Glückliche Tage mit dir - Patricia Vandenberg - E-Book

Glückliche Tage mit dir E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Mit rotgeschwollenen und tränenden Augen saß Katja Seitz im Bus, der sie zu ihrem Hausarzt Dr. Daniel Norden brachte. Gerade hatte sie sich die Nase geputzt, doch schon wieder spürte sie, wie sich das unverkennbare Prickeln ausbreitete, in den Nasenflügeln kitzelte. Hektisch wühlte sie in ihrer Tasche nach einem neuen Taschentuch, als sie das deutliche Gefühl beschlich, beobachtet zu werden. Sie blickte auf. Tatsächlich, dort drüben an der roten Ampel stand ein Mann. Ach was, nicht irgendein Mann, nein. Ein Bild von einem Mann, groß und gutgebaut, mit dunklen, kurz geschnittenen Haaren, einem offenen Jungenlächeln, mit dem er sie jetzt breit angrinste. Katja war unvorbereitet und wehrlos. Sein Blick traf sie mitten ins Herz und sofort wußte sie, das war er, der Mann ihres Lebens! Ohne es verhindern zu können, wurde Katja rot. Sie duckte sich und fischte das ersehnte Papiertuch aus ihrer Handtasche, als sie sich nicht länger beherrschen konnte. Ihr ganzer Körper bebte unter der Wucht des Trompetenstoßes, dem ihr Niesen gleichkam. Der Mitfahrer, der neben ihr saß, wandte sich ihr kopfschüttelnd zu. »Kaum zu glauben, daß ein so kleines Näschen einen solchen Lärm veranstalten kann«, lächelte der ältere Herr. »Schlimm, so eine Erkältung, gerade jetzt, wo es endlich Sommer werden will.« Katja putzte sich erst einmal die Nase, ehe sie antworten konnte. »Keine Erkältung, Heuschnupfen! Ein ganz fieser, gemeiner Heuschnupfen.

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 137 –Glückliche Tage mit dir

War alles nur ein schöner Traum?

Patricia Vandenberg

Mit rotgeschwollenen und tränenden Augen saß Katja Seitz im Bus, der sie zu ihrem Hausarzt Dr. Daniel Norden brachte. Gerade hatte sie sich die Nase geputzt, doch schon wieder spürte sie, wie sich das unverkennbare Prickeln ausbreitete, in den Nasenflügeln kitzelte. Hektisch wühlte sie in ihrer Tasche nach einem neuen Taschentuch, als sie das deutliche Gefühl beschlich, beobachtet zu werden.

Sie blickte auf. Tatsächlich, dort drüben an der roten Ampel stand ein Mann. Ach was, nicht irgendein Mann, nein. Ein Bild von einem Mann, groß und gutgebaut, mit dunklen, kurz geschnittenen Haaren, einem offenen Jungenlächeln, mit dem er sie jetzt breit angrinste.

Katja war unvorbereitet und wehrlos. Sein Blick traf sie mitten ins Herz und sofort wußte sie, das war er, der Mann ihres Lebens! Ohne es verhindern zu können, wurde Katja rot. Sie duckte sich und fischte das ersehnte Papiertuch aus ihrer Handtasche, als sie sich nicht länger beherrschen konnte. Ihr ganzer Körper bebte unter der Wucht des Trompetenstoßes, dem ihr Niesen gleichkam. Der Mitfahrer, der neben ihr saß, wandte sich ihr kopfschüttelnd zu.

»Kaum zu glauben, daß ein so kleines Näschen einen solchen Lärm veranstalten kann«, lächelte der ältere Herr. »Schlimm, so eine Erkältung, gerade jetzt, wo es endlich Sommer werden will.«

Katja putzte sich erst einmal die Nase, ehe sie antworten konnte.

»Keine Erkältung, Heuschnupfen! Ein ganz fieser, gemeiner Heuschnupfen. Und das alle Jahre wieder.« Der Bus fuhr ruckend wieder an und Katja warf einen schnellen Blick nach draußen auf die gegen-überliegende Straßenseite. Der Fremde war verschwunden. Die Enttäuschung darüber stach wie eine winzige Nadel zu.

