Haltung zeigen für demokratische Werte in Kita, Ganztag und Schule - Inke Hummel - E-Book

Haltung zeigen für demokratische Werte in Kita, Ganztag und Schule E-Book

Inke Hummel

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Beschreibung

Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wollen wir sie bewahren, brauchen Kinder Vorbilder, die ihnen demokratische Werte vorleben. Kita, Ganztag und Schule haben hier eine entscheidende Aufgabe. Erleben Kinder Vielfalt, Partizipation, Solidarität und Gleichwürdigkeit, verinnerlichen sie diese Werte und schützen somit unsere Demokratie nachhaltig. Dieses Buch … … vermittelt Wissen … hilft, die eigenen Werte zu reflektieren … schärft das Bewusstsein für die eigene Haltung … macht aufmerksam auf die entscheidende Rolle der pädagogischen Fachkraft als Vorbild Mit Beiträgen von: Inke Hummel, Fea Finger, Kathrin Hohmann, Katharina Spangler, Ramona Noll, Anja Cantzler, Lea Wedewardt, Anna Evers, Sebastian Lisowski, Sarah Bauer, Nadine Köster und Sandra Richter

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 66

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Haltung zeigen für demokratische Werte in Kita, Ganztag und Schule

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Klett Kita GmbH Rotebühlstr. 77 70178 Stuttgart www.klett-kita.de [email protected] Für jedes Material wurden Rechte nachgefragt. Sollten dennoch an einzelnen Materialien weitere Rechte bestehen, bitten wir um Benachrichtigung. © 2025 Klett Kita GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten. Gesamtgestaltung und Satz: Sabine Hanel, Rohrdorf bei Rosenheim Druck: Grafik Media Produktionsmanagement, Köln Bildnachweis: © Winarno23 – Shutterstock ISBN (print): 978-3-96046-344-3 ISBN E-Book (PDF): 978-3-96046-427-3 ISBN E-Book (EPUB): 978-3-96046-426-6 ISBN Hörbuch: 978-3-96046-425-9

Vorwort: Nie wieder ist jetzt!

Unser Frieden ist abhängig von einer funktionierenden Demokratie. Wir können froh sein, dass wir sie in Deutschland haben, und wir müssen dafür einstehen und Verantwortung übernehmen, damit das so bleibt. Unsere heutige Welt ist zunehmend von Polarisierung und sozialen Spannungen geprägt. Bildungseinrichtungen haben die große Verantwortung und Chance, Kindern vorzuleben, was es bedeutet, demokratische Werte zu leben, Vielfalt wertzuschätzen und Diskriminierung abzubauen. Hier lernen Kinder die Wichtigkeit von Freiheit, Gleichwürdigkeit, Mitbestimmung und Solidarität und können sie später in der Gesellschaft verteidigen. Verbringen sie einen Großteil ihres Alltags in Einrichtungen, die durch und durch von diesen Werten durchdrungen sind, lernen sie, sich zu beteiligen, für sich und andere einzustehen, die eigenen Grenzen sowie die der anderen zu achten und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Wenn uns dies gelingt, tragen wir einen großen Teil dazu bei, unsere Demokratie zu erhalten. Pädagogische Arbeit ist politisch. Ob wir wollen oder nicht. Deshalb heißt es

„HALTUNG ZEIGEN FÜR DEMOKRATISCHE WERTE“

Dazu braucht es einerseits Mut, andererseits Wissen und Handwerkszeug. Und genau deshalb findet ihr in diesem Buch alles, was ihr wissen müsst, um den pädagogischen Alltag so zu gestalten, dass Kinder demokratische Prinzipien erleben können.

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Definition

Beispiel

Reflexionsfragen

Impuls

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InkeHummel

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PÄDAGOGIKISTPOLITISCH

Jedes Kind ist einzigartig. Pädagog:innen dürfen exkludierende und diskriminierende Handlungen und Prozesse nicht ignorieren, sie dürfen nicht neutral sein, müssen Haltung zeigen. Und damit ist Pädagogik automatisch politisch.

