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Henry und die Schmetterlinge. Das ist ein Buch zum Vorlesen für Kita-Kinder. Oder ein Buch für das eigene Lesen im Grundschulalter. Henry ist ein Maler. Er erlebt dolle Dinge. Fünf Schmetterlinge retten ihn, als er seine Pfanne auf dem Herd vergessen hat. Henry rettet Rudi, Rosi, Rita, René und Romeo vor einem Staubsauger. Die Fünf werden seine tierischen Freunde. Für Neu-Rentner Dr. Jörg Bade, vorher evangelischer Pastor und Berufsschullehrer, ist Henry und die Schmetterlinge nun ein Opa-Projekt, zuerst für die Enkel Oskar und Jakob. Edgar Engel (1938-2001), Kunstmaler in Kaiserslautern, lieferte schon vor einem Vierteljahrhundert die jeweils passenden Aquarelle als Illustrationen für die zehn Geschichten von Henry und die Schmetterlinge. Die wiederum hatten sich schon vorm kindlichen Publikum auf diversen Familienfreizeiten bewährt.
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Seitenzahl: 49
Veröffentlichungsjahr: 2024
Kapitel 1: Eine schwarze Pfanne und fünf Retter
Kapitel 2: Das Bild lebt!
Kapitel 3: Henry hat Geburtstag
Kapitel 4: Der Platzregen
Kapitel 5: Gefährliche Putzerei
Kapitel 6: Fieberträume
Kapitel 7: Die Blumenkenner
Kapitel 8: Zu Gast im Kindergottesdienst
Kapitel 9: Von nackten Frauen, Schäferhunden und Schmetterlingen
Kapitel 10: Henrys Ausrutscher
Henry liebte seinen Pinsel und seine Farben. Und er liebte Bratkartoffeln. Jeden Tag fertiges Essen aus der Tiefkühltruhe, das er nur in den Backofen schieben musste - das war nichts für ihn. Manchmal fuhr Henry ins Städtchen. Dort setzte er sich in die Fischbratstube und aß eine Scholle oder einfach einen Hering mit Pellkartoffeln. Zuhause kochte er alles, mal dies, mal das. Norddeutsch, italienisch, russisch, französisch. Henry war ein Maler, aber manchmal ein richtiger Koch.
Heute sollte es wieder sein Lieblingsessen geben, Bratkartoffeln. Ganz früh hatte Henry heute zu malen begonnen. Er arbeitete nämlich seit fast einer Woche schon an einem besonderen Bild. Henry hatte geträumt. Von einem gelben Esel, der auf zwei Beinen eine riesige Treppe hochlief. Ein Papagei flatterte dabei über ihm und sprach aufgeregt in seiner Papageiensprache. Am Ende der Treppe schauten aus einem Fenster komische Gesellen heraus. Die sahen ein bisschen aus wie Räuber Hotzenplotz und seine Kumpel. Henry malte das nun. Das ging nicht an einem Tag.
Einmal merkte Henry: Das Bild oder der Traum, den er malte, war ein bisschen so wie bei den Bremer Stadtmusikanten. Da standen ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn wie Zirkusartisten aufeinander. Und drinnen im Waldhäuschen saßen, aßen und tranken die Räuber. Wie würde Henry das Bild nennen, wenn es fertig ist? "Auf zwei Beinen zu den Banditen"? Oder "Der Gelbesel greift an"? Oder "Die Treppe hinauf?“ Oder einfach "Ein Traum"?
Henry wusste das noch nicht. Er wusste mittags nur: "Ich habe Hunger. Ein Sack Kartoffeln ist noch im Keller. Butter habe ich auch. Die Pfanne spüle ich eben gerade ab. Einen grünen Salat mache ich schnell dazu. Das wird schmecken."
Und Henry lief das Wasser im Mund zusammen. Während er die Kartoffelscheiben in der heißen Pfanne drehte, sang er sogar ein paar Lieder. Henry sang nicht schön, aber voller Begeisterung. Keiner außer Henry kannte allerdings die Sätze seiner Lieder. "Ich liebe dich, du meine Bratkartoffel..." - "Mein leerer Bauch, ich warte doch auch..." - "Woher kommen die tollen Gerüche - aus Henrys Küche..." Gut, dass ihm keiner zuhörte. Obwohl, lustig war das Lied schon. Und wenn ein Ton mal zu tief oder zu hoch war - Henry war ja ein Maler und kein Sänger.
