Gottes langer Atem - Andrea Varga - E-Book

Gottes langer Atem E-Book

Andrea Varga

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Beschreibung

Wenn Gott Zerbruch, Leid, Dunkel, Schmerz, Schuld und Tod sieht - dann sieht er nicht nur das. Er sieht mehr. Er sieht das Potenzial für Wiederherstellung: für Heilung, Trost, Licht, Rettungsjubel, Vergebung und Auferstehung. Dieses Buch ist ein Einladung, Gott in seiner Langmut neu kennenzulernen. Er ist bereit, die langen Wege zu gehen. Er lässt sich nicht abschrecken, wenn etwas, das er gut gemacht und geplant hat, nicht direkt aufgeht. Wenn etwas zerbricht. Er lässt sich die Zeit, dass wir ihn aus einem freiwiligen Herzen suchen, wählen und lieben können. Mitten in den Scherben. Auch wenn dein Leben gerade alles andere als gut aussieht: Es gibt Grund zur Hofffnung! Darf Gott dein Vertrauen zurückgewinnen? Er wird dich nicht aufgeben.

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Seitenzahl: 256

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Über das Buch

Gottsiehtmehr

Wenn Gott Zerbruch, Leid, Schmerz und Schuld sieht, dann sieht er nicht nur das. Er sieht mehr. Er sieht das Potenzial für Wiederherstellung: für Heilung, Trost und Vergebung. Dieses Buch ist ein Einladung, Gott in seiner Langmut neu kennenzulernen. Er ist bereit, die langen Wege zu gehen. Er zieht sich nicht zurück, wenn etwas, das er gut gemacht und geplant hat, nicht direkt aufgeht. Wenn etwas zerbricht. Er gibt uns die Zeit, ihn aus einem freiwilligen Herzen zu suchen, zu wählen und zu lieben. Mitten in den Scherben. Auch wenn dein Leben gerade alles andere als gut aussieht: Es gibt Grund zur Hofffnung! Darf Gott dein Vertrauen zurückgewinnen? Er wird dich nicht aufgeben.

»Ich kann dieses Buch jedem, der sich nach mehr Offenbarung unseres liebenden Gottes sehnt, nur wärmstens empfehlen. Es steckt voller Potenzial, dich tiefer in deine von Gott gedachte Identität zu führen.«Timo Langner, Songwriter & Lobpreisleiter

»Kaum etwas anderes prägt unser Denken, unser Reden und unsere Entscheidungen mehr als die Frage, wem wir tatsächlich vertrauen. Andrea Varga zeigt auf, welche Quelle wirklich vertrauenswürdig ist, in einer Welt, die von Informationen überflutet wird. Ein wichtiges Buch.«Gabriele Dallmann, Künstlerin

Über die Autorin

Andrea Varga (Jg. 1968) lebt mit ihrem Mann Serge in Weil am Rhein. Sie haben vier gemeinsame Kinder. Andreas Leidenschaft sind Menschen und das Wort Gottes. In ihrer Gemeinde ist sie Teil des Lehrteams. Sie liebt Lesen, Schreiben, Töpfern und Buchbinden.

»Danke, Andrea, dass du in Anknüpfung an deine eigene Lebensgeschichte interessant, authentisch und lebensfroh auf die Wahrheit des Satzes hinweist: Gott ist ein Gott, der mich sieht, mir nachgeht und in Beziehung zu mir treten will. Wer dies glaubt und vor allem, wer dies nicht glaubt, dem empfehle ich dieses Buch!«

Dr. Stefan VatterAutor & Geschäftsführer von »Exploration Gott gGmbH«

»Eine Einladung, die To-do-Liste zur Seite zu legen und den Druck rauszunehmen – Gott echt zu begegnen, mit allen Fehlern, und zu entdecken, dass er wirklich liebt. Eine Ermutigung und gleichzeitig Herausforderung, im Vertrauen auf und in Abhängigkeit von Gott zu leben.«

Anna GabLobpreisleiterin & Songwriterin

»Ein mitreißendes und ermutigendes Buch über Gottes Geduld, seine Vergebung und die Wiederherstellung unseres Lebens. Durch persönliche Geschichten und tiefgehende biblische Wahrheiten veranschaulicht Andrea Varga, dass Gott uns niemals aufgibt und uns liebevoll auf unserem Weg begleitet – ein absolutes Must-Read!«

Vincent LangLobpreisleiter

Andrea Varga

GotteslangerAtem

Vertraue dem Gott,der dich niemals aufgibt

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (»Text und Data Mining«) zu gewinnen, ist untersagt.

ISBN 978-3-417-27131-7 (E-Book)

ISBN 978-3-417-01031-2 (lieferbare Buchausgabe)

E-Book-Erstellung: CPI books GmbH, Leck

© R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH

Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen

brockhaus-verlag.de

Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen.