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Individuell stark und füreinander da

Als Mensch zu leben, bedeutet immer, eine Balance zu finden zwischen dem individuellen Wohlgefühl und dem Allgemeinwohl. Und das ist genau das, was pädagogische Institutionen als wichtigsten Bildungsauftrag mitbekommen. Pädagog:innen haben Macht, wenn sie mit Kindern arbeiten. Sie dürfen ihre Position nicht ausnutzen. Das ist ein Wert, der nicht diskutiert werden kann. Ihre Macht muss in Verantwortung ,umgeformt werden. Solch ein verantwortliches Handeln ist konstruktiv, umsichtig und fürsorglich, differenziert, respektvoll, offen für sinnvolle Veränderungen. Es hat Bedeutung für unser soziales Miteinander und ist damit durch und durch politisch (vgl. Renz-Polster 2020). Das ist pädagogische Haltung. Wir brauchen Pädagog:innen, die Haltung zeigen – wir brauchen euch!

Kinder müssen ...

• … zum einen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse und Leidenschaften zu erkennen und einzufordern, um psychisch gesund zu bleiben, • … zum anderen lernen, die Bedürfnisse anderer Menschen zu beachten, um in der Gesellschaft eingebunden zu sein.

Wir müssen individuellstark und füreinanderda sein.

Das macht auch pädagogische Haltung aus. Für die Persönlichkeitsentwicklung ist es wichtig, dass wir im alltäglichen Miteinander darauf achten, alle Kinder einzubeziehen – auch die neurodivergenten, diejenigen aus anderen Kulturkreisen, aus verschiedenen Altersgruppen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen usw. Und gleichzeitig müssen auch diejenigen Kinder mitgedacht werden, die vielleicht weniger herausfordernde Ansprüche haben und schneller mehr leisten könnten. Und damit sind wir mittendrin in der Politik, denn diese wissenschaftlich belegbaren Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte darüber, was für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung wichtig ist, müssten grundlegend Konsens sein.

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Sie sind es aber nicht, und das ist eine Gefahr. Niemand sagt, dass es einfach ist, alle Kinder mitzudenken. Das braucht gute Konzepte. Aber es ist nicht diskutabel (vgl. Oller 2018; Erzieherin-Ausbildung o. J.; Rauschke 2020)!

Demokratie

Demokratie heißt wörtlich „Herrschaft des Volkes“. Über die eigene Regierung mitbestimmen, frei die eigene Meinung äußern (vgl. Schubert und Klein 2020a).Die Grundlagen der Demokratie sind Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Volkssouveränität. Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Demokratie (Art. 20 GG).

Alle Kinder heißt alle Kinder

Jeder und jedebraucht eine Stimme

Alle Kinder müssen in einem förderlichen, partizipativen Umfeld lernen und reifen dürfen. Jeder und jede braucht eine Stimme: mal, um sich zu äußern, mal, um mitzubestimmen, und mal, um allein zu bestimmen. In der Demokratie zählt der Mehrheitswille, ja, aber in einer sozialen Demokratie wird er fürsorglich, mitdenkend und inkludierend umgesetzt. Kinder müssen befähigt werden, ihre Bedürfnisse zu erspüren und zu äußern. Sie müssen Raum bekommen, jederzeit ein Nein-Gefühl auszusprechen und darüber diskutieren zu dürfen, ob sie ihm nachgehen können. Sie haben Rechte, z. B. auf Förderung, Schutz und auch auf Beteiligung! Wir müssen mit ihnen üben, einander zuzuhören, und immer wieder mehrere Kinder gemeinsam an einen Tisch holen, damit sie ein

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ander kennenlernen und einander mitdenken. Unsere Pädagogik sollte sie stärkend und zugewandt begleiten, immer unter Berücksichtigung ihres Reifegrades und der Lerngelegenheiten, die sie zum Wachsen benötigen. Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisierung! Wir brauchen eine offene, inkludierende und differenzierte Kommunikation. Das fängt an, wenn wir Farbtöne benennen und nicht über „die Hautfarbe“ bei den Stiften sprechen. Und es geht weiter, wenn wir auf „Das macht man so!“ oder „Das war schon immer so!“ verzichten und stattdessen verantwortlich hinschauen, ob alte Wege immer noch gute Wege sind. Was sagt die Wissenschaft dazu? Was sagen verlässliche, nicht ideologisch gefärbte Studien dazu?