Nach dem Essen ließ Henry in der Küche alles stehen und liegen, wie es war. Er rülpste drei Mal laut und freute sich, dass er heute keinen Besuch hatte und nicht in der Fischbratstube saß. Denn da darf er nicht einfach so rülpsen. Dann gucken ihn bestimmt alle so komisch an. Er rülpste noch einmal. Er griff noch schnell zum halbvollen Glas mit Apfelsaft und legte sich auf sein Sofa.
Henry wurde müder und müder. Sein Schlaflied summte er nur mit halber Lautstärke, um sich nicht wieder selbst zu wecken. "Schlaf, Henry schlaf, dein Vater hüt' die Schaf... Ein Bett im Kornfeld... Komm unter meine Decke..." So sang sich Witzbold Henry selbst in den Mittagsschlaf.
Nichts interessierte ihn mehr. Kein Traumbild, keine schmutzige Küche, kein Abspülen, kein platter Fahrradreifen, den er eigentlich noch reparieren wollte und keine Bratpfanne, die fast leer auf dem Herd stand. Leider war die Herdplatte noch an, weil Henry vergessen hatte, sie auszustellen.
In der Küche fing es an zu stinken. Ja, über dem Herd roch es schon richtig schlimm. Die Kartoffelreste waren pechschwarz. Qualm stieg zur Küchendecke auf. Die heiße Pfanne begann unter der schwarzen Schicht rot zu leuchten.
"Ich will noch schlafen. Eh, du gelber Esel, was willst du hier? Ich bin müde. Ich habe schon gemalt. Ich habe meinen Mittagsschlaf verdient. Lass mich in Ruhe!"
Bei diesen Worten fasste sich Henry an die Nase und schob irgendetwas weg. "Blöde Fliege, flieg woanders", murmelte Henry halb im Schlaf.
"Flieg zu den Kühen und Schweinen. Ich bin kein Schwein. Bin Henry." Und wieder fühlte Henry ein Kribbeln an seiner Nase.
"Unverschämtheit! Will ich mal schlafen und so'n blöder Brummer nervt mich. Verzieh dich!"
Henry kam nicht zur Ruhe. Nun hatte er das Gefühl, auch seine Stirn und seine Wange sind Landeplatz und Spielplatz für eine ganze Fliegenschar. Henry verzog seine Nase, warf seine Stirn in Falten, schüttelte den Kopf, wischte mit der linken Hand vor seinen geschlossenen Augen her. Nichts half. Da wurde es ihm zu bunt. Er kletterte aus seinem Halbschlaf und öffnete die Augen.
"Oh, Schmetterlinge! Gar kein fetter Brummer. Schmetterlinge in meinem Wohnzimmer. Die sind doch sonst nur draußen. Das ist ja witzig."
Doch dann öffnete Henry auch seine Nase und schaltete seinen Kopf wieder ein. "Was stinkt hier so? Das riecht wie in einer Pommes-Bude. Ne, viel schlechter. Da brennt was. Nein, da brennt was an. Warte! - Henry, du Dösbaddel, deine Pfanne! Ja, die Pfanne, die Bratpfanne mit den Kartoffeln."
Henry erhob sich, so schnell er konnte, von seinem alten Sofa und ging zügig zur Küche. Er riss das Fenster auf, drehte die Herdplatte ab und zog die Pfanne von der Stelle. Als ein Moment vergangen war, goss er Wasser in die schwarzgebrannte Pfanne, dass sie immer noch mächtig zischte. Er öffnete ein weiteres Fenster und kehrte ins Wohnzimmer zurück.
Da saßen sie doch tatsächlich nebeneinander auf dem Tisch, wie in einer Reihe vor Henry aufgebaut. Ein Schmetterling war schöner als der andere. Es waren zwei große und drei kleinere. Henry staunte.
