinkind war. Gott allein wusste wohin. An irgendeinen wärmeren und sonnigeren Ort. Wo die Männer Anzüge trugen und keine Sporen.

Wo es weder hilfsbedürftige Kinder gab noch nach Vieh stank.

Ihr Mann war daraufhin in einem Morast aus Alkoholismus und Verzweiflung versunken.

Und Connor hatte mit fünfzehn erwachsen werden müssen. Eli ebenfalls.

All dieser Schmerz hatte in dem Haus begonnen, das jetzt Sadie Miller beherbergte.

Eli ging die Verandastufen hinab und zur Auffahrt. Dann fuhr er auf einem anderen Weg nach Hause zurück.

Sadie Miller würde ihm keine Schwierigkeiten machen, weil er das nicht zulassen würde.

Schließlich war er hier der Hüter des Gesetzes.

3

Irgendwann heute wollte Sadie sich in die Stadt wagen. Ein paar Vorräte einkaufen. Natürlich erst wenn sie Inventur gemacht hatte. Aus einer mit der Maschine geschriebenen – und sehr kurzen – Mitteilung, die Connor für sie auf dem Küchentresen hinterlegt hatte, wusste sie, dass sich im Schuppen einiges an Werkzeug befand.

Doch bis sie sich ein Bild davon gemacht hatte, welche Arbeiten erledigt werden mussten, waren die Werkzeuge ziemlich nutzlos. Einen groben Überblick über die geringfügigen Schäden, die am Haus zu beheben waren, hatte sie schon, aber sie wollte auch darüber hinaus noch ein paar Dinge in Angriff nehmen.

Die ursprüngliche Holzvertäfelung in den Räumen war zum größten Teil noch erhalten. Sie reichte bis zur halben Höhe, und die Wände darüber waren in einem satten Cremeton gestrichen. Die verputzten Decken waren von einem Schachbrettmuster aus Holzbalken durchzogen.

In einigen Räumen waren die Abschlussleisten an den Decken offenbar irgendwann ersetzt worden, und die Formen passten nicht zusammen. Was hieß, dass Sadie sie entfernen und neue anbringen musste.

Das war nicht geplant gewesen, aber sie hatte ein kleines finanzielles Polster für unangenehme Überraschungen. Für einige größere Projekte wie den Anbau einer hinteren Veranda hatte sie ebenfalls Geld beiseitegelegt. Da bei allen Problemen mit der Bausubstanz Connor zuständig war, rechnete sie nicht mit Komplikationen, die ihr Budget sprengen würden.

Manche Leute mochten sie für eine Versagerin halten, aber sie war eine gut ausgebildete Versagerin, die mit Geld umgehen konnte.

Sie ging in die Küche und betrat die begehbare Speisekammer, die geräumiger war als so manches Schlafzimmer, in dem sie während ihrer Jahre in Mietwohnungen übernachtet hatte. Auf den Brettern der soliden Holzregale lag eine feine Staubschicht. Ansonsten gab es hier nur einen Mopp und einen Besen in der Ecke. Wenn man von den Weberknechten unter der Decke mal absah.

Sadie nahm sich vor, sich diesen Jungs später zu widmen, kehrte in die Küche zurück und öffnete die Schränke. Sie waren größtenteils leer. In einem Schrank entdeckte sie bunt zusammengewürfeltes Teegeschirr, was sie als guten Fund wertete.

Es würde dem Haus eine schrullige Note geben. Als Inspiration war das kein schlechter Anfang.

Sadie schlenderte durchs Esszimmer. Es wurde von einem großen Holztisch beherrscht, der vom jahrelangen Gebrauch viele Schrammen aufwies. Ihn aufzuarbeiten gehörte mit auf ihre To-do-Liste, aber nicht an oberste Stelle. Fürs Erste würde sie eine Tischdecke darüberbreiten.

Im Flur knarrte der alte Holzboden unter ihren Füßen. Seltsamerweise gefiel ihr das Geräusch. Weil es daran erinnerte, wie alt das Haus war.

Die hölzernen Treppenstufen knarzten ebenfalls. Sadies Fingerspitzen zogen Spuren durch die dünne Staubschicht auf dem Geländer. Beim Auszug des Vormieters war das Haus offenbar gereinigt worden; aber seitdem war es wohl einige Jahre nicht bewohnt gewesen.