Weiter wurde verwendet:

Elberfelder Bibel 2006, © 2006 R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Holzgerlingen. (ELB)

Lektorat: Katharina Töws

Umschlaggestaltung: Astrid Shemilt, www.astridshemilt.com

Titelbild: Adobe Stock, Mario Montali

Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach

Inhalt

Über das Buch

Über den Autor

Einführung: Gottes langer Atem

1Wiederhergestellt, aber nicht unversehrt

2Wer braucht Wiederherstellung?

3Wer entscheidet über unseren Wert?

4Das Wesen Gottes

5Ebenbilder Gottes

6Der Preis für unser Leben

7Lügen über Gott

8Vertrauen praktisch

9Leben wie Menschen, die Gott kennen

10Gott kennt uns

11Das Geschenk der Gemeinschaft

12Keine Wiederherstellung ohne Vergebung

13Ein Reich der Beziehungen

14Eine veränderte Nation

Danke

Anmerkungen

Einführung

Gottes langer Atem

Meine Bekannte reicht mir ein in Packpapier gewickeltes Buch. Ihr Blick ist zögerlich, aber hoffnungsvoll. »Vielleicht kannst du da ja noch was machen«, sagt sie, und ich entferne das Papier. In meinen Händen halte ich ihre Bibel. Der obere Buchdeckel ist abgegangen, der untere hängt noch an einer Stelle am Buchrücken, der keinen Halt mehr gibt. Die Ecken sind abgestoßen, einzelne der dünnen Seiten sind lose, viele haben Eselsohren, und das Lesezeichen kann man kaum noch greifen. Das Buch ist völlig zerfleddert. Als ich es vorsichtig aufschlage, sehe ich an vielen Stellen von Hand notierte Bemerkungen, und ich sehe, dass viele Stellen in verschiedenen Farben unterstrichen worden sind. Ich lächle.

Die Gebrauchsspuren verraten mir, dass diese Bibel in den letzten Jahren nicht im Regal stand, sondern häufig gebraucht und gelesen wurde. »Das wird schon Arbeit«, sage ich, »aber du kannst sie nächste Woche wieder abholen.«

Erleichterung im Gesicht meiner Bekannten. »Nächste Woche schon! Danke sehr. Ich freue mich!«

Ich freue mich auch. Natürlich hätte sie sich auch einfach eine neue Bibel kaufen können, aber diese enthält ein Stück ihrer Lebensgeschichte mit Gott. Diese Bibel hat sie begleitet – in Tagen voller Glück und in Tagen voller Trauer. Die Worte in dieser Bibel haben sie getröstet und ihr dabei geholfen, die Hoffnung nicht aufzugeben, den Weg weiterzugehen, weil es da einen Gott gibt, der vertrauenswürdig ist. Diese Bibel hat sie ermutigt zu vergeben, und in ihren Seiten hat sie entdecken dürfen, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist – auch sie selbst. Deshalb ist diese Bibel trotz ihrer Erscheinung kostbar. Aus meiner Sicht sogar wertvoller als ein neues Exemplar. Mit Sorgfalt mache ich mich also daran, diese einzigartige Bibel zu reparieren.

Wiederherstellung

Als ich begann, mich mit dem Thema der Wiederherstellung – von gebrauchten Bibeln und von uns Menschen – auseinanderzusetzen, ahnte ich noch nicht, wie umfangreich es sein würde. Es gibt so viel zu diesem Thema zu sagen!

Fasziniert stellte ich immer mehr fest, mit welcher großen Geduld und Freundlichkeit Gott mir in meinem eigenen Leben begegnet ist. Er tauscht mich nicht einfach aus, wenn ich mich zerfleddert und abgenutzt fühle, sondern repariert liebevoll meine geschundene Seele. Immer wieder kam mir als Vergleich das Bild von einem Garten in den Sinn, weil es mich daran erinnert, dass Wachstum und Frucht so wie die Heilung einer alten Bibel Zeit und Pflege brauchen. Dabei gibt es so einige Parzellen in meinem Lebensgarten, die ich angehen muss: Beziehungen, für die ich mir Heilung wünsche, schattige Ecken, in denen das Unkraut fröhlich wächst, und so mancher Baum braucht mal wieder einen guten Schnitt.

Eine meiner Schwächen ist die Ungeduld. Es fällt mir schwer, kleine, beständige Schritte zu gehen, wenn ich keine offensichtliche Veränderung erkennen kann. Warum nimmt Gott sich nur so viel Zeit? »Geht das nicht schneller, Herr?«

Wenn ich aber auf die letzten dreißig Jahre zurückschaue, seitdem ich ihm mein Leben anvertraut habe, erkenne ich, dass sein Tempo in Wirklichkeit Ausdruck seiner Liebe zu mir ist. Unser Vater im Himmel ist viel geduldiger, als ich es erwarte. Er weiß, dass Dinge Zeit brauchen, um zu wachsen. Er weiß, dass mein Herz Zeit braucht, um zu heilen und sich zu verändern. Er weiß, dass es Zeit braucht, bis sein Wort meine Denkweise erneuert hat. Je länger ich mit ihm unterwegs bin, desto mehr staune ich über seine Freundlichkeit uns Menschen gegenüber. Vielleicht ist das tatsächlich die Eigenschaft seines Wesens, die ich am meisten an ihm liebe. Eigentlich nicht verwunderlich. Unser Gott ist weitaus mächtiger, als wir erfassen können. Da gibt es niemanden – außer mir –, der ihn drängen könnte. Er tut, was ihm gefällt, und sein Zeitplan ist voller Weisheit.

