Christopher G. Hamilton
Golf im Zeichen des ZEN
ZEN-Golfgeschichten
Inspirationen für das Golfspielund das Spiel des Lebens
© für die deutsche Ausgabe 2014:
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1. Auflage September 2014
Autor: Christopher G. Hamilton
Projektleitung: Frank Pyko
Umschlag und Layout: Petty Heisler
Satz: Satzbüro B. Herrmann
Korrektur: TextBüro Meßmer
Fotos: Iris Hamilton
Druck und Bindung: fgb · freiburger graphische betriebe GmbH
Bildnachweis:
Titelbild von Susan Leitch ©, Fotolia 6980601 Golfball von pixelrobot ©, Fotolia 54343014
Copyright © 2012 by Christopher G. Hamilton
ISBN 978-3-944414-05-8
Vorwort
In diesem Buch habe ich alte, überlieferte ZENgleichnisse und -philosophien in die heutige Zeit »übersetzt«, um sie für unser modernes, westliches Denken etwas verständlicher zu machen. Die Geschichten sind einfach und schnörkellos, aber zugleich tiefsinnig, auch wenn manche auf den ersten Blick banal wirken mögen – das ist ZEN!
Ich beschäftige mich seit Langem mit dem mentalen Aspekt im Sport und habe viel Literatur über dieses Thema durchforstet. Angefangen von Standardwerken der Sportpsychologie bis hin zu Klassikern wie »Golf und Psyche« von Michael Murphy oder »INNER GAME GOLF« von W. Timothy Gallwey. Mein Studium hat mich zu diesem Buch inspiriert. Ich sehe es als passende Ergänzung zu klassischen Lehrmethoden, die oft an ihre Grenzen stoßen. Es eröffnet eine andere Perspektive auf das Spiel, hält sich mit Instruktionen zurück und schickt Sie auf eine spirituelle Reise.
Das Buch ist nicht als Bedienungsanleitung gedacht, trotz all der Hinweise, die Ihnen bei Ihrem Golfspiel helfen werden. Es soll vielmehr eine Inspiration sein, Verantwortung für Ihre eigene Entwicklung in beiden Bereichen zu übernehmen, beim Golfspiel und in Ihrem Leben.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einführung
Liste der Geschichten
Zen-Geschichten 1–50
Golfbegriffe
Über den Autor
Einführung
»Laufe mit, was auch immer geschieht, und halte deinen Geist frei.Bleibe zentriert und akzeptiere, was auch immer du tust. Das ist das Nonplusultra.«Chuang Tzu
Golf ist ein komplexes und Respekt einflößendes Spiel. Es erfordert im höchsten Maße koordinierte, kontrollierte und fein abgestimmte Kombinationen von Schlägen, um einen kleinen Ball in einem Loch auf einer Fläche aus Gras zu platzieren. Manchmal ist dieser Weg einige hundert Meter lang, umgeben von Hindernissen, die dazu bestimmt sind, das Vorwärtskommen dieses Balls zu erschweren.
Der eigentliche Inhalt des Spiels ist es, den Golfball mit einer minimalen Anzahl von Schlägen von einem Punkt zum anderen zu bringen. Das Spielergebnis summiert sich aus der Anzahl der benötigten Schläge pro Loch. Dabei ist jeder Schlag einmalig und nicht wiederholbar. Nehmen Sie all diese Faktoren zusammen und Sie haben die Grundlage für Anspannung, Angst und Enttäuschung.
In keinem anderen Sport ist ein klarer, ruhiger, konzentrierter und entspannter Geist so überaus wichtig wie beim Golf. Wir alle kennen das Gefühl: Wenn die Dinge bei unseren Übungen auf den Abschlagsplätzen – der »Driving Range« – gut gehen, ist unser Geist ruhig. Wir schlagen den Ball gut, weil wir entspannt sind und unsere Schläge keine Konsequenzen haben. In jener Minute, in der wir den Golfplatz betreten, »um etwas zu spielen«, ändert sich das alles plötzlich. Wieso? Es liegt nicht daran, dass wir die Technik nicht mehr beherrschen. Es geschieht, weil uns unser Geist im Weg steht.
Golf unbeirrbar und effektiv zu spielen ist so, als würden wir dem Weg der Einfachheit folgen. Einige der besten sportlichen Leistungen werden vollbracht, wenn sie extrem einfach gehalten sind. Schlichte Techniken, simple Systeme und leichte Routinen.
Das Problem bei Komplexität ist: Sie verursacht Unsicherheit und Zögern durch Verwirrung und Zweifel. Wenn wir eine weniger komplizierte Einstellung beim Spiel benutzen, indem wir zu einem natürlichen Lernprozess zurückkehren, werden die Dinge klarer und dadurch leichter.