Sie ging den Flur entlang und stieß die Türen zu den vier Schlafzimmern auf. In allen standen traumhaft schöne Himmelbetten. Sie brauchten neue Bezüge und Vorhänge, aber damit hatte Sadie gerechnet. Aus den Fenstern der zwei Schlafzimmer auf der Rückseite des Hauses sah man auf den dichten, urwüchsigen Wald, während die Fenster der beiden anderen Zimmer einen Blick auf eine sattgrüne Weide mit grasenden Kühen boten.

Alle Zimmer würden Jalousien brauchen, damit die Gäste so lange schlafen konnten, wie sie wollten, und sich nicht beobachtet fühlten.

Zwei Zimmer hatten ein eigenes Bad, die Gäste in den beiden anderen würden sich ein Bad teilen müssen, das vom Flur abging – nicht ideal, aber in Anbetracht des Alters des Hauses war es schon fast ein Wunder, dass es so gut ausgestattet war.

Es musste nur ein bisschen geschrubbt, aufpoliert und durch zusammenpassende Deckenleisten verschönt werden. Außerdem brauchte es lediglich Kleinkram, neue Möbel und eine Wagenladung neuer Wäsche.

Das Einkaufen würde ihr am meisten Spaß machen. Sie würde versuchen, Erzeugnisse aus der Region zu erstehen, damit das Haus am Ende zu Copper Ridge passte. Allmählich gefiel ihr die Vorstellung, zu einer Gemeinschaft zu gehören.

Doch erst einmal würde sie jetzt nach den Werkzeugen fahnden, die sich laut Connor im Schuppen befanden. Was sie dann damit machen würde, stand noch nicht fest, aber sie hatte das dringende Bedürfnis, schon einmal irgendwo anzufangen.

Sadie stapfte die Stufen hinunter und ging in den Garten. Der Boden war mit Rindenstücken bedeckt, die weich unter ihren Tennisschuhen nachgaben. Aus dem Unkraut sickerte kühler Tau in ihre Hosenbeine.

Sadie fröstelte. So früh am Morgen war es noch nicht warm. Doch es war windstill, und die Bäume ringsum schienen sie zu umschließen und sie und ihr neues Zuhause vor der Außenwelt zu beschützen.

Als sie pfiff, hallte der Laut von den Baumkronen wider, was das Gefühl der Abgeschiedenheit noch verstärkte. Es gefiel ihr. Und was noch wichtiger war: Ihren Gästen würde es auch gefallen.

Tja, das sollte es besser, schließlich hatte sie sich für fünf Jahre festgelegt. Bei dem Gedanken spürte sie den eiskalten Griff der Klaustrophobie um ihren Hals. Fünf Jahre. An einem Ort. Und zwar ausgerechnet in Copper Ridge, dem Ursprung all ihrer Komplexe und sonstigen Probleme.

Du stellst dich eben deiner Vergangenheit. Das rätst du deinen Patienten doch auch ständig.

Ihre innere Stimme hatte recht. Aber diese Stimme sollte sich zum Teufel scheren. Sadie hatte keine Lust, sich irgendwelchen Dingen zu stellen. Sie wollte nur … dass sich nicht mehr alles so falsch anfühlte. Dass sie nicht mehr ganz so rastlos war.

Nicht mehr wie ein rollender Busch. Oder ein wild dahinjagender rollender Busch.

Sie hatte anderen Menschen schon so viele Ratschläge erteilt, die sie selbst nie befolgt hatte. Sich seinen Ängsten stellen, sich all den vergangenen Dingen stellen, die noch immer Macht über einen hatten. Zum Ursprung eines Traumas zurückkehren, damit man sah, dass es nicht über magische Kräfte verfügte.

Tja, jetzt befolgte sie diese Ratschläge eben.

Sie zog den Reißverschluss ihres Kapuzenpullovers hoch, um sich gegen die feuchte Luft zu schützen, und schlug einen Pfad ein, der vermutlich zum Schuppen führte.