Unser Gott ist im Himmel, und er tut alles, was er will.

Psalm 115,3

Diese Erkenntnis macht mir Mut – für mein eigenes Leben, für meine Beziehungen, meine Gemeinde und sogar für uns als Nation. In unserem schönen Dreiländereck, der Grenze zwischen Deutschland, der Schweiz und Frankreich, sagen wir in unserem Dialekt: »Numme nit huddle!« – »Nur die Ruhe!«, »Keine Eile!« Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass Gott Süddeutscher ist? Kleiner Scherz.

Warum es für uns Menschen so schwer ist, geduldig zu bleiben, hat mit den Werten unserer Gesellschaft zu tun. In früheren Zeiten hatten viele Menschen ein Stück Garten, in dem sie Obst und Gemüse anbauten. Jeder wusste, dass es Zeiten des Säens, Zeiten der Pflege und Zeiten der Ernte gibt. Ein guter Käse oder ein guter Wein reifen oft monatelang. Heute flitzen wir nach der Arbeit schnell in den Supermarkt, in dem alles zu jeder Zeit verfügbar ist. Es gab eine Zeit, in der Bücher von Hand abgeschrieben wurden. Heute werden lange Texte per Klick dupliziert. Ein Brief war manchmal tagelang unterwegs, aber heute wird erwartet, dass wir jede E-Mail oder Kurznachricht sofort beantworten. Fotos waren eine besondere Geduldsprobe. Erst musste der Film voll sein, dann brachte man ihn zum Fotoladen, in dem er entwickelt wurde. Nach etwa einer Woche konnte man die fertigen Fotos dann abholen. Und heute? Jedes Foto wird – kaum ist es geschossen worden – an Freunde versendet oder in die sozialen Medien hochgeladen, wo manchmal Tausende sie sehen können.

Wir haben das Warten verlernt

Diese rasante Entwicklung hat dazu geführt, dass wir das Warten verlernt haben, und das, obwohl wir es immer noch brauchen, denn die wirklich wichtigen Dinge brauchen immer noch Zeit.

Gute Beziehungen wachsen nicht über Nacht. Die Versöhnung mit unserer Biografie braucht nicht selten ein ganzes Leben lang. Ein guter Charakter wird durch eine Vielzahl von guten Entscheidungen geformt. Fachwissen und Erfahrung entstehen über Jahre. Langsam begreife ich etwas: Auch Gott hat es nicht eilig. Er gibt uns Raum und Zeit. Vielleicht war der erste Lebensraum des Menschen deswegen ein Garten. Es ist ein schönes Bild dafür, dass Gott geduldig ist, warten kann und harte Arbeit nicht scheut.

Er hat uns in seinem Bild geschaffen und uns eingeladen, an seiner Seite diese Erde zu verwalten. Er ist nicht ungeduldig, wenn wir nicht sofort funktionieren, sondern erlaubt uns zu wachsen und zu werden. Es ist ihm viel wichtiger, dass wir für die Aufgaben gemeinsam unterwegs sind. Gott kennt unsere Begrenzungen und unsere Möglichkeiten. Er glaubt an uns. Er hat uns versprochen, dass er die Veränderung, die er in uns angefangen hat, auch vollenden wird. Aber er hat dabei keine Eile.

Dieses Bild lässt in mir die Entschlossenheit reifen, von ihm zu lernen. Ich möchte, dass er die Dinge auf seine Weise und in seinem Tempo tun kann, und will ihm auch das Schmerzhafte und Zerbrochene anvertrauen. Mein Wunsch ist es, ihm die Freiheit zu lassen, das zu tun, was er am besten kann: erneuern.

In der Zeit von Amazon und Co. ist Neues leicht zu haben, oft über Nacht. Etwas Kaputtgegangenes zu reparieren lohnt sich aus finanzieller Sicht meistens nicht mehr. Es kostet Zeit und Geduld, die wir so häufig nicht mehr aufwenden wollen. Dabei ist alt und gebraucht nicht dasselbe wie wertlos. Würdest du einen abgenutzten Zwanzig-Euro-Schein, der im Dreck liegt, nicht auch aufheben?

Mein wertloses Leben?