Katja seufzte. »Ist das nicht übel? Da freut man sich all die dunklen Monate auf ein bißchen Wärme und hat dann nur zu leiden.«

»Ach was, früher gab es das alles nicht. Da waren wir froh, wenn wir was zu essen hatten und ein ordentliches Dach über dem Kopf. Tja, mit dem Wohlstand ist wohl nicht alles besser geworden, scheint mir. Und dann diese Jugend...«

Katja beobachtete ihren Sitznachbarn mit wachsender Skepsis, seinen Redefluß unterbrach sie aber nicht. Sollte der alte Mann sagen, was er wollte. Sie war zu sehr mit dem Mann auf der Straße beschäftigt, den sie gefunden und sofort wieder verloren hatte, als sich über diesen spitzen Kommentar ärgern zu können. Zwei Haltestellen später stand sie auf. Der Herr neben ihr, der seine Ansprache immer noch nicht beendet hatte, machte ihr enttäuscht Platz.

»Sie steigen schon aus? Wie schade. Ich hätte Ihnen noch soviel zu erzählen.«

»Ein andermal gerne. Aber jetzt habe ich einen Termin beim Arzt, der meine Zivilisationskrankheit hoffentlich lindern kann«, konnte sie sich einen bissigen Kommentar nicht verkneifen. Der Mann schaute ihr verdutzt nach, während sie leichtfüßig aus dem Bus sprang. Wenn schon der Kopf schwer und die Sinne benebelt waren, so funktionierten wenigstens die Beine noch so, wie sie sollten.

*

Minuten später empfing Dr. Daniel Norden seine heuschnupfengeplagte Patientin. »Du liebe Zeit, Frau Seitz, Sie hat’s aber er-wischt.«

Er reichte ihr mitfühlend die Hand und ging voraus ins Behandlungszimmer. Dort bot er ihr einen Stuhl an und nahm selbst hinter dem Schreibtisch Platz.

»Es ist schrecklich, wirklich«, schnupfte Katja und ließ sich erschöpft auf den Stuhl fallen. »Ich fühle mich sterbenskrank. Dabei lacht mich jeder aus, wenn ich sage, ich habe Heuschnupfen. Für viele Leute ist das gar keine richtige Krankheit.«

»Ich weiß. Allerdings ist ohne Behandlung wirklich nicht damit zu spaßen.« Über das Unverständnis mancher Mitbürger konnte Daniel nur staunen. »Bei Heuschnupfen handelt es sich um eine sogenannte Typ-I-Allergie, die bei chronischem Verlauf in Bronchialasthma übergehen kann. So weit wollen wir es aber gar nicht kommen lassen.«

»Ich fühle mich auch so schon richtig krank.« Schon wieder prickelte ihre Nase, und Katja zog ein Taschentuch aus der Packung, die sie vorsichtshalber gleich in der Hand behalten hatte.

»Kein Wunder. Ihr Immunsystem arbeitet schließlich auf Hochtouren, um den vermeintlichen Eindringling zu bekämpfen. Sie fühlen sich ähnlich wie bei einer ausgewachsenen Grippe.«

Nachdem sie ihre geschundene Nase geputzt hatte, gelang Katja ein kleines Lächeln.

»Ach, so verständnisvolle Worte tun meiner Seele richtig gut.«

Daniel lächelte amüsiert.

»Tut zwar gut, macht aber nicht gesund.« Er wandte sich dem Computer zu, der auf seinem Schreibtisch stand. Die Akte von Katja Seitz hatte er schon auf dem Bildschirm und studierte die vorangegangenen Behandlungen. »Also, einen Allergietest haben wir schon letztes Jahr gemacht, als die Krankheit ausbrach. Gräserpollen fliegen auch gerade jetzt wieder verstärkt. Dann haben wir den Übeltäter ja schon.«

»Inzwischen ist es ja noch viel schlimmer geworden«, jammerte Katja, glücklich, einen so geduldigen Zuhörer gefunden zu haben. »Ich vertrage keine Äpfel und auch keine Nüsse mehr. Es ist zum Haareraufen.«

»Das würde nichts nützen. Lassen Sie Ihre Haarpracht ruhig da, wo Sie ist. Sie kleidet Sie gut.« Sein wohlwollender Blick streifte Katjas schmales Gesicht, das eingerahmt wurde von sanften dunkelbraunen Wellen, die sich schmeichelnd um die Wangen legten.«

»Na schön, was empfehlen Sie denn dann für eine Therapie?« ging Katja auf seinen scherzhaften Ton ein, der zwischen ihnen gang und gäbe war.

