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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Laura lag träge auf ihrem nachtblauen Sofa und zappte sich gelangweilt durch die zahlreichen Fernsehprogramme, während sie sich ein paar Chips in den Mund schob. Es kam nichts, aber rein gar nichts, was sie aus ihrer desolaten Stimmung reißen konnte. Sie überlegte gerade, ob sie ins Bett gehen sollte, was einem Frevel gleichgekommen wäre an einem Samstagabend, als es klingelte. Sie erwachte aus ihrer Lethargie, hangelte sich aus den samtenen Kissen und war erst auf halbem Weg zur Tür, als es erneut klingelte. Laura beschleunigte ihre schlurfenden Schritte, was nicht gerade leicht war, da ihre Füße in riesigen Eisbärpfoten aus Plüsch steckten. »Na los, mach schon auf!« Es war die ungeduldige Stimme ihrer besten Freundin Sabine, meist kurz Bine genannt, die gedämpft durch die Tür drang. »Ich weiß, daß du da bist. Dein Auto steht vorm Haus!« »Das nächste Mal verstecke ich es besser, ich versprech's!« Laura war inzwischen an der Tür angelangt und grinste Bine entschuldigend an. »Du entgehst mir so oder so nicht«, stellte die trocken fest und drängte sich an Laura vorbei in die kleine Wohnung, die nur aus einem Zimmer, Küche und Bad bestand. »Du wolltest doch nicht etwa schon schlafen gehen?« lachte sie herausfordernd. Ihr knallrot geschminkter Mund ließ eine Reihe makellos weißer kleiner Zähne sehen. »Doch, stell dir vor. Und du hast mich dabei gestört.« Laura war hinter ihrer besten Freundin hergeschlurft und ließ sich wieder in das tiefe Sofa fallen. »Das trifft sich ja gut.
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Seitenzahl: 135
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Laura lag träge auf ihrem nachtblauen Sofa und zappte sich gelangweilt durch die zahlreichen Fernsehprogramme, während sie sich ein paar Chips in den Mund schob. Es kam nichts, aber rein gar nichts, was sie aus ihrer desolaten Stimmung reißen konnte. Sie überlegte gerade, ob sie ins Bett gehen sollte, was einem Frevel gleichgekommen wäre an einem Samstagabend, als es klingelte.
Sie erwachte aus ihrer Lethargie, hangelte sich aus den samtenen Kissen und war erst auf halbem Weg zur Tür, als es erneut klingelte.
Laura beschleunigte ihre schlurfenden Schritte, was nicht gerade leicht war, da ihre Füße in riesigen Eisbärpfoten aus Plüsch steckten.
»Na los, mach schon auf!« Es war die ungeduldige Stimme ihrer besten Freundin Sabine, meist kurz Bine genannt, die gedämpft durch die Tür drang. »Ich weiß, daß du da bist. Dein Auto steht vorm Haus!«
»Das nächste Mal verstecke ich es besser, ich versprech’s!« Laura war inzwischen an der Tür angelangt und grinste Bine entschuldigend an.
»Du entgehst mir so oder so nicht«, stellte die trocken fest und drängte sich an Laura vorbei in die kleine Wohnung, die nur aus einem Zimmer, Küche und Bad bestand. »Du wolltest doch nicht etwa schon schlafen gehen?« lachte sie herausfordernd. Ihr knallrot geschminkter Mund ließ eine Reihe makellos weißer kleiner Zähne sehen.
»Doch, stell dir vor. Und du hast mich dabei gestört.« Laura war hinter ihrer besten Freundin hergeschlurft und ließ sich wieder in das tiefe Sofa fallen.
»Das trifft sich ja gut. Dann können wir beide ja noch in die Stadt gehen.« Bine wippte ungeduldig mit dem Fuß, der in einem schwarzen Stiefel mit gefährlich hohem Absatz steckte und lachte zufrieden. Ihr Opfer saß in der Falle. Auch Laura ahnte, daß Bine die Wohnung nur mit ihr im Schlepptau wieder verlassen würde und machte einen letzten Versuch, sich zu wehren.
»Jetzt noch?« fragte sie deshalb betont gelangweilt, während ihr neidvoller Blick an Bine hinunterwanderte. Perfekt geschminkt, in bauchfreiem Top und knallenger schwarzer Schlaghose würde sie die Blicke der Männer wie immer auf sich ziehen.
