Gott begleitet uns - Rainer Maria Woelki - E-Book

Gott begleitet uns E-Book

Rainer Maria Woelki

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Beschreibung

* Geistliche Worte des neuen Kölner Oberhirten * Erstmals in Buchform »Gott begleitet uns« - unter diese Zusage stellt der neue Kölner Erzbischof seine geistlichen Worte, die den Leserinnen und Lesern im neuen Jahr Woche für Woche Vertrauen, Kraft und Lebenssinn schenken wollen. Ein wertvolles Brevier für Menschen auf dem Weg.

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Seitenzahl: 80

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Gott begleitet uns

Mit Kardinal Woelkidurch das Jahr

Herausgegeben vonJoachim Opahle

Impressum

© Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2015

Alle Rechte vorbehalten

www.herder.de

Umschlaggestaltung: wunderlichundweigand, Stefan Weigand

Umschlagmotiv:© Walter Wetzler

E-Book-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

ISBN (Buch) 978-3-451-33737-6

ISBN (E-Book) 978-3-451-80523-3

Vorwort

Die Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums zu deuten (Gaudium et Spes 4), ist die prophetische Aufgabe aller Christen. Vor allem aber wird von Bischöfen verlangt, dass sie Stellung nehmen zu wichtigen Gegenwartsfragen. Denn von ihnen erwarten nicht nur die Gläubigen Orientierung, auch die Medien richten ihre Aufmerksamkeit zuvörderst auf das, was die Bischöfe sagen.

Kardinal Rainer Maria Woelki hat diese Herausforderung in seiner Zeit als Berliner Oberhirte gerne und engagiert wahrgenommen. Regelmäßig meldete er sich – im Wechsel mit seinem evangelischen Amtsbruder – in der Radio-Kolumne „Wort des Bischofs“ im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) zu Wort, immer samstags, zur besten Frühstückszeit. Mehr als 100 000 Hörerinnen und Hörer werden durch diese geistlichen Kommentare zum Zeitgeschehen erreicht.

Aus ihnen ist das vorliegende Buch entstanden. Die Beiträge orientieren sich an den Festen des Kirchenjahrs oder greifen aktuelle Fragen auf, die in Gesellschaft und Kirche auf der Tagesordnung standen und weiterhin von Bedeutung sind. Es geht um den Umgang mit Flüchtlingen, die Nöte von Alleinerziehenden, die Wachsamkeit gegenüber Rechtsradikalen, den Dialog zwischen Christen und Muslimen, um Organspende oder Sterbehilfe. Aber auch um Rücksichtnahme im Straßenverkehr und konkreten Umweltschutz im Alltag. Und für den Fußballfan Woelki nicht zuletzt um die Frage, ob es einen „Fußballgott“ gibt.

Lebensnahe Wortmeldungen, konkret und engagiert in der Parteinahme, und zugleich offen für den gesellschaftlichen Meinungsaustausch.

Joachim Opahle

Rundfunkbeauftragter im

Erzbistum Berlin

JANUAR

FEBRUAR

MÄRZ

1Ein gesegnetes neues Jahr

Menschen sehnen sich nach Segen. Für viele ist die Gesundheit so ein Segen. Manchmal ist der Freund zur rechten Zeit ein Segen; „Dich schickt der Himmel“, heißt es dann. Die Liebe ist ein Segen, die Familie, die Beziehungen, in denen wir leben.

Biblischer Glaube ist geprägt von der Überzeugung: Alles Leben ist von Gott gewollt und daher von ihm – im Ursinn des Wortes – gesegnet, gut geheißen. Das lateinische Wort für Segnen ist bene dicere, auf Deutsch: Gutes sagen.

Für die Menschen der Bibel war der Segen so vertraut wie uns der Guten-Tag-Gruß. Sie hatten in ihrer wechselvollen Geschichte erfahren: Der Mensch braucht mehr als das tägliche Brot und den Wein für das Fest, mehr als Sonne und Regen. Das Wohlwollen Gottes und das Wohlwollen der Menschen waren ihnen mindestens ebenso wichtig. Oder sogar das Entscheidende, damit ihr Leben gelingen konnte.

Menschen bitten um den Segen. Fast wie ein scheues Sich-Sehnen-nach-einem-Hauch-von-Heil klingt das.