Bevor ich Jesus Christus begegnete, glaubte ich, mein Leben sei wertlos geworden. Ich fühlte mich benutzt, vergessen und einsam. Mir fehlte der Glaube daran, dass ich liebenswert sei, und sah nur noch die vielen falschen Entscheidungen, die mein Leben in eine Sackgasse geführt hatten. Ich hatte keine Hoffnung mehr, dass es noch einmal anders werden könnte, und hatte mich aufgegeben. Doch an diesem tiefsten Punkt in meinem Leben erlebte ich, dass Gott mir nah war.

Er begegnete mir durch Menschen, die mir von Jesus erzählten und davon, dass er mich kannte und liebte. Er begegnete mir in meinem zweijährigen Sohn, für den ich leben wollte. Er begegnete mir in der Veränderung meines heutigen Mannes, der seine Drogensucht hinter sich lassen konnte, nachdem er sich Jesus zugewandt hatte. Und er begegnete mir in seinem Wort, der Bibel. An einem Abend las ich dort, dass ich mit meinem Versagen nicht allein war: »Denn alle Menschen haben gesündigt und das Leben in der Herrlichkeit Gottes verloren« (Römer 3,23).

Dieser Vers beschrieb sehr genau, wie ich mich fühlte. Ich hatte den richtigen Weg verloren und war in Angst und Lügen gefangen. Doch der Text ging noch weiter: »Doch Gott erklärt uns aus Gnade für gerecht. Es ist sein Geschenk an uns durch Jesus Christus, der uns von unserer Schuld befreit hat. Denn Gott sandte Jesus, damit er die Strafe für unsere Sünden auf sich nimmt und unsere Schuld gesühnt wird. Wir sind gerecht vor Gott, wenn wir glauben, dass Jesus sein Blut für uns vergossen und sein Leben für uns geopfert hat. Gott bewies seine Gerechtigkeit, als er die Menschen nicht bestrafte, die in früheren Zeiten gesündigt haben. Er handelte so, weil er Geduld mit ihnen hatte. Und er ist auch jetzt, in dieser Zeit, vollkommen gerecht, indem er die für gerecht erklärt, die an Jesus glauben« (Römer 3,24-26).

Ich weiß noch, wie verwirrt ich nach dem Lesen dieser Stellen war. Konnte es wahr sein? Hatte Gott mich noch nicht aufgegeben? War es wirklich möglich, dass er mir einen neuen Anfang anbot? Und konnte er meinem verkorksten Leben einen Sinn und eine Zukunft geben?

Ich wusste damals sehr wenig über diesen Gott, aber ich war verzweifelt genug, um seine ausgestreckte Hand zu ergreifen. Ich hatte nichts mehr zu verlieren. Wenn ich heute zurückschaue, kann ich nur staunen, wie gut er es mit mir gemeint hat. Alles begann mit seiner Liebe zu mir. Diese Liebe heilte Schritt für Schritt mein Herz, weil mein Leben in seinen Augen auch dann noch wertvoll war, wenn ich durch falsche Entscheidungen von meiner Schuld fast erdrückt wurde.

Zum ersten Mal machte ich eine der kostbarsten Erfahrungen: Gott hetzte mich nicht. Das oft gehörte »Beeile dich, mach schon!« – das ist nicht seine Stimme. Seine Bereitschaft, mir Zeit zu lassen, ließ mich erkennen, wie teuer (m)ein Leben für ihn ist. Ich begriff, dass Gott mich nicht aufgab, auch wenn Menschen es taten. Er war mir nah, auch wenn ich verletzt war und mich einsam und verbraucht fühlte.

Seit diesem Tag vor mehr als dreißig Jahren erlebe ich immer wieder neu, dass Jesus mich nicht aufgibt. Er gab meinem Leben neue Hoffnung und heilte Stück für Stück nicht nur mein Herz, sondern auch meine Beziehungen. Die erstaunliche Botschaft der Bibel ist, dass Gott langmütig, gnädig und barmherzig ist. Er nimmt sich Zeit für die langen Wege. Er hat Geduld. Er hat einen langen Atem. Seine Arme sind weit offen, und seine Einladung, ihm zu vertrauen, steht noch immer. Wo immer Menschen diesem Gott begegnen, passiert das Wunder der Wiederherstellung.

Kintsugi – Zerbrochenheit wird zu Schönheit

In der Beschäftigung mit diesem Thema fragte ich mich, was diese Wiederherstellung genau bedeutet. Ist es die Verwandlung zurück zum ursprünglichen Plan Gottes, den er für uns hatte? Was passiert bei dem Prozess der Wiederherstellung mit den Spuren, die all das erlebte Leid an uns hinterlassen hat? Werden unsere Schmerzen und die Erinnerung daran einfach ausgelöscht?

Es gibt eine alte japanische Keramiktechnik, bei der die zerbrochenen Teile eines Gefäßes mit flüssigem Gold wieder zusammengesetzt werden. Das Gefäß kann danach wieder gebraucht werden. Die vergoldeten Bruchstellen bleiben dabei nicht nur sichtbar, sie schmücken das Gefäß und verleihen ihm einen größeren Wert. Was für ein passendes Bild für das, was Gott in unserem Leben tun möchte!