Was ist ein natürlicher Prozess?
Als Kinder erlernten wir komplizierte Fertigkeiten nicht durch Analyse und Selbstkritik, sondern durch Ausprobieren auf eine Weise, die nichts bewertete. Das ist natürliches Lernen. Entdecken durch Erfahrungen ohne Furcht.
Generell neigen wir dazu, Dinge zu überdenken. Doch durch ein erhöhtes Bewusstsein darüber, was geschieht, lernt der Körper am leichtesten, das Richtige zu tun.
Warum sollen wir unseren Gefühlen vertrauen?
Ein gedankliches Konzept kann Ihnen die richtige Richtung zeigen. Doch das gute Gefühl, das Sie aus einer Erfahrung bekommen, ist für einen effektiven Lernprozess entscheidend.
Wie können wir uns selbst vertrauen?
Erkenntnis plus Erfahrung ist gleich Vertrauen. Dies ist die wichtigste Zutat, die wir für Vertrauen in all unsere Handlungen brauchen. Indem wir auf unsere Gefühle vertrauen, entwickeln wir allmählich Selbstvertrauen.
Was ist Vertrauen?
Vertrauen entsteht, wenn wir lernen, uns selbst zu vertrauen. Wenn wir uns weniger von Fremdbestimmung abhängig machen. Wenn wir verstehen, dass Bewusstheit verbessertes Lernen und verbesserte Leistung mit sich bringt. Wenn wir uns von anderen inspirieren lassen können, ohne Drang, sie kopieren oder nachahmen zu müssen. Natürliches Vertrauen bedeutet auch Vertrauen in »Mutter Natur«.
Was ist Bewusstheit?
Bewusstheit bedeutet, etwas direkt frisch und neu zu erfahren, in diesem Augenblick. Denken ist, über vergangene Geschehnisse zu resümieren. Im gleichen Maß, in dem das Denken zunimmt, sinkt die Bewusstheit.
Was bedeutet, bewusst zu sein?
Es ist wichtiger zu wissen, wo sie sind, als zu wissen, wo Sie sein sollten. Zu wissen, was Sie tun, statt was Sie tun sollten, ist bewusst zu sein. Lassen Sie sich von Ihren Interessen und Ihrer Intuition beeinflussen. Indem Sie zulassen, dass Erfahrungen Ihr Ratgeber sind, erlauben Sie Ihrem Körper, durch Handeln, anstatt durch Nachdenken, über die Handlung zu lernen.
Wie lernen wir am besten?
Eine der effektivsten Lernmethoden ist Inspiration. Wenn ein Golflehrer Ihnen nützliche Anweisungen dazu gibt, wie Sie einen bestimmten Schlag am besten ausführen, dann ist das Verständnis für diesen Schlag das Ihres Lehrers. Es ist seine Erfahrung. Wenn Sie allerdings erleben, was er Ihnen zeigte, wird das Ihr Gefühl verbessern, was sich positiv auf Ihren Lernprozess auswirken wird. Doch leider ist es oft so, dass, sobald der Lehrer geht, auch die guten Tipps und Anweisungen mit ihm gegangen sind. Der Grund dafür ist, dass der Lehrer das Verstandene mitnahm. Es ist ein ergänzender Lernprozess nötig, der auch von innen nach außen wirkt. Der Kreislauf des Lernens muss vollendet werden, wenn eine dauerhafte Veränderung eintreten soll. Das können Sie nur durch Ihr eigenes Verständnis erfahren, statt nur durch das Verständnis des Lehrers.
Der Kreis des Lernens ist vollständig, wenn das, was Sie lernten, durch pure Erfahrung in einer nicht bewertenden Form ergänzt wird. Dadurch erhält Ihr Lehrer kostbares Feedback über die Qualität der Kommunikation während des Lernprozesses. Dieses Feedback ist notwendig, hilft es doch dabei, die Situation zu vermeiden, in der Sie Informationen über Informationen erhalten, bis Sie nichts mehr aufnehmen können und der Lernprozess so ins Stocken gerät. In diesem Fall siegen Angst und Enttäuschung. Einen vollständigen Lernprozess kann man mit einer vollständigen Atmung vergleichen. Sie atmen ein, doch der Atemzug ist nicht vollständig, bevor Sie auch wieder ausgeatmet haben.
Dort draußen zwischen dem, was war, was geschieht und was vor uns liegt, ist ein Spiel, das zu jedem von uns gehört. Es ist unser tägliches Spiel vom ersten Tag an. Wir können es nicht erlernen oder es beigebracht bekommen. Wir müssen es leben und ihm erlauben zu wachsen. Wie ein Baum, der in einem Wald groß und stark wächst mit seiner natürlichen Fähigkeit, all die Jahreszeiten mit Schnee, Wind, Regen und Sonne unbeeinflusst auszuhalten.