Jesus Christus hat die Segenszusage Gottes bekräftigt, als er versprach: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt.“ (Mt 28,20) Alle Tage, das heißt: in guten wie in bösen Zeiten, in Freude und Trauer, in Verzweiflung und Schuld. Gott lässt keinen allein.

Diese Zusage Gottes rufe ich mir in Erinnerung, wenn ich um seinen Segen bitte für mich und für alle, die zu mir gehören. Denn gutgeheißen zu sein, gesegnet zu sein bedeutet: Neues kann entstehen, Ungeahntes, sogar Großartiges. Gottes Segen ermöglicht Heilendes und Heiliges.

Was wird es bringen, das neue Jahr? Wir wissen es nicht. Und das ist gut so. Kein Mensch wäre glücklicher, würde er wissen, was ihn erwartet. Eines aber weiß ich: Gott begleitet uns immer und überall mit seinem Segen. Das verspreche ich Ihnen für ein ganzes neues Jahr!

2Die Sternsinger sind unterwegs

Eine Geschichte aus Berlin-Friedrichshain: Ein junges Paar hat sich dort sein „Nest“ gebaut. Die Frau ist in Bayern aufgewachsen. Sie besteht darauf: Die neue Wohnung muss gesegnet werden. Es ist ja ihr Lebensmittelpunkt, das ersehnte gemeinsame Zuhause nach Elternhaus und Studenten-WG. Also kommt der Pfarrer und schreibt die Jahreszahl sowie die Buchstaben C und M und B an die Wohnungstür. Nur mit weißer Kreide. Trotzdem ruft die Aktion den Hausmeister auf den Plan, und der verlangt: „Die Schmiererei muss weg!“ Die Mieter versuchen, ihm zu erklären, was die Inschrift über der Tür bedeutet und vor allem, was sie ihnen bedeutet. Das ist einigermaßen erfolglos, endet aber gütlich: „Wenn Sie hier wieder ausziehen, kommt das aber weg“, grummelt der Hausmeister.

Ältere Berliner erzählen, die Buchstaben C, M und B über manchen Haustüren würden für „Cäse, Milch und Butter“ stehen, für den Wunsch nach einem gesicherten Lebensunterhalt. Dem ist nicht so. Die drei Buchstaben stehen für den alten lateinischen Segenswunsch: „Christus mansionem benedicat – Christus segne diese Wohnung“. Genau das wollten die beiden Neubürger von Friedrichshain: Sie selbst, ihr Zuhause und alle, die bei ihnen ein- und ausgehen, sollen von Gott gesegnet sein.

Wenn in den nächsten Tagen in unseren Gemeinden die Sternsinger unterwegs sind und die Jahreszahl 2015 sowie C, M und B an die Türen schreiben, dann bringen sie den Segen Gottes in die Häuser und Einkaufszentren, zum Bäcker und zum Bürgermeister. Mit den Spenden, die sie erbitten, werden hilfsbedürftige Menschen, vor allem Kinder unterstützt. Das Dreikönigssingen ist die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, den Sternsingern begegnen – denken Sie an das junge Paar in der neuen Wohnung und an den alten Spruch: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Darauf hoffen wir auch im neuen Jahr.

3Für eine Kultur der Achtsamkeit

Noch ist das neue Jahr jung. Noch wechseln sich die guten Wünsche – also viel Glück und „vor allem Gesundheit“ – mit den guten Vorsätzen ab: weniger rauchen, mehr Zeit für die Kinder, nicht so oft im Internet festhängen und mindestens zweimal in der Woche joggen gehen. Die böse Statistik hält allerdings dagegen: Nur etwa zehn Prozent der Vorsätze überleben den Januar. Das Fleisch ist schwach.

Ich verstehe es als eine Gnade, nicht vorherzusehen, was auf einen zukommt in den kommenden zwölf Monaten. Sicher, Sorgen werden es sein, das ist immer so: Wird das Geld reichen? Bleiben die Mieten bezahlbar? Kann noch mehr Mitbürgern der soziale Aufstieg ermöglicht werden? Bekommen Kinder aus benachteiligten Milieus faire Bildungschancen? Wird die Solidargemeinschaft halten?