Vater im Himmel,ich will dir neu vertrauen. Danke, dass du mich nicht zur Eile antreibst. Danke, dass du mir Zeit lässt, zu wachsen und zu werden.

Danke, dass ich in deinen Augen wertvoll bin. Du hast mich nicht aufgegeben.

Ich öffne dir heute mein Herz ganz neu und bitte dich, mich zu lehren, mit mir und mit anderen geduldig zu sein.

Du hast einen guten Weg für mich.

Amen.

1 Wiederhergestellt, aber nicht unversehrt

Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir. Sieh dich nicht ängstlich nach Hilfe um, denn ich bin dein Gott: Meine Entscheidung für dich steht fest, ich helfe dir. Ich unterstütze dich, indem ich mit meiner siegreichen Hand Gerechtigkeit übe.

Jesaja 41,10

Während meiner Vorbereitung auf dieses Buch lernte ich eine junge Frau kennen, die einen schweren Unfall erlitten hatte und infolgedessen eine Scheidung durchmachte. Die langfristigen Folgen beider Erfahrungen waren noch immer Teil ihres Lebens. Dennoch war sie dankbar für das, was sie durch diese Zeit gelernt und erlebt hatte. Dankbar für die Beziehung zu ihren Kindern, die ehrlich und intensiv war. Dankbar dafür, dass sie lernen durfte, Nein zu sagen, wenn sie Nein meinte. Dankbar dafür, dass sie heute weiß, auf wen sie zählen kann und wer ihre Freunde sind.

Neben ihrem Arbeitsplatz hängt ein Bild von einem solchen Kintsugi-Keramikgefäß, an dem die zerbrochenen Stellen mit flüssigem Gold repariert worden sind. Auch für sie ist Kintsugi ein treffendes Bild dafür, wie Wiederherstellung bei Gott aussieht.

Die Spuren des Lebens machen uns nicht unbrauchbar. Wir mögen uns schwach fühlen, unzulänglich und abgekämpft, aber wir sind niemals wertlos. Deshalb glaube ich nicht, dass es bei Wiederherstellung darum geht, die Spuren des Lebens ungeschehen zu machen. Leid und Schmerz sind nicht die Ursachen für unsere Not. Sie sind die Symptome einer Welt, die sich von Gott abgewandt hat. Der Mensch hat die vertrauensvolle Beziehung zum Schöpfer abgelehnt. Er will seine eigene Wahrheit leben und die eigenen Wege gehen.

Ich glaube, dass die Not unserer Herzen und unsere zerbrochenen Beziehungen dieselbe Ursache haben: Misstrauen gegenüber unserem Schöpfer. Wir sind aber geschaffen worden als Gegenüber unseres Gottes. Mehr noch: Unsere Beziehung zu ihm und unsere Beziehungen untereinander sollen widerspiegeln, wie Vater, Sohn und Geist in Beziehung leben: nämlich in Wertschätzung und Vertrauen. Würde unser Gott Leid und Schmerz auslöschen, nicht aber ihre Ursache, wäre uns nicht geholfen.

Genau so, wie meine Freundin mir ihre Bibel anvertraut, weil sie darauf vertraut, dass ich sie reparieren werde, lädt Gott uns dazu ein, ihm alle Bereiche unseres Lebens anzuvertrauen. Wenn wir unser Misstrauen überwinden, werden wir feststellen, dass seine Wege mit uns unendlich gut sind. So wie die Bibel meiner Freundin, so haben auch wir eine Geschichte. Und so wie die Spuren an der Bibel daran erinnern, wie Gott meine Freundin durchs Leben begleitet hat, so erzählen auch die Spuren in unserem Leben davon, dass Gott an unserer Seite bleibt.

Können wir ihm vertrauen – auch dann, wenn vieles unklar bleibt?

Alles, was wir erleben, hinterlässt Spuren. Dazu gehören auch die Erfahrungen, die wir gerne vergessen würden. Unsere einzigartige Lebensgeschichte hat uns zu der Person gemacht, die wir heute sind. Alle Erfahrungen und sogar die Umwege bereichern uns, wenn sie uns zurück an Gottes Herz ziehen können. Ich spreche aus Erfahrung.

Verlaufen trotz Google Maps

Leider habe ich einen völlig unterentwickelten Orientierungssinn. Das hält mich jedoch glücklicherweise nicht davon ab, zu reisen und neue Städte zu entdecken. Ganz im Gegenteil.

Wenn ich dann in fremden Städten unterwegs bin, verlaufe ich mich trotz Google Maps auf meinem Handy. »Ach, hier bin ich!«, rufe ich staunend aus, wenn ich durch einen Umweg an einen vertrauten Ort komme. Eins kann ich dadurch mit Bestimmtheit behaupten: Ich sehe mehr von den Städten als andere, denn ich komme regelmäßig in die Teile der Stadt, die in keinem Reiseführer stehen. Oft finde ich sogar Abkürzungen, und fast immer treffe ich nette Leute.