»Spritzig wie ein Glas warme Milch, was?« Bine war erbarmungslos.
»Wo willst du denn hin?«
»In den Bayerischen Hof. Es gibt Live-Musik in der Kellerbar.«
»Klingt richtig spannend«, spottete Laura und zuckte mit den Achseln, stand aber trotzdem auf. »Also gut. Gib mir fünf Minuten, dann bin ich fertig«, gab sie sich endlich geschlagen und ging ins Bad, um wenigstens halbwegs mit Bine konkurrieren zu können.
»Das klingt schon besser«, freute die sich inzwischen über ihren Erfolg.
Während sich Laura fertig machte, stolzierte sie auf ihren hohen Absätzen in der kleinen Wohnung auf und ab und besah sich die vielen Familienfotos, die die Wände zierten. Sie mußte indes nicht lange warten, denn Laura hielt Wort. Zehn Minuten später saßen die beiden in Bines kleinem Sportwagen, den sie in rasantem Tempo durch die nächtliche Stadt steuerte.
Im Kellergewölbe des Bayerischen Hofs herrschte um diese Zeit bereits reger Betrieb.
Die Band würde bald zu spielen beginnen, und die beiden jungen Frauen gingen erst einmal an die Bar, um die erhitzten Gemüter mit einem Glas Prosecco zu kühlen. Bine war in Hochstimmung und sah sich interessiert um. Als Single war sie immer auf der Suche nach einem gutaussehenden Mann, und davon gab es hier genug.
Lauras Blick war dagegen auf ihre staubigen Schuhe gefallen, und sie kramte in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch. Sie sah sich um, und als sie sich unbeobachtet fühlte, spuckte sie darauf und bückte sich, um sie zu polieren. Im diffusen Licht der Bar war das wahrhaft nicht leicht, doch endlich war sie zufrieden. Als sie sich wieder aufrichtete, stieß sie unversehens an ein Hindernis.
»Hoppla, wo kommen Sie denn auf einmal her?« Erschrocken hob der Mann, der auf einmal neben Laura stand, sein Bier in die Höhe, um es nicht zu verschütten.
»Ich… äh… meine… Schuhe… Entschuldigung!« Laura starrte wie hypnotisiert in die lachenden braunen Augen ihres Gegenübers. Im Bruchteil einer Sekunde hatte sie sein umwerfendes Äußeres erfaßt. Und obschon sie selbst eine äußerst aparte Erscheinung war, verwirrten sie attraktive Männer immer mehr, als ihr lieb war.
»Was ist denn mit Ihren Schuhen? Sind Sie Aschenputtel und haben einen verloren?« Der Mann hatte seine Fassung wiedergefunden und lächelte amüsiert.
»Nein, nein, keineswegs. Das kommt erst noch. Aber dazu müssen die Schuhe doch schön glänzen, nicht wahr?« Laura wunderte sich selbst über ihre Schlagfertigkeit.
»Von Ihrem Fuß wäre mir jeder Schuh recht«, gab der Mann charmant zurück. »Aber ich bin unhöflich. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Andreas Junker. Meine Freunde nennen mich Andi.«
»Und wie soll ich Sie nennen?« Laura fand inzwischen Gefallen an dem kleinen Flirt.
»Ich hoffe doch sehr, daß wir Freunde werden«, gab Andreas zurück, als der Ober zwei Gläser Pro-secco vor Laura abstellte. Sie registrierte zufrieden, daß er sich nach einer Begleitung umsah. Doch sie konnte ihre Genugtuung nicht lange genießen, denn in diesem Moment stieß Bine sie mit dem Ellbogen an.
»Hey, schau mal da drüben, da sind zwei tolle Kerle. Die sollten wir nicht aus den Augen lassen.« Ohne auf Laura zu achten, wies sie mit dem Kopf in Richtung Eingang. Tatsächlich betraten gerade zwei junge Männer die Bar und sahen sich neugierig um. Andreas Junker hatte die Szene aufmerksam verfolgt und lachte erleichtert auf.
»Von denen würde ich die Finger lassen. Das sind zwei richtige Aufreißer«, flüsterte er Laura dann verschwörerisch zu, während er dem Ober ein Zeichen gab, zwei Gläser Champagner zu bringen.
Laura fühlte sich wie ertappt und errötete.