»Haben Sie momentan viel Streß, privat oder beruflich? Das könnte mit ein Grund für die massive allergische Reaktion sein.«

»Das werde ich meinem Freund sagen. Er behauptet nämlich, Ablenkung würde mir guttun und zerrt mich unablässig von einem Termin zum anderen, egal, wie schlecht es mir geht.«

»Höre ich da eine gewisse Unzufriedenheit heraus?« Daniel wiegte nachdenklich den Kopf. »Nicht, daß ich mich in Ihr Privatleben einmischen möchte...«.

»Schon gut, Herr Dr. Norden, wir beide verstehen uns doch. Aber ich kann Sie beruhigen. Bis auf ein paar kleine Differenzen ist eigentlich alles in Ordnung. Die große Liebe ist zwar inzwischen auf eine lauwarme Temperatur abgekühlt. Aber schließlich kann ich mir nicht ständig die Finger verbrennen«, grinste sie, bevor sie ein erneuter Niesanfall schüttelte. Den Mann auf der Straße, der sie so sehr in Aufruhr versetzt hatte, verschwieg sie wohlweislich. Selbst ein verständnisvoller Mensch wie Dr. Norden würde sie vermutlich für verrückt erklären. Aber auch so blieb Daniel mißtrauisch. Er such-te in ihren Augen nach der Wahrheit, aber die waren so verquollen, daß er sich seufzend geschlagen gab.

»Also schön. Ich verschreibe Ihnen jetzt Augentropfen und ein Nasenspray gegen die schlimmsten Beschwerden. Meiden Sie die Al-lergene, wo Sie können. Lange Spaziergänge über wogende Wiesen sind ebenso verboten wie Äpfel, Nüsse und alles, auf was Sie sonst noch reagieren. Und Ruhe, viel Ruhe ist wichtig. Bis die schlimmsten Symptome abgeklungen sind, denke ich über eine entsprechende Therapie nach.«

»Aber bitte was Harmloses. Sie wissen doch, ich bin kein Fan von chemischen Keulen«, schob Katja schnell ein, und Daniel nickte.

»In Ihrem Fall habe ich entweder eine Bioresonanz-Therapie im Auge, eine alternative aber auch umstrittene Behandlungsmethode, da muß ich ehrlich sein. Allerdings auch völlig harmlos, daß sie sogar an Kindern mit teilweise großem Erfolg angewandt werden kann. Oder ich empfehle Ihnen einen erfahrenen Akupunkteur. Das könnten wir auch gleich versuchen.«

»Sehr schön, ich tue alles, was Sie mir vorschlagen, wenn ich mich nur bald wieder besserfühle. In meinem Beruf ist es nicht lustig, den ganzen Sommer mit einer dicken Nase und verheulten Augen rumzulaufen.« Dankbar nahm Katja das Rezept und eine Adresse entgegen, ehe sie sich erhob und sichtlich besser gelaunt von Daniel Norden verabschiedete. Ihn besuchte sie immer gerne, genoß seine verständnisvollen Worte, die die leidende Seele trösteten. »Wenn mich mal wieder keiner ernst nimmt, darf ich dann wiederkommen?« fragte sie mit kindlichem Gesicht.

»Sie müssen sogar«, gab Daniel Norden lächelnd zurück. »Schließlich möchte ich über den Erfolg der Behandlung informiert werden.« Er schaute der jungen Frau nach, die leichtfüßig und mit wippenden Haaren über den Flur ging und ein paar freundliche Worte mit Wendy wechselte, ehe sie die Praxis verließ. Manchmal wünschte er sich mehr solche pflegeleichten Patienten, die ein Hauch Frohsinn und Mut umwehte, egal, wie schlecht sie sich fühlten. Aber jeder Mensch hatte schließlich eine andere Art, mit Krankheiten umzugehen. Die einen nahmen sich nicht zu ernst, pinselten eine gute Portion Selbstironie über ihre Schmerzen. Andere litten wortreich und wurden schnell wieder gesund, wenn sie sich den Kummer von der Seele geredet hatten. Die meisten seiner Patienten wußten auf ihre Weise, was ihnen guttat, und Daniel sah seine Aufgabe darin, neben der richtigen Therapie auch die richtige Begleitung zu bieten. Das war manchmal anstrengend, mitunter lustig, hin und wieder bewegend, aber immer spannend. Dr. Daniel Norden liebte seinen Beruf auch nach vielen Jahren noch wie am ersten Tag. Er nahm den Frohsinn Katjas mit in die Sprechstunde, zum nächsten Patienten.