Bei meinem letzten Besuch auf Malta führte mich mein Navigationsgerät direkt in eine Einbahnstraße – in der falschen Fahrtrichtung. Erst die entsetzten Rufe zweier Anwohner machten mich darauf aufmerksam. Die Straße war viel zu eng, um ohne Hilfe zu wenden. Das freundliche Paar unterstützte mich mit lautem Zurufen und Handzeichen, und als es uns gelungen war, mein Auto wieder in Fahrtrichtung zu manövrieren, verabschiedeten wir uns wie alte Bekannte. Was ich dabei gelernt habe, ist zweierlei. Erstens: Malteser sind ausgesprochen freundliche Menschen – was schon Paulus bei seinem damaligen Aufenthalt erkannte. Zweitens: Ich sollte nicht nur auf das Navigationsgerät, sondern auch auf die Verkehrsschilder achten.

Abgesehen von Verkehrsschildern fällt mir auch auf, dass wir durch eigene Erfahrungen besser lernen als durch die Erfahrungen anderer. Wenn wir in einer herausfordernden Situation sind, zeigt sich, was in uns steckt. Wir lernen weiterzugehen, werden kreativ, suchen uns Unterstützung und gewinnen neue Fähigkeiten. Erfahrungen – auch unangenehme – sind oft Wendepunkte in unseren Leben. Wenn wir uns diesen Prozessen aussetzen und uns Gott anvertrauen, können wir zu liebevolleren und gelasseneren Menschen werden.

Mir ist aufgefallen, dass wir in einem gewissen Alter gelassener werden können, wenn wir unser Leben im Vertrauen auf Gott gelebt haben.

Wir erleben, dass es sich lohnt, nach seinen Geboten zu leben. Wir erleben, dass auch dann Gutes passieren kann, wenn sich die eigenen Pläne nicht erfüllen. Wir lernen, nicht aufzugeben, wenn wir am Ende der eigenen Kraft sind, und uns in allen Schwierigkeiten im Gebet an Gott zu wenden. Wir lernen, seinen Worten zu vertrauen, auch wenn der Weg steinig und dunkel ist. Gerade dann ist Gott uns nah.

Was wirklich zählt

Meine Krebserkrankung vor einigen Jahren hat mir gezeigt, dass mein Glaube mich trägt. Zu Beginn der Erkrankung fragte ich mich immer wieder, ob ich an diesem Krebs sterben würde. Erstaunlicherweise machte mir diese Aussicht weniger Angst, als ich erwartet hatte. Die Verheißungen in Gottes Wort trösteten mich, vor allem das Vertrauen auf seine Güte und Weisheit.

Doch das war nicht die wichtigste Erfahrung, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe. Ich erlebte, dass ich nicht allein unterwegs war.

Da war einerseits Gott selbst, der mir nahe war und mir Mut und Hoffnung schenkte, und andererseits stellte er mir andere Menschen zur Seite. Ich durfte erleben, dass es Menschen gab, die für mich beteten, und andere, die mit mir beteten. Da waren mein Mann und meine Kinder, die mich auf viele verschiedene Weisen liebten und ermutigten. Selbst ein freundliches Lächeln meiner Nachbarn tat mir gut.

Eine andere wichtige Lektion, die ich in dieser Zeit lernen durfte und die mir bis heute kostbar ist, war die Wahrheit, dass ich nicht immer stark sein muss. Ich muss nicht alles allein stemmen. Da sind Menschen, die mir ganz praktisch helfen wollen, wenn ich sie lasse. Es tut unendlich gut, Hilfe anzunehmen. Ich erlebe, dass die Menschen um mich herum mich lieben, auch wenn ich nichts geben kann, und dass sie es mir auch nicht übel nehmen, wenn ich ihre Hilfe mal ablehne.

Seit dieser Zeit habe ich mir vorgenommen, die Menschen in meinem Leben bewusster wahrzunehmen und mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich bin auch ruhiger geworden, dankbarer und ehrlicher. Ich kann heute auch mal zugeben, wenn es mir nicht gut geht. Natürlich hätte ich mir diese Erfahrung nicht ausgesucht, und ich bete, dass sie mir ein weiteres Mal erspart bleibt, aber trotz allem hat sie mich vieles gelehrt, was mein Leben verändert hat. Mir ist klar geworden, dass ich Gott in dunklen Tälern vertrauen kann. Dieses Wissen ist kostbarer als ein sorgenfreies Leben.

Mir ist klar geworden, dass es nicht die Erfüllung meiner vielen Wünsche ist, die mein Leben bereichert. Materielle Dinge können meine Sehnsucht nach Leben nicht stillen, und das Wertvollste in meinem Leben ist nicht mit Geld zu kaufen. Es sind die Beziehungen zu meinen Mitmenschen und die vertrauensvolle Beziehung zu meinem Vater im Himmel, der mir verheißen hat, dass er mich nie verlässt.