Das Röhren eines Motors durchbrach die Stille. Als Sadie sich umdrehte, sah sie einen schwarzen Truck die lange, einsame Zufahrt zu ihrem Haus entlangbrausen.

Sie blieb stehen und versuchte einen Blick auf den Fahrer zu erhaschen. Vergeblich, doch da dieser Auftritt für einen Massenmörder zu auffällig war, brauchte sie wohl keine Angst zu haben.

Sie schob die Hände in die Taschen des Kapuzenpullovers und kehrte dorthin zurück, wo der Truck jetzt hielt. »Hallo?«

»Hi!«

Die Begrüßung kam von einer Frauenstimme. Damit hatte Sadie nicht gerechnet, genauso wenig wie mit der zierlichen Brünetten in Flanellhemd und Arbeitshose, die auf der Fahrerseite aus dem Truck sprang. Als ihre Stiefel auf dem Boden auftrafen, hüpfte ihr ein Zopf um die Schultern. Sie blickte auf und lächelte.

Sadie erinnerte sich vage daran, dass es eine weibliche Garrett gab, die sie jedoch nie kennengelernt hatte. Das war nicht weiter überraschend, da diese junge Frau frisch und gesund aussah und damit all das verkörperte, was Sadie damals nicht war.

»Kate«, stellte sie sich vor und streckte ihr die Hand hin. »Kate Garrett. Die Schwester.«

»Nett, Sie kennenzulernen.« Sadie schüttelte ihr die Hand.

»Gestern Abend wollte ich nicht mehr herkommen, weil ich das unhöflich fand, aber ich dachte, ich schaue heute mal vorbei. Nur um Hallo zu sagen. Und um Sie nach Ihren Plänen zu fragen.«

Kate hatte etwas Naives und Süßes an sich, was jedoch im Widerspruch zu ihrem festen Händedruck und dem sicheren Auftreten stand. Sie strahlte Stärke und Offenheit aus, und für einen Moment beneidete Sadie sie darum. Welchen Mut das brauchte!

»Nun ja, ich will das Haus in ein B&B verwandeln. In anderthalb Monaten kann ich hoffentlich die ersten Gäste aufnehmen.« Sie stemmte die Hände in die Hüften und stieß einen langen Atemzug aus. »Die Zeit müsste reichen, um alles vorzubereiten und sich einzuleben. Hoffe ich.«

»Wenn Sie Hilfe brauchen oder so, sagen Sie es mir. Ich arbeite im Farm & Garden und weiß eine Menge über Pflanzen, Tiere und die üblichen Reparaturarbeiten.«

Es verblüffte Sadie einmal mehr, wie nett die Leute hier – mit Ausnahme von Eli – seit ihrer Ankunft zu ihr waren. Sie hatte sich vorgestellt … Sie wusste es selbst nicht genau. In ihrer Fantasie hatte sie Copper Ridge in einen so finsteren Ort verwandelt, dass sie sicher gewesen war, die Einwohner würden ihr mit Fackeln und Mistgabeln in der Hand entgegentreten. Doch das hatte keiner getan.

Sollte sich etwa herausstellen, dass es hier gar nicht so viele Dämonen gab, wie sie dachte?

»Das ist wirklich nett, aber ich möchte Ihnen nicht zur Last fallen«, antwortete Sadie.

»Nein, wirklich, ich habe momentan nicht viel zu tun. Außer meiner Arbeit. Außerdem habe ich nur Männer um mich, da wäre es schön, mal einen weiblichen Einfluss zu spüren.«

Sadie wurde bewusst, dass sie besser damit aufhörte, sich gegen Beziehungen zu sträuben. Fünf Jahre, denk dran!

»Wenn ich etwas brauche, komme ich gern darauf zurück«, versprach sie. »Mit Ihnen macht das Arbeiten bestimmt mehr Spaß als mit irgendeinem bezahlten Helfer.«

Kate lachte. »Ich werde mich bemühen. Was brauchen Sie denn heute?«

»Deckenleisten. Lampen. Vielleicht schaue ich auch nach Küchenwaren.«

Kate zog die Nase kraus und blickte erst zum Haus und dann zu Sadies Wagen. »Wenn Sie Zubehör fürs Renovieren kaufen müssen, passt da aber nicht viel rein. Der fasst ja gerade mal einen Fünf-Kilo-Sack Kartoffeln. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie mit, und Sie benutzen meinen Truck, um die Sachen herzutransportieren. Sie müssen mich nur nach Ladenschluss wieder abholen.«

Sadie hatte für heute noch keine festen Pläne, aber sie konnte nicht leugnen, dass sich ein Truck vermutlich als sehr nützlich erweisen würde.