*

Dieses Glück, ihren Beruf mit Leidenschaft auszufüllen, war auch Katja gegönnt. Bei einem exklusiven Reiseveranstalter, bei dem sie seit Jahren tätig war, hatte sie sich vom Mädchen für alles zur Projektmanagerin hochgearbeitet. Auf diesem mitunter steinigem Weg war ihr Ulf Köster begegnet und ihr nicht mehr von der Seite gewichen. Obwohl die Liebe nicht mehr prickelte wie am ersten Tag, hielten sie aneinander fest. Aus Bequemlichkeit? Das fragte sich Katja, als sie im Bus saß und an den Mann dachte, der ihr Leben wie ein Blitzschlag gestreift hatte. Der Mann auf der Straße, der Mann mit dem unverschämt sympathischen Grinsen auf den Lippen. Würde sie ihn je wiedersehen? Versunken in diese Frage hätte sie beinahe ihre Haltestelle verpaßt und sprang in letzter Sekunde aus dem Bus. Ulf hatte sich schon mächtig über den in seinen Augen überflüssigen Arztbesuch aufgeregt. Da mußte sie nicht auch noch unnötig viel später ins Büro kommen.

*

Die kleine, überraschend anberaumte Besprechung war in vollem Gange. Ulf Köster redete pausenlos, als sein Blick aus dem Fenster auf die unten liegende, um diese Uhrzeit beinahe menschenleere Straße fiel. Dort, winzig klein aber unverkennbar, der dunklen Haare wegen, eilte Katja mit dem ihr eigenen, federnden Schritt auf den Eingang des Büros zu.

»Ich sehe gerade, Frau Seitz ist auf dem Weg zu uns. Mit ihr können wir die näheren Details besprechen«, atmete er sichtlich erleichtert auf.

Katja war zuständig für den Bezirk Italien, über den der Chef Kai Götz den wenigen Anwesenden Wichtiges zu sagen hatte. Als sich die Tür nach einem verhaltenen Klopfen öffnete und Katjas verschnupftes Gesicht zum Vorschein kam, erhellte sich Götz’ Miene.

»Frau Seitz, schön, daß Sie endlich den Weg zu uns gefunden haben! Auch wenn Sie sich gar nicht wohl fühlen, wie uns Herr Köster glaubwürdig berichtet hat.«

»Nach den Worten meines Arztes gehöre ich eher ins Bett als ins Büro«, erklärte Katja mit einem triumphierenden Blick Richtung Ulf, der sie ob ihrer Verspätung mit zusammengekniffenen Augenbrauen betrachtete.

»Wir wissen Ihren Einsatz zu schätzen, nicht wahr, meine Herrschaften?«

Beifälliges Getuschel murmelte durch den kahlen Raum. Katja war eine allseits beliebte Mitarbeiterin. Leise setzte sie sich und schickte einen fragenden Blick in die kleine Runde. Ihre Sekretärin Anna Block, Ulf Köster und zwei seiner Mitarbeiter richteten ihre Aufmerksamkeit auf Kai Götz, der erwartungsvoll lächelte.

»Um was geht es?«

Katja hatte es eilig, zur Sache zu kommen.

Kai Götz nickte freundlich in ihre Richtung. Seine engagierte, temperamentvolle Mitarbeiterin war ihm schon öfter positiv aufgefallen. Daher dachte er auch daran, sie mit einer delikaten Aufgabe zu betrauen.