Hier gibt es weitere Informationen, Wissen, Mitmachaktionen und Impulse

• Amnesty International (https://www.amnesty.de) • Antidiskriminierungsstelle (https://www.antidiskriminierungsstelle.de/) • Bildungsinstitut für Inklusive Vielfalt (https://bildungsinstitut-inklusive-vielfalt.de/) • Bundeszentrale für politische Bildung (https://www.bpb.de) • Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (https://www.lpb-bw.de/) • Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (https://www.schule-ohne-rassismus.org/) • UNICEF (https://www.unicef.de/)

Kinder können in eurer Einrichtung gestärkt werden, wenn ihr Projekte zum Thema „Wahrnehmung“, „Mitbestimmung“ oder „Nein sagen dürfen“ macht. Hierzu gibt es hilfreiche Kartensets oder Bücher (siehe hierzu den Kasten auf S. 49).

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Haltung zeigen

Wir brauchen in der Pädagogik einen sozialen Konsens in Bezug auf die Haltung. Das ist unabdingbar für eine lebendige, funktionstüchtige Demokratie in unserer Gesellschaft (vgl. Schubarth 2002). Wir können froh sein, dass wir sie in Deutschland haben, und wir müssen dafür kämpfen, dass das so bleibt. Das bedeutet, wir müssen alle Menschen abholen, Kompromisse finden, unbedingt Diskussionen führen. Aber nicht über Unmenschlichkeit, nicht über Intoleranz, nicht über Destruktives. Es ist selbstverständlich und wichtig, dass wir im theoretischen pädagogischen Diskurs neue Gedanken infrage stellen, Begrifflichkeiten untersuchen und differenziert vorgehen, auch wenn dem/der einen die Kritikpunkte des/der anderen gegen den Strich gehen. Es sollten dabei aber keine unseriösen Begriffe verwendet werden, die andere Meinungen rundweg abtun, denn das ist populistisch (vgl. Wunsch und Monecke 2024). Und gleichzeitig darf es in dieser Debattenkultur keinen Raum für Intolerantes geben, in dem Betroffene stimmlos und ihre Bedürfnisse ungesehen bleiben.

In einer Debattenkultur ist keinRaum für Intolerantes.

In jüngerer Zeit ist wieder vermehrt festzustellen, dass Pädagogik mit exkludierender Politik vermischt wird, die Individualisierung und Diversität infrage stellt. Scheinbar einfache Lösungen bergen aber die Gefahr, Menschen auszuschließen. Sei es, weil sie beispielsweise unsere Sprache nicht sprechen, nicht sehen können, neurodivergent sind oder durch ein patriarchales Familienbild geprägt sind. Alle Kinder mitzudenken, ist fordernd, solange es kein Konzept dafür gibt. Deshalb müssen wir daran arbeiten, dass es eines gibt. Jedes Kind ist anders. Die pädagogische Haltung kann und darf daher nicht neutral, nicht tolerant fürs Intolerante sein.

Neutralitätspflicht

Lehrer:innen können sich ebenso wie Schüler:innen auf das Grundrecht der Meinungsfreiheit berufen. Der Grundrechtsgebrauch wird allerdings durch das Amtsrecht und das Schulrecht eingeschränkt: Beamtenrechtlich sind Lehrpersonen verpflichtet, ihre Aufgaben unparteiisch zu erfüllen, sich durch ihr ganzes Verhalten zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und für den Erhalt dieser Grundordnung einzutreten. Das Schulrecht verpflichtet Lehrer:innen, ihre Schüler:innen im Geiste der Verfassung zu bilden und zu erziehen. Insoweit wird die Meinungsfreiheit der Lehrer:innen sowie Schüler:innen eingeschränkt. (vgl. Wieland 2019)

Pädagog:innen müssenunbedingt widersprechen,wenn Macht ausgenutzt wird.

Sie muss berücksichtigend und teilhabend, schützend und stärkend, gleichwürdig und auch laut werdend sein. Pädagog:innen müssen unbedingt widersprechen, wenn Erwachsene ihre Macht ausnutzen, also adultistisch handeln, Kindern keinen Raum zur Mitbestimmung und zur Begegnung mit Vielfalt bieten oder sich diskriminierend äußern. Sie dürfen exkludierende und diskriminierende Handlungen und Prozesse nicht ignorieren. Pädagog:innen müssen Haltung zeigen – und damit handeln sie automatisch politisch. Das ist gelebte pädagogische Haltung: ideologiefrei, aber alles andere als neutral. Das schulden wir unseren Kindern und ihrer Zukunft!

Reflexionsfragen