»Es ist alles ganz anders, als sie denken«, versicherte sie so eifrig, daß auch Bine aufmerksam wurde.
»Was ist ganz anders?« Interessiert musterte sie ihre Freundin und den Herrn daneben und erfaßte sofort die Situation. »Aha, so ist das also. Während ich mich um unsere Abendunterhaltung kümmere, hast du dein Wohl selbst in die Hand genommen«, erklärte sie beleidigt, doch ihre Augen lachten gutgelaunt.
»Bine, bitte, ich habe…«, sie warf Andreas einen kurzen, unsicheren Blick zu, ehe sie weitersprach, »Andi eben erst kennengelernt.«
»Zumindest kennst du schon seinen Namen. Aber laßt euch nicht stören, ihr beiden Hübschen. Ich kann mich auch gut allein amüsieren.« Mit einem gutmütigen Lachen griff sie nach ihrem Prosecco, prostete Laura und ihrem Nachbarn zu und verschwand dann in der Menge, ohne sich noch einmal umzudrehen. Offenbar hatte sie nur auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um sich abzuseilen.
Laura warf Andreas einen verunsicherten Blick zu. Was mochte er wohl von ihr denken? Doch dieser grinste nur breit und reichte ihr den Champagner, den der Ober inzwischen auf einem Tablett herübergereicht hatte. Erleichtert griff sie danach und nahm einen tiefen Schluck des herben, prickelnden Getränks.
»Es war sehr nett, daß du vorhin Andi gesagt hast«, rief er ihr zu. Die Band hatte inzwischen zu spielen begonnen, und ihr Lärmpegel war dementsprechend hoch.
»Ich war mir nicht sicher«, gab sie so laut wie möglich zurück, doch er hatte sie nicht verstanden. So zuckte er nur mit den Schultern, lachte sein umwerfendes Lächeln und prostete ihr noch einmal zu. Dann nahm er der verdutzten Laura das Glas aus der Hand und führte sie auf die Tanzfläche. Unter dem mitreißendem Rhythmus der Musik entspannte sie sich schließlich. Die Musik war ihr Element, und sie bewegte sich harmonisch im Takt. Ihre Augen glänzten, und das blonde lockige Haar kringelte sich um ihre geröteten Wangen. Andreas beobachtete sie fasziniert und konnte sich nicht mehr von diesem zauberhaften Anblick lösen. Schon der erste Blick in ihre grauen Augen hatte ihn dahinschmelzen lassen, doch inzwischen war es ganz und gar um ihn geschehen. Nach dieser Frau hatte er sein Leben lang gesucht, davon war er felsenfest überzeugt. Er hoffte inständig, sie nicht wie der Prinz sein Aschenputtel zu verlieren und ließ sie die ganze Nacht nicht mehr aus den Augen.
Es war bereits früher Morgen, als sie zu viert die Bar verließen. Auch Bine hatte Erfolg gehabt und hakte sich bei ihrer Eroberung unter, während Andreas beschützend den Arm um Laura legte. Die jungen Frauen lachten ausgelassen.
»Was unternehmen wir denn jetzt noch?« fragte Sabine, die immer noch nicht genug hatte.
»Also, ich für meinen Teil bin müde und möchte jetzt gern ins Bett, wenn ihr nichts dagegen habt.« An der frischen Nachtluft spürte Laura die Müdigkeit auf einmal bleischwer in den Gliedern.
»Du bist und bleibst eine Spielverderberin!« Bine machte einen Schmollmund.
»Keine Sorge, du mußt mich nicht nach Hause bringen. Ich rufe mir ein Taxi, dann bist du unabhängig. Was hältst du davon?« schlug Laura versöhnlich vor.
Sabine warf ihrem Begleiter, einem jungen Mann mit Namen Simon, einen fragenden Blick zu.
»Ich richte mich ganz nach dir, meine Schöne!« erklärte der galant und lächelte sie verliebt an.
»Abgemacht. Wenn es dir nichts ausmacht, bin ich einverstanden.« Bine warf Laura zum Abschied einen Handkuß zu, ehe sie sich eng an Simon kuschelte und mit ihm in der lauen Frühlingsnacht verschwand.
Laura und Andi blieben allein zurück. »Tja, dann werde ich mir mal ein Taxi organisieren«, entschied sie resolut.