»Es handelt sich um eine Angelegenheit von äußerster Diskretion.« Er räusperte sich, um seinen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen. »Wir haben ein sagenhaftes Angebot aus Venedig erhalten. Da Sie unsere Beauftragte für Italien sind, fällt diese Stadt wohl in Ihren Bereich, nicht wahr?«

»Venedig?« Katja überging seinen gutmütigen Spott. Ihr Interesse war geweckt, die Gedanken an den aufregenden Mann auf der Straße erst einmal verdrängt. »Soweit ich weiß, haben wir in Venedig noch keinen Kooperationspartner.«

»Ganz recht, deshalb ist dieses Angebot so wichtig für uns. Niemand darf davon erfahren. Schließlich schläft die Konkurrenz nicht.« Götz machte eine vielsagende Pause und warf einen Blick in die Runde. Alle Anwesenden nickten gespannt. »Sehr schön. Es geht also um ein sehr exklusives Hotel, das renoviert werden soll. In hartnäckigen Verhandlungen habe ich uns ein großes Kontingent an Zimmern gesichert. Und ein Mitspracherecht bei der Renovierung.« Er sah sich beifallheischend um. Niemand sagte ein Wort, es herrschte atemlose Stille im Raum. Nur von draußen drangen Geräusche herein, das Klappern von Kaffeetassen, das Lachen einer Sekretärin. Unwillig hob Götz eine Augenbraue, dann fuhr er endlich fort. »Also, Frau Seitz, Sie werden nach Venedig reisen und das ›Fratelli ­Daniele‹ in Augenschein nehmen.«

»Das Fratelli Daniele?« hauchte Ulf Köster beeindruckt. »Sie haben das Daniele an Land gezogen?«

»Ganz recht.« Wie ein Pfau, der die Flügel spreizte, marschierte Götz durch den Raum. Schließlich verschränkte er die Arme vor der stolzgeschwellten Brust und lächelte zufrieden. »Ich sehe die Überschrift im Reisekatalog schon vor mir. Götz-Reisen bietet das ›Fratelli Daniele‹ an! Ein Traum wird Wirklichkeit. Das wird ein Highlight in unserer erlesenen Palette. Ich denke an einzigartige Feinschmeckerreisen nach Venedig, für Menschen, die schon alles gesehen und alles erlebt haben«, schwärmte er weiter. Alle anderen teilten seine Begeisterung, nur Katja starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

»Ich soll nach Venedig reisen?« murmelte sie sprachlos vor Entsetzen. Unmöglich konnte sie ihren Traummann, den sie eben erst in dieser Stadt entdeckt hatte, hier zurücklassen. »Für wie lange?« Götz erwiderte ihren Blick voller Verwunderung.

»Ich denke, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Ein paar Wochen kann das schon dauern. Längstens bis Produktionsschluß für unseren neuen Frühjahrs-Katalog. Warum starren Sie mich denn so an? Ich dachte, dieser Auftrag ist eine Ehre für Sie!«

»Aber ich habe doch noch ein paar andere Projekte, die ich abschließen muß. Und die Berichte über das Hotel in Triest sind auch noch nicht fertig.«

»Das hat Zeit. Wozu brauche ich jetzt noch Berichte? Das einzige, das zählt, ist im Moment Venedig. Diese Chance müssen wir nutzen, mit unseren besten Leuten. Wenn Sie nicht dabei sein wollen, dann müssen wir uns eben einen anderen Projektleiter suchen.« Sein Blick kreiste in der Runde, unterzog jeden der Anwesenden einer eingehenden Prüfung, ehe er bei Ulf Köster Halt machte. »Köster, das ist die Lösung!« rief er süffisant lächelnd. »Wenn Sie nicht gehen wollen, Frau Seitz, dann schicken wir eben Ihren Lebensgefährten. Sie haben die Wahl.«

Katja dröhnten die Worte im Kopf. Ihre Augen tränten und die Nase juckte schon wieder verdächtig.

»Ich werde darüber nachdenken«, schniefte sie müde und erhob sich, vermied jeden Blick auf den kopfschüttelnden Ulf und die anderen Mitarbeiter. Langsam ging sie zur Tür.

»Aber nicht zu lange. In drei Wochen startet die Mission. Und vergessen Sie nicht: äußerste Diskretion. Zu niemandem ein Wort. Ich hoffe, wir haben uns verstanden«, rief Götz ihr nach. Katja nickte, ohne sich umzudrehen. Sie ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen und machte sich auf den Weg nach Hause, um endlich Daniel Nordens Rat zu befolgen und sich ins Bett zu legen. Drei Wochen, um ihren Traummann zu finden und sein Herz für sich zu erobern. Eine wahrlich knappe Zeit!