Für den Einzelnen können das Schicksalsfragen sein. Und keiner ist davor gefeit, an den Rand gedrängt zu werden, Arbeit, Lohn und Anerkennung zu verlieren. Wahr ist auch, dass wir alle aufeinander angewiesen sind – mitunter mehr, als uns lieb ist. Das gilt für die Familie wie für die Gesellschaft, für die Bewohner der Stadt wie für die Bewohner des Erdkreises: „Urbi et orbi“.

Deshalb werbe ich für eine Kultur der Achtsamkeit: Achten wir aufeinander – auf den Nachbarn und den Kollegen, den Obdachlosen vor dem Supermarkt, auf Menschen, die bei uns Schutz suchen. Nehmen wir einander wahr. Wenn uns das gelingt, kann es ein gutes neues Jahr werden – mit menschlicher Wärme und mit göttlicher Hilfe. Denn Gott ist bei uns, er achtet auf uns.

4„Nie wieder Krieg!“ – Beten für den Frieden in den Ländern des Nahen Ostens

„Nie wieder Krieg!“ Mit einem eindringlichen „Ruf zum Frieden“ fordert Papst Franziskus ein Ende der Gewalt. „Krieg führt nur zu Krieg, Gewalt führt nur zu Gewalt, nie wieder Krieg“, rief er auf dem Petersplatz mehreren Zehntausend Menschen zu. „Wie viele Leiden, wie viel Zerstörung, wie viel Schmerz hat der Gebrauch von Waffen über die gemarterten Länder gebracht und bringt es immer noch, vor allem über die wehrlose Zivilbevölkerung“, klagte er. „Ich versichere Euch, dass sich die schrecklichen Bilder der letzten Tage mir ins Gehirn und ins Herz gebrannt haben.“ Mit ebenso viel Nachdruck forderte Papst Franziskus die internationale Gemeinschaft auf, endlich und „ohne weitere Verzögerung klare Initiativen für den Frieden“ zu unternehmen. Denn die Menschheit braucht Gesten des Friedens, sie braucht Worte der Hoffnung.

Eine solche Geste des Friedens ist das Gebet. Ich lade Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein, für den Frieden in Syrien und dem Nord-Irak und in allen Kriegsgebieten der Welt zu beten!

Und falls Sie jetzt meinen, diese Einladung beträfe Sie nicht, weil Sie weder katholisch noch überhaupt irgendwie religiös seien – macht nichts, ich lade Sie trotzdem ein: Zünden Sie eine Kerze an für den Frieden in der Welt, schicken Sie den Menschen in den Kriegsgebieten Ihre guten Gedanken. Lassen Sie sich ein auf ein Netz von Friedensinitiativen, das alle Frauen und Männer guten Willens verbindet – die Muslima in Köln, München oder Berlin genauso wie den Papst in Rom.

Die Menschen wollen Gesten des Friedens sehen und Worte der Hoffnung hören. Sie sehnen sich nach dem Lichtermeer brennender Kerzen, und sie vertrauen der Wirkung auch eines stummen Rufs zum Himmel.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten, friedvollen Tag!

5Keine Furcht vor Fremden

Unser Land nimmt zurzeit so viele Flüchtlinge auf wie seit Jahren nicht mehr, war in der Presse zu lesen. Das löst offenbar Ängste aus. Nachbarn von neu geplanten Flüchtlingsunterkünften protestieren. Rechte Gruppen versuchen, daraus für sich Kapital zu schlagen.

Haben wir Grund, uns zu fürchten? Erinnern wir uns: Vor 20 Jahren lag die Zahl der Menschen, die allein in Westdeutschland Asyl beantragten, fünfbis zehnmal so hoch wie heute. Auch damals ist unsere Gesellschaft nicht auseinandergebrochen. Aber es wurde hart über das Asylrecht gestritten. Und es wurde verschärft. So sehr, dass die Folgen bis heute zu spüren sind. Wer durch ein anderes EU-Land zu uns kommt, dem gewähren wir keinen Schutz, sondern schieben ihn dahin ab. Weil andere europäische Staaten diesem Beispiel gefolgt sind, sprechen manche von der „Festung Europa“.

Weltweit sind rund 40 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur jeder Hundertste schafft es in die „Festung