»Das kommt überhaupt nicht in Frage«, widersprach Andreas heftig. »Du stehst unter meinem persönlichen Schutz und ich lasse es mir nicht nehmen, dich nach Hause zu bringen.«
»Glaubst du, ich setze mich zu einem fremden Mann ins Auto?« fragte sie. »Ich bin ein anständiges Mädchen.«
»Daran habe ich keine Sekunde gezweifelt.« Andis Stimme war heiser, als er Laura fest an sich drückte. Er mußte sich zurückhalten, um sie nicht einfach zu küssen. Er wollte sie nicht erschrecken. Das hier war kein harmloser Flirt, er spürte es instinktiv. Wenn er Lauras Herz erobern wollte, mußte er umsichtig und rücksichtsvoll sein. Er ahnte nicht, daß sie dasselbe für ihn empfand, daß ihr Herz wild zu klopfen anfing, wenn sie ihm nur in die Augen schaute. Dennoch verhielt sie sich ebenso abwartend wie er. Sie wollte das filigrane Geflecht der ersten, zarten Liebe nicht durch unbedachte Taten zerstören. So schmiegte sie sich nur eng an Andreas und vermied es, ihm in die braunen Augen zu sehen. Sie hätte für nichts garantieren können. »Darf ich dich dann wenigstens im Taxi begleiten?« kam ihm die rettende Idee, um die unvermeidliche Trennung noch ein wenig hinauszuzögern.
»Du bist ganz schön hartnäckig.« Laura lachte geschmeichelt. »Aber dann mußt du den ganzen Weg wieder zurück. Du hast dein Auto sicher hier irgendwo geparkt.«
»Das bist du mir wert. Schließlich will ich dich nicht verlieren wie der Prinz das Aschenputtel.«
Dieses Argument überzeugte Laura schließlich und kurz darauf fanden sie ein Taxi, das sie in den Münchener Vorort brachte, in dem Lauras kleine Wohnung lag.
»Da sind wir.« Sie saßen beide im Fond des Wagens und Laura deutete auf den kleinen weißen Wohnblock, als das Taxi schließlich anhielt.
»Schade. Mit dir hätte ich die ganze Nacht durch die Stadt fahren können«, raunte Andi verliebt.
»Das wäre ein teurer Spaß geworden«, lachte Laura leise. Der Abschied rückte näher, und sie überlegte, wie sie sich verhalten sollte. Doch Andreas nahm ihr die Entscheidung ab. Er wollte ihr ein Versprechen für die Zukunft geben und legte den Arm um sie, um sie zaghaft zu küssen. Als sie seine weichen Lippen auf den ihren spürte, seufzte sie leise und küßte ihn wieder. Endlich erkannte er, daß sie seine Gefühle erwiderte und konnte seine Leidenschaft nur schwer zügeln.
»Du solltest jetzt besser gehen, sonst lasse ich dich heute nacht nicht mehr fort.« Er hatte sie sanft von sich geschoben und betrachtete ihre feuchten Lippen und die glänzenden Augen.
»Rufst du mich morgen an?« Unwillig kehrte Laura in die Wirklichkeit zurück.
»Versprochen!« Ein letzter Kuß auf die Nasenspitze, dann stieg sie aus und sah dem Wagen nach, bis die Rücklichter nicht mehr zu sehen waren.