Tao (bedeutet: der Weg)
Tao, der Lehrer und ZEN-Meister, wird Sie durch dieses Buch begleiten, er sagt: »Golf ist ein Spiel, das man nicht gewinnen, sondern nur spielen kann.«
Tao und seine ZEN-Einstellung zum Leben
Tao ist weniger ein Lehrer als vielmehr einer, der Inspiration weitergibt. Gewöhnlich sagte er zu seinen Schülern, wenn er fühlte, dass sie zu sehr von ihm für eine Antwort oder eine Lösung ihrer Probleme abhängig waren: »Sucht danach mit eurem Körper. Sucht danach mit euren Sinnen. Ihr müsst nicht darüber nachdenken, stattdessen fühlt es, denn der Körper ist viel schlauer, als es der Kopf jemals sein wird. Ich bin nicht hier, um euch irgendwo hinzubringen, ich kann euch nur helfen, den Weg zu finden.«
Tao ist unkonventionell, er verwendet ungewöhnliche Methoden und Geschichten, um seine Studenten zum Ausprobieren zu inspirieren, ihre eigenen Antworten zu finden und für ihre eigene Entwicklung selbst verantwortlich zu sein. Er lehrt seine Schüler, nicht blindlings etwas zu glauben, nur weil irgendjemand etwas behauptet. Er sagt: »Wenn du es sehen kannst und wenn du es fühlen kannst, nur dann glaube es, denn dann wird es kein Glaube bleiben, sondern dir vertraut werden. Das ist der Unterschied zwischen Vertrauen und Glauben: Vertrauen entsteht durch Erfahrung; Glauben ist nur eine vorgefasste Meinung ohne eine Erfahrung, die sie unterstützt.«
Tao setzt sich nie Dingen entgegen, indem er sie herausfordert, stattdessen bewegt er sich in die entgegengesetzte Richtung, ohne jemals auf eine direkte Opposition zu stoßen. Er nennt das das Prinzip, Dinge zu kontrollieren, indem er zusammen mit ihnen geht, mit ihnen im Fluss ist. Es ist der Widerstand gegen das, was ist, was Probleme verursacht. Was ist, kann nicht geändert werden, und Freiheit liegt in der Akzeptanz dessen, was ist.
Tao verwendet die richtige Zeitspanne, Energie und das Material, das erforderlich ist, ein Ergebnis zu erreichen, nicht mehr und nicht weniger. Er ist stark, weil er geduldig ist und sich nicht zu Gefühlsausbrüchen hinreißen lässt, für die manch eine Situation Anlass bieten könnte. Stattdessen hält er lange genug inne, um eine klare, emotionsfreie Antwort und die beste Option zu finden.
Für Tao ist es egal, was andere denken, es beeinflusst ihn nicht. Er lässt die Dinge passieren, denn er ist im Frieden mit sich, weiß, wer er ist und dass er die Welt nicht ändern kann.
Tao akzeptiert die Wärme und Heiterkeit im Leben, indem er das Negative an sich vorbeiziehen lässt, ohne davon beeinflusst zu werden. Er ist eins mit allen Eventualitäten, hat sich von alten Verhaftungen befreit und vertraut seinem Unterbewusstsein als Unterstützung in seinem Prozess.
Tao versteht, dass das Jetzt alles ist, was existiert, Jetzt ist außerhalb der Zeit. Er hat einen freien Geist entwickelt, der mit dem Leben fließt, und nimmt den natürlichen Pfad, »den Pfad des Wasserlaufs«. Er hat sich von der Vergangenheit gelöst und ist für die Zukunft nicht verantwortlich, weil er im Jetzt lebt.
Tao sagt, dass es nichts zu suchen und nichts zu finden gibt, weil man schon alles in sich hat, was man braucht, und er ist sich sicher, dass wir durch Bewusstheit unser wahres, inneres Ich erkennen.
In der Lehre des ZEN gibt es immer einen Meister und einen Anfänger.
Der Meister ist der Lehrer, der eine, der immer versteht.
Der Anfänger ist der Schüler, der eine, der auf dem Weg zum Verständnis ist.
Liste der Geschichten
01. Ein Wimpernschlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einstellung
02. Eins nach dem anderen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Qualität
03. Der natürliche Lernprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bewusstheit
04. Den Preis bezahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bewusstheit
05. Halte es einfach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einfachheit
06. Der natürliche Rhythmus der Dinge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Qualität