Könnte es sein, dass Gott Dinge in unserem Leben zulässt, um uns zurück an sein Herz zu ziehen? Könnte es sein, dass er diese Zeiten erlaubt, damit wir ihn in seiner Langmut kennenlernen? Wir sind oft mit so vielem beschäftigt, dass wir das Eigentliche verpassen. Was immer uns hilft, bewusster zu leben, ist niemals umsonst.

Ich wünsche uns, dass wir nicht mehr versuchen, die Spuren, die das Leben in uns hinterlassen hat, zu verbergen oder zu verdrängen. Genau das ist Wiederherstellung nicht. Stattdessen wünsche ich uns, dass wir die Spuren des Lebens davon erzählen lassen, wer wir waren und wer wir auf dem steinigen Weg geworden sind. Wer Gott für uns war und wer er durch die Wüste für uns geworden ist.

Ich bin davon überzeugt, dass wir durch die Erinnerungen reicher werden und anderen Mut zusprechen können, die sich in ähnlichen Situationen befinden und mit den ähnlichen Tagen ringen.

Loslassen ist Vertrauen

Ende 2023 hatte ich einen Fahrradunfall. Ich wich einem Auto aus und stürzte. Dabei schlug ich mit dem Kopf auf einer scharfen Betonkante auf. Hätte ich keinen Helm getragen, wäre ich ziemlich wahrscheinlich nicht mehr aufgestanden. So aber hatte ich außer einigen Schürfwunden nur eine zerrissene Hose und ein paar Prellungen. Auf dem Weg nach Hause wurde mir bewusst, wie viel Bewahrung ich erlebt hatte. Um das nicht zu vergessen, reparierte ich meine Jeans, indem ich einen leuchtend roten Stoff unter den Riss nähte. Ich wollte mich jedes Mal daran erinnern, wie schnell das Leben, wie ich es liebe, vorbei sein kann.

Die Spuren des Lebens sind wie Gedächtnisstützen. Es lohnt sich, Gott zu vertrauen. Durch alle Schwierigkeiten meines Lebens hindurch habe ich erleben dürfen, dass er mein ganzes Leben sieht. Er ist entschlossen, mich in das Bild seines Sohnes Jesus zu verwandeln. Es ist ihm durchaus bewusst, dass ich dieses Ziel nicht von einem Moment auf den anderen erreichen werde. Das Ganze ist ein Prozess, für den Gott sich viel Zeit lässt. Und in diesem Prozess bewahrt er mich nicht vor Versagen, Leid und Schmerz, aber er ist und bleibt an meiner Seite.

Mein Mann und ich haben viele Jahre als Bereitschaftspflegefamilie Säuglinge aufgenommen und versorgt. Eine Tätigkeit, die mir große Freude machte. Es ist eine wichtige Aufgabe, und wir hatten Gunst bei den Mitarbeitern vom Krankenhaus und beim Jugendamt. Im Jahr 2023 hatte ich den Eindruck, dass Gott mich herausforderte, diese Aufgabe loszulassen. Ich wollte nicht! Schon der Gedanke daran machte mich unendlich traurig. Doch leider konnte ich den Eindruck nicht abschütteln. Jeden Morgen in meiner Stillen Zeit schien Gott auf meine Antwort zu warten. Ich verstand ihn nicht. Diese Aufgabe war die Erfüllung eines Lebenstraums gewesen! Ich rang mit mir. Ich wollte Gott vertrauen, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen, diese Arbeit aufzugeben.

Gehorsam ist so ein unbeliebtes Wort. Doch in unserer Nachfolge ist es Ausdruck unseres Vertrauens. Wenn das Gottes Reden war, wollte ich gehorsam sein. Ich weinte viel. Ich fühlte mich wie Abraham, der seinen Sohn Isaak loslassen sollte. Gott drängte mich nicht. Er gab mir die Zeit, die ich brauchte. Dabei erinnerte er mich an viele Momente in meinem Leben, in denen ich Schritte im Vertrauen auf ihn gegangen war. Er erinnerte mich an Entscheidungen, bei denen ich etwas hatte loslassen müssen.

Einmal zum Beispiel, nachdem ich eine Predigt darüber gehört hatte, dass Gott der Herr unseres Lebens sein sollte und kein Flaschengeist, der unsere Wünsche erfüllte, fühlte ich mich dazu herausgefordert, meinen starken Wunsch, in der Lobpreisband zu singen, bei ihm abzulegen. Auch hierbei flossen viele Tränen. Aber ich war entschlossen, Jesus zu dienen und nicht umgekehrt. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie groß meine Freude war, als ich dann ohne mein Zutun doch noch für viele Jahre Teil der Lobpreisband wurde. Jede Entscheidung, die mich etwas gekostet hatte, war mir letztlich zum Segen geworden. Im Nachhinein waren es Schritte in die Freiheit gewesen, auch wenn sie schwer gewesen waren.