Als Laura die Augen öffnete, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Einen Moment erschrak sie, doch schnell erinnerte sie sich, daß Sonntag war und sie den ganzen Tag für sich hatte. Zufrieden rekelte sie sich im Bett und überließ sich der wohligen Wärme und dem Glücksgefühl, das sie völlig ausfüllte. Während sie vor sich hin träumte, kam die Erinnerung an die vergangene Nacht zurück. Einen Augenblick überlegte Laura, ob sie nur lebhaft geträumt hatte, wie es ihr öfter einmal passierte. Schließlich wurde ihr aber klar, daß alles tatsächlich geschehen war, und mit einem Schlag war sie hellwach. Andreas war kein Traum gewesen! In einer Person vereinte er die Vorzüge, die ein Mann nur haben konnte und von denen sie schon so lange geträumt hatte. Er hatte ein gepflegtes Äußeres und schien gebildet, seine guten Manieren hatten sie sehr beeindruckt, und seine Art zu küssen war mehr als vielversprechend. Laura hätte vor Freude die ganze Welt umarmen können. Sie grinste breit vor Glück, als sie, noch im Bett liegend, zum Telefon griff, um ihre Freude mit ihrer besten Freundin Bine zu teilen. Summend tippte sie die Nummer ein und lauschte dem monotonen Geräusch des Klingelzeichens. Wieder und wieder läutete es, keiner nahm ab. Verwundert betrachtete Laura den Hörer, legte auf und wählte erneut. Merkwürdig, wo mochte Sabine abgeblieben sein? Es war nicht ihre Art, gleich die erste Nacht mit einem neuen Mann zu verbringen, folglich mußte sie also zu Hause sein. Aber es blieb dabei, niemand meldete sich. Lauras Glücksgefühl war plötzlich verschwunden, statt dessen erfüllte sie eine ängstliche Nervosität. Mit einem Mal meinte sie, es nicht mehr im Bett auszuhalten und stand auf, warf sich einen Morgenmantel über und wanderte nachdenklich auf und ab. Was war zu tun? Was konnte sie überhaupt unternehmen? Beängstigende Bilder erschienen vor ihrem geistigen Auge, Bilder einer mißhandelten Frau, einem leblosen Körper im Wald, achtlos weggeworfen wie ein Stück Müll. Die Gänsehaut kroch ihr am Körper hinauf, und Laura machte sich schon bittere Vorwürfe, Sabine mit diesem fremden Mann allein gelassen zu haben, als es klingelte. Zum ersten Mal empfand sie das schrille Geräusch als eine Wohltat und rannte, so schnell es ihre unförmigen Hausschuhe erlaubten, zur Tür.
»Guten Morgen, mein Aschenputtel. Hast du gut geschlafen?« Es war Andi, der mit einem riesigen Strauß lachsfarbener Rosen im Eingang stand. Sein Blick war sofort auf die Eisbär-Hausschuhe gefallen, und er konnte sich ein belustigtes Lächeln nicht verkneifen.
»Komm rein!« Lauras Gesicht sprach Bände, so enttäuscht war sie, nicht Bine vor der Tür zu sehen.
»Was ist das denn für eine Begrüßung?« Andreas war wie vor den Kopf gestoßen und trat zögernd ein. Das Wiedersehen hatte er sich wahrlich etwas harmonischer vorgestellt. »Wenn sich seit heute nacht etwas geändert hat, sag es mir lieber gleich. Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin.« Seine Stimme war scharf, und Laura zuckte unwillkürlich zusammen.
»Jetzt halt mal die Luft an. Warum denkt ihr Männer eigentlich, daß alles immer mit euch zusammenhängt?« funkelte sie ihn böse an. Doch als sie seine betroffene Miene sah, tat ihr ihre heftige Reaktion sofort leid. Sie machte einen Schritt auf ihn zu, nahm ihm die Blumen ab, die sie achtlos aufs Bett warf, und legte die Arme um seinen Hals. »Verzeih mir. Es ist nur, daß Bine nicht zu Hause ist. Ich mache mir wirklich Sorgen«, gestand sie schließlich zögernd.
»Na hör mal!« Andi seufzte sichtlich erleichtert. »Wahrscheinlich hat sie die Nacht mit ihrer Eroberung verbracht.«
»Auch wenn du es mir nicht glaubst, Sabine macht so was nicht. Nicht die erste Nacht.« Nur mühsam konnte Laura ihre Stimme in Zaum halten.
»Bist du dir sicher?« Als Andi den Ernst der Lage erkannte, nahm auch seine Stimme einen besorgten Ton an.
»Ganz sicher. Ich kenne sie in- und auswendig. Das hat sie noch nie gemacht. Was soll ich jetzt bloß tun?«
»Erstens bist du nicht allein, ich bin schließlich auch noch da. Und zweitens fahren wir jetzt zuerst zu ihrer Wohnung. Vielleicht ist ihr Telefon nur kaputt«, beschloß Andi, auch wenn er selbst wenig Hoffnung in diese Möglichkeit setzte.
»Du bist ein Schatz. Wenn wir sie gefunden haben, lade ich die zum Dank zum Frühstück ein. Ich kenne ein sehr gemütliches Café.« Versöhnlich schmiegte sich Laura an Andi. Der legte die Arme um sie und ließ die Hände sanft über ihren Rücken abwärts gleiten.
»Bitte zieh dir sofort was an, sonst ist es um mich geschehen«, stöhnte er und schob sie entschieden von sich.