Ihr erster Impuls war dennoch, Nein zu sagen. Hilfe anzunehmen bedeutete, dass man sich möglicherweise revanchieren musste. Sadie half gern und erwartete dafür keine Gegenleistung. Doch sie hatte immer Angst davor gehabt, jemandem etwas schuldig zu bleiben, wenn sie einen Ort verließ.

Aber hier willst du bleiben. Wenigstens für eine ganze Weile.

»Danke, Kate! Das ist sehr nett von Ihnen. Ich weiß Ihre Hilfe wirklich zu schätzen.«

»Ach Mist«, fluchte Connor und blickte sich auf der Weide um. »Ich glaube, wir haben ein Kalb übersehen.«

Eli richtete sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Vorhin war es ihm nicht so heiß vorgekommen, doch jetzt stand die Sonne hoch am Himmel und brannte auf sie herab. Auf der Weide gab es keinen Schatten, und die Arbeit, die sie erledigten, war anstrengend.

»Meinst du?« Er schaute auf der Weide umher und bemerkte eine Red Angus – eine der wenigen roten Kühe, die sie in der Herde hatten –, von der er genau wusste, dass sie längst hätte kalben müssen. »Ach, richtig. Sie hat schon gekalbt.«

»Und ich sehe kein Junges. Was heißt, dass sie es irgendwo versteckt hat oder dass es tot ist.«

»Verdammt!« Eli zog sich das T-Shirt aus und warf es auf den Boden. Dann stieg er auf sein Pferd. »Dann müssen wir wohl suchen.«

Eli trieb sein Pferd an. »Hast du die Nummer?« Damit waren die Kennziffern am Ohr der Mutterkuh gemeint.

»Ja, die weiß ich.«

»Vermutlich ist es irgendwo da unter den Bäumen.« Eli zeigte zu dem Ende der Weide, hinter dem die Wohnhäuser standen. Dieser Bereich war nach wie vor dicht bewaldet und bot der Herde Schutz vor der Witterung.

Connor folgte ihm. Während sie über die Weide galoppierten, hörten sie nichts als die Hufschläge der Pferde. Eli hielt nach einem Kadaver im Gras Ausschau, doch dass nirgends Krähen oder Bussarde zu sehen waren, stimmte ihn optimistisch.

Der Tod gehörte zwar zum Leben auf einer Farm dazu, aber Freude hatte Eli nicht daran.

Sicher, sie züchteten die Rinder des Fleisches wegen, aber sie sorgten auch gut für sie. Die Tiere hatten seiner Familie immer viel bedeutet. Einem Außenstehenden konnte man das nur schwer erklären, aber wer selbst Viehzüchter war, verstand diese innere Verbindung ohne viele Worte.

Bei einer so anstrengenden Arbeit musste man alle Aspekte lieben, sonst entschied man sich nicht dafür. Genau aus diesem Grund betrieb Eli die Viehzucht auch nur nebenberuflich. Vielleicht machte ihn das zu einem Schönwetter-Cowboy, aber damit kam er klar.

Er erledigte seine Arbeit trotzdem. In beiden Jobs.

Als sie die Bäume erreichten, zügelte Eli seine Stute, und Connor stieg ab.

Dann schaute er zurück. »Na toll! Seine Mama ist auf uns aufmerksam geworden. Das heißt aber auch, dass wir nah dran sind.«

Doch das Letzte, was sie wollten, war, von einer fünfhundert Kilo schweren Mutterkuh dabei ertappt zu werden, wie sie ihr drei Tage altes Kalb einfingen und ihm eine Ohrmarke verpassten.

Auch Eli stieg jetzt ab und folgte Connor unter die Bäume. »Okay, Con, beeil dich. Ich will es nicht mit der missgelaunten Mutter zu tun kriegen, ja?«