Ich glaubte, dass es auch dieses Mal nicht anders sein würde. Gott sah meinen Kampf, und er wartete geduldig darauf, dass mein Vertrauen größer sein würde als meine Angst, beraubt zu werden. Nach einigen Wochen war mein Herz bereit dazu, den Schritt zu gehen. Noch immer verstand ich nicht, warum, aber ich war entschlossen, darauf zu vertrauen, dass Gott Gutes für mich im Sinn hatte. Der Tag, an dem wir dem Jugendamt Bescheid gaben, war ein schwerer Tag. Ich hatte insgeheim gehofft, sie würden versuchen, mich umzustimmen, was aber nicht passierte. Ich verkaufte und verschenkte also unsere Babyausstattung, und danach ging das Leben weiter. Erst ein Jahr später offenbarte Gott mir, warum dieser Schritt wichtig gewesen war. Ich hätte es mir niemals eingestanden, aber ich war durch die chronischen Schmerzen, die mich plagen, schon lange überanstrengt gewesen. Ich musste meinem Körper Ruhe gönnen. Dieser Vertrauensschritt schaffte mir Freiraum und erlaubte mir, mich anderen segensreichen Aufgaben zuzuwenden. Ich war so dankbar.

Auch schmerzhafte Erfahrungen können unser Leben tiefer und reicher machen. Ich glaube an die Güte Gottes, und ich glaube an seine Macht. Für mich bedeutet das, dass die Herausforderungen, die er mir nicht erspart, aus seiner Perspektive Gutes hervorbringen können. Ist es nicht ermutigend zu erleben, dass wir als Nachfolger Jesu Hoffnung und Frieden haben können, auch wenn es im Leben stürmt? Wir haben seine Zusage, dass wir nie allein sind. Wir haben seine Zusage, dass er alles, was uns zustößt, zum Guten wenden kann, wenn wir ihm vertrauen. Vertrauen in ihn bedeutet für mich, Gutes zu erwarten.

Ich glaube nicht, dass es bei unserer Wiederherstellung darum geht, alles Schmerzhafte ungeschehen zu machen, denn Schmerz hinterlässt mehr als Narben. Ich möchte das Schmerzhafte in unserem Leben nicht kleinreden, aber es gibt noch eine tiefere Dimension hinter all dem Leid. Schmerz verändert unser Wesen. Die Engländer sagen, er macht uns bitter or better – bitter oder besser –, und ich glaube, wir haben es selbst in der Hand, für welche Version wir uns entscheiden.

Jesus, meine beste Freundin

Vor vielen Jahren zog sich meine beste Freundin von mir zurück – für mich ohne erkennbaren Grund. Ich fühlte mich beraubt und einsam und weinte monatelang. Aus dem Verlust wurde Selbstmitleid, und mit dem Selbstmitleid kroch die Bitterkeit in mein Herz. Auch wenn ich dachte, ich hätte alles Recht dazu, vergiftete dieses Selbstmitleid meine Gedanken und Gefühle. Doch es passierte noch etwas anderes in diesen langen Monaten. An meinem Schreibtisch – inmitten der Tränen, zwischen Gebet und Bibellesen – wartete Jesus auf mich.

Als ich begann, ihm von meinem Schmerz und meiner Enttäuschung zu erzählen, erlebte ich, wie er mir durch sein Wort Mut zusprach. Er begann, mir zu zeigen, wie viel Gutes ich erlebte, und zeigte mir auch, was die Bitterkeit in mir anrichtete. Er versprach mir, dass ich die Enttäuschung überwinden würde, wenn ich mich dazu durchringen könnte, ihm zu vertrauen. Gott forderte mich dazu auf, der Bitterkeit keinen Raum zu geben, und stattdessen lehrte er mich zu vergeben und zu segnen. Während dieser langen Zeit wuchs meine Beziehung zu ihm, und oft fühlte es sich an, als wäre Jesus meine »beste Freundin«. Und so trat an die Stelle des Mangels eine tiefere Freundschaft.

Diese Vertrautheit mit Jesus möchte ich nicht mehr missen, aber sie war die Folge eines großen Verlustes. Die Bibel sagt uns, dass Gott gut und allmächtig ist. Wenn er gut ist und allmächtig, dann muss ich Leiden und Schmerz im Leben anders bewerten. Wenn er gut ist und allmächtig, dann kann ich ihm vertrauen, wenn Dinge passieren, die ich nicht verstehe. Wenn er gut ist und allmächtig, dann ist der Schmerz in meinem Leben nicht das Ende der Geschichte. Ich habe da so eine leise Ahnung, dass es Gottes geheimer Dünger ist.

Schmerz und Leid hinterlassen nicht nur Narben in unserem Leben. Sie können auch zu Fußspuren werden, denen andere folgen können. Wenn wir anderen erlauben, uns ein Stück des dunklen Weges zu begleiten, könnten auch sie die Quelle unserer Hoffnung finden.